Hyundai Ioniq 5 N
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Hyundai Ioniq 5 N Test – Preisbrecher & Spaßmacher

Der Hyundai Ioniq 5 N gehört zu den wenigen Elektroautos, die nicht um Sympathie werben, sondern von Anfang an klarmachen, wofür sie gebaut wurden: Tempo, Kurvenlust, Spieltrieb. Seit rund anderthalb Jahren ist er am Start und besetzt eine Nische, die es vorher kaum gab – ein Fahrzeug, das gleichzeitig Familienkombi, Spaßmaschine und Technik-Spielplatz sein möchte. Das N im Namen ist dabei keine Dekorfloskel, sondern der Verweis auf Hyundais Motorsport-Ableger und die Rennstrecken-DNA, die hier in ein vollelektrisches Serienauto übersetzt wurde.

Rein optisch knüpft der 5 N zwar an die bekannte Ioniq-Silhouette an, inhaltlich fährt er aber in einer anderen Liga. Unter dem kantigen Blech arbeiten zwei E-Motoren mit bis zu 650 PS Boostleistung, ein aufwendiges N-Fahrwerk, eine eigens abgestimmte Software und eine Batterie mit 84 kWh nutzbarer Kapazität. Dazu kommen Features wie N Grin Boost und N e-Shift, die ganz bewusst mit den Sehnsüchten klassischer Verbrennerfans spielen: simulierte Gangwechsel, künstliches Zwischengas, Motorsound nach Wahl.

Unser Testwagen trat in Performance Blue matt an – einer Farbe, die perfekt zum Charakter passt und mit 1.050 Euro Aufpreis erstaunlich moderat bepreist ist. Im Alltag zeigt sich schnell: Der Ioniq 5 N ist kein stromlinienförmiger Vernunfts-Stromer, sondern ein Auto für Menschen, die auch im Zeitalter der Kilowattstunden nicht auf Emotionen verzichten wollen. Genau das macht ihn im aktuellen E-Auto-Feld so interessant.


Der Look

Der Ioniq 5 N nutzt die bekannte Grundform des normalen Ioniq 5, stellt sie aber optisch auf Steroide. Die Front wirkt mit der N-typischen Schürze deutlich schärfer, die Lufteinlässe sind größer gezeichnet, der „Pixel-Blick“ wirkt plötzlich weniger freundlich und mehr wie eine Kampfansage. In Performance Blue matt setzt sich der Hyundai klar von der Masse ab – die matte Oberfläche betont die Kanten stärker und lässt das Auto flacher wirken, als es real ist.

Seitlich fallen die verbreiterten Radläufe, die massiven 21-Zoll-Räder und die durchgängig roten Bremssättel ins Auge. Die typische Ioniq-Kastensilhouette wird durch Anbauteile, Schweller und farblich abgesetzte Details so weit gestrafft, dass der 5 N eher wie ein überdimensionierter Hot Hatch wirkt. Das Auto steht breit und satt auf der Straße, ohne in übertriebene Bodykit-Optik abzurutschen. Die roten Akzente entlang der unteren Karosserielinie verraten Kennern bereits aus der Ferne, womit sie es zu tun haben.

Am Heck ergänzt Hyundai einen markanten Diffusor, eine eigenständige Schürze und einen schwarzen Dachspoiler, der optisch den Abschluss bildet. Die Pixel-Rückleuchten bleiben ein klares Wiedererkennungsmerkmal, wirken im N-Kontext aber fast wie ein ironisches Augenzwinkern in Richtung Designstudie. Insgesamt schafft es der Ioniq 5 N, seinen Performance-Anspruch sichtbar zu machen, ohne mit Flügeln und Luftschächten zu übertreiben. Er bleibt erkennbar Ioniq, trägt aber das N-Trikot so konsequent, dass Verwechslungen mit der zivilen Version praktisch ausgeschlossen sind.


Und innen?

Im Innenraum zeigt der Hyundai Ioniq 5 N, wie sich digitale Moderne und analoge Fahrleidenschaft verbinden lassen. Auf den ersten Blick erkennt man die bekannte Architektur des Ioniq 5: zwei große, nebeneinander platzierte Bildschirme, eine luftige Gestaltung, klare Linien. Doch die Details verraten schnell, dass hier die N-Abteilung Hand angelegt hat. Die Sportschalensitze sind tief montiert, stark konturiert und in unserem Testwagen mit Alcantara-Leder-Kombination bezogen. Sie halten den Fahrer fest, ohne unbequeme Kompromisse im Alltag zu erzwingen. Vollklimatisierung mit Heizung und Belüftung macht sie langstreckentauglich.

Am Lenkrad fallen zwei zusätzliche N-Tasten auf, über die sich individuelle Performance-Setups aktivieren lassen. Dazu kommt der N Grin Boost-Schalter, der den Stromer kurzfristig in eine andere Sphäre der Beschleunigung katapultiert. Die Instrumente bieten spezielle Layouts mit Leistungsanzeige, Temperaturmonitoring, Drehmomentverteilung oder Track-Informationen. Wer möchte, taucht tief in eine Art technisches Kontrollzentrum ein, in dem sich nahezu jede fahrrelevante Größe konfigurieren lässt.

Trotz all der Sportgene bleibt die Alltagstauglichkeit erhalten. Der Fond bietet weiterhin viel Platz, die Beinfreiheit ist dank des langen Radstands üppig, und der Kofferraum fasst 480 bis 1.540 Liter. Die Ladekante ist niedrig, der Laderaum gut nutzbar, und auch unter dem Ladeboden gibt es noch Stauraum. Nur der Frunk entfällt – der Platz unter der Haube wird für Leistungselektronik und Kühlsysteme gebraucht. Insgesamt wirkt der Innenraum wie ein sehr praktischer Allrounder, in den jemand nachträglich ein komplettes Fahrerlebnis-Menü integriert hat, statt ein reines Tracktool zu bauen.


Der Antrieb des Hyundai Ioniq 5 N

Das Herzstück des Hyundai Ioniq 5 N ist sein Allradantrieb mit zwei E-Motoren und bis zu 650 PS. Im Normalzustand stehen 609 PS und 770 Newtonmeter Systemdrehmoment zur Verfügung. Aktiviert man N Grin Boost, steigert die Software für zehn Sekunden den Output – genug, um den Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,5 Sekunden zu ermöglichen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 260 km/h, womit der 5 N klar im Revier klassischer Sportwagen unterwegs ist.

Der stärkere Antrieb sitzt an der Hinterachse: 412 PS und 400 Newtonmeter sorgen dort für die Hauptarbeit. Vorn unterstützen weitere 238 PS mit 370 Newtonmeter. Das Zusammenspiel regelt eine ausgefeilte Elektronik, die je nach Fahrmodus unterschiedlich stark zur Hinterachse tendiert. In den N-Programmen zeigt der Hyundai eine ausgeprägt heckbetonte Charakteristik und wirkt dabei erstaunlich präzise. Die Lenkung arbeitet direkt, das Fahrwerk stützt die Karosserie konsequent ab, ohne auf schlechten Straßen völlig unnachgiebig zu werden.

Eine Besonderheit des Ioniq 5 N ist das N e-Shift-System. Über die Software simuliert Hyundai ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe – inklusive Drehmomentunterbrechungen, Schaltstößen und „virtuellen“ Gängen. Zusammen mit der künstlichen Motorakustik ergibt sich ein Fahrerlebnis, das viel näher an einem Verbrenner-Sportwagen liegt, als man es bei einem Elektroauto erwarten würde. Die meisten Testfahrer sind nach kurzer Eingewöhnung überrascht, wie glaubwürdig dieses System wirkt.

Dank Allrad und Sperrdifferenzial bleibt der Ioniq 5 N dabei gut beherrschbar, auch bei Nässe. Im Grenzbereich erfordert er Respekt, vermittelt aber stets ausreichend Rückmeldung. Vom ruhigen Pendelbetrieb bis zur Rennstrecken-Session deckt der Antrieb ein erstaunlich breites Spektrum ab – und genau das macht seinen Reiz aus.


Alltag & Verbrauch

Mit einem Sportmodell wie dem Hyundai Ioniq 5 N stellt sich unweigerlich die Frage nach Verbrauch und Reichweite. Die ehrliche Antwort lautet: Er kann, wenn man ihn lässt, durchaus effizient sein – aber er will selten. Wer das volle Potenzial regelmäßig abruft, treibt den Energiebedarf schnell in Regionen von 40 bis über 50 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Besonders bei hohen Autobahngeschwindigkeiten schmilzt der Akkustand sichtbar dahin, und Reichweiten deutlich unter 200 Kilometern sind dann keine Seltenheit.

Im gemischten Alltagsbetrieb sah das Bild deutlich entspannter aus. Mit normaler Fahrweise, gelegentlichen Zwischenspurts und ohne permanenten Boost lag der Testverbrauch bei rund 27 kWh pro 100 Kilometer. Auf einer bewusst entspannt gefahrenen Sparrunde waren sogar 14,8 kWh möglich. Damit zeigt der Ioniq 5 N, dass er nicht grundsätzlich verschwenderisch sein muss, sondern sehr stark vom rechten Fuß seines Fahrers abhängt. Die WLTP-Angabe von 21,2 kWh und 448 Kilometern Reichweite bleibt in der Praxis jedoch eher theoretischer Natur, wenn man das Auto so nutzt, wie es gedacht ist.

Beim Fahren im Alltag überzeugt der N mit guter Übersicht, bequemen Sitzen, brauchbarem Wendekreis und einem Fahrwerk, das im Normalmodus nicht permanent an die Sport-DNA erinnert. Er kann sich überraschend zahm geben, wenn man die aggressiven Modi links liegen lässt. Für Pendelstrecken oder Familienfahrten ist er damit weitaus besser geeignet, als der Datenblatt-Blick vermuten lässt.

Seine wahre Stärke spielt der Hyundai allerdings dann aus, wenn man Alltagswege mit kurzen Sporteinlagen kombiniert. Wer bereit ist, die häufigeren Ladestopps in Kauf zu nehmen, bekommt im Gegenzug eines der unterhaltsamsten E-Autos derzeit auf dem Markt.


Laden des Hyundai Ioniq 5 N

Beim Laden zeigt der Hyundai Ioniq 5 N sehr deutlich, woraus seine Langstreckenqualitäten entstehen – und wo die Grenzen liegen. Technisch profitiert er von der 800-Volt-Architektur, die hohe Ladeleistungen ermöglicht. Am Schnelllader sind laut Hersteller bis zu 260 kW drin; im Test wurden sogar kurzzeitig etwas höhere Werte erreicht. Entscheidend ist dabei die Spanne zwischen 10 und 80 Prozent Batteriestand. In diesem Bereich spielt der Ioniq 5 N seine Stärken voll aus und gehört zu den schnellsten Vertretern seiner Klasse. Die typische 10-bis-80-Prozent-Ladung dauert in der Praxis um die 18 bis 20 Minuten, vorausgesetzt, der Akku wurde zuvor vorkonditioniert und die Ladesäule liefert konstant hohe Leistung. Maximal benötigten wir hier 24 Minuten.

Auffällig ist allerdings die Ladekurve. Zu Beginn steigen die Ladeleistungen sehr schnell auf ihr Maximum, fallen aber vergleichsweise früh und deutlich wieder ab. Das macht den Bereich oberhalb von etwa 80 Prozent deutlich weniger attraktiv, weil die Ladedauer dann unverhältnismäßig zunimmt. Eine Vollladung bis 100 Prozent ist dennoch möglich, kann je nach Säule aber deutlich über 50 Minuten beanspruchen. Im Alltag lohnt es sich daher, den Ladevorgang bei rund 80 Prozent zu beenden und lieber häufiger kurz nachzuladen.

Beim AC-Laden verhält sich der Ioniq 5 N klassentypisch. Mit bis zu 11 kW dauert die komplette Vollladung von nahezu leer bis voll mehrere Stunden, was sich ideal für die heimische Wallbox oder das Laden über Nacht anbietet. Wer den Wagen überwiegend im Alltag und nur gelegentlich auf Langstrecken nutzt, kommt mit dieser Kombination aus sehr schnellem DC-Laden und solider AC-Leistung gut zurecht. Die Software unterstützt das Ganze mit Vorkonditionierungsfunktionen, die automatisch aktiv werden können, wenn als Navigationsziel eine Schnellladesäule gewählt wird.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Der Hyundai Ioniq 5 N tritt nicht als rohes Tracktool an, sondern als vollwertiges, modernes Elektroauto mit üppiger Serienausstattung. Die Palette an Assistenzsystemen ist umfangreich: adaptiver Tempomat mit Stau- und Autobahnassistent, Spurführung, Querverkehrwarner, Notbremsassistent und ein gut abgestimmtes Umfeldkamerasystem gehören zum Paket. In der Praxis arbeiten die Systeme größtenteils unauffällig und präzise. Lediglich die akustischen Warnungen könnten dezenter sein – gerade in einem Auto, das so stark auf Fahrspaß zielt, wünscht man sich manchmal etwas weniger Piepskonzert.

Das Infotainment ist typisch Hyundai: zwei große, hochauflösende Displays, klare Menüstruktur, logische Bedienung. Apple CarPlay und Android Auto sind an Bord, dazu kabelloses Laden und mehrere USB-Anschlüsse. Das Bose-Soundsystem liefert einen druckvollen Klang mit ordentlich Bassreserven und passt gut zum sportlichen Charakter. Zusammen mit der Ambientebeleuchtung entsteht eine moderne, leicht futuristische Atmosphäre im Innenraum.

Beim Licht setzt der Ioniq 5 N auf starke LED-Technik mit Matrix-Funktion. Das Ausblenden anderer Verkehrsteilnehmer klappt im Test überzeugend, die Ausleuchtung ist breit und reichweitenstark. Das Head-up-Display liefert zusätzliche Informationen ins direkte Blickfeld und hilft, Geschwindigkeit und Fahrmodi im Auge zu behalten, ohne ständig auf das Kombiinstrument schauen zu müssen.

Komfortseitig ist vieles an Bord: Sitzheizung und -lüftung vorn (mit optionalem N-Sitzpaket), beheizte Rücksitze außen, Lenkradheizung, eine einfach bedienbare Klimasteuerung und ausreichend Ablagen. Insgesamt wirkt der Ioniq 5 N wie ein voll ausgestattetes Alltagsauto, in das eine zweite Ebene – die N-Welt – integriert wurde. Wer nur von A nach B möchte, nutzt die normalen Funktionen. Wer mehr will, taucht per Knopfdruck in ein deutlich schärferes Fahruniversum ein.


Varianten & Preise des Hyundai Ioniq 5 N

Hyundai hält die Variantenvielfalt beim Ioniq 5 N bewusst überschaubar. Es gibt keine unterschiedlichen Leistungsstufen, keine zahme Einstiegsvariante, keinen kleineren Akku. Stattdessen tritt das Modell als vollwertiges N-Topmodell an, dessen Technikpaket einheitlich ist. Der Grundpreis liegt bei 74.900 Euro. Damit bewegt sich der 5 N bereits in einem Preisbereich, der klar über dem normalen Ioniq 5 liegt, aber deutlich unter dem vieler europäischer Performance-Elektroautos.

Die Aufpreisliste ist überschaubar, was zur Positionierung als „vollausgestatteter“ Sportstromer passt. Neben verschiedenen Lackierungen – darunter die auffälligen Mattfarben wie Performance Blue – gibt es das Sitzpaket mit Alcantara-Leder-Kombination und Belüftung, ein Panoramadach und einige Detailoptionen. Selbst mit nahezu allen Häkchen in der Liste landet der Testwagenpreis bei rund 77.390 Euro, also knapp unter der 80.000-Euro-Marke. Mit „voller Hütte“ kostet der Hyundai Ioniq 5 N 78.750 Euro.

Vergleicht man das mit den üblichen Verdächtigen im Segment, wirkt der Ioniq 5 N erstaunlich vernünftig kalkuliert. Fahrzeuge mit ähnlicher Performance wie ein Taycan 4S, BMW i4 M60 oder Tesla Model S Plaid liegen preislich deutlich höher. Selbst ein näher positionierter Konkurrent wie der Kia EV6 GT spielt je nach Ausstattung in einem ähnlichen oder höheren Bereich, bietet aber nicht die gleiche Tiefe in Sachen Fahrdynamik und Software-Spielereien.

Unterm Strich steht ein Auto, das für seine Leistungsdaten und seine Technik vergleichsweise fair bepreist ist. Wer ein extrem leistungsstarkes Elektroauto mit hoher Alltagstauglichkeit sucht und nicht in sechsstellige Regionen vorstoßen will, bekommt mit dem Hyundai Ioniq 5 N ein Angebot, das preislich wie technisch auffallend gut im Markt steht.


Kundenfeedback

Das Stimmungsbild zum Hyundai Ioniq 5 N ist in der breiten Öffentlichkeit bemerkenswert klar. Viele Fahrer und Tester sehen in ihm eines der aktuell unterhaltsamsten Elektroautos überhaupt. Besonders hervorgehoben wird, wie konsequent der Wagen das Thema Fahrspaß in die E-Welt überträgt. Immer wieder wird berichtet, dass Lenkung, Bremsen und Fahrwerk zusammen eine Dynamik erzeugen, die man einem so schweren Auto zunächst nicht zutraut. Die Möglichkeit, per Fahrmodi vom entspannten Alltagsbetrieb bis zum sehr kompromisslosen Track-Setup zu wechseln, wird als große Stärke wahrgenommen, weil der Wagen damit gleich mehrere Rollen übernehmen kann.

Sehr häufig taucht Lob für die künstliche Gangsimulation und den Sound auf. Viele, die dem Konzept im Vorfeld skeptisch gegenüberstanden, beschreiben nach einer Probefahrt, wie stark diese Funktionen das Fahrgefühl verändern und wie viel näher sich der Ioniq 5 N dadurch an klassischen Sportwagen anfühlt. Für nicht wenige ist gerade dieses Feature ein wesentlicher Grund, sich für das N-Modell zu interessieren. Ebenso positiv bewertet wird die Ladequerschnittsfähigkeit: Die hohe DC-Leistung und die kurzen 10-bis-80-Prozent-Ladezeiten werden in alltagstauglichen Erfahrungsberichten immer wieder als großer Pluspunkt erwähnt, insbesondere im Vergleich zu teureren Wettbewerbern.

Kritische Stimmen konzentrieren sich hauptsächlich auf zwei Themen: Verbrauch und Reichweite. Viele Nutzer berichten, dass die Normwerte im Alltag selten erreicht werden, wenn das Auto so gefahren wird, wie es seine Technik suggeriert. Besonders auf der Autobahn mit hohem Tempo sinkt die Reichweite spürbar. Auch das relativ hohe Fahrzeuggewicht wird gelegentlich angesprochen, wobei es fahrdynamisch weniger stark durchschlägt, als manche zunächst vermuten. Insgesamt überwiegt der Eindruck, dass der Hyundai Ioniq 5 N ein sehr emotionales, aber bewusst kompromissbehaftetes Auto ist – wer ihn kauft, tut das nicht aus Effizienzgründen, sondern weil er genau dieses Charakterprofil sucht.


Fazit zum Hyundai Ioniq 5 N

Der Hyundai Ioniq 5 N ist kein perfektes Auto, aber genau das macht ihn interessant. Er ist laut im Auftritt, kompromisslos in seiner Idee und erstaunlich vielseitig in der Umsetzung. Als reines Effizienzprojekt wäre er gescheitert, doch als fahraktiver Sportstromer mit Alltagstalent trifft er einen Nerv, den viele Hersteller bislang ignoriert haben. Er zeigt, dass Elektromobilität mehr sein kann als Reichweitenvergleich und Ladekurvendebatte.

Seine Stärken liegen klar in der Dynamik. Der Antritt ist massiv, das Fahrwerk überraschend präzise, die Lenkung ehrlich und das Zusammenspiel aus Software und Hardware beeindruckend. N e-Shift und N Active Sound+ mögen aus Sicht von Puristen unnatürlich wirken, doch sie erfüllen genau den Zweck, den Hyundai ihnen zugedacht hat: Sie machen den Übergang vom Verbrenner in die E-Welt emotional leichter. Wer offen an das Auto herangeht, wird feststellen, dass hier jemand das Thema Elektroperformance zu Ende gedacht hat.

Dem gegenüber stehen ein hoher Verbrauch bei forcierter Fahrweise, eine Reichweite, die im Alltag eher im Bereich 300 Kilometer spielt, und ein Preis, der zwar fair, aber keinesfalls niedrig ist. Wer jedoch ein Auto sucht, das mehr ist als nur ein effizientes Fortbewegungsmittel, wird mit dem Hyundai Ioniq 5 N eines der derzeit spannendsten E-Angebote finden.

Er ist ein Auto für Menschen, die ein bisschen Kind geblieben sind, die an der Ampel gern mal testen, „was geht“, und die bereit sind, dafür öfter an der Schnellladesäule zu stehen. Genau diese ehrliche Haltung macht den Hyundai Ioniq 5 N zu einer Ausnahmeerscheinung im Elektro-Zeitalter.


Konkurrenzmodelle

Der Hyundai Ioniq 5 N tritt in einem Feld an, in dem inzwischen mehrere Hersteller um die Krone des dynamischsten Elektroautos kämpfen. Der Kia EV6 GT ist der naheliegendste Vergleich, da er technisch eng verwandt ist. Er bietet ähnliche Leistungsdaten, wirkt aber in der Abstimmung etwas weniger verspielt und nicht ganz so tief in Richtung Trackbetrieb entwickelt (Test des Kia EV6 Facelift). Der Hyundai gibt sich fahraktiver und bietet mit N e-Shift und N Grin Boost eine emotionalere Inszenierung.

Der Tesla Model 3 Performance punktet mit sehr starken Längsdynamik-Werten und einem effizienten Antriebskonzept. Im Vergleich wirkt das Fahrwerk jedoch oft straffer, ohne die gleiche Rückmeldung zu liefern, und der Innenraum bleibt Geschmackssache. Wer Wert auf Charakter legt, dürfte beim Hyundai besser aufgehoben sein. Der MG4 X-Power ist deutlich günstiger, erreicht aber weder die Ausgereiftheit des N-Fahrwerks noch die Vielschichtigkeit des Ioniq in Sachen Software und Fahrmodi.

Der BMW i4 M60 bringt Premium-Anmutung, hohe Verarbeitungsqualität und die übliche BMW-Präzision mit. Dafür spielt er preislich bereits eine Klasse höher. Ähnliches gilt für den Porsche Taycan 4S, der fahrdynamisch herausragend ist, aber finanziell in einer anderen Liga unterwegs ist. Der Ford Mustang Mach-E GT schließlich setzt stärker auf Komfort und Optik als auf kompromisslose Fahrdynamik.

In dieser Gemengelage positioniert sich der Hyundai Ioniq 5 N als eigenständige Größe: technisch modern, preislich noch greifbar, fahrdynamisch überraschend nah an deutlich teureren Wettbewerbern und mit einer Portion verspielter Ingenieurskunst, die man Hyundai vor einigen Jahren kaum zugetraut hätte.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D


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