XPeng Brand Day 2026. Hinter diesem Namen verbarg sich weit mehr als die Weltpremiere eines neuen Elektroautos. Wer Mitte Juli den Showpalast München betrat, bekam nicht einfach die Vorstellung des neuen XPeng L03 zu sehen. Vielmehr zeichnete der chinesische Hersteller ein Bild davon, wie Mobilität in den kommenden Jahren aussehen könnte. Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, humanoide Roboter und sogar fliegende Fahrzeuge standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die eher an eine Technologie-Konferenz als an eine klassische Fahrzeugpräsentation erinnerte.
Bereits beim Betreten des weitläufigen Veranstaltungsgeländes wurde deutlich, welchen Anspruch XPeng verfolgt. Nahezu jede Fläche stand im Zeichen der Marke. Zwischen den verschiedenen Fahrzeugmodellen, Erlebnisstationen und Themenwelten präsentierte sich das Unternehmen nicht in erster Linie als Automobilhersteller, sondern als Technologieunternehmen, das Mobilität als Teil eines deutlich größeren Ökosystems versteht. Rund 1.500 Gäste aus aller Welt, darunter Medienvertreter, Händler, Partner und zahlreiche XPeng-Kunden, sorgten für eine internationale Atmosphäre, wie man sie sonst eher von großen Elektronikmessen kennt.
Im Mittelpunkt stand zwar offiziell der neue XPeng L03, der künftig als kompaktes SUV-Coupé den Einstieg in die Modellpalette markiert. Doch je länger der Tag dauerte, desto klarer wurde: Das neue Modell spielte zwar eine wichtige Rolle, war aber längst nicht die eigentliche Hauptattraktion. Viel spannender war die Vision, die Unternehmensgründer und CEO He Xiaopeng gemeinsam mit Deutschland-Chef Markus Schrick vermittelten. Statt ausschließlich über Reichweiten, Ladezeiten oder Leistungsdaten zu sprechen, ging es immer wieder um ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung zog: Physical AI. Also die Idee, künstliche Intelligenz nicht nur in Software oder Smartphones zu nutzen, sondern sie künftig in Fahrzeugen, Robotern und sogar fliegenden Mobilitätslösungen zum festen Bestandteil des Alltags werden zu lassen.
Nach mehreren Stunden im Münchner Showpalast blieben wir mit zwei Eindrücken zurück. Zum einen präsentierte XPeng mit dem L03 ein technisch modernes und preislich attraktives Elektroauto, das durchaus das Potenzial besitzt, neue Kundengruppen anzusprechen. Zum anderen entstand jedoch der Eindruck, dass der eigentliche Star des Abends gar kein Auto war. Vielmehr zeigte der XPeng Brand Day 2026, wie sich das Unternehmen selbst in Zukunft sieht: nicht als klassischer Fahrzeughersteller, sondern als Entwickler intelligenter Mobilität in all ihren Facetten.
XPeng denkt längst größer als Autos
Schon vor dem eigentlichen Beginn des Programms wurde klar, dass XPeng an diesem Tag mehr vorhatte als die Vorstellung eines neuen Modells. Der Showpalast München verwandelte sich für einen Tag in eine eigene Markenwelt. Überall standen Fahrzeuge, dazwischen Erlebnisflächen, Präsentationsinseln und immer wieder der Schriftzug „Physical AI for All“. Selbst wer sich eigentlich nur einen Kaffee holen wollte, kam zwangsläufig an einem weiteren Exponat vorbei. Dezent war an diesem Tag höchstens die Farbwahl einiger Fahrzeuge.
Auffällig war dabei vor allem die Mischung der Gäste. Journalisten aus ganz Europa mischten sich mit Händlern, Geschäftspartnern und zahlreichen XPeng-Kunden. Dazu kamen Besucher aus Asien, Nordamerika und weiteren Teilen der Welt. Englisch, Deutsch, Chinesisch und viele andere Sprachen wechselten sich beinahe im Minutentakt ab. Das verlieh der Veranstaltung einen internationalen Charakter, den man bei einer Fahrzeugpremiere in Deutschland nicht allzu häufig erlebt.
Bemerkenswert war allerdings auch die schiere Anzahl der Besucher. Das Interesse am XPeng Brand Day 2026 war offensichtlich größer als erwartet. Für XPeng ist das zweifellos eine erfreuliche Nachricht, für Medienvertreter hatte die hohe Auslastung jedoch auch ihre Schattenseiten. Gespräche mit Entwicklern oder Verantwortlichen waren nur eingeschränkt möglich, viele Bereiche entsprechend gut besucht. Wer auf ein ruhiges Fachgespräch mit den Ingenieuren gehofft hatte, musste sich stattdessen erst einmal durch Menschentrauben arbeiten. Das ist Jammern auf vergleichsweise hohem Niveau, zeigt aber auch, wie groß das Interesse an der Marke inzwischen geworden ist.
Gleichzeitig fiel auf, dass XPeng seine Fahrzeuge nicht einfach nebeneinander aufgereiht hatte. Stattdessen war jedes Modell in eine eigene Themenwelt eingebunden. Mal stand das Reisen im Mittelpunkt, mal Outdoor-Abenteuer oder intelligente Ladelösungen. Selbst der neue L03 wurde nicht einfach auf ein Podest gestellt, sondern als Bestandteil eines größeren Gesamtkonzepts präsentiert. Das wirkte deutlich moderner als die klassische „Auto auf Drehscheibe, Konfetti, Applaus“-Formel, die man auf mancher Premiere inzwischen beinahe auswendig mitsprechen kann.
Genau dieser Eindruck zog sich durch die gesamte Veranstaltung. Natürlich ging es um Automobile. Doch mindestens genauso stark ging es um die Frage, welche Rolle sie künftig überhaupt noch spielen. XPeng wollte keine einzelnen Produkte verkaufen, sondern eine Idee vermitteln. Das Auto ist darin nicht mehr das Zentrum, sondern lediglich ein Baustein eines intelligent vernetzten Systems. Ein durchaus ambitionierter Ansatz, der spätestens mit Beginn der eigentlichen Präsentation noch deutlich greifbarer werden sollte.
Der XPeng Brand Day 2026 – Fast wie eine Apple-Keynote
Spätestens mit dem offiziellen Beginn des XPeng Brand Day 2026 wurde deutlich, woran sich XPeng bei der Inszenierung orientiert hatte. Die Bühne war bewusst minimalistisch gehalten, dominiert von einer riesigen LED-Wand, klaren Linien und einer Präsentation, die sich ganz auf ihre Botschaften konzentrierte. Effekthascherei suchte man weitgehend vergeblich. Stattdessen setzte der Hersteller auf hochwertige Animationen, emotionale Videos und eine Präsentation, die in Tempo und Aufbau durchaus Erinnerungen an die legendären Apple-Keynotes weckte. Nur dass statt des nächsten iPhones plötzlich ein fliegendes Auto auf der Leinwand erschien.
Das Publikum honorierte diesen Ansatz. Immer wieder brandete Applaus auf, insbesondere als neue Technologien vorgestellt oder konkrete Zukunftspläne präsentiert wurden. Die Begeisterung wirkte dabei keineswegs künstlich oder inszeniert. Vielmehr entstand der Eindruck, dass viele Besucher bewusst gekommen waren, um genau diese Vision von Mobilität zu erleben. Dass sich darunter nicht nur Journalisten und Händler, sondern auch zahlreiche Markenfans befanden, war während der gesamten Veranstaltung spürbar.
Einer der beiden zentralen Protagonisten war XPeng-Gründer und CEO He Xiaopeng. Seine Präsentation unterschied sich wohltuend von klassischen Produktvorstellungen, bei denen häufig jede zusätzliche Ambientebeleuchtungsfarbe zur Weltneuheit erklärt wird. Stattdessen sprach er über künstliche Intelligenz, autonome Mobilität, Robotik und die langfristige Entwicklung seines Unternehmens. Das Auto rückte dabei fast schon in den Hintergrund. Viel wichtiger war die Frage, welche Rolle intelligente Systeme künftig im Alltag übernehmen könnten.
Unterstützt wurde er von Markus Schrick, Geschäftsführer von XPeng Deutschland. Wer bereits beim Roundtable in Hamburg dabei war, dürfte einige Gedanken wiedererkannt haben. Schon damals wurde deutlich, dass XPeng seine Fahrzeuge nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil einer deutlich größeren technologischen Entwicklung versteht. Der Brand Day griff diesen Ansatz auf und führte ihn konsequent weiter. Was in Hamburg noch wie ein interessanter Ausblick wirkte, bekam in München plötzlich eine Bühne, die dieser Vision gerecht wurde.
Bemerkenswert war vor allem, wie konsequent sich ein Begriff durch nahezu alle Präsentationen zog: „Physical AI“. Dahinter verbirgt sich die Idee, künstliche Intelligenz nicht nur auf Bildschirme oder Sprachassistenten zu beschränken, sondern sie physisch erlebbar zu machen. In Fahrzeugen, in Robotern und irgendwann vielleicht sogar in Fluggeräten. Spätestens an dieser Stelle wurde klar, dass XPeng nicht darüber sprechen wollte, wie das nächste Modell aussieht. Vielmehr ging es um die Frage, wie sich Mobilität in den kommenden Jahren grundsätzlich verändern könnte.
Natürlich darf man solche Zukunftsvisionen auch kritisch hinterfragen. Schließlich ist der Weg von einer eindrucksvollen Präsentation bis zum Alltagseinsatz oft länger als es auf einer Bühne den Anschein hat. Trotzdem gelang es XPeng, eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen, die man bei vielen klassischen Automobilveranstaltungen inzwischen vermisst. Während andere Hersteller häufig darüber diskutieren, ob der Getränkehalter jetzt einen Zentimeter größer geworden ist, sprach XPeng lieber darüber, wie Menschen und künstliche Intelligenz künftig zusammenarbeiten könnten. Das ist zumindest der mutigere Ansatz.
Der XPeng L03 spielte fast schon eine Nebenrolle
Eigentlich hätte an dieser Stelle alles auf den neuen Xpeng L03 hinauslaufen müssen. Schließlich war er der offizielle Anlass für den XPeng Brand Day 2026. Doch genau darin liegt eine gewisse Ironie. Während auf der Bühne über künstliche Intelligenz, Robotik und fliegende Fahrzeuge gesprochen wurde, rückte das eigentliche Premierenfahrzeug immer wieder in den Hintergrund. Nicht, weil es uninteressant wäre, sondern weil Xpeng bewusst eine größere Geschichte erzählen wollte.
Dabei hat der L03 durchaus das Zeug dazu, eine wichtige Rolle im europäischen Markt zu spielen. Optisch bleibt das neue SUV-Coupé allerdings eher zurückhaltend. Im Vergleich zum markanten G9, dem üppig dimensionierten X9 (Test des XPeng X9 RWD) oder dem eleganten P7+ (Test des XPeng P7+ RWD) fehlt ihm ein wenig der Wow-Effekt. Vielleicht war genau das beabsichtigt. Vielleicht möchte Xpeng hier bewusst die breite Masse ansprechen und nicht nur diejenigen, die mit möglichst vielen Kanten und LED-Lichtleisten Aufmerksamkeit erzeugen möchten. Ein bisschen mehr Mut beim Design hätten wir uns dennoch gewünscht.
Deutlich überzeugender präsentiert sich dagegen der Innenraum. Die Materialqualität hinterließ einen hochwertigen Eindruck, auch die Verarbeitung gab keinen Anlass zur Kritik. Klappernde Verkleidungen oder schiefe Spaltmaße? Fehlanzeige. Das klingt selbstverständlich, ist bei einem komplett neuen Modell aber keineswegs garantiert.
Auch beim Platzangebot sammelt der L03 Pluspunkte. Sowohl vorne als auch im Fond geht es angenehm großzügig zu. Gerade auf der Rückbank überrascht das Raumgefühl, ohne dass die Außenmaße ausufern. Hinzu kommen zahlreiche Ablagen und durchdachte Verstaumöglichkeiten, die im Alltag vermutlich häufiger für Freude sorgen werden als der hundertste Fahrmodus, den man ohnehin nie nutzt.
Das Cockpit folgt der inzwischen bekannten Xpeng-Philosophie. Direkt vor dem Fahrer befindet sich ein kompaktes Instrumentendisplay, während nahezu alle weiteren Funktionen über den großen Zentralbildschirm gesteuert werden. Das wirkt modern, aufgeräumt und dürfte jedem vertraut vorkommen, der in den vergangenen Jahren einmal in einem aktuellen Elektroauto gesessen hat. Das Rad wird hier zwar nicht neu erfunden, allerdings dreht es sich angenehm rund.
Ein echter Blickfang war dagegen die Lackierung Phantom Purple. Je nach Lichteinfall verändert sie ihren Charakter und verleiht dem ansonsten eher sachlich gezeichneten Fahrzeug genau die Portion Eigenständigkeit, die wir uns an anderer Stelle im Design noch etwas stärker gewünscht hätten. Manchmal reicht eben schon die richtige Farbe, um einem Auto deutlich mehr Präsenz zu verleihen.
Unterm Strich hinterließ der L03 einen durchweg positiven Eindruck. Er ist kein extrovertierter Showstar und versucht auch gar nicht erst, einer zu sein. Vielmehr wirkt er wie ein vernünftig entwickeltes Gesamtpaket mit hoher Alltagstauglichkeit, guter Verarbeitung und viel Platz. Vielleicht musste er sich an diesem Tag einfach die Bühne mit den denkbar ungewöhnlichsten Konkurrenten teilen. Gegen einen humanoiden Roboter und ein fliegendes Auto wirkt selbst eine Weltpremiere plötzlich erstaunlich bodenständig.
XPeng IRON, der humanoide Roboter
Neben den Fahrzeugen zog vor allem ein anderes Exponat die Blicke der Besucher auf sich. Der humanoide Roboter von Xpeng war während des gesamten Brand Days ein beliebtes Fotomotiv. Kaum jemand ging an ihm vorbei, ohne kurz stehen zu bleiben oder das Smartphone zu zücken. Das allein zeigt bereits, wie groß die Faszination für diese Technologie inzwischen ist. Schließlich begegnet man einem menschenähnlichen Roboter nicht unbedingt auf jeder Automobilveranstaltung.
Dabei soll der Roboter weit mehr sein als eine technische Spielerei für Messen. Er ist Teil der sogenannten „Physical AI“-Strategie, mit der Xpeng künstliche Intelligenz aus der digitalen Welt in die reale Umgebung bringen möchte. Während KI heute meist auf Bildschirmen oder im Hintergrund arbeitet, soll sie künftig physisch mit Menschen interagieren, Aufgaben übernehmen und den Alltag erleichtern. Das Auto ist dabei nur eine Anwendung von vielen.
Genau deshalb hätten wir uns gewünscht, dass Xpeng den Roboter stärker in die eigentliche Präsentation integriert. Denn so beeindruckend seine bloße Anwesenheit auch war, blieb sie letztlich genau das: Anwesenheit. Während auf der Bühne über Physical AI gesprochen wurde, stand der Roboter überwiegend als Ausstellungsstück im Forum. Das ist ein wenig so, als würde man einen Spitzenkoch einladen und anschließend nur Fotos seiner Gerichte zeigen.
Dabei hätte es zahlreiche Möglichkeiten gegeben, die Vision greifbarer zu machen. Warum den Roboter nicht die Moderation unterstützen lassen? Warum nicht ein kurzes Gespräch zwischen Mensch und Maschine? Oder zumindest eine kleine Live-Demonstration seiner Fähigkeiten? Genau solche Momente bleiben Besuchern im Gedächtnis und verleihen großen Worten die notwendige Glaubwürdigkeit.
Versteht uns nicht falsch: Allein die Tatsache, dass Xpeng an solchen Technologien arbeitet, verdient Respekt. Und vielleicht sind wir hier auch einfach etwas anspruchsvoll geworden. Wer allerdings selbst von einer Zukunft spricht, in der künstliche Intelligenz zum alltäglichen Begleiter wird, weckt automatisch Erwartungen. Der Brand Day bot dafür die perfekte Bühne. Genutzt wurde sie aus unserer Sicht allerdings noch nicht vollständig.
Vielleicht ist das auch Jammern auf hohem Niveau. Denn eines hat der Roboter zweifellos geschafft: Er sorgte dafür, dass kaum jemand die Veranstaltung mit dem Gedanken verließ, ausschließlich eine neue Fahrzeugpremiere besucht zu haben. Und genau das dürfte durchaus im Sinne von Xpeng gewesen sein.
XPeng Aridge – Das Flying Car aus China
Noch größer als das Interesse am Roboter war allerdings die Menschentraube rund um das Flying Car. Zugegeben: Ein fliegendes Auto zieht Aufmerksamkeit fast automatisch auf sich. Schließlich gehört diese Idee seit Jahrzehnten zu den festen Bestandteilen jeder Zukunftsvision. Der Unterschied ist nur: Während andere Hersteller darüber sprechen, stand bei Xpeng ein reales Fahrzeug auf dem Gelände.
Bereits beim Roundtable in Hamburg hatten wir erfahren, dass Unternehmensgründer He Xiaopeng das Fluggerät rund um die Konzernzentrale regelmäßig selbst nutzen soll. Damals sorgte diese Aussage noch für hochgezogene Augenbrauen. Nach dem XPeng Brand Day 2026 wirkte sie deutlich greifbarer. Wenn ein Unternehmen ein solches Projekt nicht nur entwickelt, sondern offenbar bereits praktisch erprobt, bekommt die ganze Geschichte eine andere Dimension.
Das Flying Car selbst machte jedenfalls einen beeindruckenden Eindruck. Allein seine Präsenz zeigte, dass Xpeng seine Zukunftsvision nicht ausschließlich auf Rendergrafiken oder Konzeptzeichnungen aufbaut. Natürlich handelt es sich dabei noch längst nicht um ein Fahrzeug, das in den kommenden Monaten den deutschen Straßenverkehr ergänzen wird. Trotzdem wirkte das Projekt deutlich konkreter, als man es vielleicht erwartet hätte.
Gleichzeitig begann an genau dieser Stelle das Kopfkino. Wie würde ein solches Fahrzeug überhaupt zugelassen? Reicht künftig ein Führerschein oder braucht es zusätzlich einen Pilotenschein? Wer überwacht den Luftraum über den Städten? Und was passiert eigentlich, wenn sich zwei Flugautos an einer Kreuzung… nun ja… nicht ganz einig sind? Fragen wie diese mögen heute noch theoretisch erscheinen, zeigen aber, welche Diskussionen neue Mobilitätsformen zwangsläufig mit sich bringen werden.
Genau deshalb hätten wir uns auch hier etwas mehr Mut seitens Xpeng gewünscht. Das Flying Car stand zwar eindrucksvoll auf dem Gelände und zog ununterbrochen Besucher an. Doch warum nicht zeigen, was es tatsächlich kann? Ein kurzer Demonstrationsflug, selbstverständlich unter sicheren Bedingungen, hätte der Veranstaltung vermutlich ihren absoluten Gänsehautmoment beschert. Stattdessen blieb es bei einem statischen Ausstellungsstück. Beeindruckend? Ohne Zweifel. Das volle Potenzial wurde aus unserer Sicht aber noch nicht ausgeschöpft.
Vielleicht hebt sich das Unternehmen diese Momente bewusst für einen späteren Zeitpunkt auf. Denn eines steht fest: Wer bereits heute über fliegende Fahrzeuge spricht, wird früher oder später auch zeigen müssen, wie sie sich im Alltag schlagen. Bis dahin bleibt das Flying Car vor allem eines: ein faszinierender Ausblick auf eine Zukunft, die plötzlich nicht mehr ganz so weit entfernt wirkt, wie wir noch vor wenigen Jahren angenommen hätten.
Fazit zum XPeng Brand Day 2026
Nach mehreren Stunden auf dem Xpeng Brand Day 2026 blieb vor allem ein Eindruck zurück: Der neue L03 war zwar der offizielle Anlass der Veranstaltung, die eigentliche Geschichte handelte jedoch von etwas völlig anderem.
Xpeng präsentierte sich nicht als klassischer Automobilhersteller, der ein weiteres Modell auf den Markt bringt. Stattdessen entstand das Bild eines Unternehmens, das Mobilität deutlich umfassender denkt. Autos, künstliche Intelligenz, humanoide Roboter und fliegende Fahrzeuge wurden nicht als einzelne Projekte vorgestellt, sondern als Bestandteile einer gemeinsamen Vision. Ob diese in allen Bereichen Realität wird, kann heute niemand seriös beantworten. Dass Xpeng den Mut besitzt, überhaupt in diesen Dimensionen zu denken, kann man dem Unternehmen allerdings kaum absprechen.
Gleichzeitig zeigte der Brand Day auch, dass zwischen Vision und Wirklichkeit noch ein Stück Weg liegt. Gerade beim Roboter und dem Flying Car hätten wir uns etwas mehr Live-Demonstration und etwas weniger statische Ausstellung gewünscht. Wer mit Technologien wirbt, die den Alltag revolutionieren sollen, darf sie ruhig auch selbstbewusst in Aktion zeigen. Das hätte der ohnehin gelungenen Veranstaltung die eine oder andere zusätzliche Gänsehaut beschert.
Der L03 selbst hinterließ dagegen einen erfreulich bodenständigen Eindruck. Gute Verarbeitung, hochwertige Materialien, viel Platz und zahlreiche praktische Ablagen sprechen dafür, dass Xpeng nicht nur an übermorgen denkt, sondern auch das Hier und Jetzt beherrscht. Optisch hätten wir uns zwar etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht, insgesamt dürfte der Neuzugang aber das Potenzial besitzen, sich auf dem europäischen Markt erfolgreich zu etablieren.
Vielleicht ist genau das die größte Erkenntnis des Tages. Während viele Hersteller ihre Zukunft vor allem über neue Modelle definieren, scheint Xpeng seine Fahrzeuge eher als Bausteine eines deutlich größeren Ökosystems zu verstehen. Das Auto bleibt wichtig, steht aber nicht mehr zwangsläufig im Mittelpunkt. Stattdessen rücken künstliche Intelligenz, Vernetzung und neue Formen der Mobilität immer stärker in den Fokus.
Ob diese Strategie aufgeht, werden die kommenden Jahre zeigen. Langweilig dürfte es jedenfalls nicht werden. Und genau das ist wohl das größte Kompliment, das man einem Brand Day machen kann. Wir sind nicht mit dem Gedanken nach Hause gefahren, ein neues Elektroauto kennengelernt zu haben. Wir haben den Showpalast München vielmehr mit der Frage verlassen, wie viel von dem, was heute noch futuristisch wirkt, in zehn Jahren vielleicht schon ganz selbstverständlich sein wird. Ein smarter Blick in die Zukunft sozusagen.
Unsere Highlights des XPeng Brand Day 2026
- Überraschung des Tages: Das Flying Car
- Cleverste Idee: Das Ökosystem aus Auto, KI und Robotik
- Schönste Farbe: Phantom Purple
- Größte Überraschung: Dass der L03 trotz seiner Premiere zeitweise fast zur Nebensache wurde
- Größter Kritikpunkt: Zu wenig Live-Demonstrationen der Zukunftstechnologien
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D
























