Pista & Piloti 2026
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Pista & Piloti 2026 – Alfa Romeo zwischen Oldtimern und Helikoptern

Pista & Piloti 2026 brachte Ende August erneut jene Mischung nach Pferdsfeld, die bei Alfa Romeo seit Jahren erstaunlich gut funktioniert: aktuelle Modelle, historische Renn- und Sportwagen, jede Menge Fahrbetrieb und eine Fangemeinde, deren Verhältnis zur Marke mit dem nüchternen Begriff „Kundenbindung“ nur sehr unzureichend beschrieben wäre. Bereits am Freitag waren wir im Rahmen der Giornata dell’Alfa Romeo beim Pressetag vor Ort, bevor sich das TRIWO Testcenter am Samstag und Sonntag für Alfisti und Besucher öffnete. Rund 3.000 Gäste, mehr als 240 historische Fahrzeuge sowie mehrere besondere Quadrifoglio-Modelle machten die neunte Auflage der Veranstaltung zu einem der großen Alfa-Treffen des Jahres.

Nachdem 2025 noch 115 Jahre Alfa Romeo im Mittelpunkt standen, verzichtete man diesmal verständlicherweise auf einen großen 116.-Geburtstags-Claim. Stattdessen rückten einzelne Kapitel der Markengeschichte stärker in den Vordergrund. Der Alfa Romeo Spider wurde 60 Jahre alt, die Trofeo Alfasud feierte ihren 50. Geburtstag und mit Giulia Quadrifoglio Oro und Luna Rossa standen zwei Sondermodelle bereit, die auf sehr unterschiedliche Weise zeigen, dass Alfa Romeo den Hang zur besonderen Sportlimousine noch nicht vollständig abgelegt hat.

Und weil vier Räder offenbar irgendwann nicht mehr genügten, stand auch noch ein Helikopter im Quadrifoglio-Look auf dem Gelände. Ein Eventbericht.


Der Alfa Romeo Tag 2026 in Pferdsfeld

Der Ort könnte für eine solche Veranstaltung kaum passender gewählt sein. Das TRIWO Testcenter befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen NATO-Fliegerhorsts Pferdsfeld in Rheinland-Pfalz und wird heute als unabhängiges Test- und Entwicklungszentrum für Fahrzeuge genutzt. Unterschiedliche Streckenabschnitte ermöglichen schnelle Passagen ebenso wie anspruchsvollere Handling- und Fahrdynamikübungen. Genau das macht das Areal für Alfa Romeo interessanter als irgendein auf Hochglanz poliertes Messegelände.

Denn bei Alfa Romeo geht es traditionell nicht ausschließlich um Leistung auf dem Papier. Die Verbindung zwischen Fahrer und Fahrzeug, ein möglichst direktes Lenkgefühl und eine gewisse fahrdynamische Eigenständigkeit gehören seit Jahrzehnten zur Markenidentität. Natürlich hat sich auch Alfa Romeo verändert und muss heute Anforderungen erfüllen, die mit den Fahrzeugen früherer Generationen kaum vergleichbar sind. Assistenzsysteme, Elektrifizierung, Konzernplattformen und Software gehören längst zum Alltag. Dennoch entsteht bei einem Alfa im Idealfall noch immer der Eindruck, dass jemand während der Entwicklung zumindest einen Gedanken daran verschwendet hat, ob eine Kurve auch Spaß machen könnte.

Pferdsfeld bot dafür den passenden Rahmen. Aktuelle Alfa Romeo trafen auf die Geschichte der Marke, moderne Technik auf historische Fahrzeuge und automobile Leidenschaft auf jede Menge Asphalt.

Wir waren bereits am Freitag vor Ort, bevor das eigentliche Pista-&-Piloti-Wochenende begann. Dieser Pressetag vermittelte einen etwas ruhigeren, dafür umso direkteren Zugang zur Veranstaltung. Neben aktuellen Fahrzeugen gehörten auch ausgewählte historische Modelle zu den Protagonisten. Experten standen für Gespräche bereit, beantworteten Fragen und lieferten Hintergründe zu Fahrzeugen und Markengeschichte.

Dabei stellte sich erstaunlich schnell jene Atmosphäre ein, die bei Alfa-Veranstaltungen immer wieder auffällt. Das Ganze wirkte weniger nach klinisch organisierter Produktpräsentation und mehr nach italienischem Familientreffen, bei dem zufällig noch ein paar ziemlich interessante Autos herumstehen. Man fühlte sich schnell aufgenommen und konnte sich dem „Dolce Vita der Mobilität“ widmen.

Genau diese Mischung aus Wissen, Historie und Fahrbetrieb ist letztlich eine der großen Stärken des Alfa Romeo Tags. Es geht nicht nur darum, alte Fahrzeuge anzuschauen oder aktuelle Modelle probezufahren. Vielmehr entsteht ein unmittelbarer Vergleich zwischen mehreren Generationen einer Marke, die sich seit jeher sehr stark über Emotionalität definiert.


Pista & Piloti 2026 – Mehr als nur ein Oldtimer-Treffen

Pista & Piloti findet inzwischen seit neun Jahren statt und hat sich zu einer der größten dynamischen Veranstaltungen für klassische Alfa Romeo und andere italienische Fahrzeuge entwickelt. Das Wort „dynamisch“ ist dabei entscheidend, denn ein erheblicher Teil der historischen Fahrzeuge wird nicht nur ausgestellt, sondern tatsächlich bewegt.

Am Samstag, dem 29. August 2026, gehörte das Testgelände zunächst der Alfa Romeo Driving Experience. Mehr als 100 Alfisti bekamen dort die Gelegenheit, mit ihren eigenen Fahrzeugen Rennstreckenatmosphäre zu erleben. Darüber hinaus konnten aktuelle Modelle der Marke bei Probefahrten auf den Straßen rund um das Gelände kennengelernt werden. Am Sonntag folgte schließlich der Gran Premio Alfa Romeo mit mehr als 240 historischen Renn- und Sportwagen.

Gerade dieser Ansatz gefällt uns. Natürlich darf ein historisches Fahrzeug perfekt restauriert auf einer Wiese stehen und bewundert werden. Aber ein alter Alfa Rennwagen wurde nicht gebaut, um 60 Jahre später ausschließlich mit einem Mikrofasertuch in Berührung zu kommen. In Pferdsfeld darf Geschichte Geräusche machen. Und davon gab es reichlich.

Dabei beschränkt sich Pista & Piloti keineswegs ausschließlich auf besonders teure oder seltene Fahrzeuge. Gerade die enorme Bandbreite der vertretenen Alfa Romeo gehört zum Reiz der Veranstaltung. Unterschiedliche Baureihen, Epochen und Konzepte treffen unmittelbar aufeinander und zeigen ziemlich anschaulich, wie sehr sich das Automobil in wenigen Jahrzehnten verändert hat.


Historische & aktuelle Alfa Romeo im Vergleich

Besonders spannend wird ein solches Treffen naturgemäß dann, wenn man historische und aktuelle Fahrzeuge direkt hintereinander erlebt. Auf der einen Seite stehen Klassiker, bei denen Servolenkung, Assistenzsysteme und Touchscreens entweder nicht vorhanden oder noch nicht einmal erfunden waren. Auf der anderen Seite wartet eine moderne Modellpalette, bei der Digitalisierung, Elektrifizierung und strengere Sicherheitsanforderungen längst selbstverständlich geworden sind.

Dass sich beide Welten trotzdem derselben Marke zuordnen lassen, liegt weniger an technischen Gemeinsamkeiten als an der grundsätzlichen Philosophie.

Nach unseren ersten Runden mit aktuellen und historischen Modellen blieb vor allem die Erkenntnis, dass Alfa Romeo von seinen Anfängen bis heute versucht, das Fahren als emotionales Erlebnis zu behandeln. Selbst im SUV-Segment ist die Marke nicht bereit, die Fahrfreude vollständig an der Garderobe abzugeben.

Natürlich darf man diesen Gedanken nicht romantisieren. Ein moderner Junior muss völlig andere Aufgaben erfüllen als ein klassischer Spider oder eine Giulia Quadrifoglio. Er muss effizient sein, Sicherheitsvorgaben erfüllen, unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und wirtschaftlich auf einer Konzernplattform funktionieren. Trotzdem lässt sich beispielsweise an einer direkten Lenkung oder einer bestimmten Fahrwerksabstimmung noch immer beeinflussen, wie ein Auto seinen Fahrer einbindet.

Und genau dort beginnt die eigentliche Herausforderung für Alfa Romeo. Niemand erwartet ernsthaft, dass die Marke alte Automobile einfach kopiert. Aber die neuen Fahrzeuge müssen ausreichend Eigenständigkeit besitzen, damit neben dem Scudetto im Kühlergrill noch etwas übrig bleibt, das tatsächlich nach Alfa Romeo aussieht und sich im besten Fall auch so anfühlt.


60 Jahre Alfa Romeo Spider

Eines der beiden großen historischen Themen bei Pista & Piloti 2026 war der Alfa Romeo Spider. Das 1966 vorgestellte Modell feierte seinen 60. Geburtstag und wurde in Pferdsfeld entsprechend gewürdigt. Mehr als 50 Spider unterschiedlicher Generationen nahmen an der Jubiläumsparade teil.

Der Spider gehört zu jenen Modellen, die weit über ihre technischen Eigenschaften hinaus zum Image einer Marke beigetragen haben. Vor allem die frühen Generationen verkörpern bis heute eine Form italienischen Automobildesigns, bei der Leichtigkeit und Eleganz eine größere Rolle spielten als möglichst aggressive Kühlluftöffnungen und aerodynamische Anbauteile.

Über mehrere Jahrzehnte wurde das Konzept weiterentwickelt und technisch verändert, ohne die grundsätzliche Idee des offenen Alfa vollständig aufzugeben.

In Pferdsfeld ließ sich diese Entwicklung sehr schön nachvollziehen. Unterschiedliche Generationen standen nicht isoliert in einem Museum, sondern bewegten sich gemeinsam auf dem Gelände. 60 Jahre Modellgeschichte wurden damit nicht durch eine Timeline an einer Wand erzählt, sondern auf der Straße. Das wirkt wesentlich authentischer.


50 Jahre Trofeo Alfasud

Das zweite große Jubiläum bei Pista & Piloti 2026 widmete sich einer ganz anderen Seite der Alfa-Romeo-Historie. Die Trofeo Alfasud feierte 2026 ihren 50. Geburtstag.

Der damalige Markenpokal entwickelte sich zu einem wichtigen Einstieg in den Motorsport und bot Nachwuchsfahrern die Möglichkeit, unter vergleichbaren technischen Voraussetzungen gegeneinander anzutreten. Rund 20 historische Fahrzeuge aus dem Umfeld der Trofeo kamen bei Pista & Piloti wieder zusammen und gingen gemeinsam auf die Strecke.

Gerade dieses Jubiläum zeigt, welche Bedeutung Motorsport früher innerhalb der Marke hatte. Die Alfasud war schließlich keine exotische Supersportwagenbasis, sondern ein vergleichsweise bodenständiges Serienmodell. Trotzdem entstand daraus ein Markenpokal, der Motorsport für eine deutlich größere Gruppe von Fahrern zugänglich machte.

50 Jahre später wirkt eine solche Rennserie beinahe erfrischend unkompliziert. Man nehme vergleichbare Fahrzeuge, eine Rennstrecke und genügend Fahrer, die wissen möchten, wer schneller ist. Es gab schon kompliziertere Konzepte.


Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Oro – Gold für Deutschland

Neben der Historie standen in Pferdsfeld bei Pista & Piloti 2026 auch einige ausgesprochen interessante aktuelle Alfa Romeo. Dazu gehörte die Giulia Quadrifoglio Oro, die als zeitlich limitiertes Sondermodell ausschließlich für den deutschen Markt angeboten wurde. Dass die Oro bei Pista & Piloti 2026 gezeigt wurde, war kein Zufall: Alfa Romeo hatte das Modell bereits im Vorfeld ausdrücklich als eines der aktuellen Highlights angekündigt.

Die Bezeichnung „Quadrifoglio Oro“ ist dabei keineswegs neu erfunden. Alfa Romeo verwendete den Namenszusatz bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren für besonders hochwertig ausgestattete Versionen verschiedener Baureihen, darunter Alfasud, Alfetta, Alfa 6, Alfa 90 und Alfa 33. Für die aktuelle Giulia wurde diese historische Bezeichnung nun wiederbelebt.

Technisch bleibt die Oro eine Giulia Quadrifoglio (Test der Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio) und damit alles andere als zurückhaltend. Der bekannte 2,9-Liter-V6-Biturbo entwickelt 382 kW beziehungsweise 520 PS. Die Unterschiede zum regulären Modell konzentrieren sich vor allem auf Ausstattung und Gestaltung.

Goldfarbene Bremssättel setzen bereits von außen einen deutlichen Akzent. Hinzu kommen goldene Details rund um die Quadrifoglio-Embleme sowie entsprechende Elemente im Innenraum. Dort ziehen sich goldfarbene Nähte über Sitze, Armaturentafel, Türverkleidungen und Mittelarmlehne. Auch die Alfa-Romeo-Logos in den Kopfstützen greifen das Thema auf.

Dass Alfa Romeo ausgerechnet Deutschland für dieses Sondermodell ausgewählt hat, besitzt einen durchaus nachvollziehbaren Hintergrund. Laut Hersteller wurden in den vergangenen zehn Jahren weltweit nirgendwo mehr Giulia Quadrifoglio verkauft als auf dem deutschen Markt. Die Oro versteht sich entsprechend auch als kleines Dankeschön an die hiesige Kundschaft.

Zum Marktstart kostete die Giulia Quadrifoglio Oro 103.000 Euro und damit nur 2.300 Euro mehr als die reguläre Quadrifoglio. Das Sondermodell war zeitlich begrenzt verfügbar.

Goldene Akzente an einer 520 PS starken Sportlimousine sind sicherlich nicht die strengste Definition von Understatement. Aber wir sprechen schließlich auch nicht über eine schwedische Mittelklasselimousine. Zur Giulia passt es.


Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Luna Rossa – Sold out

Noch deutlich exklusiver wurde es bei der Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Luna Rossa. Das weltweit auf lediglich zehn Exemplare limitierte Sondermodell feierte bei Pista & Piloti 2026 seine Deutschland-Premiere und war zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig verkauft.

Die Basis bildet auch hier die bekannte Giulia Quadrifoglio mit 520 PS starkem V6-Biturbo, der auch den Stelvio Quadrifoglio (Test des Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio) befeuert. Der eigentliche Aufwand steckt jedoch in Aerodynamik und Gestaltung.

Die Luna Rossa entstand in Zusammenarbeit mit dem gleichnamigen italienischen Segelteam aus dem America’s Cup. Besonders auffällig ist ein speziell entwickeltes Aerodynamikpaket aus Kohlefaser. Der Heckspoiler orientiert sich an den Tragflächen der Rennyacht und ist nicht nur optisches Dekor: Bei 300 km/h soll das gesamte Aerodynamikpaket bis zu 140 Kilogramm Abtrieb erzeugen.

Auch die Lackierung wurde aufwendig gestaltet. Der von Hand aufgetragene Lack erzeugt einen metallischen Effekt, während rote Akzente den Bezug zum Luna-Rossa-Team herstellen. Im Innenraum wird das Thema fortgeführt. Spezielle Sparco-Sitze greifen Materialien und Gestaltung der Schutzkleidung der Segelcrew auf, während in die Armaturentafel sogar eine hauchdünne Folie integriert wurde, die einer Schicht aus einem Segel der Luna Rossa entspricht.

Ob eine Giulia Quadrifoglio zwingend einen America’s-Cup-Bezug benötigt, lässt sich sachlich relativ schnell beantworten. Natürlich nicht.

Aber Sondermodelle dieser Art entstehen selten aus zwingender Notwendigkeit, was wir zum Beispiel auch von den Super-Sport-Modellen (Test des Alfa Romeo Super Sport) kennen. Sie entstehen, weil jemand die Möglichkeit dazu hatte und sie nutzen wollte. Bei Alfa Romeo gehört genau diese kleine Portion Irrationalität historisch betrachtet ohnehin zum Gesamtpaket. Die zehn Käufer dürften damit leben können.


Der Quadrifoglio-Helikopter – Wenn selbst der Asphalt nicht mehr reicht

Zu den größten Überraschungen beim Alfa Romeo Tag 2026 gehörte ein Fahrzeug, das streng genommen gar kein Fahrzeug im üblichen Sinne war.

Auf dem Gelände stand ein Ultraleicht-Helikopter vom Typ ClassiX, den Evocopter-Gründer Paul Ressle im Stil seiner eigenen Giulia Quadrifoglio gestalten ließ. Die rote Lackierung, das grüne Quadrifoglio an den Seiten und weitere Details orientieren sich bewusst an den sportlichsten Modellen von Alfa Romeo.

Die Verbindung reicht allerdings weiter als bis zur Farbgestaltung. Auch beim Helikopter spielt konsequenter Leichtbau eine zentrale Rolle. Große Teile der Kabine sowie die Rotorblätter bestehen aus Kohlefaser. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich muss der ClassiX ein maximales Abfluggewicht von 600 Kilogramm inklusive Pilot und Passagier einhalten.

Angetrieben wird der Helikopter von einem speziellen Luftfahrttriebwerk. Das Aggregat verfügt über rund sechs Liter Hubraum, leistet etwa 160 PS und stellt 500 Newtonmeter Drehmoment bereit. Technisch ist der ClassiX damit natürlich kaum mit einer Giulia Quadrifoglio vergleichbar, doch die Parallele über Leichtbau und kompromisslose Konstruktion ist durchaus nachvollziehbar.

Vor allem aber ist dieser Helikopter ein bemerkenswertes Beispiel dafür, welche Form die Verbundenheit zu einer Automarke annehmen kann. Das Projekt entstand aus persönlicher Begeisterung für Alfa Romeo und wurde mit erstaunlicher Konsequenz umgesetzt.

Man könnte nun einwenden, dass eine Giulia Quadrifoglio mit 520 PS deutlich schneller ist. Der Helikopter hat dafür bei der nächsten Vollsperrung die überzeugenderen Karten.


Alfa Romeo zwischen Historie und Moderne

Bei all der historischen Begeisterung führt eine Veranstaltung wie Pista & Piloti 2026 zwangsläufig auch zu der Frage, wie Alfa Romeo diesen Markenkern in die Zukunft transportieren möchte. Das ist keine kleine Aufgabe.

Die Zeiten, in denen ein Hersteller seine Identität beinahe ausschließlich über Motor, Fahrwerk, Design und Motorsport definieren konnte, sind vorbei. Heute müssen Plattformstrategien, CO2-Vorgaben, Elektrifizierung, Infotainment, Assistenzsysteme und zahlreiche regulatorische Anforderungen gleichzeitig berücksichtigt werden. Dazu kommt der wirtschaftliche Druck, möglichst viele Komponenten innerhalb eines Konzerns gemeinsam zu nutzen.

Gerade eine Marke wie Alfa Romeo läuft damit Gefahr, einen Teil ihrer Eigenständigkeit zu verlieren.

Andererseits wäre es ebenso falsch, Historie mit Stillstand zu verwechseln. Alfa Romeo kann nicht auf Dauer davon leben, dass vor mehreren Jahrzehnten wunderschöne Spider oder erfolgreiche Rennwagen gebaut wurden. Die aktuellen und kommenden Modelle müssen neue Kunden gewinnen und gleichzeitig ausreichend Substanz bieten, damit aus Käufern im besten Fall irgendwann wieder Alfisti werden.

Der Junior (Test des Alfa Romeo Junior Veloce) zeigt bereits, wie groß dieser Spagat sein kann. Er basiert auf Konzerntechnik und erschließt Alfa Romeo ein Segment, in dem die Marke früher kaum vertreten war. Gleichzeitig versucht man über Design, Lenkung und Fahrwerksabstimmung genügend Eigenständigkeit zu erzeugen. Wahlweise elektrisch oder mit Hybridantrieb (Test des Alfa Romeo Junior Ibrida).

Bei Giulia und Stelvio ist die Ausgangslage eine andere. Gerade die Quadrifoglio-Versionen stehen noch immer sehr unmittelbar für jene klassische Interpretation von Alfa Romeo, die Leistung, Fahrdynamik und Emotionalität miteinander verbindet. Oro und Luna Rossa zeigen, wie stark man diesen Gedanken noch ausreizen kann.


Warum Veranstaltungen wie Pista & Piloti für Alfa Romeo wichtig sind

Die Bedeutung von Pista & Piloti 2026 liegt deshalb nicht nur in rund 3.000 Besuchern oder mehr als 240 historischen Fahrzeugen. Viel wichtiger ist die Verbindung zwischen der Marke und den Menschen, die diese Autos teilweise seit Jahrzehnten fahren, pflegen und erhalten.

Viele Hersteller besitzen eine große Kundschaft. Alfa Romeo besitzt darüber hinaus eine Fangemeinde, die sich selbst seit Jahrzehnten einen eigenen Namen gibt. Alfisti.

Natürlich wird dieser Begriff auch im Marketing gern verwendet. In Pferdsfeld bekommt er allerdings eine wesentlich konkretere Bedeutung.

Hier reisen Menschen mit Fahrzeugen an, die teilweise mehrere Jahrzehnte alt sind. Sie restaurieren sie, reparieren sie, bewegen sie auf der Strecke und tauschen sich mit Besitzern anderer Generationen aus. Ein moderner Junior kann wenige Meter neben einem historischen Rennwagen stehen, ohne dass sich beide gegenseitig erklären müssten. Beide gehören zu derselben Geschichte.

Und irgendwo dazwischen steht ein Mann mit einem Helikopter, den er passend zu seiner Giulia Quadrifoglio gestaltet hat. Viel mehr Markenverbundenheit lässt sich vermutlich kaum erreichen.

Genau deshalb ist es für Alfa Romeo wichtig, solche Veranstaltungen nicht ausschließlich als Blick zurück zu verstehen. Sie zeigen nicht nur, was die Marke einmal war, sondern auch, welche Erwartungshaltung sie selbst geschaffen hat.

Ein neuer Alfa muss nicht dieselbe Technik besitzen wie ein historischer Alfa. Er muss auch nicht zwangsläufig laut, unbequem oder temperamentvoll sein. Aber er sollte einen Grund liefern, weshalb sein Besitzer eines Tages möglicherweise freiwillig mit ihm nach Pferdsfeld fährt.


Fazit – Pista & Piloti 2026 zeigt die besondere Alfa-Welt

Pista & Piloti 2026 war erneut weit mehr als ein klassisches Oldtimertreffen. Bereits unser Besuch bei der Giornata dell’Alfa Romeo am Freitag zeigte, wie gut das Zusammenspiel aus aktuellen Modellen, historischen Fahrzeugen, Fahrbetrieb und persönlichem Austausch funktioniert. Am Wochenende wurde daraus schließlich eine große Veranstaltung mit rund 3.000 Besuchern und mehr als 240 Klassikern.

Mit dem 60. Geburtstag des Alfa Romeo Spider und 50 Jahren Trofeo Alfasud gab es genügend Anlass, auf wichtige Kapitel der Markengeschichte zurückzublicken. Gleichzeitig standen mit Giulia Quadrifoglio Oro und Luna Rossa zwei Fahrzeuge auf dem Gelände, die zeigen, dass sich Alfa Romeo auch heute noch besondere Interpretationen seiner sportlichsten Limousine erlaubt.

Und dann war da natürlich noch der Quadrifoglio-Helikopter, der auf seine ganz eigene Art verdeutlichte, wie weit die Begeisterung für diese Marke reichen kann.

Für uns blieb nach den ersten Runden in aktuellen und historischen Modellen vor allem eine Erkenntnis hängen: Alfa Romeo steht bis heute für den Versuch, Autofahren nicht ausschließlich als möglichst effiziente Bewegung von A nach B zu behandeln. Lenkgefühl, Fahrdynamik und die Verbindung zwischen Fahrer und Fahrzeug spielen noch immer eine Rolle. Selbst im SUV-Segment ist die Marke offenbar nicht bereit, den Fahrspaß dem Komfortdiktat zu opfern.

Genau darin liegt gleichzeitig die große Aufgabe für die kommenden Jahre. Alfa Romeo wird sich verändern müssen. Antriebe werden sich ändern, Plattformen werden stärker geteilt und die Anforderungen an moderne Fahrzeuge werden weiter wachsen.

Die Vergangenheit lässt sich nicht kopieren, und das sollte auch nicht das Ziel sein. Was sich jedoch bewahren lässt, ist die Haltung dahinter. Pista & Piloti 2026 zeigte in Pferdsfeld ziemlich eindrucksvoll, warum es sich für Alfa Romeo lohnt, genau darum zu kämpfen.

Text: NEU!

Fotos: Alfa Romeo


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