VW Golf GTI Edition 50
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VW Golf GTI Edition 50 Test – 325 PS statt Botox

Beim VW Golf GTI Edition 50 Test geraten die üblichen Erwartungen an die Generationen gehörig durcheinander. Vor uns steht ein dunkelgrüner Golf mit roten Rädern, und ausgerechnet die älteren Passanten finden diese Kombination häufig ausgesprochen gelungen. Jüngere Betrachter hätten dagegen gern etwas weniger Rot. So jedenfalls erleben wir es während unseres Tests immer wieder. Volkswagen liefert zum Jubiläumsmodell offenbar eine kleine soziologische Feldstudie mit. Die kostet immerhin keinen Aufpreis.

Fünfzig Jahre GTI sind allerdings auch ein Anlass, bei dem man sich etwas trauen darf. Seit 1976 begleitet dieses Kürzel Menschen, die einen vernünftigen Kompakten brauchen und bei dessen Motorisierung gelegentlich die Vernunft verlieren. Der Edition 50 führt diesen Gedanken mit 325 PS ziemlich entschlossen fort. Dazu trägt unser Testwagen das optionale Performance-Paket. Dass dieses potente Gölfchen seinen Geburtstag hauptsächlich beim gemütlichen Anschneiden einer Schwarzwälder Kirschtorte verbringen möchte, erscheint damit eher unwahrscheinlich.

Uns interessiert, wie viel vom vertrauten GTI hinter dem auffälligen Auftritt steckt. Schließlich gehören zu dessen Geschichte auch der tägliche Arbeitsweg und die gemeinsame Urlaubsfahrt. Wir haben den Jubiläums-Golf deshalb ausgiebig über kurvige Straßen und schmale Altstadtgassen bewegt und ihm eine lange Autobahnnacht zugemutet. Dabei sollte er zeigen, ob sich die zusätzliche Schärfe auch dann auszahlt, wenn die nächste Nordschleifen-Zufahrt mehrere hundert Kilometer entfernt liegt. Fahrbericht.


Der Look

Dark Moss Green Metallic ist eine dieser Lackierungen, für die wir beim Bestellen durchaus länger auf das Farbfeld schauen würden. Das satte Dunkelgrün steht dem Golf ausgezeichnet. Es verleiht seiner vertrauten Karosserie eine gewisse Noblesse, die unsere Konfiguration anschließend mit roten Felgen wieder zur Diskussion stellt. Über mangelnden Gesprächsstoff können wir uns jedenfalls nicht beklagen.

Die 19 Zoll großen Queenstown-Räder tragen ihren roten Lasurlack nur auf Teilen der Oberfläche. Dahinter sitzen rote Bremssättel, deren Farbton sichtbar abweicht. Zusammen mit dem Dekor entlang der Schweller ist uns das persönlich etwas zu verspielt. Wir würden anders konfigurieren. Einen ausgesprochen gelungenen Einfall finden wir dagegen in der Radmitte: Die dynamischen Nabenkappen halten den GTI-Schriftzug aufrecht, während sich das Rad dreht. Ein kleines Detail mit erstaunlichem Unterhaltungswert.

An der Front gehört die rote Linie hingegen zur vertrauten GTI-Uniform. Sie passt zu den schmalen Scheinwerfern und dem klassischen Schriftzug im Grill. Das beleuchtete VW-Zeichen wirkt angenehm filigran; die durchgehende weiße Lichtleiste leuchtet auch bei genauer Betrachtung im Dunkeln gleichmäßig. Mittig platzierte Kamera und Radarsensor unterstützen den aufgeräumten Eindruck. Symmetrie kann das Gölfchen.

Seitlich bleibt die typische Golf-Silhouette erhalten. Mehr Aufmerksamkeit verlangt der große Dachkantenspoiler, der eine gewisse Nähe zur Fraktion „tiefer, breiter, lauter“ erkennen lässt. Seine Form gefällt uns dennoch. Weniger überzeugend wirken die aufgeklebten Jubiläumskennzeichnungen am Spoiler und an den Innenseiten der Außenspiegel. Aus kurzer Distanz hätten wir uns hier eine hochwertigere Ausführung gewünscht.

Am Heck passen die abgedunkelten Rückleuchten mit ihrer markanten Leuchtengrafik gut zum dunklen Lack. Der Diffusor gibt dem unteren Abschluss Kontur. Darin sitzen die beiden großen Akrapovič-Endrohre unseres Testwagens mit ihrem sichtbar perforierten Innenleben. Diese Ansicht dürfte selbst bei Unkundigen den Verdacht wecken, dass hier die Wahl nicht auf den kleinsten verfügbaren Benziner gefallen ist.


Und innen?

Die roten Sicherheitsgurte gefallen uns innen deutlich besser als die roten Räder draußen. Zusammen mit dem grünen Streifen im neu interpretierten GTI-Karo kommt sogar ein Hauch Gucci auf. Offenbar lässt sich italienisches Modebewusstsein inzwischen auch in Wolfsburg konfigurieren. Dazu kommen rote Pedalauflagen. Volkswagen hat die Jubiläumsdekoration also bis in den Fußraum durchgereicht. Wir finden das durchaus unterhaltsam.

Entscheidender ist allerdings, wie gut diese Sitze funktionieren. Die kräftigen Seitenwangen halten uns zuverlässig fest, ohne unangenehm zu drücken. Auch die integrierten Kopfstützen stören nicht. Die Sitzposition passt ausgezeichnet; selbst nach längerer Fahrt bleiben Rücken und Nacken entspannt. Eine manuell einstellbare Lordosenstütze ist ebenfalls vorhanden. Elektrische Sitzverstellung vermissen wir bei unserem Testwagen nicht. Wer überwiegend selbst fährt, findet seine Position einmal und hat anschließend Ruhe.

Sehr angenehm liegt das dick gepolsterte, beheizbare ArtVelours-Sportlenkrad in den Händen. Seine echten Tasten besitzen einen klaren Druckpunkt und lassen sich auch mit kleineren Händen gut erreichen. Unbeabsichtigte Musiktitelwechsel beim Einlenken gehören damit erfreulicherweise nicht zum Unterhaltungsprogramm sondern der Vergangenheit an. Die Kunststoff-Schaltwippen fallen etwas klein aus, sind aber gut erreichbar.

Die Materialauswahl wirkt insgesamt solide. Hartplastik findet sich vor allem unten an den Türen; deren große Ablagefächer sind immerhin mit Filz ausgekleidet. Knarzgeräusche bleiben aus. Weniger Freude macht der Klavierlack auf der Mittelkonsole: Schon unser nahezu neuer Testwagen zeigt dort Mikrokratzer.

Das zu öffnende Glasdach reicht weit nach vorn und kommt damit besonders den vorderen Insassen zugute. Ein Netzrollo dient als Blendschutz. Hinten sitzen Erwachsene bequem; nach unserem Eindruck können vier etwa 1,80 Meter große Personen problemlos gemeinsam reisen. Der Mittelplatz verlangt eine ausgeprägtere Bereitschaft zur körperlichen Nähe.

Der Kofferraum fasst 374 bis 1.230 Liter. Die geteilte Rückbank lässt sich unkompliziert umlegen, ohne dass bei unserem Wagen eine störende Stufe entsteht. Praktisch: Kleine Halter fixieren den hochgeklappten Ladeboden und halten so den Zugang zum darunterliegenden Fach frei.


Der Antrieb des VW Golf GTI Edition 50

Der Zweiliter-Turbobenziner des VW Golf GTI Edition 50 leistet 325 PS und entwickelt 420 Newtonmeter Drehmoment. Damit übertrifft er den GTI Clubsport um 25 PS. Die Kraft gelangt über ein Siebengang-DSG und eine elektronisch geregelte Vorderachsquersperre an die Vorderräder. Volkswagen nennt 5,3 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h. Unser Tacho zeigt während des Tests bis zu 284 km/h an.

Das Ansprechverhalten gefällt uns besonders in den sportlichen Fahrprofilen. Der Motor reagiert zügig und legt beim Beschleunigen kräftig nach. Wer unmittelbar vorher ein hochmotorisiertes Elektroauto gefahren ist, muss seinen inneren Beschleunigungsmesser kurz neu kalibrieren. Danach lässt sich an diesem Antrieb ausgesprochen viel Freude finden.

Bemerkenswert gut funktioniert die Kraftübertragung auf trockener Fahrbahn. Deutliche Regeleingriffe erleben wir vor allem dann, wenn wir beim Anfahren auf feuchtem Asphalt zu viel verlangen. Antriebseinflüsse in der Lenkung bleiben insgesamt gering; beim engagierten Herausbeschleunigen aus Kurven werden sie etwas deutlicher spürbar.

Das DSG wählt seine Gänge passend und reagiert schnell auf die Schaltwippen. Im Alltag überlassen dem Doppelkuppler die Arbeit gern. Lediglich beim Wechsel zwischen Vorwärts- und Rückwärtsfahrt gönnt er sich eine kurze Denkpause. Auf kurvigen Landstraßen macht die manuelle Gangwahl durchaus Spaß. Trotzdem fehlt uns ein echter Handschalter. Eine zusätzliche Wippe kann eben keine Kupplung ersetzen. Mit sechs manuell sortierten Gängen wäre dieser GTI für uns emotional noch einmal eine andere Hausnummer.

Die Akrapovič-Anlage unseres Testwagens liefert dazu einen kernigen, innen angenehm grummeligen Klang. Außen wirkt der Auftritt deutlich böser; während unseres Tests werden wir sogar nach einem möglichen Fünfzylinder unter der Haube gefragt. Besonders erfreulich ist jedoch, was bei gleichmäßiger Autobahnfahrt ausbleibt: störendes Dröhnen. Auch bei 180 km/h verlangt die Abgasanlage keine Gesprächspause. Das ist eine Form von Zurückhaltung, die wir bei einem derart auffälligen Geburtstagsgast durchaus zu schätzen wissen.


So fährt der VW Golf GTI Edition 50

Wer beim Fahrprofil Comfort auf eine spontane Verwandlung zur Sänfte hofft, wird im Golf GTI Edition 50 gründlich enttäuscht. Auch in dieser Einstellung bleibt unser Testwagen mit Performance-Paket sehr hart. Für längere Strecken wählen wir Comfort trotzdem bevorzugt. Die übrigen Einstellungen ändern wenig daran, dass dieses Fahrwerk seinen Beruf ausgesprochen ernst nimmt.

Unebenheiten reicht es gewissenhaft weiter. Bei manchen Fahrbahnschäden fühlen wir uns über Tiefe und Beschaffenheit bereits ausreichend informiert, um direkt eine Meldung ans Straßenbauamt zu verfassen. Dabei bleibt der Golf sauber auf Kurs. Spurrillen führen während unserer Fahrt kaum zu zusätzlichen Lenkkorrekturen. Auch bei sehr hohem Autobahntempo überzeugt uns seine bemerkenswerte Ruhe.

Die Lenkung gehört zu den besten Eigenschaften dieses GTI. Sie setzt Befehle präzise um und vermittelt gut, was an der Vorderachse passiert. Besonders im Sportmodus verlangt sie spürbaren Krafteinsatz. Uns gefällt das ausgesprochen gut. Wer sein Auto bevorzugt mit einem beiläufig ausgestreckten kleinen Finger dirigiert, muss hier wieder etwas mehr körperliche Anteilnahme zeigen.

Auf kurvigen Landstraßen passt dieses Lenkgefühl hervorragend zum Fahrwerk. Der Edition 50 bleibt ausgesprochen stabil und verhält sich über weite Bereiche angenehm neutral. Das Heck arbeitet spürbar mit, ohne dass wir ihm deshalb schon eine führende Rolle beim Einlenken zuschreiben würden. Bei unpassender Fahrweise schiebt auch dieser Golf über die Vorderräder. Mit sauberer Linie lassen sich Kurven dagegen ausgesprochen genüsslich sezieren. Die montierten Bridgestone Potenza Race liefern auf trockener Fahrbahn dazu reichlich Haftung.

Die Bremsen passen zum engagierten Auftritt. Ihr Druckpunkt ist klar, die Wirkung lässt sich fein dosieren. Sanftes Anhalten gelingt ebenso problemlos wie kräftiges Verzögern. Bei entsprechendem Pedaleinsatz dürfte der Beifahrer seine zuvor noch sehr entspannte Sitzhaltung umgehend überdenken. In unseren Fahrsituationen wirkten die Bremsen jederzeit ausreichend dimensioniert und werden mit dem Auto souverän fertig.


284 km/h – und ein bisschen Porsche-Feeling

Bis Tempo 230 zieht der Golf GTI Edition 50 noch ausgesprochen nachdrücklich. Der Zweiliter wirkt auch dort keineswegs so, als hätte er seinen Arbeitstag innerlich bereits beendet. Das macht schnelle Autobahnetappen erstaunlich mühelos und verleiht diesem Kompakten eine Souveränität, mit der wir in dieser Ausprägung nicht gerechnet hätten.

Besonders beeindruckt uns, wie selbstverständlich das Fahrwerk die hohen Geschwindigkeiten verarbeitet. Selbst nahe der Spitze bleibt der Golf ruhig und vermittelt ein ausgesprochen verbindliches Fahrgefühl. Wir sitzen weiterhin in einem Kompakten, dessen Abmessungen uns kurz zuvor noch beim Rangieren durch schmale Gassen geholfen haben. Jetzt läuft derselbe Wagen mit einer Gelassenheit geradeaus, bei der wir gelegentlich einen kontrollierenden Blick auf den Tacho werfen.

Unweigerlich fragen wir uns, ob die Wolfsburger zwischendurch einmal in Zuffenhausen einen Kaffee getrunken und dabei auffällig interessiert den Fahrwerksleuten zugehört haben. Eine technische Verwandtschaft wollen wir damit ausdrücklich nicht behaupten. Es ist dieses Gefühl sorgfältiger Abstimmung, das die gedankliche Verbindung herstellt: Der Wagen bleibt auch bei einem Tempo vertrauenerweckend, bei dem wir einem Golf durchaus etwas mehr Nervosität zugestanden hätten.

Die straffe Federung hält uns weiterhin deutlich über den Straßenzustand auf dem Laufenden. Wie gelassen der Golf dabei auch nahe seiner Höchstgeschwindigkeit bleibt, beeindruckt uns allerdings nachhaltig. Falls die Wolfsburger tatsächlich zum Kaffee in Zuffenhausen waren, würden wir gerne wissen, wann sie wieder nach Hause gekommen sind. Das Gölfchen fährt sich jedenfalls, als hätte es dort übernachtet.


Alltag & Verbrauch

Im täglichen Umgang profitiert der GTI davon, dass viele Handgriffe wieder angenehm selbstverständlich funktionieren. Die Spiegelheizung lässt sich direkt am Drehschalter aktivieren. Während unserer Nachtfahrt sind die beschlagenen Außenspiegel nach rund zehn Sekunden wieder nutzbar und nach etwa 15 Sekunden vollständig frei. Für so eine Beobachtung braucht es keine Rennstrecke, nur einen kühlen Herbstabend.

Etwas Aufmerksamkeit verlangt das automatische Lösen der elektrischen Feststellbremse. Wer ungeduldig mehr Gas gibt, bevor sie vollständig gelöst ist, kann einen unerwartet entschlossenen Satz nach vorn auslösen. Wir dosieren den ersten Gasimpuls entsprechend zurückhaltend.

Beim Verbrauch widerlegt der Edition 50 erfreulicherweise die Vorstellung, ein solcher GTI müsse grundsätzlich hemmungslos trinken. Auf einer rund 150 Kilometer langen Fahrt mit 40 Prozent Autobahnanteil sowie ergänzenden Landstraßen- und Stadtpassagen zeigt der Bordcomputer 8,4 Liter je 100 Kilometer. Angesichts der gebotenen Leistung finden wir das ausgesprochen ordentlich.

Seit dem letzten Tankstopp stehen nach knapp 400 Kilometern mit viel Stadtverkehr und einem längeren Autobahnabschnitt 10,2 Liter im Display. Der Langzeitspeicher dokumentiert über die gesamten ersten 1.888 Fahrzeugkilometer glatte 10,0 Liter je 100 Kilometer. Das sind unterschiedliche Bezugsstrecken, die wir entsprechend getrennt betrachten.

Bei sehr dynamischer Fahrweise einschließlich einigen Highspeed-Etappen beobachten wir knapp 14 Liter. Wer die Möglichkeiten des Antriebs ausgiebig nutzt, sollte beim Tankstellenbesuch also keine demonstrative Überraschung inszenieren.

Wie weit sich das andere Ende der Verbrauchsspanne verschieben lässt, zeigt unsere abgeschlossene Sparrunde: Im Eco-Modus erreichen wir 5,4 Liter je 100 Kilometer. Dort kann der Golf auch segeln. Dass ausgerechnet dieses Jubiläumsmodell einen ausgeprägten Sparwillen entwickeln kann, wirkt zunächst etwas kurios. Die 325 PS sind schließlich weiterhin vorhanden. Sie müssen nur einmal aushalten, dass sich gerade niemand um sie kümmert. Und das funktioniert prima.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Der VW Golf GTI Edition 50 bringt bereits ab Werk eine erfreulich umfangreiche Ausstattung mit. Die adaptive Fahrwerksregelung DCC samt Fahrprofilauswahl gehört ebenso zur Serie wie die IQ.LIGHT-Matrix-LED-Scheinwerfer. Auch die 19-Zoll-Räder und die abgedunkelten hinteren Scheiben müssen nicht zusätzlich bestellt werden. Unser Testwagen ergänzt diesen Umfang unter anderem um die Rundumsicht Area View und das Harman-Kardon-Soundsystem. Ganz ohne weitere Kreuzchen im Konfigurator ist die Geburtstagsfeier also auch bei uns nicht ausgekommen.

Das Infotainment reagiert während unseres Tests flott und zuverlässig. Einige Funktionen verlangen zunächst etwas Eingewöhnung, hilfreiche Schnellzugriffe verkürzen anschließend die Wege. Die Touch-Slider für Temperatur und Lautstärke brauchen weiterhin eine gewisse Zielgenauigkeit. Die Sitzheizung lässt sich dagegen direkt aktivieren. Auch kabelloses Apple CarPlay und Android Auto funktionieren bei uns stabil.

Vorn stehen zwei USB-C-Anschlüsse und erfreulicherweise weiterhin eine 12-Volt-Steckdose bereit. Die induktive Ladefläche nimmt auch unser großes Smartphone auf, allerdings ohne üppige Platzreserven. Das optionale Harman-Kardon-System gefällt uns nach persönlicher Abstimmung ausgesprochen gut. Vier Klangpresets und ein Equalizer bieten dafür ausreichend Spielraum. Im Fond ergänzen eine dritte Klimazone und zwei weitere USB-C-Anschlüsse die Ausstattung.

ACC und Travel Assist arbeiten angenehm zusammen. Beim Wiederbeschleunigen passt die Gangwahl, unnötiges Hin- und Herschalten bleibt aus. Der Lane Assist lässt erfreulich viel Bewegung innerhalb der Spur zu und korrigiert nahe der Markierung sanft. Wir fühlen uns unterstützt, ohne dass uns ständig jemand imaginär auf die Finger klopft.

Besonders überzeugt uns das in diesem Sondermodell serienmäßige IQ.LIGHT. Die Ausleuchtung ist homogen und reicht angenehm weit sowie breit. Die Fernlichtmaskierung arbeitet fein; während unserer Nachtfahrt erkennt das System teilweise selbst schwach leuchtende Rücklichter vorausfahrender Lastwagen. Entgegenkommende Fahrzeuge quittieren unsere Fahrt bislang nicht mit Lichthupe. Für eine noch bessere Bewertung dürften die Scheinwerfer allenfalls etwas heller sein. Das sind allerdings Nuancen auf sehr hohem Niveau.

Die Rundumsicht Area View liefert auch bei Dunkelheit gute Bilder. Uns würde in einem Golf bereits eine Rückfahrkamera reichen. Sehr hilfreich ist dagegen die automatische Absenkung des rechten Außenspiegels beim Rückwärtsfahren: Der Bordstein bleibt damit gut im Blick. Die Parksensoren arbeiten vorne wie hinten zuverlässig. Mit rund zwölf Metern fällt der Wendekreis allerdings größer aus, als die kompakten Abmessungen zunächst vermuten lassen.


Varianten & Preise des VW Golf GTI Edition 50

Der VW Golf GTI Edition 50 startete mit einem Grundpreis von 54.540 Euro. Für das optionale GTI-Performance-Paket kamen weitere 4.200 Euro hinzu. Zusammen ergaben sich damit mindestens 58.740 Euro. Die Geburtstagskarte fällt in Wolfsburg also etwas größer aus.

Das Paket umfasst unter anderem ein nochmals geschärftes Fahrwerk mit zusätzlichen fünf Millimetern Tieferlegung und die leichtere R-Performance-Abgasanlage mit Titan-Endrohren. Regulär gehören außerdem die Warmenau-Schmiederäder dazu. Unser Testwagen besitzt das Performance-Paket, trägt allerdings die rot akzentuierten Queenstown-Räder. Die Bridgestone Potenza Race sind ebenfalls montiert.

In seiner konkreten Ausstattung kostet unser Tester gerundet 67.815 Euro. Zum Performance-Paket kommen unter anderem die Lackierung Dark Moss Green Metallic und das Panorama-Ausstell-/Schiebedach. Auch das beheizbare ArtVelours-Sportlenkrad, Harman Kardon und die Rundumsicht Area View stehen auf seiner Ausstattungsliste. Damit entfernt sich unser Exemplar preislich deutlich vom Einstieg in die Jubiläumsedition. Für einen Golf ist das eine ausgesprochen selbstbewusste Rechnung.

Zur Einordnung lohnt der Blick auf die damalige sportliche Modellfamilie: Der reguläre GTI mit 265 PS begann bei 46.250 Euro, der 300 PS starke Clubsport bei 49.820 Euro. Der Edition 50 brachte gegenüber dem Clubsport bereits mehr Serienausstattung mit, weshalb sich der Preisabstand nicht allein auf die zusätzlichen 25 PS reduzieren lässt. Der Golf R mit 333 PS und Allradantrieb lag seinerzeit bei mindestens 55.540 Euro und damit bereits erstaunlich nah am Jubiläums-GTI. Alle GTI- und R-Modelle erhalten eine zweijährige Volkswagen-Neuwagengarantie, die sich auf bis zu fünf Jahre respektive 150.000 Kilometer erweitern lässt.

Wer sich heute für den Edition 50 entscheidet, muss allerdings aus vorhandenen Fahrzeugen wählen. Individuelle Werksbestellungen sind inzwischen nicht mehr möglich. Farbe und Ausstattung richten sich damit nach dem verfügbaren Bestand – gegebenenfalls einschließlich jener roten Räder, über die anschließend die gesamte Nachbarschaft diskutiert.


Kundenfeedback

Zum VW Golf GTI Edition 50 finden sich bereits erste Besitzerberichte. Eine belastbare Langzeitbewertung lässt sich daraus noch nicht ableiten, wohl aber ein Eindruck davon, was im täglichen Umgang überzeugt. Ein Besitzer beschreibt nach den ersten Tagen besonders die Vielseitigkeit als Stärke: Der Jubiläums-GTI eigne sich gleichermaßen für gewöhnliche Erledigungen und längere Ausflüge. Das DCC-Fahrwerk und die Straßenlage bekommen ausdrücklich Lob.

Ein anderer Fahrer berichtet nach rund 800 Kilometern von kräftigem Durchzug und einem gegenüber seinem vorherigen Cupra Formentor angenehm weich und schnell schaltenden DSG. Auf zwei Arbeitsweg-Etappen nennt er 7,7 beziehungsweise 8,2 Liter Super je 100 Kilometer. Das sind individuelle Beobachtungen, die jedoch zeigen, dass die Begeisterung nicht erst bei Vollgas beginnt.

Einhellig fällt das Urteil trotzdem nicht aus. Ein weiterer Fahrer empfindet den höheren Kraftaufwand der Lenkung gegenüber seinem bisherigen normalen Golf zunächst als gewöhnungsbedürftig. In Bestellerdiskussionen wird außerdem hinterfragt, ob das Performance-Paket für überwiegenden Alltagseinsatz nötig ist. Ein Käufer verzichtet bewusst darauf und kann auch den perforierten Akrapovič-Endrohren wenig abgewinnen. Selbst beim Auspuff endet die Einigkeit also ungefähr dort, wo der persönliche Geschmack beginnt.

Der Wegfall des Handschaltgetriebes beschäftigt besonders die internationale GTI-Gemeinde. Einzelne nordamerikanische Besitzer haben sich deshalb gezielt noch einen letzten Handschalter gesichert; andere möchten ihren älteren GTI behalten oder würden eher die Marke wechseln. Ihnen fehlt die unmittelbare Beteiligung am Fahren. Gleichzeitig berichten DSG-Fahrer, darunter Besitzer des aktuellen Facelifts, von einer bewussten Entscheidung für die Automatik: Gerade im dichten Pendlerverkehr schätzen sie deren Entlastung. Allerdings wünschen sich selbst überzeugte DSG-Nutzer teilweise die Wahlmöglichkeit zurück. Ein gutes Automatikgetriebe und die Trauer um das dritte Pedal schließen sich offenbar nicht aus.


Für wen eignet sich der VW Golf GTI Edition 50?

Der Golf GTI Edition 50 passt zu Menschen, deren Begeisterung für dieses Kürzel die eigene Jugend überlebt hat. Vielleicht stand früher schon einmal ein GTI vor der Tür, vielleicht blieb es damals beim Prospekt. Heute wäre das Budget vorhanden, und Volkswagen liefert einen ziemlich überzeugenden Anlass, die alte Angelegenheit endlich zu klären. Jubiläum klingt gegenüber dem eigenen Haushalt schließlich auch deutlich seriöser als Spieltrieb.

Dabei eignet sich der Edition 50 auch für Fahrer, die ihren sportlichen Kompakten tatsächlich regelmäßig nutzen wollen. Wer nur ein Auto unterbringen möchte, bekommt hier genügend Platz für Mitfahrer und Gepäck, ohne für die vergnüglichen Kilometer am Wochenende erst etwas anderes aus der Garage holen zu müssen. Gerade diese Verbindung macht den Reiz eines solchen GTI aus.

Unsere Konfiguration mit Performance-Paket spricht allerdings Menschen an, die eine straffe Abstimmung ausdrücklich mögen. Wer gern präzise lenkt, Rückmeldung schätzt und auf einer kurvigen Landstraße freiwillig den längeren Heimweg nimmt, findet hier einen ausgesprochen passenden Begleiter. Man sollte Freude daran haben, sich mit dem Auto zu beschäftigen. Andernfalls bezahlt man einiges an Fähigkeiten mit, deren wichtigste Leistung anschließend darin besteht, im Berufsverkehr ungenutzt zu bleiben.

Für langjährige GTI-Fans kommt der emotionale Wert der Jubiläumsedition hinzu. Den muss niemand mit einer Excel-Tabelle rechtfertigen. Es reicht völlig, wenn beim Blick zurück auf den geparkten Wagen dieses leicht unvernünftige Grinsen entsteht. Das gehört bei einem Auto dieser Preisklasse allerdings auch zur erwartbaren Serienausstattung.


Für wen eignet sich der VW Golf GTI Edition 50 nicht?

Wer vor allem entspannt über schlechten Asphalt gleiten möchte, sollte unsere Konfiguration mit Performance-Paket sehr bewusst hinterfragen. Die hervorragenden Sitze ändern wenig daran, dass das Fahrwerk Unebenheiten ausgesprochen gewissenhaft weiterreicht. Gerade auf einer täglichen Pendelstrecke mit mäßigem Belag muss man diese Abstimmung mögen. Ein kurzer Umweg über das schlechteste Pflaster der Umgebung dürfte bei der Probefahrt aufschlussreicher sein als zehn Minuten auf frisch asphaltierter Bundesstraße.

Für überzeugte Handschalter-Fahrer bleibt außerdem eine entscheidende Lücke. Das DSG erledigt seine Arbeit gut, erfüllt aber eben einen anderen Wunsch. Wer das Kuppeln und die selbst geführten Gangwechsel als wesentlichen Bestandteil des Fahrvergnügens empfindet, sollte sich diese Vorliebe angesichts des Jubiläums auch nicht schönreden lassen. Fünfzig Jahre Tradition ersetzen kein drittes Pedal.

Auch Käufer, die für viel Geld einen entsprechend repräsentativen Auftritt erwarten, könnten mit diesem Golf fremdeln. Trotz aller besonderen Details bleibt seine Herkunft jederzeit erkennbar. Uns gefällt das; als gesellschaftlicher Beförderungsnachweis taugt der hohe Testwagenpreis allerdings nur bedingt. Beim Hotel wird man vermutlich weiterhin selbst erklären müssen, weshalb dieser Golf einen besonders guten Parkplatz verdient.

Wer dagegen einfach einen zügigen Kompakten sucht und mit dem Jubiläum wenig verbindet, sollte genau überlegen, welchen persönlichen Mehrwert ihm die Edition bietet. Für den Weg zum Supermarkt benötigt man ihre zusätzlichen Fähigkeiten jedenfalls nur dann, wenn die bevorzugte Filiale ein paar kurvige Landstraßen entfernt liegt.


Fazit zum VW Golf GTI Edition 50

Der VW Golf GTI Edition 50 verdient sein Jubiläumsemblem. Vor allem die präzise Lenkung und die außergewöhnliche Ruhe bei hohem Tempo machen ihn zu einem bemerkenswert souveränen Kompaktsportler. Dieses potente Gölfchen fährt sich mit einer Verbindlichkeit, die uns nachhaltig beeindruckt hat. Dazu bleibt es im Alltag so unkompliziert nutzbar, wie wir es von einem Golf erwarten.

Unser Testwagen verlangt allerdings klare Zugeständnisse. Das Performance-Paket bringt eine Härte mit, die man ausdrücklich wollen muss. Die rot-grüne Inszenierung wäre ebenfalls nicht unsere erste Wahl, und 67.815 Euro sind ein stolzer Preis. Am meisten vermissen wir trotzdem den Handschalter. Gerade einem solchen Geburtstagskind hätten wir ein drittes Pedal gegönnt.

Unsere Begeisterung für die Abstimmung überwiegt deutlich. Volkswagen hat hier ein Auto gebaut, bei dem wir nach einer langen Fahrt aussteigen und trotzdem überlegen, welche Strecke wir noch hätten nehmen können. Das ist für uns der überzeugendste Grund, sich diesen GTI genauer anzusehen.

325 PS unter der Haube statt Botox im Gesicht funktioniert jedenfalls ausgezeichnet. Die straffe Haut gibt es mit dem Performance-Fahrwerk gleich dazu.


Konkurrenz & Vergleich

Unter den klassischen Kompaktsportlern wird es zunehmend übersichtlich. Peugeot 308 GTi und Ford Focus ST beziehungsweise RS sind aus dem regulären Neuwagenangebot verschwunden, ebenso der Hyundai i30 N. Honda verabschiedet den Civic Type R (Test des Honda Civic Type R) in diesem Jahr aus Europa. Die Gästeliste dieser Geburtstagsfeier liest sich stellenweise bereits wie ein Nachruf.

Ein besonders direkter Gegner bleibt der Cupra Leon VZ 325: ebenfalls 325 PS, Frontantrieb und DSG, aktuell ab 50.805 Euro. Wahlweise gibt es den Leon VZ auch mit 300 PS (Test des Cupra Leon VZ Facelift) oder mit 360 PS alt ABT-Version (Test des Cupra Leon VZ ABT). Mit Allradantrieb treten der VW Golf R mit 333 PS ab 56.155 Euro (Test des VW Golf R Black Edition) und der Audi S3 Sportback mit ebenfalls 333 PS ab 57.200 Euro an. BMW verlangt für den 300 PS starken M135 xDrive mindestens 57.150 Euro.

Mercedes-AMG ergänzt das Feld mit dem A 35 4MATIC: 306 PS kosten ab rund 60.208 Euro. Darüber rangiert der auslaufende A 45 S 4MATIC+ mit 421 PS ab rund 73.929 Euro. Der Audi RS 3 Sportback (Test des Audi RS 3 Sportback) liefert 400 PS ab 68.500 Euro und liegt damit im Grundpreis nur 685 Euro über unserem gut ausgestatteten Tester.

Kleiner, aber ausgesprochen interessant ist der Toyota GR Yaris (Test des Toyota GR Yaris): 280 PS mit Allradantrieb und Sechsgang-Handschaltung gibt es ab 47.590 Euro.

Unser Testwagenpreis öffnet außerdem die Tür zum BMW M240i xDrive Coupé. Dessen Reihensechszylinder leistet 392 PS, der Grundpreis beträgt 63.600 Euro. Der Ford Mustang GT Fastback bietet ab 62.400 Euro sogar einen 446 PS starken V8 mit Hinterradantrieb und Handschaltung. Das vermisste Kupplungspedal lässt sich andernorts also durchaus noch auftreiben.

Die Alpine A110 setzt dagegen auf Leichtbau: 252 PS treffen auf rund 1,1 Tonnen Leergewicht. Der ausgewiesene Grundpreis beträgt 66.350 Euro; verfügbar sind nur noch Bestandsfahrzeuge.

Alle genannten Grundpreise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer und ohne Überführung. Eine unserem Testwagen entsprechende Ausstattung ist damit nicht automatisch abgedeckt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der VW Golf GTI Edition 50 in dieser Gesellschaft eine Sonderrolle in Sachen Heritage einnimmt. Ein GTI ist eben ein GTI. Lediglich der Blick auf RS 3, M240i und Mustang lassen durchaus den Wunsch aufkommen, gegebenenfalls die drei magischen Buchstaben gegen mehr Zylinder einzutauschen. Eingefleischte Fans jedoch werden dies ohnehin nicht in Erwägung ziehen.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D


Vorteile ✅

  • Kräftiger 325-PS-Antrieb mit überzeugender Traktion auf trockener Fahrbahn.
  • Präzise Lenkung und außergewöhnliche Stabilität bei hohem Tempo.
  • Bequeme Sportsitze und ausreichend Platz für vier Erwachsene.
  • Sehr gutes IQ.LIGHT-Matrixlicht mit feiner Fernlichtmaskierung.
  • Sparrundenverbrauch von lediglich 5,4 l/100 km laut Bordcomputer.

Nachteile ❌

  • Sehr hartes Fahrwerk mit dem optionalen Performance-Paket.
  • Hoher Testwagenpreis von 67.815 Euro.
  • Kein Handschaltgetriebe erhältlich.
  • Kratzempfindlicher Klavierlack auf der Mittelkonsole.
  • Vergleichsweise großer Wendekreis von rund zwölf Metern.


Technische Daten des VW Golf GTI Edition 50

ModellVW Golf GTI Edition 50
Länge x Breite x Höhe (m)4,29 x 1,79 (2,07 mit Außenspiegeln) x 1,46
Radstand (mm)2.629
MotorVierzylinder-Reihenmotor mit Turboaufladung
Hubraum (ccm)1.984
Leistung (kW / PS)239 / 325
Drehmoment (Nm)420
Getriebe7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG)
AntriebFront
KraftstoffartSuper Plus (Super E10 möglich)
Durchschnittsverbrauch (WLTP in Liter)7,6
Durchschnittsverbrauch (NEU! in Liter)8,4
CO²-Ausstoß (nach WLTP in g/km)173
AbgasnormEuro 6e
0 auf 100 km/h (in Sekunden)5,3
Höchstgeschwindigkeit (km/h)270
Leergewicht (kg)1.470
Kofferraumvolumen (l)374 – 1.230
FarbeDark Moss Green Metallic (Dunkelgrün)
Grundpreis (Euro)54.540
Testwagenpreis (Euro)67.815
Technische Daten: VW Golf GTI Edition 50


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