Der Audi RS Q8 Performance war nie ein Auto für Zwischentöne. Schon als „normaler“ RS Q8 positionierte sich das Topmodell der Q8-Baureihe irgendwo zwischen Business-Class und brachialem Performance-SUV. Mit V8, Allrad und einem Auftritt, der selbst im Rückspiegel eines Lamborghini Urus nicht sofort an Bedeutung verliert. Mit dem Facelift und der neuen Performance-Variante dreht Audi Sport nun noch einmal an genau den Stellschrauben, die für diese Klasse entscheidend sind: Leistung, Fahrdynamik und Alltagstauglichkeit. Heraus kommt der aktuell stärkste Serien-Verbrenner, den Audi je gebaut hat.
471 kW oder 640 PS stehen im Datenblatt. Dazu gesellen sich 850 Newtonmeter Drehmoment, verteilt über ein breites Plateau von 2.300 bis 4.500 Umdrehungen pro Minute. Das Ergebnis ist ein Sprint von 0 auf 100 km/h in offiziell 3,6 Sekunden – in unserem Test sogar in nur 3,4 Sekunden – sowie eine optional freigegebene Höchstgeschwindigkeit von bis zu 305 km/h. Werte, die man eher aus der Supersportwagen-Ecke kennt als aus einem 2,3 Tonnen schweren Luxus-SUV mit bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast.
Und genau hier liegt die Besonderheit des Audi RS Q8 Performance. Denn anders als viele seiner Rivalen versteht er sich nicht nur als emotionales Wochenend-Spielzeug oder als Statussymbol für die Innenstadt, sondern als vollwertiger Autobahn-Express mit Langstreckenqualitäten. Ein Fahrzeug, das auf Wunsch kompromisslos sportlich auftreten kann, sich im Alltag aber ebenso zivilisiert bewegt. Selbst auf 23-Zoll-Rädern, mit adaptivem Fahrwerk und Keramikbremsanlage.
Mit einem Grundpreis von inzwischen rund 160.000 Euro und einem Testwagenpreis von 196.810 Euro inklusive Optionen bewegt sich der RS Q8 Performance klar im High-End-Segment. Die Frage ist also nicht nur, wie schnell er ist, sondern vor allem, wie gut er die Balance zwischen Komfort, Alltag und maximaler Performance meistert. Fahrbericht.
Der Look
Optisch bleibt sich der Audi RS Q8 Performance auch nach dem Facelift treu. Und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen. Die Grundform ist bekannt, die Proportionen ohnehin gesetzt, doch im Detail hat Audi Sport an den richtigen Stellen nachgeschärft. Vor allem die neu gezeichnete Frontpartie mit ihrer stark zerklüfteten Struktur und den überarbeiteten HD Matrix LED-Scheinwerfern inklusive Laserlicht sorgt für einen Auftritt, der im Rückspiegel sofort klarstellt, dass hier kein gewöhnlicher Q8 unterwegs ist. Die markante Lichtsignatur wirkt deutlich aggressiver als zuvor und verleiht dem RS Q8 Performance eine Präsenz, die sich mühelos auf dem Level eines Lamborghini Urus bewegt. Zumindest, was das reine Überholprestige betrifft.
Weniger überzeugend zeigt sich hingegen die Lackwahl unseres Testwagens. Satellitsilber Metallic ist ohne Frage elegant, wirkt auf dem RS Q8 Performance jedoch fast schon zu zurückhaltend. Gerade in Verbindung mit den scharf gezeichneten Linien, den großen Lufteinlässen und den optionalen Carbon-Elementen fehlt es dieser Farbe ein wenig an emotionaler Tiefe. Chilirot, Daytonagrau oder auch Sakhirgold unterstreichen den sportlichen Anspruch dieses Performance-SUVs deutlich besser. Selbst ein klassisches Mythosschwarz dürfte in diesem Fall die stimmigere Wahl sein.
Deutlich besser passt hingegen das umfangreiche Optikpaket Carbon matt, das sowohl außen als auch innen zum Einsatz kommt. Spiegelgehäuse, Dekorelemente und diverse Anbauteile profitieren von der dunklen Faserstruktur und setzen einen klaren Kontrast zur Karosseriefarbe. In Kombination mit den gewaltigen 23-Zoll-Rädern entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das die ohnehin massive Erscheinung des RS Q8 Performance noch einmal unterstreicht. Diese Räder sehen nicht nur hervorragend aus, sondern füllen die großen Radhäuser auch exakt so aus, wie man es in dieser Fahrzeugklasse erwartet. Sie erfordern im Alltag jedoch ein gewisses Maß an Vorsicht, etwa in engen Parkhäusern oder beim Rangieren an Bordsteinkanten.
Und innen?
Im Innenraum setzt der Audi RS Q8 Performance seinen technisch-kühlen und zugleich aufgeräumten Ansatz konsequent fort. Audi hat das bekannte Layout auch mit dem Facelift nur behutsam überarbeitet. Nicht etwa aus Mangel an Ideen, sondern schlicht, weil es in seiner jetzigen Form sehr gut funktioniert. Das Doppel-Display-Konzept aus zentralem Infotainment-Bildschirm und darunterliegendem Klimabedienteil mag im direkten Vergleich mit neueren MMI-Generationen nicht mehr als State of the Art durchgehen, überzeugt im Alltag jedoch durch logische Menüführung, hohe Auflösung und schnelle Reaktionszeiten. Vor allem aber: Es funktioniert zuverlässig. Und das ist in dieser Fahrzeugklasse oft mehr wert als die letzte grafische Spielerei.
Eine kleine, aber entscheidende Besonderheit bleibt erhalten. Der physische Drehregler für die Lautstärke. Was banal klingt, ist im Alltag ein echter Vorteil und unterstreicht den Anspruch, Performance und Nutzwert nicht gegeneinander auszuspielen. Die Sitzposition fällt erwartungsgemäß SUV-typisch hoch aus, ohne dabei das Gefühl von Kontrolle zu schmälern. Im Gegenteil. Die gute Rundumsicht wird durch ein umfassendes Kamera- und Sensorsystem sinnvoll ergänzt, was gerade im Stadtverkehr oder beim Rangieren hilfreich ist. Vorn profitieren Fahrer und Beifahrer von Sitzheizung, Belüftung und Massagefunktion, was den Spagat zwischen sportlicher Ausrichtung und Langstreckenkomfort zusätzlich erleichtert.
Materialauswahl und Verarbeitungsqualität bewegen sich durchweg auf Premium-Niveau. Die umfangreichen Carbon-Applikationen im Innenraum greifen die äußere Optik stimmig auf und sorgen dafür, dass der sportliche Anspruch auch im Cockpit jederzeit sichtbar bleibt. Klappergeräusche oder Verarbeitungsmängel sucht man vergeblich. Der RS Q8 Performance vermittelt in dieser Disziplin genau das Qualitätsgefühl, das man in einem Fahrzeug dieser Preisklasse erwarten darf.
Der Antrieb des Audi RS Q8 Performance
Herzstück des Audi RS Q8 Performance ist ein Vierliter-V8-Biturbo, der es in dieser Ausbaustufe auf 640 PS und 850 Newtonmeter Drehmoment bringt. Damit markiert er nicht nur die Leistungsspitze innerhalb der RS-Q8-Baureihe, sondern stellt zugleich den stärksten Serien-Verbrennungsmotor dar, den Audi bislang auf die Straße gebracht hat. Unterstützt wird das Aggregat von einem 48-Volt-Mildhybridsystem, das im Hintergrund arbeitet und vor allem im Teillastbereich zur Effizienz beiträgt.
Was diese Zahlen in der Praxis bedeuten, zeigt sich bereits beim ersten beherzten Tritt aufs Gaspedal. Offiziell gibt Audi für den Sprint von 0 auf 100 km/h einen Wert von 3,6 Sekunden an. In unserem Test unterbot der RS Q8 Performance diesen Werkswert jedoch deutlich und beschleunigte – allein und unbeladen – in nur 3,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Ein Wert, der angesichts eines Fahrzeuggewichts von deutlich über 2,3 Tonnen fast surreal wirkt und eher an Supersportwagen als an ein luxuriös ausgestattetes SUV erinnert.
Die serienmäßige Achtstufen-Tiptronic harmoniert dabei hervorragend mit dem Triebwerk. Im Comfort-Modus agiert sie nahezu unmerklich und sortiert die Gänge butterweich. Im RS-Modus hingegen werden die Gangwechsel spürbar direkter ausgeführt, begleitet von kurzen Zugkraftunterbrechungen, die den sportlichen Charakter des Antriebsstrangs zusätzlich betonen. Das Ergebnis ist ein Ansprechverhalten, das sowohl im Alltag als auch bei ambitionierter Fahrweise überzeugt.
Die RS-Sportabgasanlage ist großes Kino
Auch akustisch bietet der RS Q8 Performance eine gewisse Bandbreite. Die optionale RS-Sportabgasanlage erlaubt es, zwischen einem eher zurückhaltenden, grummeligen Klangbild und einer deutlich präsenteren, kernigeren Abstimmung zu wählen. Audi selbst spricht hier von einem ausgewogenen oder präsent ausgelegten Soundprofil, das je nach Fahrmodus variiert.
Das adaptive Fahrwerk zeigt sich ähnlich vielseitig. In den sportlicheren Einstellungen werden Fahrbahnunebenheiten deutlich an den Fahrer weitergegeben, während der Comfort-Modus ein erstaunlich hohes Maß an Federungskomfort bietet. Selbst in Kombination mit den optionalen 23-Zoll-Rädern. Die Lenkung passt sich diesem Charakter an und reicht von präzise-direkt bis hin zu angenehm entspannt um die Mittellage. Die serienmäßige Keramikbremsanlage erfordert anfangs etwas Eingewöhnung, liefert nach Erreichen der Betriebstemperatur jedoch eine Verzögerungsleistung, die dem Leistungsvermögen des Antriebs in nichts nachsteht.
Alltag & Verbrauch
Wer sich für einen Audi RS Q8 Performance entscheidet, dürfte beim Thema Verbrauch keine Wunder erwarten. Dennoch zeigt sich im Test, dass die Bandbreite in der Praxis geringer ausfällt, als man angesichts von 640 PS und über 2,3 Tonnen Leergewicht vermuten würde. Über eine Distanz von rund 2.000 Kilometern – verteilt auf Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn – lag der Durchschnittsverbrauch bei exakt 13,5 Litern pro 100 Kilometer.
Bei zügiger Autobahnfahrt pendelte sich der Verbrauch im Bereich von etwa 14,4 Litern ein. Wer es entspannter angehen lässt, kann den Wert auf rund 11,7 Liter drücken. In einer bewusst defensiv gefahrenen Sparrunde waren sogar 8,2 Liter möglich. Natürlich steigen die Werte bei entsprechend ambitionierter Fahrweise deutlich an. Auf der Rennstrecke oder bei dauerhaft hohen Geschwindigkeiten jenseits der 250 km/h sind Verbräuche von über 20 Litern realistisch. Allerdings dürften die meisten Kunden den RS Q8 Performance eher als leistungsstarken Autobahn-Express nutzen denn als Tracktool.
Im Alltag zeigt sich das große Performance-SUV erstaunlich unbeeindruckt von Zuladung. Ob allein unterwegs oder mit fünf Personen und Gepäck an Bord. Weder das Fahrverhalten noch der Verbrauch verändern sich signifikant. Das spricht für die enorme Leistungsreserve des Antriebs, die auch bei voller Beladung jederzeit abrufbar bleibt.
Ein weiterer praktischer Aspekt ist die maximale Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen. Damit eignet sich der RS Q8 Performance grundsätzlich auch für den Anhängerbetrieb, etwa beim Transport von Booten oder Pferdeanhängern. Angesichts der gebotenen Leistungsreserven sollte man hier jedoch darauf achten, die jeweils geltenden Tempolimits einzuhalten. Zumal Beschleunigungsvorgänge mit angehängter Last schneller erfolgen können, als es die Situation (oder der Hänger) möglicherweise erlaubt.
Insgesamt gelingt dem Audi RS Q8 Performance damit ein überzeugender Spagat zwischen beeindruckender Fahrleistung und alltagstauglicher Nutzbarkeit, ohne dass Komfort oder Praktikabilität spürbar auf der Strecke bleiben.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Auch abseits von Motorleistung und Fahrdynamik zeigt der Audi RS Q8 Performance, dass er im High-End-Segment zuhause ist. Bereits serienmäßig bringt das Performance-SUV eine umfangreiche Ausstattung mit, die sich im Testwagen durch zahlreiche optionale Technikpakete noch einmal deutlich erweitert hat. Dazu zählt unter anderem das Assistenzpaket Plus, das eine Vielzahl an Fahrerassistenzsystemen bündelt und sowohl im Stadtverkehr als auch auf der Langstrecke spürbar zur Entlastung beiträgt.
Ein zentrales Element sind die HD Matrix LED-Scheinwerfer inklusive Laserlicht, die nicht nur mit einer hohen Leuchtweite überzeugen, sondern auch durch ihre adaptive Lichtverteilung. Gerade auf unbeleuchteten Landstraßen oder bei Nachtfahrten auf der Autobahn sorgt das System für eine präzise Ausleuchtung der Fahrbahn, ohne den Gegenverkehr zu blenden. Ergänzt wird das Ganze durch eine Scheinwerferreinigungsanlage, die insbesondere bei schlechten Witterungsbedingungen einen konstant hohen Lichtoutput sicherstellt.
Hinzu kommen Features wie der Remote Parkassistent, der das Ein- und Ausparken auf Wunsch automatisiert übernimmt, sowie das Nachtsichtassistenzsystem, das potenzielle Gefahren wie Fußgänger oder Wildtiere frühzeitig erkennt und visuell hervorhebt. In Kombination mit der 360-Grad-Kamera und diversen Ultraschall- sowie Radarsensoren ergibt sich ein Assistenzniveau, das den RS Q8 Performance trotz seiner Abmessungen auch im urbanen Umfeld handhabbar macht.
Es gibt zwei Bang & Olufsen Soundsysteme
Komfortseitig bietet der Testwagen unter anderem eine Vier-Zonen-Klimaautomatik, Sitzheizung, -belüftung und Massagefunktion im vorderen Bereich sowie eine elektrische Servoschließung der Türen. Das Sonnenschutzpaket trägt zusätzlich zur Langstreckentauglichkeit bei, während das Head-up-Display wichtige Fahrinformationen direkt ins Sichtfeld des Fahrers projiziert. Und das gestochen scharf.
Unterstützt wird das Ganze durch das im Testwagen verbaute Bang & Olufsen Premium Sound System mit 3D-Klang, das bereits ein sehr hohes akustisches Niveau bietet. Wer darüber hinaus einen rollenden Konzertsaal erwartet, greift optional zum Bang & Olufsen Advanced Sound System, das unter anderem mit ausfahrbaren Hochtönern und nochmals erweitertem 3D-Klangbild aufwartet. Allerdings auch mit einem Aufpreis von über 5.000 Euro.
In Summe entsteht ein Technikpaket, das nicht nur den sportlichen Anspruch des RS Q8 Performance unterstreicht, sondern auch den Komfort- und Sicherheitsanforderungen im Alltag gerecht wird. Ganz im Sinne eines Fahrzeugs, das Leistung und Nutzwert gleichermaßen in den Fokus stellt.
Varianten & Preise des Audi RS Q8 Performance
Innerhalb der Modellpalette markiert der Audi RS Q8 traditionell die Leistungsspitze der Q8-Baureihe. Mit dem Facelift wurde das Angebot jedoch neu strukturiert, sodass Kunden nun zwischen dem regulären RS Q8 und dem nochmals geschärften RS Q8 Performance wählen können. Der Einstieg in die RS-Welt beginnt aktuell beim RS Q8 zu einem Grundpreis von 146.200 Euro. Bereits hier stehen ein 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 600 PS und 800 Newtonmetern, Allradantrieb und ein umfangreiches Performance-Paket zur Verfügung, das das große SUV deutlich von den zivileren Q8-Varianten abgrenzt.
Wer jedoch das Maximum an Leistung und fahrdynamischem Potenzial sucht, greift zum RS Q8 Performance. Dieser startet inzwischen bei rund 160.000 Euro und bringt neben einer gesteigerten Motorleistung auch weitere technische Anpassungen mit, die insbesondere bei ambitionierter Fahrweise spürbar werden. In beiden Fällen bleibt es jedoch selten beim Grundpreis. Wie im Testwagen zu sehen, treiben zahlreiche Einzeloptionen den Gesamtpreis schnell in Richtung der 200.000-Euro-Marke. Im konkreten Fall auf 196.810 Euro.
Zu den kostenintensiveren Extras zählen unter anderem die Keramikbremsanlage, das Fahrwerkspaket advanced, diverse Assistenzsysteme sowie optische Aufwertungen wie das Carbon-Optikpaket oder die 23-Zoll-Räder. Hinzu kommen Komfortfeatures wie Sitzbelüftung, Massagefunktion oder das Bang & Olufsen Premium Sound System mit 3D-Klang.
Auffällig bleibt dabei die Optionspolitik. Selbst in einem Fahrzeug mit einem Grundpreis jenseits der 150.000 Euro finden sich zahlreiche Ausstattungsmerkmale aufpreispflichtig in der Liste, die nicht ausschließlich der Individualisierung dienen, sondern teilweise auch den funktionalen Mehrwert im Alltag betreffen.
Unabhängig von der gewählten Variante bleibt die maximale Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen erhalten. Ein Wert, der in dieser Leistungsklasse keineswegs selbstverständlich ist und den praktischen Nutzen des RS Q8 zusätzlich unterstreicht.
Kundenfeedback
In den Erfahrungsberichten von Besitzern fällt als Erstes auf, wie häufig der RS Q8 als seltene Mischung aus absurd schneller Performance und echter Langstreckentauglichkeit beschrieben wird. Viele Owner schreiben sinngemäß: Das Auto kann jederzeit „Overkill“, fühlt sich im Alltag aber überraschend normal an, sobald man in den komfortorientierten Modus wechselt. Genau dieser Spagat wird oft als Hauptgrund genannt, warum man den RS Q8 gegenüber extremeren Alternativen bevorzugt. Die Sitz- und Geräuschkomfort-Qualitäten werden dabei regelmäßig gelobt, ebenso die Stabilität bei Autobahntempo und die Souveränität, mit der der Wagen auch mit voller Besatzung oder Gepäck weiter genau so „schiebt“, wie man es erwartet.
Langzeitbesitzer sind allerdings deutlich ehrlicher, wenn es um die Kehrseite geht. In längeren Besitzzeiträumen häufen sich Berichte über Werkstatttermine, die nicht zwingend dramatisch, aber nervig sind, weil sie in der Summe Zeit kosten. Genannt werden dabei vor allem Elektronik- und Softwarethemen sowie einzelne Defekte im Umfeld von Komfortfunktionen, Sensorik oder Nebenaggregaten. Manche Fahrer berichten auch von Rückruf- oder Serviceaktionen, die im Alltag zwar lösbar sind, aber die Erwartungshaltung an ein Fahrzeug in dieser Preisklasse sichtbar korrigieren. Unter dem Strich lautet das Fazit vieler Besitzer nicht „unzuverlässig“. Man muss allerdings mit der Realität leben, dass ein hochkomplexes, stark motorisiertes Luxus-SUV eben auch mehr potenzielle Fehlerquellen hat als ein simpleres SUV.
Beim Infotainment gehen die Meinungen interessanterweise weniger über die Optik als über die Praxis. Einige Besitzer finden das Dual-Screen-Layout nicht mehr ganz zeitgemäß, loben aber die Bedienlogik und die grundsätzlich zuverlässige Funktion. Wiederkehrend sind Hinweise auf gelegentliche Verbindungs- oder Stabilitätsthemen rund um Smartphone-Integration, die bei manchen nach längeren Fahrten oder nach Updates auftreten. Das ist nicht der dominante Tenor, taucht aber regelmäßig als typisches „Premium-Problem“ auf. Selten ein echter Ausfall, eher ein wiederkehrender Nervfaktor.
Die Anhängelast des Audi RS Q8 Performance ist ein wichtiges Argument
Sehr konkret sind viele Besitzer beim Thema Bremsen, insbesondere wenn Keramik an Bord ist. Hier liest man häufig, dass sich das Pedalgefühl im Kaltzustand oder bei Nässe anders anfühlen kann als erwartet und dass die Anlage erst mit Temperatur richtig „da“ ist. Das deckt sich mit deinem Eindruck. Einige Fahrer beschreiben es als gewöhnungsbedürftig, andere als völlig normal für Keramik, aber fast alle sind sich einig. Warm funktioniert die Verzögerung dann beeindruckend und passt zur Gewalt, mit der der RS Q8 Geschwindigkeit aufbaut.
Beim Verbrauch zeigen Langzeiterfahrungen eine realistische Spannbreite, die weniger schockiert, als man vermuten würde. Viele nennen im Alltag Werte grob im Bereich von 13 bis 16 Litern, abhängig von Autobahnanteil und Fahrweise. Es gibt aber auch Berichte, dass man bei sehr disziplinierter Fahrt und niedrigen Reisetempi deutlich darunter kommen kann. Umgekehrt gilt ebenso klar. Wer den RS Q8 regelmäßig schnell bewegt, muss nicht lange rechnen, bis die 20-Liter-Marke in Reichweite ist. Das passt grundsätzlich zu unseren Eindrücken, wirkt bei Ownern aber häufig noch stärker als „Kauf mit offenen Augen“-Hinweis formuliert.
Spannend ist auch der Nutzwert-Aspekt. Die 3,5 Tonnen Anhängelast werden von Besitzern durchaus als echtes Argument genannt, weil der RS Q8 damit nicht nur Show ist, sondern im Zweifel auch Boot, Pferdeanhänger oder schweren Trailer souverän zieht. Gelobt wird vor allem die Stabilität bei Last, sofern man sich an die Rahmenbedingungen hält. Gleichzeitig schwingt in manchen Kommentaren eine gewisse Ironie mit. Das Auto ist so mühelos schnell, dass man gerade mit Anhänger sehr bewusst fahren muss, um nicht in Situationen zu geraten, die mit normal motorisierten SUVs schlicht nicht entstehen.
Fazit zum Audi RS Q8 Performance
Der Audi RS Q8 Performance ist ein Auto, das sich jeder Vernunftdiskussion entzieht – und genau deshalb so gut funktioniert. 640 PS, 850 Newtonmeter und ein Sprintwert, den wir im Test sogar auf 3,4 Sekunden drücken konnten, sind in einem SUV dieser Größe schlicht absurd. Noch absurder ist allerdings, wie kontrolliert und gleichzeitig wie vielseitig Audi dieses Gesamtpaket abgestimmt hat. Denn der RS Q8 Performance ist nicht nur schnell. Er ist im richtigen Moment auch erstaunlich zivil.
Das zeigt sich vor allem auf der Langstrecke. Wer ihn als Autobahn-Express nutzt, findet ein Setup, das nicht permanent auf Angriff steht. Auf Wunsch verwandelt er sich in einen sehr komfortablen, erstaunlich leisen und entspannten Reisewagen. Genau das macht ihn im Alltag so besonders. Viele Rivalen können sportlich, sehr sportlich oder komplett kompromisslos. Der RS Q8 Performance kann das alles – und eben auch „normal“. Dass das selbst mit 23-Zoll-Rädern und Keramikbremsanlage funktioniert, ist einer seiner größten Pluspunkte. Die Bremse verlangt zwar Eingewöhnung und mag Kälte sowie Nässe nicht besonders, liefert warm aber eine Verzögerung, die zu diesem Leistungsniveau passen muss. Und es auch tut.
Auch beim Verbrauch ergibt sich ein Bild, das in der Praxis weniger dramatisch ist, als man es vom Stammtisch erwarten würde. 13,5 Liter im Schnitt über 2.000 Kilometer sind hoch, aber in Relation zur Leistung und zum Gewicht nicht aus der Welt. Die Range von 8,2 bis 14,4 Litern zeigt zudem, dass man den RS Q8 Performance nicht zwangsläufig als rollende Tankstelle bewegen muss. Wer allerdings regelmäßig jenseits von 250 km/h unterwegs ist oder Track-Eskapaden plant, sollte realistisch kalkulieren und sich mit Verbräuchen über 20 Liter anfreunden.
Kritikpunkte muss man mit der Lupe suchen
Echte Kritikpunkte sind daher weniger technisch als konzeptionell. Das Satellitsilber wirkt auf diesem Auto erstaunlich bieder und lässt den RS Q8 Performance optisch unter Wert wirken, weil er eigentlich nach mehr Drama und mehr Statement verlangt. Und die Optionspolitik bleibt ein Thema. Bei einem Grundpreis von rund 160.000 Euro sind viele teils funktionale Features weiterhin als Einzeloptionen kalkuliert, was schnell Richtung 200.000 Euro führt. Unser Testwagen lag bei 196.810 Euro. Für die Zielgruppe ist das nicht zwingend ein Knock-out-Kriterium, aber es ist ein Punkt, der im Premium-Segment inzwischen stärker auffällt als früher.
Unterm Strich bleibt der RS Q8 Performance ein beeindruckendes Statement. Er ist brutal schnell, erstaunlich komfortabel, hochwertig verarbeitet und im Alltag viel weniger anstrengend, als seine Daten vermuten lassen. Dazu kommt mit 3,5 Tonnen Anhängelast ein Nutzwert, den viele in dieser Leistungsklasse unterschätzen. Wer einen V8 will, der sich nicht nur nach Prestige, sondern nach echtem Können anfühlt, findet hier eines der komplettesten Angebote im Segment. Teuer, aber in seiner Kombination aus Power, Komfort und Souveränität ungewöhnlich rund.
Konkurrenzmodelle
Im Segment der High-Performance-SUVs bewegt sich der Audi RS Q8 Performance in einem Umfeld, das kaum Spielraum für Schwächen lässt. Direkt gegenüber steht etwa der BMW X6 M, der aktuell ab rund 171.900 Euro erhältlich ist. Auch hier arbeitet ein V8-Biturbo mit Allradantrieb, allerdings fällt die Abstimmung traditionell deutlich fahraktiver und kompromissloser aus. Im Alltag wirkt der X6 M oft straffer und weniger komfortorientiert, was ihn stärker in Richtung Performance-Tool positioniert als in Richtung Langstrecken-GT.
Ähnlich verhält es sich beim Mercedes-AMG GLE 63, der derzeit zwar nicht frei konfigurierbar ist, preislich jedoch zuletzt bei etwa 194.689 Euro lag. Der AMG verfolgt ein vergleichbares Konzept aus Leistung, Luxus und Allradtraktion. Allerdings setzt er in seiner Fahrwerksabstimmung stärker auf eine sportlich-direkte Charakteristik. Im Komfortmodus bleibt er langstreckentauglich. Er erreicht aber nicht ganz die Gelassenheit, mit der der RS Q8 Performance auch auf schlechten Autobahnabschnitten unterwegs ist.
Deutlich exklusiver – und teurer – wird es mit dem Lamborghini Urus SE, der bei rund 260.000 Euro startet und als Plug-in-Hybrid nochmals höhere Systemleistungen bietet. Der Fokus liegt hier stärker auf emotionaler Inszenierung und maximaler Performance, während der Alltagskomfort spürbar in den Hintergrund rückt. Ähnlich positioniert sich der Aston Martin DBX707, der ab etwa 258.000 Euro erhältlich ist und mit seinem AMG-basierten V8 vor allem auf Fahrdynamik und Markenimage setzt.
Auch Bentley bietet eine komfortorientierte Alternative
Mit einem Einstiegspreis von rund 268.800 Euro markiert der Bentley Bentayga Speed schließlich die luxuriöse Spitze dieses Segments. Hier steht weniger die ultimative Rundenzeit als vielmehr die Kombination aus Leistung und maximalem Komfort im Vordergrund.
Wer die hoch potente Leistung des RS Q8 nicht braucht, kann auch auf den etwas schwächeren Audi SQ8 (Test des Audi SQ8 TFSI) zurückgreifen. Mit 507 PS und 770 Newtonmetern bietet der immer noch mehr als ausreichend Leistung. Optisch ist er aber weniger kompromisslos als dessen großer Bruder.
Vor diesem Hintergrund positioniert sich der Audi RS Q8 Performance als eine Art Mittelweg. Deutlich günstiger als die britischen und italienischen Exoten, im Alltag komfortabler als viele seiner direkten deutschen Wettbewerber. Und dennoch schnell genug, um in puncto Performance in dieser Klasse ernst genommen zu werden.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D




































