Maxus Mifa 9
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Maxus Mifa 9 Test – Erstkontakt mit dem Premium-Van

Der Maxus Mifa 9 markiert für die Marke einen klaren Richtungswechsel. Statt Nutzfahrzeug-Image und funktionalem Pragmatismus tritt hier ein vollelektrischer Van an, der sich bewusst im Premium-Umfeld positioniert. Groß, selbstbewusst gestaltet und mit umfangreicher Komfortausstattung versehen, richtet sich der Mifa 9 an eine Zielgruppe, die Raum und Elektromobilität mit einem gehobenen Anspruch verbinden möchte.

Der Markt für elektrische Großraumlimousinen ist noch überschaubar, was dem Mifa 9 eine besondere Rolle verschafft. Neben etablierten Namen wie dem Mercedes-Benz EQV und dem VW ID.Buzz versucht Maxus, mit einem eigenständigen Konzept Fuß zu fassen. In Deutschland wird der Mifa 9 ausschließlich elektrisch angeboten, mit klar strukturierter Modellpalette und festen Ausstattungspaketen. Der Anspruch ist deutlich: weniger Transporter, mehr luxuriöser Reisevan. Ob dieses Konzept aufgeht und wie überzeugend der Maxus Mifa 9 im Alltag auftritt, zeigt der folgende Test. Fahrbericht.


Der Look

Optisch setzt der Maxus Mifa 9 auf einen futuristischen Ansatz, der sich klar von klassischen Vans abgrenzt. Die Front wirkt modern und selbstbewusst, geprägt von klaren Linien und einer ungewöhnlichen Lichtsignatur. Die zweigeteilten LED-Scheinwerfer integrieren sich unauffällig in die Frontgestaltung und verleihen dem Fahrzeug einen technisch geprägten Ausdruck. Insgesamt wirkt der Auftritt weniger funktional als vielmehr repräsentativ, was den Anspruch des Modells unterstreicht.

In der Seitenansicht wird die Größe des Fahrzeugs deutlich. Mit über 5,2 Metern Länge und einem langen Radstand zeigt der Mifa 9 klare Präsenz, ohne dabei klobig zu wirken. Die Linienführung bleibt ruhig, fast schon elegant, unterstützt durch große Räder und eine ausgewogene Fensterlinie. Das Heck setzt diesen Stil fort und verzichtet auf übertriebene Details. Klare Flächen, eine durchgehende Lichtgrafik und der prominent platzierte Modellschriftzug sorgen für einen eigenständigen Abschluss.

Insgesamt gelingt Maxus ein Design, das modern wirkt, ohne auf kurzfristige Trends zu setzen. Der Mifa 9 fällt auf, ohne laut zu sein, und hebt sich klar vom klassischen Van-Einerlei ab.


Und innen?

Der Innenraum des Maxus Mifa 9 ist klar auf Komfort und Raumgefühl ausgelegt. Schon auf den vorderen Plätzen zeigt sich ein hochwertiger Gesamteindruck mit großzügigen Sitzen, übersichtlichem Cockpit und digitalem Instrumentarium. Die Materialanmutung wirkt solide und stimmig, ohne übertrieben luxuriös zu erscheinen. Bedienelemente und Touchscreens sind logisch angeordnet, auch wenn die Menüführung nicht immer auf Anhieb intuitiv wirkt.

Der eigentliche Fokus liegt jedoch im Fond. Hier bietet der Mifa 9 ein Raumangebot, das sich deutlich an Chauffeur- und Shuttle-Konzepte anlehnt. Zwei großzügige Einzelsitze in der zweiten Reihe sorgen für hohen Sitzkomfort und lassen sich vielfältig verstellen. Je nach Ausstattung sind Belüftung, Heizung und Massage an Bord. Der Einstieg gelingt dank großer Schiebetüren mühelos. Auch die dritte Sitzreihe bietet ausreichend Platz für Erwachsene, wenngleich sie eher als komfortable Ergänzung denn als Lounge gedacht ist.

Ein besonderes Highlight ist die Dachgestaltung. Sowohl im Fond als auch vorne stehen Glasdächer zur Verfügung, die sich öffnen lassen und den Innenraum hell und luftig wirken lassen. Der Kofferraum bietet selbst bei voller Bestuhlung noch alltagstauglichen Stauraum und lässt sich bei Bedarf deutlich erweitern. Ergänzt wird das Raumangebot durch einen Frunk unter der Fronthaube.


Der Antrieb des Maxus Mifa 9

Angetrieben wird der Maxus Mifa 9 von einem Elektromotor mit 245 PS, der seine Kraft an die Vorderachse überträgt. Das maximale Drehmoment von 350 Newtonmetern steht früh zur Verfügung und sorgt für ein souveränes Anfahrverhalten. Sportliche Ambitionen verfolgt der große Van jedoch nicht. Vielmehr steht ein gleichmäßiger, entspannter Vortrieb im Vordergrund, der gut zum Charakter des Fahrzeugs passt.

Im Alltag zeigt sich der Mifa 9 als ruhiger Gleiter. Besonders im Stadtverkehr und auf Landstraßen fährt er angenehm gelassen und leise. Auf der Autobahn hält er mühelos mit, ohne dabei dynamisch wirken zu wollen. Das Fahrwerk ist klar auf Komfort abgestimmt und filtert Unebenheiten souverän heraus. Auch bei voller Beladung bleibt das Fahrverhalten stabil.

Die Lenkung arbeitet präzise, liefert jedoch nur wenig Rückmeldung. Beim kräftigen Beschleunigen zeigen sich die Grenzen des Frontantriebs, da die Vorderräder mit der Leistung zu kämpfen haben. Positiv fällt das harmonische Zusammenspiel von Rekuperation und Bremsanlage auf, das im Alltag kaum Übergänge spüren lässt. Insgesamt präsentiert sich der Antrieb des Maxus Mifa 9 als stimmig und alltagstauglich, ohne sportliche Akzente zu setzen.


Alltag, Laden & Verbrauch

Im Alltag profitiert der Maxus Mifa 9 von seinem großzügigen Raumkonzept und der entspannten Auslegung. Die hohe Sitzposition sorgt für gute Übersicht, während die umfangreiche Kameraausstattung das Rangieren deutlich erleichtert. Gerade in engen Parkhäusern oder bei Stadtfahrten zeigt sich dieser Aspekt als großer Vorteil. Die elektrische Heckklappe und die Schiebetüren erleichtern den täglichen Umgang zusätzlich.

Beim Verbrauch liegt der Mifa 9 realistisch betrachtet über der offiziellen WLTP-Angabe. Im gemischten Betrieb sind Werte im mittleren 20-kWh-Bereich zu erwarten, was angesichts von Größe, Gewicht und Stirnfläche nicht überrascht. Die Reichweite bleibt damit praxisgerecht, insbesondere für den urbanen und regionalen Einsatz. Auf Langstrecken erfordert der Energiebedarf eine vorausschauende Planung. Was wir im Erstkontakt nicht testen konnten, waren Reichweite und Ladeleistung. Laut Hersteller sollte der Luxus-Van 435 Kilometer weit kommen. Im City-Betrieb sollen sogar 580 Kilometer möglich sein. Geladen wird die 90 kWh große Batterie mit Maximal 120 kW an der Schnellladesäule.

Weniger überzeugend zeigt sich die Klimatisierung. Bei hohen Außentemperaturen arbeitet die Anlage spürbar ineffizient, was den Komfort insbesondere im Sommer einschränkt. Positiv fällt hingegen die Geräuschdämmung auf, die auch bei höheren Geschwindigkeiten ein angenehmes Reisen ermöglicht. Insgesamt ist der Maxus Mifa 9 klar auf komfortorientierten Alltag ausgelegt und weniger auf dynamische Langstreckenetappen.


Assistenz, Technik & Ausstattung

In Sachen Ausstattung zeigt sich der Maxus Mifa 9 großzügig. Bereits die Basisversion bringt eine umfangreiche Sicherheits- und Assistenzpalette mit, die im Alltag sinnvoll unterstützt. Spurhalteassistent, Notbremsfunktion und diverse Überwachungssysteme sind serienmäßig an Bord. Allerdings fällt der Spurhalteassistent durch sehr häufige akustische Hinweise auf, was im Alltag schnell als störend empfunden werden kann.

Technisch setzt der Mifa 9 auf ein digitales Cockpit mit zentralem Touchscreen. Die Darstellung ist klar, die Reaktionszeiten sind ordentlich, auch wenn die Menüstruktur teilweise verschachtelt wirkt. Die Kameraanlage gehört zu den Highlights des Fahrzeugs. Hochauflösende Bilder aus mehreren Perspektiven erleichtern das Rangieren erheblich und steigern die Alltagstauglichkeit spürbar.

Komfortfeatures wie elektrisch verstellbare Sitze, Massagefunktionen, Panorama-Glasdächer und ein hochwertiges Soundsystem unterstreichen den Premiumanspruch. Letzteres überzeugt trotz fehlender Markenkennzeichnung mit ausgewogenem Klang. Insgesamt bietet der Maxus Mifa 9 ein sehr hohes Ausstattungsniveau, das im Segment der Elektro-Vans zu den umfangreichsten zählt.


Varianten & Preise des Maxus Mifa 9

Der Maxus Mifa 9 wurde in Deutschland zuletzt ausschließlich mit einer Antriebsvariante angeboten. Basis ist die Ausstattung Elite zu einem Einstiegspreis von 68.990 Euro. Bereits hier sind LED-Scheinwerfer, Assistenzsysteme, Rückfahrkamera und moderne Infotainment-Technik serienmäßig enthalten.

Darüber hinaus bietet Maxus zusätzliche Ausstattungspakete an. Das Luxury-Paket erweitert den Komfort deutlich und richtet sich klar an anspruchsvolle Nutzer, die den Fokus auf Fondkomfort legen. Das Premium-Paket positioniert den Mifa 9 schließlich eindeutig im Luxussegment und ergänzt hochwertige Materialien sowie zusätzliche Komfortfunktionen.

Der Preis des Testwagens lag bei 76.790 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Damit bewegt sich der Maxus Mifa 9 auf Augenhöhe mit etablierten Premium-Konkurrenten und richtet sich an Kunden, die ein außergewöhnliches Raumkonzept mit elektrischem Antrieb suchen. Allerdings ist der Premium-Van mittlerweile aus dem Maxus-Konfigurator geflogen. Ob er hierzulande noch angeboten wird, ist unklar, da Maxus seine Strategie gerne mal kurzfristig ändert. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt tummeln sich allerdings noch einige Exemplare mit teils signifikanten Rabatten.


Kundenfeedback

Das bisherige Kundenfeedback zum Maxus Mifa 9 ist tatsächlich recht überschaubar, da das Fahrzeug doch eine recht kleine Nische bedient. Hier jedoch fällt es überwiegend positiv aus. Besonders häufig gelobt werden der hohe Sitzkomfort, das großzügige Platzangebot und die umfangreiche Serienausstattung. Viele Nutzer schätzen den ruhigen Fahreindruck und das entspannte Reisen, insbesondere auf längeren Strecken oder im Shuttle-Einsatz.

Kritikpunkte betreffen vor allem die Bedienlogik des Infotainments sowie die Leistungsfähigkeit der Klimaanlage bei hohen Temperaturen. Auch der sehr aktive Spurhalteassistent wird regelmäßig als störend beschrieben. Insgesamt zeigt sich jedoch ein positives Stimmungsbild, insbesondere bei Kunden, die bewusst nach einer luxuriösen Elektro-Alternative zu klassischen Vans suchen.


Fazit zum Maxus Mifa 9

Der Maxus Mifa 9 ist kein typischer Vertreter seiner Klasse und genau darin liegt seine größte Stärke. Statt sich an klassischen Van-Konzepten zu orientieren, setzt Maxus auf ein bewusst luxuriöses, komfortbetontes Gesamtpaket mit klarer Fokussierung auf den Fond. Der Innenraum wirkt großzügig, hochwertig und durchdacht, insbesondere für Passagiere in der zweiten Reihe. Wer häufig mit mehreren Personen reist oder den Mifa 9 als Shuttle- oder Business-Fahrzeug nutzt, findet hier ein sehr überzeugendes Raum- und Komfortangebot. Die elektrische Antriebseinheit passt gut zum Charakter des Fahrzeugs und ermöglicht ein ruhiges, entspanntes Gleiten, ohne sportliche Erwartungen zu wecken.

Im Alltag überzeugt der Mifa 9 vor allem durch seine Gelassenheit, das leise Fahrverhalten und die umfangreiche Ausstattung. Die Kamera- und Assistenzsysteme erleichtern den Umgang mit dem großen Fahrzeug spürbar, auch wenn einzelne Systeme, insbesondere der Spurhalteassistent, zu aufdringlich agieren. Kritik verdient zudem die Klimaanlage, die bei hohen Temperaturen nicht das Niveau erreicht, das man in dieser Preisklasse erwarten darf. Auch die Bedienlogik des Infotainments erfordert Eingewöhnung und wirkt stellenweise unnötig verschachtelt.

Preislich bewegt sich der Maxus Mifa 9 klar im Premium-Segment und konkurriert direkt mit etablierten Marken. Dafür bietet er jedoch ein eigenständiges Konzept, viel Serienausstattung und einen klaren Fokus auf Komfort statt Image. Wer einen vollelektrischen Van mit maximalem Raumangebot, hoher Alltagstauglichkeit und einem ungewöhnlichen Markenauftritt sucht, findet im Maxus Mifa 9 eine interessante, wenn auch nicht kompromisslose Alternative.


Konkurrenzmodelle

Im Segment der großen Vans mit gehobenem Anspruch und elektrischem Antrieb bewegt sich der Maxus Mifa 9 in einem vergleichsweise kleinen, aber inhaltlich stark differenzierten Wettbewerbsumfeld. Der Mercedes-Benz EQV gilt hier als etablierte Referenz für Kunden, die klassische Van-Qualitäten mit elektrischem Antrieb kombinieren möchten. Er setzt auf das bekannte V-Klasse-Konzept, überzeugt mit hoher Verarbeitungsqualität und einer vertrauten Bedienlogik. Sein Auftritt bleibt bewusst nüchtern und funktional, der Fokus liegt klar auf Business-Einsatz, Shuttle-Services und Flottenkunden, weniger auf Lounge-Atmosphäre oder außergewöhnlichem Design.

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt der VW ID.Buzz (Test des VW ID.Buzz). Er positioniert sich stärker als Lifestyle-Produkt und emotionales Statement denn als klassischer Reisevan. Retro-inspiriertes Design, moderne Technik und ein urbanes Image stehen im Vordergrund. Beim Platzangebot und beim Fondkomfort bleibt der ID.Buzz jedoch hinter klassischen Großraumlimousinen zurück, was ihn vor allem für private Käufer attraktiv macht, weniger für den professionellen Personentransport.

Mit dem Lexus LM 350h tritt ein weiterer Wettbewerber auf, der den Komfortgedanken konsequent in den Mittelpunkt stellt. Als Hybrid-Van mit klarer Luxusorientierung richtet sich der Lexus an eine zahlungskräftige Kundschaft, die maximalen Fondkomfort, exzellente Materialqualität und Ruhe sucht. Im Gegensatz zum Maxus Mifa 9 verzichtet der LM 350h jedoch auf einen rein elektrischen Antrieb und bleibt preislich deutlich oberhalb angesiedelt.

Der Maxus Mifa 9 positioniert sich zwischen diesen Konzepten. Er bietet mehr Fondkomfort als EQV und ID.Buzz, bleibt preislich unterhalb des Lexus und kombiniert großzügigen Raum mit vollelektrischem Antrieb. Damit spricht er Kunden an, die Komfort und Platz priorisieren, ohne sich vollständig an klassische Premium-Marken binden zu wollen.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D


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