Range Rover Sport SV
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Range Rover Sport SV Test – Das vielleicht beste Performance-SUV

Der Range Rover Sport SV ist kein Performance-SUV, das seine 635 PS jedem Passanten ungefragt mitteilt. Und das macht ihn ziemlich spannend. Während andere Hochleistungs-SUV ihre sportlichen Ambitionen mit riesigen Lufteinlässen, ausladenden Spoilern oder einer Lichtshow demonstrieren, bleibt der Brite erstaunlich zurückhaltend. Wer erkennt, was hier vor ihm steht, erkennt es ohnehin.

Dabei spricht das Datenblatt eigentlich eine andere Sprache. Ein 4,4 Liter großer V8-Biturbo mit Mildhybrid-Unterstützung, 635 PS und eine komplette Motorhaube aus Carbon klingen zunächst nach maximaler Inszenierung. Tatsächlich verfolgt der Range Rover Sport SV jedoch einen ganz eigenen Ansatz. Er verbindet luxuriösen Langstreckenkomfort mit einer Performance, die man einem SUV dieser Größe und dieses Gewichts kaum zutrauen würde.

Leider müssen wir dabei bereits in der Vergangenheitsform sprechen. Denn Land Rover hat den Range Rover Sport SV inzwischen wieder aus dem Programm genommen. Wer heute noch einen haben möchte, muss sich einen der letzten verfügbaren Exemplare sichern oder auf den größeren Range Rover SV ausweichen, der allerdings einen anderen Charakter innehat.

Für unseren Test stand uns die exklusive Carbon Edition zur Verfügung. Sie ergänzt den ohnehin außergewöhnlichen Sport SV um zahlreiche Forged-Carbon-Elemente, 23-Zoll-Räder und viele liebevolle Details, die man teilweise erst auf den zweiten Blick entdeckt. Genau darin steckt auch der Charakter dieses Autos. Es möchte nicht permanent im Mittelpunkt stehen. Viel lieber überrascht es seine Insassen immer wieder mit kleinen und großen Aha-Momenten.

Ob der Range Rover Sport SV tatsächlich zu den besten Performance-SUV seiner Zeit gehört, wie groß der Spagat zwischen Alltag und Höchstleistung wirklich ausfällt und warum eine kleine rote Taste am Lenkrad gleichzeitig die wohl höflichste Warnung der Automobilwelt sein dürfte, klären wir in unserem ausführlichen Test. Fahrbericht.


Der Look

Unser Testwagen zog bereits auf den ersten Blick jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Das lag allerdings weniger an irgendwelchen übertriebenen Spoilern oder einer besonders extrovertierten Linienführung, sondern vielmehr an der Lackierung. Sunrise Copper heißt die exklusive SV-Bespoke-Farbe, für die Land Rover stolze 9.490 Euro verlangt. Das klingt zunächst nach einer ziemlich mutigen Ansage. Vor dem Auto stehend relativiert sich dieser Eindruck allerdings schnell. Je nach Lichteinfall verändert der Farbton seinen Charakter deutlich und wechselt zwischen warmem Kupfer, Bronze und einem dunklen Rotbraun. Gerade in Verbindung mit den schwarzen Akzenten wirkt das ausgesprochen edel.

Auch sonst bleibt die Carbon Edition ihrem Namen treu. Rund um das Fahrzeug finden sich zahlreiche Bauteile aus Forged Carbon. Angefangen bei den seitlichen Lufteinlässen über verschiedene Exterieurdetails bis hin zu kleineren Designelementen zieht sich das Material konsequent durch das gesamte Fahrzeug. Das wirkt hochwertig und passt hervorragend zum Charakter des Sport SV.

Das beeindruckendste Carbon-Bauteil entdeckt man allerdings erst beim Öffnen der Motorhaube. Die komplette Motorhaube besteht aus Carbon. Von außen sieht man davon praktisch nichts. Das ist britisches Understatement in Reinform: Man bezahlt für etwas, das die meisten nie bemerken werden.

Eigentlich wird der Range Rover Sport SV optional gegen rund 10.300 Euro sogar auf superleichten Carbon-Felgen ausgeliefert. Unser Testwagen stand stattdessen auf den serienmäßigen geschmiedeten 23-Zoll-Leichtmetallfelgen. Weshalb Land Rover auf die Carbon-Räder verzichtet hat, bleibt wohl eines der am besten gehüteten Geheimnisse des Testfuhrparks. Möglicherweise wollte man die deutlich empfindlicheren Carbon-Felgen nicht den Strapazen eines Pressefahrzeugs aussetzen. Beweisen können wir das nicht. Nachvollziehen allerdings schon.

Hinter den 23-Zoll-Rädern sitzen die gelb lackierten Bremssättel der optionalen Carbon-Keramik-Bremsanlage. Spätestens hier wird klar, dass der Sport SV nicht nur optisch etwas hermacht. Die Bremsscheiben im Familienpizza-Format gehören zu den größten Exemplaren, die wir bislang in einem Serienfahrzeug gesehen haben.

Sehr gut gefallen haben uns außerdem die vier echten Endrohre im „Carbon-Mantel“. Schön, dass Land Rover an dieser Stelle auf Kunststoffblenden oder angedeutete Auspuffattrappen verzichtet. Das mag selbstverständlich klingen, ist es heutzutage aber leider längst nicht mehr.

Insgesamt gelingt Land Rover bei der Carbon Edition ein Kunststück. Der Sport SV wirkt hochwertig, sportlich und exklusiv, ohne dabei überzeichnet zu sein. Gerade die vielen kleinen Details sorgen dafür, dass man auch nach mehreren Minuten rund ums Fahrzeug immer wieder etwas Neues entdeckt.


Und innen?

Öffnet man die Tür des Range Rover Sport SV, wird schnell klar, dass Land Rover auch im Innenraum einen anderen Weg geht als viele Wettbewerber. Statt den Fahrer mit riesigen Displays, blinkenden Animationen oder einer Ambientebeleuchtung in sämtlichen Farben des Regenbogens zu begrüßen, herrscht hier eine angenehm aufgeräumte Atmosphäre. Alles wirkt hochwertig, durchdacht und genau dort, wo man es erwartet.

Unser Testwagen war mit perforiertem Windsor-Leder in Ebony sowie zahlreichen Oberflächen aus Forged Carbon ausgestattet. Hinzu kommen großzügig eingesetzte Veloursleder-Elemente, die dem Innenraum eine angenehm wohnliche Atmosphäre verleihen. Kunststoff sucht man dagegen fast vergeblich. Selbst nach intensiver Suche fanden wir kaum Bereiche, die qualitativ aus dem Rahmen fallen würden. Auch die Verarbeitung ließ keinerlei Anlass zur Kritik. Gleichmäßige Spaltmaße, sauber gesetzte Ziernähte und hochwertige Materialien vermitteln genau den Eindruck, den man bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse erwartet.

Besonders gut gefallen haben uns die serienmäßigen Performance-Sitze mit ihren Carbon-Rückseiten. Brauchen tut die im Alltag jemand ungefähr so dringend wie ein vergoldetes Taschenmesser. Gut aussehen tun sie trotzdem. Und zwar richtig. Gleichzeitig überzeugen die Sitze aber nicht nur optisch, sondern auch mit einem ausgezeichneten Langstreckenkomfort. Trotz ihrer ausgeprägten Seitenwangen bieten sie selbst auf längeren Etappen einen überraschend angenehmen Sitzkomfort und halten Fahrer sowie Beifahrer auch bei ambitionierter Fahrweise sicher an ihrem Platz.

Das Cockpit selbst überzeugt vor allem durch seine intuitive Bedienung. Das 13,1 Zoll große Pivi-Pro-Infotainment reagierte während unseres gesamten Tests schnell und zuverlässig. Die Menüstruktur ist logisch aufgebaut, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto funktionierten auf Anhieb und auch die Sprachsteuerung erledigte ihre Aufgaben ohne Auffälligkeiten. Bugs oder Abstürze? Fehlanzeige.

Erfreulich ist außerdem, dass Land Rover dort auf logische (wenn auch nicht analoge) Bedienelemente setzt, wo sie im Alltag einfach sinnvoller sind. Die Klimatisierung lässt sich weiterhin recht komfortabel bedienen, ohne sich durch mehrere Untermenüs tippen zu müssen. Hinten sogar mit physischen Drehreglern. Genau solche Lösungen machen den Unterschied zwischen einem beeindruckenden Showroom und einem angenehmen Alltagsauto.

Das Platzangebot fällt ebenfalls großzügig aus. Vorn finden selbst groß gewachsene Personen problemlos eine passende Sitzposition, während auch die zweite Sitzreihe reichlich Bein- und Kopffreiheit bietet. Im Fond reist man deshalb keineswegs nur mit, sondern ausgesprochen komfortabel.

Ein kleines Detail hat uns schließlich besonders gut gefallen. Das beleuchtete SV-Logo am Lenkrad. Einmal gedrückt, weiß man spätestens dann: Jetzt wird es ernst. Womit wir beim nächsten Kapitel wären.


Der Antrieb des Range Rover Sport SV

Das Herzstück des Range Rover Sport SV ist ein 4,4 Liter großer V8-Biturbo mit Mildhybrid-Unterstützung. Er leistet 635 PS und stellt 750 Nm Drehmoment bereit. Die Kraft gelangt über eine Achtgang-Automatik und den permanenten Allradantrieb auf die Straße. Auf dem Papier beschleunigt der Brite in 3,8 Sekunden auf 100 km/h und erreicht bis zu 290 km/h. Beeindruckende Werte. Wirklich interessant wird der SV allerdings erst dann, wenn man den Startknopf drückt.

Beim Kaltstart macht der Achtzylinder unmissverständlich klar, dass hier kein gewöhnlicher Range Rover zum Leben erwacht. Der optionale Klappenauspuff sorgt für einen tiefen, brachialen V8-Sound, der erfreulicherweise nicht künstlich aus den Lautsprechern stammt. Nach wenigen Momenten wird der Motor allerdings deutlich ruhiger. Im normalen Fahrmodus schnurrt der SV angenehm unaufgeregt vor sich hin und lässt sich problemlos als komfortabler Daily Driver bewegen. Genau dieser Kontrast hat uns während des Tests besonders beeindruckt.

Die eigentliche Magie beginnt mit der kleinen SV-Taste am Lenkrad. Das beleuchtete SV-Logo ist keine Dekoration. Es ist eher eine höfliche Warnung. Drückt man die Taste, quittiert sie den Befehl mit einem angenehm satten Klick, bevor das Logo rot aufleuchtet. Im nächsten Moment verändern sich Antrieb, Fahrwerk, Lenkung und Gasannahme spürbar. Der Charakter des Fahrzeugs schlägt innerhalb weniger Sekunden komplett um.

Spätestens jetzt zeigt der V8, was wirklich in ihm steckt. Die Beschleunigung fühlt sich weniger nach einem plötzlichen Tritt ins Kreuz an als nach einem gewaltigen, niemals enden wollenden Schub. Man spürt jederzeit, dass hier über 2,5 Tonnen Fahrzeugmasse bewegt werden. Gleichzeitig spielt das im Alltag erstaunlich schnell keine Rolle mehr. Der Sport SV baut Tempo mit einer Selbstverständlichkeit auf, die man erlebt haben muss.

Besonders beeindruckt hat uns das optionale 6D-Dynamics-Fahrwerk. Da diese aufwendige Technik einen eigenen Bericht verdient, möchten wir an dieser Stelle gar nicht zu tief einsteigen. Nur so viel: Land Rover hat hier offenbar beschlossen, die Seitenneigung nicht zu reduzieren, sondern ihr höflich mitzuteilen, dass sie heute leider keinen Zutritt erhält. Besonders eindrucksvoll war eine lang gezogene Autobahnkurve, die wir mit rund 285 km/h durchfuhren. Nicht die Geschwindigkeit selbst überraschte uns, sondern die völlige Gelassenheit, mit der der Sport SV diese Situation meisterte. Das Fahrwerk blieb stoisch, die Lenkung arbeitete präzise und das Fahrzeug vermittelte jederzeit das Gefühl, noch reichlich Reserven zu besitzen. Irgendwann begann eher der Beifahrer an der Situation zu zweifeln als das Fahrwerk. Angesichts von über 2,5 Tonnen Fahrzeuggewicht ist das eine bemerkenswerte Leistung. So etwas passiert nun eben, wenn man einen Range an die Abteilung „Special Vehicle Operations“ gibt.

Überhaupt zählt die Lenkung zu den größten Überraschungen des Fahrzeugs. Sie arbeitet angenehm direkt, liefert eine saubere Rückmeldung und harmoniert hervorragend mit dem Fahrwerk. Dadurch fühlt sich der Range Rover Sport SV deutlich kleiner an, als er tatsächlich ist.

Nicht weniger beeindruckend arbeitet die optionale Carbon-Keramik-Bremsanlage. Die Bremsscheiben erinnern eher an Familienpizzen als an gewöhnliche Bremsscheiben und verzögern mit einer Entschlossenheit, als hätten sie persönlich etwas gegen Geschwindigkeit. Gleichzeitig lässt sich das Bremspedal hervorragend dosieren, sodass auch entspanntes Fahren keinerlei Eingewöhnung erfordert.

Am Ende bleibt vor allem eine Erkenntnis: Der Range Rover Sport SV fährt nicht wie ein besonders schneller Luxus-SUV. Er fährt wie ein eigenständiger Sportwagen im Maßanzug. Nur eben mit deutlich mehr Bodenfreiheit und Platz für die ganze Familie.


Alltag & Verbrauch

Bei 635 PS, einem V8-Biturbo und einem Leergewicht von deutlich über 2,5 Tonnen erwartet wohl niemand ein sparsames Auto. Wir ehrlich gesagt auch nicht. Umso überraschter waren wir nach unserem Test.

Im gemischten Alltag pendelte sich der Verbrauch bei moderater Fahrweise bei 11,7 Litern pro 100 Kilometer ein. Angesichts von Leistung, Gewicht und Fahrleistungen ist das ein Wert, mit dem wir vor der Testfahrt nicht gerechnet hätten. Zumal es exakt der WLTP-Angabe entspricht. Wer bewusst sparsam unterwegs ist und den rechten Fuß entsprechend diszipliniert einsetzt, kann den Durchschnitt sogar auf 9,9 Liter senken. Sportliche Landstraßenfahrten quittierte der Sport SV in unserem Test mit 13,1 Litern, während bei zügiger Autobahnfahrt rund 15,5 Liter auf dem Bordcomputer standen. Das alles sind Werte, die angesichts der gebotenen Performance absolut vertretbar erscheinen.

Natürlich geht es auch anders. Wer dauerhaft Vollgas fährt oder die Höchstgeschwindigkeit häufiger ausreizt, wird den Verbrauch problemlos mehr als verdoppeln. Während unserer schnellen Autobahnetappe standen zeitweise knapp 40 Liter pro 100 Kilometer auf dem Display. Das klingt spektakulär, relativiert sich aber schnell. Erstens fährt man nur in den seltensten Fällen dauerhaft mit knapp 290 km/h über die Autobahn. Zweitens dürfte der Bordcomputer in diesem Moment ohnehin das kleinste Problem sein.

Abseits solcher Ausnahmesituationen präsentiert sich der Range Rover Sport SV erstaunlich alltagstauglich. Die Luftfederung filtert Unebenheiten souverän heraus und lässt das große SUV selbst mit den 23-Zoll-Rädern angenehm komfortabel wirken. Natürlich federt ein klassischer Range Rover Autobiography noch geschmeidiger. Der Sport SV schafft jedoch einen beeindruckenden Kompromiss zwischen Komfort und Fahrdynamik, ohne dabei eine der beiden Disziplinen spürbar zu vernachlässigen.

Auch im praktischen Alltag sammelt der Brite Pluspunkte. Der Kofferraum fasst 647 Liter und wächst durch das Umklappen der Rücksitze auf bis zu 1.491 Liter. Besonders praktisch: Per Luftfederung lässt sich das Heck zum Beladen absenken, wodurch die Ladekante nahezu verschwindet. Hinzu kommt eine Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen. Zwischen 635 PS, Forged Carbon und einer Höchstgeschwindigkeit von 290 km/h wirkt die elektrisch ausfahrbare Anhängerkupplung fast schon herrlich bodenständig. Offenbar geht Land Rover davon aus, dass man nach dem Ausflug auf die Landstraße vielleicht noch den Pferdeanhänger nach Hause bringen möchte.

Genau diese Vielseitigkeit macht den Range Rover Sport SV so besonders. Er ist kein kompromissloses Performance-Fahrzeug, das seinen Fahrern jede Alltagstauglichkeit verwehrt. Vielmehr verbindet er beeindruckende Fahrleistungen mit einem Nutzwert, den man in dieser Leistungsklasse nur noch selten findet.


Der Range Rover Sport SV im Gelände

Bei all dem Carbon, den 635 PS und der Carbon-Keramik-Bremse könnte man leicht vergessen, dass unter dem Range Rover Sport SV immer noch ein echter Range Rover steckt. Vermutlich wird kaum ein Besitzer freiwillig überprüfen wollen, wie gut sich Forged Carbon mit einem Felsbrocken verträgt. Technisch spricht allerdings wenig dagegen, den SV tatsächlich abseits befestigter Straßen einzusetzen.

Wir haben es zumindest im leichten Gelände ausprobiert. Weit entfernt von dem, was der Sport SV tatsächlich können dürfte, aber bereits dort war bemerkenswert, mit welcher Mühelosigkeit er schlechte Wege, lose Untergründe und Unebenheiten wegsteckte. Es ist dieselbe „abartige Gelassenheit“, die man etwa von einem Porsche bei sehr hohen Geschwindigkeiten kennt: Das Auto macht es einfach. Ohne Drama, ohne große Inszenierung und vor allem ohne den Eindruck zu vermitteln, dass es sich dafür besonders anstrengen müsste.

Dafür bringt der SV weiterhin echte Range-Rover-Technik mit. Der Allradantrieb wird von Terrain Response 2 unterstützt, hinzu kommt All Terrain Progress Control Pro, kurz ATPC Pro. Das System kann auf schwierigem Untergrund die Geschwindigkeitsregelung übernehmen, während sich der Fahrer auf Lenken und Linienwahl konzentriert. Trotz seiner klaren Performance-Ausrichtung hat Land Rover diese Fähigkeiten also nicht aus dem Lastenheft gestrichen.

Auch das hochauflösende Surround-Kamerasystem hilft abseits des Asphalts mit speziellen Ansichten bei der Orientierung. Wade Sensing ist ebenfalls an Bord und unterstützt bei Wasserdurchfahrten. Ausprobiert haben wir Letzteres allerdings nicht. Eine 9.000 Euro teure Carbon-Keramik-Bremsanlage freiwillig unter Wasser zu setzen, erschien uns dann doch als etwas zu ambitionierter Beitrag zur Wissenschaft.

Doch genau diese zusätzliche Ebene unterscheidet den Range Rover Sport SV von vielen seiner Rivalen. RS Q8, X6 M, GLE 63 S oder der ehemalige Cayenne Turbo GT sind hervorragende Performance-SUVs. Der SV beherrscht dieses Spiel ebenfalls, kann sich im Zweifel aber auch noch dort weiterbewegen, wo aus Asphalt längst Landschaft geworden ist. Für die meisten Besitzer dürfte das theoretisches Wissen bleiben. Schön ist es trotzdem.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Land Rover hat den Range Rover Sport SV mit nahezu allem ausgestattet, was man in dieser Fahrzeugklasse erwarten darf. Viel wichtiger als die schiere Anzahl der Systeme ist allerdings, wie unauffällig sie ihren Job erledigen. Und genau hier sammelt der Brite im Alltag viele Pluspunkte.

Das beginnt bereits beim Infotainment. Das Pivi-Pro-System überzeugte während unseres gesamten Tests mit kurzen Reaktionszeiten, einer logisch aufgebauten Menüstruktur und einer insgesamt sehr intuitiven Bedienung. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto funktionierten jederzeit zuverlässig, die Sprachsteuerung erledigte ihre Aufgaben ohne Auffälligkeiten und auch Softwarefehler oder Abstürze blieben während unseres Tests vollständig aus. Genau so sollte moderne Fahrzeugsoftware funktionieren: Sie fällt im Idealfall gar nicht erst auf.

Ebenfalls hervorragend gelungen ist das hochauflösende 360-Grad-Kamerasystem. Gerade bei einem fast fünf Meter langen SUV erleichtert es Rangiermanöver spürbar und liefert selbst bei schlechten Lichtverhältnissen ein gestochen scharfes Bild. Zusammen mit den Parksensoren entsteht dadurch ein Sicherheitsgefühl, das man im Alltag schnell zu schätzen lernt.

Auch die Assistenzsysteme hinterließen einen durchweg positiven Eindruck. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung arbeitete angenehm harmonisch, ohne hektische Bremsmanöver oder unnötige Beschleunigungsorgien. Der Spurhalteassistent griff nur dann ein, wenn es tatsächlich notwendig war, statt den Fahrer permanent zu bevormunden. Besonders angenehm fanden wir außerdem, dass sich die akustische Geschwindigkeitswarnung mit zwei Bedienschritten deaktivieren lässt. Eine Kleinigkeit vielleicht, im Alltag aber erstaunlich wohltuend.

Das Head-up-Display gehört zwar nicht zu den größten oder spektakulärsten Systemen am Markt, erfüllt seine Aufgabe aber zuverlässig und stellt alle wichtigen Informationen gut ablesbar im Sichtfeld des Fahrers dar. Einen ähnlich positiven Eindruck hinterließen die Digital-LED-Scheinwerfer mit Matrix-Funktion. Sie sorgen nachts für eine hervorragende Ausleuchtung der Fahrbahn und gehören zu den Ausstattungsmerkmalen, auf die wir nach einem längeren Test nur ungern wieder verzichten würden.

Fast schon eine kleine Seltenheit ist inzwischen die Scheinwerferreinigungsanlage. Schön, dass Land Rover sie dem Sport SV spendiert hat. Denn sie entfernt nicht nur winterliches Streusalz zuverlässig von den Scheinwerfern, sondern kümmert sich bei Bedarf auch um das ein oder andere Insekt, das seine Reise etwas früher beendet hat als geplant. Es sind manchmal die kleinen Dinge.


Varianten & Preise des Range Rover Sport SV

Der Range Rover Sport SV war nie ein Schnäppchen. Das wollte er allerdings auch nie sein. Vielmehr markierte er die sportliche Speerspitze der Baureihe und richtete sich an Kunden, die maximale Performance mit dem Luxus und der Alltagstauglichkeit eines Range Rover verbinden wollten. Umso bedauerlicher ist es, dass Land Rover den Sport SV mittlerweile wieder eingestellt hat. Wer heute einen besitzen möchte, muss sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt umsehen oder einen der letzten verfügbaren Lagerwagen finden. Alternativ bleibt noch der größere Range Rover SV, der allerdings einen anderen Charakter besitzt und nicht derart konsequent auf Fahrdynamik ausgelegt ist.

Zum Abschluss seiner Bauzeit bot Land Rover den Sport SV in mehreren Varianten an:

  • Range Rover Sport P635 SV ab 183.800 Euro
  • Range Rover Sport P635 SV Black ab 197.600 Euro
  • Range Rover Sport P635 SV Carbon ab 205.000 Euro
  • Range Rover Sport P635 SV Edition Two ab 214.100 Euro
  • Range Rover Sport P635 SV Edition One Flux Silver ab 219.285 Euro
  • Range Rover Sport P635 SV Edition One Obsidian Black ab 219.285 Euro
  • Range Rover Sport P635 SV Edition One Carbon Bronze ab 238.985 Euro

Unser Testwagen war ein Range Rover Sport P635 SV Carbon und brachte es inklusive Sonderausstattung auf einen Gesamtpreis von 233.155 Euro. Allein die exklusive SV-Bespoke-Lackierung Sunrise Copper schlug mit 9.490 Euro zu Buche. Hinzu kamen unter anderem die optionale Carbon-Keramik-Bremsanlage für 9.000 Euro, das Panoramaschiebedach für 2.400 Euro, das Anhängerkupplungspaket mit elektrisch ausfahrbarer Anhängerkupplung für 1.910 Euro sowie zahlreiche weitere Komfort- und Technikoptionen.

Viel Geld? Ohne Frage. Andererseits sprechen wir hier über ein 635 PS starkes Performance-SUV mit außergewöhnlicher Technik, einer sehr umfangreichen Ausstattung und einem Exterieur, das sich bewusst von lautem Auftritt und übertriebener Selbstdarstellung fernhält. Vor diesem Hintergrund wirkt der Preis zumindest nachvollziehbar, auch wenn er selbstverständlich nur für eine sehr kleine Käuferschicht realistisch sein dürfte.


Kundenfeedback

Ein Blick in Foren, soziale Netzwerke und die Kommentare unter Erfahrungsberichten zeigt schnell ein ungewöhnlich klares Bild. Der Range Rover Sport SV begeistert seine Besitzer vor allem durch seine enorme Bandbreite. Viele beschreiben ihn als eines der wenigen Fahrzeuge, das den Komfort eines luxuriösen Reisewagens mit der Performance eines echten Sportwagens verbindet. Besonders häufig gelobt werden der kraftvolle V8, das außergewöhnliche Fahrwerk und die beeindruckende Alltagstauglichkeit.

Auch die Materialqualität und die Verarbeitung werden von vielen Besitzern positiv hervorgehoben. Das hochwertige Interieur, die bequemen Sitze sowie das insgesamt sehr stimmige Bedienkonzept sorgen dafür, dass sich der Sport SV nicht nur auf der Landstraße, sondern auch auf langen Autobahnetappen ausgesprochen wohlfühlt.

Kritik gibt es dagegen vor allem an zwei Punkten. Zum einen spielt der Preis naturgemäß in einer Liga, die nur für wenige Käufer realistisch ist. Zum anderen sorgen Unterhalt, Versicherung und Wartung für laufende Kosten, die ebenfalls nicht unterschätzt werden sollten. Hinzu kommt die Sorge einiger Interessenten, wie sich die langfristige Ersatzteilversorgung und der Werterhalt entwickeln werden, nachdem Land Rover den Sport SV bereits nach vergleichsweise kurzer Bauzeit wieder eingestellt hat.

Unsere Eindrücke decken sich erstaunlich stark mit denen vieler Besitzer. Auch wir waren vor allem davon überrascht, wie mühelos der Sport SV den Spagat zwischen Komfort und Performance meistert. Genau darin liegt aus unserer Sicht seine größte Stärke. Weniger deshalb, weil er in einzelnen Disziplinen sämtliche Konkurrenten schlägt, sondern weil er sich praktisch keine nennenswerte Schwäche leistet. Das ist in dieser Fahrzeugklasse bemerkenswert.


Für wen eignet sich der Range Rover Sport SV?

Der Range Rover Sport SV richtet sich an Fahrer, die maximale Performance möchten, ohne auf den Komfort und die Alltagstauglichkeit eines großen Luxus-SUV verzichten zu wollen. Wer regelmäßig lange Strecken fährt, aber trotzdem Freude an kurvigen Landstraßen oder schnellen Autobahnetappen hat, findet hier einen der gelungensten Allrounder überhaupt.

Ebenso eignet sich der Sport SV für Kunden, denen Understatement wichtiger ist als ein möglichst extrovertierter Auftritt. Einige Konkurrenten stellen ihre Leistung bereits im Stand lautstark zur Schau, der Brite bleibt derweil angenehm zurückhaltend und überzeugt lieber mit seinen Fähigkeiten als mit großen Gesten.

Dank 647 Litern Kofferraumvolumen in Standardkonfiguration, bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast, großzügigem Platzangebot und hohem Langstreckenkomfort ist der Sport SV außerdem eines der wenigen Performance-Fahrzeuge, das sich problemlos als Familienauto oder Zugfahrzeug nutzen lässt.


Für wen eignet sich der Range Rover Sport SV nicht?

Wer in erster Linie einen möglichst komfortablen Range Rover sucht, sollte eher zum klassischen Range Rover (Test des Range Rover D350) – wahlweise auch als Langversion (Test des Range Rover LWB) erhältlich – oder einem entsprechend ausgestatteten Autobiography (Test des Range Rover Sport) greifen. Der Sport SV bietet zwar einen beeindruckend hohen Federungskomfort, setzt seinen Schwerpunkt aber klar auf Fahrdynamik.

Auch preisbewusste Käufer werden mit dem Sport SV kaum glücklich. Sowohl Anschaffung als auch Unterhalt bewegen sich auf einem sehr hohen Niveau. Gleiches gilt für Interessenten, die regelmäßig das volle Leistungspotenzial ausschöpfen möchten. Dann steigen Verbrauch und Betriebskosten naturgemäß deutlich an.

Und schließlich ist der Sport SV auch nicht das richtige Auto für Menschen, die möglichst viel Aufmerksamkeit suchen. Dafür ist er fast schon zu zurückhaltend. Seine größte Stärke besteht gerade darin, dass er seine außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht ständig wie ein Aushängeschild vor sich herträgt. Genau das macht ihn für die richtige Zielgruppe allerdings umso reizvoller.


Fazit zum Range Rover Sport SV

Der Range Rover Sport SV ist ein herrlich widersprüchliches Auto. Viel zu schwer, viel zu stark, viel zu teuer und nach objektiven Maßstäben vollkommen unnötig. Leider funktioniert er ausgesprochen gut.

Vor allem schafft er etwas, woran viele Performance-SUV scheitern: Er muss weder so tun, als wäre er ein Sportwagen, noch seine Range-Rover-Tugenden verleugnen. Er kann ausgesprochen schnell, erstaunlich komfortabel und völlig entspannt zugleich. Je nachdem, wonach einem gerade der Sinn steht.

Dass dafür zuletzt mindestens 183.800 Euro fällig waren, dürfte die Zielgruppe vermutlich mit jener Gelassenheit zur Kenntnis genommen haben, mit der andere Menschen einen Kaffee bestellen. Vernunft war beim Sport SV schließlich nie Teil des Lastenhefts.

Umso bedauerlicher ist, dass seine Geschichte bereits wieder vorbei ist. Wer noch einen der letzten Range Rover Sport SV findet und sowohl finanziell als auch charakterlich damit umgehen kann, bekommt einen der faszinierendsten Performance-SUV seiner Zeit.

Brauchen? Ganz sicher nicht. Haben wollen? Unbedingt.


Konkurrenz & Vergleich

Der Range Rover Sport SV bewegte sich in einer ausgesprochen illustren Gesellschaft. Rein nach Leistung und Fahrzeugkonzept zählt der Audi RS Q8 Performance (Test des Audi RS Q8 Performance) zu den direktesten Konkurrenten. Mit 640 PS liegt er praktisch auf Augenhöhe, kostet mit mindestens 160.000 Euro allerdings deutlich weniger. Ähnlich sieht es beim Mercedes-AMG GLE 63 S Coupé aus, der mit 612 PS ab 175.661 Euro startet, während BMW für den 625 PS starken X6 M mindestens 171.900 Euro verlangt.

Eine Etage exotischer wird es mit Lamborghini und Aston Martin. Der Lamborghini Urus SE kombiniert seinen V8 inzwischen ausschließlich mit einem Plug-in-Hybrid-System, leistet gewaltige 800 PS und startet bei 261.500 Euro. Aston Martin verlangt für den 707 PS starken DBX 707 mindestens 258.000 Euro. Der noch schärfere DBX S bringt es sogar auf 727 PS und beginnt ebenfalls bei 258.000 Euro.

Auch Porsche setzt beim aktuellen Cayenne Turbo auf Elektrifizierung. Das Cayenne Turbo E-Hybrid Coupé kommt auf 739 PS Systemleistung und kostet mindestens 193.200 Euro. Der eigentlich passendere Gegner für den Sport SV wäre allerdings der inzwischen eingestellte Cayenne Turbo GT (Test des Porsche Cayenne Turbo GT) gewesen. Mit 640 PS, extremer Fahrwerksabstimmung und einem damaligen Grundpreis von 205.000 Euro verfolgte er einen ähnlich kompromisslosen Ansatz. Emissionsvorgaben und Co. haben diesem Duell hierzulande leider vorzeitig den Stecker gezogen. Schade, das wäre interessant geworden.

Etwas außerhalb dieses Kreises bewegt sich der Bentley Bentayga Speed. 650 V8-PS und mindestens 268.800 Euro klingen zunächst nach einem natürlichen Gegner. Tatsächlich verfolgt der Bentley jedoch einen anderen Ansatz. Wie bereits unser Test des Bentley Bentayga EWB mit „nur“ 550 PS gezeigt hat, ist er stärker Genuss- als Angriffsinstrument. Der Range Rover Sport SV setzt den Schwerpunkt deutlich stärker auf Fahrdynamik. Ein Bentley eilt nicht. Er kommt an. Der SV dagegen kann durchaus den Eindruck vermitteln, der Termin hätte bereits vor zehn Minuten begonnen.

Preislich war der Range Rover Sport SV damit keineswegs konkurrenzlos, positionierte sich aber interessant zwischen den deutschen Performance-SUV und den deutlich teureren Exoten. Sein größter Trumpf lag weniger in der nackten Leistung als in der Kombination aus echter Range-Rover-Alltagstauglichkeit, Geländegängigkeit und einer fahrdynamischen Konsequenz, die man ihm auf den ersten Blick kaum zutraut. Gerade der RS Q8 Performance und der ehemalige Cayenne Turbo GT dürften ihm dabei am nächsten kommen.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D


Vorteile ✅

  • Extrem souveränes 6D-Dynamics-Fahrwerk
  • Brutaler V8-Sound und gewaltiger Schub
  • Sehr hochwertige Materialien und Verarbeitung
  • Hoher Langstrecken- und Alltagskomfort trotz Performance-Ausrichtung
  • Echte Range-Rover-Offroad-Fähigkeiten trotz Carbon und 635 PS

Nachteile ❌

  • Sehr hoher Anschaffungspreis
  • Unter Volllast exorbitanter Verbrauch
  • Weniger komfortorientiert als ein klassischer Range Rover
  • Modell inzwischen eingestellt und nur noch schwer verfügbar


Technische Daten des Range Rover Sport SV

ModellRange Rover Sport SV P635 Carbon
Länge x Breite x Höhe (m)4,97 x 2,04 (2,21 mit Außenspiegeln) x 1,81
Radstand (mm)2.998
MotorAchtzylinder-V-Motor mit Bi-Turbo-Aufladung
Hubraum (ccm)4.395
Leistung (kW / PS)467 / 635
Drehmoment (Nm)750
Getriebe8-Gang-Automatikgetriebe
AntriebAllrad
KraftstoffartSuper E10
Durchschnittsverbrauch (WLTP in Liter)11,7
Durchschnittsverbrauch (NEU! in Liter)11,7
CO²-Ausstoß (nach WLTP in g/km)266
AbgasnormEuro 6e
0 auf 100 km/h (in Sekunden)3,8
Höchstgeschwindigkeit (km/h)290
Leergewicht (kg)2.560
Kofferraumvolumen (l)647 – 1.491
FarbeSunrise Copper
Grundpreis (Euro)205.000
Testwagenpreis (Euro)233.155
Technische Daten: Range Rover Sport SV


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