Leapmotor B03X
, ,

Leapmotor B03X im Erstkontakt – Urbane Cleverness

Die erste Begegnung mit dem Leapmotor B03X führt uns zu einem Elektro-SUV, dessen vollständige Modellbezeichnung ein wenig danach klingt, als hätte jemand bei Apple ein Auto bestellt: B03X ProMax Design. Tatsächlich steckt dahinter jedoch keine Marketing-Übung mit Titanrahmen und jährlich versetzter Kameraposition, sondern die stärkere und besser ausgestattete von zwei angebotenen Varianten. Wir fuhren sie bei der nationalen Pressevorstellung in Düsseldorf in Tundra Grey und mit schwarzem Eco-Leder.

Leapmotor selbst bezeichnet den B03X als „Einfach cleveres Auto“. Das besitzt ungefähr den erotischen Esprit einer Gebrauchsanweisung für eine Mikrowelle, beschreibt den Anspruch aber ziemlich präzise. Der neue Stromer will kein Statussymbol sein und ebenso wenig die nächste große Revolution ausrufen. Er möchte auf überschaubarem Raum möglichst viel Auto bieten, im Alltag funktionieren und dabei so wenig kosten, dass man bei manchem europäischen Wettbewerber vorsichtshalber noch einmal den Konfigurator aktualisiert.

Mit knapp 4,30 Metern Länge tritt der B03X im zunehmend umkämpften Segment der kleinen SUV an. Er wirkt kompakt, leicht hochbeinig und freundlich genug, um weder Nachbarn noch Tiefgaragen zu verschrecken. Gleichzeitig bleibt selbst die von uns gefahrene Topversion deutlich unterhalb von 30.000 Euro. Das schafft Erwartungen – und weckt Misstrauen. Denn irgendwo, so lehrt es die Erfahrung, muss der Taschenrechner schließlich zugeschlagen haben.

Die erste Überraschung folgt deshalb nicht beim Blick auf eine Ausstattungsliste, sondern unterwegs. Der B03X fährt auffallend gelassen, bleibt auch bei höherem Tempo souverän und behandelt schlechte Fahrbahnoberflächen mit einer Ruhe, die wir in dieser Preis- und Größenklasse nicht zwingend erwartet hätten. Seine Leistung trägt er nicht wie eine übergroße Monstranz vor sich her. Stattdessen wirkt das gesamte Auto darauf ausgelegt, seinem Fahrer möglichst wenig Drama und dem Akku möglichst wenig Arbeit zu bereiten.

Ganz ohne chinesische Eigenheiten geht es dennoch nicht. Leapmotor verwechselt Minimalismus stellenweise mit der vollständigen Abschaffung von Tasten, manche Assistenten entwickeln einen beinahe fürsorglichen Kontrollzwang und ein bestimmtes Bauteil im Kofferraum dürfte direkt aus der Buchhaltung stammen. Dafür hält der B03X an anderer Stelle Lösungen bereit, bei denen sogar ein Honda Jazz anerkennend die Rückbank hochklappen würde.

Bleibt die entscheidende Frage: Ist der Leapmotor B03X lediglich ein bemerkenswert günstiges Elektroauto – oder ein bemerkenswert gutes, das zufällig günstig angeboten wird? Nach unserer ersten ausführlichen Runde durch Stadt, Landstraße und Autobahn fällt die Antwort deutlich weniger bequem für die etablierte Konkurrenz aus, als sie es vermutlich gern hätte. Fahrbericht.


Der Look

Mit 4,27 Metern Länge, 1,81 Metern Breite und 1,64 Metern Höhe gehört der Leapmotor B03X zu jener Sorte SUV, die ihre Umwelt nicht allein durch schiere Grundfläche unterwerfen möchte. Der Radstand von 2,61 Metern fällt im Verhältnis zur Außenlänge großzügig aus, die Überhänge bleiben kompakt. Zusammen mit 175 Millimetern Bodenfreiheit entsteht eine leicht hochbeinige Statur, ohne dass der B03X dabei aussieht, als hätte man einem Kleinwagen nachträglich Wanderschuhe angezogen.

An der Front trägt er die inzwischen markentypische Lichtsignatur von Leapmotor. Die schmalen LED-Elemente sind dreiteilig gestaffelt und geben dem B03X auch aus einiger Entfernung einen hohen Wiedererkennungswert. Dazwischen sitzt das reduzierte Markenlogo, während weiter unten im angedeuteten Unterfahrschutz zusätzlich der vollständige Leapmotor-Schriftzug untergebracht wurde. Doppelte Kennzeichnung hält offenbar besser. Einige vertikale Designelemente lockern die ansonsten weitgehend geschlossene Front auf und werden am Heck erneut aufgegriffen. Dadurch wirkt das Design nicht überladen, aber auch nicht so glatt, als hätte man die Karosserie direkt aus einem Seifenstück geschnitzt.

In der Seitenansicht treten die kurzen Überhänge und das vergleichsweise lange Dach deutlicher hervor. Schwarze Beplankungen um Radhäuser, Schweller und Stoßfänger liefern den erwartbaren SUV-Anteil, während die 18-Zoll-Leichtmetallräder mit Reifen im Format 215/50 R18 die Radhäuser ordentlich ausfüllen. Die bündig integrierten Türgriffe verlangen keine ausfahrende Choreografie, sondern lassen sich schlicht greifen. Das ist weniger spektakulär, dürfte aber spätestens nach dem ersten Winter als überraschend vernünftige Entscheidung gelten. Ein weiterer Leapmotor-Schriftzug an der Flanke stellt sicher, dass selbst seitlich keine Zweifel an der Herkunft aufkommen.

Unser Testwagen trug Tundra Grey, einen hellen Grauton, der dem B03X ausgesprochen gut steht und seine schwarzen Anbauteile sauber hervorhebt. Alternativ reicht die Farbpalette von Berry Blue und Seaweed Green über Acorn Brown und Galaxy Silver bis Rime Beige. Damit bietet Leapmotor immerhin mehr Auswahl als das übliche Dreigestirn aus Schwarz, Weiß und dem Grau eines Verwaltungsgebäudes. Ein Glasdach ist selbst für den ProMax Design nicht vorgesehen, wodurch die Dachlinie geschlossen und optisch angenehm ruhig bleibt.

Am Heck ziehen die LED-Rückleuchten die Mundwinkel sichtbar nach oben. Leapmotor spricht selbst von einem „Smile-Effekt“, und tatsächlich schaut der B03X seinem Hintermann beinahe unverschämt gut gelaunt entgegen. Diese lustige Lichtgrafik betont die Fahrzeugbreite, während die erneut verwendeten vertikalen Elemente und der angedeutete Unterfahrschutz den Bezug zur Front herstellen.

Der B05 mag in unseren Augen das coolere Auto sein. Der B03X versucht jedoch gar nicht erst, dessen flachere Proportionen nachzuahmen. Er bleibt kompakt, aufrecht und freundlich, trägt seine SUV-Zutaten gut sichtbar und schafft dabei das seltene Kunststück, hochbeinig zu wirken, ohne deshalb hässlich zu werden.


Und innen?

Im Innenraum setzt der Leapmotor B03X auf jene Form von Minimalismus, bei der Designer sehr früh beschließen, dass sichtbare Schalter das Auge unnötig belasten. Entsprechend wird das Armaturenbrett vom großen Zentraldisplay dominiert, während vor dem Fahrer immerhin noch ein separates, angenehm ablesbares Instrumentendisplay sitzt. Die horizontale Gestaltung lässt das Cockpit breit und aufgeräumt wirken. Vier echte Fensterheberschalter, Tasten am Lenkrad und zwei Lenkstockhebel bilden quasi die gesamte physische Bedienmannschaft. Der Rest wurde erfolgreich wegdigitalisiert und wartet in den Tiefen des Bildschirms auf seinen Einsatz.

Unser ProMax Design besaß die schwarze Innenausstattung Current Black. Alternativ steht Oat-Grey zur Wahl, ohne dass Leapmotor dafür einen Aufpreis verlangt. Das verwendete Eco-Leder fühlt sich ungewöhnlich an: weich und elastisch, zugleich aber etwas gummiartig. Erinnerungen an das Silikonleder des C10 (Test des Leapmotor C10 REEV) werden wach, je nach persönlicher Wahrnehmung ergänzt um eine zarte Note aus Taucheranzug und Latexhandschuh. Unangenehm ist das Material nicht, eine klassische Lederanmutung sollte man allerdings ebenfalls nicht erwarten.

Die Vordersitze sind komfortabel gepolstert und bieten einen ordentlichen, wenn auch nicht besonders ausgeprägten Seitenhalt. Der Fahrersitz lässt sich sechsfach elektrisch einstellen, der Beifahrer muss seine Position dagegen weiterhin von Hand suchen. Eine Lordosenstütze, Sitzbelüftung oder Memory-Funktion gibt es nicht. Die leicht erhöhte Sitzposition passt zum Charakter des kleinen SUV und dürfte unserer Meinung nach auch auf längeren Strecken angenehm bleiben. Lediglich das Lenkrad dürfte sich für kleinere Fahrer etwas weiter nach unten verstellen lassen.

Zwischen den Vordersitzen baut Leapmotor eine stattliche Mittelkonsole auf. Sie bietet zwei Getränkehalter, ein geschlossenes Fach und zusätzlichen Stauraum in der unteren Ebene. Ablagen gibt es auch in den Türen, ohne dass der B03X daraus eine wissenschaftliche Disziplin macht. Bei einzelnen Details wird der Rotstift sichtbar: Die Kleiderhaken im Fond wirken nicht sonderlich robust, und einen Haltegriff über der Fahrertür spart sich Leapmotor vollständig. Der Fahrer habe schließlich das Lenkrad – Fürsorge kann so einfach sein.

Erstaunlich großzügig fällt dagegen die zweite Reihe aus. Der bequeme Einstieg und die aufrechte Dachlinie schaffen reichlich Kopf- und Beinfreiheit, selbst wenn vorne bereits eine angenehme Sitzposition eingestellt wurde. Der vollständig ebene Fußraum hilft auch dem mittleren Passagier, dessen Sitzplatz wegen der begrenzten Innenraumbreite dennoch eher für kürzere Strecken oder besonders harmonische Reisegruppen taugt. Vier Erwachsene bringt der B03X dagegen ohne Verrenkungen unter.

Kartentaschen an den Rückseiten der Vordersitze und eigene Luftausströmer sucht man hinten vergeblich. Dafür stehen Türablagen, ein kleines Fach an der Mittelkonsole und gut erreichbare ISOFIX-Aufnahmen bereit. Die eigentliche Besonderheit bilden jedoch die Magic Seats: Ihre Sitzflächen lassen sich wie beim Honda Jazz nach oben klappen und rasten dort zuverlässig ein. So entsteht hinter den Vordersitzen ein hoher, vielseitig nutzbarer Stauraum – und der Jazz darf feststellen, dass gute Ideen irgendwann eben doch Gesellschaft bekommen.


Der Antrieb des Leapmotor B03X

Im ProMax Design sitzt an der Vorderachse ein Elektromotor mit 145 kW beziehungsweise 197 PS. Das maximale Drehmoment von 200 Newtonmetern wirkt auf dem Papier beinahe zurückhaltend, insbesondere in einer Zeit, in der selbst elektrische Familienautos beim Ampelstart gelegentlich den Eindruck vermitteln möchten, sie seien auf der Flucht vor Interpol. Der B03X beschleunigt in 8,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht maximal 160 km/h.

Wie kräftig sich der Antrieb anfühlt, hängt deutlich vom gewählten Fahrmodus ab. In der normalen Abstimmung würden wir dem B03X subjektiv eher 150 bis 160 PS zuschreiben. Er reagiert ordentlich auf das Fahrpedal, drängt seine Leistung jedoch nicht in den Vordergrund. Der sparsamste Modus schnürt den Antrieb merklich zu, während Sport die vorhandenen 197 PS wesentlich deutlicher hervortreten lässt. Auch dann gibt es weder eine plötzliche Leistungsexplosion noch unnötiges Zerren an der Vorderachse. Der Leistungsaufbau bleibt linear, berechenbar und ausgesprochen leicht kontrollierbar.

Das macht den B03X zu einem beinahe narrensicheren Auto. Er möchte seinen Fahrer nicht beeindrucken, indem er beim ersten kräftigen Gasstoß die Halswirbel neu sortiert. Stattdessen stellt er seine Leistung genau dann zur Verfügung, wenn sie benötigt wird. Im Stadtverkehr reicht bereits der Standardmodus vollkommen aus, auf der Autobahn liefert Sport zusätzliche Reserven. Auch bei höheren Geschwindigkeiten bleibt der Vortrieb gleichmäßig, bevor bei 160 km/h elektronisch Schluss ist.

Passend dazu lässt sich die Lenkung in drei Stufen konfigurieren. Die Unterschiede sind spürbar, ohne den Charakter des Autos grundlegend zu verändern. Uns gefiel die sportlichste Einstellung am besten, da sie den größten Lenkwiderstand bietet. Mehr echte Rückmeldung entsteht dadurch zwar nicht, doch das Lenkrad liegt satter in der Hand und vermittelt zumindest weniger das Gefühl, mit einem sehr großen Spielecontroller zu arbeiten.

Überraschend überzeugend fällt das Fahrwerk aus. Vorne arbeitet eine McPherson-Konstruktion, hinten eine Verbundlenkerachse – technisch also eher solide Hausmannskost als eine Bewerbung für den nächsten Fahrdynamikpreis. Trotzdem filtert der B03X kleinere Unebenheiten sauber heraus und bewahrt auch auf schlechteren Fahrbahnen lange seine Ruhe. Er erreicht nicht ganz die Ausgewogenheit des größeren B10 (Test des Leapmotor B10 2026), wirkt für seine Abmessungen und seine Preisklasse jedoch bemerkenswert erwachsen. Selbst zwischen 130 und 160 km/h bleibt er stabil und spurtreu.

Auch akustisch zeigt sich der kleine Crossover kultivierter als erwartet. Bei Autobahntempo treten vor allem Windgeräusche in den Vordergrund, bleiben aber selbst bei 130 bis 140 km/h auf einem Niveau, das Unterhaltungen in normaler Lautstärke erlaubt. Die Abrollgeräusche halten sich noch stärker zurück.

Drei klar unterscheidbare Rekuperationsstufen sowie ein One-Pedal-Modus erlauben die Anpassung der Verzögerung. Letzterer bremst den B03X bis zum vollständigen Stillstand und hält ihn dort. Wer lieber das Bremspedal nutzt, erlebt einen harmonischen Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Bremse. Ein künstliches Umschalten oder wechselnde Druckpunkte drängen sich nicht ins Bewusstsein – genau dort gehören sie auch nicht hin.


Alltag & Verbrauch

Mit 407 Litern Kofferraumvolumen bietet der Leapmotor B03X genügend Platz für die üblichen Aufgaben zwischen Wocheneinkauf, Kinderwagen und Wochenendgepäck. Werden die Rücksitzlehnen umgelegt, wächst das Volumen auf 1.358 Liter. Dabei entsteht eine nahezu ebene Ladefläche; die verbleibende Stufe misst lediglich ungefähr zwei Zentimeter und dürfte im Alltag kaum stören. Vom Kofferraum aus lassen sich die Lehnen allerdings nicht entriegeln. Dafür muss man zu den hinteren Türen gehen – Bewegung soll schließlich gesund sein.

Die Ladeöffnung fällt entsprechend der überschaubaren Fahrzeugbreite nicht besonders weit aus, eine störende innere Ladekante gibt es jedoch nicht. Unter dem Ladeboden wartet die sogenannte GigaBox mit 105 Litern zusätzlichem Stauraum. Das tiefe, ausgeformte Kunststofffach ist abwaschbar und nimmt Ladekabel, schmutzige Schuhe oder einen beträchtlichen Teil des Wocheneinkaufs auf. Ein Frunk ist nicht vorhanden, angesichts dieses Untergeschosses lässt sich der Verlust aber verschmerzen. Hinzu kommen eine LED-Leuchte, ein Taschenhaken und ein 12-Volt-Anschluss.

Weniger überzeugend gerät die Hutablage. Sie besteht aus bemerkenswert dünnem Material, ist nicht mit der Heckklappe verbunden und bleibt beim Öffnen folglich dort liegen, wo sie ist. Schon unbeladen hängt sie sichtbar durch. Vermutlich wollte Leapmotor demonstrieren, dass sich konsequenter Leichtbau auch an Stellen verwirklichen lässt, an denen niemand darum gebeten hat. Eine elektrische Heckklappe gibt es selbst beim ProMax Design nicht.

Seine deutlich größere Stärke offenbart der B03X beim Energieverbrauch. Nach unserer rund 75 Kilometer langen Runde durch Stadt, über Landstraßen und über die Autobahn zeigte der Bordcomputer lediglich 13,1 kWh pro 100 Kilometer an. Bei besonders zurückhaltender Fahrt im Stadtverkehr waren sogar 10,4 kWh pro 100 Kilometer möglich. Das sind für einen leicht erhöhten Crossover ausgesprochen niedrige Werte und zugleich ein deutlicher Hinweis darauf, mit welcher Priorität Leapmotor dieses Auto auf Effizienz getrimmt hat.

Der LFP-Akku des ProMax Design besitzt eine Kapazität von 53 kWh, die laut Leapmotor brutto wie netto nutzbar sind. Bei unserem gemischten Verbrauch ergäbe sich daraus rechnerisch eine Reichweite von rund 405 Kilometern. Mit dem Stadtwert wären theoretisch sogar etwa 510 Kilometer möglich. Beide Zahlen sind Hochrechnungen und keine vollständig gefahrenen Reichweitentests; die offizielle WLTP-Angabe liegt bei 382 Kilometern. Und diese ist – unsere Werte bei rund 22 Grad Außentemperatur zugrundegelegt – ziemlich realistisch.

Geladen wird dreiphasig mit 11 kW Wechselstrom oder mit maximal 133 kW Gleichstrom. Leapmotor nennt 21 Minuten für den Bereich von zehn bis 80 Prozent sowie 16 Minuten von 30 bis 80 Prozent. Nach Herstellerangaben hält der B03X seine maximale Ladeleistung ungefähr zwischen zehn und 40 Prozent, bevor sie bis etwa 65 Prozent um rund 20 kW sinkt. Eine eigene Ladekurve haben wir während des Erstkontakts nicht aufgezeichnet; diese Prüfung bleibt dem späteren Einzeltest vorbehalten.

Eine Wärmepumpe und die manuelle Batterievorkonditionierung sind serienmäßig. Typ-2- und Haushaltsladekabel werden mitgeliefert. Über Vehicle-to-Load kann der B03X externe Geräte mit bis zu 3,3 kW versorgen, der dafür erforderliche Adapter kostet allerdings extra. Selbst Kaffee kochen kann dieses Auto also – nur das passende Tablett bringt Leapmotor nicht mit.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Das digitale Zentrum des Leapmotor B03X bildet ein 14,6 Zoll großes Infotainmentdisplay mit 2,5K-Auflösung. Dahinter arbeiten Leap OS 4.0 Plus und ein Qualcomm-Snapdragon-8155-Prozessor, was im Alltag vor allem eines bedeutet: Das System reagiert schnell. Menüs öffnen ohne merkliche Verzögerung, Animationen laufen flüssig und selbst die dreidimensionale Fahrzeugdarstellung lässt sich geschmeidig aus jedem Winkel betrachten. An mangelnder Rechenleistung scheitert die Beziehung zwischen Mensch und B03X jedenfalls nicht. Hinzu kommen Leapmotor-OTA-Updates, von denen die Besitzer:innen im besten Fall nur das Ergebnis mitbekommen.

Mehr Eingewöhnung verlangt die Menüstruktur. Wer erstmals einsteigt, muss zunächst verstehen, wo Leapmotor Funktionen abgelegt hat und wie Widgets sowie Schnellzugriffe organisiert sind. Ein Wisch vom oberen Bildschirmrand öffnet eine umfangreiche Auswahl für Ambientebeleuchtung, Spiegel, Auto Hold, Assistenzwarner, Displayhelligkeit und weitere Fahrzeugfunktionen. Nach etwas Trockenübung findet man sich zurecht, während der Fahrt bleibt die vollständige Abwesenheit klassischer Tasten dennoch lästig.

Besonders deutlich zeigt sich das bei der Klimatisierung. Temperatur und Automatikmodus bleiben am unteren Bildschirmrand sichtbar, alle weiterführenden Einstellungen öffnen jedoch ein eigenes Menü. Luftverteilung, Umluft, Scheibenbelüftung, Heizung oder Eco-Modus verlangen dann gezielte Berührungen. Auch Abblendlicht, Lichtautomatik, Leuchtweitenregulierung und Nebelschlussleuchte wohnen im Display. Die Außenspiegel werden zunächst dort aufgerufen und anschließend über die Lenkradtasten eingestellt. Das funktioniert, beantwortet aber gleichzeitig eine Frage, die früher niemand stellen musste.

Nicht vollständig abgeschlossen wirkt die Übersetzung. Während Teile der Navigation und Fahrzeugmenüs Deutsch sprechen, erscheinen andere Bereiche mit Hinweisen wie „No Content to Play“ weiterhin auf Englisch. Der B03X ist also nicht fehlerhaft lokalisiert, sondern lediglich unfreiwillig bilingual.

Das 8,8 Zoll große Fahrerdisplay liefert Geschwindigkeit, Fahrstufe, Restreichweite, Akkustand, Fahrmodus, Kilometerstand, Außentemperatur und Uhrzeit. Navigation und Medien lassen sich ebenfalls einblenden. Ein Head-up-Display fehlt, wird angesichts der übersichtlichen Instrumentierung aber nicht schmerzlich vermisst. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto funktionieren ebenso wie die induktive Smartphone-Ladeschale. Auf dieser muss beim Pressefahrzeug allerdings zugleich die NFC-Schlüsselkarte liegen, damit das Auto startet. Besitzer können stattdessen den digitalen Schlüssel der Leapmotor-App verwenden und den kleinen territorialen Konflikt auf der Mittelkonsole vermeiden.

Die zwölf Lautsprecher klingen ordentlich, ohne sich als heimliche Konzertanlage aufzuspielen. Ähnlich fällt das Urteil über die bildschirmfüllende 360-Grad-Kamera aus: groß, brauchbar aufgelöst und weder Klassenbeste noch Anlass für eine parlamentarische Untersuchung. Praktisch ist die integrierte Frontkamera, die Fahrten als Dashcam aufzeichnen kann. Ein angeschlossener USB-Stick speichert die Videos über den mit „REC“ markierten USB-C-Port.

Mit 21 Assistenzsystemen fährt der B03X umfangreich überwacht. Dazu zählen unter anderem adaptiver Tempomat, Spurzentrierung, automatischer Spurwechsel, Totwinkel- und Querverkehrswarner sowie Frontkollisionswarnung und Notbremsassistent. Nicht alle Helfer beherrschen allerdings die Kunst der Zurückhaltung. Besonders der Notspurassistent erkennt gelegentlich Gefahren, die außer ihm niemand bemerkt hat, und greift entsprechend entschlossen ein. Ohne diesen digitalen Aufpasser fährt sich der B03X erheblich entspannter – was bei einem Assistenzsystem eine eher ungünstige Pointe darstellt.


Varianten & Preise des Leapmotor B03X

Leapmotor hält das Angebot des B03X erfreulich übersichtlich. Es gibt zwei Varianten: Pro Life und ProMax Design. Einzeloptionen sind nicht vorgesehen, weshalb der Konfigurator kaum länger beschäftigt als die Auswahl eines neuen Wasserkochers. Unterschiede in den beiden Varianten entstehen im Wesentlichen durch Akku, Leistung und Ausstattung.

Den Einstieg bildet der B03X Pro Life. Er kombiniert einen 39,8 kWh großen LFP-Akku mit einem 130 kW beziehungsweise 177 PS starken Elektromotor. Das maximale Drehmoment beträgt wie beim stärkeren Modell 200 Newtonmeter, die WLTP-Reichweite wird mit 292 Kilometern angegeben. Zur Serienausstattung gehören unter anderem eine Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, sieben Airbags, 21 Assistenzsysteme, Regensensor, das 14,6-Zoll-Infotainment, ein 8,8-Zoll-Fahrerdisplay, sechs Lautsprecher sowie kabelloses Apple CarPlay und Android Auto.

Bis einschließlich 30. September 2026 kostet der Pro Life 24.900 Euro. Ab dem 1. Oktober steigt der Listenpreis um 500 Euro auf 25.400 Euro. Damit bleibt der B03X selbst nach der Preisanpassung in einem Bereich, in dem viele elektrische Wettbewerber erst beginnen, ihre Förderbedingungen zu erklären.

Der von uns gefahrene ProMax Design erhält ausschließlich den größeren 53-kWh-Akku und den 145 kW respektive 197 PS starken Antrieb. Seine offizielle Reichweite wächst auf 382 Kilometer. Zusätzlich bringt er Eco-Ledersitze, einen sechsfach elektrisch einstellbaren Fahrersitz, beheizbare Vordersitze, Lenkradheizung, automatisch anklappende Außenspiegel, Parksensoren vorne, eine 360-Grad-Kamera, zwölf Lautsprecher, Ambientebeleuchtung und 18-Zoll-Leichtmetallräder mit.

Für den ProMax Design verlangt Leapmotor bis zum 30. September 29.400 Euro, anschließend 29.900 Euro. Der Abstand zum Pro LIFE beträgt damit konstant 4.500 Euro. Dafür gibt es 20 zusätzliche PS, 13,2 kWh mehr Akkukapazität, 90 Kilometer zusätzliche WLTP-Reichweite und einige Komfortmerkmale, die im Alltag regelmäßig genutzt werden. Wer den B03X nicht ausschließlich als günstiges Stadtfahrzeug betrachtet, findet im Aufpreis deshalb eine durchaus nachvollziehbare Investition.

Kostenfrei lackiert Leapmotor den B03X ausschließlich in Acorn Brown. Berry Blue, Tundra Grey, Seaweed Green, Galaxy Silver und Rime Beige kosten jeweils 650 Euro zusätzlich. Unser Testwagen in Tundra Grey überschreitet damit selbst zum Aktionspreis knapp die 30.000-Euro-Marke. Der psychologisch wichtige Preis endet also dort, wo persönlicher Farbgeschmack beginnt. Zwischen Current Black und Oat-Grey im Innenraum kann dagegen ohne Aufpreis gewählt werden.

Weitere Extras lassen sich nicht bestellen. Auch ein Glasdach oder eine elektrische Heckklappe können nicht gegen Aufpreis herbeigekauft werden. Lediglich Zubehör wie der für Vehicle-to-Load erforderliche Adapter wird separat verkauft. Typ-2- und Haushaltsladekabel gehören bereits zum Lieferumfang.

Die Fahrzeuggarantie läuft vier Jahre, für die Hochvoltbatterie gelten acht Jahre. Zur ersten Inspektion muss der B03X nach einem Jahr oder 20.000 Kilometern, anschließend sieht Leapmotor einen zweijährigen Servicerhythmus vor. Erste Kundenfahrzeuge werden bereits ausgeliefert – der B03X ist also keine preisgünstige Zukunftsankündigung, sondern tatsächlich käuflich.


Kundenfeedback

Zum Zeitpunkt unseres Erstkontakts werden die ersten Leapmotor B03X bereits an Kunden ausgeliefert. Belastbare Besitzererfahrungen existieren deshalb bislang jedoch nicht. Zwischen einer feierlichen Fahrzeugübergabe mit roter Schleife und einer fundierten Aussage über den Alltag liegen gewöhnlich einige Wochen, mehrere Ladevorgänge und mindestens ein Moment, in dem irgendeine App beschlossen hat, ein neues Passwort zu verlangen.

Für ein seriöses Kundenfeedback ist die bisherige Datenlage schlicht zu dünn. Einzelne erste Eindrücke, Kommentare unter Präsentationsvideos oder Aussagen von Menschen, die den B03X auf einer Messe fünf Minuten lang betrachtet haben, ersetzen keine tatsächliche Nutzung. Wir verzichten deshalb darauf, aus vereinzelten Wortmeldungen eine angebliche Besitzermeinung zu konstruieren. Die wäre zum jetzigen Zeitpunkt ungefähr so belastbar wie eine Langzeitprognose nach der Probefahrt um den Häuserblock.

Interessant wird künftig vor allem, wie sich die niedrigen Verbrauchswerte unter unterschiedlichen Wetterbedingungen entwickeln und ob der B03X seine versprochene Ladeleistung auch bei wiederholten Schnellladungen zuverlässig hält. Ebenso relevant sind die Stabilität von Leap OS, die Funktion des digitalen Schlüssels, mögliche Veränderungen durch OTA-Updates und das Verhalten der Assistenzsysteme im täglichen Einsatz. Gerade der bei unserer Fahrt übereifrige Notspurassistent dürfte ein Kandidat sein, dessen Verhältnis zur Realität durch spätere Softwarestände noch verbessert werden kann.

Auch klassische Langzeitthemen lassen sich während einer Presseveranstaltung nicht abschließend beurteilen. Dazu gehören die Haltbarkeit des ungewöhnlich beschichteten Eco-Leders, mögliche Geräusche aus dem Innenraum, die Qualität der dünnen Hutablage nach mehreren Monaten sowie Erfahrungen mit Werkstätten, Ersatzteilen und der noch jungen Vertriebsstruktur. Ein Auto kann bei seiner Premiere schließlich tadellos auftreten und sich sechs Monate später dennoch als begeisterter Sammler kleiner Eigenheiten entpuppen.

Unsere ersten Eindrücke deuten auf viel Platz, hohe Variabilität, einen bemerkenswert niedrigen Verbrauch und ein insgesamt erwachsenes Fahrverhalten hin. Das sind jedoch redaktionelle Beobachtungen und keine Kundenstimmen. Sobald eine ausreichend große Zahl verifizierbarer Besitzererfahrungen vorliegt und uns der B03X für einen ausführlichen Einzeltest zur Verfügung steht, wird dieses Kapitel entsprechend ergänzt. Bis dahin bleibt die ehrlichste Form des Kundenfeedbacks ein ebenso unspektakuläres wie korrektes: Für ein belastbares Urteil ist der B03X noch zu neu.


Für wen eignet sich der Leapmotor B03X ?

Der Leapmotor B03X richtet sich vor allem an Menschen, die ein kompaktes Elektroauto suchen, beim Platzangebot aber nicht jeden Wochenendeinkauf als logistisches Großprojekt behandeln möchten. Mit 4,27 Metern Länge bleibt er handlich genug für Stadtverkehr und Parkhäuser, während die hohe Sitzposition, der bequeme Einstieg und das großzügige Raumgefühl eher an ein größeres SUV erinnern. Der Wendekreis von zehn Metern hilft zusätzlich überall dort, wo Stadtplaner offenkundig von deutlich kleineren Fahrzeugen ausgegangen sind.

Besonders gut passt der B03X zu kleinen Familien. Vier Erwachsene finden ausreichend Platz, Kindersitze lassen sich über die gut erreichbaren ISOFIX-Aufnahmen befestigen und der Kofferraum bewältigt den üblichen Familienalltag problemlos. Die hochklappbaren Magic Seats erweitern das Nutzungsspektrum um sperrige oder besonders hohe Gegenstände. Pflanzen, Fahrradzubehör, größere Pakete oder ein Hund mit ausgeprägtem Bedürfnis nach Kopffreiheit lassen sich dadurch leichter unterbringen. Die abwaschbare GigaBox eignet sich zugleich für Ladekabel, nasse Schuhe und alles, was man zwar transportieren, später aber nicht im Teppich wiederfinden möchte.

Auch Pendler gehören zur Kernzielgruppe. Der niedrige Verbrauch macht den B03X gerade im Stadt- und Vorortverkehr ausgesprochen effizient. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, dürfte mit dem ProMax Design mehrere Arbeitstage ohne Steckdosenbesuch absolvieren. Die WLTP-Reichweite von 382 Kilometern, die solide Schnellladeleistung und das ruhige Verhalten auf der Autobahn erlauben zugleich längere Fahrten, ohne dass aus jedem Termin außerhalb des eigenen Postleitzahlengebiets eine Reiseplanung wird.

Der Pro Life empfiehlt sich vor allem als günstiges Stadt- und Pendlerauto, sofern 292 Kilometer Normreichweite ausreichen. Der ProMax Design eignet sich mit größerem Akku, stärkerem Antrieb und zusätzlichen Komfortdetails eher als vollwertiges Erstfahrzeug. Der Aufpreis von 4.500 Euro erscheint besonders für Käufer sinnvoll, die den B03X regelmäßig über den urbanen Radius hinaus bewegen wollen.

Charakterlich spricht der Leapmotor eher Fahrer an, die Ruhe und Berechenbarkeit schätzen. Seine 197 PS sind vorhanden, drängen sich aber nicht ständig in den Vordergrund. Das komfortable Fahrwerk, die gute Geräuschdämmung und die lineare Leistungsentfaltung machen ihn zu einem entspannten Begleiter statt zu einem dauerpubertierenden Ampelsprinter.

Eine gewisse Offenheit gegenüber digitalen Bedienkonzepten sollte allerdings vorhanden sein. Wer sich gern in neue Menüstrukturen einarbeitet, Smartphone-Integration nutzt und seinem Auto gelegentliche OTA-Updates zugesteht, findet schnell Zugang. Markenprestige spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Der B03X möchte nicht vor dem Restaurant beeindrucken, sondern auf dem Weg dorthin möglichst wenig Energie, Nerven und Geld verbrauchen.


Für wen eignet sich der Leapmotor B03X nicht?

Nicht jeder wird mit dem konsequent digitalisierten Bedienkonzept des Leapmotor B03X glücklich. Besonders schwer dürfte es Menschen fallen, die Temperatur, Licht oder Außenspiegel gern mit einem eindeutigen Handgriff einstellen. Im B03X führt fast jeder Weg zunächst über das Zentraldisplay. Zwar reagiert es schnell und bietet zahlreiche Schnellzugriffe, doch eine physische Taste lässt sich auch durch besonders flüssige Animationen nicht ersetzen. Wer während der Fahrt ungern durch Menüs navigiert, wird hier regelmäßig Gelegenheit zur charakterlichen Weiterentwicklung erhalten.

Ähnliches gilt für die Assistenzsysteme. Ihr Umfang ist beachtlich, ihre Zurückhaltung weniger. Vor allem der Notspurassistent greift mitunter ein, obwohl die vermeintliche Gefahr außerhalb seiner eigenen Wahrnehmung kaum existiert. Fahrer, die gern selbst entscheiden, wann eine Situation dramatisch wird, dürften einige Helfer deshalb frühzeitig deaktivieren. Ob die entsprechenden Einstellungen nach jedem Fahrzeugstart erneut vorgenommen werden müssen, verdient beim späteren Einzeltest besondere Aufmerksamkeit.

Auch gehobene Materialansprüche gehören nicht zu den Kernkompetenzen dieses Autos. Der Innenraum ist ordentlich verarbeitet und wirkt keineswegs durchgehend billig, verrät seinen Preis aber an mehreren Details. Kleiderhaken, fehlende Kartentaschen, nicht vorhandene Fondausströmer und vor allem die ausgesprochen dünne Hutablage erinnern daran, dass der Taschenrechner aus der Einleitung tatsächlich irgendwann aufgetaucht ist. Das gummiartige Eco-Leder wird ebenfalls nicht jeden Geschmack treffen.

Für besonders dynamisch orientierte Fahrer ist der B03X ebenfalls nicht gedacht. Seine 197 PS liefern im Sportmodus überzeugenden Vortrieb, doch Lenkung und Fahrwerk setzen stärker auf Sicherheit und Komfort als auf Rückmeldung oder spielerische Agilität. Bei 160 km/h endet der Vortrieb. Wer auf der linken Autobahnspur regelmäßig territoriale Ansprüche durchsetzen möchte, findet geeignetere Werkzeuge – meist allerdings nicht für weniger als 30.000 Euro.

Häufige Langstreckenfahrer sollten ebenfalls genau rechnen. Die Reichweite von 382 Kilometern und maximal 133 kW Ladeleistung genügen für gelegentliche Reisen, gehören aber nicht zur Spitze des Marktes. Wer wöchentlich 800 Kilometer am Stück zurücklegt, wird trotz der ordentlichen Effizienz mehr Zeit an Schnellladesäulen verbringen als mit größeren und teureren Elektroautos.

Einschränkungen bestehen zudem für Nutzer, die drei Erwachsene regelmäßig auf der Rückbank transportieren möchten. Der ebene Boden hilft, die begrenzte Fahrzeugbreite kann er jedoch nicht wegverhandeln. Ebenso wenig eignet sich der B03X derzeit als fest eingeplanter Zugwagen oder Basis für umfangreichen Dachtransport, solange verbindliche Anhänge-, Stütz- und Dachlasten noch fehlen.

Schließlich lässt Leapmotor kaum Raum für Individualisierung. Glasdach, elektrische Heckklappe, spezielle Ausstattungspakete oder einzelne Komfortextras sind nicht bestellbar. Käufer erhalten ein weitgehend vorkonfiguriertes Auto. Das vereinfacht die Entscheidung erheblich – insbesondere dann, wenn man ohnehin genau das möchte, was Leapmotor bereits entschieden hat.


Fazit zum Leapmotor B03X

Der Leapmotor B03X hinterlässt nach unserem Erstkontakt ein für die etablierte Konkurrenz unangenehmes Ergebnis: Sein Preis ist nicht seine Entschuldigung, sondern nur eines seiner Argumente. Die entscheidenden Disziplinen beherrscht er erstaunlich souverän. Er fährt erwachsen, nutzt seinen Innenraum klug und wirkt deutlich ausgereifter, als das Preisschild vermuten lässt.

Natürlich wurde gerechnet. Man merkt es an einigen Materialien, der nahezu religiösen Verehrung des Zentralbildschirms und einer Hutablage, die vermutlich aus einem sehr unglücklichen Versandkarton wiedergeboren wurde. Auch manche Assistenzsysteme helfen mit der diskreten Zurückhaltung eines übereifrigen Türstehers. Das nervt, stellt das überzeugende Grundkonzept aber nicht infrage.

Für uns ist der ProMax Design die interessantere Variante. Der größere Akku erweitert den Einsatzradius, die umfangreiche Serienausstattung macht aus dem kleinen Stromer ein erstaunlich vollwertiges Erstfahrzeug. Ob Ladekurve, Software und Langzeitqualität den starken Eindruck bestätigen, klärt der spätere Einzeltest.

Bis dahin gilt: Der B03X ist kein billiges Auto, das man wegen seines Preises gnädig beurteilen muss. Er ist ein gutes Elektroauto, bei dem an ein paar Stellen sichtbar gespart wurde. Besonders an der Hutablage – vermutlich musste sie sich opfern, damit der Rest so erstaunlich vernünftig werden konnte.


Konkurrenz & Vergleich

Der Leapmotor B03X trifft inzwischen auf ein erstaunlich dicht besetztes Feld kleiner Elektro-SUVs. Offenbar hat die Branche gleichzeitig festgestellt, dass Kunden gern elektrisch fahren würden, dafür aber weder eine Tiefgarage vermieten noch ihr Erstgeborenes beleihen möchten. Mit 4,27 Metern Länge und Preisen zwischen 24.900 und 29.900 Euro sitzt der B03X ziemlich genau im Zentrum dieser neuen Bewegung.

Besonders nah kommen ihm Kia EV2 und Škoda Epiq. Der Kia startet bei 26.600 Euro, bleibt mit 4,06 Metern kompakter und schafft je nach Batterie bis zu 453 Kilometer. Frunk, sieben Jahre Garantie und optionales 22-kW-AC-Laden sprechen für ihn; der B03X bietet dagegen mehr Leistung und Fahrzeug fürs Geld. Noch gefährlicher wirkt der Epiq: Er beginnt bei 27.900 Euro, die 211 PS starke Variante erreicht bis zu 440 Kilometer und kostet mindestens 32.100 Euro. Škoda kontert zudem mit vertrauter Bedienung und etabliertem Servicenetz, Leapmotor mit umfangreicher Serienausstattung und dem günstigeren Gesamtpaket.

Der Renault 4 E-Tech startet bei 29.500 Euro und verbindet bis zu 409 Kilometer Reichweite mit individuellem Design, 750 Kilogramm Anhängelast und deutlich mehr Konfigurationsmöglichkeiten. Dafür ist der B03X stärker und bereits in seiner höchsten Ausführung günstiger. Ähnlich verhält es sich mit dem Volkswagen ID. Cross. Dessen angekündigte Basis soll 27.995 Euro kosten, ist aber erst ab Mitte Oktober bestellbar. Bis dahin beginnt die tatsächlich verfügbare Realität bei 36.525 Euro – Bezahlbarkeit kann bei Volkswagen offenbar einen leicht zeitversetzten Marktstart besitzen.

Hyundai Inster und Fiat Grande Panda Elektro (Test des Fiat Grande Panda) bilden die kleineren Alternativen. Der nur 3,83 Meter lange Inster kostet ab 24.650 Euro und erreicht bis zu 370 Kilometer, bietet allerdings weniger Platz und nur vier Sitzplätze. Der Grande Panda ab 25.990 Euro bleibt ebenfalls unter vier Metern, leistet 113 PS und schafft maximal 320 Kilometer. Beide sind ausgezeichnete Stadtfahrzeuge, ersetzen den geräumigeren und deutlich kräftigeren B03X aber nur bedingt.

Mehr Nutzwert bieten Citroën ë-C3 Aircross (Test des Citroen e-C3 Aircross) und Opel Frontera Electric. Der Citroën startet mit kleiner Batterie bei 26.640 Euro, die rund 400 Kilometer weit reichende Extended-Range-Version kostet mindestens 30.840 Euro. Opel verlangt für den Frontera Electric mindestens 28.990 Euro, mit Extended-Range-Akku werden 31.190 Euro fällig. Beide messen knapp 4,40 Meter, fassen 460 Liter Gepäck und kommen mit großem Akku rund 400 Kilometer weit. Ihre 113 PS verleihen der Fortbewegung allerdings eine gewisse französisch-rheinländische Gelassenheit. Der B03X ist kürzer, stärker und besser ausgestattet, die Stellantis-Zwillinge punkten mit dem größeren Kofferraum.

Suzuki e Vitara und Toyota Urban Cruiser entsprechen dem Leapmotor mit rund 4,28 Metern nahezu maßgenau. Der Suzuki beginnt mit 49-kWh-Batterie bei 29.990 Euro, die bis zu 426 Kilometer weit reichende 61-kWh-Version kostet mindestens 36.490 Euro. Toyota bewirbt den Urban Cruiser bis Ende September mit einem Aktionspreis von 29.470,70 Euro. Die ab 1. Oktober gültige Preisliste beginnt hingegen bei 39.900 Euro, während der 61-kWh-Teamplayer mit bis zu 426 Kilometern Reichweite 45.990 Euro kostet. Beide Modelle bieten verschiebbare Rückbänke und optional sogar Allradantrieb, benötigen am Schnelllader allerdings rund 45 Minuten. Vor allem Toyota demonstriert damit, dass zwei technisch eng verwandte Autos preislich durchaus getrennte Lebenswege einschlagen können.

Der BYD Atto 2 verfolgt ein ähnlich digitales chinesisches Konzept und beginnt bei 31.990 Euro. Wer eine mit dem B03X vergleichbare oder größere Reichweite möchte, muss jedoch zum Atto 2 Comfort greifen: Dessen 64,8-kWh-Akku ermöglicht bis zu 430 Kilometer, hebt den Preis aber auf 41.990 Euro. Reichweite ist schließlich nur dann beruhigend, wenn man vorher nicht auf den Kontostand schaut.

Die eigentümlichste Konkurrenz wartet im eigenen Schauraum. Der größere Leapmotor B10 startet ebenfalls bei 29.900 Euro, leistet 218 PS und bietet wesentlich mehr Platz. Allerdings handelt es sich dabei um die einfachere Life-Version mit 361 Kilometern Reichweite; der B03X ProMax Design ist vollständiger ausgestattet, effizienter und handlicher. Leapmotor liefert somit nicht nur günstige Elektroautos, sondern den passenden Kannibalismus gleich serienmäßig mit.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D


Vorteile ✅

  • Sehr niedriger Praxisverbrauch von 13,1 kWh/100 km
  • Erstaunlich komfortables und souveränes Fahrverhalten
  • Großzügiges Platzangebot für vier Erwachsene
  • Vielseitiger Innenraum mit Magic Seats und nahezu ebenem Ladeboden
  • Starkes Preis-Leistungs-Verhältnis

Nachteile ❌

  • Nahezu sämtliche Funktionen werden über das Zentraldisplay bedient
  • Teilweise übereifrige Assistenzsysteme, insbesondere der Notspurassistent
  • Sichtbare Sparmaßnahmen bei einzelnen Materialien
  • Keine Fondausströmer, keine Kartentaschen, kein Frunk und keine elektrische Heckklappe


Technische Daten des Leapmotor B03X

ModellLeapmotor B03X ProMax Design BEV
Länge x Breite x Höhe (m)4,27 x 1,81 x 1,64
Radstand (mm)2.605
MotorElektromotor
Batteriekapazität (kWh)53,0
Leistung (kW / PS)145 / 197
Drehmoment (Nm)200
Getriebe1-Gang-Reduktionsgetriebe
AntriebFront
KraftstoffartStrom
Durchschnittsverbrauch (WLTP in Liter)15,7
Durchschnittsverbrauch (NEU! in Liter)13,1
CO²-Ausstoß (nach WLTP in g/km)0
Ladeleistung (kW)DC: 133 / AC: 11
0 auf 100 km/h (in Sekunden)8,6
Höchstgeschwindigkeit (km/h)160
Leergewicht (kg)1.625
Kofferraumvolumen (l)407 – 1.358
FarbeTundra Grey (Grau)
Grundpreis (Euro)24.900 (ab 1.10.2026: 25.400)
Testwagenpreis (Euro)30.050
Technische Daten: Leapmotor B03X


WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner