Die XPeng Modelle 2026 reichen vom L03 als Elektroauto und Range Extender über P7+ und X9 bis zu zwei weiteren SUV-Neuheiten für Deutschland. Beim XPeng Roundtable Berlin 2026 ging es aber auch um Lieferzeiten, Ersatzteile, den humanoiden Roboter IRON und Flugautos. An Selbstbewusstsein mangelt es der Marke nicht – vorgetragen wird das alles trotzdem mit erstaunlich glaubwürdiger Bescheidenheit.
Premium? Das sollen andere entscheiden.
Den Produkt-Roundtable in Berlin eröffnete Bernhard Voß, Leiter Presse und PR bei XPeng Deutschland. Durch den Abend führte Markus Schrick, Managing Director Central Europe. Auch Schauspieler und Musiker Lenn Kudrjawizki wohnte dem Roundtable als Gast bei.
Inhaltlich knüpfte der Abend an den vorherigen XPeng Roundtable in Hamburg und den XPeng Brand Day 2026 an. Nur war diesmal einiges konkreter. Aus Visionen wurden Zeitfenster, aus Modellankündigungen ein dichter Fahrplan und aus vorsichtigen Deutschlandzielen eine Perspektive, die inzwischen spürbar größer ausfällt. Für XPeng Deutschland sollen die neuen Modelle zum nächsten Wachstumsschub werden.
Trotzdem vermeidet XPeng weiterhin das Etikett Premium. Schrick hält stattdessen an dem Ziel fest, XPeng zum „deutschesten“ chinesischen Hersteller zu machen. Auf einer Präsentationsfolie standen unter der etwas sperrigen Überschrift „Brand Differentiators“ sechs Begriffe: Hightech, Zuverlässigkeit, Produkt, Service, Teile und Bescheidenheit. Besonders der letzte Punkt wird bei XPeng nicht nur dekorativ an die Wand geschrieben. Die Marke hätte anhand ihrer Wachstumszahlen durchaus Anlass, das eigene Ego mit etwas mehr Luft zu befüllen. Sie tut es bislang erstaunlich wenig.
Aus 15.000 könnten beinahe 20.000 werden
Beim Roundtable im Frühjahr war für Deutschland noch von mehr als 8.000 Fahrzeugen im Jahr 2026 und über 15.000 Einheiten im Jahr 2027 die Rede. In Berlin klang durch, dass die bisherige Planung für 2027 voraussichtlich übertroffen wird. Im günstigen Fall könnte XPeng sogar an der Marke von 20.000 Fahrzeugen kratzen. Als neues offizielles Ziel wurde diese Zahl ausdrücklich nicht ausgerufen; die Richtung ist dennoch eindeutig.
Dafür gibt es eine belastbare Grundlage. Im ersten Halbjahr 2026 kam XPeng in Deutschland auf 3.357 Neuzulassungen und damit auf ein Plus von 215 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig gingen 6.700 Kundenbestellungen ein. Das ist noch kein Angriff auf die großen Volumenhersteller, aber längst mehr als ein statistisches Hintergrundgeräusch. Die XPeng Modelle 2026 scheinen damit einen Nerv zu treffen.

Die strategische Zusammenarbeit mit Volkswagen spielt dabei ebenfalls eine Rolle. XPeng macht keinen Hehl daraus, dass man sich über die Kooperation freut. Schließlich ist sie nicht nur wirtschaftlich interessant, sondern auch ein starkes Gütesiegel für die eigene Elektronik- und Softwarekompetenz. Wenn ein Konzern wie Volkswagen bei Architektur und Entwicklung mit einem vergleichsweise jungen chinesischen Hersteller zusammenarbeitet, muss dieser seine technische Ernsthaftigkeit nicht mehr ausschließlich auf Präsentationsfolien beweisen.
Die XPeng Modelle 2026 im Überblick
Die wichtigste Folie des Abends zeigte den deutschen Produktfahrplan bis Ende 2026. G6 und G9 waren darauf zwar ebenfalls zu sehen, neue Produkt-Updates wurden für beide aktuellen Modelle aber nicht angekündigt. Die eigentlichen XPeng Neuheiten 2026 sind P7+, X9 und L03 sowie zwei weitere Modelle für das vierte Quartal. Über das Gesamtjahr betrachtet stehen damit fünf neue XPeng Modelle im Deutschland-Fahrplan.
Der XPeng P7+ ist seit April 2026 in Deutschland erhältlich. Die Fastback-Limousine startet bei 46.600 Euro, erreicht bis zu 530 Kilometer nach WLTP und lädt mit maximal 446 kW. Im XPeng P7+ Erstkontakt zeigte das viertürige Coupé bereits, weshalb er mehr sein kann als eine weitere elektrische Limousine mit reichlich Displayfläche: viel Platz, hoher Reisekomfort, beeindruckende Ladezeiten und ein Verbrauch von 16,1 kWh/100 km auf unserer rund 730 Kilometer langen Strecke ergeben ein ziemlich schlüssiges Gesamtbild.
Seit Juni ergänzt der X9 das Programm. Der bis zu siebensitzige Luxus-MPV kostet mindestens 77.600 Euro, bietet serienmäßig Allradlenkung und Luftfederung, schafft bis zu 615 Kilometer nach WLTP und lädt mit bis zu 542 kW. Unser XPeng X9 Erstkontakt bestätigte den ungewöhnlichen Charakter: Der X9 verbindet das Raumangebot einer rollenden Business-Lounge mit einer Ladeleistung, die in diesem Segment beinahe unanständig schnell wirkt.
Über die gesamte Palette hinweg bündelt XPeng seine Argumente vor allem in der 800-Volt-Technik, Reichweiten von bis zu 615 Kilometern, Ladeleistungen bis 542 kW und Leistungen bis 575 PS. Hinzu kommen sieben Jahre beziehungsweise 160.000 Kilometer Fahrzeuggarantie, acht Jahre Garantie auf die Batterie, eine umfangreiche Serienausstattung und regelmäßige OTA-Updates. Die Marke versucht also nicht, jeden Türgriff zum Bestandteil eines Ausstattungspakets zu erklären. Auch das kann man als Form von Bescheidenheit verstehen.
P7+ und X9 werden stärker nachgefragt als erwartet
Nach Angaben von XPeng übertrifft die Nachfrage nach beiden Modellen die internen Erwartungen deutlich. Konkrete aktuelle Bestellzahlen nannte das Unternehmen beim Roundtable nicht. Dass ausgerechnet P7+ und X9 besonders stark anlaufen, überrascht uns nach unseren Erstkontakten jedoch kaum. Beide besitzen einen klar erkennbaren Charakter und liefern bei Komfort, Platzangebot und Ladegeschwindigkeit Argumente, die nicht erst nach dem dritten Marketingseminar verstanden werden müssen.
Gerade der Erfolg des X9 habe XPeng überrascht. Das Segment der großen elektrischen Vans ist zwar gewachsen, aber keineswegs einfach. Ein VW ID. Buzz (Test des VW ID.Buzz) verfolgt ein konventionelleres Konzept mit kurzem und langem Radstand (Test des VW ID.Buzz GTX), der Mercedes-Benz VLE zielt auf die gehobene elektrische Personenbeförderung und der Maxus Mifa 9 (Test des Maxus Mifa 9) zeigte bereits, dass Größe und Ledersessel allein noch keinen Selbstläufer ergeben. Der X9 setzt dem eine Kombination aus Luxus, Variabilität, Allradlenkung, Luftfederung und außergewöhnlicher Ladeleistung entgegen.
Der Erfolg der XPeng Modelle 2026 hat allerdings eine weniger luxuriöse Nebenwirkung: Die Lieferzeiten von P7+ und insbesondere X9 haben sich spürbar verlängert und können je nach Fahrzeug mehrere Monate betragen. XPeng arbeitet nach eigener Aussage daran, die Situation zu verbessern. Genaue Zeitangaben wurden nicht genannt – und ein Versprechen, das später am Transportweg hängen bleibt, wäre ohnehin eine eher unnötige Form chinesisch-deutscher Völkerverständigung.
XPeng L03 kommt als BEV und Range Extender
Der L03 ist das günstigste der XPENG Modelle 2026. Das SUV-Coupé kommt im Oktober auf den deutschen Markt und startet als vollelektrischer Standard Range bei 35.600 Euro. Die stärkste Ladeleistung liegt bei 236 kW, die maximale WLTP-Reichweite der rein elektrischen Versionen bei 520 Kilometern.
Spannender ist eine Entscheidung, die beim vorherigen Roundtable noch keineswegs feststand: Der L03 kommt auch als Range Extender nach Deutschland. Der Antrieb bleibt elektrisch, während ein Verbrennungsmotor bei Bedarf als Generator Strom erzeugt. XPENG nennt für diese Variante eine kombinierte Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern nach WLTP. Einen deutschen Preis für den REEV gab das Unternehmen noch nicht bekannt; die 35.600 Euro gelten ausschließlich für das vollelektrische Basismodell.
Damit reagiert XPENG auf Kunden, die elektrisch fahren möchten, sich aber noch nicht vollständig von Tankstellen verabschieden wollen. Technisch ist der Range Extender eine Brücke, keine endgültige Lösung. Für den Markteintritt kann eine solche Brücke allerdings wertvoller sein als eine besonders reine Ideologie.
XPeng G9 als Siebensitzer und ein weiteres SUV
Für das vierte Quartal hält der Fahrplan zwei weitere Modelle bereit. Zum einen soll der G9 zusätzlich als Sechs- und Siebensitzer angeboten werden. Vermutlich wird er unter dem Namen XPeng G9L vermarktet. Damit rückt das große SUV näher an Familien und Shuttle-Kunden heran, denen die bislang angebotene fünfsitzige Ausführung trotz ihrer üppigen Abmessungen schlicht zwei Plätze zu wenig bietet.
Zum anderen kündigte XPeng ein weiteres SUV an, das sich zwischen G6 und L03 positionieren wird. Einen verbindlichen Namen, technische Daten oder Preise gab es noch nicht. Auf der Folie blieb es bei einer Silhouette – der automobilen Entsprechung eines dezent zugezogenen Vorhangs. Klar ist nur, dass XPeng die derzeit noch großen Abstände innerhalb der SUV-Palette zügig schließen möchte.
Händler, Werkstätten und Ersatzteile als deutsche Prüfung
Der Anspruch, der „deutscheste Chinese“ zu werden, entscheidet sich nicht allein an Ladeleistungen und WLTP-Zahlen. Entscheidend sind Händler, Werkstätten und die Frage, wie lange ein Kunde auf ein benötigtes Ersatzteil wartet. Das Vertriebs- und Servicenetz ist im Laufe des Jahres kräftig gewachsen; bis Ende 2026 hält XPeng am Ziel von 110 Partnerstandorten fest.
Auch die Ersatzteilversorgung soll möglichst schnell funktionieren. Eine pauschale 48-Stunden-Garantie für jedes Bauteil wurde in Berlin nicht gegeben. Stattdessen bleibt es bei 72 Stunden. XPeng verweist auf Skaleneffekte durch eine überschaubare Variantenvielfalt und geringe Individualisierung. Wenn nicht jedes Fahrzeug aus einer nahezu philosophischen Anzahl möglicher Lederfarben, Zierleisten und Ausstattungspakete zusammengesetzt wird, lässt sich das Teilelager naturgemäß leichter planen.
Genau an diesem Punkt muss die Marke ihre deutschen Ambitionen beweisen. Ein Fahrzeug kann noch so schnell laden – steht es wegen eines fehlenden Bauteils drei Wochen in der Werkstatt, wird aus Hightech sehr rasch Stehzeug. XPeng scheint diese Gefahr verstanden zu haben und räumt Service und Teileversorgung entsprechend viel Gewicht ein.
XPeng Roboter IRON soll in den Haushalt wandern
Den zweiten großen Themenblock bildete Physical AI. Der humanoide Roboter IRON war bereits beim Brand Day ein zentraler Bestandteil der Zukunftserzählung. In Berlin wurde der geplante Einsatz nun genauer umrissen. Ende 2026 soll die Serienproduktion anlaufen, 2027 die Markteinführung folgen. Zunächst ist IRON für XPeng-Showrooms vorgesehen, wo der Roboter als Servicekraft, Assistent und Produkterklärer eingesetzt werden könnte. Später sollen Aufgaben in der Fertigung und schließlich in privaten Haushalten folgen.
Technisch verspricht XPeng unter anderem eine menschenähnliche Wirbelsäule, bionische Muskeln und Hände, eine vollständig abgedeckte weiche Außenhaut, eine Festkörperbatterie und bis zu 2.250 TOPS Rechenleistung. Geplant sind zwei humanoide Ausführungen mit männlicher und weiblicher Körperform. Der Anspruch lautet nicht weniger, als den bislang lebensechtesten humanoiden Roboter zu entwickeln.

Auch zum Preis gab es eine Antwort – jedenfalls fast. IRON solle ungefähr auf dem Niveau eines XPeng-Fahrzeugs liegen. Auf die naheliegende Nachfrage, welches XPeng-Modell damit gemeint sei, blieb das Unternehmen vorsichtshalber stumm. Zwischen einem L03 und einem X9 AWD Performance liegt schließlich genügend Luft für eine recht großzügige Kalkulation.
Eine konkrete Einführung in Europa wurde noch nicht bestätigt. XPeng unterstrich jedoch, dass IRON nicht als ausschließlich chinesisches Technologieprojekt gedacht ist. Europa gehört zur Perspektive. Angesichts der regulatorischen, sprachlichen und gesellschaftlichen Anforderungen dürfte dieser Schritt trotzdem anspruchsvoller werden als das freundliche Erklären eines G6 im Showroom.
XPeng Flugauto: ARIDGE plant den Verkehr eine Etage höher
Ähnlich ernsthaft verfolgt XPeng über die Flugauto-Tochter ARIDGE den Verkehr in geringer Höhe. Nach Unternehmensangaben flossen über zwölf Jahre hinweg rund 600 Millionen US-Dollar in Forschung und Entwicklung; sieben Generationen des ursprünglichen Fluggeräts seien dabei entstanden. XPeng erwartet, dass fliegende Fahrzeuge innerhalb der kommenden 20 Jahre einen Marktanteil von bis zu 20 Prozent am Automobilmarkt erreichen könnten. Das ist eine Prognose, bei der selbst optimistische PowerPoint-Folien kurz nach Luft schnappen dürfen.
Beim Roundtable selbst waren weder IRON noch der sogenannte Land Aircraft Carrier physisch anwesend. Wir sahen beide lediglich innerhalb der Präsentation. Am folgenden Tag zeigte XPeng die Systeme auf der IFA in Berlin – einen Auftritt, an dem wir nicht mehr teilnahmen.
Der Land Aircraft Carrier besteht aus einem sechsrädrigen Trägerfahrzeug mit Range-Extender-Technik und einem zusammenklappbaren zweisitzigen eVTOL. Das Bodenfahrzeug dient zugleich als mobiler Hangar und Ladestation. Für das Gesamtsystem nennt ARIDGE mehr als 1.000 Kilometer Reichweite nach dem chinesischen CLTC-Zyklus und genügend Energie für bis zu sechs Flüge. Eine öffentlich bestätigte Kilometerreichweite des kleinen eVTOL liegt derzeit nicht vor.
Daneben entwickelt ARIDGE den größeren A868. Das senkrecht startende und landende Fluggerät soll mehr als 500 Kilometer Reichweite und über 360 km/h erreichen. Diese Werte gehören ausdrücklich zum A868 und nicht zum kleinen Flugmodul des Land Aircraft Carrier. Wann und unter welchen gesetzlichen Voraussetzungen solche Fahrzeuge in Europa tatsächlich genutzt werden können, ist weiterhin offen. Die Technik entwickelt sich hier erkennbar schneller als die dazugehörige Straßen- und Luftverkehrsordnung – was allerdings kein besonders anspruchsvolles Rennen ist.
Selbstbewusst, konkret und weiterhin erstaunlich bescheiden
Die XPeng Modelle 2026 zeigen eine Marke, die ihre großen Visionen nicht aufgegeben hat, gleichzeitig aber im deutschen Tagesgeschäft konkreter wird. Der L03 hat einen Preis und einen Handelsstart, der Range Extender eine bestätigte Deutschlandperspektive. P7+ und X9 sind bereits da und werden stärker nachgefragt als erwartet. Für den G9 kommen neue Sitzvarianten, daneben schließt ein weiteres SUV die Lücke in der Modellpalette.
IRON und ARIDGE wirken für viele Menschen weiterhin wie Stoff aus einer Zukunftsstudie. Beschäftigt man sich allerdings mit den Investitionen, Entwicklungszeiten und technischen Zwischenschritten, verliert die Sache zumindest einen Teil ihres vermeintlichen Größenwahns. He Xiaopeng ist kein Gründer, der ausschließlich bestehende Fahrzeugkonzepte hübscher verpacken möchte. Er denkt Mobilität, Robotik und künstliche Intelligenz als zusammengehöriges System – und genießt in China auch deshalb beinahe Popstar-Status.
Ob XPeng tatsächlich zum „deutschesten“ chinesischen Hersteller wird, entscheidet sich nun an weniger spektakulären Dingen: verlässlichen Lieferzeiten, einem dichten Servicenetz und verfügbaren Ersatzteilen. Die Autos selbst liefern bereits überzeugende Argumente. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich XPENG das demonstrative Premiumetikett sparen kann. Wer seine Technik sprechen lässt, muss die eigene gesellschaftliche Stellung nicht eigens auf das Preisschild drucken.
Text: NEU!
Fotos: XPeng
