XPeng Deutschland hat ein interessantes Problem: Kaum jemand kennt die Marke wirklich – und gleichzeitig wächst sie schneller, als viele Beobachter erwartet hätten. Genau darüber wurde beim Roundtable-Gespräch von XPeng in Hamburg gesprochen.
Mit am Tisch saß Markus Schrick. Schrick verantwortet inzwischen nicht mehr nur den deutschen Markt, sondern ist als Managing Director für ganz Zentraleuropa zuständig. Wer ihn noch nicht kennt: Schrick ist kein Start-up-Visionär im schwarzen Rollkragen und kein Silicon-Valley-Manager, der die Automobilwelt bei jeder Gelegenheit neu erfinden will, sondern ein ziemlich nüchterner Automanager, der lieber über Händlerstrukturen, Ersatzteillogistik und Restwerte spricht als über Buzzwords. Genau diese Dinge entscheiden in Europa allerdings meistens darüber, ob eine neue Marke langfristig überlebt.
Oder, wie Schrick es selbst formuliert:
„Wir wollen erreichen, dass ein Kunde sagt, er sei nicht einen Chinesen probegefahren – sondern einen XPeng.“
Dieser Satz beschreibt ziemlich genau die Strategie der Marke. XPeng will nicht als „chinesische Alternative“ wahrgenommen werden, sondern schlicht als eine gute Automarke. Dass man intern gleichzeitig den Anspruch formuliert, der „deutscheste aller chinesischen Hersteller“ zu werden, passt erstaunlich gut dazu.
XPeng wächst schneller als viele etablierte Hersteller
XPeng wurde 2014 gegründet. In der Automobilindustrie gilt man damit ungefähr als Neuling, während viele Traditionshersteller ihre Geschichte noch immer mit Fabrikbildern aus der Kaiserzeit illustrieren.
Trotzdem hat XPeng inzwischen eine Größenordnung erreicht, die man kaum noch ignorieren kann.
Im Jahr 2025 lieferte das Unternehmen weltweit 429.445 Fahrzeuge aus – ein Wachstum von 126 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vierzehn Monate in Folge lagen die monatlichen Auslieferungen über 30.000 Einheiten. Gleichzeitig beschäftigt XPeng heute mehr als 20.000 Mitarbeiter, von denen rund 40 Prozent in Forschung und Entwicklung arbeiten. Etwa die Hälfte davon im Softwarebereich.

Dass sich XPeng intern eher als Technologieunternehmen versteht als als klassischen Autobauer, überrascht deshalb nicht. Neben Elektrofahrzeugen arbeitet das Unternehmen unter anderem an humanoiden Robotern namens IRON sowie an Flugfahrzeugen und autonomen Fahrsystemen, die perspektivisch Level-4-Automatisierung erreichen sollen.
Im Gespräch fällt dazu ein Satz, der gleichzeitig ironisch und ziemlich selbstbewusst klingt: „Wer fliegende Autos bauen kann, in die sich auch ein Vorstandsmitglied setzt, kann auch fahrende Autos gut bauen.“
XPeng Deutschland: Die wichtigsten Zahlen im Überblick
Der Ausbau von XPeng Deutschland nimmt schnell Fahrt auf. Die wichtigsten Fakten zur Strategie der Marke:
- 2.991 Fahrzeuge wurden 2025 in Deutschland zugelassen
- Das entspricht einem Wachstum von 661 % gegenüber 2024
- 2024 lag der Absatz noch bei rund 400 Fahrzeugen
- Für 2026 plant XPeng mehr als 8.000 Fahrzeuge in Deutschland
- Für 2027 stehen über 15.000 Fahrzeuge im Raum
- Das Händlernetz soll von 50 auf rund 110 Standorte wachsen
- Österreich und Schweiz sollen langfristig jeweils etwa 1.000 Fahrzeuge pro Jahr erreichen
Diese kompakten Zahlen sind der Grund, warum XPeng Deutschland in der Branche inzwischen deutlich ernster genommen wird als noch vor wenigen Jahren.
Europa wird zum Herzstück der XPeng-Expansion
Während einige chinesische Hersteller Europa noch vorsichtig testen, hat XPeng längst entschieden, dass der Kontinent eine Schlüsselrolle spielen soll.
2023 war das Unternehmen außerhalb Chinas noch in fünf Märkten aktiv.
2024 waren es bereits 30.
2025 schließlich 60 Märkte weltweit.
Europa bildet dabei das Zentrum der internationalen Expansion. Von rund 380 internationalen Standorten befinden sich inzwischen etwa 290 auf dem europäischen Kontinent.
Der deutsche Markt spielt dabei eine besondere Rolle. Wer hier erfolgreich ist, wird in der Automobilwelt automatisch ernster genommen.
XPeng Deutschland: Vom Nischenplayer zum ernsthaften Wettbewerber
Die Entwicklung in Deutschland zeigt, wie schnell sich der Markt verändern kann.
2024 wurden hierzulande rund 400 XPeng-Fahrzeuge zugelassen.
2025 waren es bereits 2.991 – ein Wachstum von 661 Prozent.
Parallel dazu wächst das Händlernetz.
2024 etwa 20 Standorte
2025 rund 50 Standorte
2026 geplant rund 110 Standorte
Das Ziel ist klar: Die weißen Flecken auf der Deutschlandkarte schließen. In Hamburg entsteht beispielsweise bald der erste XPeng City Store.
Im Gegensatz zu vielen neuen Elektroautoherstellern setzt XPeng bewusst auf klassische Vertragshändler statt auf reinen Direktvertrieb. Der Grund ist einfach: Verkaufskompetenz liege im Handel, und Händler seien das Gesicht der Marke.
Damit dieses Gesicht auch motiviert bleibt, plant XPeng eine Marge, die etwa 0,5 bis 1 Prozent über dem Branchendurchschnitt liegt. In einer Branche, in der zwei Prozent Umsatzrendite bereits als solides Ergebnis gelten, ist das durchaus ein Argument.
Die Ziele für Deutschland, Österreich und die Schweiz
Der Fokus liegt klar auf Deutschland, doch auch Österreich und die Schweiz gehören zur Strategie.
Deutschland
2024 rund 400 Fahrzeuge
2025 etwa 3.000
2026 geplant über 8.000
2027 geplant über 15.000
Österreich und Schweiz sollen langfristig jeweils etwa 1.000 Fahrzeuge pro Jahr erreichen.
Beim Händlernetz sieht die Planung ähnlich aus.
Deutschland: 50 Standorte → Ziel 110
Österreich: 8 → Ziel 20
Schweiz: 8 → Ziel 20
Während Deutschland und Österreich direkt betreut werden, übernimmt in der Schweiz der Distributor Hedin den Vertrieb.
XPeng 2026: Die aktuellen Modelle – und was noch kommt
Aktuell verkauft XPeng in Deutschland drei Fahrzeuge: das Kompakt-SUV XPeng G6, das große SUV XPeng G9 und die Limousine XPeng P7.
Der P7 ist allerdings bereits ein Auslaufmodell. Sein Facelift wurde Ende letzten Jahres eingestellt. Parallel dazu startet mit dem P7+ ein neues Modell, das zwar technisch verwandt ist, aber nicht als direkter Nachfolger positioniert wird.
Der komplett neue P7, der in China erscheint, dürfte in Europa dagegen nicht mehr angeboten werden – schlicht weil er sich zu stark mit dem P7+ überschneiden würde.
Die Modellpalette wächst trotzdem weiter. Zwei kleinere SUVs unterhalb des G6 sollen noch in diesem Jahr erscheinen, auch wenn Details derzeit noch unter Verschluss bleiben.
Außerdem plant XPeng eine siebensitzige Version des G9 sowie mit dem X9 einen luxuriösen sogenannten „People Mover“ – einen großen MPV mit Luftfederung, Allradlenkung und 800-Volt-Technologie.
Konfiguration: bewusst einfach
Während deutsche Premiumhersteller Konfiguratoren anbieten, die manchmal länger dauern als ein Steuerformular, verfolgt XPeng eine deutlich einfachere Strategie.
Die Auswahlmöglichkeiten sind bewusst reduziert: Außenfarbe, Innenfarbe, Anhängerkupplung und wenige Optionen.
Die Anhängerkupplung kostet beim G6 und beim P7+ 1.190 Euro, beim G9 1.260 Euro. Beim G9 gibt es zusätzlich ein Premium-Paket für 3.960 Euro.
Der Vorteil dieser Strategie liegt auf der Hand. Weniger Varianten bedeuten nicht nur höhere Skaleneffekte in der Produktion, sondern auch schnellere Lieferzeiten, weil Fahrzeuge leichter auf Lager produziert werden können.
Technik ,Ladeleistung & die 7-Jahre-Garantie
Technisch setzt XPeng auf eine 800-Volt-Architektur mit Reichweiten von bis zu 585 Kilometern und Ladeleistungen von bis zu 525 kW. Damit soll E-Mobilität dann richtig Spaß machen.
Allerdings muss man auch realistisch bleiben: In Deutschland existieren bislang nur wenige Schnellladesäulen, die tatsächlich über 500 kW liefern. Die meisten HPC-Stationen bewegen sich eher im Bereich von 300 bis 350 kW.
Hinzu kommt eine Garantie von sieben Jahren beziehungsweise 160.000 Kilometern sowie acht Jahren auf die Batterie. Das ist durchaus selbstbewusst – auch wenn man fairerweise sagen muss, dass Kia seit Jahren eine siebenjährige Garantie auf seine Fahrzeuge gewährt, egal ob Elektroauto oder Verbrenner.
Range Extender – in China ja, in Europa eher nicht
Spannend ist auch das Thema Hybridantriebe.
In China bringt XPeng derzeit Range-Extender-Modelle auf den Markt. Für Europa bleibt man jedoch zurückhaltend. Der Grund: Reichweiten und Ladegeschwindigkeiten der aktuellen Elektrofahrzeuge gelten als ausreichend, und auch die Schnellladeinfrastruktur wird mittlerweile als solide bewertet.
Mit anderen Worten: Man könnte Range-Extender anbieten – sieht derzeit aber keinen dringenden Bedarf.
Fazit: Warum XPeng Deutschland plötzlich ernst genommen werden muss
Noch vor zwei Jahren war XPeng Deutschland für viele Beobachter kaum mehr als eine Randnotiz im europäischen Automarkt. Heute sprechen die Zahlen eine deutlich andere Sprache.

Der Roundtable in Hamburg hinterlässt am Ende einen klaren Eindruck. XPeng verfolgt in Europa keine kurzfristige Strategie. Statt großer Inszenierungen setzt das Unternehmen auf Händlerstrukturen, Technologie, Service und eine klare Modellplanung.
Vielleicht wirkt das weniger spektakulär als manche Marketingkampagne der Konkurrenz. Gleichzeitig ist es genau der Ansatz, mit dem sich Automarken in Europa langfristig etablieren.
In der Automobilindustrie ist es schließlich schon öfter passiert, dass ein neuer Hersteller zunächst unterschätzt wurde.
Tesla kann davon ein Lied singen.
Text: NEU!
Fotos: XPeng
