Renault 5 E-Tech
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Renault 5 E-Tech Test – Mehr als eine Hommage

Der Renault 5 E-Tech Test beginnt mit einem seltenen Problem: Man verbringt auffällig viel Zeit damit, das Auto anzusehen, obwohl man eigentlich losfahren wollte. In Pop Yellow, mit schwarzem Dach, pixelartigen Scheinwerfern und quadratischen Tagfahrleuchten braucht dieser elektrische Kleinwagen jedenfalls keine überdimensionierten Kühlergrills, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Renault greift beim neuen Renault 5 E-Tech elektrisch zahlreiche Merkmale des 1972 vorgestellten Originals auf, ohne daraus eine rollende Museumsausstellung zu machen. Die kompakte Silhouette, das steil abfallende Heck und die vertikalen Rückleuchten erinnern an den historischen R5, wurden aber konsequent neu interpretiert. Hinzu kommen zahlreiche kleine Details: Die Zahl 5 findet sich auf den Sitzen, den Felgen und an weiteren Stellen wieder. Selbst die beleuchtete Anzeige auf der Motorhaube trägt nicht nur zur Dekoration bei, sondern informiert über den Ladezustand der Batterie.

Auch im Innenraum bleibt der Renault seiner Linie treu. Melierte Stoffe, gelbe Kontrastnähte, beleuchtete Schriftzüge und ein echter Baguettekorb schaffen ein Ambiente, das irgendwo zwischen moderner Elektromobilität, französischer Verspieltheit und dezentem Rennsport-Flair liegt. Das hätte problemlos in einer bemühten Retro-Inszenierung enden können. Stattdessen wirkt der R5 auf den ersten Blick erstaunlich geschlossen.

Unser Testwagen tritt als Renault 5 E-Tech 150 Comfort Range in der Ausstattung Iconic an. Auf der Straße muss der auffällige Kleinwagen zeigen, ob Fahrwerk, Lenkung und Antrieb mit dem selbstbewussten Auftritt mithalten. Im Alltag zählen dagegen Platz, Bedienung, Reichweite, Ladeeigenschaften und Komfort. Ist der neue R5 am Ende nur ein charmantes Zitat seiner eigenen Vergangenheit – oder steckt unter der gelben Hülle ein richtig gutes Elektroauto? Das wollten wir in einem ersten Test herausfinden. Fahrbericht.


Der Look

Der Renault 5 E-Tech misst 3,92 Meter in der Länge, 1,74 Meter in der Breite und knapp 1,50 Meter in der Höhe. Er beansprucht beim Parken also nicht gleich eine halbe Postleitzahl für sich, steht dank kurzer Überhänge, breiter Spur und kräftig ausgestellter Radhäuser aber erstaunlich satt auf der Straße. Klein ist er zweifellos. Schüchtern offenbar weniger.

Besonders gelungen ist die Front. Die rechteckigen Hauptscheinwerfer greifen die Form des historischen Renault 5 auf und kombinieren sie mit einer pixelartigen Grafik. Darunter sitzen quadratische LED-Tagfahrleuchten, die wie beleuchtete Klammern wirken und dem R5 bereits aus größerer Entfernung eine unverwechselbare Signatur geben. Andere Hersteller benötigen dafür Kühlergrills im Format eines Garagentors. Renault kommt mit zwei Leuchten und einem Rhombus aus.

Auf der Motorhaube sitzt ein weiteres Detail, das zunächst nach Design-Spielerei aussieht, tatsächlich aber eine Funktion besitzt. Die beleuchtete „5“ zeigt den aktuellen Ladestand der Batterie an und erwacht beim Annähern an das Fahrzeug zum Leben. Bei vollständig geladenem Akku erscheint die gesamte Zahl. Das ist nützlich, sympathisch verspielt und wesentlich charmanter als irgendeine weitere blaue Zierleiste, die der Welt erklären soll, dass hier Strom fließt.

In der Seitenansicht sorgen die in der C-Säule versteckten hinteren Türgriffe dafür, dass der Fünftürer beinahe wie ein Dreitürer wirkt. Schwarze Radlaufverkleidungen und Seitenschweller geben der Karosserie zusätzliche Kontur, während eine rote Linie unterhalb des schwarzen Dachs einen feinen Farbakzent setzt. Die 18 Zoll großen Chrono-Leichtmetallräder passen ausgezeichnet zum technisch-verspielten Auftritt. Natürlich findet sich auch auf einer der Speichen wieder eine kleine „5“.

Überhaupt verteilt Renault die Modellbezeichnung mit der Hartnäckigkeit eines Cookie-Banners. Die Zahl taucht an, auf und im Auto so häufig auf, dass selbst besonders vergessliche Fahrer spätestens nach dem dritten Einsteigen wissen dürften, was sie gekauft haben. Erstaunlicherweise wirkt das nicht aufgesetzt, sondern gehört zur liebevoll durchgezogenen Gestaltungsidee.

Das Pop Yellow des Testwagens ist für diesen Auftritt nahezu ideal. Gemeinsam mit dem Dach in Black-Pearl-Schwarz unterstreicht die Farbe den extrovertierten Charakter, ohne die klaren Grundproportionen zu überdecken. Die zusätzliche goldene Dach- und Türbeklebung setzt noch einen drauf, beantwortet aber vor allem eine Frage, die niemand gestellt hat. Der R5 besitzt bereits ohne sie mehr als genug Persönlichkeit.

Am Heck greifen die vertikal angeordneten und stark gegliederten LED-Rückleuchten ein weiteres Merkmal des historischen Vorbilds auf. Eine schwarze Spange mit Renault-Schriftzug verbindet beide Seiten optisch miteinander. Steil stehende Heckscheibe, ausgeprägter Dachspoiler und breite hintere Radhäuser verleihen dem Kleinwagen eine gedrungene Haltung, ohne ihn künstlich aufzublasen.

Ein Schiebe- oder Panoramadach wird allerdings nicht angeboten. Ausgerechnet beim wohl lebensfrohsten Detailpaket im Kleinwagensegment endet die französische Leichtigkeit somit am Dachhimmel.


Und innen?

Unter eben diesem Dachhimmel geht die französische Leichtigkeit wenige Zentimeter tiefer munter weiter. Der Innenraum des Renault 5 E-Tech greift die Außenfarbe unseres Testwagens mit gelb melierten Stoffflächen, Kontrastnähten und zahlreichen kleinen Details auf. Das hätte leicht aussehen können wie ein Zubehörkatalog nach einem besonders motivierten Samstagvormittag. Tatsächlich wirkt das Zusammenspiel erstaunlich stimmig.

Die vorderen Sitze kombinieren gelben und grauen Stoff mit dunklen Seitenwangen in Lederoptik. Eine eingearbeitete „5“ auf der Rückenlehne beseitigt auch hier letzte Zweifel über die Modellidentität. Die ausgeprägten Seitenwangen vermitteln einen Hauch Rennsport-Flair, ohne den Einstieg zu erschweren oder den Komfort zu opfern. Fahrer und Beifahrer sitzen etwas dynamischer eingebettet, behalten aber eine angenehme und alltagstaugliche Sitzposition. Beide Sitze lassen sich in der Höhe verstellen, der Fahrer erhält zusätzlich eine elektrische Lordosenstütze.

Auch das Armaturenbrett beteiligt sich an der Farbdramaturgie. Eine dunkel bezogene Fläche mit gelben Nähten zieht sich vor dem Beifahrer entlang, darunter verläuft eine schmale Ambientebeleuchtung. Der beleuchtete Renault-5-Schriftzug fügt sich in das Gesamtbild ein, ohne gleich die Atmosphäre einer Diskothek kurz vor der Sperrstunde zu erzeugen. Gelbe Stoffeinsätze in den Türen stellen die Verbindung zu den Sitzen her.

Bei den eigentlichen Materialien bleibt der R5 auf dem Boden seiner Fahrzeugklasse. Kunststoff ist reichlich vorhanden, wird aber geschickt mit Stoff, Nähten und unterschiedlichen Oberflächen kombiniert. Selbst Verschraubungen in den Türgriffen verschwinden unter kleinen Abdeckkappen. Das klingt nebensächlich, ist aber genau die Art von Detail, die darüber entscheidet, ob Kunststoff bewusst gestaltet oder lediglich kostengünstig hingeschraubt wirkt. Billig fühlt sich der Innenraum nicht an.

Vor dem Fahrer sitzt ein digitales Kombiinstrument, daneben das 10,1 Zoll große OpenR-Link-Infotainment. Zwischen beiden Bildschirmen verläuft allerdings eine vertikale Klavierlackleiste, in der lediglich der Startknopf sitzt. Im Alltag stört das kaum, doch sie setzt der ansonsten breiten Displaylandschaft eine sichtbare Naht. Die Google-Integration macht Navigation und Menüführung unkompliziert, die Darstellung ist klar und die wichtigsten Informationen sind schnell erreichbar. Besonders angenehm: Renault hat die Klimatisierung nicht vollständig auf dem Touchscreen beerdigt. Unterhalb der mittleren Luftausströmer befindet sich eine Reihe echter Tasten. Offenbar darf man 2026 noch die Temperatur verändern, ohne vorher ein Untermenü zu konsultieren.

Weniger zurückhaltend geht es an der Lenksäule zu. Links befindet sich der Hebel für Licht und Blinker, rechts stapeln sich Fahrstufenwähler, Scheibenwischerhebel und der traditionelle Renault-Bediensatellit für das Audiosystem. Vier Hebel sind technisch beherrschbar, wirken beim ersten Kontakt aber wie eine kleine Sammlung aus verschiedenen Entwicklungsabteilungen. Hinzu kommt, dass der Fahrstufenwähler lediglich R, N und D kennt. Eine separate P-Stellung fehlt.

Das optionale Harman-Kardon-Soundsystem gehört dagegen zu den überzeugenden Ausstattungsdetails. Es spielt klar, kräftig und ausgewogen und bewegt sich klanglich im oberen Bereich. Hier wurde nicht lediglich ein bekanntes Logo auf ein Lautsprechergitter gedruckt und anschließend auf die Wirkung des Markennamens vertraut.

Rechts neben der Mittelkonsole steckt der inzwischen beinahe berühmte Baguettekorb. In unserem Testwagen war er leer, vermutlich hatte ein vorheriger Fahrer den praktischen Teil der Ausstattung bereits aufgegessen. Im Alltag dürfte der geflochtene Korb für die meisten Besitzer eher charmante Kuriosität als unverzichtbare Ablage bleiben.

Im Fond setzt sich die gelb-graue Polsterung fort. Das Platzangebot fällt naturgemäß kompakter aus, reicht aber auch für Erwachsene aus, während die Sitze angenehm gepolstert bleiben. Die schmal gehaltene C-Säule unterstützt zugleich die gute Rundumsicht. Vorne verspricht die stärker konturierte Sitzposition bereits mehr Dynamik, als man einem elektrischen Kleinwagen zunächst zutrauen würde. Ob die 150 PS diesen optischen Vorschuss einlösen, entscheidet sich allerdings erst nach dem Druck auf das Fahrpedal.


Der Antrieb des Renault 5 E-Tech

Der Druck auf das Fahrpedal löst den optischen Vorschuss der stärker konturierten Sitze tatsächlich ein. Im Renault 5 E-Tech arbeitet ein fremderregter Synchron-Elektromotor, der die Vorderräder mit 110 kW beziehungsweise 150 PS und 245 Nm versorgt. Für einen 3,92 Meter langen Kleinwagen ist das eine ausgesprochen vernünftige Menge Leistung. Niemand verliert beim Beschleunigen seine Zahnfüllungen, langsam fühlt sich der R5 aber ganz sicher nicht an.

Aus dem Stand erreicht der Renault 5 nach 3,3 Sekunden Tempo 50, für den Sprint auf 100 km/h benötigt er 8,0 Sekunden. Der Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h dauert 6,1 Sekunden. Gerade im Stadt- und Landstraßenverkehr reagiert der Elektroantrieb spontan und liefert seine Kraft ohne spürbare Verzögerung. Das passt zum Charakter des Autos: lebendig und wach, ohne bei jedem Ampelstart eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Vorderreifen anzuzetteln.

Im Sportmodus spricht das Fahrpedal nochmals direkter an. Der R5 wird dadurch nicht plötzlich zum Rennwagen, wirkt aber merklich aufmerksamer und setzt Gasbefehle engagierter um. Für kurvige Landstraßen reicht das vollkommen aus, zumal der Kleinwagen seine Dynamik nicht allein aus der Motorleistung bezieht.

Einen großen Anteil daran hat die Lenkung. Sie arbeitet angenehm direkt und vermittelt bereits nach wenigen Metern ein gutes Gefühl für die Vorderachse. Der Renault reagiert präzise auf Lenkbewegungen, ohne nervös zu werden oder seine Handlichkeit mit künstlicher Schwere verwechseln zu wollen. Mit einem Leergewicht von 1.524 Kilogramm ist der R5 zwar kein automobiler Federball, trägt seine batteriebedingten Pfunde aber ausgesprochen gelassen.

Auch das Fahrwerk passt zu diesem Auftritt. Es bindet den Renault verbindlicher an die Straße, bleibt dabei jedoch komfortabel genug für den täglichen Einsatz. Bodenwellen und schlechter Asphalt dringen nicht ungefiltert bis zu den Insassen durch, obwohl der Testwagen auf 18 Zoll großen Rädern steht. In Kurven folgt die Karosserie den Lenkbefehlen sauber und kontrolliert. Der R5 vermittelt dadurch mehr Fahrspaß, als seine nüchternen Leistungsdaten zunächst erwarten lassen.

Rekuperation und One-Pedal-Funktion lassen sich unkompliziert nutzen. Im One-Pedal-Modus verzögert der Renault beim Lupfen des Fahrpedals deutlich, wodurch das Bremspedal im Stadtverkehr häufig Pause hat. Nach kurzer Eingewöhnung funktioniert das angenehm intuitiv und passt hervorragend zu einem elektrischen Kleinwagen, der einen großen Teil seines Lebens zwischen Ampeln, Kreisverkehren und Parkhäusern verbringen dürfte.

Bei 150 km/h beendet die Elektronik den weiteren Vortrieb. Für den vorgesehenen Einsatzbereich ist das ausreichend. Wer regelmäßig die linke Autobahnspur als persönlichen Besitzstand betrachtet, dürfte sich ohnehin in der falschen Fahrzeugkategorie umsehen.

Entscheidender als die begrenzte Höchstgeschwindigkeit ist beim Renault 5 die Frage, wie viel Energie sein lebendiger Charakter tatsächlich verlangt. Genau darauf liefert die rund 100 Kilometer lange Teststrecke durch Stadt und über Landstraßen eine erfreulich konkrete Antwort.


Alltag & Verbrauch

Die konkrete Antwort des Bordcomputers lautet 13,3 kWh/100 km. Ermittelt wurde dieser Wert über rund 100 Kilometer auf einer gemischten Strecke durch die Stadt und über Landstraßen. Dabei musste der Renault 5 E-Tech weder künstlich langsam bewegt noch mit ausgeschalteter Klimaanlage und angehaltenem Atem in Richtung Bestwert getragen werden.

Bei normaler Fahrweise pendelt sich der Verbrauch zuverlässig zwischen 13 und 14 kWh/100 km ein. Wer den Sportmodus nutzt und häufiger dynamisch beschleunigt, sieht auf der Anzeige zeitweise Werte um 14 kWh/100 km. Voraussetzung für die niedrigeren Ergebnisse ist lediglich, nicht jeden Ampelstart als Qualifying zu betrachten und auf der Landstraße auf dauerhaft 120 km/h zu verzichten. Letzteres schont neben der Batterie praktischerweise auch das Punktekonto in Flensburg.

Im Stadtverkehr spielt der R5 seine kompakten Abmessungen aus. Mit einer Länge von 3,92 Metern und einem Wendekreis von 10,3 Metern lässt er sich unkompliziert durch enge Straßen und Parkhäuser bewegen. Die direkte Lenkung macht auch beim Rangieren keine unnötige Wissenschaft aus dem Richtungswechsel. Hinzu kommt die gute Übersichtlichkeit: Die vergleichsweise schmale C-Säule begrenzt den Blick nach schräg hinten weniger stark, als es die dynamische Seitenlinie zunächst vermuten lässt.

Beim Rückwärtsfahren hilft die Kamera zwar grundsätzlich, ihre Bildqualität passt jedoch nicht zum ansonsten modernen Auftritt. Auflösung, Schärfe und Farbdarstellung wirken so, als hätte die Retro-Idee kurzfristig auch die Elektronikabteilung übernommen. Abstände lassen sich erkennen, feine Details hingegen eher erahnen. Die Parksensoren rund um das Fahrzeug sind deshalb mehr als bloße Zugabe.

Das Geräuschniveau bleibt während der Fahrt auf einem absolut erträglichen Level. Abroll- und Windgeräusche drängen sich weder in der Stadt noch auf der Landstraße unangenehm in den Vordergrund. Das feste Dach trägt ebenfalls zur akustisch geschlossenen Wirkung bei. Gerade gemeinsam mit den bequemen Sitzen und dem guten Harman-Kardon-Soundsystem entsteht ein Innenraum, in dem auch längere Strecken nicht nach Verzicht klingen.

Der Kofferraum fasst 326 Liter und fällt für einen elektrischen Kleinwagen ausreichend aus. Seine Grundfläche ist gut nutzbar, allerdings liegt der Ladeboden sichtbar unterhalb der Ladekante. Getränkekisten oder schweres Gepäck müssen deshalb beim Ausladen ein Stück nach oben gehoben werden. Die Rücksitzlehnen lassen sich geteilt umklappen, falls mehr Platz benötigt wird. Einen eigenen Frunk für Ladekabel besitzt der R5 nicht, sodass Kabel und Sicherheitszubehör einen Teil des Gepäckabteils beanspruchen. Oder: Sie passen in die kleinen Fächer darunter. Dann ist aber etwas Fummelarbeit angesagt.

Auch im Fond lässt sich der Renault 5 im Alltag tatsächlich als Fünftürer nutzen. Erwachsene finden ausreichend Platz, wenngleich das Raumangebot naturgemäß nicht in Richtung Chauffeurslimousine abdriftet. Die hinteren Türen öffnen weit genug, und die angenehm gepolsterte Rückbank verhindert, dass kurze Mitfahrgelegenheiten wie eine erzieherische Maßnahme wirken.

Ein niedriger Verbrauch schafft eine gute Ausgangslage, beantwortet aber noch nicht die entscheidenden Fragen eines Elektroautos. Wie weit der R5 mit seiner 52-kWh-Batterie tatsächlich kommt, was die Autobahn aus der Prognose macht und wie schnell anschließend neue Energie in den Akku gelangt, zeigt der Blick auf Reichweite und Ladeleistung.


Laden & Reichweite

Der niedrige Testverbrauch passt erstaunlich gut zur Reichweitenanzeige des Renault 5 E-Tech. Bei einem Akkustand von 72 Prozent prognostizierte der Bordcomputer zunächst 281 Kilometer, wenige Minuten später waren es 279 Kilometer. Unter besonders günstigen Bedingungen stellte das System maximal 293 bis 295 Kilometer in Aussicht. Hochgerechnet entspricht das bei voller Batterie etwa 390 beziehungsweise etwas mehr als 405 Kilometern.

Das Fahrzeugdatenblatt unseres Renault 5 E-Tech Iconic nennt für die 52-kWh-Batterie eine kombinierte WLTP-Reichweite von 405 Kilometern. Bei aktuellen Ausführungen gibt Renault abhängig von Ausstattung und Konfiguration inzwischen bis zu 417 Kilometer an. Die während des Tests angezeigten Werte bewegen sich damit keineswegs in einer besonders fantasievollen Parallelwelt, sondern passen auffällig gut zu den offiziellen Angaben.

Auch der gemessene Verbrauch liefert eine plausible Größenordnung. Bei 13,3 kWh/100 km wären unter vergleichbaren Bedingungen rechnerisch rund 390 Kilometer möglich. Steigt der Verbrauch bei dynamischer Fahrt auf etwa 14 kWh/100 km, verbleiben ungefähr 370 Kilometer. Dabei handelt es sich nicht um eine unter kontrollierten Laborbedingungen ausgefahrene Maximalreichweite, sondern um eine nachvollziehbare Einordnung unserer rund 100 Kilometer langen Stadt- und Landstraßenrunde.

Erfrischend ehrlich wird der Bordcomputer beim Thema Autobahn. Für eine Fahrt mit höherem Tempo zeigte er ausdrücklich einen Reichweitenabzug von 142 bis 144 Kilometern an. Das ist keine gemessene Autobahnreichweite, sondern eine Korrektur der vorhandenen Prognose. Die Darstellung macht dennoch unmissverständlich klar, dass dauerhaft hohes Tempo den kleinen Akku erheblich stärker beansprucht. Andere Reichweitenanzeigen formulieren solche Wahrheiten gerne etwas diplomatischer. Wir finden diese Darstellung gut.

An einer AC-Ladestation nimmt der Renault 5 maximal 11 kW auf. Für den Bereich von 15 auf 80 Prozent nennt Renault bei der 52-kWh-Batterie 3 Stunden und 13 Minuten. An einer 7,4-kW-Wallbox werden daraus 5 Stunden und 11 Minuten. Wer ausschließlich eine normale Haushaltssteckdose bemüht, sollte für denselben Ladehub rund 17 Stunden einplanen. Bis dahin dürfte selbst der zuvor leere Baguettekorb wieder befüllt sein.

Am DC-Schnelllader erreicht der R5 eine maximale Ladeleistung von 100 kW. Renault gibt für den Sprung von 15 auf 80 Prozent eine halbe Stunde an; innerhalb von 15 Minuten sollen sich unter idealen Bedingungen bis zu 175 Kilometer WLTP-Reichweite nachladen lassen. 100 kW lösen an heutigen Schnellladesäulen kein technisches Feuerwerk mehr aus. Durch die überschaubare Batterie bleibt die versprochene Ladepause dennoch in einem alltagstauglichen Rahmen.

Eine eigene Ladekurve konnten wir während des Erstkontakts nicht aufzeichnen. Die genannten Ladezeiten und Leistungen stammen daher aus den aktuellen technischen Angaben des Herstellers und nicht aus einer redaktionellen Messung.

Der Testwagen besitzt außerdem einen V2L-Adapter. Damit kann die Fahrzeugbatterie externe Geräte mit bis zu 3,7 kW versorgen – beispielsweise ein E-Bike, Werkzeug oder den obligatorischen Elektrogrill. Reichweite, Ladevorgänge und Vorklimatisierung lassen sich über die My-Renault-App kontrollieren, während das Google-basierte OpenR-Link-System Ladestationen in die Routenplanung einbezieht.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Wer Reichweite und Ladevorgänge nicht über die My-Renault-App kontrollieren möchte, erledigt einen großen Teil davon direkt über das OpenR-Link-System. Google Maps kennt den aktuellen Akkustand, berücksichtigt Ladestopps bei der Routenplanung und zeigt passende Stationen entlang der Strecke an. Das erspart die bei manchen Elektroautos noch immer übliche Reisevorbereitung mit drei Apps, zwei Ladekarten und dem Optimismus eines Expeditionsleiters.

Zum System gehören integrierte Google-Dienste sowie der virtuelle Assistent Reno. Der kleine digitale Begleiter kann Fragen zum Fahrzeug beantworten und verschiedene Funktionen steuern. Wer grundsätzlich nicht mit seinem Armaturenbrett sprechen möchte, darf allerdings weiterhin die vorhandenen Tasten benutzen. Renault hat die klassische Bedienung erfreulicherweise nicht als charakterliche Schwäche des Fahrers interpretiert.

In der Ausstattung Iconic bringt der Renault 5 bereits zahlreiche Komfortdetails mit. Dazu gehören beheizbare Vordersitze, ein beheizbares Lenkrad, eine induktive Smartphone-Ladeschale, Ambientebeleuchtung sowie Parksensoren vorne, hinten und an den Seiten. Fahrer- und Beifahrersitz sind höhenverstellbar, der Fahrersitz besitzt zusätzlich eine elektrische Lordosenstütze. Die LED-Beleuchtung vorne und hinten liefert zugleich jene aufwendige Lichtgrafik, die einen großen Teil des äußeren Auftritts prägt.

Die tatsächliche Ausleuchtung der Fahrbahn konnten wir während des überwiegend bei Tageslicht absolvierten Erstkontakts nicht abschließend beurteilen. Eine hübsche Signatur ersetzt schließlich noch keinen guten Lichtkegel, selbst wenn Marketingabteilungen diesen Zusammenhang gelegentlich für verhandelbar halten.

Beim Rangieren unterstützt der Easy-Park-Assistent. Die rund um das Fahrzeug verteilten Sensoren arbeiten dabei mit der Rückfahrkamera zusammen. Dass deren Bildqualität deutlich hinter dem übrigen Technikniveau zurückbleibt, haben wir bereits erwähnt. Eine hochauflösende 360-Grad-Darstellung bietet der Testwagen nicht. Angesichts der kompakten Karosserie lässt sich der R5 trotzdem gut einschätzen, nur hätte ein moderneres Kamerabild den digitalen Gesamteindruck deutlich besser ergänzt.

Unser Fahrzeug besitzt zusätzlich das Safety & Advanced Driving Assist-Paket. Es umfasst einen intelligenten adaptiven Tempopiloten mit Spurzentrierung, einen Active Driver Assist samt Nothalte-Assistent, einen Totwinkelwarner, einen Ausstiegsassistenten und einen Rückfahr-Notbremsassistenten. Damit steht dem Fahrer eine bemerkenswerte Anzahl elektronischer Schutzengel zur Seite. Einige davon arbeiten präventiv, andere greifen im Ernstfall ein – und keiner verlangt anschließend eine Weihnachtskarte.

Der adaptive Tempopilot hält Geschwindigkeit und Abstand zum vorausfahrenden Verkehr, während die Spurzentrierung den Renault innerhalb der Fahrbahnmarkierungen unterstützt. Erkennt der Nothalte-Assistent, dass der Fahrer nicht mehr reagiert, kann das System das Fahrzeug kontrolliert verzögern. Der Ausstiegsassistent warnt wiederum vor herannahenden Verkehrsteilnehmern, bevor eine Tür geöffnet wird.

Während der vergleichsweise kurzen Testfahrt ließen sich nicht sämtliche Notfallfunktionen unter realistischen Bedingungen prüfen. Eine absichtliche Demonstration des Rückfahr-Notbremsassistenten mit einem fremden Fahrzeug wäre schließlich eine recht aufwendige Form redaktioneller Gründlichkeit gewesen. Die regulären Assistenzfunktionen fügten sich jedoch unauffällig in den Fahrbetrieb ein.

Das optionale OpenR-Link-Paket ergänzt die Navigation und Google-Integration um das bereits erwähnte Harman-Kardon-Soundsystem. Zusammen mit den beheizbaren Sitzen, dem guten Geräuschniveau und der umfangreichen Assistenz entsteht eine Ausstattung, die deutlich über automobile Grundversorgung hinausgeht. Wie viel davon serienmäßig ist, welche Varianten Renault inzwischen anbietet und wie weit sich der Preis nach oben treiben lässt, entscheidet der Blick in die aktuelle Preisliste.


Varianten & Preise des Renault 5 E-Tech

Nach all den Assistenten, Displays und Ausstattungspaketen folgt jener Teil, bei dem die Begeisterung traditionell kurz innehält: die Preisliste. Beim Renault 5 E-Tech bleibt sie immerhin erfreulich übersichtlich. Vier Ausstattungslinien, zwei Antriebe und nur eine Handvoll sinnvoller Kombinationen – man kann das Auto also bestellen, ohne vorher ein Abendseminar in Produktlogik zu belegen.

Den Einstieg bildet der Evolution. Mit dem 120 Urban Range, 40-kWh-Akku und 122 PS kostet er 26.290 Euro, als 150 Comfort Range mit 52 kWh und 150 PS sind es 29.290 Euro. Zur Serienausstattung gehören das OpenR-Link-Infotainment mit Android Auto und Apple CarPlay, Klimaautomatik, Einparkhilfe hinten und 18-Zoll-Stahlräder im Design „Disco“. Dass 18 Zoll inzwischen als vernünftige Basisbereifung durchgehen, ist vermutlich auch eine Form von Fortschritt. Ein Winter-Paket und Ganzjahresreifen stehen optional bereit.

Darüber rangiert der Techno für 28.290 Euro als 120 Urban Range beziehungsweise 31.290 Euro als 150 Comfort Range. Hier kommen unter anderem Google Maps, der virtuelle Assistent Reno, die Ladestandsanzeige auf der Motorhaube und 18-Zoll-Leichtmetallräder hinzu. Optional lassen sich ein Winter-Komfort-Paket, das Harman-Kardon-Soundsystem, das Advanced-Driving-Assist-Paket und der Easy-Park-Assistent ergänzen. Damit deckt der Techno bereits ziemlich genau das ab, was man im Alltag tatsächlich benutzt – und nicht nur einmal beim Abholen stolz dem Nachbarn zeigt.

Der von uns gefahrene Renault 5 E-Tech 150 Comfort Range in der Ausstattung Iconic startet aktuell bei 32.790 Euro. Er ist ausschließlich mit dem großen Akku erhältlich und bringt serienmäßig die 18-Zoll-Räder „Chrono“, die Zweifarblackierung, das Safety & Advanced Driving Assist-Paket sowie Einparkhilfen rundum samt Easy-Park-Assistenten mit. Gegenüber dem Techno mit gleichem Antrieb beträgt der Aufpreis damit lediglich 1.500 Euro. Wer den R5 wegen seines Designs kauft und bei der Ausstattung nicht jeden Haken einzeln setzen möchte, landet deshalb ziemlich schnell beim Iconic.

Das sehr gute Harman-Kardon-System bleibt allerdings auch hier Bestandteil eines optionalen Pakets. Gleiches gilt für weitere Spielereien wie die goldfarbenen Räder. Die ebenfalls goldene „unlimited 5“-Dach- und Türbeklebung unseres Testwagens wurde mit 600 Euro berechnet. Sie macht den R5 weder schneller noch praktischer und wäre deshalb der erste Posten, den wir aus dem Konfigurator werfen würden. Pop Yellow besitzt bereits ohne zusätzlichen Zierrat genügend Selbstbewusstsein.

An der Spitze steht der Renault 5 E-Tech Roland Garros für 34.290 Euro. Er fährt grundsätzlich als 150 Comfort Range vor und trägt unter anderem 18-Zoll-Räder „Electro“, spezielle Sitzbezüge aus recyceltem Stoff sowie Roland-Garros-Dekore an den vorderen Türen. Das Harman-Kardon-Paket und eine satinierte schwarze Dachbeklebung bleiben optional. Wer seine Zuneigung zu den French Open auch in den übrigen 50 Wochen des Jahres spazieren fahren möchte, findet hier die passende Ausführung.

Ungeachtet der Variante gewährt der Hersteller auf alle Renault 5 E-Tech eine zweijährige Renault Garantie sowie acht Jahre Garantie auf die Batterie.

Rein nach Preis und Ausstattung betrachtet ist der Techno der vernünftige Griff. Der Iconic legt für überschaubares Geld jedoch genau jene Design- und Technikdetails nach, die dem Renault 5 seinen besonderen Auftritt geben. Und Vernunft ist bei einem Auto in Pop Yellow ohnehin nur ein Teil der Stellenbeschreibung.


Kundenfeedback

Beim Renault 5 E-Tech beginnt das Kundenfeedback auffallend selten mit Reichweite, Ladeleistung oder Leasingrate. Meist geht es zuerst um den Look. Viele Besitzer beschreiben, dass sie sich nach dem Abstellen noch einmal zum Auto umdrehen – eine Disziplin, in der zahlreiche vernünftige Kleinwagen bereits beim Verlassen des Autohauses durchfallen. Retro-Charme, Farben und Lichtsignatur scheinen ihren Reiz auch nach den ersten Monaten nicht zu verlieren.

Die Begeisterung beschränkt sich dabei nicht auf die Karosserie. Wiederholt gelobt werden das direkte Ansprechverhalten, der niedrige Schwerpunkt und das verbindliche Fahrgefühl. Der R5 wird als handlich, agil und erstaunlich unterhaltsam beschrieben. Einige Besitzer berichten nach mehreren Monaten oder sogar rund einem Jahr von einem weitgehend problemlosen Alltag. Auch die niedrigen Betriebskosten bei regelmäßigem Laden zu Hause tauchen als Pluspunkt auf.

Weniger euphorisch fällt das Urteil über den Fond aus. Für Kinder, kürzere Strecken oder gelegentliche Mitfahrer reicht der Platz, ausgewiesene Langstreckenlounges sehen jedoch anders aus. Das deckt sich mit dem Zuschnitt des Fahrzeugs: Der Renault 5 E-Tech ist ein knapp vier Meter langer Kleinwagen und keine Raumfahrtmission mit fünf Sitzplätzen. Wer regelmäßig Erwachsene im Fond transportiert, sollte die Sitzprobe deshalb nicht an den Nachwuchs delegieren.

Diskussionsbedarf gibt es außerdem bei winterlichen Temperaturen. Fahrer berichten von einem spürbar steigenden Verbrauch, sinkender Reichweite und teilweise deutlich reduzierter DC-Ladeleistung bei kaltem Akku. Eine manuell aktivierbare Batterievorkonditionierung bietet der R5 nicht. Die Temperierung wird über die Routenplanung zu einer Schnellladestation angestoßen, arbeitet für den Fahrer jedoch ziemlich unsichtbar. Wer nur wenige Kilometer bis zum Ladepunkt fährt, darf deshalb nicht erwarten, dass ein tiefgekühlter Akku plötzlich in Hochform gerät. Physik lässt sich auch mit Google Maps nicht vollständig wegprogrammieren.

Vereinzelt werden zudem Probleme mit der My-Renault-App, dem intelligenten Laden an bestimmten Wallboxen oder kleineren Softwarefunktionen genannt. Händler-Updates konnten einige dieser Fälle beheben. Hinzu kommen einzelne Berichte über Klappergeräusche oder zurückgesetzte Displayeinstellungen. Von einem flächendeckenden Qualitätsproblem lässt sich daraus nicht sprechen, ganz geräuschlos ist das Forumsgeschehen aber ebenfalls nicht.

Bei der Rückfahrkamera gehen die Meinungen schließlich auseinander. Ein Teil der Fahrer hält die Darstellung für ausreichend, andere kritisieren die niedrige Auflösung deutlich. Brauchbar ist sie, zeitgemäß wirkt sie nicht – genau diesen Eindruck hinterließ auch unser Testwagen. Immerhin ist der R5 selbst übersichtlich genug, um nicht bei jedem Rückwärtsmanöver auf eine Liveübertragung in Kinoqualität angewiesen zu sein.

Wie zufrieden Besitzer mit dem Renault 5 E-Tech sind, hängt damit stark vom Einsatzprofil ab. Wer überwiegend im Alltag unterwegs ist, zu Hause laden kann und ein handliches Auto mit Persönlichkeit sucht, berichtet meist ausgesprochen positiv. Wer dagegen häufig im Winter an kalten Schnellladern steht oder im Fond regelmäßig eine Erwachsenenreisegruppe unterbringen möchte, begegnet dem Retro-Charme naturgemäß etwas weniger sentimental.


Für wen eignet sich der Renault 5 E-Tech?

Der Renault 5 E-Tech eignet sich für Menschen, die keine Lust auf den nächsten beliebigen Kompaktwagen haben. Wer ein Auto nicht nur nach Kofferraumvolumen und Leasingfaktor auswählt, sondern beim Einsteigen auch ein wenig Freude empfinden möchte, findet hier eine der charakterstärkeren Möglichkeiten. Retro-Charme, kräftige Farben und die zahlreichen liebevollen Details machen den R5 zum Gegenentwurf automobiler Raufasertapete.

Besonders gut passt er zu Singles, Paaren und kleinen Familien, die überwiegend in der Stadt und auf der Landstraße unterwegs sind. Mit 3,92 Metern Länge bleibt er handlich, ohne sich wie ein ausschließlich für enge Parkhäuser entwickeltes Kleinstauto anzufühlen. Der Fond reicht für Kinder und gelegentliche erwachsene Mitfahrer, der Kofferraum für Einkäufe, Alltag und normales Reisegepäck.

Auch Fahrer, die Wert auf ein agiles Fahrverhalten legen, werden mit dem Renault 5 E-Tech glücklich. Die direkte Lenkung, das verbindliche Fahrwerk und der spontane Elektroantrieb bringen eine angenehme Portion Sportlichkeit ins Kleinwagensegment, ohne den Komfort zu vernachlässigen. Mit der Comfort Range und ihrem 52-kWh-Akku sind zudem gelegentliche längere Strecken problemlos möglich.

Ideal sind die Voraussetzungen, wenn zu Hause oder am Arbeitsplatz geladen werden kann. Dann lässt sich der niedrige Verbrauch besonders entspannt nutzen. Wer außerdem Google Maps im Infotainment, moderne Assistenzsysteme und guten Klang schätzt, sollte zum Iconic samt Harman-Kardon-Paket greifen.


Für wen eignet sich der Renault 5 E-Tech nicht?

Der Renault 5 E-Tech eignet sich nicht für Fahrer, die eigentlich einen SUV möchten. Eine hohe Sitzposition, verschwenderische Platzverhältnisse und das Gefühl, beim Einsteigen über dem übrigen Verkehr zu thronen, gehören nicht zu seinem Repertoire. Wer regelmäßig mehrere Erwachsene im Fond transportiert oder den halben Hausstand spazieren fährt, wird ebenfalls schnell an die räumlichen Grenzen des Kleinwagens stoßen.

Auch für kompromisslose Langstreckenfahrer ist der R5 nicht die erste Wahl. Die Comfort Range ermöglicht zwar ordentliche Etappen, doch maximal 100 kW DC-Ladeleistung sind mittlerweile eher solide als sensationell. Bei einem kalten Akku kann der Ladestopp zudem spürbar länger dauern. Wer jede Woche mehrere Hundert Autobahnkilometer absolviert und dabei grundsätzlich unter Zeitdruck steht, dürfte sich früher oder später mehr Akku und Ladeleistung wünschen.

Am anderen Ende des Spektrums ist der Renault 5 E-Tech ebenfalls nicht für jeden geeignet. Wer lediglich ein möglichst kleines und günstiges Elektroauto für kurze Stadtstrecken sucht, braucht weder die 150 PS noch den großen Akku und vermutlich auch keinen Iconic mit Harman Kardon. Für reine Zweckmobilität betreibt der R5 vergleichsweise viel Aufwand – gestalterisch wie finanziell.

Schwierig wird die Beziehung außerdem für Menschen, die möglichst unauffällig auftreten möchten oder mit Retro-Design grundsätzlich nichts anfangen können. Der R5 trägt seine historischen Anleihen offen nach außen und möchte besonders in Pop Yellow durchaus gesehen werden. Wer von einem Elektroauto eine vollkommen neue, futuristische Formensprache ohne jeden Blick in den Rückspiegel erwartet, wird mit diesem Konzept wenig anfangen können. Ein Glitzeranzug ist schließlich auch selten die richtige Wahl für eine verdeckte Ermittlung.


Fazit zum Renault 5 E-Tech

Der Renault 5 E-Tech ist weit mehr als ein nostalgischer Name mit Ladekabel. Renault hat die Vergangenheit nicht einfach kopiert, sondern in ein modernes Elektroauto übersetzt, das vom ersten Blick bis zur letzten Kontrastnaht erstaunlich geschlossen wirkt. Hier scheint tatsächlich jemand ein Auto gestaltet zu haben – und nicht nur eine Zielgruppentabelle abgearbeitet zu haben.

Ganz ohne Schwächen kommt der R5 natürlich nicht davon. An einigen Stellen wird sichtbar, wo kalkuliert oder nicht ganz zu Ende gedacht wurde. Entscheidend ist jedoch, dass diese Punkte den Charakter des Autos nicht überlagern. Der R5 fühlt sich gut an, fährt mit erfreulicher Verbindlichkeit und schafft etwas, das sich weder in Kilowattstunden noch in Ausstattungspaketen ausdrücken lässt: Er macht gute Laune.

Nach der Testfahrt hätten wir den Schlüssel jedenfalls lieber behalten. Der Renault 5 E-Tech ist vielleicht nicht in jeder Disziplin die vernünftigste Wahl, aber eine, die man wirklich haben möchte. In einer Fahrzeugklasse, in der häufig vor allem gerechnet wird, ist das bereits ein ziemlich großes Kompliment.


Konkurrenz & Vergleich

Der Renault 5 E-Tech trifft inzwischen auf eine erstaunlich große Zahl elektrischer Kleinwagen. Das Segment besteht längst nicht mehr nur aus rollenden Verzichtserklärungen mit überschaubarer Reichweite. Vom günstigen Stadtstromer bis zum kleinen Lifestyle-Modell ist mittlerweile fast jede Spielart vertreten.

Einer der direktesten Konkurrenten ist der neue VW ID. Polo. Er startet bei 24.995 Euro und hält dem verspielten Auftritt des Renault eine deutlich sachlichere Interpretation elektrischer Kleinwagenmobilität entgegen. Mit bis zu 454 Kilometern Reichweite und einer Ladeleistung von maximal 105 kW besitzt er auf dem Papier zudem leichte Vorteile. Wer es innerhalb derselben Größenklasse auffälliger und sportlicher möchte, landet beim Cupra Raval (Test des Cupra Raval VZ). Er beginnt bei 25.950 Euro, bietet je nach Version bis zu 226 PS und wirkt wie der Kollege, der selbst zum Jour fixe in Lederjacke erscheint.

Beim Lifestyle-Anspruch kommt der MINI Cooper E dem Renault 5 E-Tech besonders nahe. Ab 28.450 Euro kombiniert er ebenfalls historische Anleihen mit modernem Elektroantrieb und agilem Fahrverhalten. Allerdings ist er nur als Dreitürer erhältlich und damit weniger praktisch. Der Peugeot E-208 bietet fünf Türen, bis zu 156 PS und bis zu 432 Kilometer Reichweite, startet mit 36.675 Euro jedoch erheblich höher. Etwas nüchterner tritt der Opel Corsa Electric an. Er kostet mindestens 30.440 Euro, nutzt eine ähnliche Antriebstechnik und richtet sich stärker an Käufer, die ihren Kleinwagen lieber ohne große Inszenierung bestellen.

Besonders interessant ist der neue Nissan Micra. Er basiert technisch eng auf dem Renault 5 E-Tech und wird ebenfalls mit 40- oder 52-kWh-Akku angeboten. Der reguläre Einstiegspreis beträgt 27.990 Euro, aktuell sinkt er im Rahmen einer Aktion auf 26.381 Euro. Bis zu 150 PS und maximal 416 Kilometer Reichweite machen ihn zu einer ausgesprochen direkten Alternative – nur eben mit eigenständigem Design und ohne beleuchtete Geschichtsstunde auf der Motorhaube.

Mehr Raumorientierung bieten Hyundai Inster, Kia EV2 und Škoda Epiq. Der Hyundai Inster startet bei 24.650 Euro und überzeugt vor allem mit seiner verschiebbaren Rückbank, dem variablen Innenraum und bis zu 370 Kilometern Reichweite. Der Kia EV2 kostet mindestens 26.600 Euro, tritt bereits stärker als kleiner SUV auf und kombiniert eine optionale 61-kWh-Batterie mit bis zu 453 Kilometern Reichweite. Noch etwas erwachsener wirkt der Škoda Epiq. Er beginnt bei 32.100 Euro, schafft bis zu 440 Kilometer und setzt stärker auf Platzangebot und Alltagstauglichkeit als auf Retro-Charme.

Am unteren Ende der Preisskala warten gleich mehrere Alternativen. Der Fiat Grande Panda Elektro (Test des Fiat Grande Panda) ist mit mindestens 22.490 Euro eine Klasse kleiner angesiedelt, bringt aber ebenfalls bewusst verspieltes Design mit. Sein 113 PS starker Antrieb und bis zu 320 Kilometer Reichweite reichen vor allem für den urbanen Alltag. Der BYD Dolphin Surf startet bei 22.990 Euro und bietet in der stärksten Ausführung bis zu 156 PS. Er setzt weniger auf Nostalgie, dafür umso entschlossener auf Ausstattung und Preis-Leistungs-Verhältnis.

Das günstigste Modell in diesem Umfeld ist der Citroën ë-C3 ab 20.140 Euro (Test des Citroen e-C3). Er fährt mit 113 PS vor und legt seinen Schwerpunkt klar auf Komfort und einen niedrigen Einstiegspreis. Sportlichkeit, hochwertiger Innenraum und emotionale Details spielen eine kleinere Rolle – was nicht zwingend ein Nachteil sein muss, sofern man ein Auto eher benutzen als gelegentlich in der Garage bewundern möchte.

Der Renault 5 E-Tech sitzt damit ziemlich genau zwischen den Extremen. Er ist weder der günstigste noch der reichweitenstärkste elektrische Kleinwagen. Seine eigentliche Stärke liegt in der Verbindung aus Alltagstauglichkeit, Fahrspaß und einem Design, das nicht erst auf dem Supermarktparkplatz gesucht werden muss.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D


Vorteile ✅

  • Eigenständiges, konsequent umgesetztes Retro-Design
  • Direktes Fahrverhalten mit hohem Fahrspaß und gutem Komfort
  • Niedriger Realverbrauch von rund 13 bis 14 kWh/100 km
  • Hochwertig wirkender Innenraum mit bequemen Sitzen
  • Gutes Google-Infotainment und sehr starkes Harman/Kardon-System

Nachteile ❌

  • Maximal 100 kW DC-Ladeleistung, bei kaltem Akku teils deutlich weniger
  • Rückfahrkamera mit enttäuschender Bildqualität
  • Begrenztes Platzangebot im Fond
  • Überfrachteter Bereich hinter dem Lenkrad mit vier Hebeln und ohne P-Taste
  • Kein Schnäppchen, besonders mit zusätzlichen Design- und Ausstattungsextras


Technische Daten des Renault 5 E-Tech

ModellRenault 5 E-Tech 150 Comfort Range Iconic
Länge x Breite x Höhe (m)3,92 x 1,74 (2,02 mit Außenspiegeln) x 1,50
Radstand (mm)2.540
MotorElektromotor
Batteriekapazität (kWh)52,0
Leistung (kW / PS)110 / 150
Drehmoment (Nm)245
Getriebe1-Gang-Reduktionsgetriebe
AntriebFront
KraftstoffartStrom
Durchschnittsverbrauch (WLTP in kWh)14,4
Durchschnittsverbrauch (NEU! in kWh)13,3
CO²-Ausstoß (nach WLTP in g/km)0
Ladeleistung (kW)DC: 100 / AC: 11
0 auf 100 km/h (in Sekunden)8,0
Höchstgeschwindigkeit (km/h)150
Leergewicht (kg)1.524
Kofferraumvolumen (l)326 – 1.106
FarbePop Yellow (Gelb)
Grundpreis (Euro)26.290
Testwagenpreis (Euro)35.040
Technische Daten: Renault 5 E-Tech


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