Der Lexus LM 350h ist eines dieser Autos, bei denen man sich unweigerlich fragt, wer genau sich so etwas eigentlich kauft – und nach ein paar Tagen versteht man plötzlich ziemlich gut, warum es mehr Menschen sind, als man zunächst vermuten würde.
Denn was auf den ersten Blick wie ein überdimensionierter Van mit zu viel Chrom wirkt, entpuppt sich im Alltag als ziemlich konsequent gedachte Antwort auf eine Frage, die im europäischen Markt bislang kaum jemand gestellt hat: Was passiert, wenn man maximalen Komfort nicht in eine Limousine, sondern in ein Raumkonzept packt?
Genau hier setzt der Lexus LM 350h an. Kein sportlicher Anspruch, kein Versuch, sich als SUV zu tarnen und schon gar keine halbgaren Kompromisse zwischen Familienkutsche und Prestigeobjekt. Stattdessen ein Fahrzeug, das von Grund auf anders gedacht ist. Und dieses Konzept wird ziemlich spannend, sobald man sich ein paar Tage damit beschäftigt.
In Märkten wie China oder Japan gehören Luxus-Vans längst zum Alltag. Der Grund dafür ist nicht, weil er alles besser kann als die etablierten Luxusmodelle, sondern weil er Dinge anders priorisiert. In Deutschland wirken sie dagegen fast schon wie Exoten auf vier schnieken Leichtmetall-Rädern. Und genau das macht sie scheinbar interessant, weshalb wir nicht nur einmal angesprochen (und unzählige Male fotografiert) wurden.
Was der Lexus LM 350h im Alltag wirklich kann, wo er überrascht und wo er an europäische Erwartungen stößt, klärt dieser Test. Fahrbericht.
Der Look
Beim Lexus LM 350h muss man nicht lange rätseln, von welcher Marke es stammt. Zumindest vorne nicht. Die Front sieht aus, als hätte Lexus einmal das komplette Designregal genommen und alles, was nach Wiedererkennungswert schreit, auf einen Van übertragen.
Der riesige Kühlergrill wirkt, als wolle er nicht nur Luft ansaugen, sondern im Zweifel gleich die komplette linke Spur mit. Und erstaunlicherweise funktioniert genau das. Was auf Fotos schnell nach „ein bisschen zu viel des Guten“ aussieht, wirkt live stimmig – oder zumindest so stimmig, dass man sich schneller daran gewöhnt, als man zugeben möchte. Ein kleinerer Grill würde dem Auftritt vermutlich sogar etwas von seiner Wirkung nehmen.
Dazu kommen die typisch scharf gezeichneten Scheinwerfer mit dem blitzartigen Tagfahrlicht, das man so inzwischen quer durch die Lexus-Palette kennt. Selbst die kleinen Details stimmen: Die integrierte Scheinwerfer-Reinigungsanlage ist so unauffällig eingebaut, dass man sie erst bemerkt, wenn sie tatsächlich arbeitet. Und dann fragt man sich kurz, warum andere Hersteller das nicht genauso sauber hinbekommen.
In der Seitenansicht wird klar, wo der LM herkommt – und wo er hinwill. Die Grundform ist eindeutig Van, keine Diskussion. Aber die vielen Sicken, Falze und Details sorgen dafür, dass er eben nicht wie ein klassischer Shuttle wirkt. Die verchromten Türgriffe mit den integrierten Tasten für die elektrischen Schiebetüren, die Privacy-Verglasung und die sauber gezeichneten Spiegel geben ihm eine Präsenz, die man sonst eher aus der Business-Class kennt. Eine gut ausgestattete V-Klasse steht hier nicht allein.
Apropos Präsenz: Der LM wird angeschaut. Viel. Und oft mit genau diesem leicht irritierten Blick, der irgendwo zwischen „Was ist das?“ und „Warum habe ich das noch nie gesehen?“ liegt. Mehrfach wurde er fotografiert, und nicht selten kam die Frage auf, ob das wirklich ein Serienmodell ist oder ein Einzelstück für jemanden mit sehr gutem Draht zu Lexus.
Am Heck wird es dann etwas schwieriger. Die durchgehende LED-Leiste wirkt im Vergleich zur filigranen Front fast schon überambitioniert. Weniger wäre hier vermutlich mehr gewesen. Dafür entschädigen andere Details: die ruhige Farbgebung – in diesem Fall Titaniumweiß – die den Preis nicht sofort verrät, und die insgesamt sehr hochwertige Anmutung, die sich eher leise als laut inszeniert.
Und dann sind da noch diese kleinen Momente, die man nicht auf dem Datenblatt findet. Das leise, fast schon elegante Schließen der elektrischen Schiebetüren gehört dazu. Kein Klacken, kein Nachjustieren, sondern eher ein dezentes „Ich bin zu“ – deutlich kultivierter als bei vielen Konkurrenten.
Und innen?
Im Innenraum des Lexus LM 350h wird sehr schnell klar, dass dieses Fahrzeug nicht für alle Insassen gleich gedacht ist. Vorn sitzt man ordentlich, funktional, typisch Lexus. Hinten dagegen spielt sich eine ganz andere Liga ab.
Schon die getestete 4-Sitzer-Variante („Luxury“) macht keinen Hehl daraus, wo hier die Prioritäten liegen. Die beiden Einzelsitze im Fond wirken weniger wie Autositze und mehr wie zwei perfekt abgestimmte Lounge-Sessel. Sitzheizung, Belüftung, Massage – alles da. Dazu eine Liegefunktion mit ausfahrbarer Beinauflage, die den Begriff „Langstrecke“ neu definiert. Wer hier einmal Platz nimmt, entwickelt sehr schnell wenig Motivation, das Fahrzeug wieder zu verlassen. In unserem Fall brauchte es tatsächlich mehr als eine freundliche Erinnerung, dass das Ziel längst erreicht war.
Dazu kommt eine Klimatisierung, die so unauffällig arbeitet, dass man sie eher spürt als wahrnimmt. Die Temperatur passt sich an, ohne dass man aktiv eingreift oder Luftströme bewusst wahrnimmt. Man sitzt einfach da und merkt irgendwann: Es ist genau richtig.
Das eigentliche Zentrum dieses Raums ist jedoch der 48-Zoll-Bildschirm, der sich quer zwischen Vorder- und Fondabteil spannt. Er funktioniert nicht nur als Entertainment-System, sondern auch als visuelle Trennung. Dank Splitscreen können beide Passagiere ihr eigenes Programm verfolgen, während darüber eine elektrisch verstellbare Glasfläche sitzt, die sich auf Knopfdruck von klar zu milchig wandeln lässt. Eine Funktion, die man eher aus exotischen Supersportlern kennt als aus einem Van – hier ergibt sie plötzlich erstaunlich viel Sinn.
Materialseitig lässt sich wenig kritisieren. Die Oberflächen wirken hochwertig, sauber verarbeitet und durchdacht kombiniert. Kunststoff gibt es, aber nur dort, wo er nicht stört – und selbst dort wirkt er nicht billig. Interessant ist eher der Kontrast: Während hinten nahezu alles auf Komfort und Ruhe ausgelegt ist, erinnert der Arbeitsplatz vorn stark an andere Lexus-Modelle. Fahrer und Beifahrer könnten auch in einem Lexus UX (Test des Lexus UX 300h) sitzen, ohne dass ihnen etwas fehlen würde – außer vielleicht der Blick nach hinten, der deutlich macht, was ihnen gerade entgeht.
Im Vergleich zu einer klassischen Luxuslimousine verschiebt der LM die Prioritäten spürbar. Eine Mercedes S-Klasse in Langversion oder selbst ein BMW 7er bieten zweifellos ein hohes Maß an Komfort, kommen aber allein durch ihre Bauform nicht an dieses Raumgefühl heran. Der bekannte „Theatre Screen“ im 7er (Test des BMW 740d xDrive) wirkt mit seinen 31 Zoll plötzlich fast kompakt. Und auch eine gut ausgestattete V-Klasse bleibt beim Thema Luxus eher im Bereich „Business“ stehen, während der LM klar Richtung „First Class“ abbiegt. Ach ja: in den Kofferraum passen immerhin 752 Liter hinein.
Interessant ist dabei, dass diese extreme Fokussierung auf den Fond nicht ohne Nebenwirkungen bleibt. Während hinten nahezu vollständige Ruhe herrscht, bekommt man vorn deutlich mehr vom Antriebsgeschehen mit. Gerade bei kräftiger Beschleunigung meldet sich der bekannte Vollhybrid-Antrieb akustisch zurück. Hinten ist davon wenig zu hören. Vorn dagegen merkt man, dass hier ein System arbeitet, das eher auf Effizienz als auf akustische Zurückhaltung ausgelegt ist. Womit wir beim nächsten Kapitel wären.
Der Antrieb des Lexus LM 350h
Unter der Haube des Lexus LM 350h arbeitet ein Antrieb, den man so oder so ähnlich bereits aus anderen Modellen des Toyota-Lexus-Konzerns kennt. Ein Vierzylinder-Vollhybrid, kombiniert mit einem stufenlosen Getriebe und in diesem Fall serienmäßigem Allradantrieb („E-Four“). Auf dem Papier stehen rund 250 PS Systemleistung. Das klingt zunächst solide, wirkt in diesem Fahrzeugkonzept aber fast schon wie eine bewusste Gegenposition zum Rest des Autos.
Bei ruhiger Fahrweise spielt das System seine Stärken aus. Der Übergang zwischen elektrischem und konventionellem Antrieb gelingt unauffällig, das Fahrzeug gleitet entspannt dahin und vermittelt genau die Gelassenheit, die man in dieser Klasse erwartet. In diesen Momenten passt der Antrieb erstaunlich gut zum Charakter des LM.
Sobald es jedoch etwas zügiger vorangehen soll, verschiebt sich das Bild. Die Leistung reicht aus, keine Frage – aber sie fühlt sich nicht danach an. Die Kombination aus Fahrzeugmasse und stufenlosem Getriebe sorgt dafür, dass der Motor bei stärkerer Beschleunigung deutlich hörbar hochdreht. Dieses typische „Gummiband-Gefühl“ ist hier ausgeprägter als man es sich in einem Fahrzeug dieser Preisklasse wünschen würde. Vorne nimmt man das sehr bewusst wahr. Hinten spielt es praktisch keine Rolle.
Und genau hier liegt die Besonderheit. Während Fahrer und Beifahrer akustisch durchaus mitbekommen, dass ein Vierzylinder arbeitet, sitzt man im Fond in einer eigenen Welt. Die Entkopplung funktioniert so gut, dass sich die Diskussion über Drehzahlniveau oder Klang dort schlicht nicht stellt. Zwei Perspektiven, ein Antrieb.
Dass Lexus bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse auf einen Vierzylinder setzt, darf man zumindest hinterfragen. Andererseits passt es zur aktuellen Zeit. Leistung wird heute anders interpretiert, und nicht jeder möchte einen großvolumigen Motor bewegen, nur um sich komfortabel von A nach B bringen zu lassen.
Positiv fällt der Allradantrieb auf. Das „E-Four“-System reagiert schnell, verteilt die Kraft spürbar intelligent und sorgt selbst auf anspruchsvolleren Untergründen für ein sehr sicheres Fahrgefühl. Auf winterlichen Strecken blieb der LM jederzeit souverän, ohne auch nur ansatzweise Traktionsprobleme zu zeigen.
Lenkung und Bremsen ordnen sich dem Gesamtcharakter unter. Sie funktionieren, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Das Fahrwerk ist grundsätzlich gut abgestimmt und bietet einen angenehmen Kompromiss aus Komfort und Kontrolle. Für die absolute Oberklasse fehlt jedoch ein wenig Feinschliff. Systeme wie eine Luftfederung, wie man sie etwa aus großen BMW- oder Mercedes-Modellen kennt, bleiben hier spürbar überlegen.
Alltag & Verbrauch
Beim Lexus LM 350h wirkt der klassische Abschnitt zu Verbrauch und Alltag fast ein wenig fehl am Platz. Nicht, weil er irrelevant wäre, sondern weil die Realität dieses Autos eine andere ist. Wer hier selbst fährt, tut das meist beruflich. Und wer ihn besitzt, sitzt in der Regel hinten. Der „Alltag“ findet also eher im Fond statt – und dort ist er, so viel vorweg, ziemlich überzeugend.
Trotzdem gehört der Blick auf den Verbrauch dazu, schon allein, weil der LM trotz seiner Größe und seines Gewichts keinen exzessiven Umgang mit Kraftstoff verlangt. Entscheidend ist dabei weniger ein einzelner Wert, sondern das Spektrum, in dem sich das Fahrzeug bewegt.
Bei zurückhaltender Fahrweise und moderaten Autobahntempi um 130 km/h pendelt sich der Verbrauch bei rund neun Litern ein. Das wirkt angesichts der Fahrzeugdimensionen fast schon unspektakulär – im positiven Sinne. Wer es darauf anlegt, kann den Vollhybrid noch deutlich effizienter bewegen. Auf unserer Sparrunde standen am Ende 5,9 Liter auf 100 Kilometer auf der Anzeige. Ein Wert, der eher nach Mittelklasse-Limousine als nach Luxus-Van klingt.
Das andere Extrem ist ebenso möglich. Wer die Höchstgeschwindigkeit regelmäßig ausreizt – und die liegt laut Tacho bei 196 km/h – wird schnell mit einem deutlich steigenden Durst konfrontiert. In unserem Fall waren es 13,2 Liter, wenn das Fahrzeug dauerhaft gefordert wurde. Ein Wert, der zeigt, dass auch ein Hybrid physikalische Grenzen nicht einfach ausblenden kann.
Im Gesamtdurchschnitt lag der Verbrauch bei 10,4 Litern. Das ist kein Rekordwert, aber in Relation zum Konzept absolut nachvollziehbar. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass hier nicht Effizienz um jeden Preis im Vordergrund steht, sondern ein möglichst ruhiges und komfortables Fortkommen für die Insassen.
Im Alltag ergibt sich daraus ein klares Bild: Der LM lässt sich effizient bewegen, wenn man es darauf anlegt, fordert aber auch seinen Tribut, wenn man ihn wie ein klassisches Autobahnfahrzeug nutzt. Viel wichtiger ist jedoch, dass sich diese Unterschiede im Fond kaum bemerkbar machen. Dort bleibt das Erlebnis weitgehend konstant – egal, was vorne gerade passiert.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Beim Lexus LM 350h stellt sich relativ schnell nicht mehr die Frage, ob etwas an Bord ist, sondern eher, ob man es überhaupt jemals alles benutzt. Die Ausstattung wirkt weniger wie eine Optionsliste und mehr wie das Ergebnis eines sehr ambitionierten Meetings, bei dem niemand „brauchen wir das wirklich?“ gesagt hat.
Ein gutes Beispiel ist der digitale Rückspiegel. In vielen Autos ein nettes Gimmick, hier schlicht notwendig. Sobald hinten die Privatsphäre aktiviert und die Trennscheibe milchig wird, ist der klassische Blick nach hinten Geschichte. Der digitale Spiegel übernimmt dann kommentarlos – und verhindert, dass der Fahrer komplett im Blindflug unterwegs ist.
Die Assistenzsysteme machen ihre Sache erfreulich unaufgeregt. Spurhalten, Abstand, Tempowarnung – alles da, aber ohne ständige akustische Erziehungsmaßnahmen. Selbst der sonst gern nervige Tempowarner hält sich zurück. Man fühlt sich unterstützt, nicht bevormundet. Eine Qualität, die man in Zeiten immer strengerer Vorschriften durchaus zu schätzen weiß.
Auch das Licht spielt in der oberen Liga. Die Multi-LED-Scheinwerfer liefern ein sauberes, weitreichendes Lichtbild, arbeiten adaptiv und leisten sich keine Aussetzer. Das Abbiegelicht bleibt angenehm dezent, verhindert aber zuverlässig, dass man im dunklen Parkhaus plötzlich mit einem Poller diskutiert. Und falls die Witterung nicht mitspielt, sorgt die integrierte Scheinwerfer-Reinigungsanlage dafür, dass die Sicht nicht zur Glückssache wird.
Beim Rangieren wird schnell klar, dass Größe hier nicht nur ein theoretisches Thema ist. Die 360-Grad-Kamera liefert ein scharfes Bild und hilft enorm dabei, den LM durch enge Parklücken zu manövrieren, ohne dabei jedes Mal kurz über die eigene Lebensentscheidung nachzudenken.
Dann wäre da noch der Innenraum. Oder besser gesagt: das, was hinten passiert. HDMI-Anschlüsse, Kopfhöreranschlüsse, zwei kabellose Ladeschalen, zehn USB-Ports, eine 230-Volt-Steckdose, ausklappbare Metalltische, die stabiler wirken als so manches Flugzeug-Tablett, ein Klima-Concierge mit Infrarotmessung der Körpertemperatur, zwei separate Fernbedienungen für sämtliche Funktionen, elektrische Rollos rundum, mehrere Panorama-Glasdächer und eine Ambientebeleuchtung, die sich lieber zurückhält, als sich aufzudrängen.
Dazu kommt das Mark-Levinson-Soundsystem mit 23 Lautsprechern und 3D-Klang. Nicht ganz High-End im audiophilen Sinne, aber mehr als ausreichend, um den Fond in eine eigene Klangwelt zu verwandeln. Und weil man sich hier offenbar nicht entscheiden wollte, läuft vorne etwas anderes als hinten. Fahrer hört Radio, hinten läuft Netflix – beides gleichzeitig, beides problemlos.
Selbst bei den Fahrmodi zeigt sich diese Detailverliebtheit. Neben den üblichen Einstellungen gibt es einen Modus namens „Rear Comfort“. Der Unterschied zu „Comfort“ ist nicht dramatisch, aber vorhanden. Es wird hinten noch einen Tick ruhiger. Mehr braucht es eigentlich nicht.
Natürlich bleibt bei so viel Technik auch Raum für kleine Eigenheiten. Ein Head-up-Display gibt es in der getesteten Luxury-Version nicht, dafür aber in der Executive-Variante. Warum das so ist, bleibt wohl für immer ein gut gehütetes Geheimnis in Japan.
Und dann ist da noch die Heckklappe. Öffnen per Taster? Theoretisch ja. Praktisch passiert erstmal nichts. Dafür gibt es zusätzliche Knöpfe in der D-Säule, mit denen sie sich dann tatsächlich bewegt. Schließen funktioniert wiederum auch über einen anderen Taster. Ein System, das man irgendwann versteht. Oder sich damit abfindet.
Dafür verzichtet der LM konsequent auf klassische Verschlussgeräusche. Kein sattes „Klack“, kein mechanisches Feedback. Stattdessen klappen einfach die Außenspiegel an. Das ist das Signal, dass jetzt wirklich zu ist. Leise, unaufgeregt – und irgendwie typisch für dieses Auto.
Varianten & Preise des Lexus LM 350h (2026)
Beim Lexus LM 350h ist die Konfiguration erstaunlich schnell erledigt. Nicht, weil es wenig gibt, sondern weil Lexus einem die Entscheidung sehr bewusst abnimmt.
Zur Wahl stehen genau zwei Varianten. Der Executive startet bei 128.000 Euro und kommt immer als 7-Sitzer. Das ist die Version für alle, die den LM tatsächlich als luxuriösen Shuttle nutzen wollen – viel Platz, viele Sitze, viel Komfort, aber eben noch mit einem gewissen Nutzwert.
Darüber positioniert sich der Luxury, der bei 153.850 Euro beginnt und konsequent als 4-Sitzer ausgelegt ist. Und hier wird es interessant. Denn während viele Fahrzeuge versuchen, möglichst viele Bedürfnisse gleichzeitig abzudecken, entscheidet sich der LM in dieser Variante für einen sehr klaren Weg: weniger Sitze, dafür maximaler Komfort. Oder anders gesagt: weniger Transport, mehr Aufenthaltsqualität.
Ausstattungstechnisch stellt sich dabei kaum die Frage nach Optionen. Was man braucht – und vieles, was man nicht zwingend braucht, aber schnell zu schätzen lernt – ist serienmäßig an Bord. Große Pakete, lange Aufpreisliste, Konfigurator-Abende? Fehlanzeige.
Die Wahl beschränkt sich im Grunde auf die Farbe. Vier Außenlackierungen stehen zur Verfügung, alle ohne Aufpreis: Titaniumweiß, Titaniumsilber, Achatrot und Graphitschwarz. Gerade die dunkleren Töne verleihen dem LM noch einmal eine deutlich edlere Präsenz, während helle Farben den Auftritt fast schon zurückhaltend wirken lassen – zumindest gemessen an dem, was hier sonst geboten wird.
Im Innenraum gibt es genau eine Option: ein Interieur-Paket für 1.000 Euro, das den Innenraum von Schwarz auf Pergamonweiß umstellt. Das wirkt deutlich luftiger und unterstreicht den Lounge-Charakter, ist aber am Ende Geschmackssache. Mehr Auswahl gibt es nicht. Mehr braucht es aber auch nicht.
Der getestete LM 350h Luxury blieb entsprechend beim Basispreis von 153.850 Euro. Und auch wenn diese Zahl zunächst nach viel klingt, relativiert sich das Konzept schnell, wenn man sich anschaut, was hier alles bereits enthalten ist. Während man bei anderen Herstellern an dieser Stelle noch darüber nachdenkt, welches Paket man wirklich braucht, ist beim LM die Ausstattungsliste im Prinzip schon abgeschlossen.
Man könnte sagen: Der Konfigurator ist hier weniger ein Werkzeug zur Individualisierung als vielmehr eine kurze Bestätigung, dass man genau dieses Auto haben möchte.
Kundenfeedback
Beim Lexus LM 350h ist das klassische Kundenfeedback etwas anders gelagert als bei einem Kompakt-SUV. Die Zahl der Besitzer ist überschaubar, dafür sind die Rückmeldungen umso klarer – und kommen oft aus einem Umfeld, in dem Fahrzeuge wie eine Mercedes-V-Klasse oder große Limousinen zum Alltag gehören.
Ein Punkt taucht in nahezu allen Erfahrungsberichten auf: der Fond. Besitzer der Luxury-Variante beschreiben die Rücksitze regelmäßig als „das eigentliche Fahrzeug“. Besonders die Kombination aus Liegefunktion, Massage, Klimasteuerung und dem großen 48-Zoll-Screen wird hervorgehoben. Viele berichten, dass längere Strecken eher als Pause denn als Fahrt wahrgenommen werden. Gerade im geschäftlichen Einsatz wird der LM deshalb oft weniger als Transportmittel, sondern eher als mobiler Rückzugsraum gesehen.
Auch die Ruhe im Innenraum wird häufig gelobt. Nutzer berichten davon, dass Gespräche selbst bei höheren Geschwindigkeiten problemlos möglich sind und Außengeräusche im Fond kaum eine Rolle spielen. Die Trennung zwischen Fahrerbereich und Passagierzone wird dabei nicht nur technisch, sondern auch akustisch deutlich wahrgenommen.
Interessant ist der Blick auf die Executive-Version. Besitzer, die den LM als 7-Sitzer nutzen, schätzen vor allem den Komfort für mehrere Mitfahrer und die Kombination aus Raumangebot und hochwertiger Ausstattung. Gleichzeitig wird aber auch klar, dass diese Variante stärker als Shuttle wahrgenommen wird, während die 4-Sitzer-Version deutlich exklusiver wirkt.
Kritikpunkte gibt es ebenfalls, wenn auch auf einem anderen Niveau als üblich. Am häufigsten wird der Antrieb genannt. Fahrer berichten, dass das typische Hochdrehen des Hybrid-Systems bei stärkerer Beschleunigung wahrnehmbar bleibt und nicht ganz zum ansonsten sehr ruhigen Gesamtbild passt. Für die Passagiere im Fond spielt das meist keine Rolle – für den Fahrer dagegen schon.
Ein weiterer Punkt betrifft die Bedienlogik einzelner Funktionen. Dinge wie die Heckklappensteuerung oder bestimmte Menüs im Infotainment werden gelegentlich als gewöhnungsbedürftig beschrieben. Nichts davon ist ein echtes Problem, aber eben auch nicht ganz so intuitiv, wie man es in dieser Preisklasse erwarten könnte.
Sehr positiv fällt dagegen die Zuverlässigkeit auf. Gerade Besitzer mit Erfahrung aus anderen Lexus-Modellen heben hervor, dass der LM technisch unauffällig bleibt und im Alltag problemlos funktioniert – ein Aspekt, der in dieser Fahrzeugklasse oft wichtiger ist als jede zusätzliche Komfortfunktion.
Unterm Strich ergibt sich ein klares Bild: Der Lexus LM 350h wird von seinen Besitzern vor allem für das geschätzt, was er besser kann als fast jedes andere Fahrzeug – den Komfort im Fond. Die wenigen Kritikpunkte betreffen hauptsächlich den Fahrerbereich und den Antrieb, während das eigentliche Nutzungsszenario nahezu durchgehend überzeugt.
Fazit zum Lexus LM 350h Luxury
Der Lexus LM 350h ist kein Auto, das versucht, möglichst vielen Menschen zu gefallen. Er macht im Gegenteil sehr früh klar, für wen er gedacht ist – und für wen nicht.
Wer selbst gern fährt, sich für Motorcharakter, Lenkgefühl oder Fahrdynamik interessiert, wird hier nicht sein Traumauto finden. Dafür gibt es andere Konzepte, andere Fahrzeuge, andere Preisklassen. Der LM verfolgt eine andere Idee. Und die zieht er konsequent durch.
Als japanischer Luxus-Van setzt er den Fokus dorthin, wo er in Europa oft erst an zweiter Stelle kommt: auf den Fond. Und genau dort spielt er seine Stärken aus. Der Komfort, das Raumgefühl, die technische Ausstattung und die Ruhe im Innenraum sind auf einem Niveau, das selbst etablierte Luxuslimousinen nur schwer erreichen. Nicht, weil sie schlechter wären – sondern weil sie konstruktionsbedingt andere Prioritäten setzen müssen.
Natürlich gibt es Punkte, die nicht perfekt sind. Der Antrieb wirkt unter Last präsenter, als man es in dieser Preisklasse erwarten könnte. Das Fahrwerk ist gut, erreicht aber nicht ganz das Niveau der besten Luftfederungen im Segment. Und auch bei der Bedienung einzelner Funktionen hätte man sich an manchen Stellen etwas mehr Klarheit gewünscht.
All das verliert jedoch an Bedeutung, sobald man das Fahrzeug so nutzt, wie es gedacht ist. Hinten. Dort entsteht ein Erlebnis, das man in dieser Form im aktuellen Markt kaum findet. Kein SUV, keine Limousine und auch kein klassischer Van kombiniert Raum, Ruhe und Ausstattung auf diese Weise.
Der Lexus LM 350h ist damit weniger eine Alternative zu bestehenden Konzepten als vielmehr ein eigener Ansatz. Einer, der nicht alles können will, sondern genau eine Sache besonders gut. Und genau das macht ihn am Ende so interessant.
Konkurrenzmodelle
Beim Lexus LM 350h wird schnell klar, warum sich die Konkurrenzanalyse ungewohnt schwierig gestaltet. Nicht, weil es keine großen, teuren Fahrzeuge gibt – sondern weil kaum ein Modell das gleiche Konzept verfolgt.
Am ehesten nähern sich klassische Vans dem Ansatz an, allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung. Modelle wie der Maxus Mifa 9 (Test des Maxus Mifa 9) oder der Volkswagen ID. Buzz (Test des VW ID.Buzz) setzen bereits konsequent auf Elektromobilität und richten sich stärker an Familien oder Shuttle-Dienste. Komfort spielt dort eine Rolle, aber nicht in der Konsequenz, wie es der LM tut. Der kommende Mercedes-Benz VLE könnte hier erstmals näher heranrücken, bleibt jedoch ebenfalls vollelektrisch und offeriert damit gewissermaßen einen anderen Einsatzzweck.
Spannender wird der Vergleich mit klassischen Luxuslimousinen. Fahrzeuge wie die Mercedes-Benz S-Klasse (Test des Mercedes-Benz S 580), der BMW 7er (Test des BMW 740d xDrive) oder der Audi A8 L (Test des Audi A8 L Facelift) bieten zweifellos höchsten Komfort und modernste Technik. Auch ein Lexus LS (Test des Lexus LS 500) verfolgt einen ähnlichen Anspruch. Doch trotz aller Raffinesse bleibt ihnen eines verwehrt: der Raum. Bauartbedingt können sie das offene, loungeartige Sitzgefühl des LM nicht erreichen.
Genau hier liegt der Unterschied. Während Limousinen den Komfort innerhalb klar definierter Grenzen perfektionieren, hebt der LM diese Grenzen schlicht auf. Mehr Platz, mehr Bewegungsfreiheit, mehr Möglichkeiten – allerdings zum Preis eines weniger fahrerorientierten Gesamterlebnisses.
Exoten wie ein DFSK Forthing 9 zeigen zwar, dass das Segment international wächst, spielen im europäischen Markt bislang jedoch kaum eine Rolle. Und Fahrzeuge wie der Kia PV5 Passenger und der Hyundai Staria (Test des Hyundai Staria) zeigen zwar, dass ein Bedarf an Vans besteht, doch spielen sie nicht im Premium- oder gar Luxus-Segment.
Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Der Lexus LM 350h steht weitgehend allein da. Nicht, weil es keine Alternativen gäbe, sondern weil keine davon das gleiche Konzept so konsequent verfolgt.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D



























