Ein neuer Dacia Spring? Ja, der ist tatsächlich neu. Nicht ein bisschen geliftet, nicht technisch nachgeschärft und auch nicht mit ein paar frischen Kunststoffteilen fürs nächste Modelljahr gerettet. Das klingt nach einer bemerkenswert banalen Feststellung, ist in Zeiten von Modellpflegen, Facelifts, Produktaufwertungen und sonstigen sprachlichen Verrenkungen der Autoindustrie aber durchaus erwähnenswert. Dacia behält bei der zweiten Generation tatsächlich nur den Namen, darunter wird einmal gründlich durchgefegt. Neue Plattform, neue Karosserie, neue Technik, neue Produktion. Und als wir erstmals im neuen Spring Platz nahmen, kam uns trotzdem einiges ziemlich bekannt vor.
Denn unter dem pragmatischen Dacia steckt jede Menge Renault Twingo E-Tech. Beide nutzen die neue RG-EV-Small-Plattform der Renault Group und beide laufen künftig im slowenischen Novo Mesto vom Band. Damit verabschiedet sich der Spring zugleich von seiner chinesischen Herkunft. Seit 2021 wurden mehr als 210.000 Exemplare der ersten Generation in über 40 Ländern verkauft, nun startet der erste von insgesamt vier neuen vollelektrischen Dacia, die bis 2030 kommen sollen, in seinen europäischen zweiten Frühling.
Und dieser zweite Spring hat mit seinem Vorgänger ungefähr so viel gemein wie ein renoviertes Reihenhaus nach Kernsanierung mit der vorherigen Rauhfasertapete: Man erkennt die Adresse noch, der Rest ist neu. Ein erster Check.
Neuer Dacia Spring – ein Twingo ohne Konfetti
Spätestens im Innenraum lässt sich die technische Verwandtschaft zum Renault Twingo E-Tech nicht mehr verstecken. Wer kurz zuvor im Franzosen gesessen hat, erlebt im Spring ein ziemlich ausgeprägtes Déjà-vu. Armaturenbrett, Displays, Mittelkonsole, Klimabedienung und viele Schalter sind entweder identisch oder zumindest derart eng verwandt, dass ein Vaterschaftstest wohl nur noch für die Akten nötig wäre.
Interessant ist deshalb weniger, dass beide Autos verwandt sind, sondern was Renault und Dacia daraus machen. Der Twingo darf das verspielte Kind geben. Dort gibt es farbige Flächen, Muster, eigenwillige Teppiche und kleine Designideen, die ständig daran erinnern wollen, dass der Twingo schon immer ein bisschen anders war. Der Spring dagegen hat den Bastelkoffer im Schrank gelassen. Hier regiert schwarzer Kunststoff. Viel schwarzer Kunststoff. Sehr viel schwarzer Kunststoff.
Das klingt schlimmer, als es bei unserer ersten Begegnung tatsächlich wirkte. Denn billig fühlt sich der neue Spring deshalb nicht automatisch an. Die Verarbeitung machte einen soliden Eindruck, die Sitze ebenfalls, und das gesamte Cockpit wirkt zwar eindeutig preisbewusst, aber nicht lieblos zusammengeschraubt. Dass in den Türgriffen einzelne Schrauben offen sichtbar bleiben, zeigt allerdings ziemlich unverblümt, wo Dacia die letzten Cent nicht unter dekorativen Abdeckungen begraben wollte.
Man könnte sagen: Der Twingo bekommt die Konfettikanone, der Spring den Taschenrechner. Beide erfüllen ihren Zweck und avisieren eine entsprechende Zielgruppe.
Außen plötzlich ziemlich erwachsen
Von außen gehen die beiden Geschwister ohnehin getrennte Wege. Während sich der Twingo ganz bewusst an seine Ahnenreihe erinnert, sieht der neue Dacia Spring schlicht nach einem neuen Spring aus. Keine Miniaturausgabe des Duster, kein zusammengeschrumpfter Bigster, sondern ein eigenständiges kleines Auto mit deutlich selbstbewussterem Auftritt.
3,85 Meter Länge treffen auf 1,74 Meter Breite und 1,52 Meter Höhe. Besonders die um satte 18 Zentimeter gewachsene Breite verändert die Proportionen erheblich. Die Front steht deutlich aufrechter, die Haube wirkt präsenter und darunter gibt es so viel schwarze Beplankung, dass man kurz überlegen könnte, ob Dacia heimlich noch einen Ausflug ins Gelände vorgesehen hat. Hat man vermutlich nicht, sieht aber kernig aus.
Dazu kommen kurze Überhänge und ein für die Fahrzeuglänge ordentlich ausgenutzter Radstand. In der Seitenansicht wird der Spring dann wieder nüchterner: hohe Gürtellinie, relativ schmale Fensterflächen, ein weitgehend gerades Dach und erst ganz hinten ein dezentes Absinken. Kein Coupé-Theater, keine künstliche Sportlichkeit, kein Versuch, einen 80-PS-Stromer plötzlich aussehen zu lassen, als müsse er nach Feierabend noch auf die Nordschleife. Gut so.
Neuer Dacia Spring mit vier Lackfarben
Die massive Beplankung taucht am Heck erneut auf. Dazwischen sitzt ein enorm breiter schwarzer Bereich mit einem ebenso enormen, aber immerhin Ton in Ton gehaltenen Dacia-Schriftzug. Beim alten Spring hätte so viel optische Brustbehaarung vielleicht etwas bemüht gewirkt, beim deutlich breiteren Nachfolger funktioniert es erstaunlich gut.
Vier Farben stehen zur Wahl: Agave, Schiste Grey, Diamond Black und Glacier White. Besonders das von uns begutachtete Agave passt gut zum Spring, weil es zwischen freundlich und leicht utilitaristisch genau jene Nische trifft, die auch das ganze Auto besetzt.
Es werde LED. Endlich.
Einer der größten Fortschritte sitzt vorne hinter transparentem Kunststoff. Der bisherige Spring trug selbst in jüngerer Vergangenheit noch klassische Halogenscheinwerfer durch die Nacht. 55-Watt-Leuchtmittel in einem Elektroauto haben zwar einen gewissen historischen Charme, ungefähr so wie ein Faxgerät neben einem Glasfaseranschluss, zeitgemäß waren sie trotzdem nicht.
Beim Neuen ist damit Schluss. Da ein neuer Dacia Spring ohne bedeutete, einmal alles in die Wagschale zu werfen, bekommt er nun auch Voll-LED-Scheinwerfer und eine schmale, geometrische Lichtsignatur, die erheblich moderner aussieht. Wie gut die Scheinwerfer tatsächlich leuchten, können und wollen wir nach einer hell erleuchteten Präsentation selbstverständlich noch nicht beurteilen. Dafür folgt später ein Test, idealerweise bei Nacht und nicht unter Studiolicht.
Auch hinten setzt Dacia auf LED-Technik und hat dabei einen ziemlich cleveren Spartrick eingebaut. Die komplette sichtbare Lichtgrafik wird nicht mit eigenen Lichtquellen versorgt. Stattdessen wird das Licht des oberen Bereichs so reflektiert, dass darunter optisch ein weiteres leuchtendes Element entsteht. Sieht aufwendig aus, braucht aber weniger aufwendige Hardware. Irgendwo dürfte ein Controller dabei zufrieden genickt haben.
Blinker und Kennzeichenbeleuchtung arbeiten ebenfalls mit LEDs. Nur im Innenraum und im Kofferraum darf die gute alte Glühlampe weiterleben. Offenbar besitzt sie bei Dacia einen besonders langfristigen Arbeitsvertrag.
Trotzdem ist der Wechsel auf LED-Scheinwerfer für uns tatsächlich einer der wichtigsten Fortschritte. Neben der deutlich moderneren Optik ist LED-Licht effizienter als klassische Halogentechnik und vor allem für die Fahrsicherheit relevant. Wie groß der reale Unterschied zum Vorgänger ausfällt, werden wir zu gegebener Zeit ausprobieren.
Neuer Dacia Spring – Der Innenraum im Check
Vor dem Fahrer sitzt serienmäßig ein sieben Zoll großes digitales Kombiinstrument. In unserem zur Verfügung gestellten Journey kam dazu der 10,1 Zoll große zentrale Touchscreen mit Media Nav Live. Das System beherrscht kabelloses Apple CarPlay und Android Auto, bietet vernetzte Navigation und verschiedene Connected Services. Wer bereits im neuen Twingo unterwegs war, wird auch hier keine lange Eingewöhnungsphase benötigen.
Einen separaten Lautstärkedrehregler haben beide allerdings nicht geerbt. Dafür bleibt die Klimaanlage erfreulich analog bedienbar. Drei große Drehregler sitzen direkt unter dem Display, daneben befindet sich ein gut sichtbarer Warnblink-Button. Man muss also nicht erst durch drei Untermenüs navigieren, nur weil plötzlich die Scheiben beschlagen. Fortschritt kann manchmal auch darin bestehen, etwas einfach in Ruhe zu lassen.
Hinter dem Lenkrad wartet dafür der bereits bekannte Vierhebelwald. Blinker, Wischer, Getriebewahl und weitere Funktionen sorgen dort zunächst für reichlich Betrieb. Daran gewöhnt man sich, elegant gelöst ist es trotzdem nicht. Immerhin muss man während der Fahrt nicht versuchen, einen virtuellen Hebel aus einem Touchscreen herauszufingern.
YouClip ist ebenfalls wieder dabei. An mehreren Befestigungspunkten lassen sich passende Zubehörteile befestigen. Typisch Dacia: keine Ambientebeleuchtung mit 64 Farben, dafür bekommt der mitgeführte Kram einen festen Platz.
Vier Leute dürfen mit, Gepäck erstaunlich viel
Auch beim Platzangebot machte der neue Spring einen vernünftigen ersten Eindruck. Er bleibt ein Viersitzer, nutzt seine überschaubare Außenlänge aber ausgesprochen ordentlich aus. Subjektiv kam er uns innen sogar ein wenig luftiger vor als der Twingo. Bevor daraus eine wissenschaftliche Erkenntnis wird, warten wir allerdings den direkten Vergleich ab.
Hinten wie vorne lässt es sich für diese Fahrzeugklasse ordentlich sitzen, wozu die geradlinige Karosserie und das kaum abfallende Dach ihren Beitrag leisten. Dacia hat also nicht für drei Zentimeter vermeintliche Coupé-Eleganz die hinteren Passagiere geopfert. Auch das kann sympathisch sein.
Richtig interessant wird es beim Gepäck. 337 Liter soll der Kofferraum fassen, maximal sind bei umgelegter Rückbank 1.283 Liter möglich. Damit nähert sich der Spring beim normalen Gepäckraum bereits Größenordnungen, die man früher eher eine Fahrzeugklasse darüber erwartet hätte. Wunder vollbringt er trotzdem keine: Die Ladekante ist deutlich vorhanden und nach dem Umlegen der Rückbank bleibt eine Stufe.
Zusätzliche Fächer unter dem Ladeboden schaffen Platz für Kleinkram. Vorne kommt noch ein 18 Liter großer Frunk hinzu, der vor allem für Ladekabel ausgesprochen praktisch ist. Alternativ lassen sich dort auch nasse Kleinigkeiten unterbringen, ohne dass anschließend der gesamte Kofferraum nach verregnetem Wochenende riecht.
Neuer Dacia Spring: 80 PS treffen auf erfreulich wenig Auto
Beim Antrieb erspart Dacia seinen Kunden das Studium mehrerer Tabellen. Es gibt einen Elektromotor mit 60 kW, offiziell 80 PS und 175 Nm Drehmoment. Wer 60 kW in PS umrechnet, landet zwar knapp oberhalb von 81, Dacia möchte aber offenbar lieber eine runde Zahl. Wir werden deshalb nicht anfangen, dem Hersteller wegen anderthalb Pferdestärken die Mathematikpolizei vorbeizuschicken.
Von 0 auf 100 km/h soll der Spring in 12,1 Sekunden beschleunigen, bei 130 km/h ist Schluss. Dazu kommt eine LFP-Batterie mit 27,5 kWh nutzbarer Kapazität, die bis zu 250 Kilometer WLTP-Reichweite ermöglichen soll. Als Normverbrauch nennt Dacia 12,7 kWh auf 100 Kilometer.
Bemerkenswert ist vor allem das Gewicht: 1.212 Kilogramm sind für ein modernes Elektroauto angenehm wenig. Während andere Stromer inzwischen Gewichtsklassen erreichen, für die früher fast schon ein Lkw-Führerschein angemessen gewirkt hätte, bleibt der Spring erfreulich diesseitig.
Was davon beim Fahren übrig bleibt, wissen wir noch nicht. Über Beschleunigungseindruck, Fahrkomfort, Geräuschniveau und tatsächlichen Verbrauch werden wir im kommenden Fahrbericht berichten. Was wir allerdings festhalten können: Der neue Spring ist damit schwächer als die bisherige Topversion (Test des Dacia Spring Electric 100), die mit 102 PS jedweden Zweifel an Leistungsmangel beseitigte. Allerdings ist er auch deutlich stärker als die früheren Versionen mit 65 (Test des Dacia Spring Electric 65) beziehungsweise 44 PS (Test des Dacia Spring Electric 45).
50 kW Ladeleistung – langsam, aber vielleicht egal
Bei der Ladeleistung ist der Spring dagegen keine rollende Machtdemonstration. Serienmäßig gibt es einen 6,6-kW-AC-Lader. Von 15 auf 80 Prozent dauert es laut Dacia an einer 7-kW-Wallbox 2 Stunden und 55 Minuten, an einer verstärkten Steckdose 5 Stunden und 40 Minuten und an der normalen Haushaltssteckdose neun Stunden.
Optional bietet Dacia ein Schnellladepaket mit 11 kW AC und 50 kW DC an. Damit sollen an einer entsprechenden Wallbox 1 Stunde und 55 Minuten reichen, am DC-Schnelllader sind für 15 bis 80 Prozent 28 Minuten angegeben. Wer regelmäßig Hamburg, München und Mailand miteinander verbinden möchte, wird angesichts von 50 kW vermutlich trotzdem nicht spontan in Jubel ausbrechen. Nur ist das ziemlich offensichtlich auch nicht die Kernkundschaft.
Laut Dacias vernetzten Fahrzeugdaten legen Besitzer des bisherigen Spring im Durchschnitt gerade einmal 34 Kilometer pro Tag zurück, und zwar mit durchschnittlich 34 km/h. Die Präsentation nennt außerdem vier Fahrten pro Tag, in 75 Prozent der Fälle wird zu Hause geladen. Vor diesem Hintergrund wirkt die eher bescheidene Schnellladeleistung weniger dramatisch. Wer das Auto abends anstöpselt und morgens wieder 250 Kilometer theoretische Reichweite zur Verfügung hat, dürfte relativ selten darüber grübeln, ob beim nächsten HPC gerade 50 oder 250 kW über das Kabel laufen.
Neu ist dagegen V2L. Der Spring kann seine Batterie künftig also auch dazu nutzen, externe elektrische Geräte mit Energie zu versorgen. Das macht aus ihm noch keinen mobilen Netzspeicher, aber immerhin eine ziemlich große Powerbank auf Rädern.
Neuer Dacia Spring: Unter 18.000 Euro bleibt die wichtigste Zahl
Wirklich interessant wird der neue Dacia Spring schließlich dort, wo Dacia traditionell besonders gerne stochert: beim Preis.
Für Deutschland sind zwei Ausstattungsvarianten vorgesehen. Der Expression soll unter 18.000 Euro bleiben, der darüber angesiedelte Journey unter 20.000 Euro. Damit unterbietet der Spring auch seinen technischen Cousin Renault Twingo E-Tech, der aktuell bei 19.990 Euro startet.
Der Expression bringt unter anderem eine manuelle Klimaanlage, elektrische Parkbremse und Media Control mit. Dabei übernimmt das Smartphone einen Teil der Infotainment-Aufgaben. Journey ergänzt unter anderem ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, eine Rückfahrkamera sowie das „Media Nav Live“ genannte Infotainment mit dem großen 10,1-Zoll-Touchscreen samt Navigation. Genau diese höhere Variante stand auch bei unserer Premiere. Dacia bestätigt für die Journey Variante außerdem kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie acht Jahre vernetzte Navigation.
Einen endgültigen deutschen Marktstart nennt Dacia derzeit noch nicht. Erste Fahrzeuge sollen nach den Informationen der Premiere gegen Ende 2026 ausgeliefert werden können, ein größerer Teil dürfte allerdings erst Anfang 2027 bei den Kunden landen. Allerdings gilt die Dacia Treuegarantie auch für den neuen Spring. Bis zu 7 Jahre oder 150.000 Kilometer sind abgesichert, sofern jede Wartung beim Vertragshändler durchgeführt wird.
Neuer Dacia Spring, neues Werk
Während der Vorgänger aus China kam, wird die zweite Generation in Novo Mesto in Slowenien produziert. Aus dem günstigen China-Stromer wird damit ein in Europa entwickeltes und gebautes Elektroauto, ohne dass Dacia dabei den Preis plötzlich Richtung 30.000 Euro schiebt. Das ist durchaus bemerkenswert.
Dacia verbindet den Produktionswechsel außerdem mit einer ambitionierten Aussage zur Umweltbilanz. Über den gesamten Lebenszyklus soll der neue Spring rund 60 Prozent weniger CO₂-Äquivalente verursachen als durchschnittliche nicht hybridisierte Verbrenner aus dem A- und B-Segment. Die Berechnung basiert auf einer Lebenszyklusanalyse nach Renault-Group-Methodik und berücksichtigt eine angenommene Nutzungsdauer von 200.000 Kilometern. Wir behandeln diese Zahl entsprechend als Herstellerberechnung und nicht als frisch in Stein gemeißelte Naturkonstante.
Auch die Kundschaft des bisherigen Spring ist interessant: Laut Dacia sind 93 Prozent der Käufer erstmals Besitzer eines Elektroautos, 79 Prozent kommen von anderen Marken. Der Spring fischt also offensichtlich nicht nur innerhalb des eigenen Dacia-Teichs, sondern bringt tatsächlich Menschen erstmals zur Elektromobilität.
Für wen ist der neue Dacia Spring gedacht?
Eigentlich erklärt sich der Spring am besten dadurch, was er nicht sein möchte. Er ist kein Langstrecken-Gleiter, kein Technik-Showroom, kein rollendes Wohnzimmer und ganz sicher kein Prestigeobjekt für den Golfclub. Seine 50-kW-Schnellladung wird niemanden beeindrucken, und wer im Innenraum mit der Fingerspitze auf die Suche nach unterschäumtem Kunststoff geht, sollte sicherheitshalber Proviant einpacken.
Dafür bekommt man ein kleines, erstaunlich geräumiges und vor allem zugängliches Elektroauto mit brauchbarem Kofferraum, moderner Beleuchtung, vernünftiger Bedienung, bis zu 250 Kilometern Reichweite und einem Einstiegspreis von weniger als 18.000 Euro.
Und das ist aus unserer Sicht inzwischen bemerkenswerter als noch ein Elektro-SUV mit 600 PS und 97 Zentimeter breitem Bildschirm.
Fazit zur Premiere des neuen Dacia Spring
Neuer Dacia Spring, alter Grundgedanke: Möglichst viel brauchbares Elektroauto für möglichst wenig Geld. Nur sieht das Ergebnis diesmal erheblich weniger danach aus, als hätte der Taschenrechner allein das Designbüro geleitet. Die zweite Generation steht satter auf der Straße, wirkt vor allem an der neuen, breiten Front erstaunlich selbstbewusst und lässt mit Voll-LED-Scheinwerfern endlich eines jener Details hinter sich, bei denen der Vorgänger seinen Sparkurs noch ziemlich offen vor sich hertrug.
Innen bleibt Dacia seiner Linie treu. Wer weiche Kunststoffe streicheln möchte, wird im Spring ein eher ereignisarmes Wochenende verbringen. Dafür ist die Verarbeitung ordentlich, die Bedienung erfreulich bodenständig und das Platzangebot gemessen an 3,85 Metern Außenlänge ziemlich respektabel. Dass manches ziemlich unverhohlen vom Renault Twingo E-Tech stammt, stört uns dabei wenig. Im Gegenteil: Renault macht aus derselben Basis den verspielten Charmeur, Dacia den Kollegen, der seine Steuererklärung drei Wochen vor Fristende fertig hat.
Und vielleicht passt genau das besser zum Spring als jeder Versuch, ihm künstlich Lifestyle anzudichten. 80 PS, 250 Kilometer WLTP-Reichweite und maximal 50 kW Ladeleistung gewinnen kein Autoquartett, müssen sie für die typische Spring-Kundschaft aber vermutlich auch nicht. Spannender sind der große Kofferraum, das niedrige Gewicht, V2L, die deutlich modernere Beleuchtung und vor allem ein deutscher Einstiegspreis von unter 18.000 Euro.
Nach der ersten statischen Begegnung wirkt der neue Dacia Spring deshalb nicht spektakulär, sondern erfreulich schlüssig. Und das ist in dieser Preisklasse womöglich das größere Kompliment. Ob Dacias zweiter Frühling auch auf der Straße Frühlingsgefühle auslöst, klären wir allerdings erst später. Ein ausführlicher Test steht noch aus, und damit bleiben genügend Fragen offen: Wie komfortabel ist der kleine Stromer? Was verbraucht er wirklich? Wie gut sind die neuen LED-Scheinwerfer bei Nacht? Und wie viel Twingo steckt noch im Spring, wenn das Fahrzeug in Bewegung ist?
Bis dahin hat der neue Dacia Spring zumindest eines geschafft: Aus dem einstigen Billig-Stromer ist auf den ersten Blick ein günstiges Elektroauto geworden. Der Unterschied klingt kleiner, als er ist.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D




































