Der Maxus eTerron 9 ist kein Auto für Menschen, die morgens heimlich zur Arbeit rollen und abends unauffällig wieder verschwinden wollen. Dieser Pick-up steht nicht einfach auf dem Hof, er beansprucht ihn. Und genau darin liegt sein Reiz. Während sich viele elektrische Nutzfahrzeuge in Europa noch immer geben, als müssten sie sich für ihre Existenz entschuldigen, tritt der Maxus eTerron 9 mit der Selbstgewissheit eines Modells auf, das gar nicht erst um Erlaubnis fragt.
Das ist bemerkenswert, weil der Pick-up-Markt hierzulande traditionell nicht gerade als Spielwiese für Experimente gilt. In diesem Segment regieren seit Jahren robuste Diesel, kernige Arbeitsmoral und die feste Überzeugung, dass ein echtes Arbeitstier gefälligst zu nageln hat. Nun kommt mit dem Maxus eTerron 9 ein vollelektrischer Fullsize-Pick-up, der genau dieses Weltbild frontal testet. Leise, schwer, leistungsstark und mit dem erklärten Anspruch, mehr zu sein als nur ein kurioser Außenseiter für frühe Adopter mit Wallbox.
Ganz billig ist dieser Anspruch nicht. Maxus ruft für den eTerron 9 in Deutschland ab 62.990 Euro netto auf, kombiniert das mit Allradantrieb, über 100 kWh Batteriekapazität und 3,5 Tonnen Anhängelast und signalisiert damit unmissverständlich: Das hier soll kein halbfertiger Exot sein, sondern ein ernst gemeinter Angriff auf ein Segment, das sich Wandel bislang nur sehr dosiert gönnt.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob der Maxus eTerron 9 Eindruck macht. Das tut er schon im Stand. Entscheidend ist, ob er diesen ersten Effekt auch im Alltag verteidigen kann. Denn ein elektrischer Pick-up darf heute gern auffallen, sollte dabei aber idealerweise nicht wirken wie ein PR-Konzept auf Rädern, das beim ersten echten Arbeitseinsatz nervös nach dem nächsten Schnelllader sucht.
Daher zitierten wir den Fullsize-Elektro-Pick-up zu einem Test. Fahrbericht.
Der Look
Der Maxus eTerron 9 macht nicht den Fehler, sich optisch zu erklären. Er setzt einfach voraus, dass man ihn versteht. Und falls nicht, sorgt seine schiere Größe dafür, dass man sich zwangsläufig mit ihm beschäftigt.
Mit rund 5,50 Metern Länge und einer Präsenz, die eher an ein Nutzfahrzeug aus dem Schwerlastbereich erinnert, tritt dieser elektrische Pick-up so auf, als hätte jemand beschlossen, das Thema „Elektroauto“ einmal konsequent in XXL zu denken. Die Front ist dabei kein Ort für Zurückhaltung. Statt filigraner Gestaltung gibt es eine breite, geschlossene Fläche mit markanter Lichtsignatur, die sich über die gesamte Fahrzeugbreite zieht. Der fehlende klassische Kühlergrill wirkt dabei nicht wie Verzicht, sondern eher wie ein bewusst gesetztes Statement.
Interessant ist, dass die Elektrifizierung hier nicht zu einem weichgespülten Design geführt hat. Im Gegenteil: Der Maxus eTerron 9 wirkt fast noch massiver als viele seiner konventionellen Pendants. Die hohe Front, die klar gezeichnete Haube und die insgesamt sehr aufrechte Karosserie sorgen für eine Präsenz, die im Rückspiegel anderer Verkehrsteilnehmer eher als Ankündigung denn als Erscheinung wahrgenommen wird.
In der Seitenansicht zeigt sich dann endgültig, wie ernst es Maxus mit diesem Konzept meint. Die Proportionen sind klassisch Pick-up, aber in einer Dimension, die im europäischen Alltag schnell an Grenzen stößt. Die 20-Zoll-Räder wirken dabei fast wie ein optischer Nebensatz, weil die Karosserie ihnen schlicht die Show stiehlt.
Am Heck setzt sich der selbstbewusste Auftritt fort. Ein durchgehendes LED-Lichtband, kombiniert mit großflächiger Markeninszenierung, sorgt dafür, dass auch hier kein Zweifel daran bleibt, welches Fahrzeug vor einem steht.
Ein echtes Argument liefert der Frunk. Mit über 200 Litern Volumen entsteht ein zusätzlicher Stauraum, der im Alltag deutlich mehr ist als nur ein nettes Detail. Gerade im Nutzfahrzeugkontext ergibt sich hier ein praktischer Mehrwert, den klassische Pick-ups schlicht nicht bieten können.
Unterm Strich macht der Maxus eTerron 9 genau das, was er soll: Er fällt auf, er wirkt groß, und er transportiert die Botschaft, dass Elektromobilität in diesem Segment nicht zwangsläufig klein oder kompromissbehaftet sein muss. Zumindest optisch.
Und innen?
Wer im Maxus eTerron 9 einsteigt und innen eine karge Nutzfahrzeugkulisse erwartet, liegt ziemlich daneben. Stattdessen bekommt man ein Interieur, das sich eher wie ein großes SUV anfühlt – nur eben auf Stelzen.
Das beginnt beim Raumgefühl. Die Sitzposition ist hoch, fast schon thronartig, und vermittelt genau das, was dieses Fahrzeug außen verspricht: Überblick und Präsenz. Vorne sitzt man breit, bequem und mit viel Auflagefläche. Die Sitze sind klar auf Langstrecke ausgelegt und machen keinen Hehl daraus, dass Komfort hier wichtiger ist als sportliche Seitenführung. Im Fond geht es etwas nüchterner zu, aber auch hier bleibt das Platzangebot mehr als ausreichend – selbst für längere Strecken.
Die Materialanmutung überrascht positiv. Für ein Fahrzeug, das formal als Nutzfahrzeug durchgeht, wirkt vieles erstaunlich hochwertig. Nichts wirkt billig, vieles solide verarbeitet. Der Maxus eTerron 9 versucht gar nicht erst, rustikal zu sein – und genau das ist eine seiner großen Stärken.
Im Zentrum steht eine breite Displaylandschaft, die optisch eine Einheit bildet. Modern, aufgeräumt, technisch. Die grundlegende Bedienung funktioniert, allerdings zeigt sich schnell, dass Maxus bei der Menüstruktur eine gewisse Vorliebe für Versteckspiele hat. Wichtige Funktionen sind teils tief in Untermenüs vergraben, wo sie während der Fahrt eher nichts verloren haben. Das wirkt weniger nach Hightech, sondern eher nach einer Lösung, die zwar vieles kann, aber nicht immer sofort zugänglich ist.
Ein spezielles Kapitel ist der digitale Innenspiegel. Die Kamera liefert ein klares Bild nach hinten, keine Frage. Nur: Eine echte Alternative gibt es nicht. Wer klassische Spiegel bevorzugt, bekommt eine minimalistische Notlösung. Das ist modern gedacht, aber nicht zwingend komfortabel umgesetzt.
Beim Rangieren zeigt sich dann die Kehrseite der imposanten Bauweise. Die Übersicht nach vorn ist stark eingeschränkt, die Dimensionen sind jederzeit präsent. Ohne die Kameras rund um das Fahrzeug wäre das Einparken weniger Manöver und mehr Geduldsprobe. Mit Kameras funktioniert es gut – allerdings neigt das System dazu, sich ungefragt einzuschalten und dabei andere Inhalte auf dem Bildschirm zu überdecken.
Positiv ist der enorme Stauraum im Innenraum. Ablagen gibt es reichlich, teils clever gelöst, teils einfach nur groß. Dazu kommt die Möglichkeit, den Fond flexibel als zusätzlichen Laderaum zu nutzen – ein Detail, das im Alltag echten Mehrwert bringt.
Der Maxus eTerron 9 zeigt innen damit ein klares Bild: viel Komfort, viel Platz und der ehrliche Versuch, mehr SUV als klassischer Pick-up zu sein. Gleichzeitig merkt man an einigen Stellen, dass gute Ideen allein noch keine perfekte Bedienlogik ergeben.
Der Antrieb des Maxus eTerron 9
Auf dem Papier macht der Maxus eTerron 9 genau das, was man von einem modernen Elektro-Pick-up erwartet. Zwei Elektromotoren, Allradantrieb, 442 PS Systemleistung und ein Drehmoment von 700 Newtonmetern – das liest sich nach Souveränität, nicht nach Kompromiss.
Und tatsächlich: Die ersten Meter bestätigen diesen Eindruck eindrucksvoll. Der Antritt ist kräftig, fast schon überraschend direkt für ein Fahrzeug dieser Größe. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 5,8 Sekunden, und für einen kurzen Moment wirkt dieser Pick-up, als hätte er mit Physik grundsätzlich nichts zu tun.
Genau dieser Moment ist aber auch der entscheidende. Denn was danach folgt, fühlt sich deutlich weniger spektakulär an. Die anfängliche Wucht flacht spürbar ab, und der eTerron 9 bewegt sich plötzlich eher wie ein deutlich schwächer motorisiertes Fahrzeug. Die Leistung ist also da – sie bleibt nur nicht dauerhaft in dieser Intensität verfügbar.
Das ist kein klassischer Kritikpunkt, sondern eher eine Charakterfrage. Wer erwartet, dass 442 PS jederzeit und in jeder Situation präsent sind, wird sich umstellen müssen. Wer den eTerron 9 dagegen als kräftigen, aber nicht permanent aggressiven Antrieb versteht, kommt deutlich besser damit zurecht.
Unterstützt wird das Ganze von einem Fahrwerk, das klar auf Komfort ausgelegt ist. Die Luftfederung arbeitet souverän, filtert Unebenheiten sauber heraus und sorgt dafür, dass selbst schlechte Straßen ihren Schrecken verlieren. Für ein Fahrzeug dieser Kategorie ist das bemerkenswert – und im Alltag ein echter Vorteil.
Abseits befestigter Straßen zeigt der Maxus, dass er seine Rolle als Pick-up ernst nimmt. Allradantrieb, verschiedene Fahrmodi und solide Geländewerte sorgen dafür, dass auch anspruchsvollere Passagen kein Problem darstellen. Hier wirkt das Konzept stimmig und durchdacht.
Weniger überzeugend ist das Verhalten bei höheren Geschwindigkeiten. Seitenwind macht sich deutlich bemerkbar, und auch die Lenkung bleibt eher auf der komfortablen als auf der präzisen Seite. Dazu kommt ein Wendekreis, der im Alltag regelmäßig daran erinnert, wie groß dieses Fahrzeug tatsächlich ist.
Ein Detail fällt im Fahrbetrieb besonders auf: Nach abruptem Gaswegnehmen bleibt für einen kurzen Moment noch Schub vorhanden. Das ist ungewohnt und kann gerade auf glatter Fahrbahn irritieren. Kein Drama, aber etwas, das man kennen sollte – spätestens dann, wenn die Straße nicht mehr ganz so trocken ist.
Alltag & Verbrauch
Wer sich für den Maxus eTerron 9 interessiert, stellt früher oder später genau die Fragen, die bei Elektroautos immer kommen: Wie weit kommt er wirklich, was verbraucht er im Alltag – und wie alltagstauglich ist ein fast drei Tonnen schwerer Elektro-Pick-up überhaupt?
Die offizielle Verbrauchsangabe von 26,7 kWh auf 100 Kilometer wirkt dabei zunächst erstaunlich moderat. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass dieser Wert eher eine theoretische Idealvorstellung ist als eine realistische Orientierung. Gerade bei niedrigen Temperaturen steigt der Energiebedarf deutlich an. Im Test lagen die Werte eher im Bereich von 33 bis 37 kWh, selbst bei zurückhaltender Fahrweise.
Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Reichweite. Während das System mit einem vollen Akku optimistische Werte von bis zu 500 Kilometern anzeigt, relativiert sich das im Alltag spürbar. Unter winterlichen Bedingungen und mit realistischem Fahrprofil sind rund 300 Kilometer deutlich näher an der Realität. Wer den eTerron 9 also wie einen klassischen Langstrecken-Pick-up nutzen möchte, wird sich zwangsläufig an ein anderes Planungskonzept gewöhnen müssen.
Hinzu kommt, dass das Fahrzeug stark auf äußere Einflüsse reagiert. Temperatur, Geschwindigkeit und Fahrprofil haben einen deutlich spürbaren Einfluss auf den Energieverbrauch. Das ist bei Elektrofahrzeugen grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, fällt hier aufgrund von Gewicht und Stirnfläche aber besonders ins Gewicht.
Im Alltag zeigt sich der Maxus eTerron 9 dennoch überraschend souverän. Im Stadtverkehr spielt der elektrische Antrieb seine Stärken aus, das leise Gleiten passt gut zum komfortorientierten Fahrwerk, und auch im gemischten Betrieb wirkt das Fahrzeug weniger anstrengend, als es seine Dimensionen vermuten lassen.
Weniger überzeugend ist die Darstellung wichtiger Informationen. Der Akkustand in Prozent ist nicht permanent im Blickfeld, sondern teils nur über Umwege abrufbar. Gerade bei einem Fahrzeug, bei dem Reichweite eine zentrale Rolle spielt, wirkt das unnötig umständlich.
Ein weiteres Detail betrifft die Nutzung externer Verbraucher. Die Möglichkeit, Strom aus der Batterie bereitzustellen, ist grundsätzlich vorhanden, in der Praxis jedoch stark eingeschränkt, da sie erst ab einem hohen Ladezustand sinnvoll nutzbar ist. Das klingt nach einem praktischen Feature, bleibt im Alltag aber häufig Theorie.
Der Maxus eTerron 9 zeigt im täglichen Einsatz damit ein sehr typisches Bild für ein großes Elektrofahrzeug: beeindruckend im Konzept, komfortabel in der Nutzung – aber mit einem Energiebedarf, der Planung erfordert und wenig Spielraum für spontane Langstrecken lässt.
Laden & Ladezeiten des großen E-Pick-ups
Beim Thema Laden zeigt der Maxus eTerron 9, dass ein großer Akku allein noch keine Langstreckenkompetenz garantiert. Mit 102,2 kWh Kapazität bringt er zwar reichlich Energie mit, beim Nachladen selbst geht er die Sache jedoch deutlich entspannter an als moderne 800-Volt-Systeme.
Das liegt am 400-Volt-Bordnetz, das konstruktionsbedingt keine extrem hohen Ladeleistungen ermöglicht. Maxus gibt hier einen Wert von rund 115 kW an. Im Test wurde dieser Wert sogar leicht übertroffen, was zunächst positiv überrascht. Maximal 124 kW wurden als Peak-Leistung erreicht. Entscheidend ist jedoch nicht der Spitzenwert, sondern das, was über die gesamte Ladekurve passiert.
Und genau hier zeigt sich das eigentliche Bild. Die Ladeleistung fällt relativ früh ab, wodurch sich die Standzeit an der Schnellladesäule spürbar verlängert. Von etwa zehn auf 80 Prozent vergehen rund 60 Minuten – ein Wert, der im Alltag funktioniert, aber nicht wirklich komfortabel ist. Bis zur vollständigen Ladung zieht sich der Vorgang dann deutlich in die Länge.
Gerade im Vergleich zu neueren Elektrofahrzeugen mit deutlich höheren Ladeleistungen wird klar, dass der Maxus eTerron 9 hier nicht zur Spitze gehört. Während andere Modelle kurze Stopps ermöglichen, verlangt dieser Pick-up eher nach einer geplanten Pause – inklusive Zeitpuffer.
Positiv ist die Möglichkeit, die Batterie vor dem Laden gezielt vorzubereiten. Die entsprechende Funktion lässt sich aktivieren, benötigt jedoch Zeit und wirkt im Alltag nicht immer spontan genug, um wirklich flexibel eingesetzt zu werden.
Der Ladeanschluss selbst ist sinnvoll positioniert und kombiniert Typ 2 und CCS. In der Praxis funktioniert das Handling unkompliziert, was bei einem Fahrzeug dieser Größe durchaus ein relevanter Punkt ist.
Im Gesamtbild passt das Ladeverhalten zum Charakter des Fahrzeugs. Der Maxus eTerron 9 ist kein Schnelllader im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Fahrzeug, das Langstrecken möglich macht, aber nicht beschleunigt. Wer ihn fährt, plant automatisch etwas mehr Zeit ein – nicht weil es zwingend notwendig wäre, sondern weil es die entspanntere Variante ist.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Beim Thema Ausstattung macht der Maxus eTerron 9 zunächst genau das, was man sich in dieser Klasse wünscht: Er liefert viel. Sehr viel sogar. Bereits in der getesteten Variante ist der Pick-up umfangreich bestückt, sodass man sich durch lange Optionslisten gar nicht erst kämpfen muss.
Das klingt erst einmal komfortabel – und ist es auch. Luftfederung, 360-Grad-Kameras, Sitz- und Lenkradheizung sowie ein volldigitales Cockpit gehören zum festen Bestandteil. Der Maxus eTerron 9 vermittelt damit schnell den Eindruck, eher ein luxuriös ausgestattetes SUV mit Ladefläche zu sein als ein klassisches Nutzfahrzeug.
Im Alltag zeigt sich jedoch, dass Ausstattung allein nicht alles ist. Entscheidend ist, wie sie umgesetzt wurde. Und genau hier beginnt der eTerron 9, sich seine ganz eigene Interpretation moderner Fahrzeugtechnik zu erlauben.
Ein zentrales Thema ist die Bedienlogik. Viele Funktionen sind in Untermenüs versteckt, wo man sie während der Fahrt nicht erwartet. Dinge wie Lichtsteuerung oder Assistenzfunktionen lassen sich nicht einfach per Knopfdruck erreichen, sondern erfordern den Umweg über das Infotainment. Das mag auf dem Papier nach aufgeräumtem Cockpit aussehen, im Alltag sorgt es jedoch eher für unnötige Ablenkung.
Auch die Fahrerüberwachung gehört zu den Systemen, die sehr engagiert arbeiten – vielleicht etwas zu engagiert. Selbst dann, wenn man bereits aufmerksam unterwegs ist, meldet sich das System regelmäßig zu Wort. Das wirkt weniger unterstützend als vielmehr belehrend und kann auf Dauer anstrengend werden. Dass sich diese Funktion nicht dauerhaft im Hintergrund halten lässt, verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.
Positiv fällt dagegen der adaptive Tempomat auf. Er arbeitet angenehm unauffällig, hält Abstände sauber ein und fügt sich harmonisch ins Fahrgeschehen ein. Genau so sollten Assistenzsysteme funktionieren: präsent, wenn man sie braucht, und ansonsten im Hintergrund.
Das Infotainment selbst bietet viele Funktionen und eine insgesamt moderne Darstellung. Im Detail zeigen sich jedoch kleinere Schwächen, etwa bei der Übersetzung einzelner Menüpunkte, die nicht immer ganz glücklich ausfallen. Das ist kein gravierendes Problem, passt aber nicht ganz zum ansonsten hochwertigen Anspruch.
Ein klarer Kritikpunkt ist das Soundsystem. Für ein Fahrzeug dieser Preisklasse fehlt es an Klangqualität und Dynamik. Hier hätte man sich eine Lösung gewünscht, die dem Gesamtanspruch des Fahrzeugs eher gerecht wird.
Der Maxus eTerron 9 zeigt in diesem Kapitel damit ein gemischtes Bild: viel Ausstattung, viele gute Ansätze – aber auch einige Entscheidungen, die im Alltag weniger überzeugen als auf dem Datenblatt.
Varianten & Preise des Maxus eTerron 9
Der Maxus eTerron 9 wird in Deutschland bewusst übersichtlich angeboten. Komplexe Motorisierungs- oder Ausstattungskombinationen sucht man hier vergeblich. Stattdessen setzt Maxus auf ein einfaches Prinzip: eine Antriebsversion, zwei Ausstattungslinien.
Den Einstieg markiert die Variante „Luxury“. Sie bringt bereits eine sehr umfangreiche Serienausstattung mit und deckt den Großteil dessen ab, was man von einem modernen Elektro-Pick-up erwarten darf. Große Extras oder zwingende Aufpreispakete sind hier kaum notwendig, was die Konfiguration angenehm unkompliziert macht.
Darüber positioniert sich die Ausstattungslinie „Premium“. Sie ergänzt vor allem Komfortfeatures wie zusätzliche Sitzfunktionen oder ein erweitertes Ausstattungspaket im Innenraum. Wirklich entscheidend ist jedoch ein Detail, das im Alltag deutlich mehr Gewicht hat als belüftete Sitze oder Massagefunktionen: Bestimmte praktische Optionen wie eine Anhängerkupplung sind an diese höhere Ausstattung gebunden.
Preislich bewegt sich der eTerron 9 damit in einem Bereich, der zunächst überraschend wirkt. Für einen vollelektrischen Allrad-Pick-up mit über 400 PS liegt der Einstieg auf einem Niveau, das im Vergleich zu klassischen Full-Size-Modellen keineswegs abgehoben erscheint. Gleichzeitig wird aber auch klar, dass man sich hier nicht mehr im klassischen Nutzfahrzeug-Segment bewegt, sondern in einer Kategorie, die Komfort, Technik und Größe miteinander kombiniert.
Interessant ist dabei weniger der absolute Preis als vielmehr das Gesamtpaket. Der Maxus eTerron 9 versucht nicht, über einen günstigen Einstieg zu überzeugen, sondern über Umfang. Viel Leistung, viel Platz, viel Ausstattung – und das in einem Fahrzeugkonzept, das so auf dem europäischen Markt bislang kaum vertreten ist.
Genau darin liegt auch die strategische Positionierung dieses Modells: nicht als günstige Alternative, sondern als eigenständiges Angebot für alle, die einen großen Pick-up suchen, dabei aber bewusst auf einen elektrischen Antrieb setzen wollen.
Kundenfeedback
Ein Blick auf erste Rückmeldungen von Fahrern und Interessenten des Maxus eTerron 9 zeigt ein relativ konsistentes Bild, das sich in mehreren Punkten klar verdichtet.
Besonders häufig gelobt wird der hohe Fahrkomfort. Viele Nutzer beschreiben den Pick-up als überraschend angenehm im Alltag, gerade im Vergleich zu klassischen, eher rustikal abgestimmten Modellen. Die Luftfederung wird dabei regelmäßig als einer der größten Pluspunkte genannt, weil sie Unebenheiten deutlich souveräner ausgleicht, als man es in diesem Segment erwarten würde.
Ebenfalls positiv fällt das Platzangebot auf. Vor allem im Innenraum wird die Großzügigkeit hervorgehoben, sowohl vorne als auch im Fond. Auch der zusätzliche Stauraum durch den Frunk wird von vielen als echter Mehrwert im Alltag wahrgenommen, insbesondere im gewerblichen Einsatz. Dies kommt überwiegend von Kunden, die bereits Erfahrungen mit Maxus Nutzfahrzeugen sammeln konnten.
Deutlich kritischer wird hingegen das Thema Reichweite betrachtet. Viele Fahrer berichten davon, dass die im Alltag erzielbaren Werte spürbar unter den Erwartungen liegen, insbesondere bei niedrigen Temperaturen oder auf längeren Strecken. Diese Diskrepanz wird häufig als einer der größten Schwachpunkte des Fahrzeugs genannt.
Ein weiterer wiederkehrender Kritikpunkt betrifft die Ladezeiten. Nutzer beschreiben den Ladevorgang als funktional, aber nicht zeitgemäß schnell. Gerade im Vergleich zu moderneren Elektrofahrzeugen entsteht hier der Eindruck, dass der eTerron 9 eher auf Gelassenheit als auf Effizienz ausgelegt ist.
Auch die Assistenzsysteme sorgen für Diskussionen. Besonders die Fahrerüberwachung wird von vielen als zu empfindlich wahrgenommen. Wiederholte Hinweise und Eingriffe werden teilweise als störend empfunden, vor allem im täglichen Einsatz.
Im Bereich Infotainment und Bedienung zeigen sich gemischte Rückmeldungen. Während die grundlegende Funktionalität meist als ausreichend beschrieben wird, kritisieren viele Nutzer die Menüstruktur und die teilweise umständliche Erreichbarkeit wichtiger Funktionen.
Interessant ist zudem, dass einige Fahrer das Fahrzeug weniger als klassisches Arbeitstier sehen, sondern eher als komfortorientierten Allrounder mit Nutzfahrzeug-Genen. Genau diese Verschiebung wird sowohl als Stärke als auch als potenzielle Einschränkung wahrgenommen – je nachdem, mit welcher Erwartung man an den Maxus eTerron 9 herangeht. Darüber hinaus gibt es einige Kunden, die ihren eTerron 9 als „Lifestyle-Accessoire“ bezeichnen.
Fazit zum Maxus eTerron 9
Der Maxus eTerron 9 ist kein Fahrzeug, das versucht, jedem zu gefallen. Und genau das macht ihn interessant. Er bringt ein Konzept auf den Markt, das in Europa bislang kaum eine Rolle gespielt hat: einen vollelektrischen Full-Size-Pick-up, der Komfort, Größe und Nutzwert miteinander verbindet.
Das funktioniert in vielen Bereichen erstaunlich gut. Der Innenraum überzeugt mit Platz und Anmutung, das Fahrwerk liefert ein Komfortniveau, das man in dieser Fahrzeugklasse so nicht erwartet, und auch im Gelände zeigt der eTerron 9, dass er mehr ist als nur ein elektrisches Statement.
Gleichzeitig wird aber schnell klar, dass dieses Konzept noch nicht in allen Details ausgereift ist. Reichweite und Ladezeiten verlangen Kompromissbereitschaft, die Bedienlogik wirkt stellenweise unnötig kompliziert, und auch die Abstimmung einzelner Systeme lässt erkennen, dass hier noch Entwicklungspotenzial vorhanden ist.
Das Entscheidende ist jedoch ein anderes: Der Maxus eTerron 9 fühlt sich nicht wie ein halbfertiger Versuch an. Er wirkt vielmehr wie ein Fahrzeug, das bewusst einen neuen Weg geht – auch wenn dieser an einigen Stellen noch nicht vollständig asphaltiert ist.
Für klassische Pick-up-Käufer, die maximale Reichweite, schnelle Betankung und kompromisslose Alltagstauglichkeit erwarten, bleiben konventionelle Modelle aktuell die einfachere Wahl. Wer jedoch bereit ist, sich auf ein neues Konzept einzulassen, bekommt hier ein Fahrzeug, das vieles anders macht – und gerade deshalb spannend ist.
Oder anders gesagt: Der Maxus eTerron 9 ist weniger die perfekte Antwort auf alle Fragen, sondern eher der Anfang einer Entwicklung, die dieses Segment nachhaltig verändern könnte.
Konkurrenzmodelle
Der Maxus eTerron 9 bewegt sich in einem Segment, das aktuell noch erstaunlich dünn besetzt ist. Ein vollelektrischer Full-Size-Pick-up ist in Europa eher die Ausnahme als die Regel – was die Einordnung nicht unbedingt einfacher macht.
Ein naheliegender Bezugspunkt ist der Maxus T90 EV (Test des Maxus T90 EV). Auch wenn er eher als Vorläufer denn als direkter Konkurrent gesehen werden kann, zeigt er gut, wo die Reise begonnen hat. Der T90 EV ist deutlich einfacher gestrickt, sowohl technisch als auch beim Komfortniveau. Im direkten Vergleich wirkt der eTerron 9 wie der nächste logische Schritt: mehr Leistung, mehr Platz, mehr Ausstattung – aber eben auch mit einem deutlich ambitionierteren Gesamtanspruch. Für dich besonders interessant: Genau hier lässt sich die Entwicklung innerhalb der Marke sehr gut abbilden und entsprechend intern verlinken.
Darüber hinaus richtet sich der Blick zwangsläufig in Richtung internationaler Modelle. Fahrzeuge wie der Rivian R1T oder der Tesla Cybertruck spielen technisch in einer ähnlichen Liga, sind in Europa jedoch entweder schwer verfügbar oder bewegen sich in einem deutlich anderen Preis- und Positionierungsumfeld. Damit bleiben sie eher theoretische Alternativen als echte Alltagsoptionen.
Spannender wird es mit Blick auf die nächsten Jahre. Mit angekündigten elektrischen Pick-ups weiterer Hersteller dürfte sich das Segment spürbar verdichten. Dann wird sich zeigen, ob der Maxus eTerron 9 seinen aktuellen Vorsprung als einer der ersten Vertreter dieser Klasse tatsächlich nutzen kann – oder ob er sich plötzlich in einem deutlich härteren Wettbewerbsumfeld wiederfindet.
Bis dahin nimmt der eTerron 9 eine besondere Rolle ein. Er ist weniger Teil eines etablierten Feldes als vielmehr einer der ersten ernstzunehmenden Vertreter einer neuen Kategorie. Und genau das macht ihn im Moment gleichzeitig konkurrenzarm – und schwer vergleichbar.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D
























