Der Bentley Bentayga EWB ist kein nachträglicher Luxus-Ausleger eines ohnehin erfolgreichen Modells, sondern die konsequente Zuspitzung einer Idee, die Bentley schon vor fast einem Jahrzehnt erstaunlich präzise erkannt hat. Als der Bentayga 2015 vorgestellt und ab 2016 an Kunden ausgeliefert wurde, war das SUV im klassischen Bentley-Kosmos für manche Puristen noch ein Sakrileg auf 22 Zoll. Wirtschaftlich erwies sich die Entscheidung jedoch als glänzender Schachzug: Bereits im ersten Produktionsjahr hatte der Bentayga einen Anteil von 47 Prozent an der gesamten Bentley-Fertigung. Aus heutiger Sicht wirkt das weniger wie Wagemut als vielmehr wie strategische Nüchternheit in Maßkonfektion.
Hinzu kam, dass Bentley das Thema nie halbherzig anging. Der Bentayga trat anfangs mit W12 an, später sogar als erster Bentley überhaupt mit Diesel, und 2019 setzte der Bentayga Speed mit 306 km/h für kurze Zeit den Maßstab als schnellstes Serien-SUV der Welt. Das war mehr als nur Zahlenkosmetik für sehr vermögende Eilige; es war der Beleg dafür, dass Crewe dieses Segment nicht bloß bedienen, sondern definieren wollte. 2022 folgte dann die EWB-Version, also die um 180 Millimeter gestreckte, auf Fondkomfort, Wellness und Repräsentation zugespitzte Interpretation des ohnehin schon sehr gelungenen Konzepts. Seitdem ist der Bentayga EWB nicht nur Flaggschiff, sondern so etwas wie die rollende Zusammenfassung dessen, was Bentley unter modernem Luxus versteht.
Heute gibt es den Bentayga regulär als V8, als stärkeren Speed mit 650 PS sowie als Plug-in-Hybrid, während die EWB-Reihe als EWB, EWB Azure und EWB Mulliner angeboten wird. Genau dort bewegt sich auch unser Testwagen: als Bentley Bentayga EWB Mulliner V8, mithin als jene besonders fein ausgeführte Variante für Kundschaft, der ein gewöhnliches Luxus-SUV bereits als unnötige Vereinfachung erscheinen dürfte. Fahrbericht.
Der Look
Der erste Eindruck des Bentley Bentayga EWB ist weniger eine Frage des Designs als vielmehr eine Frage der Wirkung. Während viele moderne Luxus-SUVs ihre Präsenz über Aggressivität oder bewusst überzeichnete Linien definieren, bleibt der Bentayga bemerkenswert gelassen. Er steht einfach da und wirkt. Ganz ohne Dringlichkeit.
Die um 180 Millimeter verlängerte Karosserie verändert die Proportionen spürbar. Der Radstand wächst, die Silhouette streckt sich, und das gesamte Fahrzeug gewinnt an Ruhe. Diese zusätzliche Länge sorgt nicht für mehr Show, sondern für mehr Balance. Der Bentayga EWB wirkt dadurch gesetzter, erwachsener, beinahe repräsentativ, ohne jemals ins Starre zu kippen. Es ist ein Auftritt, der weniger beeindrucken will, sondern vielmehr Bestand hat.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in der gewählten Lackierung. Claret ist kein Farbton für den schnellen Effekt. Bei Tageslicht entfaltet er eine tiefe, warme Präsenz, irgendwo zwischen Weinrot und dunkler Aubergine. Mit einsetzender Dunkelheit kippt das Ganze fast unmerklich ins Schwarze. Genau diese Wandelbarkeit verleiht dem Bentayga eine gewisse Eleganz, die nicht sofort ins Auge springt, aber nachhaltig wirkt.
Die 22-Zoll-Mulliner-Räder fügen sich stimmig ins Gesamtbild ein. Lackierte Flächen treffen auf polierte Akzente, ohne dass sich daraus ein dominanter Kontrast ergibt. Sie unterstreichen den Auftritt, ohne ihn zu definieren. Auch hier bleibt alles im Gleichgewicht.
Auffällig ist vor allem, was der Bentayga nicht tut. Er verzichtet auf übertriebene Inszenierung, auf visuelle Lautstärke und auf das Bedürfnis, seine Fähigkeiten bereits im Stand zu demonstrieren. Stattdessen entsteht eine Form von Präsenz, die sich aus Proportion, Material und Haltung ergibt.
Am Ende wirkt der Bentayga EWB einfach stimmig. Er steht da, wie er ist – und das reicht vollkommen.
Und innen?
Einsteigen in den Bentley Bentayga EWB ist kein klassischer Perspektivwechsel, sondern eher ein Rollenwechsel. Draußen noch Teil des Verkehrs, drinnen plötzlich Teil einer deutlich ruhigeren Welt. Einer Welt, in der Hektik keinen Platz hat – und vermutlich auch nie eingeplant war.
Die Farbwahl aus Cricket Ball und Beluga setzt dabei genau den richtigen Ton. Dunkles Rot trifft auf tiefes Schwarz, ohne jemals ins Dramatische abzurutschen. Es ist diese Art von Kombination, die nicht auffallen muss, um zu wirken. Leder in einer Qualität, die sich nicht erklären lässt, sondern einfach da ist. Man greift danach, und es fühlt sich richtig an. Ohne Diskussion.
Überhaupt verzichtet der Bentayga weitgehend auf dieses Bedürfnis, Dinge zu inszenieren. Während andere Hersteller ihre Innenräume inzwischen gerne wie eine Mischung aus Gaming-Lounge und Concept-Car gestalten, bleibt Bentley erstaunlich gelassen. Digitale Displays sind vorhanden, selbstverständlich, aber sie drängen sich nicht auf. Stattdessen gibt es echte Drehregler aus Metall, Schalter mit Widerstand, Oberflächen, die sich nach Substanz anfühlen. Fast so, als hätte man beschlossen, dass Haptik auch im Jahr 2026 noch eine Rolle spielen darf.
Das Infotainment wirkt dabei angenehm unaufgeregt. Es funktioniert, es ist logisch aufgebaut, und selbst die Untermenüs verlieren sich nicht in unnötiger Komplexität. Wer möchte, kann sich durch alles hindurcharbeiten. Wer nicht möchte, lässt es einfach. Eine selten gewordene Freiheit.
Ein besonderes Detail ist die Möglichkeit, das Cockpit optisch auf „klassisch“ zu trimmen. Analoge Darstellungen, reduzierte Grafik, weniger digitale Reizüberflutung. Es ist ein kleiner, fast nostalgischer Kniff – und gleichzeitig ein leiser Hinweis darauf, woher dieses Auto kommt.
Der eigentliche Mittelpunkt liegt jedoch im Fond. Die Airline Seats sind kein Ausstattungsmerkmal, sondern ein Argument. Sitzheizung, Belüftung, eine Vielzahl an Massageprogrammen und eine Liegefunktion, die diesen Namen tatsächlich verdient, sorgen für ein Komfortniveau, das eher an First Class erinnert als an Rückbank. Dazu elektrisch schließende Rollos, gedämpftes Licht und eine Ruhe, die fast schon irritierend wirkt, wenn man gerade noch im normalen Straßenverkehr unterwegs war.
Das Rear Seat Entertainment fällt im direkten Vergleich zu den überdimensionierten Displays eines BMW 7er (Test des BMW 740d xDrive) oder Lexus LM (Test des Lexus LM 350h) fast schon zurückhaltend aus. Doch genau das passt ins Gesamtbild. Der Bentayga will hier nicht beeindrucken, er will funktionieren. Und das tut er.
Irgendwann stellt sich die Frage, ob man eigentlich noch vorne sitzen möchte. Eine Frage, die Besitzer mit Chauffeur vermutlich deutlich seltener beantworten müssen. Wir werden sie jedoch beantworten. Und sind damit beim nächsten Kapitel.
Der Antrieb des Bentley Bentayga EWB
Man könnte meinen, ein Fahrzeug wie der Bentley Bentayga EWB würde seine Prioritäten klar setzen und das Thema Fahrdynamik eher als notwendige Pflicht betrachten. Eine Annahme, die sich bereits nach wenigen Kilometern als unzutreffend erweist.
Der Vierliter-V8 mit 404 kW ist kein Motor, der Aufmerksamkeit einfordert. Er stellt sie bereit. Und zwar jederzeit, ohne Nachdruck, ohne theatrale Inszenierung. Die Beschleunigung erfolgt mit einer Selbstverständlichkeit, die man eher aus deutlich leichteren Fahrzeugen kennt. 0 auf 100 km/h vergehen in rund 4,6 Sekunden, doch diese Zahl wirkt fast nebensächlich, sobald man sie erlebt. Es fehlt jede Form von Hektik. Stattdessen entsteht ein gleichmäßiger, kraftvoller Schub, der den Bentayga mühelos in höhere Geschwindigkeitsbereiche trägt.
Akustisch bleibt der Achtzylinder dabei bemerkenswert zurückhaltend. Erst im Sportmodus erlaubt er sich ein dezentes, sonores Brabbeln, das eher als höflicher Hinweis auf seine Existenz verstanden werden darf. Wer hier nach dramatischer Klangkulisse sucht, wird sie finden – allerdings eher in anderen Fahrzeugen. Der Bentley entscheidet sich bewusst dagegen. Und wirkt genau deshalb umso souveräner.
Im Comfort- oder Bentley-Modus zeigt sich die eigentliche Stärke des Fahrwerks. Unebenheiten werden mit einer Gelassenheit verarbeitet, die den Begriff „Federungskomfort“ fast schon banal erscheinen lässt. Der verlängerte Radstand trägt spürbar dazu bei, dass das Fahrzeug selbst auf weniger perfekten Straßen seine Ruhe bewahrt. Es entsteht ein Fahrgefühl, das eher an Gleiten erinnert als an klassisches Fahren.
Wechselt man in den Sportmodus, verändert sich der Charakter spürbar, ohne dabei seine Grundhaltung aufzugeben. Die Abstimmung wird straffer, die Karosseriebewegungen nehmen ab, und plötzlich zeigt der Bentayga, dass er auch anders kann. Wankstabilisierung, präzise Lenkung und kraftvolle Bremsen ermöglichen ein Tempo, das man diesem Format zunächst nicht zutraut. Kurven lassen sich zügig nehmen, ohne dass das Fahrzeug ins Ungleichgewicht gerät.
Natürlich bleibt der Bentayga dabei ein Bentley. Er wird nie zum Kurvenräuber, nie zum kompromisslosen Performance-SUV. Fahrzeuge wie ein Audi RS Q8 (Test des Audi RS Q8 Performance) verfolgen ein anderes Ziel – sie wollen beeindrucken. Der Bentayga hingegen überzeugt. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.
Interessant wird es, wenn man sich dem Thema Alltag nähert. Trotz seiner Dimensionen wirkt der Bentayga beim Rangieren weniger sperrig, als man erwarten würde. Die Allradlenkung unterstützt spürbar und verleiht dem Fahrzeug eine überraschende Wendigkeit. Erst beim Parken in engen Innenstädten oder schmalen Gassen wird deutlich, dass hier mehr als fünf Meter Fahrzeug bewegt werden wollen.
Alltag & Verbrauch
Im Alltag zeigt der Bentley Bentayga EWB eine Form von Souveränität, die weit über das hinausgeht, was man üblicherweise mit einem Fahrzeug dieser Größe verbindet. Bereits nach kurzer Zeit entsteht der Eindruck, dass sich hier vieles nicht mehr nach klassischen Maßstäben beurteilen lässt. Verbrauchswerte, Reichweiten, selbst Distanzen verlieren an Schärfe, sobald man sich auf das eigentliche Wesen dieses Autos einlässt.
Und dennoch: Zahlen gibt es. Und sie sind bemerkenswert ehrlich. Im gemischten Betrieb pendelt sich der Verbrauch bei rund 13,2 Litern ein – ein Wert, der angesichts von Leistung, Gewicht und Stirnfläche weniger überrascht als vielmehr beeindruckt. Wer es eiliger angehen lässt, sieht Werte um die 15,8 Liter, während sich bei bewusst zurückhaltender Fahrweise tatsächlich rund 9,3 Liter realisieren lassen. Ein Ergebnis, das man in dieser Fahrzeugklasse nicht zwingend erwarten würde, das sich jedoch nahtlos in das Gesamtbild einfügt.
Der Mildhybrid-Antrieb trägt seinen Teil dazu bei, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Start-Stopp-Vorgänge verlaufen nahezu unmerklich, Übergänge bleiben fließend. Es ist diese unaufgeregte Art der Elektrifizierung, die zum Charakter des Bentayga passt. Keine großen Gesten, keine technischen Inszenierungen – einfach funktional.
Deutlich greifbarer wird der Alltag bei einem Blick auf die Dimensionen. Mit einem Leergewicht von über 2,5 Tonnen und einer Länge jenseits der fünf Meter ist der Bentayga kein Fahrzeug, das man beiläufig bewegt. In engen Innenstädten, schmalen Parkhäusern oder historischen Gassen wird schnell klar, dass hier ein gewisses Maß an Planung hilfreich ist. Die Allradlenkung mildert diesen Eindruck spürbar, ersetzt jedoch keine vorausschauende Fahrweise.
Auf freier Strecke relativieren sich diese Einschränkungen schnell. Der Bentayga wirkt dort nahezu schwerelos, bewegt sich mit einer Ruhe, die man sonst eher aus deutlich kleineren und leichteren Fahrzeugen kennt. Autobahnetappen lassen sich mit einer Gelassenheit absolvieren, die den Begriff Langstrecke neu definiert. Geschwindigkeiten zwischen Richttempo und 220 km/h stellen dabei den idealen Bereich dar – schnell genug für effizientes Reisen, ruhig genug für echte Entspannung.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich das Fahrzeug unter winterlichen Bedingungen. Schnee, Matsch und wechselnde Untergründe verlieren ihren Schrecken, sobald der Bentayga in Bewegung ist. Der Allradantrieb arbeitet unauffällig im Hintergrund, verschiedene Offroad-Modi stehen zur Verfügung, ohne den Fahrer mit Entscheidungen zu überfordern. Selbst im Comfort-Modus bleibt das Fahrzeug stabil und berechenbar.
Der Kofferraum fasst 484 Liter und lässt sich auf bis zu 1.774 Liter erweitern. Damit erfüllt der Bentayga EWB auch die praktischen Anforderungen eines großen SUV – wenngleich man vermuten darf, dass Einkäufe in dieser Klasse selten das zentrale Einsatzszenario darstellen.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Technologisch verfolgt der Bentley Bentayga EWB einen Ansatz, der sich wohltuend von der zunehmend hektischen Digitalisierung vieler Wettbewerber absetzt. Hier wird Technik nicht zur Bühne, sondern zum Werkzeug. Und genau darin liegt ihre Qualität.
Die Assistenzsysteme arbeiten mit einer Diskretion, die man fast schon als altmodisch bezeichnen könnte – im besten Sinne. Spurhalteassistent, adaptiver Tempomat oder Geschwindigkeitswarnung greifen ein, wenn es notwendig ist, bleiben ansonsten jedoch im Hintergrund. Besonders die Geschwindigkeitswarnung agiert mit einer Zurückhaltung, die eher an einen Butler mit weißen Handschuhen erinnert als an einen digitalen Mahner mit erhobenem Zeigefinger.
Das Infotainment folgt derselben Philosophie. Die Menüführung ist logisch aufgebaut, die Struktur nachvollziehbar, selbst tiefer liegende Funktionen lassen sich ohne Umwege erreichen. Gleichzeitig bleibt ein großer Teil der Bedienung physisch. Drehregler, Tasten, echte Materialien – eine Kombination, die nicht nur haptisch überzeugt, sondern auch im Alltag deutlich angenehmer ist als das inzwischen weit verbreitete „Alles-ist-ein-Touchscreen“-Prinzip.
Bemerkenswert ist dabei die Balance zwischen digital und analog. Während Displays selbstverständlich vorhanden sind und alle modernen Funktionen abbilden, lässt sich das Cockpit auf Wunsch bewusst klassisch darstellen. Eine Reminiszenz an das eigene Heritage, die nicht aufgesetzt wirkt, sondern erstaunlich stimmig.
Richtig interessant wird es jedoch bei den optionalen Ausstattungsdetails, die den Bentayga EWB in jene Sphären heben, in denen sich der Begriff „Luxus“ neu definiert. Der Mulliner-Flaschenkühler liegt bei rund 6.000 Euro und bietet Platz für eine Champagnerflasche sowie zwei mundgeblasene Kristallflöten – ein Detail, das weniger funktional als vielmehr programmatisch ist.
Das Naim High-End-Soundsystem bewegt sich mit etwa 8.600 Euro ebenfalls in gehobenen Regionen, rechtfertigt seinen Preis jedoch durch eine Klangqualität, die sich eher an stationären High-End-Anlagen orientiert als an klassischem Automotive-Audio.
Auch das Rear Seat Entertainment ist mit rund 2.550 Euro keine beiläufige Option, fügt sich jedoch nahtlos ins Gesamtbild ein. Es verzichtet auf überdimensionierte Displays und setzt stattdessen auf Integration und Alltagstauglichkeit – ein Ansatz, der erstaunlich gut zum Charakter des Fahrzeugs passt.
Selbst eine Standheizung schlägt mit etwa 2.430 Euro zu Buche und wirkt damit fast schon wie ein rationaler Anker in einer ansonsten sehr exklusiven Optionsliste.
In Summe ergibt sich ein Technik- und Ausstattungspaket, das nicht auf Effekte setzt, sondern auf Konsequenz. Der Bentayga EWB zeigt eindrucksvoll, dass echter Luxus nicht darin besteht, möglichst viel zu haben – sondern genau das Richtige.
Varianten & Preise des Bentley Bentayga EWB
Die Modellstruktur des Bentley Bentayga EWB wirkt auf den ersten Blick umfangreich, folgt bei genauerer Betrachtung jedoch einer klaren Logik. Bentley unterscheidet weniger nach reinen Leistungsstufen als vielmehr nach Charakteren – und das passt erstaunlich gut zu einem Fahrzeug, das sich ohnehin nicht über klassische Kategorien definieren lässt.
Im Kern steht der Bentayga als V8-Modell mit 550 PS, ergänzt durch den Bentayga Speed, der mit 650 PS die sportlichste Interpretation darstellt. Hinzu kommt der Plug-in-Hybrid, der einen V6 mit elektrischer Unterstützung kombiniert und auf eine Systemleistung von 462 PS kommt. Ein Angebot, das auf dem Papier breit wirkt, in der Realität jedoch sehr klar differenziert ist: V8 für die klassische Bentley-Klientel, Speed für jene mit gelegentlichen Ambitionen jenseits der reinen Fortbewegung und Hybrid für Märkte, in denen Effizienz zunehmend eine Rolle spielt.
Innerhalb der EWB-Reihe verschiebt sich der Fokus spürbar. Hier geht es weniger um Antriebskonzepte und mehr um Ausstattungswelten. Neben dem regulären EWB stehen Varianten wie Azure, die den Komfortgedanken weiter ausbauen, sowie Mulliner, die als Speerspitze der Individualisierung fungiert. Dazwischen positioniert sich die Artenara-Edition, die vor allem optische Akzente setzt, ohne den Charakter grundlegend zu verändern.
Unser Testwagen, ein Bentayga EWB Mulliner V8, bewegt sich damit am oberen Ende dieser Struktur. Preislich bedeutet das eine Einstiegshürde von rund 315.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer für den EWB, während die gezeigte Konfiguration mit umfangreicher Ausstattung bei etwa 367.000 Euro liegt. Summen, die sich weniger über klassische Argumente rechtfertigen lassen, sondern vielmehr als Ausdruck einer sehr spezifischen Erwartungshaltung zu verstehen sind.
Auffällig ist dabei, wie schnell sich diese Beträge relativieren, sobald man beginnt, das Fahrzeug im Alltag zu erleben. Optionen, die auf dem Papier wie Luxus erscheinen, wirken im Kontext des Bentayga plötzlich selbstverständlich. Genau hier zeigt sich eine gewisse Eigenlogik dieser Klasse: Was zunächst wie Übertreibung wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als konsequente Umsetzung.
Und so wird aus einer Preisliste letztlich weniger eine Frage des Budgets als vielmehr eine Frage der Prioritäten.
Kundenfeedback
Wer sich mit dem Bentley Bentayga EWB beschäftigt, bewegt sich zwangsläufig in einem Umfeld, in dem klassische Nutzerbewertungen eine untergeordnete Rolle spielen. Es geht weniger um Alltagserfahrungen im üblichen Sinne, sondern vielmehr um Erwartungen – und darum, ob diese erfüllt werden.
Im Zentrum steht dabei nahezu immer der Fondkomfort. Besitzer und Nutzer beschreiben den hinteren Bereich nicht als Sitzreihe, sondern als Rückzugsraum. Die Airline Seats, die Ruhe im Innenraum und die Möglichkeit, sich vollständig von der Außenwelt abzuschotten, werden durchweg als Kernargument genannt. Gerade auf langen Strecken scheint der Bentayga EWB genau das zu liefern, was er verspricht: Entlastung statt Fortbewegung.
Gleichzeitig zeigt sich ein interessanter Aspekt in der Nutzung. Während viele Fahrzeuge dieser Klasse ausschließlich für den Chauffeurbetrieb gedacht sind, wird der Bentayga EWB durchaus auch selbst gefahren – allerdings eher situativ. Die Möglichkeit ist da, und sie wird geschätzt. Im Alltag bleibt der Fokus jedoch klar auf dem Gefahrenwerden. Wer sich regelmäßig selbst ans Steuer setzt, greift häufiger zur kürzeren Version.
Beim Antrieb fällt das Stimmungsbild differenziert aus. Der aktuelle V8 wird überwiegend als ideale Lösung wahrgenommen: kraftvoll, kultiviert, ausreichend in jeder Situation. Die frühere W12-Variante wird zwar vereinzelt vermisst, allerdings weniger aus praktischen Gründen als aus emotionaler Perspektive. Es ist ein leiser Rückblick, kein ernsthafter Kritikpunkt.
Spannend wird der Blick auf Alternativen. Der Rolls-Royce Cullinan wird häufig als Referenz genannt, allerdings mit einer klaren Differenzierung. Während der Rolls stärker auf maximale Isolation und Status ausgelegt ist, wird der Bentayga als das fahraktivere, vielseitigere Fahrzeug wahrgenommen. Er wirkt weniger distanziert, weniger entrückt – und genau das macht ihn für viele attraktiver.
Der Range Rover LWB taucht ebenfalls regelmäßig im Vergleich auf, allerdings in einer anderen Rolle. Er gilt als extrem kompetenter Allrounder, der vieles sehr gut kann, dabei jedoch nicht die gleiche Tiefe in Materialqualität und Detailarbeit erreicht. Entsprechend fällt die Entscheidung oft entlang der Frage aus, ob man ein besonders gutes Fahrzeug sucht – oder ein besonders besonderes.
Kritikpunkte bleiben überschaubar, aber existent. Die Größe wird im urbanen Umfeld regelmäßig erwähnt, ebenso wie das Infotainment, das im Vergleich zu einigen Wettbewerbern weniger spektakulär wirkt. Interessanterweise wird genau das von anderen Nutzern wiederum als Stärke interpretiert.
Am Ende ergibt sich ein klares Bild. Der Bentayga EWB richtet sich an eine sehr spezifische Zielgruppe – und trifft diese bemerkenswert präzise. Nicht, weil er alles besser macht, sondern weil er genau das liefert, was erwartet wird.
Fazit zum Bentley Bentayga EWB
Der Bentley Bentayga EWB lässt sich nicht sinnvoll in einzelne Disziplinen zerlegen, ohne dass dabei ein Teil seines Charakters verloren geht. Er funktioniert als Gesamtkomposition – aus Raum, Ruhe, Leistung und Materialität – und genau daraus entsteht seine Wirkung.
Der verlängerte Radstand ist dabei weit mehr als ein technisches Detail. Er verschiebt die Prioritäten spürbar in Richtung Fond, ohne den Fahrer außen vor zu lassen. Man kann sich fahren lassen und versteht sofort, warum dieses Konzept so konsequent umgesetzt wurde. Gleichzeitig bleibt die Möglichkeit, selbst zu fahren, nicht nur erhalten, sondern überraschend reizvoll. Diese Balance wirkt nicht konstruiert, sondern selbstverständlich.
Der V8 passt perfekt zu diesem Anspruch. Er liefert jederzeit ausreichende Leistungsreserven, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Beschleunigung erfolgt gleichmäßig, souverän, frei von jeder Dramatik. Dass frühere Motorvarianten heute nicht mehr verfügbar sind, spielt im Alltag kaum eine Rolle. Das, was hier geboten wird, ist in sich stimmig.
Im täglichen Einsatz zeigt sich der Bentayga EWB erstaunlich greifbar, solange man seine Dimensionen akzeptiert. Er verlangt Aufmerksamkeit, belohnt diese jedoch mit einem Maß an Komfort und Gelassenheit, das selbst in dieser Klasse nicht selbstverständlich ist. Gerade auf langen Strecken entsteht ein Zustand, der sich eher nach Entlastung als nach Fortbewegung anfühlt.
Am Ende richtet sich dieses Fahrzeug sehr klar an Menschen, die genau wissen, was sie suchen. Nicht maximale Dynamik, nicht technische Spielereien, sondern Ruhe, Qualität und Raum in ihrer konsequentesten Form.
Und genau das liefert der Bentayga EWB. Ohne große Geste. Ohne Erklärung. Einfach so.
Konkurrenzmodelle
Wer sich für den Bentley Bentayga EWB interessiert, bewegt sich zwangsläufig in einem sehr exklusiven Umfeld. Die Zahl ernsthafter Alternativen ist überschaubar, und dennoch lohnt ein genauer Blick, weil sich die Konzepte teilweise deutlich unterscheiden.
Der Rolls-Royce Cullinan gilt nach wie vor als Referenz, wenn es um maximale Abschottung und Status geht. Er denkt das Thema Luxus kompromisslos vom Fond aus und wirkt dabei noch einmal entrückter als der Bentley. Genau darin liegt seine Stärke – und gleichzeitig seine Einschränkung. Der Cullinan ist weniger vielseitig, weniger fahraktiv und insgesamt stärker auf das Gefahrenwerden ausgelegt. Wer selbst am Steuer sitzen möchte, findet im Bentayga die deutlich ausgewogenere Lösung.
Der Range Rover LWB (Test des Range Rover LWB) verfolgt einen anderen Ansatz. Er ist technisch extrem breit aufgestellt, kombiniert Komfort mit Geländetauglichkeit und bietet ein Gesamtpaket, das sich in vielen Situationen als erstaunlich rational erweist. Im direkten Vergleich wirkt er fast wie die zugänglichere Interpretation des Konzepts – nicht im Sinne eines Mangels, sondern als bewusst anders gesetzter Schwerpunkt. Was ihm fehlt, ist weniger Kompetenz als vielmehr diese letzte Konsequenz in Materialität und Detailarbeit, die den Bentley so besonders macht.
Mit dem Mercedes-Maybach GLS existiert zudem eine Alternative, die sich klar über Komfort und Ausstattung definiert. Er bietet viel Raum, viel Technik und eine sehr hohe Verarbeitungsqualität. Gleichzeitig bleibt er stets als Ableitung eines bestehenden Modells erkennbar. Genau dieser Unterschied macht sich im direkten Vergleich bemerkbar.
Interessant ist auch der Blick auf Fahrzeuge wie Audi RS Q8 Performance, Lamborghini Urus oder Ferrari Purosangue. Sie spielen preislich in ähnlichen Regionen, verfolgen jedoch ein völlig anderes Konzept. Hier geht es um Dynamik, Inszenierung und Performance – weniger um Ruhe, Raum und Rückzug. Entsprechend fallen sie als direkte Alternativen weitgehend aus, auch wenn sie auf dem Papier ähnliche Parameter erfüllen.
Am Ende kristallisiert sich ein klares Bild heraus. Der Bentayga EWB positioniert sich genau zwischen den Welten. Weniger distanziert als ein Cullinan, exklusiver als ein Range Rover, eigenständiger als ein Maybach und deutlich entspannter als die Performance-SUVs.
Oder anders formuliert: Wer genau weiß, was er sucht, landet früher oder später genau hier.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D
























