Genesis Electrified G80
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Genesis Electrified G80 – Der unterschätzte Geheimtipp?

Wer sich für einen Genesis Electrified G80 interessiert, gehört vermutlich ohnehin nicht zu den Menschen, die morgens aufstehen und beschließen, einfach das Gleiche zu kaufen wie alle anderen. Dafür ist die elektrische Limousine der koreanischen Premiummarke schlicht zu selten. Während Audi, BMW oder Mercedes ihre elektrischen Business-Limousinen tausendfach auf deutsche Straßen bringen, bleibt der Electrified G80 ein Exot. Und genau das macht ihn so spannend.

Dabei bringt er auf dem Papier eigentlich alles mit, was ein modernes Premium-Elektroauto braucht. Über fünf Meter Länge, 370 PS, Allradantrieb, eine 94,5-kWh-Batterie, bis zu 570 Kilometer WLTP-Reichweite, ein riesiges 27-Zoll-OLED-Display und eine Ausstattung, bei der die Optionsliste erfreulich kurz ausfällt. Genesis verfolgt dabei einen anderen Ansatz als viele europäische Hersteller: Statt den Grundpreis niedrig erscheinen zu lassen und anschließend jede zweite Komfortfunktion teuer nachzureichen, steckt bereits serienmäßig erstaunlich viel Luxus in den Electrified G80.

Nach rund 1.500 Testkilometern blieb bei uns allerdings vor allem ein Gedanke hängen: Der Genesis Electrified G80 ist ein luxuriös anmutendes Schaukelpferd.

Das klingt zunächst deutlich negativer, als es gemeint ist. Tatsächlich beschreibt kaum eine andere Formulierung den Charakter dieser Limousine besser. Der Genesis gleitet mit beeindruckender Gelassenheit über lange Autobahnetappen, verwöhnt seine Insassen mit viel Komfort und strahlt dabei eine Ruhe aus, die hervorragend zu seinem eleganten Auftritt passt. Gleichzeitig interpretiert sein Fahrwerk den Begriff „Komfort“ auf eine ganz eigene Weise. Mal fühlt sich der Electrified G80 wie eine klassische Oberklasselimousine an, mal erinnert er eher an eine entspannte Schifffahrt. Das wird nicht jedem gefallen. Genau deshalb gehört er aber auch zu den interessantesten Elektro-Limousinen seiner Klasse.

Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob der Genesis Electrified G80 ein gutes Auto ist. Sondern für wen er tatsächlich das bessere Auto ist als ein BMW i5, Mercedes EQE oder Audi A6 e-tron. Genau das wollten wir im ausführlichen Alltagstest herausfinden. Fahrbericht.


Der Look

Die Farbe unseres Testwagens heißt offiziell Matira Blue. Das akzeptieren wir selbstverständlich. Genauso selbstverständlich akzeptieren wir aber auch jeden, der darin Grün oder Petrol erkennt. Nach einer Woche Testbetrieb waren sich sämtliche Beteiligten einig, dass sie sich nicht einig sind. Vielleicht ist genau das die größte Stärke dieser Lackierung: Sie verändert ihren Charakter je nach Licht, Wetter und Blickwinkel beinahe genauso häufig wie die Diskussion darüber.

Genau das passt erstaunlich gut zum Genesis Electrified G80. Auch sein Design entzieht sich jeder einfachen Schublade. Die Front wirkt selbstbewusst, ohne aggressiv zu sein. Die flache Dachlinie verleiht der über fünf Meter langen Limousine Eleganz, während das Heck angenehm klassisch wirkt und sich wohltuend vom mittlerweile fast schon obligatorischen SUV-Einerlei abhebt. Man merkt schnell: Dieses Auto möchte auffallen, allerdings auf eine ausgesprochen höfliche Art.

Dass viele Menschen dabei unweigerlich an Bentley denken, dürfte kaum Zufall sein. Das beginnt bereits beim markanten Markenlogo und setzt sich in der gesamten Linienführung fort. Dennoch wäre ein direkter Vergleich unfair. Der Genesis besitzt zwar gewisse stilistische Parallelen, entwickelt aber eine eigenständige Identität. Er wirkt luxuriös, ohne protzig zu sein, repräsentativ, ohne dabei den Eindruck zu vermitteln, seinen Kontostand jedem Passanten ungefragt mitteilen zu wollen.

Mit einer Länge von 5,14 Metern bewegt sich der Electrified G80 ohnehin bereits gefährlich nah an der Oberklasse. Je nach Perspektive wirkt er entweder überraschend schlank oder beeindruckend majestätisch. Besonders in der Seitenansicht kaschieren die harmonischen Proportionen die tatsächlichen Abmessungen erstaunlich gut. Erst wenn ein gewöhnlicher Kombi daneben parkt, wird einem bewusst, wie groß der Genesis tatsächlich ist.

Zu den gelungensten Details gehören aus unserer Sicht die markentypischen, zweigeteilten Lichtsignaturen sowie die seitlichen Blinker, die den hochwertigen Gesamteindruck zusätzlich unterstreichen. Überhaupt zeigt sich Genesis beim Design erfreulich konsequent. Statt möglichst viele Sicken, Kanten und künstliche Lufteinlässe unterzubringen, setzt man lieber auf klare Flächen und eine elegante Linienführung. Das verleiht dem Electrified G80 eine zeitlose Erscheinung, die vermutlich auch in einigen Jahren noch ausgesprochen stimmig wirken dürfte.

Wirkliche Schwächen konnten wir am Exterieur nicht entdecken. Natürlich bleibt Schönheit Geschmackssache. Wer allerdings eine elegante Limousine sucht, die sich angenehm von Audi, BMW und Mercedes abhebt, ohne dabei exzentrisch zu wirken, dürfte am Genesis Electrified G80 kaum vorbeikommen.


Und innen?

Wer zum ersten Mal im Genesis Electrified G80 Platz nimmt, merkt schnell, dass die Koreaner verstanden haben, worauf es in dieser Fahrzeugklasse ankommt. Helles Nappaleder, Echtholz, ein riesiges 27-Zoll-OLED-Display und angenehm weich gepolsterte Oberflächen sorgen bereits beim Einsteigen für ein hochwertiges Ambiente. Gleichzeitig wird aber auch klar, dass der G80 nicht versucht, eine Mercedes S-Klasse zu kopieren. Er verfolgt seinen eigenen Ansatz und positioniert sich irgendwo zwischen gehobener Business-Limousine und luxuriösem Chauffeursfahrzeug.

Ganz ehrlich: Wer bereits in aktuellen Hyundai- oder Kia-Modellen unterwegs war, wird sich hier erstaunlich schnell zurechtfinden. Das ist keineswegs negativ gemeint. Im Gegenteil. Die Bedienlogik gehört nach wie vor zu den besten am Markt. Während manche Hersteller den Fahrer mittlerweile durch verschachtelte Untermenüs schicken, erledigt Genesis viele Dinge erfreulich unkompliziert. Das Infotainment reagiert schnell, Wireless Apple CarPlay und Android Auto funktionierten in unserem Test zuverlässig und auch das Head-up-Display überzeugte im Alltag. Der Fingerabdrucksensor hingegen gehört eher in die Kategorie „Kann man machen, muss man aber nicht“. Technisch beeindruckend? Ja. Wirklich notwendig? Eher nicht.

Positiv gefällt auch die Kombination aus Touchscreen und klassischen Bedienelementen. Gerade während der Fahrt lässt sich vieles schneller und intuitiver bedienen als bei einigen Wettbewerbern. Lediglich die beiden Drehregler für Fahrstufe und Infotainment sehen sich derart ähnlich, dass man gerade in den ersten Tagen durchaus einmal versehentlich am falschen dreht. Das passiert zwar nur kurz, sorgt aber regelmäßig für den Gedanken: „Moment… das wollte ich eigentlich gerade nicht.“

Materialqualität und Verarbeitung hinterlassen insgesamt einen sehr guten Eindruck. Knarzgeräusche oder schlecht verarbeitete Bauteile konnten wir während unseres Tests nicht feststellen. Dennoch würden wir den Innenraum klassengerecht betrachtet knapp unter BMW, Mercedes oder Audi einordnen. Das liegt weniger an der Verarbeitung als vielmehr daran, dass an einigen Stellen die Konzernverwandtschaft zu Hyundai sichtbar wird. Einzelne Schalter, Bedienelemente oder Kunststoffflächen wirken nicht ganz so hochwertig, wie es der ansonsten sehr elegante Gesamteindruck vermuten lässt. Fairerweise muss man allerdings sagen: Auch eine aktuelle Mercedes E-Klasse erlaubt sich inzwischen ähnliche Ausrutscher.

Unser Testwagen war in der hellen Kombination aus Ecru Camel und Echtholz ausgeführt. Das sieht ausgesprochen edel aus und verleiht dem Innenraum beinahe Wohnzimmer-Atmosphäre. Gleichzeitig dürfte jeder Besitzer bereits nach dem ersten Blick auf eine dunkle Jeans unweigerlich darüber nachdenken, ob Lederpflege künftig nicht doch zu den regelmäßigen Wochenendbeschäftigungen gehören sollte.

Besonders beeindruckt hat uns das Platzangebot. Vorne sitzen selbst große Fahrer bequem, auch wenn die Sitzposition etwas höher ausfällt als beispielsweise bei Audi, BMW oder Mercedes. Uns hat das im Alltag nicht gestört. Wer deutlich größer als 1,80 Meter ist, könnte diesen Unterschied allerdings stärker wahrnehmen.

Richtig spannend wird es jedoch im Fond. Die um 13 Zentimeter verlängerte Karosserie macht sich hier deutlich bemerkbar. Die Beinfreiheit fällt geradezu üppig aus und übertrifft aus unserer Sicht sogar viele direkte Konkurrenten wie den Audi A6 oder die Mercedes E-Klasse. Beine übereinanderschlagen? Kein Problem. Dazu kommen ausgesprochen bequeme Sitze, elektrisch öffnende Fondtüren, Sonnenrollos sowie zahlreiche Komfortfunktionen, die den Eindruck einer Chauffeurslimousine durchaus unterstützen. Dennoch fehlt dem G80 das letzte Quäntchen Prestige, Atmosphäre und Exklusivität, das ein Genesis G90 oder klassische Oberklassemodelle ausstrahlen. Der G80 fährt seine Passagiere ausgesprochen komfortabel. Er lässt sie jedoch nicht vergessen, dass sie eben doch noch in der oberen Mittelklasse unterwegs sind.

Unser Tipp: Wer regelmäßig zu fünft fährt, sollte sich die Platzverhältnisse genau ansehen. Zu viert reist es sich im Electrified G80 schlicht deutlich angenehmer.


Der Antrieb des Genesis Electrified G80

370 PS und 700 Newtonmeter Drehmoment klingen zunächst einmal nach einer Limousine, die bereits beim Gedanken an eine grüne Ampel nervös mit den Reifen scharrt. Der Genesis Electrified G80 sieht das erfreulich gelassen. Im Normalmodus fährt er sich ausgesprochen kultiviert, beinahe zurückhaltend. Fast so, als wolle er seinem Fahrer zunächst höflich die Gelegenheit geben, sich an die Leistung zu gewöhnen. Wer dagegen den Sportmodus aktiviert, lernt innerhalb weniger Sekunden eine völlig andere Persönlichkeit kennen. Dann verschwindet jede Zurückhaltung und der G80 marschiert mit einer Vehemenz nach vorne, die man diesem eleganten Gentleman zunächst gar nicht zutrauen würde.

Genau darin liegt übrigens eine seiner größten Stärken. Der Electrified G80 muss niemandem permanent beweisen, wie schnell er ist. Im Alltag genügt oft ein leichter Druck aufs Fahrpedal, um souverän im Verkehr mitzuschwimmen oder Überholmanöver mühelos abzuschließen. Erst wenn man die volle Leistung abruft, erinnert die elektrische Limousine daran, dass 370 PS und 700 Nm eben doch keine theoretischen Datenblattwerte sind.

Längsdynamisch kaschiert der Genesis sein stattliches Gewicht erstaunlich gut. Beim Beschleunigen wirkt die rund 2,4 Tonnen schwere Limousine deutlich leichter, als sie tatsächlich ist. Ganz anders sieht es allerdings in schnellen Richtungswechseln oder beim Bremsen aus. Hier lässt sich die Physik nicht vollständig überlisten. Der G80 bleibt jederzeit sicher und berechenbar, vermittelt seinem Fahrer aber durchaus das Gefühl, dass hier eine große und schwere Limousine unterwegs ist.

Je nach Fahrmodus verändert sich der Charakter des Fahrzeugs spürbar. Während Eco und Normal den Fokus klar auf entspanntes Reisen legen, wird das Ansprechverhalten im Sportmodus deutlich direkter. Nicht nur der Antrieb reagiert spontaner, auch die Lenkung gewinnt spürbar an Gewicht und vermittelt mehr Verbindung zur Fahrbahn. Das macht den Genesis zwar nicht plötzlich zum Sportwagen, sorgt aber dafür, dass sich die große Limousine auf kurvigen Straßen wesentlich verbindlicher anfühlt.


Der Chauffeur-Modus des Genesis Electrified G80

Die meisten Fahrmodi versprechen mehr Dynamik, mehr Sportlichkeit oder mehr Effizienz. Genesis geht noch einen Schritt weiter und spendiert dem Electrified G80 einen eigenen Chauffeur-Modus. Bereits der Name verrät, worum es hier geht: Nicht der Fahrer steht im Mittelpunkt, sondern die Menschen auf den Rücksitzen.

Aktiviert man den Chauffeur-Modus, verändert sich der Charakter der Limousine spürbar. Die Beschleunigung erfolgt deutlich sanfter, auch die Rekuperation arbeitet zurückhaltender und sämtliche Fahrbefehle werden wesentlich geschmeidiger umgesetzt. Der Genesis fährt dann beinahe so, als hätte er sich vorgenommen, den Kaffee auf der Mittelarmlehne unter allen Umständen vor dem Überschwappen zu bewahren.

Gerade auf langen Autobahnetappen oder bei entspannten Überlandfahrten funktioniert dieses Konzept ausgesprochen gut. Wer häufig Geschäftspartner oder Familienmitglieder chauffiert, wird den Unterschied schnell bemerken. Der Electrified G80 wirkt in diesem Modus noch souveräner und entspannter als ohnehin schon.

Für ambitionierte Fahrer dürfte der Chauffeur-Modus dagegen eher selten zum Einsatz kommen. Dafür reagiert der Antrieb schlicht zu zurückhaltend. Gut so. Schließlich wäre ein Chauffeur, der bei jeder grünen Ampel den Sprintrekord der Formel E angreifen möchte, vermutlich auch nicht besonders lange angestellt.


Alltag & Verbrauch

Das Fahrwerk des Electrified G80 ist außergewöhnlich weich. Leider verwechselt es „komfortabel“ gelegentlich mit „Seegang“. Wer Schiffstouren liebt, wird begeistert sein. Wer schon beim Anblick einer Fähre vorsichtshalber Reisetabletten einpackt, sollte den Sportmodus zumindest griffbereit halten. Tatsächlich baten wir während unseres Tests sogar um einen kurzen Zwischenstopp. Nicht, weil der Genesis eine Pause brauchte. Sondern weil einer unserer Mitfahrer verhindern wollte, dass der Wagen unmittelbar nach der Testfahrt zum Aufbereiter muss.

So überspitzt das auch klingen mag: Genau darin liegt der wohl größte Kritikpunkt am Electrified G80. Das adaptive Fahrwerk spricht ausgesprochen weich an und bügelt lange Bodenwellen nahezu mühelos glatt. Gerade auf der Autobahn oder gut ausgebauten Landstraßen vermittelt die Limousine eine angenehme Gelassenheit und lädt zum entspannten Dahingleiten ein. Gleichzeitig entwickelt der Genesis jedoch eine Art vertikale Schaukelbewegung, die wir so bislang bei kaum einem anderen Fahrzeug erlebt haben.

Während eine Mercedes S-Klasse oder ein BMW 7er Unebenheiten nahezu lautlos „wegatmen“, beginnt der Genesis auf bestimmten Straßen regelrecht auf und ab zu schaukeln. Das fühlt sich weniger nach Luftfederung als vielmehr nach einer gemütlichen Fahrt auf einem Katamaran an. Die einen werden genau dieses Fahrgefühl lieben. Andere reagieren deutlich empfindlicher darauf. Genau deshalb polarisiert der Electrified G80 beim Thema Fahrkomfort vermutlich stärker als jeder seiner direkten Konkurrenten.

Kleine Querfugen oder Schlaglöcher bleiben durchaus spürbar, werden aber sauber gedämpft. Erst bei größeren Bodenwellen oder stärkeren Fahrbahnverwerfungen zeigt sich, dass das Fahrwerk Komfort teilweise über Karosseriekontrolle stellt. Besonders im Comfort-Modus entsteht dadurch jenes typische Aufschaukeln, das den Charakter des G80 so einzigartig macht.

Abhilfe schafft der Sportmodus. Die Dämpfer arbeiten dann spürbar straffer, die Karosserie beruhigt sich und auch die Lenkung gewinnt deutlich an Präzision. Aus dem luxuriösen Schaukelpferd wird dadurch zwar kein Sportwagen, wohl aber eine wesentlich verbindlichere Reiselimousine. Wer häufiger auf kurvigen Landstraßen oder zügig auf der Autobahn unterwegs ist, dürfte den Sportmodus deshalb häufiger nutzen als zunächst gedacht.


22,8 kWh / 100 km gehen für den Genesis Electrified G80 in Ordnung

Apropos Lenkung: Diese arbeitet angenehm leichtgängig und passt hervorragend zum entspannten Charakter des Fahrzeugs. Zwar dürfte sie gern etwas mehr Rückmeldung vermitteln, präzise ist sie jedoch jederzeit. Im Sportmodus fühlt sie sich spürbar direkter an und vermittelt mehr Vertrauen. Unterstützt wird sie dabei von der optionalen Hinterachslenkung. Gerade beim Rangieren macht sie einen erstaunlich großen Unterschied. Natürlich bleibt der Genesis mit über fünf Metern Länge eine stattliche Limousine. Im Stadtverkehr oder Parkhaus fühlt er sich allerdings deutlich kleiner an, als seine Abmessungen vermuten lassen.

Einen ebenso gelungenen Eindruck hinterlässt die Geräuschdämmung. Wind- und Abrollgeräusche bleiben selbst bei höheren Geschwindigkeiten angenehm im Hintergrund. Das serienmäßige Active Road Noise Canceling arbeitet dabei so unauffällig, dass man kaum beurteilen kann, ob das Auto hervorragend gedämmt ist oder die Elektronik schlicht ausgezeichnet trickst. Wahrscheinlich steckt von beidem etwas darin. Das Bang & Olufsen Soundsystem liefert ebenfalls eine überzeugende Vorstellung ab. Es spielt klar, kräftig und ausgewogen, bewegt sich klanglich aus unserer Sicht jedoch eher auf dem Niveau eines guten Harman/Kardon- oder mittleren Burmester-Systems als im absoluten High-End-Bereich. Die verschiedenen Klangwelten und Ambienteprogramme sind eine nette Spielerei, im Alltag wird man sie allerdings vermutlich ähnlich häufig nutzen wie den integrierten Taschenrechner auf einer Smartwatch.

Während unseres rund 1.500 Kilometer langen Tests pendelte sich der Durchschnittsverbrauch bei 22,8 kWh pro 100 Kilometer ein. Angesichts einstelliger Außentemperaturen, eingeschalteter Heizung und einem ausgewogenen Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn geht dieser Wert absolut in Ordnung. Auf der Autobahn genehmigte sich der Electrified G80 27,7 kWh/100 km, in der Stadt waren es 21,2 kWh. Besonders sparsam ließen sich sogar 14,6 kWh realisieren, während bei sehr fordernder Fahrweise kurzzeitig bis zu 38,2 kWh möglich waren.


Laden & Reichweite

Den Ladeanschluss zu finden, gehört zunächst zu den ersten Aufgaben des neuen Besitzers. Genesis hat ihn so geschickt im Kühlergrill versteckt, dass selbst wir zweimal hinschauen mussten. Das hat einen angenehmen Nebeneffekt: Geschlossen erkennt kaum jemand, dass hier überhaupt ein Elektroauto steht. Weniger angenehm wird es allerdings an manchen Ladesäulen. Dann steht man plötzlich quer vor der Säule und erklärt vorbeilaufenden Menschen mit ernster Miene, dass das alles genau so sein muss.

Technisch bringt der Electrified G80 grundsätzlich gute Voraussetzungen mit. Die 94,5-kWh-Batterie soll laut Hersteller bis zu 570 Kilometer nach WLTP ermöglichen und kann dank der 400-/800-Volt-Architektur mit bis zu 240 kW Gleichstrom geladen werden. Hinzu kommen eine manuell aktivierbare Batterie-Vorkonditionierung, eine Wärmepumpe sowie Vehicle-to-Load (V2L) für die externe Stromversorgung.

Im Alltag sieht das Bild allerdings etwas differenzierter aus. Während unseres Tests zeigte das Kombiinstrument bei vollständig geladener Batterie rund 355 Kilometer Reichweite an. Unter den herrschenden Bedingungen mit einstelligen Außentemperaturen und eingeschalteter Heizung waren davon realistisch etwa 290 bis 300 Kilometer erreichbar. Das ist keineswegs schlecht, liegt im Wettbewerbsumfeld inzwischen aber eher im Mittelfeld als an der Spitze.

Positiv überraschte dagegen die Ladeleistung. Obwohl Genesis je nach Quelle unterschiedliche Maximalwerte kommuniziert, erreichten wir an einer entsprechend leistungsfähigen Schnellladesäule einen Peak von 224 kW. Besonders erfreulich: Die hohe Ladeleistung blieb nicht nur für wenige Sekunden erhalten, sondern hielt sich ungefähr zwischen 35 und 65 Prozent Ladezustand auf einem bemerkenswert hohen Niveau.

Auch unsere Ladezeiten konnten sich sehen lassen. Von 21 auf 80 Prozent vergingen lediglich 24 Minuten. Selbst ein Ladevorgang von 11 auf 80 Prozent war bereits nach 33 Minuten abgeschlossen. Wer von 40 auf 100 Prozent lädt, sollte rund 44 Minuten einplanen. Damit eignet sich der Electrified G80 durchaus für längere Reisen, zumal die Batterie-Vorkonditionierung zuverlässig arbeitet und den Akku rechtzeitig auf die optimale Ladetemperatur bringt.

Dennoch würden wir uns künftig noch etwas mehr wünschen. Gerade chinesische Hersteller wie XPeng zeigen mittlerweile eindrucksvoll, dass Ladeleistungen von deutlich über 300 kW keine Zukunftsmusik mehr sind. Vor diesem Hintergrund wirkt der Genesis zwar keineswegs langsam, den Anspruch einer technischen Spitzenposition kann er beim Thema Schnellladen jedoch nicht mehr uneingeschränkt für sich beanspruchen.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Früher erkannte man Premiumfahrzeuge häufig an langen Aufpreislisten. Heute erkennt man sie manchmal daran, wie lange der Konfigurator lädt. Genesis geht beim Electrified G80 erfreulicherweise einen anderen Weg. Bereits das Basismodell bringt eine umfangreiche Ausstattung mit, für die man bei vielen Wettbewerbern zunächst einmal mehrere Ausstattungslinien und Optionen auswählen müsste. Dazu gehören unter anderem das 27-Zoll-CCiC-Panoramadisplay, das Bang & Olufsen Soundsystem, der Fingerabdrucksensor, elektrisch einstellbare Vordersitze sowie zahlreiche Assistenzsysteme. Das sorgt dafür, dass sich der Genesis bereits ohne Häkchen-Marathon ausgesprochen komplett anfühlt.

Zu den Highlights zählt für uns ganz klar die 360-Grad-Kamera. Sie liefert ein gestochen scharfes Bild und erleichtert das Rangieren der über fünf Meter langen Limousine erheblich. Ebenfalls hervorragend gelöst ist die Totwinkelkamera („Blind Spot Monitor“). Sobald der Blinker gesetzt wird, erscheint das Livebild der entsprechenden Fahrzeugseite direkt im digitalen Kombiinstrument. Was zunächst wie ein nettes Technik-Gimmick wirkt, entwickelt sich bereits nach wenigen Kilometern zu einer Funktion, auf die man nur äußerst ungern wieder verzichten möchte. Hyundai, Kia und Genesis gehören in diesem Bereich seit Jahren zu den Klassenbesten.

Einen guten Eindruck hinterlassen auch die adaptiven LED-Scheinwerfer. Sie sorgen nachts für eine homogene Ausleuchtung der Fahrbahn und erhöhen den Fahrkomfort auf langen Strecken spürbar. An die Präzision moderner Matrix-Systeme wie Mercedes Multibeam LED oder Audis Matrix LED reichen sie aus unserer Sicht nicht heran. Der Unterschied fällt im Alltag nicht dramatisch aus, im direkten Vergleich erkennt man ihn jedoch durchaus.

Auch die Assistenzsysteme arbeiten insgesamt auf einem hohen Niveau. Der adaptive Tempomat regelt angenehm harmonisch, der Spurfolgeassistent unterstützt zuverlässig und auch der Totwinkel-Kollisionsvermeidungsassistent verrichtet seine Arbeit unauffällig. Lediglich hin und wieder reagieren einzelne Systeme etwas hektischer, als wir es beispielsweise von BMW oder Mercedes kennen.

Nun kommen wir allerdings zu jenem Kollegen im Auto, der es mit seiner Fürsorge gelegentlich etwas übertreibt. Der Aufmerksamkeitsassistent meint es wirklich gut. Vielleicht sogar ein bisschen zu gut. Ein kurzer Blick zur Seite, ein Flugzeug am Himmel oder ein besonders interessantes Gebäude genügen mitunter bereits, damit sich der Genesis vorsorglich nach dem Wohlbefinden seines Fahrers erkundigt. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, dürfte im Alltag aber gern gelassener abgestimmt sein.

Ähnlich verhält es sich mit dem Geschwindigkeitswarner. Er lässt sich zwar erfreulich unkompliziert deaktivieren, dennoch gehört das Ausschalten nach jedem Fahrzeugstart schnell zur morgendlichen Routine. Schade eigentlich, denn ohne diese beiden etwas übereifrigen Helfer würden die Assistenzsysteme des Electrified G80 insgesamt einen noch besseren Eindruck hinterlassen.


Varianten & Preise des Genesis Electrified G80

Der Genesis Electrified G80 ist in Deutschland sehr übersichtlich konfigurierbar. Statt zahlloser Ausstattungslinien beschränkt sich Genesis auf zwei Varianten. Das Basismodell trägt den Namen Premium und startet bei 77.180 Euro. Darüber rangiert die Luxury-Ausstattung für 81.280 Euro, die bereits zahlreiche zusätzliche Komfortmerkmale mitbringt.

Auch bei den Lackierungen hält sich Genesis angenehm zurück. Die Uni-Lackierung Alta White ist ohne Aufpreis erhältlich. Sämtliche Metallic-Farben schlagen dagegen mit 990 Euro zu Buche. Wer seinen G80 besonders individuell gestalten möchte, kann sich außerdem für Makalu Grey Matt entscheiden. Die matte Lackierung kostet allerdings stattliche 2.890 Euro extra.

Zu den wenigen Einzeloptionen gehört die Hinterachslenkung für 1.250 Euro. Aus unserer Sicht ist sie ihr Geld durchaus wert. Gerade im Stadtverkehr, in Parkhäusern oder beim Rangieren nimmt sie der über fünf Meter langen Limousine spürbar ihre Größe und macht den Electrified G80 deutlich handlicher.

Wer sich für das Komfort-Paket entscheidet, investiert weitere 1.990 Euro. Dafür gibt es unter anderem belüftete Sitze, eine elektrische Kofferraumklappe, Massagefunktion für Fahrer und Beifahrer, umfangreicher elektrisch einstellbare Vordersitze inklusive Seitenwangen und Sitzflächenverlängerung sowie eine Speicherfunktion für beide Vordersitze. Gerade Vielfahrer dürften dieses Paket schnell zu schätzen wissen.

Noch deutlich exklusiver fällt das Erweiterte Komfort-Paket aus. Mit 9.230 Euro handelt es sich zwar um eine kostspielige Investition, dafür verwandelt sich der G80 endgültig in eine komfortorientierte Reiselimousine. Neben Soft-Close-Türen vorne und hinten gehören unter anderem elektrisch verstellbare Fondsitze mit Memory-Funktion, Sitzheizung und Sitzbelüftung im Fond, elektrische Sonnenrollos, eine 3-Zonen-Klimaautomatik mit separatem Bedienteil im Fond, eine ausklappbare Beinauflage, elektrisch verstellbare Kopfstützen sowie zahlreiche weitere Komfortdetails zum Lieferumfang. Wer den Electrified G80 regelmäßig mit Geschäftspartnern oder Familienmitgliedern auf den Rücksitzen bewegt, erhält hier einen deutlichen Mehrwert.

Eine Entscheidung von Genesis konnten wir allerdings nicht ganz nachvollziehen. Während viele Wettbewerber inzwischen selbstverständlich ein Panorama-Glasdach anbieten, ist ein solches für den Electrified G80 mittlerweile überhaupt nicht mehr erhältlich. Schade eigentlich. Gerade zu dem hellen und luftigen Charakter des Innenraums hätte ein großes Glasdach hervorragend gepasst.

Optional bietet Genesis außerdem den Genesis Care Plan LITE für 3.380 Euro an. Dieser umfasst über einen Zeitraum von fünf Jahren beziehungsweise zwei planmäßige Wartungen sämtliche Service- und Wartungsarbeiten nach Herstellervorgabe inklusive Arbeitszeit und der hierfür benötigten Ersatzteile. Zusätzlich stellt Genesis für jede Wartung einen Ersatzwagen für bis zu zwei Kalendertage zur Verfügung. Wer seinen Electrified G80 langfristig fahren möchte, erhält damit ein kalkulierbares Wartungspaket, das im Premiumsegment durchaus einen Blick wert ist.


Kundenfeedback

Da der Genesis Electrified G80 auf deutschen Straßen nach wie vor eine absolute Rarität ist, fällt auch die Zahl der Besitzerberichte vergleichsweise klein aus. Liest man sich jedoch durch internationale Foren, zeichnet sich ein erstaunlich einheitliches Bild.

Besonders häufig gelobt werden das elegante Design, die außergewöhnlich hohe Verarbeitungsqualität sowie das luxuriöse Ambiente. Viele Besitzer berichten, dass sie sich bewusst gegen Audi, BMW oder Mercedes entschieden haben, weil ihnen der Genesis individueller erscheint und gleichzeitig deutlich umfangreicher ausgestattet ist. Auch Fahrkomfort, Geräuschdämmung sowie der kräftige Elektroantrieb werden regelmäßig positiv hervorgehoben. Mehrere Fahrer beschreiben den Electrified G80 sogar als das angenehmste Elektroauto, das sie bislang gefahren sind.

Ebenfalls häufig erwähnt wird der Exotenstatus. Viele Besitzer genießen es, ein Fahrzeug zu fahren, das nur wenige Menschen kennen. Gleichzeitig berichten sie davon, regelmäßig auf die Marke oder das Fahrzeug angesprochen zu werden. Gerade diese Individualität scheint für viele Käufer ein entscheidender Grund gewesen zu sein, sich bewusst gegen die etablierten deutschen Premiumhersteller zu entscheiden.

Ganz ohne Kritik kommt allerdings auch der Electrified G80 nicht davon. Am häufigsten genannt werden der kleine und aufgrund der Batterie wenig praktische Kofferraum sowie die nicht umklappbare Rücksitzbank. Auch die vergleichsweise hohe Sitzposition wird von größeren Fahrern regelmäßig angesprochen. Einige Besitzer bemängeln außerdem das mittlerweile fehlende Panorama-Glasdach, das inzwischen selbst in deutlich günstigeren Elektroautos häufig erhältlich ist.

Interessanterweise taucht noch ein weiterer Kritikpunkt immer wieder auf: Das Bang & Olufsen Soundsystem überzeugt zwar viele Nutzer, einige hätten sich allerdings einen kräftigeren Bass und insgesamt mehr Dynamik gewünscht. Vereinzelt werden zudem kleinere Software- oder Verbindungsprobleme mit Apple CarPlay beziehungsweise der Freisprecheinrichtung erwähnt. Größere Zuverlässigkeitsprobleme scheinen dagegen bislang nicht typisch für den Electrified G80 zu sein.

Unterm Strich fällt das Stimmungsbild unter Besitzern bemerkenswert positiv aus. Wer sich für einen Electrified G80 entscheidet, scheint dies ganz bewusst zu tun und bereut diese Entscheidung in den allermeisten Fällen nicht. Die meisten Kritikpunkte betreffen weniger die Qualität des Fahrzeugs als vielmehr seine Verpackung und einzelne Ausstattungsdetails. Gerade deshalb wirkt der Genesis auf viele Eigentümer wie ein Geheimtipp, den man nur ungern wieder hergeben möchte.


Für wen eignet sich der Genesis Electrified G80

Der Genesis Electrified G80 richtet sich an Menschen, die bewusst etwas anderes fahren möchten als den automobilen Mainstream. Wer bei einer elektrischen Limousine nicht automatisch an BMW, Audi oder Mercedes denkt, sondern Eleganz, Understatement und Individualität schätzt, findet hier eine der spannendsten Alternativen am Markt.

Besonders wohl fühlen dürften sich Langstreckenfahrer, die hohen Fahrkomfort, eine ausgezeichnete Geräuschdämmung und einen kräftigen, jederzeit souveränen Elektroantrieb höher bewerten als maximale Fahrdynamik. Auch Käufer, die bereits ab Werk eine umfangreiche Ausstattung erwarten und keine Lust auf endlose Optionslisten haben, werden am Electrified G80 ihre Freude haben.

Seine größte Stärke spielt der Genesis außerdem aus, wenn überwiegend zu zweit oder zu viert gereist wird. Das großzügige Platzangebot im Fond, die hochwertigen Sitze und zahlreiche Komfortfunktionen machen ihn zu einer hervorragenden Reiselimousine. Wer einen eleganten Exoten mit hoher Alltagstauglichkeit sucht und sich nicht über einen fehlenden Stern oder Propeller auf der Motorhaube definiert, sollte den Electrified G80 unbedingt Probe fahren.


Für wen eignet sich der Genesis Electrified G80 nicht?

Der Genesis Electrified G80 ist nicht die richtige Wahl für Fahrer, die ein besonders straffes oder sportliches Fahrwerk erwarten. Seine außergewöhnlich weiche Abstimmung besitzt zweifellos Charakter, dürfte aber nicht jedermanns Geschmack treffen.

Auch Vielfahrer mit regelmäßig sehr langen Autobahnetappen im Winter sollten die reale Reichweite im Blick behalten. Moderne Wettbewerber, insbesondere einige chinesische Hersteller, bieten mittlerweile spürbare Vorteile bei Effizienz und Schnellladeleistung.

Wer regelmäßig einen großen und variablen Kofferraum benötigt oder Anhänger beziehungsweise Fahrradträger nutzen möchte, findet bei anderen Modellen ebenfalls passendere Alternativen. Gleiches gilt für Käufer, denen Markenprestige wichtiger ist als Individualität. In diesem Fall werden Audi, BMW oder Mercedes vermutlich weiterhin die erste Wahl bleiben.

Der Genesis Electrified G80 ist kein Auto für jedermann. Das macht ihn aber für die richtige Zielgruppe umso interessanter.


Fazit zum Genesis Electrified G80

Selten fiel uns ein Fazit so leicht wie beim Genesis Electrified G80. Nicht, weil dieses Auto keine Schwächen hätte. Sondern weil es einen ganz eigenen Charakter besitzt. Und genau der entscheidet letztlich darüber, ob man ihn lieben oder stehen lassen wird.

Der Electrified G80 überzeugt mit einem eleganten Design, einem hochwertigen Innenraum, einem souveränen Elektroantrieb und einer umfangreichen Serienausstattung. Gleichzeitig leistet er sich aber auch Eigenheiten, die man vor dem Kauf kennen sollte. Das außergewöhnlich weich abgestimmte Fahrwerk polarisiert, die reale Reichweite fällt insbesondere im Winter überschaubar aus und auch bei Themen wie Ladeleistung oder Materialanmutung haben einige Wettbewerber inzwischen aufgeholt oder sogar vorbeigezogen.

Dennoch würden wir einen Genesis Electrified G80 jederzeit einem beliebigen Premium-Einerlei vorziehen. Nicht, weil er objektiv das beste Auto seiner Klasse wäre. Sondern weil er Charakter besitzt. Er fühlt sich anders an, fährt anders und sieht anders aus. Das ist in einer Zeit, in der sich viele Elektroautos zunehmend ähneln, fast schon eine kleine Besonderheit.

Vielleicht beschreibt deshalb keine Formulierung den Electrified G80 besser als jene, mit der wir diesen Test begonnen haben: Er ist ein luxuriös anmutendes Schaukelpferd. Wer sich auf diesen Charakter einlässt, erhält eine außergewöhnlich komfortable, elegante und angenehm exklusive Reiselimousine. Wer dagegen die Perfektion einer deutschen Oberklasselimousine oder die technische Kompromisslosigkeit moderner Elektroautos erwartet, wird vermutlich woanders glücklicher.

Der Genesis Electrified G80 ist kein Auto für jedermann. Er ist ein Auto für Individualisten. Und genau deshalb dürfte er seinen Besitzern oft deutlich länger in Erinnerung bleiben als manch objektiv „besseres“ Fahrzeug.


Konkurrenz & Vergleich

Mit einem Einstiegspreis von 77.180 Euro bewegt sich der Genesis Electrified G80 mitten im Segment der elektrischen Premium-Limousinen. Die Auswahl an Konkurrenten ist mittlerweile größer denn je und reicht von den etablierten deutschen Herstellern über skandinavische Alternativen bis hin zu immer stärker werdenden chinesischen Marken.

Zu den direktesten Wettbewerbern gehört zweifellos der BMW i5, der ab 74.600 Euro erhältlich ist. Er fährt spürbar dynamischer, bietet eine präzisere Lenkung und gehört beim Infotainment weiterhin zu den Klassenbesten. Der Genesis setzt dagegen auf mehr Understatement, ein luxuriöseres Ambiente und eine umfangreichere Serienausstattung. Wer gerne aktiv fährt, dürfte sich im BMW wohler fühlen. Wer Komfort und Individualität höher bewertet, sollte den Electrified G80 unbedingt auf die Probefahrt-Liste setzen.

Der Mercedes-Benz EQE startet bereits ab 65.171 Euro und verfolgt einen ähnlichen Komfortansatz wie der Genesis. Gleichzeitig arbeitet der Mercedes effizienter, erzielt höhere Reichweiten und überzeugt mit seiner modernen Elektroplattform. Der Genesis kontert wiederum mit einer klassischeren Limousinenform, hochwertiger Materialanmutung und einem Bedienkonzept, das vielen Fahrern vertrauter vorkommen dürfte als die stark digitalisierte Mercedes-Welt.

Mit dem Audi A6 e-tron (ab 62.800 Euro) steht außerdem einer der modernsten Vertreter dieser Klasse bereit. Seine hohe Effizienz, die überzeugende 800-Volt-Technik sowie die starke Ladeleistung machen ihn insbesondere für Vielfahrer äußerst interessant. Der Genesis wirkt dagegen emotionaler, exklusiver und bietet bereits ab Werk eine Ausstattung, für die Audi-Kunden oftmals deutlich tiefer in die Optionsliste eintauchen müssen.


Auch Volvo hat eine E-Limousine in petto

Der Volvo ES90 (ab 71.490 Euro) richtet sich an Käufer, die skandinavisches Design, moderne Sicherheitstechnik und hohe Reichweiten schätzen. Während der Volvo mit seiner 800-Volt-Technik und Ladeleistungen von bis zu 350 kW technologisch neue Maßstäbe setzt, punktet der Genesis mit seinem wohnlicheren Innenraum und einer insgesamt klassischeren Interpretation einer Luxuslimousine.

Spannend wird der Vergleich mit den chinesischen Herausforderern. Der XPeng P7+ (Test des XPeng P7+ RWD) startet bereits ab 46.600 Euro und kostet damit mehr als 30.000 Euro weniger als der Genesis. Gleichzeitig demonstriert er eindrucksvoll, wie weit Hersteller aus China bei Software, Ladeleistung und Effizienz inzwischen gekommen sind. Der Genesis bietet zwar weiterhin das hochwertigere Interieur und mehr Premium-Flair, technisch ist der Vorsprung gegenüber dem XPeng inzwischen deutlich kleiner geworden.

Ähnliches gilt für den BYD Seal ab 47.990 Euro (Test des BYD Seal AWD). Auch hier erhält der Käufer sehr viel Elektroauto für vergleichsweise wenig Geld. Bei Materialqualität, Geräuschkomfort und Langstreckenluxus besitzt der Genesis weiterhin Vorteile, beim Preis-Leistungs-Verhältnis gehört der BYD Seal allerdings zweifellos zu den stärksten Angeboten seiner Klasse.

Wer vor allem maximale Alltagstauglichkeit sucht, sollte außerdem einen Blick auf den VW ID.7 (Test des VW ID.7 Pro S) werfen. Ab 54.505 Euro bietet er einen deutlich größeren und variableren Kofferraum, überzeugt mit hoher Effizienz und zählt zu den besten elektrischen Langstreckenfahrzeugen im Volkswagen-Konzern. Emotional erreicht der ID.7 den Genesis zwar nicht, rational betrachtet liefert er jedoch ein äußerst stimmiges Gesamtpaket.


Der Genesis Electrified G80 gegen Lucid Air und Porsche Taycan

Eine Klasse für sich ist der Lucid Air Pure (Test des Lucid Air Pure RWD), der ab 85.900 Euro erhältlich ist. Er übertrifft den Genesis bei Reichweite, Effizienz und Antriebstechnik teilweise deutlich und zählt zu den technologisch beeindruckendsten Elektro-Limousinen überhaupt. Dafür verlangt Lucid allerdings auch einen höheren Einstiegspreis und setzt stärker auf technische Innovation als auf klassisches Luxusgefühl.

Am anderen Ende des Spektrums wartet schließlich der Porsche Taycan ab 102.600 Euro. Er richtet sich an Käufer, die maximale Fahrdynamik suchen und dafür bewusst Kompromisse beim Komfort oder Platzangebot eingehen. Der Genesis verfolgt exakt die gegenteilige Philosophie. Er möchte nicht die sportlichste Limousine sein, sondern die entspannteste.

Unterm Strich positioniert sich der Genesis Electrified G80 genau zwischen diesen Welten. Er ist komfortabler und exklusiver als viele Volumenmodelle, klassischer und luxuriöser als zahlreiche moderne Elektroautos und gleichzeitig deutlich individueller als die deutschen Premiumhersteller. Gerade diese Mischung macht ihn bis heute zu einer der interessantesten Alternativen im Segment der elektrischen Premium-Limousinen.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D


Vorteile ✅

  • Elegantes und außergewöhnliches Design mit hohem Exklusivitätsfaktor
  • Hochwertiger Innenraum mit enormem Platzangebot im Fond
  • Kraftvoller und kultivierter Elektroantrieb mit überzeugendem Langstreckenkomfort
  • Umfangreiche Serienausstattung und durchdachtes Bedienkonzept
  • Gute Ladeleistung und zuverlässige Batterie-Vorkonditionierung

Nachteile ❌

  • Fahrwerk schaukelt auf schlechten Straßen teilweise deutlich auf
  • Reale Reichweite könnte insbesondere im Winter höher ausfallen
  • Kleiner Kofferraum ohne große Variabilität
  • Aufmerksamkeitsassistent reagiert gelegentlich zu sensibel
  • Ladeanschluss im Kühlergrill wirkt zwar elegant, ist an manchen Ladesäulen aber unpraktisch


Technische Daten des Genesis Electrified G80

ModellGenesis Electrified G80 Luxury
Länge x Breite x Höhe (m)5,14 x 1,93 (2,12 mit Außenspiegeln) x 1,48
Radstand (mm)3.140
MotorElektromotor (2x)
Batteriekapazität (kWh)94,5
Leistung (kW / PS)272 / 370
Drehmoment (Nm)700
Getriebe1-Gang-Reduktionsgetriebe
AntriebAllrad
KraftstoffartStrom
Durchschnittsverbrauch (WLTP in kWh)18,1
Durchschnittsverbrauch (NEU! in kWh)22,8
CO²-Ausstoß (nach WLTP in g/km)0
Ladeleistung (kW)DC: 240 / AC: 11
0 auf 100 km/h (in Sekunden)5,1
Höchstgeschwindigkeit (km/h)225
Leergewicht (kg)2.410
Kofferraumvolumen (l)354
FarbeMatira Blue Metallic
Grundpreis (Euro)77.180
Testwagenpreis (Euro)96.140
Technische Daten: Genesis Electrified G80


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