Genesis GV60 Facelift
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Genesis GV60 Facelift Test – Kleines Upgrade, große Wirkung

Der Genesis GV60 Facelift tritt 2025 mit einem klaren Anspruch an: Er will nicht nur optisch auffrischen, sondern technisch nachlegen. Das kompakte Premium-Elektro-SUV bleibt auf der bekannten E-GMP-Architektur, nutzt weiterhin das 800-Volt-System und positioniert sich als eigenständige Alternative im gehobenen Stromer-Segment. Doch die Modellpflege geht spürbar tiefer als reine Designkorrekturen.

Größte Veränderung ist der gewachsene Energiespeicher. Statt 77,4 kWh stehen nun rund 84 kWh netto zur Verfügung. Das soll die WLTP-Reichweite auf bis zu 512 Kilometer anheben und die Langstreckentauglichkeit verbessern. Gleichzeitig bleibt die technische Ausrichtung klar: zwei Elektromotoren beim Allradmodell, 319 PS Systemleistung, 605 Newtonmeter Drehmoment und ein Standardsprint auf 100 km/h in 5,5 Sekunden.

Der GV60 war von Beginn an als reines Elektrofahrzeug konzipiert – kein umgerüsteter Verbrenner, kein Kompromisslayout. Genau deshalb ist das Facelift kein Richtungswechsel, sondern eine Weiterentwicklung: moderneres Cockpit, verfeinerte Lichttechnik, optimierte Dämmung und eine insgesamt hochwertigere Anmutung. Auf dem Papier wirkt das nach Feinschliff. Im Alltag entscheidet sich, ob daraus echte Substanz wird. Zeit für einen Test. Fahrbericht.


Der Look

Beim Genesis GV60 Facelift geht es weniger um neue Formen als um mehr Präzision. Die Proportionen bleiben unverändert: kurzer Vorderwagen, breite Spur, ein kompakter Aufbau mit hoher Schulterlinie. Doch in der Detailarbeit wurde sichtbar nachgeschärft. Die Front wirkt klarer strukturiert, die unteren Bereiche sind neu konturiert und geben dem Fahrzeug eine technischere Ausrichtung. Das SUV steht optisch stabiler auf der Straße, ohne seine eigenständige Linienführung zu verlieren.

Ein wesentliches Element der Überarbeitung ist die neue Lichttechnik. Genesis setzt hier auf Micro-Lens-Array-Technologie – eine aufwendige LED-Struktur, bei der viele kleine Linsenelemente für eine präzisere Lichtverteilung sorgen. Das verändert nicht nur die Leuchtgrafik, sondern auch die Qualität der Ausleuchtung bei Nacht. Die Lichtkante wirkt schärfer definiert, der Lichtteppich homogener. Gerade auf dunklen Landstraßen fällt auf, dass hier nicht nur gestalterisch, sondern funktional nachgelegt wurde.

Auch am Heck sind die Änderungen subtil, aber wirksam. Kontrastierende Kunststoffflächen wurden reduziert, stärker lackierte Bereiche sorgen für eine geschlossenere Optik. Dadurch wirkt der Abschluss wertiger und weniger technisch nüchtern. Die markante Linienführung im Bereich der C-Säule bleibt als Erkennungsmerkmal bestehen und hält die Identität des Modells intakt.

Je nach Ausstattung stehen Felgen bis 21 Zoll zur Wahl. In dieser Dimension gewinnt der GV60 sichtbar an Präsenz. Insgesamt zeigt das Facelift eine klare Richtung: weniger Spielerei, mehr Präzision – und ein Auftritt, der sich souverän in der Premiumklasse behauptet.


Und innen?

Der Genesis GV60 Facelift zeigt seine eigentliche Weiterentwicklung im Cockpit. Der Innenraum wirkt nicht neu erfunden, aber deutlich klarer strukturiert. Dominant ist die nun durchgehende 27-Zoll-Displayeinheit, die Kombiinstrument und zentrales Infotainment zu einer breiten digitalen Bühne verbindet. Die Darstellung kann großflächig für Navigation genutzt werden oder klassisch in Fahrinformationen und Medienbereich geteilt werden. Entscheidender als die reine Größe ist jedoch die Integration: Die Glasfläche fügt sich ruhiger in das Armaturenbrett ein als zuvor und reduziert visuelle Brüche.

Gleichzeitig bleibt die Bedienlogik angenehm konservativ. Klimasteuerung, Sitzheizung und Sitzbelüftung sind weiterhin über physische Taster erreichbar. Das spart Blickabwendung im Fahrbetrieb und wirkt im Alltag schlicht sinnvoll. Gerade in einem Premium-Elektro-SUV, das auch bei Minusgraden genutzt wird, ist diese Mischung aus Touch und Haptik kein Nebendetail.

Die Materialauswahl bewegt sich auf hohem Niveau. Lederflächen, präzise gesetzte Ziernähte und sauber verarbeitete Kunststoffelemente erzeugen ein konsistentes Qualitätsbild. Es gibt keine sichtbaren Unsauberkeiten, keine klappernden Bauteile, keine optischen Kompromisse. Die sogenannte Crystal Sphere in der Mittelkonsole bleibt als markentypisches Element erhalten und setzt beim Startvorgang einen bewusst inszenierten Akzent.

Praktisch bleibt der GV60 ebenfalls konkurrenzfähig. 680 Liter Gepäckraumvolumen sind für ein Fahrzeug dieser Klasse stark, maximal stehen 1.460 Liter zur Verfügung. Unter der Fronthaube bietet das Allradmodell 20 Liter Zusatzstauraum, Varianten ohne AWD kommen auf 53 Liter. Der Innenraum verbindet damit digitale Modernisierung mit echter Alltagstauglichkeit.


Der Antrieb des Genesis GV60 Facelift

Der Genesis GV60 Facelift versteht sich nicht als neu abgestimmtes Fahrzeug, sondern als verfeinertes. Die Leistungsdaten bleiben in der getesteten Allradversion unverändert: 319 PS Systemleistung und 605 Newtonmeter stehen weiterhin bereit. Der Spurt auf 100 km/h dauert 5,5 Sekunden – schnell genug, um im Segment jederzeit souverän mitzuhalten. Doch Tempo ist hier nicht das zentrale Thema.

Die eigentliche Veränderung liegt im Energiehaushalt. Mit rund 84 kWh netto wächst der verfügbare Speicher spürbar. Diese zusätzliche Kapazität verschiebt das Nutzungsprofil. Das Fahrzeug wirkt weniger abhängig von jeder einzelnen Kilowattstunde, gerade bei längeren Etappen oder ungünstigen Bedingungen. Es entsteht ein größerer Handlungsspielraum, ohne dass sich der Charakter grundsätzlich verändert.

Das 800-Volt-System bleibt als technische Basis erhalten. Damit bleibt auch die Möglichkeit hoher Ladeleistungen bestehen. Entscheidend ist jedoch die Abstimmung im Fahrbetrieb. Der GV60 reagiert direkt, aber nicht aggressiv. Leistungsentfaltung und Geräuschkomfort stehen in einem ausgewogenen Verhältnis. Die Geräuschdämmung wirkt nochmals verbessert, sodass selbst bei höheren Geschwindigkeiten wenig akustische Unruhe entsteht.

Über Schaltpaddles lässt sich die Intensität der Energierückgewinnung variieren. Damit kann der Fahrer zwischen stärkerer Verzögerung und freiem Rollen wählen. In Verbindung mit dem Allradantrieb entsteht ein Fahrgefühl, das weniger sportlich zugespitzt als vielmehr stabil und kalkulierbar wirkt. Auch auf verschneitem Untergrund bleibt das Fahrzeug berechenbar.

Der Genesis GV60 Facelift definiert Dynamik somit nicht über Lautstärke oder Härte, sondern über kontrollierte Kraftentfaltung und Reichweitenreserven.


Alltag & Verbrauch

Ein Elektroauto beweist sich nicht auf dem Prüfstand, sondern im Alltag. Beim Genesis GV60 Facelift zeigt sich schnell, dass zusätzliche Batteriekapazität nicht nur eine Marketingzahl ist. Mit rund 84 kWh netto steht mehr Energie zur Verfügung als zuvor. Das verschiebt das Gefühl im täglichen Umgang spürbar. Die Restreichweitenanzeige fällt entspannter aus, gerade wenn Heizung, Sitzwärme und Assistenzsysteme dauerhaft aktiv sind.

Unter winterlichen Bedingungen lag der ermittelte Durchschnittsverbrauch bei 24,6 kWh pro 100 Kilometer. Das ist kein Sparrekord, aber im Kontext eines allradgetriebenen Premium-SUV mit 319 PS realistisch einzuordnen. Interessant wird es bei moderater Fahrweise: In einer gezielten Effizienzrunde sank der Wert auf 16,8 kWh pro 100 Kilometer – trotz niedriger Temperaturen. Das zeigt, dass das System grundsätzlich effizient arbeiten kann, wenn Tempo und Beschleunigungsanforderungen reduziert werden.

Die offizielle WLTP-Reichweite wird mit bis zu 512 Kilometern angegeben. Im realen Winterbetrieb relativiert sich dieser Wert. Spätestens nach rund 360 Kilometern war im Test ein Zwischenstopp sinnvoll. Dieser Unterschied zwischen Normwert und Praxis ist nicht ungewöhnlich, macht aber deutlich, dass Temperatur und Fahrprofil entscheidenden Einfluss haben.

Im Alltag bleibt der GV60 dennoch gut nutzbar. Das Fahrzeug vermittelt genügend Reichweitenreserve für Pendelstrecken, Wochenendfahrten und mittlere Distanzen. Wer jedoch regelmäßig Langstrecken plant, muss realistisch kalkulieren. Mehr Batterie bedeutet mehr Spielraum – aber keine Immunität gegen physikalische Rahmenbedingungen.


Das Laden des Genesis GV60 Facelift

Beim Thema Schnellladen zeigt der Genesis GV60 Facelift, wie stark Theorie und Praxis voneinander abhängen können. Die technische Basis erlaubt Ladeleistungen von bis zu 240 kW – in der Realität ist jedoch deutlich mehr möglich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Mit heißem Akku nach zügiger Autobahnfahrt und aktivierter, manueller Vorkonditionierung wurden im Test Spitzenwerte von 257 kW erreicht. Das ist ein Niveau, das im Segment keineswegs selbstverständlich ist. Unter diesen Bedingungen dauerte ein Ladevorgang von 26 auf 84 Prozent lediglich 22 Minuten. Selbst ein größerer Ladehub von 8 auf 93 Prozent war nach 37 Minuten abgeschlossen. Diese Werte wurden bei winterlichen, einstelligen Außentemperaturen erzielt – allerdings nur mit bewusstem Temperaturmanagement.

Ohne vorbereitete Batterie fällt die Ladeleistung deutlich geringer aus. Das System benötigt eine ausreichend warme Zelltemperatur, um hohe Ströme zuzulassen. Wer die Vorkonditionierung nicht rechtzeitig aktiviert oder ausschließlich im Stadtverkehr unterwegs ist, wird die maximale Performance kaum abrufen können.

Entscheidend ist also nicht nur die 800-Volt-Architektur, sondern das Zusammenspiel aus Fahrprofil und Vorbereitung. Längere Autobahnetappen vor dem Schnellladehalt wirken wie eine natürliche Vorwärmung. Ergänzt man dies durch manuelle Aktivierung der Batterieheizung, lässt sich das Potenzial vollständig ausschöpfen.

Der Genesis GV60 Facelift gehört damit zu den Schnellladern im Premium-SUV-Segment – vorausgesetzt, der Fahrer nutzt die Technik bewusst. Ohne Vorbereitung bleibt die Ladeleistung solide. Mit optimaler Temperatur bewegt sie sich jedoch auf einem sehr hohen Niveau.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Der Genesis GV60 Facelift positioniert sich nicht über Optionslisten, sondern über Serienumfang. Bereits in der Ausstattungslinie „Sport“ ist das Paket umfangreich geschnürt. Sitzheizung und Sitzbelüftung vorn, beheizbares Lenkrad, Matrix-LED-Lichttechnik, elektrische Sitzeinstellungen sowie eine Vielzahl an Assistenzsystemen sind ohne zusätzliche Pakete an Bord. Das reduziert Konfigurationsaufwand und sorgt für eine klare Preisstruktur.

Zentrales Technik-Element bleibt das neue 27-Zoll-Display, das Kombiinstrument und Infotainment in einer gemeinsamen Glasfläche bündelt. Die Kartendarstellung kann großflächig erfolgen, alternativ werden Fahrdaten und Medieninformationen klassisch getrennt angezeigt. Ergänzt wird das System durch ein vollwertiges Head-up-Display, das Geschwindigkeit, Navigationshinweise und Assistenzinformationen direkt ins Sichtfeld projiziert.

Im Bereich Konnektivität unterstützt der GV60 kabelloses Android Auto und Apple CarPlay. Eine induktive Ladeschale übernimmt die Stromversorgung kompatibler Smartphones zuverlässig. Das optionale Bang-&-Olufsen-Soundsystem schlägt mit 1.570 Euro zu Buche und liefert ein ausgewogenes Klangbild mit klarer Höhenzeichnung und kräftigem Bassfundament.

Die Assistenzsysteme arbeiten insgesamt auf hohem Niveau. Der adaptive Tempomat reguliert Abstände weich und vorausschauend, Spurhalte- und Totwinkelassistent reagieren präzise. Typisch für die Konzerntechnik ist die kamerabasierte Totwinkelanzeige im Kombiinstrument beim Setzen des Blinkers. Kritisch bleibt lediglich die sehr sensible Fahrerüberwachung, die frühzeitig eingreift oder warnt.

Auch Details wie elektrische Lenksäulenverstellung, Panoramaglasdach (je nach Linie Serie oder optional) und 360-Grad-Kamera unterstreichen den Premium-Anspruch. Der Genesis GV60 Facelift kombiniert damit umfangreiche Serienausstattung mit moderner Interface-Technik und hohem Komfortniveau.


Varianten & Preise des Genesis GV60 Facelift

Der Genesis GV60 Facelift wird in vier klar positionierten Ausstattungsstufen angeboten. Der Einstieg beginnt mit der Basisversion als Hecktriebler mit 229 PS, den wir bereits als Vorfacelift testen konnten (Test des Genesis GV60). Der Preis startet bei 54.680 Euro. Bereits hier sind 19-Zoll-Räder, Micro-Lens-LED-Scheinwerfer, Wärmepumpe, 2-Zonen-Klimaautomatik, Parksensoren vorn und hinten, Rückfahrkamera sowie elektrisch verstellbare Vordersitze mit Sitzheizung serienmäßig an Bord. Auch eine elektrische Heckklappe und mehrere Assistenzsysteme gehören zum Standard.

Darüber rangiert die Linie „Premium“ ab 57.680 Euro. Sie ergänzt unter anderem Digital Key 2.0, Ambientebeleuchtung und Face-Connect-Gesichtserkennung. Letztere ermöglicht das Entriegeln und Starten des Fahrzeugs ohne klassischen Schlüssel.

Die getestete Variante „Sport“ markiert den Einstieg in den Allradbereich. Für mindestens 64.580 Euro stehen hier 318 PS Systemleistung bereit. 20-Zoll-Räder, Lenkradheizung und zusätzliche Komfortmerkmale sind inklusive. Diese Version kombiniert die stärkere Motorisierung mit umfangreicher Serienausstattung und bildet damit das Herzstück des Angebots.

An der Spitze steht der GV60 Sport+. Hier arbeiten ebenfalls zwei Motoren, allerdings mit einer Leistung von 490 PS. Der Preis beginnt bei 74.480 Euro. Neben adaptivem Fahrwerk, 21-Zoll-Rädern, Matrix-LED-Licht, Head-up-Display und 360-Grad-Kamera gehören auch Nappaleder und ein elektronisches Sperrdifferenzial zum Paket. Ein Drift-Mode unterstreicht die sportliche Ausrichtung dieser Version.

Ab Sommer 2026 soll zudem der GV60 „Magma“ folgen. Mit 650 PS und einer deutlich sportlicheren Abstimmung erweitert Genesis das Portfolio um eine Performance-Variante, die preislich oberhalb der bisherigen Sport+-Version erwartet wird.


Kundenfeedback

In den Stimmen von Fahrern und Interessenten fällt beim Genesis GV60 Facelift vor allem ein Punkt konstant positiv auf: das Premium-Gefühl im Innenraum. Viele beschreiben das Cockpit als „ungewöhnlich hochwertig“ für diese Fahrzeugklasse und loben, dass sich das Auto weniger nach Technik-Spielerei und mehr nach einem reifen, leisen Premium-SUV anfühlt. Das große Display wird dabei oft als echter Fortschritt wahrgenommen, weil es das Armaturenbrett optisch beruhigt und Informationen klar bündelt. Auch die Sitzqualität, die Geräuschdämmung und der insgesamt entspannte Langstreckencharakter werden häufig genannt – der GV60 wird eher als komfortabler Reisewagen beschrieben als als sportlich überzeichneter Stromer.

Sehr häufig taucht das Thema Schnellladen auf. Die Grundstimmung ist: Das Auto kann extrem schnell laden, aber nur, wenn die Batterie wirklich warm ist. Fahrer berichten von sehr hohen Spitzenwerten jenseits der 200-kW-Marke, sprechen aber ebenso offen darüber, dass die Ladeleistung im Winter ohne konsequente Vorkonditionierung deutlich einbricht. Genau dieser Alltagspunkt trennt für viele „beeindruckend“ von „frustrierend“, weil man den Ladevorgang aktiv vorbereiten muss. In Foren wird zudem diskutiert, dass die Vorkonditionierung in bestimmten Situationen zu früh beendet oder nicht zuverlässig durchläuft, was dann direkt an der Säule sichtbar wird.

Bei den Assistenzsystemen dominiert ein wiederkehrender Kritikpunkt: die Fahrerüberwachung. Viele empfinden sie als zu sensibel, teils aufdringlich, mit Warnungen, die nicht immer nachvollziehbar wirken. Vereinzelt werden außerdem Software-Eigenheiten genannt, etwa sporadische Display-Neustarts oder Systemhänger. Insgesamt bleibt das Stimmungsbild aber: sehr eigenständiger Premium-Stromer mit starkem Komfortkern – mit ein paar digitalen Macken, die man bei diesem Anspruchsniveau weniger gern akzeptiert.


Fazit zum Genesis GV60 Facelift

Der Genesis GV60 Facelift ist keine kosmetische Pflichtübung, sondern eine sinnvolle Weiterentwicklung an den richtigen Stellen. Die Basis bleibt vertraut: E-GMP, 800-Volt-Technik, Premium-Crossover-Format. Entscheidend ist, dass Genesis die Substanz nachschärft, statt nur an der Oberfläche zu polieren. Die größere Batterie mit rund 84 kWh netto ist dabei mehr als ein Datenblatt-Upgrade. Sie verschiebt den Nutzwert spürbar, weil Reichweitenreserve und Flexibilität steigen – auch wenn die Winterrealität die WLTP-Welt (bis 512 Kilometer) erwartbar relativiert.

Stark ist der GV60 weiterhin beim Komfort. Die Geräuschdämmung wirkt sehr reif, das Fahrwerk bleibt souverän, ohne weich zu werden, und der Allradantrieb gibt auch bei schwierigen Bedingungen ein hohes Maß an Sicherheit. Mit 319 PS und 605 Nm ist er schnell genug, um in jeder Alltagssituation überlegen zu wirken, aber er inszeniert das nicht aggressiv. Das passt zum Charakter: Premium zuerst, Performance als Reserve.

Im Innenraum legt das Facelift sichtbar nach. Das neue 27-Zoll-Display modernisiert den Arbeitsplatz, ohne die Bedienung zu überkomplizieren. Positiv bleibt, dass wichtige Funktionen weiterhin haptisch bedienbar sind. Platzangebot und Variabilität sind ebenfalls überzeugend: 680 Liter Kofferraum sind in dieser Klasse ein Argument.

Das Laden ist die große Stellschraube, die über Begeisterung oder Frust entscheidet. Mit warmem Akku und rechtzeitig aktivierter Vorkonditionierung kann der GV60 Facelift extrem schnell laden – bis 257 kW waren möglich, inklusive sehr kurzer Ladehübe (26–84 Prozent in 22 Minuten). Ohne Vorbereitung fällt das Niveau jedoch deutlich ab. Dazu kommt: Die Fahrerüberwachung ist weiterhin ein Nervfaktor, weil sie zu sensibel reagieren kann.

Unterm Strich bleibt der Genesis GV60 Facelift ein ernstzunehmender Premium-Stromer mit hoher Eigenständigkeit. Er belohnt Fahrer, die seine Technik aktiv nutzen – und genau darin liegt seine Stärke, aber auch seine kleine Hürde.


Konkurrenzmodelle

Im direkten Wettbewerbsumfeld bewegt sich der Genesis GV60 Facelift in einem anspruchsvollen Feld aus etablierten Premium- und Konzernalternativen. Der Audi Q4 e-tron positioniert sich ähnlich im Segment der kompakten Premium-Elektro-SUVs, setzt stärker auf klassische Markenbekanntheit und ein nüchternes Design. In puncto Ladeleistung kann der Genesis mit seinem 800-Volt-System jedoch deutliche Vorteile ausspielen, insbesondere wenn hohe DC-Spitzenleistungen realisiert werden.

Der Volvo XC40 Recharge verfolgt einen klar sicherheitsorientierten Ansatz und punktet mit skandinavischem Minimalismus. Beim Thema Innenraumqualität liegt der GV60 mindestens auf Augenhöhe, wirkt aber technisch moderner, vor allem durch das großflächige Display-Layout.

Aus dem eigenen Konzernumfeld stehen der Kia EV6 und der Hyundai IONIQ 5 als technisch eng verwandte Alternativen bereit. Beide nutzen ebenfalls die E-GMP-Plattform mit 800-Volt-Architektur. Der entscheidende Unterschied liegt in der Positionierung: Während EV6 und IONIQ 5 stärker auf Preis-Leistungs-Verhältnis und progressive Optik zielen, setzt der GV60 konsequent auf Premium-Inszenierung, höherwertige Materialien und eine eigenständigere Innenraumgestaltung.

Mit dem Polestar 4 tritt zudem ein designorientierter Wettbewerber an, der stärker auf futuristische Reduktion setzt. Klassische deutsche Premium-Alternativen wie der BMW iX3 oder der Mercedes-Benz GLC (als elektrische GLC-Variante, früher im Segment durch den EQC vertreten) sprechen Käufer an, die stärker auf Markenimage und traditionelle Premium-Verankerung setzen. Hier muss sich der GV60 weniger über Historie, sondern über Technik, Ausstattung und eigenständigen Auftritt behaupten.

Im Wettbewerbsvergleich positioniert sich der Genesis GV60 Facelift somit als technischer Schnelllader mit ausgeprägtem Komfortfokus und eigenständigem Premiumanspruch – weniger Massenmodell, mehr Individualistenlösung.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D

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