XPeng X9 RWD
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XPeng X9 RWD im Erstkontakt – Premium-Van mit Formel-1-Ladetechnik

Der XPeng X9 RWD wartete nach unserer ersten Etappe im XPeng P7+ (Test des XPeng P7+ RWD) bereits im beschaulichen Montpellier auf seinen Einsatz. Schon der erste Blick machte deutlich: Während die elektrische Fastback-Limousine als komfortabler Gran Turismo auftritt, verfolgt der über 5,30 Meter lange Luxus-Van ein völlig anderes Konzept. Hier geht es nicht um flache Dachlinien oder sportliche Proportionen, sondern um eines: möglichst viel Raum. Genau dieser Raum sollte uns auf der zweiten Etappe der rund 10.000 Kilometer langen XPeng XPerience Tour quer durch Europa begleiten.

Mehr als 500 Kilometer lagen vor uns. Die Route führte entlang der Mittelmeerküste, durch enge französische Altstädte, über kurvenreiche Alpenstraßen bis nach Genf. Unterschiedlicher könnten die Anforderungen an ein Fahrzeug kaum sein. Lange Autobahnetappen wechselten sich mit verwinkelten Ortsdurchfahrten, engen Parkhäusern und anspruchsvollen Passstraßen ab. Genau die richtige Bühne also, um einen ersten Eindruck vom XPeng X9 zu gewinnen. Ein ausführlicher Test folgt, sobald uns das Fahrzeug als regulärer Testwagen zur Verfügung steht.

Der XPeng X9 möchte kein klassischer Van sein. Er versteht sich vielmehr als luxuriöser Langstreckenbegleiter für Familien, Geschäftsreisende oder Shuttle-Dienste mit gehobenen Ansprüchen. Ob ihm dieser Spagat zwischen maximalem Raumangebot, modernster Technik und außergewöhnlichem Reisekomfort tatsächlich gelingt, zeigt unser Erstkontakt auf der XPeng E-XPerience Tour quer durch Europa. Fahrbericht.


Der Look

Mit einer Länge von 5,32 Metern gehört der XPeng X9 RWD zweifellos zu den imposantesten Elektrofahrzeugen auf dem europäischen Markt. Dennoch wirkt der große Van erstaunlich elegant. Während viele Fahrzeuge dieser Klasse vor allem möglichst funktional auftreten, verbindet der X9 seine großzügigen Abmessungen mit einer klaren, modernen Formensprache. Das Ergebnis erinnert weniger an einen klassischen Van als vielmehr an einen futuristischen Hochgeschwindigkeitszug auf Rädern.

Die markante Front, die sauber gezeichneten Seitenflächen und das kantige Heck verleihen dem X9 eine außergewöhnliche Präsenz. Trotz seiner stattlichen Größe wirkt er weder klobig noch schwerfällig. Stattdessen strahlt der Luxus-Van eine angenehme Ruhe und Souveränität aus. Das Design verzichtet bewusst auf übertriebene Spielereien und setzt stattdessen auf klare Linien, ausgewogene Proportionen und einen eigenständigen Auftritt.

Vor allem aber vermittelt der X9 bereits auf den ersten Blick genau das, was ihn später während der gesamten Tour auszeichnet: Raum. Ungewöhnlich viel Raum. Die hohe Dachlinie, die großen Fensterflächen und der lange Radstand lassen bereits von außen erkennen, worauf die Entwickler ihren Schwerpunkt gelegt haben. Dieser Van möchte seine Passagiere nicht einfach von A nach B bringen, sondern ihnen unterwegs möglichst viel Komfort und Bewegungsfreiheit bieten.

Gerade auf unserer Etappe durch Südfrankreich zog der XPeng X9 RWD immer wieder neugierige Blicke auf sich. Das lag weniger an einer auffälligen Lackierung oder spektakulären Designspielereien, sondern vielmehr an seiner außergewöhnlichen Erscheinung. Viele Passanten blieben stehen und versuchten zunächst einzuordnen, was dort eigentlich gerade vorbeifuhr. Ein Luxus-Van? Ein Shuttle? Oder doch eine rollende Business Lounge? Vermutlich von allem ein bisschen.


Und innen?

Spätestens beim Einsteigen wird deutlich, worauf die Entwickler des XPeng X9 RWD ihren Schwerpunkt gelegt haben. Der Innenraum gehört zweifellos zu den beeindruckendsten, die wir bislang in einem Elektrofahrzeug erleben durften. Sieben vollwertige Sitzplätze, hochwertige Materialien und ein Raumgefühl, das eher an eine luxuriöse Lounge als an einen klassischen Van erinnert, prägen den ersten Eindruck. Bereits nach wenigen Minuten wird klar: Hier stand nicht die maximale Zahl an Bildschirmen im Lastenheft, sondern der Komfort der Passagiere.

Besonders die ersten beiden Sitzreihen setzen Maßstäbe. Sitzheizung, Sitzbelüftung und außergewöhnlich wirkungsvolle Massagefunktionen gehören serienmäßig zum Ausstattungsumfang. Letztere gehen weit über das hinaus, was viele Hersteller heute unter einer Massage verstehen. Statt eines leichten Vibrationsprogramms arbeitet das System mit unterschiedlichen Intensitäten und Bewegungsabläufen, die tatsächlich eher an eine professionelle Physiotherapie als an eine klassische Komfortfunktion erinnern. Wer nach mehreren hundert Kilometern entspannt aussteigt, weiß diese Qualität schnell zu schätzen.

Erfreulich ist zudem, dass XPeng die dritte Sitzreihe nicht als reine Notlösung betrachtet. Auch dort finden Erwachsene überraschend gute Platzverhältnisse vor, während Sitzheizung ebenfalls zum Serienumfang gehört. Besonders clever gelöst ist die Variabilität. Die beiden hinteren Sitze lassen sich zunächst elektrisch vorklappen und anschließend vollständig im Fahrzeugboden versenken. Das funktioniert bequem per Tastendruck an der geöffneten Heckklappe und verwandelt den X9 innerhalb weniger Sekunden vom komfortablen Siebensitzer in einen äußerst praktischen Transporter. Das Kofferraumvolumen wächst dabei von 721 auf bis zu 2.250 Liter, während vier vollwertige Einzelsitze erhalten bleiben.

Auch Materialqualität und Verarbeitung hinterließen einen hervorragenden Eindruck. Weiche Oberflächen, sauber gesetzte Ziernähte, hochwertige Lautsprecherabdeckungen und eine geschmackvoll integrierte Ambientebeleuchtung vermitteln Oberklasse-Flair. Nichts wirkt billig oder aufgesetzt. Stattdessen entsteht eine angenehme Wohlfühlatmosphäre, die hervorragend zum Charakter des Fahrzeugs passt.

Abgerundet wird der positive Gesamteindruck durch die beiden großen Panoramaglasdächer, die den Innenraum mit Licht durchfluten und das ohnehin großzügige Raumgefühl zusätzlich verstärken. Anders als bei vielen Wettbewerbern stehen den Passagieren der zweiten Reihe darüber hinaus klassische Sonnenrollos zur Verfügung. Praktisch sind außerdem die vollständig versenkbaren Seitenscheiben der elektrischen Schiebetüren. Ein Detail, das selbst in dieser Fahrzeugklasse längst keine Selbstverständlichkeit darstellt. Gerade auf langen Reisen sind es oft genau diese kleinen Lösungen, die aus einem komfortablen Van eine echte rollende Business Lounge machen.


Der Antrieb des XPeng X9 RWD

Der XPeng X9 RWD zeigt bereits nach wenigen Kilometern, dass Größe und Fahrdynamik längst kein Widerspruch mehr sein müssen. Natürlich lässt sich die Physik nicht vollständig überlisten. Mit über 5,30 Metern Länge und fast 2,7 Tonnen Leergewicht gehört der Luxus-Van nicht gerade zu den Leichtgewichten seiner Klasse. Umso beeindruckender ist es, wie souverän die serienmäßige Luftfederung diese Dimensionen kaschiert.

Wir waren mit der Long-Range-Version unterwegs, deren Heckantrieb 320 PS und 450 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterräder schickt. Im Komfortmodus gleitet der X9 nahezu lautlos über schlechte Straßen. Unebenheiten verschwinden beinahe vollständig, während die automatische Niveauregulierung jederzeit für einen souveränen Geradeauslauf sorgt. Genau so stellt man sich einen modernen Reisewagen vor.

Wer dagegen den Sportmodus aktiviert, erlebt einen überraschenden Charakterwechsel. Das Luftfahrwerk senkt die Karosserie zusätzlich ab, Lenkung und Ansprechverhalten wirken spürbar direkter und der große Van fährt sich deutlich verbindlicher, als es seine beeindruckenden Außenmaße zunächst vermuten lassen. Einen Sportwagen ersetzt der X9 damit selbstverständlich nicht, doch die Agilität, die XPeng diesem Fahrzeug mitgegeben hat, verdient Respekt.

Ganz verschwinden kann das hohe Gewicht allerdings nicht. In schnell gefahrenen Kurven melden sich vor allem die kurvenäußeren Reifen akustisch zu Wort und erinnern daran, welche Massen hier bewegt werden. Das geschieht jedoch erst in einem Fahrbereich, den die meisten Besitzer eines komfortorientierten Luxus-Vans vermutlich ohnehin nur selten aufsuchen werden.

Beeindruckt hat uns außerdem, wie schnell die Größe des Fahrzeugs ihren Schrecken verliert. Von außen wirkt der XPeng X9 zunächst beinahe einschüchternd. Bereits nach wenigen Minuten hinter dem Steuer entsteht jedoch ein völlig anderes Bild. Die hochauflösenden Kameras, die ausgezeichnete Rundumsicht und die präzise Lenkung sorgen dafür, dass sich der Van überraschend leichtfüßig bewegen lässt. Man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran, dass die Front irgendwo dort endet, wo andere Fahrzeuge gefühlt bereits den nächsten Kreisverkehr erreichen.

Genau darin liegt vielleicht die größte Überraschung unseres Erstkontakts. Der XPeng X9 RWD fährt sich keineswegs wie ein klassischer Großraumvan. Vielmehr vermittelt er das Gefühl, eine luxuriöse Reiselimousine mit außergewöhnlich viel Platz zu bewegen. Und das dürfte vermutlich das schönste Kompliment sein, das man einem Fahrzeug dieser Größenordnung machen kann.


Alltag & Verbrauch

Der XPeng X9 RWD wurde für lange Reisen entwickelt. Genau deshalb war die rund 500 Kilometer lange Etappe von Montpellier bis nach Genf die ideale Gelegenheit, den großen Elektro-Van unter realistischen Bedingungen kennenzulernen. Autobahnen, enge Altstädte, kurvenreiche Alpenstraßen und hochsommerliche Temperaturen verlangten dem Fahrzeug alles ab, was im europäischen Alltag typischerweise auf einen Reisewagen wartet.

Trotz seiner beeindruckenden Abmessungen präsentierte sich der X9 dabei erstaunlich effizient. Laut WLTP liegt der kombinierte Verbrauch des XPeng X9 RWD Long Range bei 20,0 kWh pro 100 Kilometer. Auf unserer Tour pendelte sich der Bordcomputer trotz dauerhaft laufender Klimaanlage und Außentemperaturen von stellenweise über 40 Grad Celsius bei 22,2 kWh pro 100 Kilometer ein. Für einen über fünf Meter langen Luxus-Van mit Luftfahrwerk, sieben Sitzplätzen und nahezu voll ausgestatteter Komforttechnik ist das ein ausgesprochen überzeugender Wert.

Mindestens ebenso beeindruckend wie der Verbrauch war allerdings der Reisekomfort. Über viele Stunden hinweg blieb der Innenraum angenehm leise, die Luftfederung filterte Unebenheiten souverän heraus und selbst nach mehreren hundert Kilometern stellte sich kaum Ermüdung ein. Genau hier spielt der XPeng X9 RWD seine größten Stärken aus. Er möchte nicht zum sportlichen Kurvenräuber werden, sondern seine Passagiere möglichst entspannt ans Ziel bringen. Dieses Versprechen löste er auf unserer Etappe eindrucksvoll ein.

Gerade auf langen Reisen zeigt sich außerdem der praktische Nutzen des durchdachten Innenraumkonzepts. Sieben vollwertige Sitzplätze, zahlreiche Ablagemöglichkeiten, mehrere induktive Ladeschalen sowie USB-Anschlüsse in nahezu jeder Sitzreihe machen den Alltag für Familien ebenso angenehm wie für Shuttle-Dienste oder Geschäftsreisende. Der XPeng X9 RWD transportiert seine Passagiere eben nicht nur von A nach B, sondern schafft unterwegs ein Umfeld, in dem die Reise fast wichtiger wird als das eigentliche Ziel.


Laden & Reichweite

Wer mit einem über 5,30 Meter langen Luxus-Van auf große Reise geht, stellt zwangsläufig zwei Fragen: Wie weit kommt er? Und wie lange dauert der nächste Ladestopp? Nach unserer Etappe von Montpellier bis nach Genf können wir zumindest einen ersten Eindruck geben.

Wie bereits der XPeng P7+ (Test des XPeng P7+ RWD) profitiert auch der große Van von der modernen 800-Volt-Architektur des Herstellers. An einer 400-kW-Schnellladesäule erreichte das Fahrzeug bereits nach wenigen Sekunden seine maximale Ladeleistung und hielt diese bis etwa 70 bis 75 Prozent Akkustand nahezu konstant. Selbst bei 80 Prozent flossen noch rund 260 kW in die 110-kWh-Batterie, bei 90 Prozent waren es immer noch mehr als 150 kW. Erst danach fiel die Ladeleistung deutlich ab. Mit rund 82 kW lag sie jedoch selbst dann noch über dem, was viele Wettbewerber in deutlich früheren Ladezuständen erreichen.

Von einer klassischen Ladekurve kann deshalb kaum die Rede sein. Vielmehr erinnert das Verhalten an ein nahezu konstantes Ladeplateau auf höchstem Niveau. Während unserer Tour dauerte der Ladevorgang von 20 auf 90 Prozent lediglich rund 14 Minuten und das bei Außentemperaturen von mehr als 40 Grad Celsius. Beeindruckender lässt sich ein Akku derzeit kaum mit neuer Energie versorgen.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Schnellladesäule über die bordeigene Navigation als Ziel ausgewählt wird. Nur dann startet automatisch die Batteriekonditionierung. Gerade bei sommerlichen Temperaturen zeigte sich, wie wichtig dieser Schritt ist. Während der Fahrt kühlte der XPeng den Akku aktiv herunter. Kollegen, die den Unterschied mit und ohne Vorkonditionierung ausprobierten, berichteten anschließend von nahezu halbierten Ladezeiten. Das unterstreicht eindrucksvoll, welchen Einfluss ein intelligentes Thermomanagement inzwischen auf die Alltagstauglichkeit eines Elektroautos hat.

Laut WLTP erreicht der XPeng X9 RWD Long Range bis zu 615 Kilometer Reichweite. Auf unserer hochsommerlichen Testetappe mit dauerhaft klimatisiertem Innenraum erzielten wir rund 500 Kilometer, überwiegend auf Autobahnen sind etwa 400 Kilometer realistisch. Wer regelmäßig die möglichen 200 km/h ausfährt, muss naturgemäß früher an die Ladesäule. Dank der außergewöhnlich kurzen Ladepausen verliert dieses Thema jedoch spürbar an Bedeutung. Die Reichweitenangst schmilzt hier wortwörtlich wie ein Eiswürfel in der sommerlichen Mittelmeersonne.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Spätestens nach den ersten Kilometern wird deutlich, dass der XPeng X9 RWD weit mehr sein möchte als ein komfortabler Familien-Van. Das Fahrzeug versteht sich vielmehr als rollende Business Lounge, in der moderne Technik den Alltag der Passagiere möglichst angenehm gestalten soll.

Kaum nimmt man in der zweiten Sitzreihe Platz, richtet sich der Blick automatisch zur Decke. Per Knopfdruck fährt dort lautlos ein 21,4 Zoll großer Entertainment-Bildschirm herunter. Die Sprachassistentin weist währenddessen freundlich darauf hin, ausreichend Abstand zum Display zu halten. Anschließend stehen unter anderem YouTube, Spotify, Amazon Prime Video und weitere Anwendungen direkt zur Verfügung. Gesteuert wird der Monitor entweder per Touch oder über eine separate Fernbedienung. Lediglich ein Wunsch blieb offen: Schade, dass sich dort keine Navigationskarte darstellen lässt. Gerade auf langen Reisen würden Mitfahrer sicherlich gern verfolgen, wo man sich gerade befindet und wie viele Kilometer noch bis zum Ziel verbleiben. Das hätte fast schon ein wenig Airbus- oder Dreamliner-Flair.

Mindestens ebenso beeindruckend arbeitet die Sprachsteuerung. Sitzt ein Passagier beispielsweise in der dritten Sitzreihe und aktiviert den Sprachassistenten, erkennt das System nicht nur den Befehl zuverlässig, sondern lokalisiert sogar dessen Ursprung. Die Antworten erfolgen anschließend gezielt für den jeweiligen Sitzbereich. Das wirkt im Alltag überraschend natürlich und zeigt, wie viel Entwicklungsarbeit XPeng in solche Details investiert hat.

Auch Musikliebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Die hauseigene XOPERA-Soundanlage mit 24 Lautsprechern erzeugt ein außergewöhnlich klares, räumliches Klangbild und verwandelte den Innenraum auf unserer Tour mehrfach in einen kleinen Konzertsaal. Ob klassische Musik, Rock oder Balladen, das Soundsystem überzeugte unabhängig vom Genre mit hoher Detailtreue und kräftigem Bassfundament.


Das Head-up Display des XPeng X9 RWD ist erste Sahne

Nach kurzer Zeit avancierte außerdem das Head-up-Display zu einem unserer Lieblingsfeatures. Geschwindigkeit, Navigationshinweise, Tempolimits sowie hochauflösende Kamerabilder beim Spurwechsel werden gestochen scharf direkt ins Blickfeld des Fahrers projiziert. Hinzu kommt eine beeindruckend detaillierte Darstellung der Fahrzeugumgebung. Autos, Motorräder, Fahrräder, Fußgänger, Verkehrsampeln, Baustellenbaken oder sogar Kanaldeckel erkennt und visualisiert der X9 in Echtzeit. Dadurch entsteht jederzeit ein sehr gutes Gefühl dafür, welche Informationen die Sensorik aktuell verarbeitet. Aus unserer Sicht gehört dieses System derzeit zu den beeindruckendsten Head-up-Displays am Markt.

Die Assistenzsysteme hinterließen insgesamt ebenfalls einen sehr guten Eindruck. Besonders der adaptive Tempomat überzeugte mit angenehm sanften Beschleunigungs- und Bremsvorgängen und passte hervorragend zum komfortbetonten Charakter des Fahrzeugs. Auch der Stauassistent arbeitete souverän und übernahm im Stop-and-go-Verkehr einen Großteil der Arbeit. Etwas zwiespältiger bewerten wir hingegen den Spurhalteassistenten. Trotz dreistufig einstellbarer Empfindlichkeit griff das System für unseren Geschmack selbst auf der niedrigsten Stufe zu früh ein. Das ist allerdings Kritik auf hohem Niveau und dürfte sich möglicherweise per Software-Update noch weiter optimieren lassen.


Varianten & Preise des XPeng X9 RWD

Auch bei den Ausstattungen verfolgt der XPeng X9 RWD einen erfreulich unkomplizierten Ansatz. Statt Kunden mit endlosen Optionslisten, zahlreichen Ausstattungspaketen und unübersichtlichen Motorisierungen zu konfrontieren, konzentriert sich XPeng auf drei klar voneinander abgegrenzte Modellvarianten. Bereits die Einstiegsversion bringt dabei eine Ausstattung mit, für die bei vielen europäischen Herstellern zunächst ausgiebig die Optionsliste studiert werden müsste.

Den Einstieg bildet der XPeng X9 Standard Range ab 77.600 Euro. Er kombiniert einen 320 PS starken Heckantrieb mit einer 94,8-kWh-Batterie und ermöglicht nach WLTP bis zu 535 Kilometer Reichweite. Bereits hier gehören unter anderem das serienmäßige Luftfahrwerk, elektrisch betätigte Schiebetüren, Sitzheizung, Sitzbelüftung und Massagefunktion, zwei Panoramaglasdächer, das 24-Lautsprecher-Soundsystem, das große Head-up-Display sowie umfangreiche Assistenzsysteme zum Ausstattungsumfang.

Darüber rangiert der von uns gefahrene XPeng X9 RWD Long Range ab 81.600 Euro. Die Leistung bleibt mit 320 PS identisch, allerdings wächst die Batteriekapazität auf 110 kWh, wodurch die WLTP-Reichweite auf bis zu 615 Kilometer steigt. Wer regelmäßig lange Strecken zurücklegt oder den X9 als komfortablen Reisewagen nutzen möchte, dürfte diese Variante besonders interessant finden. Genau sie überzeugte auf unserer mehr als 500 Kilometer langen Etappe durch Südfrankreich und die französischen Alpen mit hoher Effizienz und außergewöhnlichem Reisekomfort.

Die Speerspitze bildet schließlich der XPeng X9 Performance AWD ab 86.600 Euro. Zwei Elektromotoren liefern hier 503 PS und 640 Newtonmeter Drehmoment. Die Reichweite sinkt leicht auf bis zu 580 Kilometer, dafür beschleunigt der große Luxus-Van in nur 5,9 Sekunden auf 100 km/h und richtet sich an Käufer, die maximale Fahrleistungen mit maximalem Raumangebot verbinden möchten. Oder an solche, die einfach Allradantrieb wünschen.

Erfreulich übersichtlich bleibt auch die Aufpreisliste. Optional stehen lediglich vier Außenfarben zur Wahl, von denen drei je nach Lackierung zwischen 1.000 (Metallic) und 1.500 Euro (Matt) kosten. Hinzu kommen zwei Interieurfarben, Coffee oder Meteorite Black. Wer möchte, erhält für 1.260 Euro noch eine Anhängerkupplung. Weitere Einzeloptionen sucht man vergeblich, alles andere gehört bereits zur Serienausstattung. Das macht die Konfiguration angenehm einfach und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Blick auf den Endpreis nicht für ungewollte Überraschungen sorgt. Gerade in Zeiten immer komplexerer Bestellprozesse ist das fast schon eine kleine Wohltat.

Darüber hinaus bietet der Hersteller derzeit eine Prämie an, die je nach Fahrzeug bei bis zu 5.000 Euro liegt. Die Modelle G9 und der hier getestete X9 erhalten die volle XPeng Tech Prämie in Höhe von 5.000 Euro.


Erstes Kundenfeedback zum XPeng X9 RWD

Der XPeng X9 RWD zählt zu den jüngsten Neuvorstellungen auf dem europäischen Markt. Entsprechend überschaubar fällt die Zahl belastbarer Langzeiterfahrungen derzeit noch aus. Anders als bei etablierten Modellen existieren bislang schlicht noch nicht genügend Besitzerberichte, um ein repräsentatives Kundenfeedback ausschließlich auf Basis echter Owner-Erfahrungen erstellen zu können.

Aus diesem Grund verzichten wir an dieser Stelle bewusst auf eine vorläufige Zusammenfassung einzelner Stimmen. Während wir diesen Abschnitt normalerweise ausschließlich aus zahlreichen Langzeiterfahrungen von Besitzern ableiten, wäre ein belastbares Gesamtbild zum jetzigen Zeitpunkt schlicht noch nicht seriös möglich.

Sobald der XPeng X9 in Europa in größerer Stückzahl unterwegs ist und ausreichend Erfahrungen aus dem Alltag vorliegen, werden wir diesen Abschnitt im jeweiligen Fahrbericht ergänzen. Besonders spannend dürfte dabei werden, wie sich die aufwendige Komfortausstattung, das Luftfahrwerk, die zahlreichen Assistenzsysteme sowie die außergewöhnlich hohe Ladeleistung im langfristigen Einsatz bewähren.


Erstes Fazit zum XPeng X9 RWD

Der XPeng X9 RWD verfolgt ein Konzept, das in Europa bislang nur wenige Hersteller in dieser Konsequenz umsetzen. Statt sich ausschließlich als Familien-Van, Shuttle oder Luxusfahrzeug zu positionieren, vereint er all diese Eigenschaften in einem Fahrzeug. Das enorme Platzangebot, die durchdachte Variabilität, der außergewöhnlich hohe Reisekomfort und die moderne Technik ergeben ein Gesamtpaket, das auf langen Strecken voll zur Geltung kommt.

Besonders nachhaltig in Erinnerung geblieben sind gleich mehrere Eigenschaften. Da wäre zunächst der beeindruckende Innenraum mit seinen komfortablen Einzelsitzen, den hervorragenden Massagefunktionen und der erstaunlich großzügigen dritten Sitzreihe. Hinzu kommen das außergewöhnlich gute Head-up-Display, die intelligente Sprachsteuerung und die hochauflösenden Kamerasysteme, die selbst das Rangieren eines über 5,30 Meter langen Vans überraschend entspannt gestalten. Den größten Applaus verdient allerdings erneut die Ladeperformance. Was der XPeng X9 RWD an einer leistungsfähigen Schnellladesäule abliefert, gehört derzeit ohne Zweifel zum Besten, was der europäische Markt zu bieten hat.

Natürlich blieb auch unser Erstkontakt nicht völlig frei von Kritik. Die Navigationssoftware dürfte bei der Routenplanung noch etwas flexibler arbeiten, der Spurhalteassistent greift mitunter etwas zu engagiert ein und auf dem großen Entertainment-Display hätten wir uns zusätzlich die Darstellung der Navigationskarte gewünscht. Das sind jedoch Detailfragen, die den insgesamt sehr positiven Eindruck kaum schmälern.


Konkurrenz & Vergleich

Der XPeng X9 RWD bewegt sich in einem Segment, das in Europa bislang noch vergleichsweise dünn besetzt ist. Die Zahl elektrischer Großraumlimousinen wächst zwar stetig, doch viele Modelle setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Manche verstehen sich als Familien-Van, andere als Shuttle oder Luxusfahrzeug. Der XPeng versucht, all diese Welten miteinander zu verbinden.

Zu den bekanntesten Wettbewerbern zählt der Volkswagen ID. Buzz ab 52.270 Euro (Test des VW ID.Buzz). Der Wolfsburger punktet mit seinem sympathischen Retro-Design und hoher Alltagstauglichkeit. Der X9 kontert dagegen mit deutlich mehr Platz in allen drei Sitzreihen, einem luxuriöseren Innenraum, serienmäßigem Luftfahrwerk sowie einer Ladeleistung, die derzeit in einer anderen Liga spielt.

Ebenfalls zum direkten Wettbewerbsumfeld gehören der Mercedes-Benz EQV ab 59.100 als elektrische V-Klasse beziehungsweise der neue VLE ab 82.711 Euro als „Grand Limousine“. Die Stuttgarter empfehlen sich vor allem für Shuttle-Dienste und Geschäftsreisende, überzeugen mit hochwertiger Verarbeitung und hohem Langstreckenkomfort. Der XPeng setzt dem eine umfangreichere Serienausstattung, deutlich schnellere Ladezeiten und einen günstigeren Preis entgegen.

Besonders spannend ist der Vergleich mit dem Kia PV5 Passenger ab 38.390 Euro. Der neue Elektro-Van der Koreaner verfolgt einen ähnlich vielseitigen Ansatz und richtet sich sowohl an Familien als auch an gewerbliche Nutzer. Dabei ist er deutlich günstiger. Wie sich beide Fahrzeuge im direkten Vergleich schlagen, werden wir in einem ausführlichen Test untersuchen.

Mit dem Hyundai Staria (Test des Hyundai Staria), den es in Kürze auch als Electric gibt, erhält der XPeng außerdem einen weiteren ungewöhnlichen Konkurrenten. Auch der Koreaner kombiniert futuristisches Design mit einem außergewöhnlich großzügigen Raumangebot. Der X9 legt den Schwerpunkt allerdings noch stärker auf Luxus, digitale Vernetzung und modernste Ladetechnik.

Als interessante Alternative positioniert sich außerdem der Maxus MIFA 9 ab 68.990 Euro (Test des Maxus Mifa 9). Wer dagegen maximale Exklusivität sucht, dürfte eher einen Blick auf den Lexus LM ab 128.000 Euro (Test des Lexus LM 350h) sowie die chinesischen Luxus-Vans Denza D9 (ab circa 80.000 Euro) und Zeekr 009 (ab circa 70.000 Euro) werfen. Sie alle verfolgen unterschiedliche Konzepte, richten sich jedoch an Käufer, die Komfort und Raumangebot höher gewichten als klassische Sportlichkeit.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D


Vorteile ✅

  • Riesiges Platzangebot & cleveres Innenraumkonzept
  • Herausragender Reisekomfort
  • Klassenbeste Ladeperformance

Nachteile ❌

  • Spurhalteassistent etwas zu sensibel
  • Navigation könnte intelligenter arbeiten
  • Entertainment-Display ohne Kartenansicht


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