Land Rover Discovery Sport
,

Land Rover Discovery Sport Test – Der leise Abschied

Der Land Rover Discovery Sport war nie ein lauter Auftritt. Kein Lifestyle-SUV, kein Technik-Feuerwerk, kein Design-Statement um jeden Preis. Stattdessen trat er über Jahre hinweg als genau das auf, was sein Name versprach: ein kompakter Discovery, der Alltag, Familie, Reise und Gelände unter einen Hut bringen wollte. Umso bemerkenswerter – und ehrlicherweise auch bedauerlich – ist es, dass Land Rover dieses Modell inzwischen still und ohne großes Aufsehen aus dem Programm genommen hat. Die Konfiguratoren sind geschlossen, Neubestellungen nicht mehr möglich. Ein Auto verschwindet, das inhaltlich mehr richtig gemacht hat, als es sein Marktauftritt vermuten ließ.

In diesem Test betrachten wir den Land Rover Discovery Sport D165, die seit dem Modelljahr 2021 angebotene Einstiegsmotorisierung mit Vierzylinder-Diesel. Ein Aggregat, das auf dem Papier unspektakulär wirkt, sich im Alltag jedoch als erstaunlich kultiviert, effizient und souverän erweist. Der Discovery Sport trat bei uns in der Ausstattungslinie S an, ergänzt um Allradantrieb und einige ausgewählte Optionen. Lackiert war der Testwagen in „Eiger Grey“, einem sachlich-eleganten Grauton, der gut zum unaufgeregten Charakter dieses Fahrzeugs passt.

Technisch basiert der Discovery Sport auf der Plattform des Range Rover Evoque, positioniert sich jedoch bewusst breiter. Mehr Platz, mehr Variabilität, mehr Nutzwert – und auf Wunsch sogar sieben Sitze. Damit nahm er eine Sonderrolle ein: kompakter als ein klassischer Discovery, aber spürbar erwachsener als viele Mittelklasse-SUVs deutscher Prägung. Genau diese Zwischenposition war lange seine Stärke – und am Ende vielleicht auch sein Problem.

Denn während der Markt immer stärker auf Elektrifizierung, digitale Showeffekte und aggressive Preisstaffelungen drängte, blieb der Discovery Sport sich selbst treu. Komfortabel, hochwertig, geländetauglich. Kein Blender. Kein Trendprodukt. Dass ein solches Fahrzeug heute aus dem Portfolio verschwindet, sagt mindestens ebenso viel über den Markt wie über das Auto selbst. Fahrbericht.


Der Look

Optisch war der Land Rover Discovery Sport nie ein Revolutionär – und genau das war Teil seines Konzepts. Statt kurzfristigen Designtrends hinterherzulaufen, setzte Land Rover auf eine klare, zeitlose Formsprache, die sich sichtbar an den größeren Discovery- und Range-Rover-Modellen orientierte. Auch im letzten Facelift blieb der Discovery Sport dieser Linie treu und wirkte damit eher erwachsen als aufregend.

Die Front zeigt sich aufgeräumt und hochwertig. Schmale Voll-LED-Scheinwerfer, eine zurückhaltend modellierte Motorhaube und dezente Lufteinlässe sorgen für einen souveränen Auftritt, ohne künstliche Aggressivität. Gerade in der getesteten Farbe Eiger Grey wirkt der Discovery Sport fast schon britisch-nobel – ein SUV, der nicht schreien muss, um wahrgenommen zu werden. Dass die seitlichen Lufteinlässe optisch mehr Sportlichkeit suggerieren als technisch nötig wäre, stört dabei kaum. Sie gehören zum Auftritt, nicht zur Funktion.


Discovery-DNA statt Evoque-Kopie

In der Seitenansicht wird klar, dass der Discovery Sport zwar technisch auf dem Evoque basiert, optisch jedoch bewusst mehr Raum einnimmt. Die hohen Türen, die ausgeprägte Bodenfreiheit und die ansteigende Gürtellinie verleihen dem Fahrzeug Substanz. Gleichzeitig verhindert der moderat gestaltete Dachkantenspoiler, dass der Discovery Sport zu hochbeinig wirkt. Das „Sport“ im Namen bezieht sich hier weniger auf Dynamik als auf die kompaktere, straffere Interpretation eines klassischen Discovery.

Am Heck zeigt sich der Unterschied zum großen Discovery besonders deutlich. Die Proportionen wirken ausgewogener, weniger massiv, fast schon zurückhaltend. Die schmalen Rückleuchten greifen die Lichtsignatur der Front auf und sorgen für einen stimmigen Abschluss. Auffällig: Trotz „Sport“-Zusatz verzichtet Land Rover bewusst auf sichtbare Endrohre. Das passt zum Charakter des Fahrzeugs, das lieber durch Understatement als durch Effekthascherei überzeugt.

Insgesamt ist der Look des Discovery Sport angenehm unaufgeregt. Er wirkt auch Jahre nach seiner Einführung nicht alt, sondern bewusst zeitlos. Gerade vor dem Hintergrund seiner Einstellung hinterlässt das Design einen bittersüßen Eindruck: Dieses Auto hätte optisch problemlos noch einige Jahre bestehen können.


Und innen?

Im Innenraum zeigt der Land Rover Discovery Sport eine Stärke, die heute fast schon ungewöhnlich wirkt: Zurückhaltung. Statt auf maximalistische Displaylandschaften oder verspielte Grafikwelten setzt der Brite auf eine klare, funktionale Gestaltung, die sich sofort vertraut anfühlt. Genau das macht den Einstieg leicht – und die tägliche Nutzung angenehm.

Das Cockpit ist logisch aufgebaut, hochwertig verarbeitet und erfreulich frei von digitalem Aktionismus. Zwar bietet der Discovery Sport ein optionales digitales Kombiinstrument sowie einen zentralen Touchscreen, doch Land Rover hat darauf verzichtet, sämtliche Funktionen in Untermenüs zu verbannen. Klimatisierung, Sitzfunktionen und Fahrmodi lassen sich weiterhin über echte Drehregler und Tasten steuern. Diese sind teilweise doppelt belegt, was zunächst ungewohnt wirkt, sich im Alltag aber als äußerst praktikabel erweist. Gerade während der Fahrt zahlt sich dieses Konzept aus.


Materialqualität mit Oberklasse-Anleihen im Land Rover Discovery Sport

Der Materialeindruck liegt spürbar über dem, was man in dieser Fahrzeugklasse erwarten würde. Weiche Oberflächen, sauber eingefasste Bedienelemente und eine insgesamt sehr solide Verarbeitung vermitteln einen Eindruck von Dauerhaftigkeit. Selbst in der getesteten Ausstattungslinie S, die keineswegs als Luxusvariante gilt, wirkt der Innenraum wertig und stimmig. Die stoffbezogenen Sitze überraschen mit hohem Langstreckenkomfort und ausreichend Seitenhalt – weniger für sportliche Ambitionen, sondern vielmehr für wechselnde Untergründe und lange Etappen.

Auch akustisch präsentiert sich der Discovery Sport ausgesprochen zurückhaltend. Wind- und Abrollgeräusche bleiben selbst bei höheren Geschwindigkeiten dezent im Hintergrund. In Kombination mit der aufrechten Sitzposition entsteht ein fast schon entspannter Reisecharakter, der eher an größere SUVs erinnert.


Platzangebot: Mehr Discovery als Sport

Besonders beeindruckend ist das Raumangebot. Trotz der technischen Nähe zum Evoque bietet der Discovery Sport deutlich mehr Platz. Im Fond sitzen zwei Erwachsene äußerst komfortabel, drei finden ausreichend Raum vor. Die Kopffreiheit fällt großzügig aus, ebenso die Beinfreiheit. Hier zeigt sich klar die Discovery-DNA.

Der Kofferraum unterstreicht diesen Eindruck. Mit einem maximalen Ladevolumen von knapp 1.800 Litern bei umgeklappter Rückbank spielt der Discovery Sport in einer Liga, die selbst viele Mittelklasse-SUVs nicht erreichen. Dass er optional sogar als Siebensitzer erhältlich war, passt ins Bild eines Fahrzeugs, das Nutzwert konsequent über Lifestyle stellt.

Unterm Strich ist der Innenraum eines der stärksten Argumente für den Discovery Sport. Er ist nicht spektakulär, aber durchdacht, hochwertig und erstaunlich großzügig – Eigenschaften, die man heute immer seltener in dieser Konsequenz findet.


Der Antrieb des Land Rover Discovery Sport

Der Land Rover Discovery Sport D165 zeigt bereits nach den ersten Kilometern, dass die Bezeichnung „Einstiegsmotorisierung“ diesem Antrieb nicht gerecht wird. Der 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel leistet 163 PS und stellt sein maximales Drehmoment von 380 Newtonmetern früh zur Verfügung. Entscheidend ist dabei weniger die nackte Zahl als vielmehr die Art, wie dieser Motor arbeitet. Die Laufkultur ist außergewöhnlich kultiviert, das Geräuschniveau bleibt selbst unter Last auffallend niedrig. Im Innenraum ist der Selbstzünder kaum als solcher wahrzunehmen.

Unterstützt wird der Diesel von einem Mildhybrid-System, das Start-Stopp-Vorgänge sehr weich ausführt und das Ansprechverhalten im unteren Drehzahlbereich glättet. Das Zusammenspiel wirkt ausgereift und konsequent auf Komfort getrimmt. Die serienmäßige 9-Gang-Automatik passt hervorragend zum Charakter des Discovery Sport. Sie schaltet sanft, unaufgeregt und hält den Motor meist im optimalen Drehzahlfenster. Gerade im Stadtverkehr und bei gleichmäßigem Tempo wirkt der Antrieb souverän und entspannt.

Auf der Autobahn überzeugt der Discovery Sport mit hoher Laufruhe. Bis in höhere Geschwindigkeitsbereiche hinein bleibt die Geräuschkulisse angenehm gedämpft, Wind- und Abrollgeräusche dringen nur zurückhaltend in den Innenraum. Der Vortrieb ist für den Fahrzeugcharakter völlig ausreichend, ohne sportliche Ambitionen zu wecken. Der Discovery Sport will nicht hetzen, sondern gelassen Strecke machen – und genau das beherrscht er sehr gut.

Das Fahrwerk ist klar komfortorientiert abgestimmt. Lange Federwege und eine weiche Grundcharakteristik sorgen dafür, dass schlechte Straßenbeläge souverän weggefiltert werden. In Kurven neigt sich die Karosserie spürbar, bleibt dabei aber jederzeit kontrollierbar und sicher. Die Lenkung ist leichtgängig, gut berechenbar und passt hervorragend zum entspannten Gesamtcharakter.

Abseits befestigter Straßen zeigt der Discovery Sport seine markentypischen Stärken. Allradtechnik, verschiedene Terrain-Programme und Systeme wie Wade Sensing unterstreichen die echte Geländekompetenz, die in dieser Klasse längst nicht selbstverständlich ist. Bremsen und Traktion arbeiten auch bei hohem Fahrzeuggewicht zuverlässig und gut dosierbar.


Alltag & Verbrauch

Im Alltag zeigt der Land Rover Discovery Sport D165 genau die Qualitäten, die man von einem komfortorientierten Premium-SUV erwartet. Die erhöhte Sitzposition verschafft eine sehr gute Übersicht, die großen Fensterflächen erleichtern das Rangieren und das souveräne Fahrwerk sorgt dafür, dass selbst schlechte Straßen ihren Schrecken verlieren. Gerade im täglichen Pendelverkehr, auf längeren Überlandstrecken oder im Familienbetrieb fühlt sich der Discovery Sport angenehm unaufgeregt an. Er verlangt keine Anpassung vom Fahrer, sondern integriert sich problemlos in verschiedenste Nutzungsszenarien.

Trotz seiner stattlichen Erscheinung bleibt der Discovery Sport handlich genug für den urbanen Einsatz. Die Lenkung ist leicht, der Wendekreis für diese Fahrzeugklasse moderat und die Assistenzsysteme helfen beim Einparken und Manövrieren zuverlässig. Besonders angenehm fällt auf, wie leise der Innenraum auch bei höherem Tempo bleibt. Wind- und Abrollgeräusche sind sehr gut gedämmt, was längere Strecken spürbar entspannter macht.

Beim Verbrauch liefert der D165 ein insgesamt stimmiges Bild. Im gemischten Fahrbetrieb pendelte sich der Durchschnitt bei rund 6,9 Litern auf 100 Kilometer ein und lag damit nur minimal über der Herstellerangabe. Für ein SUV dieser Größe, mit Allradtechnik und einem Leergewicht von knapp zwei Tonnen, ist das ein überzeugender Wert. Auf defensiv gefahrenen Etappen ließ sich der Verbrauch sogar deutlich senken. Auf der Sparrunde waren etwa 4,7 Liter realistisch erreichbar. Ein Wert, der zeigt, wie effizient der Antrieb bei gleichmäßiger Fahrweise arbeiten kann.

Auch bei höherem Autobahntempo bleibt der Verbrauch im vertretbaren Rahmen. Erst bei dauerhaftem Ausreizen der Leistungsreserven steigt der Diesel in den zweistelligen Bereich. Im Gegenzug profitiert man von einer sehr hohen Reichweite, die den Discovery Sport zu einem angenehmen Langstreckenfahrzeug macht. Lange Etappen ohne häufige Tankstopps gehören klar zu seinen Stärken.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Der Land Rover Discovery Sport zeigt sich in der getesteten S-Ausstattung technisch solide aufgestellt, erlaubt sich aber genau dort Schwächen, wo man sie in dieser Klasse eigentlich nicht mehr erwartet. Positiv fällt zunächst das Grundlayout auf: Das Infotainment-System mit zentralem Touchscreen ist zwar nicht das Größte, aber es arbeitet schnell, logisch und ohne die überladene Menüstruktur mancher Wettbewerber. Die Darstellung ist klar, die Reaktionszeiten kurz, die Integration von Apple CarPlay und Android Auto funktioniert stabil. Ergänzt wird das Ganze durch ein optionales digitales Kombiinstrument, das zwar nicht spektakulär, aber sehr gut ablesbar ist.

Ein echter Pluspunkt bleibt das Bedienkonzept. Land Rover hält konsequent an physischen Bedienelementen fest. Drehregler für Klima und Fahrmodi, echte Tasten für zentrale Funktionen und eine klare Trennung zwischen Fahren und Infotainment sorgen dafür, dass man sich auch während der Fahrt nicht durch Menüs hangeln muss. Gerade im Gelände oder auf schlechten Straßen ist das ein spürbarer Sicherheits- und Komfortgewinn.

Bei den Assistenzsystemen ist der Discovery Sport ordentlich, aber nicht überambitioniert aufgestellt. Spurhalteassistent, Notbremsfunktion, Verkehrszeichenerkennung und adaptive Geschwindigkeitsregelung arbeiten zuverlässig und greifen angenehm zurückhaltend ein. Besonders hilfreich im Alltag und Offroad-Betrieb sind die Kamerasysteme inklusive 360-Grad-Ansicht und Geländevisualisierung, die Hindernisse und Bodenbeschaffenheit sehr präzise darstellen.

Kritik verdient die Lichttechnik in der Basis. Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer liefern eine ordentliche Reichweite, bleiben aber bei Ausleuchtung und Homogenität deutlich hinter dem zurück, was man von der Marke kennt. Wer regelmäßig nachts oder außerhalb urbaner Räume unterwegs ist, sollte zwingend zu den besseren LED- oder Matrix-Systemen greifen. Ähnlich unverständlich ist das Fehlen von Keyless-Zugang und elektrischer Heckklappe im Testwagen. Gerade bei einem SUV mit Premiumanspruch wirken manuelle Heckklappe und klassisches Aufschließen schlicht nicht mehr zeitgemäß.


Varianten & Preise des Land Rover Discovery Sport

Der Land Rover Discovery Sport war bis zuletzt breit aufgestellt, sowohl bei den Ausstattungen als auch bei den Antrieben. Umso bedauerlicher ist es, dass Land Rover den Discovery Sport inzwischen eingestellt hat. Die Konfiguratoren wurden vor Kurzem geschlossen, Neubestellungen sind nicht mehr möglich. Wer sich heute noch für dieses Modell interessiert, ist auf Lagerfahrzeuge oder junge Gebrauchte angewiesen. Gerade vor dem Hintergrund seiner Vielseitigkeit ist das ein leiser, aber spürbarer Abschied.

Zuletzt gliederte sich die Baureihe in mehrere Linien. Der Einstieg begann als Discovery Sport, darüber rangierte der R-Dynamic mit sportlicherer Optik, gefolgt von der Urban Edition und dem Topmodell Sport Black. Preislich startete der Discovery Sport einst knapp unter 40.000 Euro, realistisch konfiguriert bewegten sich die meisten Fahrzeuge jedoch zwischen 50.000 und 60.000 Euro. Unser Testwagen lag mit ausgewählter Ausstattung bei rund 56.000 Euro und damit in einem Bereich, in dem viele deutsche Wettbewerber bereits spürbar teurer auftreten.


Der Land Rover Discovery Sport wurde Zeit seines Lebens unterschätzt

Bei den Motorisierungen bot Land Rover eine ungewöhnlich ausgewogene Palette. Der hier gefahrene D165 markierte den Einstieg und setzte auf Frontantrieb, während alle stärkeren Varianten serienmäßig mit Allrad ausgerüstet waren. Darüber rangierte der D200 mit 204 PS, der vor allem für Anhängerbetrieb die bessere Wahl darstellte. Auf der Benzinerseite stand der P200 zur Verfügung, ergänzt durch den Plug-in-Hybrid P300e mit 309 PS Systemleistung, der vor allem für Dienstwagenfahrer interessant war.

Rückblickend zeigt sich: Der Discovery Sport war nie ein Schnäppchen, aber fair kalkuliert. Angesichts seiner Raumverhältnisse, der Materialqualität und der echten Geländekompetenz bot er ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das viele Premium-SUVs so nicht abbilden konnten. Dass dieses Modell nun aus dem Programm genommen wurde, hinterlässt eine Lücke – nicht nur bei Land Rover, sondern im gesamten Segment der kompakten, wirklich vielseitigen Premium-SUVs.


Kundenfeedback

Wer sich durch aktuelle Erfahrungsberichte von Discovery-Sport-Fahrern liest, stößt erstaunlich schnell auf zwei wiederkehrende Tonlagen: viel Lob für das, was man im Alltag sofort spürt – und spürbare Skepsis bei allem, was „modern vernetzt“ sein soll. Viele Besitzer beschreiben den Discovery Sport als sehr angenehmes Reiseauto, gerade auf langen Strecken. Gelobt werden die ruhige Kabine, der komfortable Federungseindruck und die „Range-Rover-nahe“ Sitzposition, die Übersicht und Gelassenheit vermittelt. Auch das Raumgefühl wird häufig positiv erwähnt: vorn entspannt, hinten erstaunlich erwachsen, dazu ein Kofferraum, der in der Fünfsitzer-Logik wirklich viel wegsteckt. Wer den Siebensitzer nutzt, ist hingegen realistischer: Die dritte Reihe gilt eher als Kinder- oder Notlösung, und mit aufgestellten Extrasitzen schrumpft der Laderaum schnell in Richtung Wochenendtaschen.

Auffällig ist außerdem, dass viele Fahrer die Gelände-Fähigkeiten nicht als Marketinggag abtun. Selbst wenn der Alltag meist aus Stadt und Autobahn besteht, werden Traktion, Bodenfreiheit, Assistenzsysteme fürs Rangieren und die „es geht einfach weiter“-Mentalität bei schlechtem Wetter als echter Mehrwert beschrieben.


Software-Zicken und Optionen als Kritikpunkte

Kritik entzündet sich in den Berichten überproportional oft an Elektronikthemen: Softwarezicken, Aussetzer bei Konnektivität, einzelne Sensor-Meldungen oder sporadische Infotainment-Launen. Dazu kommt ein wiederkehrender Ärger über die Optionspolitik: Dinge, die in dieser Klasse als selbstverständlich gelten (Komfortzugang, elektrische Heckklappe, stärkere Lichttechnik), sind je nach Konfiguration entweder teuer oder fehlen – und genau dort kippt die Stimmung.

Unterm Strich: sehr stimmiger, komfortabler Allrounder, aber mit einem „Options- und Elektronik-Risiko“, das viele Interessenten spätestens jetzt – nach Schließung der Konfiguratoren – umso genauer prüfen würden. Dennoch überwiegend laut unserer Recherche die positiven Aspekte. Nahezu jeder Besitzer kann den „Disco Sport“ bedenkenlos weiterempfehlen. Viele planen sogar, ihr Exemplar an die nächste Generation weiterzugeben.


Fazit zum Land Rover Discovery Sport

Der Land Rover Discovery Sport verlässt die Bühne leise – und genau das fühlt sich falsch an. Denn dieses Modell war über Jahre hinweg einer der ausgewogensten Vertreter im Segment der mittelgroßen Premium-SUVs. Kein Blender, kein Lifestyle-Gadget, sondern ein Fahrzeug mit klarer Funktion, echter Substanz und einem Charakter, der sich nicht anbiedern musste. Dass die Konfiguratoren inzwischen geschlossen sind und der Discovery Sport eingestellt wurde, ist deshalb mehr als nur eine Randnotiz. Es ist ein Verlust für ein Segment, das ohnehin zunehmend homogener wird.

Im Alltag überzeugt der Discovery Sport mit genau den Qualitäten, die heute fast schon aus der Mode geraten sind: hervorragender Federungskomfort, hohe Langstreckentauglichkeit, sehr gute Geräuschdämmung und ein Raumangebot, das selbst größere Familien nicht vor organisatorische Probleme stellt. Der getestete D165-Diesel unterstreicht diesen Eindruck eindrucksvoll. Kultiviert, sparsam und kräftiger, als es das Datenblatt vermuten lässt, passt er ideal zum Charakter des Fahrzeugs. Sportlich im klassischen Sinne ist das nicht – muss es aber auch nicht sein.

Seine größte Stärke bleibt die Vielseitigkeit. Der Discovery Sport kann Alltag, Reise und Gelände, ohne sich dafür verstellen zu müssen. Genau hier unterscheidet er sich von vielen Wettbewerbern, die zwar moderner auftreten, aber funktional deutlich enger gefasst sind. Gleichzeitig zeigt der Test aber auch, wo Land Rover Chancen hat liegen lassen. Die Optionspolitik wirkt rückblickend unnötig kompliziert, einzelne Komfortfeatures fehlen dort, wo man sie erwartet hätte, und elektronische Details hätten reifer sein dürfen.

Gerade deshalb ist das Ende dieses Modells so bedauerlich. Der Discovery Sport war kein lauter Star, sondern ein verlässlicher Begleiter mit Charakter. Sein Abschied markiert weniger das Ende eines Fahrzeugs als vielmehr das Verschwinden eines Fahrzeugtyps, der Komfort, Raum und echte Geländekompetenz selbstverständlich miteinander verband. Wer heute noch einen bekommt, erwirbt keinen Auslaufartikel – sondern ein SUV alter Schule im besten Sinne.


Konkurrenzmodelle

Im Umfeld des Land Rover Discovery Sport tummeln sich zahlreiche Mittelklasse-SUVs, doch nur wenige decken ein ähnlich breites Nutzungsspektrum ab. Die klassischen Premium-Vertreter heißen BMW X3, Audi Q5, Mercedes GLC (Test des Mercedes-Benz GLC 300de) und Volvo XC60. Sie überzeugen mit moderner Technik, effizienten Antrieben und hoher Verarbeitungsqualität, setzen ihren Schwerpunkt aber klar auf Straße, Komfort und Image. Allrad ist hier eher Sicherheitsnetz als Werkzeug, echte Geländekompetenz spielt praktisch keine Rolle mehr.

Stärker auf Raum und Familie zielen Modelle wie Skoda Kodiaq (Test des Skoda Kodiaq 4×4), VW Tayron und Cupra Terramar (Test des Cupra Terramar VZ). Alle drei sind als Siebensitzer erhältlich und bieten üppige Platzverhältnisse, moderne Assistenzsysteme und effiziente Antriebe. Der Kodiaq glänzt mit maximalem Nutzwert, bleibt aber bewusst emotionslos. Der Tayron positioniert sich als eleganter Familien-Volkswagen mit viel Technik, während der Terramar sportlicher auftreten will, konzeptionell aber eher ein dynamischer Crossover als ein robuster Allrounder ist.

Auch Kia Sorento (Test des Kia Sorento Facelift) und Hyundai Santa Fe (Test des Hyundai Santa Fe Hybrid) gehören in diese Runde. Beide kombinieren sieben Sitze mit viel Serienausstattung, solider Allradtechnik und hoher Langstreckentauglichkeit. Sie sind komfortabel, modern und rational stark – verzichten jedoch ebenfalls auf echten Offroad-Fokus und die spezielle Gelassenheit, die ein Land Rover im schwierigen Terrain vermittelt.

Genau hier lag die Sonderstellung des Discovery Sport. Er verband Premium-Anmutung, optional sieben Sitze, hohe Alltagstauglichkeit und echte Traktion abseits befestigter Wege. Mit seiner Einstellung verschwindet kein weiteres SUV, sondern ein Fahrzeugtyp, der zwischen Lifestyle, Familie und Gelände eine selten gewordene Balance hielt.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D


WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner