Mit dem Honda e:Ny1 wollte Honda nach dem emotionalen, aber klar limitierten Honda e den Schritt in die elektrische Mitte des Marktes gehen. Ein kompaktes SUV, rein elektrisch, familientauglich, europatauglich. Auf dem Papier erfüllt der e:Ny1 viele dieser Anforderungen: 204 PS Leistung, ein 62-kWh-Akku, modernes Infotainment und ein klar auf Alltag ausgelegtes Fahrzeugkonzept. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass Anspruch und Realität nicht deckungsgleich sind – insbesondere unter mitteleuropäischen Bedingungen.
Der Honda e:Ny1 richtet sich an Kunden, die ein unkompliziertes Elektroauto suchen, ohne sich mit Plug-in-Hybridlogik oder Ladeplanung auf Langstrecke zu beschäftigen. Genau hier liegt jedoch der Zielkonflikt. Während Fahrkomfort, Platzangebot und Bedienbarkeit überzeugen, geraten Reichweite und Ladeleistung dort ins Hintertreffen, wo sie für europäische Nutzer entscheidend sind: im Winter, auf der Autobahn und bei längeren Distanzen.
Mit einer WLTP-Reichweite von rund 412 Kilometern positioniert Honda den e:Ny1 formal auf Augenhöhe mit Konkurrenzmodellen im B-SUV-Segment. Doch WLTP ist nicht Europa. Bei Temperaturen im einstelligen Bereich, mit Heizung, nasser Fahrbahn und realistischen Geschwindigkeiten schrumpft der Einsatzradius drastisch. Genau diese Diskrepanz zwischen Norm und Alltag prägt den Charakter des e:Ny1 stärker als jedes Designmerkmal.
Dieser Bericht betrachtet den Honda e:Ny1 nicht als technisches Versprechen, sondern als Gebrauchsgegenstand. Wie weit kommt man wirklich? Wie lange steht man an der Ladesäule? Und für wen funktioniert dieses Konzept – und für wen eben nicht?
Der Look
Optisch tritt der Honda e:Ny1 bewusst unaufgeregt auf. Wer ein eigenständiges, futuristisches Elektro-Design erwartet, wird schnell feststellen: Der e:Ny1 orientiert sich stark am bekannten HR-V. Proportionen, Linienführung und selbst Details wie die in der C-Säule versteckten Türgriffe der hinteren Türen wirken weniger wie ein Neuanfang, sondern eher wie eine elektrische Parallelwelt zum konventionellen Bruder.
Mit rund 4,39 Metern Länge, 1,79 Metern Breite und einer Höhe von etwa 1,58 Metern bewegt sich der e:Ny1 klar im B-SUV-Segment. Die geschlossene Front ohne klassischen Kühlergrill signalisiert zwar Elektromobilität, bleibt gestalterisch aber zurückhaltend. LED-Scheinwerfer gehören serienmäßig dazu, setzen jedoch keine gestalterischen Akzente, sondern erfüllen vor allem ihre funktionale Rolle. Insgesamt wirkt die Front sachlich, fast konservativ – ein deutlicher Kontrast zu mutig gezeichneten Wettbewerbern wie Hyundai Kona Elektro oder Smart #1.
In der Seitenansicht fällt die relativ hohe Gürtellinie auf, die dem Fahrzeug eine stabile, aber auch etwas schwere Anmutung verleiht. Schwarze Kontrastelemente an Radläufen und Schwellern sollen optisch Dynamik erzeugen, wirken jedoch eher wie Pflichtübungen im SUV-Baukasten. Die serienmäßigen 18-Zoll-Räder stehen dem Fahrzeug gut, tragen aber kaum zur Differenzierung bei.
Am Heck setzt Honda auf ein durchgehendes Leuchtenband, das stark an den HR-V erinnert und dem e:Ny1 zwar Wiedererkennbarkeit innerhalb der Marke verleiht, ihm aber keine eigene visuelle Identität schenkt. Insgesamt lässt sich festhalten: Der Honda e:Ny1 sieht nicht schlecht aus, aber auch nicht wie ein Elektroauto, das bewusst neue Wege geht. Er wirkt solide, erwachsen – und erstaunlich konventionell für ein Fahrzeug, das Hondas elektrischen Aufbruch markieren soll.
Und innen?
Im Innenraum zeigt der Honda e:Ny1 eine seiner stärksten Seiten: Raumangebot und Übersicht. Honda versteht es seit jeher, Innenräume effizient zu gestalten, und genau davon profitiert auch das elektrische SUV. Die Sitzposition ist angenehm erhöht, das Raumgefühl großzügig und die Ergonomie weitgehend selbsterklärend. Vor allem größere Fahrer und Fondpassagiere profitieren von der üppigen Beinfreiheit, die in dieser Fahrzeugklasse keineswegs selbstverständlich ist.
Dominierendes Element des Cockpits ist der vertikal ausgerichtete 15,1-Zoll-Zentralbildschirm. Er übernimmt nahezu alle Funktionen – von Navigation über Medien bis hin zur vollständigen Klimabedienung. Die Aufteilung in drei Ebenen ist logisch, verlangt aber Aufmerksamkeit. Klassische physische Bedienelemente fehlen fast vollständig, was im Stand modern wirkt, während der Fahrt jedoch Konzentration kostet. Gerade die Touchsteuerung der Klimaanlage erweist sich im Alltag als weniger intuitiv als klassische Drehregler.
Materialqualität und Verarbeitung bewegen sich auf solidem Niveau. Weiche Kunststoffe, sauber gefügte Übergänge und eine insgesamt robuste Anmutung passen zum Anspruch eines Alltagsfahrzeugs. Gleichzeitig fehlt es dem Innenraum an emotionalen Akzenten. Im direkten Vergleich wirkt der frühere Honda e deutlich charakterstärker, während der e:Ny1 funktional bleibt, aber wenig Begeisterung auslöst. Auch die Gestaltung erinnert stark an den HR-V – inklusive Lenkrad, Türverkleidungen und Bedienelementen.
Der Kofferraum fasst rund 360 Liter und liegt damit im Klassenmittel. Bei umgeklappter Rückbank stehen etwa 1.175 Liter zur Verfügung. Positiv fällt die ebene Ladefläche ohne störende Stufen auf. Ein Frunk unter der vorderen Haube fehlt allerdings – ein klarer Nachteil gegenüber vielen Wettbewerbern, gerade bei einem Fahrzeug mit eigens entwickelter Elektroplattform.
Unterm Strich überzeugt der Innenraum des Honda e:Ny1 rational: viel Platz, gute Sitze, logische Grundstruktur. Emotional bleibt er jedoch blass – und genau das zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Fahrzeugkonzept.
Der Antrieb des Honda e:Ny1
Der Honda e:Ny1 setzt auf einen einzelnen Elektromotor an der Vorderachse, der 150 kW leistet, also rund 204 PS, und ein maximales Drehmoment von 310 Newtonmetern bereitstellt. Damit liegt er exakt dort, wo viele kompakte Elektro-SUVs heute angesiedelt sind. Der Standardsprint von 0 auf 100 km/h ist in etwa 7,5 bis 7,7 Sekunden erledigt, die Höchstgeschwindigkeit endet bei 160 km/h. Das reicht für den Alltag vollkommen aus und unterstreicht, dass Honda hier keinen Performance-Stromer, sondern ein funktionales E-SUV positioniert.
Im Fahrbetrieb zeigt sich der Antrieb angenehm kontrolliert. Leistungsabrufe erfolgen spontan, aber nie aggressiv. Gerade im urbanen Umfeld wirkt der e:Ny1 sehr souverän, beschleunigt gleichmäßig und vermittelt ein ruhiges, entspanntes Fahrgefühl. Die typische E-Auto-Direktheit ist vorhanden, wird aber bewusst gezügelt eingesetzt. Das Fahrzeug fühlt sich jederzeit berechenbar an und verzichtet auf nervöse Reaktionen.
Die Lenkung passt gut zu diesem Charakter. Sie ist ausreichend direkt, bleibt dabei aber klar komfortbetont. Rückmeldungen sind vorhanden, ohne sportliche Ambitionen zu wecken. Das Fahrwerk ist weich bis ausgewogen abgestimmt und spielt seine Stärken vor allem auf schlechten Straßen aus. Querfugen, Schlaglöcher und winterlich mitgenommene Asphaltflächen filtert der e:Ny1 souverän heraus, ohne ins Schwimmen zu geraten.
Der Honda e:Ny1 hat im Winter mit Traktionsproblemen zu kämpfen
Problematisch wird die Auslegung dort, wo europäische Winterrealität beginnt. Der e:Ny1 überträgt seine Leistung ausschließlich über die Vorderachse. In der Praxis führt das bei Nässe, Kälte oder glatten Fahrbahnen schnell zu Traktionsverlusten. Beim beherzten Beschleunigen greifen die Regelsysteme häufig ein, was zwar Sicherheit schafft, den Vortrieb jedoch spürbar einschränkt. Gerade bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wirkt der Antrieb dadurch weniger souverän, als man es von einem modernen Elektro-SUV erwarten würde.
Die Rekuperation ist hingegen sauber abgestimmt. Verzögerung und mechanische Bremse greifen harmonisch ineinander, Übergänge sind kaum wahrnehmbar. Drei Fahrprogramme – Eco, Normal und Sport – verändern das Ansprechverhalten spürbar, bleiben jedoch innerhalb eines klar alltagstauglichen Rahmens. Sport bedeutet hier mehr Direktheit, nicht sportliche Schärfe.
Unterm Strich fährt sich der Honda e:Ny1 ruhig, verbindlich und angenehm komfortabel. Gleichzeitig zeigt sich aber deutlich: Das gewählte Frontantriebskonzept stößt gerade im europäischen Winterbetrieb an seine Grenzen – ein Punkt, der im Alltag stärker ins Gewicht fällt als auf dem Datenblatt.
Alltag, Laden & Verbrauch
Spätestens beim Thema Energieeffizienz zeigt sich, wie stark der Honda e:Ny1 vom europäischen Alltag – und insbesondere vom Winter – entzaubert wird. Offiziell gibt Honda für das kompakte Elektro-SUV einen WLTP-Verbrauch von rund 18 kWh pro 100 Kilometer an und eine Normreichweite von bis zu 412 Kilometern. In der Praxis bleiben diese Werte jedoch reine Theorie.
Im realen Fahrbetrieb bei winterlichen Temperaturen lagen die gemessenen Verbrauchswerte deutlich darüber. Im gemischten Drittelmix wurden rund 25 bis 26 kWh pro 100 Kilometer ermittelt – also gut 40 Prozent mehr als angegeben. Selbst bei bewusst defensiver Fahrweise ließ sich der Verbrauch kaum unter 18,5 kWh drücken. Damit verfehlte der e:Ny1 sogar unter Idealbedingungen seine eigene Normangabe leicht.
Die Folge ist eine Reichweite, die im Alltag massiv schrumpft. Statt der versprochenen über 400 Kilometer waren realistisch eher 200 bis 230 Kilometer möglich. Der Bestwert lag bei etwa 240 Kilometern – wohlgemerkt ohne Autobahnanteil. Sobald längere Strecken mit konstant höheren Geschwindigkeiten dazukamen, fiel die nutzbare Reichweite teils deutlich unter die 200-Kilometer-Marke. Für ein Fahrzeug, das explizit als alltagstaugliches Familien-SUV positioniert ist, ist das schlicht zu wenig.
45 Minuten von 10 auf 80 % ist zu lange
Der Honda e:Ny1 verfügt über einen CCS-Anschluss und erlaubt laut Datenblatt eine maximale DC-Ladeleistung von rund 78 kW. Im Test wurden Spitzenwerte von etwa 72 bis 73 kW erreicht – zumindest hält Honda hier sein Versprechen. Das Problem liegt jedoch nicht im Peak, sondern im Verlauf.
Von rund 10 auf 80 Prozent Ladestand vergingen etwa 45 bis 46 Minuten. Damit liegt der e:Ny1 selbst in dem Bereich, in dem E-Auto-Fahrer unterwegs üblicherweise laden, bereits deutlich hinter der Konkurrenz. Viele moderne Kompakt-EVs erreichen diese Marke inzwischen in 25 bis 30 Minuten – teils mit deutlich größeren Batterien.
Noch problematischer wird es oberhalb von 80 Prozent. Der Ladestrom bricht massiv ein, sodass die vollständige Ladung auf 100 Prozent fast zwei Stunden in Anspruch nimmt. Auch wenn kaum jemand unterwegs bis 100 Prozent lädt: Für Nutzer ohne eigene Wallbox oder bei winterbedingt höherem Energiebedarf ist dieses Verhalten im Alltag schlicht nicht akzeptabel.
Hinzu kommt ein weiteres Ärgernis: Während des Ladevorgangs liefert das Fahrzeug selbst kaum Informationen. Weder Ladeleistung noch Fortschritt werden sinnvoll angezeigt, sobald das Fahrzeug ausgeschaltet ist. Das wirkt unnötig rückständig und steht im klaren Widerspruch zum ansonsten modernen Anspruch des e:Ny1.
Der Honda e:Ny1 muss bei Ladeleistung und Reichweite nachbessern
Unterm Strich ist genau hier der größte Schwachpunkt des Honda e:Ny1 zu finden. Die Kombination aus hohem Winterverbrauch, geringer Realreichweite und langsamer Ladecharakteristik macht ihn für Langstrecken, Vielfahrer und kalte Regionen Europas nur eingeschränkt geeignet. Als reines Stadt- und Pendlerfahrzeug funktioniert das Konzept – als universelles Elektro-SUV hingegen nicht.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Der Honda e:Ny1 tritt bereits in der Basisversion mit einer umfangreichen Serienausstattung an. Digitale Instrumente, ein großformatiges Infotainment, Sitzheizungen vorn, elektrisch verstellbarer Fahrersitz sowie das komplette Honda-SENSING-Sicherheitspaket gehören zum Standard. Auf dem Papier wirkt das überzeugend, im Alltag zeigt sich jedoch, dass Quantität nicht automatisch Qualität bedeutet.
Das zentrale Element des Innenraums ist der 15,1 Zoll große, vertikal ausgerichtete Touchscreen. Er bündelt nahezu alle Fahrzeugfunktionen und ist in drei Ebenen unterteilt: Navigation beziehungsweise Smartphone-Integration oben, Kachelmenü in der Mitte und Klimabedienung im unteren Bereich. Die Darstellung ist scharf, die Menüstruktur grundsätzlich logisch – dennoch verlangt die konsequente Touchbedienung spürbare Aufmerksamkeit. Gerade während der Fahrt ist die Bedienung weniger intuitiv als bei klassischen Tastenlösungen. Hier wirkt Honda konservativ modernisiert, aber nicht bis zum Ende durchdacht.
Ein klarer Kritikpunkt bleibt die Smartphone-Integration. Während Apple CarPlay und Android Auto grundsätzlich unterstützt werden, ist Android Auto weiterhin nur kabelgebunden nutzbar. Das wirkt 2024/2025 nicht mehr zeitgemäß – insbesondere in einem Elektrofahrzeug, das sich als digitaler Begleiter positionieren will. Hinzu kommt, dass Online-Dienste nicht durchgehend verfügbar sind. Echtzeit-Verkehrsdaten fehlten im Test zeitweise komplett, obwohl das Fahrzeug verbunden war. Positiv fällt dagegen die zuverlässige Ladestationssuche im bordeigenen Navigationssystem auf.
Von Licht, Assistenzsystemen und kleinen Ärgernissen
Die LED-Scheinwerfer liefern ein ordentliches, homogenes Lichtbild mit guter Ausleuchtung und akzeptabler Reichweite. Sie gehören sicher nicht zur Spitzenklasse, bewegen sich aber auf solidem Niveau. Eine adaptive Matrixfunktion fehlt jedoch – gerade im Vergleich mit europäischen Wettbewerbern ein Nachteil, vor allem auf dunklen Landstraßen.
Das Honda-SENSING-Paket bietet eine breite Palette an Assistenzsystemen, darunter adaptive Geschwindigkeitsregelung, Spurhalteassistent und Notbremsfunktion. In der Praxis arbeiten diese Systeme zuverlässig, wirken jedoch häufig übervorsichtig. Besonders der Aufmerksamkeitsassistent und der Geschwindigkeitswarner greifen sehr früh ein und werden von vielen Fahrern als störend empfunden. Erschwerend kommt hinzu, dass sich diese Systeme nur im Stand und tief im Menü deaktivieren lassen. Das sorgt im Alltag für unnötige Frustration.
Positiv: Rückfahrkamera und Parksensoren entschärfen die eingeschränkte Rundumsicht durch die breite C-Säule spürbar. Negativ: Eine Anhängerkupplung ist nicht verfügbar, eine Dachlast ebenfalls nicht zugelassen. Selbst der Transport von Fahrrädern ist stark limitiert, da die optionale Trägerlösung lediglich geringe Lasten erlaubt. Für ein SUV schränkt das die Alltagstauglichkeit spürbar ein.
Varianten & Preise des Honda e:Ny1
Der Honda e:Ny1 wird in Deutschland bewusst übersichtlich angeboten. Es gibt genau eine Motorisierung, einen Akkuund zwei Ausstattungslinien. Technisch bedeutet das: immer Frontantrieb, immer rund 204 PS, immer eine nutzbare Batteriekapazität von knapp 62 kWh. Unterschiede ergeben sich ausschließlich über den Ausstattungsumfang.
Die Basisversion startet aktuell bei 38.990 Euro. Dafür bringt der e:Ny1 bereits eine bemerkenswert umfangreiche Serienausstattung mit. Digitale Instrumente, der große 15,1-Zoll-Touchscreen mit Navigation, Sitzheizung vorne, elektrisch verstellbarer Fahrersitz, induktive Ladeschale, Voll-LED-Scheinwerfer sowie das komplette Honda-SENSING-Paket sind bereits enthalten. In dieser Hinsicht gibt sich Honda keine Blöße und positioniert den e:Ny1 klar über klassischen Einstiegs-EVs.
Darüber rangiert der e:Ny1 mit Advance-Paket ab 41.990 Euro. Es ergänzt unter anderem ein beheizbares Lenkrad, ein 360-Grad-Kamerasystem, den Parkassistenten Honda Parking Pilot, eine elektrische Heckklappe sowie ein Panorama-Glasdach. Erst hier erreicht der e:Ny1 ein Ausstattungsniveau, das viele Käufer heute in dieser Fahrzeugklasse erwarten – allerdings zu einem spürbaren Aufpreis.
Optionale Individualisierung ist kaum vorgesehen. Es stehen fünf Außenfarben zur Wahl, vier davon kosten jeweils 800 Euro Aufpreis. Größere Räder oder technische Upgrades lassen sich praktisch nicht konfigurieren. Honda verfolgt hier eine klare Vereinfachungsstrategie, die zwar Produktionsprozesse erleichtert, dem Kunden aber wenig Flexibilität lässt.
Preislich endlich angekommen
Zum Marktstart lag der Honda e:Ny1 deutlich über dem Niveau vieler Wettbewerber. Diese Phase ist inzwischen vorbei. Durch Preisanpassungen bewegt sich das Modell heute in einem realistischeren Rahmen und konkurriert preislich mit Fahrzeugen wie dem Hyundai Kona Elektro, dem Kia EV3, dem Smart #1 oder dem Volvo EX30.
Das Problem: Während der Preis inzwischen konkurrenzfähig ist, sind es Reichweite, Ladeleistung und Wintereffizienz nicht mehr uneingeschränkt. Käufer zahlen hier für solide Verarbeitung, gute Ausstattung und ein angenehmes Fahrverhalten – müssen aber klare Abstriche bei den Kerndisziplinen der Elektromobilität in Kauf nehmen.
Kundenfeedback
Das Stimmungsbild unter Besitzern und Nutzern des Honda e:Ny1 fällt deutlich zweigeteilt aus. Auf der einen Seite gibt es viel Anerkennung für das, was Honda traditionell gut beherrscht: Verarbeitungsqualität, Fahrkomfort und eine insgesamt sehr ruhige, vertrauenerweckende Charakteristik. Auf der anderen Seite häufen sich kritische Stimmen zu genau den Punkten, die für ein Elektroauto in Europa entscheidend sind.
Positiv hervorgehoben wird von vielen Fahrern zunächst das angenehme Fahrgefühl. Der e:Ny1 wird als leise, gut gedämmt und sehr gleichmäßig beschrieben. Gerade im Stadtverkehr und auf kurzen Pendelstrecken empfinden Nutzer den Antrieb als souverän und stressfrei. Auch die Sitzposition, das Platzangebot im Fond sowie die solide Materialanmutung werden regelmäßig gelobt. Viele Käufer ordnen den Innenraum qualitativ über dem Klassendurchschnitt ein, insbesondere im Vergleich zu günstigeren Wettbewerbern.
Ebenfalls positiv fällt das Fahrwerk auf. Nutzer berichten von hohem Komfortniveau, guter Filterung schlechter Straßen und einem insgesamt sehr entspannten Langstreckenverhalten – solange die Strecke nicht zu lang wird. Die Bedienlogik wird als sachlich und übersichtlich beschrieben, auch wenn sie nicht besonders modern wirkt.
Nutzer kritisieren die geringe Reichweite des Honda e:Ny1
Deutlich kritischer wird es beim Thema Reichweite. Viele Fahrer berichten übereinstimmend, dass die im Alltag erzielbaren Distanzen spürbar unter den Erwartungen liegen. Gerade im Winter werden reale Reichweiten zwischen 180 und 230 Kilometern genannt, teilweise sogar darunter. Diese Werte decken sich mit den Testerfahrungen und werden als größte Enttäuschung wahrgenommen. Mehrfach wird angemerkt, dass selbst vorsichtige Fahrweise und reduzierte Geschwindigkeit kaum spürbare Verbesserungen bringen.
Ein weiterer häufiger Kritikpunkt ist die Ladeleistung. Zwar wird anerkannt, dass die angegebenen Ladezeiten bis 80 Prozent technisch eingehalten werden, doch empfinden viele Nutzer diese Zeiten als nicht mehr zeitgemäß. Besonders problematisch sehen viele Fahrer den extrem langsamen Ladevorgang oberhalb von 80 Prozent, der in der Praxis als unbrauchbar beschrieben wird – vor allem für Nutzer ohne heimische Lademöglichkeit.
Auch die Software und Konnektivität stehen vereinzelt in der Kritik. Nutzer berichten von instabilen Online-Diensten, eingeschränkter Smartphone-Integration und wenig Transparenz während des Ladevorgangs. Das Fahrzeug liefere zu wenig Informationen, gerade in Situationen, in denen Planungssicherheit wichtig wäre.
Fazit zum Honda e:Ny1
Der Honda e:Ny1 ist ein solides, sauber konstruiertes Elektroauto, das viele klassische Honda-Tugenden überzeugend in die E-Mobilität überträgt. Er fährt ruhig, komfortabel und verbindlich, bietet ein großzügiges Platzangebot für Insassen und vermittelt durch seine saubere Verarbeitung ein hohes Qualitätsniveau. Gerade im Stadtverkehr und auf kürzeren Pendelstrecken fühlt sich der e:Ny1 souverän an, mit spontanem Antritt, angenehmer Federung und einer insgesamt entspannten Charakteristik.
Seine Schwächen liegen jedoch nicht im Detail, sondern im Nutzungskonzept unter realen europäischen Bedingungen. Der Verbrauch fällt insbesondere im Winter deutlich höher aus als erwartet. Werte um 25 kWh pro 100 Kilometer sind keine Ausnahme, sondern Alltag. Entsprechend schrumpft die reale Reichweite spürbar. Statt der versprochenen über 400 Kilometer bleiben im Alltag häufig nur 180 bis 230 Kilometer übrig – für ein kompaktes Elektro-SUV mit Familienambitionen eindeutig zu wenig.
Auch das Ladeverhalten passt nicht mehr zum Stand der Technik. Zwar hält der e:Ny1 seine offiziellen Angaben bis 80 Prozent ein, benötigt dafür jedoch rund 45 Minuten. Das ist selbst in diesem Ladebereich bereits zu langsam. Das vollständige Laden bis 100 Prozent dauert mit fast zwei Stunden schlicht zu lange, um im Alltag praktikabel zu sein. Gerade für Nutzer ohne heimische Wallbox ist das ein klarer Nachteil.
Hinzu kommen konzeptionelle Einschränkungen wie fehlender Allradantrieb, keine Anhängerfreigabe, keine Dachlast und eine Traktion, die bei Nässe und Kälte früh an ihre Grenzen stößt. Damit relativiert sich der SUV-Anspruch spürbar.
Unterm Strich ist der Honda e:Ny1 kein schlechtes Elektroauto – aber ein unglücklich positioniertes. Er funktioniert gut als urbanes E-Fahrzeug mit klar begrenztem Einsatzprofil. Für Langstrecken, Winterbetrieb und flexible Nutzung fehlt ihm jedoch die nötige Effizienz und Ladeperformance.
Konkurrenzmodelle
Der Honda e:Ny1 trifft in Europa auf eine ungewöhnlich dichte und zugleich technisch ambitionierte Konkurrenz. Besonders im B-SUV- und Kompakt-EV-Segment haben viele Hersteller ihre Elektroplattformen konsequent auf Reichweite, Ladeleistung und Alltagstauglichkeit optimiert – genau jene Disziplinen, in denen der Honda unter winterlichen Bedingungen sichtbar ins Hintertreffen gerät.
Modelle wie der Hyundai Kona Elektro oder der Kia EV3 zeigen, wie effizient ein vergleichbar großes Elektro-SUV im europäischen Alltag funktionieren kann. Beide erreichen selbst bei niedrigen Temperaturen deutlich stabilere Reichweiten jenseits der 300-Kilometer-Marke und lassen sich spürbar schneller nachladen. Auch der VW ID.3 (Test des VW ID.3 Facelift) und der Cupra Born (Test des Cupra Born) setzen Maßstäbe bei Ladeperformance und Verbrauch und bleiben damit auf Langstrecke wie im Wintereinsatz deutlich entspannter nutzbar.
Im SUV-Umfeld positionieren sich Fahrzeuge wie der Peugeot e-2008, der Citroën ë-C4 oder der Opel Mokka-e als pragmatische Alternativen. Sie bieten ähnliche Abmessungen, vergleichbare Preise, aber meist effizientere Antriebsauslegungen und eine Ladecharakteristik, die im Alltag weniger Geduld verlangt. Der Jeep Avenger Elektro ergänzt das Feld um eine robustere Ausrichtung mit höherer Alltagstoleranz abseits urbaner Szenarien.
Design-orientierter treten Modelle wie der Alfa Romeo Junior Elettrica oder der deutlich teurere Volvo C40 auf. Während der Volvo mit Premium-Anmutung, höherer Leistung und besseren Winterwerten punktet, bleibt die Alfa stärker emotional als effizient positioniert.
In der Gesamtschau wird deutlich: Der Honda e:Ny1 überzeugt mit Fahrkomfort und Bedienlogik, verliert jedoch im direkten Vergleich dort Boden, wo europäische Nutzer besonders sensibel reagieren – bei realer Winterreichweite, Ladegeschwindigkeit und flexibler Langstreckennutzung.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D
