Der Leapmotor B10 tritt nicht leise auf. Er steht plötzlich da, kostet unter 30.000 Euro und macht Dinge, für die europäische Hersteller normalerweise erst einmal eine PowerPoint und drei Modellpflegen brauchen. Ein elektrisches SUV, ordentlich ausgestattet, ausreichend groß und technisch auf der Höhe der Zeit. Klingt erstmal nach einem guten Angebot. Ist aber vor allem eines: eine ziemlich unangenehme Nachricht für die Konkurrenz.
Denn während man sich hierzulande seit Jahren darüber unterhält, wie Elektromobilität „endlich bezahlbar“ werden kann, kommt Leapmotor einfach um die Ecke und macht es. Nicht perfekt, nicht ohne Ecken und Kanten – aber eben konkret. Und mit Stellantis im Hintergrund wirkt das Ganze plötzlich nicht mehr wie ein exotisches Experiment, sondern wie ein ernst gemeinter Markteintritt mit Substanz.
Und dann wäre da noch die Modellstruktur. „Life“, „Design“, „Pro“, „Pro Max“. Spätestens hier wird klar: Irgendjemand bei Leapmotor hat sich sehr genau angeschaut, wie man Produkte heutzutage verkauft. Der B10 wirkt stellenweise weniger wie ein klassisches Auto – und mehr wie ein Elektrogerät auf vier Rädern. Sauber verpackt, klar strukturiert, logisch aufgebaut. Nur dass ein Auto im Alltag eben nicht nur auf dem Schreibtisch liegt, sondern durch Regen, Schlaglöcher und deutsche Innenstädte muss.
Wir hatten die Gelegenheit, den B10 in der Version Design Pro Max erstmals intensiver zu erleben. Noch kein ausführlicher Langzeittest, keine 2.000 Autobahnkilometer, aber genug Zeit, um herauszufinden, wo dieses Auto wirklich stark ist – und wo es sich den günstigen Preis eben doch anmerken lässt.
Denn genau darum geht es beim Leapmotor B10. Nicht um die Frage, ob er perfekt ist. Sondern darum, wie viel Auto man hier fürs Geld bekommt – und ob das ausreicht, um etablierte Modelle plötzlich ziemlich alt aussehen zu lassen. Der erste Test.
Der Look
Der Leapmotor B10 sieht genau so aus, wie ein Auto aussehen muss, das möglichst viele Menschen überzeugen soll – und dabei bitte niemanden verschreckt.
Die Linien sind sauber, modern und aerodynamisch geglättet, die Lichtsignaturen vorne wie hinten klar gezeichnet, aber ohne jede Form von Drama. Kein übertriebener Mut, keine Design-Experimente, keine gewollte Extravaganz. Stattdessen: maximale Gefälligkeit. Ein SUV, das sich optisch so verhält wie ein guter Gastgeber – unauffällig, freundlich und immer darauf bedacht, keinen falschen Eindruck zu hinterlassen.
Das kann man kritisieren. Muss man aber nicht. Denn genau darin liegt auch eine gewisse Cleverness. Während andere Hersteller versuchen, sich mit immer extrovertierteren Formen vom Wettbewerb abzuheben, geht Leapmotor den entgegengesetzten Weg. Der B10 will nicht auffallen, er will passen. In jede Einfahrt, zu jeder Zielgruppe, in möglichst viele Lebensrealitäten.
Und dann kommt die Farbe ins Spiel. Unser Testwagen steht in „Dawn Purple“ da – und plötzlich wirkt das Ganze deutlich weniger beliebig. Ein kräftiger, moderner Violettton, der dem ansonsten sehr kontrollierten Design genau die Portion Charakter gibt, die ihm im Grundlayout fehlt. Fast so, als hätte man im letzten Moment entschieden, dem Auto doch noch so etwas wie Persönlichkeit zu gönnen.
Unterm Strich bleibt ein Auftritt, der weniger über Emotionen funktioniert als über Strategie. Der Leapmotor B10 ist kein Auto, das man sich wegen seines Designs kauft. Aber er ist eines, das man sich trotz seines Designs problemlos vorstellen kann. Und das ist im Zweifel die deutlich gefährlichere Eigenschaft.
Und innen?
Im Innenraum zeigt der Leapmotor B10, wie ernst er es mit seiner eigenen Philosophie meint. Und gleichzeitig, wo diese Philosophie im Alltag an ihre Grenzen stößt. Der erste Eindruck: aufgeräumt. Extrem aufgeräumt.
Kaum Tasten, kaum Schalter, stattdessen ein großer zentraler Bildschirm, der das Geschehen dominiert. Alles wirkt reduziert, klar strukturiert und bewusst minimalistisch. Gerade im hellen Interieur unseres Testwagens entsteht eine fast schon klinische Atmosphäre. Sauber, modern, fast schon steril.
Und genau hier passt der Vergleich, der sich ohnehin aufdrängt. Der B10 fühlt sich innen stellenweise weniger wie ein klassisches Auto an – und mehr wie ein Smartphone. Oder präziser: wie ein iPhone auf Rädern. Klare Oberfläche, logische Menüführung, wenig physische Interaktion, dafür maximale Software-Präsenz. Das Problem ist nur: Ein Auto ist kein Smartphone.
Was auf dem Display logisch und modern wirkt, wird im Alltag schnell zur Herausforderung. Funktionen verstecken sich in Menüs, die man während der Fahrt eigentlich nicht durchsuchen möchte. Ein kurzer Griff zum Knopf wird zur Fingerübung auf Glas. Und genau da merkt man, dass „weniger“ nicht automatisch „besser“ ist – zumindest nicht, wenn man sich im Straßenverkehr bewegt.
Auch bei den Materialien zeigt sich dieser Zwiespalt. Viele Flächen wirken ordentlich verarbeitet, die Sitze vorne sind bequem, elektrisch verstellbar und – je nach Ausstattung – sogar belüftet. Hinten sitzt man ebenfalls angenehm, auch wenn der Seitenhalt eher eine theoretische Größe bleibt. Dafür punktet der B10 mit viel Platz und einem echten Vorteil: Kein Kardantunnel, also auch in der zweiten Reihe eine überraschend gute Sitzposition für den mittleren Passagier.
Im Detail patzt der Leapmotor B10
Und dann sind da die Details.
Zum Beispiel die ausklappbaren Getränkehalter vorne. Sie funktionieren – keine Frage. Aber sie wirken nicht so, als würden sie das Auto über Jahre hinweg begleiten wollen. Eher wie ein Bauteil, das man im Zweifel lieber mit Vorsicht behandelt. Genau solche Kleinigkeiten sind es, die den ansonsten sehr modernen Eindruck plötzlich erden.
Positiv überrascht hat dagegen das Soundsystem. Kein großes Branding, kein Premium-Label, keine Marketing-Versprechen – und trotzdem ein wirklich guter Klang. Klar, ausreichend druckvoll und absolut alltagstauglich. Ein schönes Beispiel dafür, dass man nicht alles aufblasen muss, um zu überzeugen.
Insgesamt ist der Innenraum des B10 genau das, was das gesamte Auto sein will: modern, reduziert und digital gedacht. Nur eben mit der kleinen Einschränkung, dass diese Idee im echten Leben manchmal ein paar Kompromisse verlangt.
Der Antrieb des Leapmotor B10 (2026)
Auf dem Papier liest sich das Setup des Leapmotor B10 durchaus vielversprechend. 218 PS, Hinterradantrieb, dazu ein modernes Elektro-Layout – das klingt zunächst nach einer Kombination, die mehr kann als nur den Alltag verwalten.
In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: Der B10 hat gar kein Interesse daran, sich in diese Richtung zu profilieren.
Die Beschleunigung ist völlig ausreichend, aber weit entfernt von dem, was man heute in der Elektrowelt als beeindruckend bezeichnen würde. Kein brachialer Antritt, kein „Wow“-Moment beim ersten Tritt aufs Pedal. Stattdessen liefert der B10 genau das, was er offenbar sein will: eine ruhige, kontrollierte und souveräne Art der Fortbewegung.
Und das passt erstaunlich gut zum Gesamtcharakter des Autos.
Interessanter wird es bei der Lenkung. Hier zeigt sich sehr deutlich, wie stark Software mittlerweile das Fahrerlebnis beeinflusst. Im Modus „Comfort“ passiert gefühlt wenig bis gar nichts. Man lenkt – und das Auto folgt, aber eher gelassen als engagiert. Rückmeldung? Kaum vorhanden.
Wechselt man in „Standard“, wird das Ganze deutlich harmonischer. Die Lenkung gewinnt an Präzision, das Fahrzeug wirkt direkter, ohne dabei nervös zu werden. Und im „Sport“-Modus zeigt der B10 schließlich, dass er grundsätzlich durchaus willig einlenken kann. Nicht sportlich im klassischen Sinne, aber zumindest mit spürbar mehr Engagement.
Genau hier zeigt sich eine typische Eigenschaft moderner Elektroautos: Vieles ist einstellbar, vieles ist anpassbar – aber nicht jede Einstellung ergibt automatisch Sinn.
Die Rekuperation lässt sich aktuell in drei Stufen regulieren, was im Alltag gut funktioniert und genügend Spielraum bietet. Ein echter One-Pedal-Modus ist bereits angekündigt, aber noch nicht verfügbar. Auch das unterstreicht den Eindruck, dass der B10 softwareseitig noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist.
Alltag & Verbrauch
Im Alltag zeigt der Leapmotor B10, ob das Ganze mehr ist als nur ein gutes Datenblatt. Und genau hier liefert er einen ersten Eindruck, der deutlich über das hinausgeht, was man bei diesem Preis erwarten würde.
Bei einstelligen Plusgraden lag der Verbrauch im ersten Kontakt bei 19,5 kWh auf 100 Kilometer. Das ist kein Spitzenwert, aber für ein Fahrzeug dieser Größe absolut im Rahmen. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass solche Bedingungen selten ideal für Effizienz sind.
Die serienmäßige Wärmepumpe spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie sorgt dafür, dass der Energieverbrauch im Alltag nicht unnötig nach oben schnellt – ein Detail, das bei vielen Herstellern noch immer gerne in teuren Ausstattungspaketen versteckt wird. Beim B10 gehört es einfach dazu.
Im Alltag fast noch wichtiger als der Verbrauch ist jedoch das Raumgefühl. Und hier punktet der B10 überraschend deutlich.
Vorne sitzt man luftig, hinten ebenfalls. Die Platzverhältnisse wirken großzügiger, als es die reinen Außenmaße vermuten lassen. Gerade in der zweiten Reihe macht sich das Fehlen eines Kardantunnels bemerkbar – der mittlere Platz ist tatsächlich nutzbar und nicht nur eine theoretische Option für kurze Strecken.
Auch akustisch zeigt sich der B10 angenehm zurückhaltend. Fahrgeräusche werden gut gefiltert, das Fahrzeug wirkt insgesamt ruhig und gelassen. Für ein finales Urteil braucht es mehr Zeit und unterschiedliche Bedingungen, aber der erste Eindruck geht klar in Richtung Langstreckentauglichkeit.
Im Detail zeigt sich jedoch, dass noch nicht alles final abgestimmt ist. Die Rekuperation funktioniert zuverlässig in drei Stufen, ein echter One-Pedal-Modus fehlt aktuell noch, ist aber bereits angekündigt. Genau solche Punkte machen deutlich, dass der B10 nicht als abgeschlossenes Produkt auftritt, sondern eher als ein Fahrzeug, das sich weiterentwickeln wird.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Spätestens bei Technik und Ausstattung wird klar, warum der Leapmotor B10 aktuell für so viel Aufmerksamkeit sorgt. Denn das, was hier geboten wird, kennt man in dieser Form normalerweise eher aus deutlich höheren Preisklassen.
Schon die Basisversion bringt ein erstaunlich umfangreiches Paket mit. Mit der Ausstattungslinie „Design“ legt der B10 dann noch einmal spürbar nach: belüftete und beheizte Sitze, ein beheizbares Lenkrad, Ambientebeleuchtung mit 64 Farben, elektrische Heckklappe, getönte Scheiben und ein Soundsystem mit 12 Lautsprechern. Dinge, die bei vielen Wettbewerbern entweder teuer bezahlt werden müssen oder schlicht nicht verfügbar sind.
Technisch setzt Leapmotor konsequent auf eine moderne, softwaregetriebene Architektur. Das System reagiert schnell, die Bedienoberfläche wirkt logisch aufgebaut und insgesamt erstaunlich ausgereift für ein Fahrzeug dieser Preisklasse. OTA-Updates sollen dafür sorgen, dass sich Funktionen über die Zeit weiterentwickeln – ein Ansatz, der zunehmend zur neuen Normalität wird.
Die Assistenten des Leapmotor B10 sind verbesserungswürdig
Und dann sind da die Assistenzsysteme. Oder besser gesagt: deren Interpretation von Aufmerksamkeit.
Der B10 meint es gut. Vielleicht ein bisschen zu gut. Die Fahrerüberwachung meldet sich regelmäßig zu Wort, oft schneller, als man es erwarten würde. Dazu kommen akustische Hinweise, die im Alltag präsenter sind, als es notwendig wäre. Das Ergebnis ist ein System, das sich weniger wie ein stiller Helfer anfühlt – und mehr wie ein sehr engagierter Beifahrer mit ausgeprägtem Mitteilungsbedürfnis.
Das ist nichts, was sich nicht über Software-Updates optimieren ließe. Aber im aktuellen Zustand gehört es zu den Punkten, die im Alltag tatsächlich nerven können.
Interessant ist dabei der Kontrast zum Soundsystem. Kein großes Branding, keine bekannten Namen – und trotzdem liefert es eine überraschend gute Performance. Klar, ausgewogen und absolut ausreichend für den täglichen Einsatz. Fast schon ironisch, dass ausgerechnet der Bereich ohne großes Marketing-Versprechen am unauffälligsten überzeugt.
Summa summarum zeigt der B10 hier sehr deutlich, wo seine Stärken liegen – und wo noch nachjustiert werden muss. Viel Technik, viel Ausstattung, viel Potential. Aber eben auch der klare Hinweis darauf, dass moderne Autos längst nicht mehr nur über Hardware definiert werden, sondern vor allem über Software.
Varianten & Preise des Leapmotor B10 (2026)
Wenn man verstehen will, warum der Leapmotor B10 aktuell so viel Aufmerksamkeit bekommt, muss man sich genau diesen Abschnitt ansehen. Denn hier spielt sich das eigentliche Drama ab.
Leapmotor macht es sich erstaunlich einfach. Statt unübersichtlicher Optionslisten, komplizierter Pakete oder versteckter Aufpreise gibt es eine Struktur, die man schneller versteht als die meisten Smartphone-Tarife. Und genau da ist er wieder, dieser Vergleich, der sich durch den gesamten B10 zieht.
„Life“, „Design“, „Pro“, „Pro Max“. Man könnte fast erwarten, dass irgendwo noch ein „Ultra“ oder ein „Air“ folgt.
Konkret sieht das Ganze so aus:
- B10 Life Pro: 29.900 Euro
- B10 Life Pro Max: 32.400 Euro
- B10 Design Pro Max: 33.900 Euro
Dazu kommen zwei Batterievarianten:
Die kleinere „Pro“-Version mit 56,2 kWh und maximal 140 kW Ladeleistung sowie die größere „Pro Max“-Variante mit 67 kWh und bis zu 168 kW DC-Ladeleistung. AC-seitig bleibt es bei 11 kW – klassischer Standard in dieser Klasse.
Und jetzt wird es interessant. Denn schon die Basisversion des B10 ist alles andere als nackt. Er startet nicht als Verzichtsmodell, sondern als vollwertiges Fahrzeug mit einem Ausstattungspaket, das man bei vielen Wettbewerbern erst über mehrere Aufpreislisten hinweg zusammenklicken muss.
Die Linie „Design“ setzt dann noch einmal nach. Hier gibt es unter anderem belüftete und beheizte Vordersitze, ein beheizbares Lenkrad, elektrisch verstellbare Sitze, Ambientebeleuchtung mit 64 Farben, ein Premium-Soundsystem mit 12 Lautsprechern, getönte Scheiben sowie eine elektrische Heckklappe mit Memory-Funktion.
Der Leapmotor B10 kommt mit Range Extender
Das sind keine Gimmicks. Das sind Dinge, die im Alltag tatsächlich einen Unterschied machen. Und genau hier liegt der eigentliche Punkt. Der B10 versucht gar nicht erst, sich über Emotion oder Markenimage zu verkaufen. Er macht es über Kalkulation. Über Klarheit. Über ein Angebot, das sich nicht erst erklären muss.
Oder anders gesagt: Während andere Hersteller ihre Fahrzeuge konfigurieren lassen, verkauft Leapmotor einfach fertige Produkte.Und genau das könnte zum Problem werden. Denn wer sich einmal anschaut, was vergleichbare Modelle kosten – egal ob ein Kia EV3, ein Volvo EX30 oder selbst ein Skoda Elroq – merkt schnell, wie aggressiv der B10 hier positioniert ist.
Noch spannender wird es mit Blick auf die Zukunft. Eine Version mit Range Extender ist bereits angekündigt. Ein Elektroauto, das bei Bedarf von einem Verbrenner unterstützt wird und damit Reichweiten erreicht, die im Alltag praktisch keine Rolle mehr spielen. Preise gibt es noch nicht, aber allein die Existenz dieser Variante zeigt, wohin die Reise gehen soll. Mehr Auswahl und mehr Flexibilität. Und vermutlich weiterhin ein ziemlich unangenehmer Preis für den Wettbewerb.
Kundenfeedback
Auch wenn der Leapmotor B10 noch kein Langzeit-Dauerläufer auf europäischen Straßen ist, lässt sich bereits ein ziemlich klares Stimmungsbild erkennen. Und das fällt – wenig überraschend – zweigeteilt aus.
Auf der einen Seite steht die Begeisterung über das Gesamtpaket. Viele Interessenten und erste Nutzer reagieren vor allem auf den Preis. Ein elektrisches SUV dieser Größe, mit dieser Ausstattung und zu diesem Einstieg – das trifft einen Nerv. Gerade im direkten Vergleich zu etablierten Modellen wirkt der B10 für viele wie ein Angebot, das man zumindest ernsthaft in Betracht ziehen muss.
Dazu kommen positive Stimmen zum Platzangebot, zum Fahrkomfort und zur allgemeinen Alltagstauglichkeit. Der B10 wird häufig als unkompliziert beschrieben, als angenehm zu fahren und als Fahrzeug, das genau das liefert, was man sich von einem modernen Elektroauto erhofft – ohne unnötige Komplexität.
Auf der anderen Seite stehen die typischen Fragezeichen, die neue Marken aus China aktuell noch begleiten. Vertrauen ist ein Thema. Langzeitqualität ist ein Thema. Und auch Software-Stabilität wird immer wieder diskutiert.
Gerade die Bedienung über den zentralen Bildschirm sorgt nicht bei allen für Begeisterung. Während einige den minimalistischen Ansatz feiern, empfinden andere genau das als Nachteil im Alltag. Funktionen, die früher über einen Knopf erreichbar waren, müssen jetzt gesucht werden – und das gefällt nicht jedem.
Die Kunden schätzen das Preis-Leistungs-Verhältnis des Leapmotor B10
Auch die Assistenzsysteme werden regelmäßig angesprochen. Die hohe Sensibilität, die vielen akustischen Hinweise und die teils sehr aktive Fahrerüberwachung führen dazu, dass sich manche Nutzer eher kontrolliert als unterstützt fühlen.
Interessant ist dabei, dass sich diese Punkte stark mit dem decken, was man im ersten Kontakt selbst erlebt. Unterm Strich ergibt sich ein Bild, das man aktuell häufiger bei neuen chinesischen Herstellern sieht: ein extrem starkes Preis-Leistungs-Verhältnis trifft auf berechtigte Fragen im Detail.
Und genau diese Mischung macht den B10 so spannend. Denn sie entscheidet letztlich darüber, ob aus einem attraktiven Angebot ein echter Bestseller wird.
Fazit zum Leapmotor B10 (2026)
Der Leapmotor B10 ist kein perfektes Auto. Und er versucht auch gar nicht erst, eines zu sein. Er ist kein Design-Statement, kein Performance-Wunder und ganz sicher kein Fahrzeug, das man sich aus purer Emotion heraus kauft. Die Bedienung ist nicht immer intuitiv, die Assistenzsysteme sind aktuell zu präsent, und bei einzelnen Materialien merkt man, dass irgendwo gespart wurde. Und trotzdem funktioniert dieses Auto erstaunlich gut.
Weil es genau dort ansetzt, wo es für viele Käufer entscheidend wird: beim Preis, beim Platz und bei der Ausstattung. Der B10 liefert ein Gesamtpaket, das man nicht erst über lange Konfigurationen zusammenstellen muss, sondern direkt versteht. Das macht Leapmotor übrigens ziemlich konsequent, wie sich auch schon beim City-Flitzer T03 (Test des Leapmotor T03) gezeigt hat.
Im Vergleich wird das besonders deutlich. Modelle wie der Kia EV3 oder der Volvo EX30 setzen stärker auf Marke und Image, sind aber teurer oder weniger großzügig. Ein Skoda Elroq oder der VW ID.3 stehen für klassische Vernunft, wirken daneben aber nicht mehr ganz so attraktiv kalkuliert.
Genau darin liegt die Stärke des B10. Er ist kein Auto, das man unbedingt will. Aber eines, das man sich sehr schnell logisch erklären kann. Und genau das macht ihn gefährlich.
Wenn Leapmotor die Schwächen bei Software, Bedienung und Assistenzsystemen in den Griff bekommt, wird aus diesem ersten Eindruck schnell ein ernsthaftes Problem für die Konkurrenz. Der B10 ist kein Umbruch. Aber er ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, wohin sich der Markt entwickeln könnte.
Konkurrenzmodelle
Der Leapmotor B10 tritt in ein Segment, das auf dem Papier gut besetzt ist. Kompakte Elektro-SUVs und Crossover gibt es mittlerweile reichlich. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: Kaum ein Modell kombiniert Preis, Größe und Ausstattung so konsequent. Genau hier setzt der B10 an – und genau hier wird es für die Konkurrenz unangenehm.
Der Kia EV3 ist einer der direktesten Gegner. Modern, effizient und insgesamt sehr ausgewogen, aber klar teurer positioniert. Der B10 wirkt weniger fein abgestimmt, dafür deutlich aggressiver kalkuliert.
Der Volvo EX30 (Test des Volvo EX30 2026) setzt stärker auf Marke, Design und urbane Positionierung. Kompakter, hochwertiger inszeniert, aber weniger großzügig im Raumangebot. Der Leapmotor kontert hier mit mehr Pragmatismus und Nutzwert.
Mit dem Skoda Elroq steht die klassische europäische Vernunft im Raum: solide, praktisch, durchdacht. Gleichzeitig zeigt sich hier besonders deutlich der Preisunterschied. Der B10 bietet vergleichbare Alltagstauglichkeit zu spürbar geringeren Kosten.
Der Cupra Born (Test des Cupra Born) spielt eine andere Rolle. Emotionaler, fahraktiver, designorientierter – aber weniger praktisch. Während der Born über Fahrgefühl kommt, setzt der B10 auf rationalen Nutzen.
Innerhalb des eigenen Konzerns wirkt die Positionierung fast noch spannender. Modelle wie Fiat 600e, Opel Frontera Electric, Alfa Romeo Junior (Test des Alfa Romeo Junior Veloce), Citroën ë-C3 Aircross (Test des Citroen e-C3 Aircross) oder Peugeot E-3008 (Test des Peugeot E-3008) decken viele Bereiche ab, treten aber meist teurer oder weniger konsequent auf.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D





















