Der BMW M2 G87 steht in einer automobilen Gegenwart, in der Turbomotoren immer kleiner werden, Allradantriebe zur Pflicht geraten und Getriebe mit Kupplungspedal fast schon museale Exoten sind. Und gerade deshalb wirkt dieser Wagen wie ein trotziges Manifest. Ein Reihensechszylinder, Handschaltung, Heckantrieb. Der M2 verkörpert all das, was den Mythos der Marke über Jahrzehnte geprägt hat. Nicht als nostalgische Geste, sondern als selbstbewusster Gegenentwurf zu einer Zeit, in der Effizienz das neue Zauberwort ist. Der M2 sagt: Hier geht es nicht um Zahlen, sondern um Gefühl.
Gleichzeitig ist der 480 PS starke Kompaktsportler kein technischer Rückschritt. Er ist ein durch und durch modernes M-Automobil, das seine Analogie nicht aus der Vergangenheit bezieht, sondern aus der Art, wie es den Fahrer in den Mittelpunkt stellt. Die Hände am dicken Lenkrad, der kurze Schaltweg, das leichte Zittern des Aggregats im Standgas. Der M2 sucht die unmittelbare Verbindung. Er fordert, noch bevor er belohnt. Dass BMW das alles in ein Format packt, das im Alltag nicht völlig unvernünftig ist, macht ihn umso faszinierender.
Der Testwagen in Fire Red Metallic passt perfekt zu dieser Haltung. Die Farbe wirkt nicht protzig, sondern kompromisslos. Genau wie der Wagen selbst. Und so begleitet einen der M2 nicht nur als Sportgerät, sondern als Statement. Gegen die totale Gleichschaltung moderner Fahrzeuge, für das rohe, ehrliche, mechanische Erlebnis. Er ist kein Auto für jeden. Aber für jene, die ihn verstehen, einer der letzten echten Gründe, morgens einfach aus Spaß ans Lenkrad zu steigen.
Der Look
Der BMW M2 G87 ist eines dieser Fahrzeuge, das man kaum neutral betrachten kann. Er polarisiert – und er will es auch. Schon im Stand wirkt er wie ein Muskel, der gerade angespannt wird: kantig, breit, beinahe überdefiniert. Die Front nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Die Lufteinlässe sind massiv, fast schon brutal modelliert und lassen keinen Zweifel daran, wofür dieser Wagen gebaut wurde. Statt filigraner Linien setzt BMW auf Flächen und Präsenz. Die Shadow Line-Leuchten unseres Testwagens verstärken den Eindruck eines finsteren Blicks, der mehr an eine Kampfansage als an ein freundliches Hallo erinnert.
Fire Red Metallic macht daraus eine Bühne. Die Farbe ist intensiv und lebendig, ohne die Seriosität zu verlieren, die ein echter M ausstrahlen soll. Im Sonnenlicht leuchtet sie mit enormer Tiefe, während sie bei Dämmerung betont satt und druckvoll wirkt. Auf Bildern lässt sich dieser Effekt nur schwer einfangen. In der Realität aber gehören Blicke und hochgezogene Augenbrauen zum Standardprogramm. Der M2 im Fire Red ist kein Auto, das im Verkehr verschwindet. Er tritt auf, und zwar mit voller Stimme.
In der Seitenansicht zeigt sich, wie kurz der Radstand tatsächlich ist. Das Coupé steht extrem gedrungen da, fast wie ein Hochleistungskart im Maßstab 1:1. Die ausgestellten Radhäuser wirken nicht etwa nachträglich betont, sondern wie eine natürliche Fortsetzung der Karosseriestruktur. Ein Hinweis auf den unverhohlenen Heckantriebscharakter. Die langen Türen gliedern sich sauber ein, während das Carbondach (hier nicht abgebildet, aber vorhanden) das Profil noch tieferlegt und optisch streckt.
Am Heck erreicht die Dramatik ihren Höhepunkt. Die Vierrohr-Abgasanlage sitzt weit außen, fest eingerahmt von einem kantigen Diffusor, der im Gegensatz zu vielen modernen Performancewagen nicht nach Show aussieht, sondern stimmig integriert wirkt. Die Heckleuchten ziehen sich energisch in die Flanken, und die breite Spur lässt den M2 auftreten, als wolle er die Straße für sich allein beanspruchen.
Und innen?
Im Innenraum bleibt der BMW M2 G87 seiner Tradition treu. Fahrerzentrierung vor Designspielerei. Sobald man die schwere Tür schließt, fühlt sich alles nach Konzentration an. Das Cockpit wirkt reduziert, aber nicht karg, modern, aber nicht anonym. Charakteristisch ist die flache, nach vorn gerichtete Armaturenlandschaft, die BMW seit Jahrzehnten kultiviert und die auch im M2 ihre Wirkung entfaltet. Das große Curved Display integriert sich nahtlos, ohne die analoge Seele zu übertönen. Ein feiner Balanceakt, den längst nicht jeder Hersteller beherrscht.
Die Sportsitze in Leder Vernasca Schwarz mit roten Akzenten schmiegen sich eng an und machen sofort klar, dass dieser Wagen nicht auf Komfort, sondern auf Kontrolle ausgelegt ist. Sie bieten massiven Seitenhalt, bleiben aber überraschend langstreckentauglich und drücken auch nach mehreren Stunden nicht unangenehm. Ein Vorteil gegenüber vielen radikaleren Schalensitzen. Die Sitzposition ist tief, das Lenkrad zieht sich perfekt in die Hände, und der Schalthebel liegt so präsent in Griffweite, als wolle er sagen: „Los geht’s.“ Kaum ein modernes Auto vermittelt diesen mechanischen Schulterschluss so direkt.
Materialqualität und Verarbeitung bewegen sich auf typisch hohem BMW-Niveau. Die Carbon-Interieurleisten unseres Testwagens schaffen Rennsportassoziationen, ohne übertrieben zu wirken. Die M-Farben in den Türverkleidungen – subtil bei Tag, leuchtend bei Nacht – setzen einen spielerischen, fast ikonischen Akzent. Das dick gepolsterte M-Lenkrad wirkt wertig, dürfte für manche Puristen aber gern etwas schlanker ausfallen.
Im Fond herrscht Coupé-Realität. Eng, funktional, für kurze Strecken ausreichend. Der Kofferraum bietet mit 390 Litern mehr Nutzwert, als man dem bulligen Format zutrauen würde, bleibt aber natürlich Nebensache. Wichtiger ist die Atmosphäre, die der Innenraum erschafft. Ein Ort für Menschen, die fahren wollen. Keine Show, kein überflüssiger Zierrat. Nur das, was ein echter M braucht, um seine Wirkung zu entfalten.
Der Antrieb des BMW M2 G87
Der BMW M2 G87 ist einer der wenigen Sportwagen, bei denen das Datenblatt nur die Ouvertüre ist. Denn so beeindruckend 480 PS, 550 Newtonmeter und ein aufgeladener Reihensechszylinder klingen – die eigentliche Faszination entsteht erst im Zusammenspiel mit Heckantrieb und manuellem Sechsgang-Getriebe. Genau hier zeigt der M2, warum er für viele Enthusiasten mehr ist als nur das Einstiegsmodell der M-Familie. Er ist ein bewusst analoges Werkzeug in einer zunehmend automatisierten Autowelt. Der S58-Motor hängt giftig am Gas, baut Druck ohne Verzögerung auf und fühlt sich in jeder Drehzahlregion hellwach an. Der Handschalter verstärkt diese Direktheit, denn jeder Gangwechsel ist ein mechanisches Statement. Nicht schneller, aber echter.
Dabei präsentiert sich der M2 so kompromisslos, wie man es von einem echten M erwartet. Die ersten beiden Gänge sind fast zu viel des Guten. Hier braucht es warmen Asphalt, Mut und eine ruhige rechte Hand. Schlupf entsteht sofort, und wer das ESP deaktiviert, wird schnell merken, wie kurz der Radstand und wie präsent die Hinterachse sind. Drifts gelingen leicht und kontrollierbar, aber eben nur dann, wenn Fahrer und Maschine den gleichen Rhythmus finden. Auf nasser Fahrbahn fordert der M2 dagegen heraus, denn seine Ehrlichkeit kennt keine Filter. Dieser Charakter ist gewollt.
Der BMW M2 G87 ist ein Sportwagen alter Schule
Auf schnellen Etappen zeigt der S58 eine unerschöpfliche Kraftentfaltung, und der M2 schiebt mit einer Wucht nach vorn, die man einem Kompaktsportler kaum zutraut. Gleichzeitig beeindruckt die Bremsanlage unseres Testwagens mit M Compound-Bremse durch satte Verzögerung und perfekte Dosierbarkeit. Das Fahrwerk ist hart, härter als das eines M3 oder M4, aber es bleibt präzise und klar lesbar, solange der Untergrund nicht völlig aus der Form gerät. Der Klang – trotz OPF – ist rau, kehlig und unverfälscht. Nicht mehr so ungehobelt laut wie früher, aber noch immer ein echter BMW-Sechsender.
Der M2 G87 fährt sich damit wie ein Sportgerät alter Schule. Gnadenlos ehrlich, fordernd und in den richtigen Händen schlicht großartig.
Alltag & Verbrauch
So kompromisslos der BMW M2 G87 auf der Landstraße oder Rennstrecke auftreten kann, so überraschend alltagstauglich zeigt er sich im normalen Fahrbetrieb. Natürlich bleibt der Reihensechszylinder kein Kostverächter. Doch wer einen M2 fährt, weiß, dass 480 PS nicht im Sparmodus leben. Über mehr als 2.000 Testkilometer pendelte sich der Durchschnittsverbrauch bei 13,2 Litern ein, ein realistischer Wert für ein handgeschaltetes Hochleistungs-Coupé mit Heckantrieb und Performance-DNA. Wer bewusst entspannt fährt, kann den Durst drücken. 11,6 Liter sind problemlos erreichbar, und auf der Sparrunde standen sogar nur 8,8 Liter auf der Uhr. Gleichzeitig zeigt die andere Seite des Charakters, dass der M2 unter Volllast und auf der linken Spur über 200 km/h gerne 15,8 Liter oder auch etwas mehr verlangt. Das ist keine Schwäche, sondern ein logischer Tribut an Leistung, Aerodynamik und Übersetzung.
Interessanter ist jedoch, wie gut der M2 im Alltag funktioniert. Zumindest für jene, die ein sportliches Coupé bewusst wählen. Die Sitzposition ist tief, aber nicht unbequem, und lange Autobahnetappen lassen sich trotz straffem Fahrwerk gut absolvieren. Der Handschalter erweist sich dabei keineswegs als lästig, sondern als unerwartet harmonisch, weil die Kupplung gut dosierbar ist und der Motor über ein breites Drehmomentband verfügt. Auch im Stadtverkehr lässt sich der M2 erstaunlich zivil bewegen, solange man das Gaspedal mit etwas Feingefühl nutzt.
Ein wichtiger Helfer im Alltag ist die ausgezeichnete Rückfahrkamera, die wegen der eingeschränkten Sicht nach hinten unverzichtbar ist. Das Infotainment arbeitet modern und flüssig, Android Auto und Apple CarPlay laufen kabellos. Auch der Kofferraum mit 390 Litern liefert mehr Nutzen, als man einem solchen Sportgerät zutrauen würde.
Der BMW M2 G87 ist kein Komfortwunder. Will er auch nicht sein. Aber er ist deutlich alltagstauglicher, als seine Leistungsdaten vermuten lassen, und überrascht im täglichen Einsatz mit einer Portion Vernunft, die man diesem kleinen Kraftpaket nicht sofort ansieht.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Der BMW M2 G87 gibt sich bei der Ausstattung so zweigeteilt wie sein Wesen. Auf der einen Seite ein puristischer Sportwagen, dessen Herzstück Motor, Fahrwerk und Getriebe sind. Auf der anderen Seite ein modernes Coupé, das sich auf Wunsch mit zahlreichen Technik- und Komfortfeatures ausrüsten lässt. Und so entsteht ein Innenraum, der nicht luxuriös sein will, aber dennoch ein Umfeld bietet, das dem Alltag gerecht wird. Besonders in der von uns getesteten, gut ausgestatteten Konfiguration.
Das Innovationspaket II bringt ein erstklassiges Infotainment an Bord, das mit präziser Navigation, kabellosem Android Auto und Apple CarPlay sowie einer logischen Menüführung überzeugt. BMW hat hier tatsächlich einen Punkt getroffen. Das System vermittelt moderne Funktionalität, ohne den analogen Charakter des Fahrzeugs zu überdecken. Das Curved Display integriert sich harmonisch ins Cockpit, und die Bedienung gelingt intuitiv. Ein Vorteil im Vergleich zu manchem Wettbewerber, der zu stark auf Touchflächen setzt. Die Lenkradheizung mag als Option in einem Sportwagen zunächst verwundern, entpuppt sich aber im Alltag und auf langen Strecken als angenehm. Dass sie extra kostet, gehört zu den bekannten Eigenheiten der Münchner Optionspolitik.
Der Driving Assistant erweitert das Sicherheitsniveau durch Spurverlassenswarnung, Abstandsüberwachung und Verkehrszeichenerkennung, bleibt aber zurückhaltend genug, um nicht in die fahrerische Selbstbestimmung einzugreifen. Etwas, das bei einem Auto wie dem M2 essenziell ist. Ebenso überzeugend sind die adaptiven LED-Scheinwerfer, die mit sauberer Ausleuchtung und schneller Reaktionszeit punkten und bei Nachtfahrten einen deutlichen Mehrwert bieten.
Das Harman Kardon Soundsystem liefert klaren, warmen Klang und passt mit seiner Charakteristik ausgezeichnet zum sportlichen Grundton des Fahrzeugs. Die M Sportsitze mit elektrischer Verstellung und Memory-Funktion bieten ausgezeichneten Halt, ohne zu kompromisslos zu sein. Ein idealer Mittelweg zwischen Rennstreckenfokus und Alltagsnutzen. Die Carbon-Interieurleisten und das optionale Carbondach unterstreichen die technische Anmutung, ohne protzig zu wirken.
Varianten & Preise des BMW M2 G87
Der BMW M2 G87 markiert innerhalb der 2er-Baureihe die Grenze zwischen ambitionierter Performance und reinrassigem Motorsportanspruch. Mit einem Einstiegspreis von 77.500 Euro positioniert er sich klar als das sportliche Herzstück der kompakten BMW-Coupés. Schon in der Basis verfügt der M2 über den 480 PS starken S58-Reihensechszylinder, Heckantrieb und die Wahl zwischen zwei Charakterwelten. Dem manuellen Sechsgang-Getriebe, das puristische Fahrer anspricht, oder der Sport-Automatik Steptronic, die die Performance noch konsequenter ausreizt. Beide Varianten teilen dasselbe technische Fundament, unterscheiden sich jedoch spürbar in der Art, wie sie Leistung vermitteln. Wer maximale Fahrerbindung sucht, greift zur Handschaltung. Wer den schnelleren Rundstreckenpartner sucht, ist mit der Achtgang-Automatik besser bedient.
Unterhalb des M2 rangiert der BMW M240i xDrive, der die Rolle des alltagstauglichen „M light“ übernimmt. Für 62.800 Euro erhält man ein 392 PS starkes Coupé mit serienmäßigem Allradantrieb und Automatikgetriebe. Er ist weniger kompromisslos, dafür vielseitiger und im Alltag unkomplizierter zu bewegen. Der M240i bietet beeindruckende Performance, doch im direkten Vergleich wird deutlich, wie sehr der M2 seine eigene Liga definiert. Nicht allein durch Leistung, sondern durch seinen charakterlichen Fokus auf analoge Fahrfreude.
Die Spitze des sportlichen Trios bildet der neue BMW M2 CS, der mit 530 PS, Heckantrieb und Automatik antreten darf. Mit einem Einstiegspreis von 115.000 Euro zielt er klar auf Enthusiasten, die maximale Track-Performance und Exklusivität verlangen. Er schließt die Lücke zu den großen Brüdern M3 und M4 und markiert eine interne Benchmark für kompromisslose Fahrdynamik. Eine Competition-Variante, wie sie viele aus anderen BMW-Baureihen kennen, existiert beim M2 derzeit nicht.
Kundenfeedback
Das Stimmungsbild zum BMW M2 G87 ist so lebhaft wie das Auto selbst. Viele Fahrer loben ausdrücklich, dass BMW den Mut hatte, ein derart analoges Konzept in die moderne Fahrzeugwelt zu stellen: ein Handschalter, ein großer Reihensechszylinder, Heckantrieb. Und das in einer Zeit, in der selbst sportliche Modelle häufig entkernt oder digitalisiert wirken. Der M2 wird dabei häufig als einer der letzten echten Fahrerwagen seiner Klasse bezeichnet, ein Auto, das seine Performance nicht über Bits und Bytes vermittelt, sondern über Drehzahl, Kupplung und Hecktriebskraft.
Besonders positiv hervorgehoben wird die Mischung aus Alltagsnutzen und fahrerischer Schärfe. Viele Besitzer berichten, dass der M2 im täglichen Pendelverkehr unerwartet unkompliziert ist, während er auf kurvigen Strecken zu einem präzisen und beeindruckend kontrollierbaren Sportgerät mutiert. Auch das Fahrwerk wird häufig gelobt: straff, aber nicht unzumutbar, mit einer Rückmeldung, die in Zeiten weichgespülter Setups fast nostalgisch wirkt. Die Handschaltung begeistert Puristen, während jene mit Automatikvariante die kompromisslose Leistungsentfaltung und die Geschwindigkeit der Schaltvorgänge betonen.
Natürlich bleibt ein Auto wie der M2 nicht frei von Kritik. Einige Fahrer bemängeln das im Vergleich zur Vorgängergeneration deutlich höhere Gewicht, das besonders auf der Rennstrecke spürbar sein soll. Auch der Klang steht gelegentlich in der Diskussion. Er wird als kernig beschrieben, aber für manche Enthusiasten darf ein BMW-Reihensechszylinder gern noch etwas lauter und ungehobelter auftreten. Zudem gibt es Stimmen, die das stark digitalisierte Cockpit als Bruch zur sonst analogen Gesamtphilosophie sehen. Ein moderner Komfort, der nicht jedem Puristen gefällt.
Trotz dieser Punkte überwiegt das Lob deutlich. Der BMW M2 G87 wird von vielen als eines der authentischsten M-Modelle der Gegenwart gesehen: ein kompaktes Kraftpaket, das Fehler nicht kaschiert, Können belohnt und genau deshalb eine emotionale Bindung aufbaut, wie sie moderne Sportwagen nur noch selten erzeugen.
Fazit zum BMW M2 G87
Der BMW M2 G87 hinterlässt nach intensiver Testzeit den Eindruck eines Fahrzeugs, das sich dem Zeitgeist bewusst widersetzt. Und genau dadurch außergewöhnlich wirkt. Während viele sportliche Modelle zunehmend digitaler, leiser und glatter auftreten, präsentiert sich der M2 als puristisches Kraftpaket, das seine Faszination nicht aus Assistenzsystemen oder Software-Ästhetik bezieht, sondern aus Mechanik, Direktheit und Charakter. Sein 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit 480 PS spielt dabei die Hauptrolle: druckvoll, spontan und akustisch markant genug, um ein echtes M-Modell spürbar zu machen, ohne übertrieben laut auftreten zu müssen.
Die Kombination aus Heckantrieb, kurzem Radstand und wahlweise manueller Schaltung sorgt für ein Fahrerlebnis, das bewusst fordert. Der M2 will aktiv geführt werden, lässt seinen Piloten unmittelbar spüren, was unter den Reifen passiert, und gibt dabei jenes Feedback, das moderne Sportwagen oft nur simulieren. Gleichzeitig zeigt er sich auf langen Strecken überraschend entspannt. Nicht so komfortabel wie ein M3, aber deutlich alltagstauglicher, als man es von einem Modell dieser Leistungsstufe erwarten würde.
Seine Schwächen sind im Grunde die logischen Konsequenzen seines Konzepts. Die harte Fahrwerksabstimmung, der hohe Verbrauch und die bei Nässe herausfordernde Traktion gehören zum Gesamtpaket ebenso dazu wie die Tatsache, dass die rückwärtige Übersicht und das Innengeräuschniveau eher den sportlichen als den komfortbetonten Genen folgen. Doch wer einen M2 kauft, sucht genau das: ein Auto, das fordert, begeistert und gelegentlich provoziert.
Preislich bleibt der M2 kein Schnäppchen, aber angesichts seiner Performance und des handwerklichen Anspruchs wirkt der Grundpreis fair. Dass sich die Summe mit Optionen schnell der 90.000-Euro-Marke nähert, überrascht kaum. Schließlich spielt er in einer Klasse, in der Emotion und Individualisierung fast ebenso wichtig sind wie reine Zahlen.
Unterm Strich ist der BMW M2 G87 einer der letzten analogen Sportwagen seiner Art. Roh, kompromissarm, charakterstark und voller Fahrspaß. Ein Auto für Menschen, die nicht nur fahren wollen, sondern erleben.
Konkurrenzmodelle
Im engen Feld der kompakten, potenten Sportwagen setzt sich der BMW M2 G87 durch eine unverwechselbare Mischung aus Tradition und Tempo ab, doch der Wettbewerb zeigt deutlich, wie unterschiedlich Performance heute definiert wird. Der Mercedes-AMG A45 S etwa fährt mit einem hochmodernen, extrem drehfreudigen Vierzylinder-Turbomotor auf und setzt auf Allrad und hohe Effizienz. Seine kurze Sprintzeit und die souveräne Traktion machen ihn auf der Straße zu einem der agilsten Kompaktracer überhaupt, doch im direkten Vergleich wirkt der A45 S weniger analog: Er vermittelt Geschwindigkeit durch Elektronik und Allradbalance, nicht durch mechanische Direktheit und Heckschwungpotenzial. Der BMW M2 G87 kontert hier mit einem klassischen Heckantriebsgefühl, das auf Gefühl und Mut setzt, anstatt ausschließlich auf Technologie.
Der Audi RS 3 (Test des Audi RS 3 Sportback) teilt zwar mit dem A45 S eine gewisse moderne Allradphilosophie, kombiniert aber noch stärkere Turbopower und ein beeindruckendes Drehmoment – generiert aus einem Fünfzylinder. Auch hier gilt: Die Dominanz der Elektronik schafft hohe Performance-Messwerte und eine immense Souveränität, doch diese souveräne Kontrolle geht mit einem Verlust an analogem Feedback einher. Der RS 3 ist ein überzeugender Sportler, doch im direkten Vergleich wirkt er eher wie ein „Alleskönner mit Rennsportanspruch“, während der M2 bewusst auf eine „Fahrer-zu-Maschine-Verbindung“ fokussiert ist.
Der Toyota Supra 3.0 (Test der Toyota Cupra MK5) stellt eine andere Art von Gegner dar. Mit einer unverwechselbaren Optik, einem kräftigen Reihensechszylinder und einem sportlich-präzisen Fahrwerk. Gegenüber dem M2 wirkt der Supra gedämpfter und geschmeidiger abgestimmt, weniger roh, aber ebenso fokussiert. Fahrwerk und Lenkverhalten sind sehr ausbalanciert, doch der Supra verliert in puncto Direktheit und emotionaler Wucht gegenüber dem M2 etwas an Schärfe.
Porsche und Alpine sind auf der Zielgeraden
Bleiben die Klassiker aus dem Mittelmotorlager. Die Porsche 718 Spyder RS oder der Cayman GT4 RS stehen für puristische Rennsport-DNA. In dieser Region spielen sie klassenübergreifend in einer anderen Liga, nicht nur leistungsmäßig, sondern auch was Lage, Wendigkeit und Rennstreckenpotenzial betrifft. Gegen sie wirkt der M2 eher wie ein kompromissloser Allround-Performance-Sportler, der Alltagstauglichkeit und Emotion vereint.
Schließlich bringt die Alpine A110 R eine leichte, agile Interpretation des sportlichen Coupés ins Spiel. Leichter und spielerischer als viele seiner direkten Konkurrenten, vermittelt die A110 R ein anderes Gefühl. Präzise, fast tänzerisch. Doch wo sie Leichtigkeit kultiviert, verteidigt der M2 seine Schlagkraft und mechanische Direktheit.
Im Ergebnis steht der BMW M2 G87 in einem klar definierten Feld: Er ist kein kompromissloser Rundstreckenbolide, keine rein elektronisch geadapte Hochleistungsmaschine. Er ist ein echter Fahrerwagen. Rau, ehrlich, herausfordernd und mit einer handwerklichen Seele, die ihn im Wettbewerbsumfeld besonders macht.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D
























