Der BMW 120d ist eines dieser Autos, die man auf dem Papier schnell unterschätzt. 163 PS Systemleistung, Frontantrieb, Diesel – das klingt zunächst nach Vernunft, nicht nach Leidenschaft. Und doch ist genau dieses Modell aktuell eine der spannendsten Erscheinungen im gesamten Kompaktsegment.
BMW verfolgt beim neuen 1er (F70) eine klare Strategie. Weg vom kompromisslosen Heckantrieb vergangener Tage, hin zu einem modernen, effizienteren Gesamtpaket mit Frontantrieb. Was auf dem Papier für Puristen wie ein Rückschritt wirken mag, entpuppt sich im Alltag als erstaunlich stimmig. Vor allem dann, wenn ein Motor wie der 120d ins Spiel kommt.
Denn dieser Diesel trifft einen Nerv, den viele Hersteller längst aus den Augen verloren haben. Effizienz, Reichweite und Alltagstauglichkeit stehen hier nicht im Widerspruch zu Fahrspaß. Im Gegenteil. Der BMW 120d kombiniert genau diese Eigenschaften zu einem Gesamtbild, das in dieser Form aktuell selten geworden ist.
Mit 400 Newtonmetern Drehmoment, einer 7-Gang-Steptronic und einem realistischen Verbrauch auf Kleinwagen-Niveau zeigt der 120d sehr schnell, dass er mehr ist als nur die „vernünftige Wahl“. Er ist vielmehr so etwas wie das heimliche Sweet Spot-Modell der Baureihe. Nicht so teuer wie die Topversionen, deutlich souveräner als die Einstiegsmotorisierungen und dabei überraschend fahraktiv.
Genau hier wird es interessant. Denn während viele Kompaktmodelle entweder auf Komfort oder auf Sportlichkeit setzen, gelingt dem BMW 120d (F70) ein Spagat, der in dieser Klasse alles andere als selbstverständlich ist. Er wirkt nicht wie ein abgespecktes Premiumprodukt, sondern wie ein bewusst entwickeltes Gesamtpaket.
Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen. Für unseren Test fuhren wir einen 120d mit M Sportpaket, lackiert im schicken Portimao Blau. Fahrbericht.
Der Look
Der BMW 120d tritt optisch selbstbewusst auf, ohne dabei in plakative Aggressivität abzurutschen. Gerade in der getesteten Konfiguration wirkt der Kompakt-BMW erstaunlich erwachsen – fast so, als wolle er bewusst zeigen, dass er mehr ist als nur der Einstieg in die Marke.
Portimao Blau steht dem 1er dabei ausgezeichnet. Der Farbton bringt genau die richtige Mischung aus Tiefe und Präsenz mit, ohne aufdringlich zu wirken. In Kombination mit dem M Sportpaket entsteht ein Auftritt, der sportlich, aber nicht überzeichnet ist. Die 18-Zoll-Y-Speiche in Bicolor fügt sich stimmig ins Gesamtbild ein und vermeidet genau die optische Schwere, die größere Felgen manchmal mit sich bringen. Wer will, bekommt aber auch zwei Mattlackierungen (Frozen Portimao Blau und Frozen Pure Grey) – zu je gut 2.200 Euro und 19-Zoll-Räder.
An der Front zeigt sich allerdings auch die größte Design-Diskussion. Der neue 1er ist hier deutlich runder geworden als sein Vorgänger. Die Linien wirken weicher, die Flächen glatter. Das ist gefälliger, aber auch weniger kantig, weniger „BMW-typisch“ im klassischen Sinne. Wer die alte, schärfere Designsprache mochte, wird hier möglicherweise eine gewisse Schärfe vermissen.
Ganz anders das Heck. Hier zeigt sich der F70 deutlich definierter. Die Linienführung ist klarer, die Proportionen wirken straffer und insgesamt deutlich stimmiger. Gerade aus der hinteren Perspektive steht der 1er satt auf der Straße und vermittelt genau das Maß an Dynamik, das man von einem M Sport Modell erwartet.
Ein echtes Highlight im Alltag sind die adaptiven LED-Scheinwerfer, die im Rahmen des Premium- oder Innovationspakets erhältlich sind. Die Lichtsignatur ist modern, die Ausleuchtung überzeugt mit einer sehr homogenen und weitreichenden Charakteristik. Hier gibt es schlicht nichts zu kritisieren. Wer viel nachts unterwegs ist, wird diesen Punkt schnell zu schätzen wissen.
Typisch BMW: Viele Details offenbaren sich erst auf den zweiten Blick. Der anthrazitfarbene Dachhimmel, die M-typischen Akzente und – im Falle des M Sportpaket Pro – sogar farblich abgestimmte Sicherheitsgurte zeigen, wie viel Liebe zum Detail hier eingeflossen ist. Gleichzeitig bleibt der 1er optisch angenehm zurückhaltend. Er will nicht provozieren, sondern überzeugen.
Und genau das gelingt ihm. Nicht durch einen martialischen Auftritt, sondern durch ein sehr stimmiges Gesamtbild.
Und innen?
Im Innenraum zeigt der BMW 120d (F70) sehr schnell, dass er kein bloß aufgehübschter Kompakter sein will. Das Cockpit wirkt modern, klar gezeichnet und typisch BMW fahrerorientiert, ohne dabei kühl oder steril zu wirken. Gerade in der getesteten M Sport-Konfiguration mit der Alcantara-/Veganza-Kombination in Schwarz und blauer Kontraststeppung entsteht ein Innenraum, der sportlich aussieht, hochwertig verarbeitet ist und deutlich mehr Atmosphäre bietet als viele Wettbewerber.
Interessant ist dabei vor allem das Veganza-Material. Im 5er konnte es geruchlich nicht restlos überzeugen, im 1er ist davon nichts zu merken. Hier wirkt das Ganze stimmig, angenehm und völlig unproblematisch. Zusammen mit dem Alcantara ergibt sich eine Kombination, die nicht nur optisch gut funktioniert, sondern dem kleinen BMW auch genau die richtige Portion Dynamik mitgibt. Es sieht nicht geschniegelt aus, sondern passend. Und genau das ist hier entscheidend – so finden wir.
Die Sportsitze vorne sind gut gelungen. Sie bieten ordentlichen Seitenhalt, ohne im Alltag zu streng zu wirken, und passen damit sehr gut zum Charakter des 120d. Im Winter ist die Sitzheizung ohnehin gesetzt, die optional verfügbare Lenkradheizung für 250 Euro sollte man aber ebenfalls ernsthaft in Betracht ziehen. Sie arbeitet sehr überzeugend und gehört zu den Extras, die man nach wenigen kalten Morgenfahrten nicht mehr missen möchte. Unser Testwagen war zusätzlich mit elektrischer Sitzverstellung samt Memoryfunktion für den Fahrersitz ausgerüstet, was den Alltag nochmals aufwertet. Wer noch mehr will, kann zu den Aktivsitzen mit Lordosenstütze und Massage greifen oder gleich die optionalen M Sportsitze bestellen.
Akustisch profitiert der Innenraum klar vom Harman/Kardon-System für 600 Euro. Das System versucht nicht, mit brachialer Effekthascherei zu beeindrucken, sondern liefert einen satten, voluminösen Klang, der gerade im vergleichsweise kompakten Innenraum des 1er leichtes Spiel hat. Es ist eines dieser Extras, bei denen man nicht lange diskutieren muss. Wer Musik mag, bestellt es.
Bei der Bedienung ist der Eindruck etwas gemischter. Das Infotainment selbst ist gut, schnell und optisch sauber aufbereitet. Das Head-up-Display überzeugt ebenfalls, wie man es von BMW kennt. Schade ist nur, dass der iDrive-Drehregler nicht mehr an Bord ist. Genau dieses haptische Bedienelement hatte BMW über Jahre von vielen Wettbewerbern abgehoben. Nun läuft vieles über Touch oder Sprachsteuerung. Letztere funktioniert ordentlich, trotzdem bleibt das Gefühl, dass hier ein echtes BMW-Markenzeichen verloren gegangen ist. Genau deshalb wirkt der Innenraum modern und durchdacht, aber nicht in jedem Detail besser als früher.
Der Antrieb des BMW 120d (F70)
Der BMW 120d ist genau das Auto, bei dem man nach wenigen Kilometern merkt, wie gut einzelne Komponenten miteinander harmonieren können. Hier arbeitet nichts gegeneinander, hier greift alles sauber ineinander.
Der Vierzylinder-Diesel mit 163 PS Systemleistung und 400 Newtonmetern ist dabei das Herzstück eines Antriebs, der vor allem eines kann: liefern. Und zwar jederzeit. Schon aus niedrigen Drehzahlen schiebt der 120d kräftig an, ohne dabei angestrengt zu wirken. Es ist diese typische Diesel-Souveränität, die im Alltag einfach funktioniert. Kein Hochdrehen, kein Drama – einfach Druck, genau dann, wenn man ihn braucht.
Bemerkenswert ist, wie kultiviert der Motor arbeitet. Beim Kaltstart meldet sich der Diesel noch kurz zu Wort, so nach dem Motto: „Ja, ich bin einer.“. Danach verschwindet dieses typische Dieselmerkmal nahezu vollständig. Im Fahrbetrieb wirkt der Antrieb leise, unaufgeregt und erstaunlich erwachsen. Wer nicht bewusst darauf achtet, würde hier nicht zwingend sofort auf einen Diesel tippen.
Die 7-Gang-Steptronic passt perfekt zu diesem Charakter. Sie arbeitet schnell, sauber und vor allem unauffällig. Genau so, wie es in dieser (Preis-) Klasse sein sollte. Im Alltag verschwinden die Gangwechsel praktisch komplett im Hintergrund. Erst wenn man im Sportmodus unterwegs ist und das volle Potenzial abruft, werden die Schaltvorgänge überhaupt bewusst wahrnehmbar. Und selbst dann wirken sie nie hektisch oder unkoordiniert. Das ist schlicht Premium-Niveau.
Was den 120d allerdings wirklich besonders macht, ist das Zusammenspiel aus Motor, Fahrwerk und Lenkung. Das adaptive M Fahrwerk bringt eine angenehme Grundstraffheit mit, ohne den Alltag zu verkomplizieren. Im Gegenteil: Es schafft genau diesen schmalen Grat zwischen Komfort und Dynamik, den viele Hersteller zwar versprechen, aber selten wirklich treffen. Im Sportmodus wird der 1er spürbar straffer, bleibt aber jederzeit kontrollierbar und souverän. Oder anders gesagt: Er fühlt sich dann etwa so an wie ein Golf GTI im Komfortmodus – nur eben mit mehr Ruhe im Gesamtbild.
Die Lenkung setzt dem Ganzen die Krone auf. Präzise, direkt und erfreulich frei von synthetischem Theater. Sie macht genau das, was sie soll, und das ziemlich gut. Auf der Autobahn bleibt sie stabil, in der Stadt angenehm leichtgängig. Das Ergebnis: ein Auto, das sich kleiner anfühlt, als es ist, und gleichzeitig größer fährt, als man erwartet.
In Summe entsteht daraus ein Gesamtpaket, das in dieser Klasse selten geworden ist. Der BMW 120d fährt nicht nur gut – er fährt richtig gern. Und genau das macht ihn so besonders.
Alltag & Verbrauch
Der BMW 120d spielt genau dort seine größte Stärke aus, wo viele moderne Kompaktwagen inzwischen schwächeln: im echten Leben.
Beginnen wir mit dem Verbrauch. Im BMW 120d Test zeigt sich beim Verbrauch sehr schnell, wie effizient dieses Konzept noch immer sein kann. Über mehr als 2.000 Kilometer pendelte sich der BMW 120d Verbrauch bei 5,2 Litern ein. Und das ist kein geschönter Laborwert, sondern das Ergebnis aus Stadt, Landstraße und Autobahn. Wer es darauf anlegt, kommt sogar deutlich darunter. Eine Sparrunde endete bei glatten 3,0 Litern. Drei. Liter. In einem vollwertigen Kompaktwagen mit dieser Leistung. Man muss sich das kurz vor Augen führen, während andere Fahrzeuge in dieser Klasse stolz ihre 6,5 Liter als „effizient“ verkaufen.
Selbst bei zügiger Gangart bleibt der BMW erstaunlich gelassen. Dynamisch gefahren sind es rund 6,8 Liter, bei nächtlichen Highspeed-Etappen auf der unbegrenzten Autobahn maximal 7,9 Liter. Mehr geht faktisch nicht, es sei denn, man fährt konsequent im oberen Drehzahlbereich – was bei einem Diesel ungefähr so sinnvoll ist wie ein Cappuccino vor dem Schlafengehen.
Mit einem Tankvolumen von 49 Litern ergeben sich daraus Reichweiten, die man in dieser Klasse fast schon vergessen hatte. Wer wirklich sparsam unterwegs ist, kratzt theoretisch an der Vierstelligkeit. Realistisch sind bei normaler Fahrweise deutlich über 900 Kilometer drin. Und genau das ist der Punkt: Der 120d nimmt einem dieses ständige „Wann muss ich wieder laden oder tanken?“ komplett ab.
Im Alltag zeigt sich der 1er erfreulich unkompliziert. In der Stadt hilft die leichtgängige Lenkung beim Rangieren, die kompakten Abmessungen machen Parkhäuser erträglich und die gute Übersicht sorgt dafür, dass man sich schnell zurechtfindet. Unterstützend wirkt die Rückfahrkamera, die in den meisten Situationen bereits völlig ausreicht. Die diversen Parkassistenten sind nett, aber oft eher Kür als Pflicht.
Auf der Langstrecke überrascht der 120d mit einem Komfortniveau, das man so nicht zwingend erwartet. Das Fahrwerk bleibt auch nach mehreren Stunden entspannt, die Sitze bieten ausreichend Unterstützung und das insgesamt niedrige Geräuschniveau trägt seinen Teil dazu bei. Es ist eines dieser Autos, bei denen man nach 500 Kilometern aussteigt und sich denkt: „War jetzt weniger anstrengend als gedacht.“
Beim Platzangebot erfüllt der BMW genau das, was man von einem Kompakten erwarten darf. Vorne sitzt man großzügig, auch größere Fahrer finden problemlos eine angenehme Position. Im Fond wird es erwartungsgemäß etwas enger, bleibt aber absolut alltagstauglich. Der Kofferraum fasst 300 Liter und lässt sich auf bis zu 1.135 Liter erweitern. Kein Klassenbestwert, aber ausreichend für alles, was man im normalen Leben so transportiert.
Wer den 1er nicht nur für den Alltag, sondern auch für Transportaufgaben nutzen möchte, kann optional eine Anhängerkupplung für 850 Euro bestellen. Die maximale Anhängelast liegt bei 1.300 Kilogramm gebremst und 750 Kilogramm ungebremst. Für einen Kompakten ist das absolut solide und reicht problemlos für kleinere Anhänger, Motorräder oder den klassischen Baumarkt-Einsatz. Wer regelmäßig Pferdeanhänger zieht, wird sich ohnehin in einer anderen Fahrzeugklasse umsehen.
Echte Schwächen? Kaum. Der fehlende Allradantrieb beim 120d ist ein Punkt, den man erwähnen muss. Und ja, der Preis kratzt mit knapp 56.000 Euro im Testwagen an der Schmerzgrenze. Aber wenn man ehrlich ist, liegt das weniger am BMW selbst als vielmehr daran, dass sich das gesamte Segment inzwischen in diese Richtung entwickelt hat.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Der BMW 120d zeigt im Kapitel Assistenz und Ausstattung sehr deutlich, wie breit die Spanne zwischen „wirklich sinnvoll“ und „nett gemeint“ inzwischen geworden ist.
Fangen wir mit den Dingen an, die man tatsächlich haben will. Das Head-up-Display gehört dazu. Es ist klar ablesbar, sinnvoll integriert und funktioniert so unauffällig gut, wie man es von BMW kennt. Gleiches gilt für das adaptive LED-Licht, das im Rahmen des Premium- oder Innovationspakets erhältlich ist. Die Ausleuchtung ist hell, homogen und weitreichend – hier gibt es keinen Grund zur Kritik. Wer häufig nachts unterwegs ist, sollte hier nicht lange überlegen.
Auch Features wie der Komfortzugang, anklappbare Spiegel oder die kabellose Ladeschale sind im Alltag deutlich wertvoller, als es auf der Preisliste zunächst wirkt. Gerade im urbanen Umfeld merkt man schnell, wie angenehm solche Details sein können. Das gilt auch für die elektrische Heckklappe, die leise und zuverlässig arbeitet und den Alltag schlicht komfortabler macht.
Dann gibt es da noch die wirklich großen Pakete. Das Premium-Paket für 1.900 Euro bündelt viele sinnvolle Funktionen und ist aus unserer Sicht gut investiertes Geld. Das Innovationspaket für 3.800 Euro geht einen Schritt weiter und richtet sich an diejenigen, die ihren 1er möglichst vollständig ausstatten wollen. BMW Live Cockpit Professional, beleuchtete Niere und erweiterte Parkfunktionen sind hier inklusive. Brauchen tut man das alles nicht zwingend – aber es funktioniert und macht das Auto moderner.
Und damit sind wir bei den Assistenten. Der Driving Assistant Professional für 2.280 Euro bringt alles mit, was aktuell technisch möglich ist. Adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Totwinkelwarner, Querverkehrswarner, Ausweichhilfe – das volle Programm. Auf der Autobahn ist das durchaus angenehm, im dichten Verkehr ebenfalls hilfreich. Aber es bleibt dabei: Man muss solche Systeme mögen und ihnen vertrauen. Wer lieber selbst fährt, wird sie eher als gelegentliche Unterstützung sehen.
Besonders spannend wird es bei Themen wie dem Parking Assistant Professional inklusive ferngesteuertem Parken. Technisch beeindruckend, ohne Frage. Praktisch stellt sich allerdings die Frage, wie oft man wirklich neben seinem Auto steht und es per Smartphone einparkt, während man selbst daneben wartet. Zumal der 1er so handlich und übersichtlich ist, dass man ihn auch ohne digitale Fernbedienung problemlos in nahezu jede Lücke bekommt. Es ist ein bisschen wie ein elektrischer Dosenöffner in der Küche – nett zu haben, aber die klassische Variante funktioniert eben auch.
Unterm Strich zeigt sich: Der BMW 120d lässt sich sehr sinnvoll ausstatten. Man sollte nur wissen, wo der Mehrwert endet und wo der Spieltrieb beginnt.
Varianten & Preise des BMW 120d (F70)
Der BMW 120d bewegt sich preislich genau dort, wo man ihn erwartet. Und vielleicht auch genau dort, wo man kurz schluckt, bevor man sich einredet, dass das schon alles seine Richtigkeit hat.
Der Einstieg in die 1er-Welt beginnt beim BMW 116 ab 34.250 Euro. 122 PS, Frontantrieb, solide Basis. Reicht völlig aus, wenn man einfach nur einen BMW fahren möchte. Wer ein bisschen mehr möchte, landet beim BMW 120 mit 170 PS ab 39.150 Euro. Und ja, das „i“ ist mittlerweile Geschichte. Früher stand das für Einspritzung, heute offenbar für „irgendwie nicht mehr nötig“. Man gewöhnt sich dran, auch wenn es sich immer noch ein bisschen falsch anfühlt.
Darüber rangiert der BMW 123 xDrive mit 218 PS ab 45.350 Euro. Allrad, mehr Leistung, mehr Punch. Und dann ist da noch das Topmodell, der BMW M135 xDrive, der bei mindestens 57.150 Euro startet und sich entsprechend positioniert. Viel Leistung, viel Inszenierung, viel Preis.
Auf der Dieselseite wird es übersichtlicher. Der BMW 118d markiert den Einstieg mit 150 PS ab 42.900 Euro. Und dann kommt direkt unser Testwagen ins Spiel. Der BMW 120d startet bei 45.300 Euro und liefert 163 PS Systemleistung sowie – fast schon ironisch – den geringsten Verbrauch im gesamten Line-up. Während andere Modelle mehr Leistung anbieten und gleichzeitig mehr verbrauchen, macht der 120d einfach sein Ding und wirkt dabei erstaunlich souverän.
Unser Testwagen lag bei 55.970 Euro. Und ja, das ist viel Geld für einen Kompaktwagen. Aber es ist auch ein voll ausgestatteter Kompaktwagen mit Premium-Anspruch. Innovationspaket, Driving Assistant Professional, Harman/Kardon, elektrische Sitze, M Sportbremse – hier ist im Grunde alles drin, was man sich wünschen kann. Und genau das treibt den Preis.
Interessant ist dabei weniger die absolute Summe, sondern der Kontext. Ein Blick Richtung Audi A3 oder Mercedes-Benz A-Class zeigt schnell, dass sich das Preisniveau längst nach oben verschoben hat. Wer Premium will, bezahlt Premium. Und wer alles will, bezahlt eben entsprechend mehr.
Der eigentliche Trick beim 120d liegt deshalb nicht im Einstiegspreis, sondern in der Konfiguration. Man kann ihn sehr vernünftig ausstatten – oder eben konsequent eskalieren lassen. BMW gibt einem hier alle Möglichkeiten. Und wie so oft gilt: Die Grenze setzt nicht der Konfigurator, sondern der eigene Realitätssinn.
Kundenfeedback
Der BMW 120d wird von Besitzern vor allem als eines beschrieben: unkompliziert. Kein Auto, das man ständig erklären muss, sondern eines, das einfach funktioniert. Viele sprechen davon, dass genau das der Grund für den Kauf war.
Der Motor gilt als „genau richtig“. Nicht spektakulär, aber jederzeit präsent. Typische Aussagen drehen sich um die Souveränität im Alltag. Überholen, Auffahren, Beschleunigen – alles passiert ohne Nachdenken. Weniger Emotion, mehr Effizienz. Und offenbar reicht das vielen völlig.
Beim Verbrauch zeigen sich recht konstante Werte. Die meisten Owner berichten von fünf bis fünfeinhalb Litern im Alltag. Wer bewusst sparsam fährt, kommt weiter runter, wer es eilig hat, landet etwas höher. Wirklich spannend ist für viele aber die Reichweite. Mehrere hundert Kilometer ohne Blick auf die Tankanzeige werden fast schon als Luxus empfunden. Ein Luxus, den man offenbar schnell wieder zu schätzen lernt.
Das Fahrverhalten wird als sicher und angenehm beschrieben. Die Lenkung gefällt, das Fahrwerk wird als ausgewogen wahrgenommen. Ehemalige BMW-Fahrer erwähnen gelegentlich den Frontantrieb, allerdings eher als Feststellung als als Kritik. Man merkt es – aber es stört im Alltag kaum.
Im Innenraum wird die Verarbeitung gelobt, bei den Materialien gehen die Meinungen etwas auseinander. Sichtbereiche wirken hochwertig, darunter wird es funktionaler. Das wird registriert, aber selten wirklich kritisiert.
Ein klarer Punkt ist die Bedienung. Der fehlende iDrive-Drehregler wird häufig vermisst. Touch und Sprache funktionieren, aber viele hätten die alte Lösung lieber behalten. Bei den Assistenzsystemen zeigt sich ein ähnliches Bild. Grundfunktionen werden genutzt, erweiterte Features wie ferngesteuertes Parken eher als nette Spielerei gesehen. In einem kompakten Auto, das sich leicht selbst manövrieren lässt, wirkt das für viele schlicht überdimensioniert.
Kritik gibt es beim fehlenden Allrad und beim Preis. Beides wird genannt, aber meist direkt relativiert.
Fazit zum BMW 120d (F70)
Der BMW 120d ist eines dieser Autos, die man nicht sofort versteht – und dann plötzlich doch sehr logisch findet.
Auf dem Papier wirkt er unspektakulär. Diesel, Frontantrieb, 163 PS. Keine Headline, kein Stammtischargument, kein „schau mal, was ich fahre“-Moment. Und genau darin liegt seine Stärke. Denn während andere Kompaktmodelle versuchen, sich über Leistung, Design oder Technik zu definieren, konzentriert sich der 120d auf das, was im Alltag wirklich zählt.
Er fährt gut. Nicht aufgesetzt sportlich, nicht künstlich emotional, sondern ehrlich und präzise. Lenkung, Fahrwerk und Antrieb arbeiten so sauber zusammen, dass man sich nach kurzer Zeit fragt, warum sich das nicht öfter so anfühlt. Dazu kommt ein Motor, der genau das liefert, was man braucht. Immer. Ohne Diskussion.
Gleichzeitig ist er effizient. Und zwar nicht im Prospekt, sondern auf der Straße. Fünf Liter im Alltag sind realistisch, Reichweiten jenseits der 800 Kilometer ebenfalls. Während viele Konzepte versuchen, die Zukunft zu erklären, macht der Einszwanziger einfach die Gegenwart sehr gut. Das zeigt der BMW 120d Test ziemlich deutlich.
Natürlich ist nicht alles perfekt. Der fehlende Allradantrieb ist ein echter Punkt, gerade für diejenigen, die bewusst danach suchen. Die Bedienung ohne iDrive-Drehregler wirkt wie ein kleiner Rückschritt, auch wenn man sich daran gewöhnt. Und ja, der Preis ist hoch. Knapp 56.000 Euro für einen Kompaktwagen muss man erstmal unterschreiben wollen.
Aber genau hier wird es interessant. Denn schaut man sich die Konkurrenz an, relativiert sich vieles. Und schaut man sich das Gesamtpaket an, noch mehr.
Der BMW 120d ist kein Auto für große Gesten. Er ist ein Auto für Menschen, die genau wissen, was sie wollen. Effizienz, Fahrqualität und Alltagstauglichkeit – ohne unnötigen Ballast. Oder anders gesagt: Ein Kompakter, der nicht versucht, mehr zu sein, als er ist. Sondern genau darin ziemlich gut geworden ist. Und das begrüßen wir sehr.
Konkurrenzmodelle
Der BMW 120d bewegt sich in einem Segment, das auf den ersten Blick dicht besetzt wirkt – bei genauerem Hinsehen aber erstaunlich ausgedünnt ist. Vor allem dann, wenn man gezielt nach einem Diesel sucht, der mehr kann als nur „mitlaufen“.
Der naheliegendste Gegner ist der Audi A3 (Test des Audi RS 3 Sportback), insbesondere als TDI mit 150 PS (ab 39.600 Euro). Ebenfalls effizient, ebenfalls hochwertig, allerdings deutlich nüchterner abgestimmt. Der Audi fährt sich präzise, aber weniger lebendig. Er ist das Auto für diejenigen, die alles richtig machen wollen – der BMW für diejenigen, die dabei auch ein bisschen Spaß haben möchten.
Die Mercedes-Benz A-Klasse – konkret als A 200d ab 41.477 Euro – setzt stärker auf Komfort und Inszenierung. Innen wirkt sie moderner, fast schon verspielter, dafür aber auch weniger übersichtlich. Beim Fahrverhalten zeigt sie sich zurückhaltender, weniger direkt. Wer es entspannt mag, ist hier richtig. Wer aktiv fahren möchte, landet eher im BMW.
Ein interessanter Außenseiter ist der DS 4 (Test des DS 4 Hybrid) beziehungsweise DS No.4, ebenfalls als Diesel erhältlich. Er verfolgt einen komplett anderen Ansatz. Mehr Design, mehr Lifestyle, weniger Dynamik. Der DS will auffallen und sich bewusst abheben. Der BMW hingegen konzentriert sich darauf, möglichst gut zu fahren. Zwei völlig unterschiedliche Philosophien.
Und dann wird es schon dünn. Modelle wie der frühere Lexus CT sind vom Markt verschwunden, andere Hersteller haben sich aus dem klassischen Kompakt-Diesel-Segment weitgehend zurückgezogen oder setzen verstärkt auf Hybrid- und Elektroantriebe. Der klassische, effiziente Diesel-Kompakte mit Premium-Anspruch ist zur Randerscheinung geworden.
Genau hier spielt der 120d seine Karten aus. Er hat weniger direkte Konkurrenz als man denkt – und in puncto Fahraktivität aktuell eigentlich gar keine. Während andere Modelle entweder komfortorientierter oder stärker auf Technik und Design ausgelegt sind, bleibt der BMW seiner Linie treu.
Oder anders gesagt: Wer genau das sucht, was der 120d kann, hat nicht mehr besonders viele Alternativen.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D



























