Der KGM Musso Grand ist keiner von denen, die sich sofort aufdrängen. Wer über Pick-ups nachdenkt, landet gedanklich meist direkt beim Ford Ranger oder beim Toyota Hilux. Der Musso Grand läuft in dieser Wahrnehmung eher nebenher.
Das hat weniger mit seinen Fähigkeiten zu tun als mit seinem Auftreten. Er macht kein großes Aufheben um sich. Vieles wirkt bewusst nüchtern, fast schon zurückhaltend. Genau dadurch unterscheidet er sich von einigen Vertretern dieser Klasse, die sich mittlerweile stark in Richtung Freizeit-Accessoire entwickelt haben.
Ein Grund dafür liegt auch in der Marke selbst. Früher lief das Modell unter SsangYong, heute steht KG Mobility auf dem Heck. Der Namenswechsel kam nicht aus reiner Lust auf frische Buchstaben, sondern ist das Ergebnis einer Übernahme und Neuausrichtung. KGM will moderner auftreten, international klarer positioniert sein und sich ein Stück weit von alten Klischees lösen. Der Musso Grand ist eines der Modelle, die diesen Übergang sichtbar machen.
Inhaltlich bleibt er sich treu. Der klassische Leiterrahmen gehört genauso dazu wie der zuschaltbare Allradantrieb mit Untersetzung. Auch die 3,5 Tonnen Anhängelast stehen nicht nur im Datenblatt, sondern passen zum gesamten Charakter des Fahrzeugs. Das ist alles darauf ausgelegt, genutzt zu werden.
Interessant wird es dort, wo man es nicht zwingend erwarten würde. Im Innenraum tauchen Details auf, die eher an einen gut ausgestatteten SUV erinnern. Sitzbelüftung vorne und beheizte Plätze im Fond sind in dieser Klasse keine Selbstverständlichkeit. Im Alltag sind genau solche Dinge aber oft mehr wert als jede besonders markante Designlinie.
Genau diese Mischung aus klassischem Nutzfahrzeug und unerwartetem Komfort macht den KGM Musso Grand spannend. Im Alltag muss er zeigen, ob das nur auf dem Papier funktioniert oder ob er sich auch auf der Straße und im Einsatz behaupten kann. Genau das klären wir im Test. Fahrbericht.
Der Look
Der KGM Musso Grand trägt sein Konzept offen vor sich her. Die Proportionen sind klassisch, fast schon erwartbar: viel Länge, viel Höhe, eine Ladefläche, die nicht als Designgag durchgeht, sondern klar macht, dass hier gearbeitet werden soll. Wer nach gestalterischen Spielereien sucht, wird schnell feststellen, dass der Musso Grand diese Disziplin anderen überlässt.
Genau darin liegt ein Teil seines Charmes. Während einige Wettbewerber zunehmend versuchen, gleichzeitig Baustellenfahrzeug und urbanes Lifestyle-Statement zu sein, bleibt der Musso Grand bemerkenswert unbeeindruckt von solchen Ambitionen. Seine Linienführung ist klar, funktional und frei von übertriebener Inszenierung. Er wirkt nicht wie ein Pick-up, der gefallen will, sondern wie einer, der seinen Job erledigt.
In „Space Black“ gewinnt das Ganze zusätzlich an Präsenz. Die dunkle Lackierung nimmt ihm etwas von der rohen Arbeitsoptik und verleiht ihm eine gewisse Ruhe im Auftritt, ohne dass er sich plötzlich in eine Richtung entwickelt, die nicht zu ihm passt. Dafür ist seine Grundhaltung zu ehrlich.
Bei den Details zeigt sich ein interessanter Mix aus Fortschritt und Pragmatismus. Die Lux-Ausstattung bringt moderne LED-Scheinwerfer mit, während die einfacheren Varianten noch auf Xenon setzen. Gleichzeitig bleiben die Heckleuchten bewusst konventionell und arbeiten weiterhin mit klassischen Glühlampen. Das wirkt auf den ersten Blick wenig spektakulär, passt aber erstaunlich gut zum Gesamtbild. Im Zweifel lässt sich hier eben schnell selbst Hand anlegen, ohne dass man sich durch halbe Elektroniksysteme kämpfen muss.
Ein kleines Mysterium bleibt unser Testwagen auf 20-Zoll-Rädern. Laut aktueller Preisliste existieren diese offiziell nicht. Entweder hat KGM hier still und heimlich etwas ausprobiert oder man wollte einfach zeigen, dass auch ein Arbeitstier optisch mehr kann als 17-Zoll-Serienkost. Geschadet hat es ihm jedenfalls nicht.
Am Ende ist der Look des Musso Grand schnell erklärt: Er will kein Accessoire sein. Er will genutzt werden. Wer genau das sucht, wird sich hier schneller wiederfinden als bei manch aufpoliertem Lifestyle-Pick-up, der mehr Wert auf Wirkung als auf Wirkung im Alltag legt.
Und innen?
Der KGM Musso Grand überrascht im Innenraum genau dort, wo man es am wenigsten erwartet. Wer hier eine karge Nutzfahrzeug-Kabine mit grauem Hartplastik und der Atmosphäre eines Werkzeugkastens vermutet, wird ziemlich schnell eines Besseren belehrt.
Die Basis stammt erkennbar aus dem KGM Rexton, und das ist in diesem Fall ein Vorteil. Das Armaturenbrett wirkt deutlich näher an einem klassischen SUV als an einem reinen Arbeitsgerät. Die Materialwahl bleibt pragmatisch, viel Kunststoff gehört dazu, fühlt sich aber weder billig noch störend an. Im Gegenteil: Wer das Fahrzeug tatsächlich nutzt, wird ziemlich schnell zu schätzen wissen, dass man hier nichts mit Samthandschuhen anfassen muss.
Die Sitze im Lux sind serienmäßig in Kunstleder ausgeführt, optional gibt es echtes Leder gegen Aufpreis. Wirklich entscheidend ist etwas anderes. Vorne wird auf Wunsch gekühlt, hinten beheizt. Das klingt nach Spielerei, entfaltet im Alltag aber einen echten Mehrwert, gerade wenn das Fahrzeug nicht nur auf der Baustelle, sondern auch auf langen Strecken eingesetzt wird.
Beim Infotainment zeigt sich eine der wenigen klaren Schwächen. Die Bedienung wirkt nicht auf dem Niveau von Herstellern wie Hyundai oder Kia, die hier seit Jahren Maßstäbe setzen. Die Struktur ist weniger intuitiv, die Reaktionszeiten sind nicht immer auf der Höhe der Zeit. Wirklich problematisch wird es aber erst, wenn man versucht, mehr damit zu machen, als unbedingt nötig ist.
Die pragmatische Lösung lautet deshalb: Smartphone verbinden und den Rest ignorieren. Android Auto und Apple CarPlay funktionieren zuverlässig, wenn auch nur kabelgebunden. Das wirkt im Jahr 2026 etwas aus der Zeit gefallen, passt aber wiederum zu einem Fahrzeug, das an vielen Stellen eher auf Bewährtes setzt als auf den neuesten Trend.
Beim Platzangebot gibt es hingegen nichts zu diskutieren. Vorne sitzt man großzügig, hinten ebenfalls. Kopf- und Beinfreiheit sind auch für größere Mitfahrer kein Thema. Die Rückbank ist nicht perfekt in der Ergonomie, erfüllt ihren Zweck aber ohne Einschränkungen. Außerdem gibt es in unserem Testwagen ein elektrisches Schiebedach. Das ist nicht riesig, aber eine willkommene Abwechslung in der sonst recht dunklen Kabine.
Ladefläche, Zuladung & Anhängelast
Beim KGM Musso Grand wird schnell klar, dass die Ladefläche kein dekoratives Extra ist, sondern der eigentliche Mittelpunkt. Mit 1.610 Millimetern Länge, 1.570 Millimetern Breite und 570 Millimetern Höhe bringt sie es auf ein Volumen von 1.262 Litern. Zum Vergleich: Der normale Musso ohne Grand-Zusatz kommt auf 1.300 Millimeter Tiefe und 1.011 Liter. Der Unterschied ist nicht nur auf dem Papier sichtbar, sondern im Alltag deutlich spürbar.
Spannend wird es beim Thema Europaletten. Eine klassische Europalette misst 1.200 mal 800 Millimeter. In der Länge passt sie problemlos hinein, quer wird es rechnerisch eng. Zwei Paletten nebeneinander funktionieren nur dann sauber, wenn man sie leicht versetzt oder mit etwas Spielraum arbeitet. Drei Paletten sind realistisch ausgeschlossen, dafür fehlt schlicht die Fläche. Die Aussage „zwei Europaletten“ ist also grundsätzlich korrekt, sollte aber eher als praxisnahe Annäherung verstanden werden und nicht als millimetergenaues Stapelversprechen.
Die maximale Zuladung liegt bei rund einer Tonne. Damit bewegt sich der Musso Grand genau in dem Bereich, den man in dieser Klasse erwartet. Entscheidend ist, dass er diese Last ohne Drama wegsteckt. Beladen wirkt er ruhiger, fast souveräner, als würde er genau dafür gebaut worden sein.
Auch bei der Anhängelast gibt es keinen Interpretationsspielraum. 3,5 Tonnen sind möglich, und damit steht er auf Augenhöhe mit einem Ford Ranger oder einem Toyota Hilux. Für viele Nutzer ist genau das der Punkt, an dem ein Pick-up interessant wird oder eben nicht.
Im Detail zeigt sich, dass KGM nicht nur die großen Zahlen im Blick hatte. Die Heckklappe senkt sich angenehm gedämpft ab, was im Alltag mehr bringt, als man zunächst denkt. Beim Be- und Entladen wirkt alles durchdacht, nichts kompliziert, nichts unnötig verspielt.
Wer den Musso Grand fährt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass solche Fähigkeiten ihren Platz fordern. Enge Parkhäuser und kleine Innenstädte gehören nicht zu seinem natürlichen Habitat. Was bei 5,41 Metern Länge auch nicht verwundert. Dafür bekommt man ein Werkzeug, das genau dann funktioniert, wenn es darauf ankommt.
Der Antrieb des KGM Musso Grand
Im KGM Musso Grand arbeitet ein 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel, der 202 PS und 441 Newtonmeter liefert. Zahlen, die auf dem Papier solide wirken, aber noch nicht verraten, wie sich das Ganze anfühlt. Die kurze Antwort: nicht geschniegelt, aber wirkungsvoll.
Der Motor macht keinen Versuch, seine Herkunft zu verstecken. Kaltstart, Lastwechsel, Beschleunigung – man merkt jederzeit, dass hier ein klassischer Diesel arbeitet. Außen ist er präsent, innen bleibt er im normalen Betrieb angenehm im Hintergrund. Erst unter Volllast wird es deutlicher, dann aber auch erwartbar. Wer absolute Laufruhe sucht, ist in dieser Fahrzeugklasse ohnehin falsch unterwegs. Auch die Windgeräusche sind auf einem überraschend niedrigen Niveau. Erst bei circa Tempo 160 kann man wirklich von deutlichen Geräuschen sprechen.
Interessanter ist das, was danach passiert. Das Drehmoment liegt früh an, und genau das sorgt dafür, dass der Musso Grand überraschend entschlossen anschiebt. Beladen ergibt das ein stimmiges Gesamtbild, weil Motor und Fahrzeugcharakter zusammenpassen. Unbeladen wirkt das Ganze fast etwas übermotiviert, vor allem wenn man bedenkt, dass hier ein ausgewachsener Pick-up beschleunigt.
Die 6-Gang-Automatik macht ihren Job unauffällig. Sie denkt nicht besonders schnell, aber sie denkt auch nicht falsch. Genau das reicht in einem Fahrzeug wie diesem völlig aus.
Auf der Straße zeigt sich der Musso Grand stabiler, als man es bei einem Pick-up dieser Größe erwarten würde. Die Hinterachse mit Blattfedern bleibt spürbar, vor allem auf kurzen Unebenheiten, gehört aber zum Konzept. Wer sich daran stört, sollte vielleicht eher einen Blick in Richtung RAM (Test des RAM 1500 Laramie Sport) und Konsorten werfen.
Überraschend ist, wie gelassen sich auch höhere Geschwindigkeiten fahren lassen. Selbst jenseits der 180 km/h bleibt der Musso Grand kontrollierbar. Das Lenkrad arbeitet, wie man es von einem Pick-up kennt, vermittelt aber nie das Gefühl, dass man gerade eine schlechte Idee umsetzt. Ein gewisser Respekt schadet trotzdem nicht.
Im Alltag spielt auch der zuschaltbare Allradantrieb mit Untersetzung seine Rolle. Im normalen Betrieb ist man meist im Heckantrieb unterwegs. Auf nasser Fahrbahn sollte man sich daran erinnern, dass hier viel Drehmoment auf die Hinterachse trifft. Wer es provoziert, bekommt auch die passende Reaktion.
Alltag & Verbrauch
Der KGM Musso Grand bewegt sich beim Verbrauch in einem Bereich, der zur Fahrzeugklasse passt. Offiziell stehen 9,4 Liter im Datenblatt, im Alltag landet man ziemlich zuverlässig bei rund 10 Litern. Das ist kein Schönrechnen, sondern ein Wert, der sich im gemischten Betrieb immer wieder bestätigt.
Wer bewusst defensiv fährt, kann den Verbrauch auf etwa 7,7 Liter drücken. Das funktioniert, verlangt aber eine gewisse Disziplin. Auf der anderen Seite stehen Werte im Bereich von 13 bis 15 Litern, wenn man das Tempo dauerhaft hoch hält oder den Motor häufiger fordert. Die Spanne ist damit vorhanden, bleibt aber jederzeit plausibel.
Mit dem 75-Liter-Tank ergibt sich bei einem realistischen Durchschnitt von 10 Litern eine Reichweite von rund 750 Kilometern. Das ist im Alltag angenehm, weil man nicht ständig an die nächste Tankstelle denken muss und auch längere Etappen ohne Unterbrechung möglich sind.
Im täglichen Einsatz zeigt sich der Musso Grand überraschend entspannt. Auch mehrere hundert Kilometer am Stück lassen sich problemlos absolvieren, ohne dass man sich danach fühlt, als hätte man gerade einen Arbeitstag hinter sich. Der Motor bleibt präsent, drängt sich aber nicht in den Vordergrund, während Sitze und Fahrwerksabstimmung ihren Teil zum Gesamteindruck beitragen.
Sobald es enger wird, verschieben sich die Prioritäten. Innenstädte verlangen nach Geduld und passenden Parklücken, enge Parkhäuser sind eher etwas für Optimisten. Die Abmessungen lassen sich nicht kaschieren, und wer das Fahrzeug bewegt, sollte sich dessen bewusst sein.
Dafür spielt der Musso Grand genau dann seine Stärken aus, wenn er genutzt wird. Beim Transport, beim Ziehen von Lasten oder einfach im Alltag, wenn Platz und Substanz gefragt sind.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Der KGM Musso Grand bringt im Bereich Assistenz und Komfort mehr mit, als man ihm auf den ersten Blick zutraut. Gerade in der Ausstattung Lux wirkt das Paket erstaunlich vollständig, auch wenn nicht alles auf dem neuesten Stand der automobilen Zivilisation ist.
Die Assistenzsysteme erledigen ihre Aufgaben zuverlässig, melden sich allerdings gerne zu Wort. Wer bislang davon ausgegangen ist, dass nur moderne Elektroautos ein Mitteilungsbedürfnis haben, wird hier eines Besseren belehrt. Der Musso Grand kommentiert das Geschehen mit einer gewissen Konsequenz, die nicht immer zwingend erforderlich wäre. Es bleibt aber im Rahmen dessen, was man mit ein wenig Eingewöhnung akzeptiert.
Positiv fällt die 360-Grad-Kamera auf. Gerade bei einem Fahrzeug dieser Dimension ist sie kein nettes Extra, sondern ein echtes Hilfsmittel. Sie liefert ein sauberes Bild und erleichtert das Rangieren spürbar, was man nach den ersten Parkmanövern durchaus zu schätzen weiß.
Auch die Lichttechnik macht einen guten Eindruck. Die LED-Scheinwerfer der höheren Ausstattungslinien sind zwar nicht adaptiv, sorgen aber für eine wirklich gute Ausleuchtung und bewegen sich auf einem Niveau, das im Alltag absolut überzeugt. Dass die günstigeren Varianten noch mit Xenon unterwegs sind, wirkt wie ein kleiner Blick in die Vergangenheit, passt aber irgendwie zu einem Fahrzeug, das sich nicht an jeder Stelle dem neuesten Trend unterwerfen möchte.
Beim Infotainment zeigt sich ein anderes Bild. Die Bedienstruktur ist funktional, aber nicht besonders intuitiv. Außerdem ist halt einfach „nicht viel da“. Wer regelmäßig mit Systemen von Hyundai oder Kia unterwegs ist, wird hier einen Unterschied feststellen. Es funktioniert alles, nur eben nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit.
Die einfachste Lösung besteht darin, das System weitgehend sich selbst zu überlassen und stattdessen Android Auto oder Apple CarPlay zu nutzen. Dass beides ausschließlich kabelgebunden funktioniert, wirkt im Jahr 2026 fast schon charmant aus der Zeit gefallen. Immerhin bleibt einem so die gelegentliche Bluetooth-Laune erspart.
Varianten & Preise des KGM Musso Grand
Der KGM Musso Grand startet bei 40.490 Euro in der Ausstattung Core. Wer sich fragt, ob man dafür schon einen ernstzunehmenden Pick-up bekommt, kann sich die Frage eigentlich sparen. Ja, bekommt man. Und zwar mehr, als man bei manchen etablierten Namen erwarten würde, wenn man dort in die Preislisten schaut.
Darüber rangiert die Linie Bliss ab 43.990 Euro, bevor der getestete Lux bei mindestens 48.490 Euro einsteigt. Die Sonderedition Black markiert mit 51.490 Euro das obere Ende der Fahnenstange. Unser Testwagen lag mit 51.090 Euro ziemlich genau in diesem Bereich und bringt damit eine Erkenntnis mit sich, die im Pickup-Segment nicht immer selbstverständlich ist: Man muss nicht zwangsläufig sechsstellige Summen bewegen, um ein voll ausgestattetes Arbeitsgerät zu fahren.
Zum Vergleich lohnt ein kurzer Blick auf den kleineren KGM Musso, der bei 38.990 Euro startet. Der Aufpreis für den Grand ist damit schnell erklärt, denn zusätzliche Länge und mehr Ladefläche kommen selten zum Nulltarif.
Die Aufpreisliste bleibt erfreulich überschaubar. „Space Black“ kostet 800 Euro extra, echtes Leder schlägt mit 700 Euro zu Buche. Das Assistenzpaket für 1.100 Euro wirkt auf den ersten Blick etwas eigenwillig benannt, liefert aber immerhin Funktionen wie Totwinkelüberwachung und Querverkehrswarner mit. Der wichtigste Inhalt des Pakets ist allerdings ein Getriebeübersetzungsmodus. Man kann sich nun also aussuchen, ob man das Paket aufgrund der Assistenten oder aufgrund des besagten Modus wählt. Oder wegen beidem.
Interessant ist jedoch vor allem, was nicht passiert. Der Musso Grand verzichtet weitgehend auf die typischen Preis-Eskalationsstufen, bei denen man sich von einer eigentlich vernünftigen Basis über mehrere Klicks im Konfigurator in Regionen bewegt, die mit der ursprünglichen Idee nur noch entfernt zu tun haben. Hier bleibt das Ganze überraschend bodenständig. Zumal KGM selbst spezielle Leasingangebote für den Musso Grand anbietet.
Das führt zu einer eher ungewohnten Situation: Man bekommt viel Fahrzeug fürs Geld, muss dafür aber auf das große Prestige verzichten, das bei manchen Wettbewerbern automatisch im Preis enthalten ist – ob man es braucht oder nicht.
Kundenfeedback
Beim KGM Musso Grand fällt auf, dass viele Besitzer erstaunlich ähnlich argumentieren. Häufig beginnt die Geschichte damit, dass ursprünglich eigentlich ein Ford Ranger, Toyota Hilux oder Isuzu D-Max gekauft werden sollte. Nach ein paar Stunden Konfigurator-Therapie und dem ersten Blick auf die jeweiligen Preislisten landet man dann plötzlich bei KGM beziehungsweise früher bei SsangYong Musso Grand.
Viele Besitzer schreiben ziemlich offen, dass sie vom Fahrzeug anfangs gar nicht begeistert waren, sondern schlicht „viel Pick-up für vergleichsweise wenig Geld“ gesucht haben. Umso häufiger liest man später Sätze wie „würde ich wieder kaufen“ oder „besser als erwartet“. Besonders oft geht es dabei um die Ausstattung. Sitzbelüftung vorne, Sitzheizung hinten oder die umfangreiche Serienausstattung werden regelmäßig erwähnt, weil solche Dinge in dieser Klasse oft entweder teuer bezahlt werden müssen oder schlicht gar nicht verfügbar sind.
Auch der Fahrkomfort wird überraschend häufig gelobt. Viele Fahrer beschreiben den Musso Grand als deutlich angenehmer auf längeren Strecken, als sie ursprünglich erwartet hatten. Gleichzeitig wird aber fast immer ergänzt, dass die Blattfedern hinten unbeladen klar spürbar bleiben. Manche stört das kaum, andere beschreiben den Wagen sinngemäß als leicht hüpfend, wenn hinten nichts geladen ist. Wirklich überrascht scheint davon allerdings niemand zu sein. Wer einen Leiterrahmen-Pick-up kauft und anschließend feststellt, dass er sich wie ein Leiterrahmen-Pick-up fährt, hatte vermutlich vorher andere Erwartungen an sein Leben.
Der 2,2-Liter-Diesel bekommt von vielen Besitzern positives Feedback. Häufig fällt dabei das Wort „robust“. Gelobt werden vor allem Durchzug und Anhängerbetrieb. Die Geräuschkulisse wird selten euphorisch beschrieben, aber meistens akzeptiert. Niemand erwartet hier kultivierte Oberklasse-Manieren, und genau deshalb scheint der Motor viele Besitzer eher positiv als negativ zu überraschen.
Kritik gibt es vor allem beim Infotainment. Viele Fahrer empfinden die Bedienung als altmodisch oder nicht besonders intuitiv. Dass Apple CarPlay und Android Auto weiterhin nur kabelgebunden funktionieren, wird ebenfalls regelmäßig angesprochen. Manche nehmen es mit Humor, andere wirken leicht beleidigt davon, dass ihr Smartphone im Jahr 2026 noch ein Kabel sehen muss.
Ebenfalls häufig erwähnt werden die Assistenzsysteme. Weniger wegen ihrer Funktion, sondern wegen ihres Mitteilungsdrangs. Das Piepen scheint für viele Musso-Fahrer zu einer Art akustischer Begleitmusik des Alltags geworden zu sein.
Interessant ist am Ende vor allem die Grundstimmung vieler Besitzer. Die wenigsten behaupten, der Musso Grand sei objektiv der beste Pick-up auf dem Markt. Viele schreiben aber, dass er genau das liefert, was sie gesucht haben – ohne den Preisrahmen völlig zu sprengen. Und offenbar reicht das oft schon aus, um ziemlich zufrieden mit ihm zu werden.
Fazit zum KGM Musso Grand
Der KGM Musso Grand ist kein Pick-up für Menschen, die an der Eisdiele erklären möchten, wie „premium“ ihr Nutzfahrzeug geworden ist. Dafür fehlt ihm das Prestige, an manchen Stellen auch der Feinschliff und beim Infotainment ganz sicher die letzte Portion Modernität. Gleichzeitig liegt genau darin seine Stärke.
Denn der Musso Grand versucht gar nicht erst, etwas anderes zu sein als ein klassischer Pick-up. Er zieht 3,5 Tonnen, lädt ordentlich zu, bietet eine große Ladefläche und kombiniert das Ganze mit mehr Komfort, als man dieser Fahrzeugklasse oft zutraut. Sitzbelüftung vorne und beheizte Rücksitze wirken zunächst fast absurd in einem Fahrzeug, dessen Hinterachse mit Blattfedern arbeitet. Nach ein paar Tagen im Alltag möchte man genau darauf aber nur ungern wieder verzichten.
Natürlich gibt es bessere Infotainmentsysteme. Die gibt es mittlerweile sogar in Kleinwagen. Natürlich piept der Musso Grand gerne herum. Natürlich bleibt er in engen Innenstädten ungefähr so handlich wie ein kleiner Yachthafen. Das alles gehört aber zum Gesamtbild eines Fahrzeugs, das seine Prioritäten sichtbar anders setzt als viele moderne SUV mit Abenteueroptik.
Spannend wird der Musso Grand vor allem beim Preis. Während einige Wettbewerber mittlerweile Summen aufrufen, bei denen man sich fragt, ob im Kaufpreis bereits ein kleiner Baukran enthalten ist, bleibt KGM vergleichsweise bodenständig. Mehr noch: Man bekommt erstaunlich viel Ausstattung für sein Geld.
Der Musso Grand ist deshalb kein Pick-up, den man kauft, um irgendwem etwas zu demonstrieren. Man kauft ihn, weil man ein ehrliches Arbeitsgerät sucht, das im Alltag angenehmer ist, als es seine robuste Technik zunächst vermuten lässt. Genau darin liegt sein Reiz.
Konkurrenzmodelle
Der KGM Musso Grand bewegt sich in einem Segment, das sich in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Früher ging es hier vor allem um Nutzwert. Heute versuchen viele Hersteller zusätzlich, aus ihren Pick-ups halbwegs luxuriöse Freizeitmobile zu machen. Entsprechend kräftig haben sich teilweise auch die Preise entwickelt.
Besonders sichtbar wird das beim Ford Ranger, der mittlerweile ab 55.442 Euro startet. Der Ranger gilt als einer der modernsten Vertreter seiner Klasse, fährt sich fast SUV-artig und bietet ein deutlich moderneres Infotainment als der Musso Grand. Gleichzeitig bewegt er sich preislich inzwischen in Regionen, in denen manche Kunden vermutlich kurz prüfen, ob versehentlich noch ein zweiter Ranger im Warenkorb liegt.
Noch extremer wird es beim technisch eng verwandten Volkswagen Amarok (Test des VW Amarok 2024). Ab 63.642 Euro geht es hier los. Dafür bekommt man ohne Frage einen sehr guten Pick-up, allerdings auch einen der teuersten Vertreter seines Segments. Der Amarok richtet sich längst nicht mehr nur an klassische Nutzfahrzeugkunden, sondern zunehmend an Menschen, die ihrem SUV eine Ladefläche hinzufügen möchten.
Der Toyota Hilux bleibt dagegen die konservative Dauerlösung der Klasse. Sein Ruf ist beinahe unkaputtbar, sein Image weltweit gefestigt. Ab 46.386 Euro startet er spürbar günstiger als Ranger oder Amarok, wirkt im Innenraum allerdings auch weniger modern. Viele Käufer entscheiden sich hier bewusst für die bekannte Robustheit und weniger für Komfortspielereien.
Ähnlich positioniert sich der Isuzu D-Max (Test des Isuzu D-Max). Er startet als Single Cab bereits bei 41.890 Euro, als Double Cab ab 47.390 Euro. Der D-Max gilt als ehrliches Arbeitstier mit klarer Nutzfahrzeug-Ausrichtung. Geräuschkomfort und Innenraumambiente stehen dort traditionell nicht ganz oben auf der Prioritätenliste, dafür Robustheit und Belastbarkeit umso mehr.
Interessant wird auch der Maxus T60 Max (Test des Maxus T60 Max). Der chinesische Konkurrent startet ab 47.588 Euro und versucht ähnlich wie der Musso Grand, viel Ausstattung zu einem vergleichsweise attraktiven Preis anzubieten. Gleichzeitig fehlt vielen Kunden dort noch das Vertrauen in Langzeitqualität und Händlernetz, ein Thema, mit dem allerdings auch KGM seit Jahren vertraut sein dürfte.
Bei den elektrischen Alternativen beginnt der Markt gerade erst, sich ernsthaft zu sortieren. Der neue KGM Musso EVstartet ab 41.990 Euro und dürfte vor allem für Kunden interessant werden, die zwar Pick-up-Optik möchten, aber deutlich weniger klassische Nutzfahrzeug-Aufgaben erfüllen müssen. Darüber positioniert sich der Maxus eTerron 9 (Test des Maxus eTerron 9) ab 74.958 Euro. Ein Preis, bei dem man sich unweigerlich fragt, ob der Strom künftig direkt kostenlos mitgeliefert wird.
Genau zwischen all diesen Extremen platziert sich der Musso Grand erstaunlich geschickt. Er ist günstiger als die Prestige-Fraktion rund um Amarok und Ranger, wirkt gleichzeitig komfortabler und alltagstauglicher als manche kompromissloseren Arbeitstiere. Genau diese Mischung macht ihn interessanter, als viele zunächst vermuten würden.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D

































