Der VW ID.3 GTX Fire+Ice ist kein gewöhnlicher Kompaktstromer, sondern ein bewusst inszeniertes Statement. Volkswagen greift hier eine der ikonischsten Sondereditionen der 90er auf und übersetzt sie in die Gegenwart – nicht als bloße Designstudie, sondern als leistungsstärkste ID.3-Variante mit klarer Positionierung: emotionaler als die Basis, extrovertierter als der normale GTX und deutlich näher an einem Lifestyle-Produkt als an einem nüchtern kalkulierten Elektroauto.
Dabei geht es weniger um Rationalität und mehr um Wirkung. „Fire & Ice“ war schon damals kein Auto für Zahlenmenschen, sondern für Käufer, die ein Fahrzeug als Ausdruck ihrer Persönlichkeit verstanden haben. Genau dieses Prinzip lebt hier weiter – nur dass statt GTI-Sound heute elektrischer Punch und sofort verfügbares Drehmoment die Hauptrolle spielen.
Technisch bleibt der Wagen nah am bekannten GTX Performance. 326 PS, Heckantrieb und eine Beschleunigung, die im Alltag mehr als ausreichend ist. Der Unterschied liegt im Charakter. Während der normale ID.3 GTX noch versucht, die Balance zwischen Vernunft und Sport zu halten, entscheidet sich der Fire+Ice bewusst für die extrovertierte Seite. Das betrifft Design, Innenraumgestaltung und die gesamte Wahrnehmung.
Die spannende Frage ist deshalb nicht, ob er „gut“ ist – das ist er objektiv. Entscheidend ist, ob man genau dieses Konzept will: ein Elektroauto, das auffällt, polarisiert und sich ganz bewusst von der Masse der effizienzoptimierten Stromer entfernt.
Der Look
Der VW ID.3 GTX Fire+Ice macht bereits im Stand klar, dass er sich nicht in die üblichen Konfigurationsstatistiken einreihen möchte. Während draußen weiterhin Heerscharen an grauen, schwarzen und „ich habe nichts falsch gemacht“-Farbtönen die Straßen dominieren, entscheidet sich dieses Sondermodell bewusst für das Gegenteil. Ultra Violet Metallic changiert je nach Licht zwischen tiefdunkel und auffällig – mal zurückhaltend, mal so präsent, dass selbst ein MG ZSkurz innehält und sich fragt, wann genau hier eigentlich jemand Stil bestellt hat.
Dazu kommen die klassischen Fire-&-Ice-Zitate, die diesmal deutlich präziser gesetzt sind als früher. Rote und blaue Akzente ziehen sich durch das Exterieur, ohne wie ein Zubehörkatalog-Experiment zu wirken. Stattdessen entsteht ein Spannungsfeld, das genau das tut, was ein Sondermodell tun muss: auffallen, ohne beliebig zu wirken. Die spezifischen Embleme, die grafisch betonte C-Säule und der bewusst inszenierte Dachbereich spielen dabei ihre Rolle – subtil ist hier nur die Strategie dahinter, nicht die Wirkung.
Die 20-Zoll-Räder sind ein weiteres Kapitel für sich. Formal betrachtet leicht überdimensioniert für einen Kompakten, in der Realität aber genau das Element, das dem ID.3 die nötige visuelle Erdung gibt. Ohne sie würde das Ganze schnell nach „mutig konfiguriert“ aussehen. Mit ihnen wirkt es wie eine klare Entscheidung.
Im direkten Umfeld zeigt sich, wie ungewöhnlich dieser Ansatz ist. Ein Hyundai Inster gibt sich freundlich verspielt, ein BYD Dolphin bleibt optisch auf Nummer sicher. Der Fire+Ice dagegen wirkt wie jemand, der im Konfigurator einmal bewusst nach rechts abgebogen ist, während alle anderen stumpf geradeaus gefahren sind.
Und innen?
Im Innenraum zieht der VW ID.3 GTX Fire+Ice das Thema konsequent weiter – allerdings deutlich präziser als außen. Statt wahlloser Farbakzente folgt das Konzept einer klaren Idee: Fahrerseite warm, Beifahrerseite kühl. Rottöne hier, Blau dort. Das klingt erst einmal nach Designabteilung im kreativen Höhenflug, wirkt in der Praxis aber erstaunlich stimmig. Vor allem, weil die Umsetzung nicht überzeichnet ist, sondern sauber durchkomponiert.
Die Sportsitze greifen dieses Prinzip auf und verbinden es mit spürbar besserer Materialqualität als noch bei frühen ID.3-Jahrgängen. Nähte, Einsätze und Prägungen wirken nicht wie nachträglich hinzugefügt, sondern integraler Bestandteil des Designs. Man merkt: Hier wurde nicht einfach ein bestehendes Interieur „auf Sondermodell gemacht“, sondern tatsächlich weitergedacht.
Auch die Verarbeitungsqualität passt inzwischen. Nichts wirkt billig, nichts fällt negativ auf. Das war nicht immer selbstverständlich bei Volkswagen im Elektrozeitalter, umso bemerkenswerter ist der Fortschritt. Während ein BYD Dolphin funktional solide bleibt, aber emotional eher auf Sparflamme kocht, schafft der Fire+Ice eine Atmosphäre, die man in dieser Klasse nicht unbedingt erwartet.
Das Ambientelicht unterstützt das Ganze spürbar. Unterschiedliche Farbwelten lassen sich je nach Stimmung anpassen, ohne dass man das Gefühl bekommt, in einem rollenden Technikdemo zu sitzen. Es bleibt angenehm zurückhaltend. Zumindest so lange, bis man selbst entscheidet, dass es etwas mehr sein darf.
Im Alltag bleibt der ID.3 dabei unverändert praktisch. Platzangebot, Sitzkomfort und Kofferraumvolumen bewegen sich auf gewohnt solidem Niveau. Nur mit dem Unterschied, dass man hier nicht einfach einsteigt und losfährt, sondern jedes Mal kurz registriert, dass dieser Innenraum eben nicht für maximale Durchschnittlichkeit entwickelt wurde.
Der Antrieb des VW ID.3 GTX Fire+Ice
Unter der auffälligen Hülle bleibt der VW ID.3 GTX Fire+Ice erfreulich ehrlich. Kein künstlich aufgepumpter Sonderstatus, keine „exklusive“ Leistungsvariante mit Marketingaufschlag – hier arbeitet schlicht das bekannte Setup des GTX Performance. Bedeutet: 326 PS, 545 Nm und Heckantrieb. Eine Kombination, die im Elektro-Kompaktsegment immer noch eher Ausnahme als Regel ist.
Und genau das merkt man. Während viele Wettbewerber ihre Leistung über die Vorderachse auf die Straße schicken und dabei mehr mit Traktion kämpfen als mit Dynamik, schiebt der ID.3 sauber von hinten an. Ein kurzer Druck aufs Pedal reicht und der Wagen hängt direkt am Strom. Keine Gedenksekunde, kein Zögern – einfach Vortrieb. Im Stadtverkehr wirkt das fast übertrieben, auf der Landstraße genau richtig und auf der Autobahn ausreichend souverän, solange man nicht erwartet, dass er sich mit einem Lucid Air (Test des Lucid Air Pure RWD) auf der linken Spur anlegt.
Die 0–100 km/h in 5,7 Sekunden sind dabei fast nebensächlich. Viel relevanter ist die Art, wie die Leistung abgegeben wird. Linear, direkt und jederzeit verfügbar. Der Unterschied zum normalen GTX (286 PS und ebenfalls als Fire+Ice verfügbar) ist spürbar, auch wenn er auf dem Papier überschaubar wirkt. In der Praxis fühlt sich der Performance schlicht wacher an, spontaner, aber auch ein bisschen ungeduldiger.
Das Fahrwerk passt gut dazu. Straff genug, um die Leistung sinnvoll zu verarbeiten, aber nicht so hart, dass man nach 200 Kilometern über eine chiropraktische Anschlussbehandlung nachdenkt. Die Lenkung arbeitet präzise, bleibt aber eher nüchtern als emotional. Wer hier Feedback wie in einem klassischen Hot Hatch erwartet, wird nicht komplett abgeholt – wer ein schnelles, sicheres (und elektrisches) Gesamtpaket sucht, dagegen schon.
Unterm Strich fährt sich der Fire+Ice genau so, wie er aussieht: selbstbewusst, direkt und ohne große Kompromisse in Richtung Komfort oder Alltag. Nur eben mit dem kleinen Unterschied, dass er seine Leistung nicht versteckt, sondern konsequent nutzt.
Alltag & Verbrauch
Wer beim VW ID.3 GTX Fire+Ice auf die offizielle Verbrauchsangabe schaut, bekommt erst einmal ein beruhigendes Gefühl. 16,5 kWh laut WLTP – klingt effizient, klingt vernünftig, klingt nach „alles im Griff“. Die Realität sieht, wenig überraschend, etwas lebendiger aus.
Im Test pendelte sich der Verbrauch bei 19,1 kWh ein. Das ist absolut im Rahmen für ein Fahrzeug mit dieser Leistung, zeigt aber auch: Wer hier regelmäßig das volle Potenzial nutzt, verabschiedet sich schnell von der Theorie. Sobald man den GTX konsequent fordert, sind auch 25 oder 30 kWh keine exotischen Ausreißer mehr. Physik bleibt eben Physik, auch wenn das Design etwas anderes suggeriert.
Interessant wird es, wenn man bewusst auf Effizienz fährt. Dann zeigt der ID.3, was tatsächlich möglich ist. Werte um die 12 kWh sind realistisch erreichbar, wenn man sich entsprechend zurücknimmt. Das ist beeindruckend und zeigt, dass der Fire+Ice nicht nur Show kann, sondern auch Disziplin – wenn man ihn lässt.
Im Alltag funktioniert der Wagen entsprechend flexibel. Pendeln, Stadtverkehr, Wochenendfahrten – alles kein Problem. Die Rekuperation arbeitet sauber, das One-Pedal-Feeling ist angenehm dosierbar und das Gesamtpaket wirkt inzwischen deutlich ausgereifter als bei den frühen ID-Modellen. Gerade im Stop-and-Go-Verkehr spielt der elektrische Antrieb seine Vorteile konsequent aus.
Bei der Reichweite wird es dann wieder realistisch. Offiziell stehen über 500 Kilometer im Raum, im gemischten Betrieb waren es im Test rund 430 Kilometer. Ein solider Wert, aber keiner, der Wunder verspricht. Wer dauerhaft schnell unterwegs ist, landet deutlich früher an der Ladesäule – oft schon unterhalb der 300-Kilometer-Marke. Nutzt man dann noch den „Performance-Bonus“, ist also auf nächtlicher Autobahn immer jenseits der 200 Sachen unterwegs, sollte man alle 200 Kilometer einmal „druckbetanken“.
Unterm Strich bleibt ein ehrliches Bild: Der Fire+Ice ist kein Effizienzwunder, aber ein erstaunlich vielseitiger Alltagsbegleiter. Nur eben einer, der stark davon abhängt, wie viel Zurückhaltung man selbst mitbringt.
Das Laden des VW ID.3 GTX Fire+Ice
Beim Laden zeigt der VW ID.3 GTX Fire+Ice eine Qualität, die im Alltag deutlich wichtiger ist als jede Hochglanz-Werksangabe: Reproduzierbarkeit. Die offiziell genannten bis zu 185 kW werden nicht nur erreicht, sondern im Test sogar leicht übertroffen. Maximale Ladeleistung: 188 kW. Entscheidend ist aber, wie konstant das System über verschiedene Ladevorgänge hinweg arbeitet.
Statt eines einmaligen Idealwerts ergibt sich ein klares Muster. Der ID.3 lädt schnell, stabil und vor allem nachvollziehbar. Genau das ist es, was im Alltag zählt.
Hier ein paar Ladeergebnisse aus der Praxis:
- 14 → 81 % in 25 Minuten
- 14 → 80 % in 24 Minuten
- 24 → 80 % in 22 Minuten
- 26 → 70 % in 16 Minuten
- 18 → 74 % in 20 Minuten
- 10 → 100 % in 38 Minuten
- 22 → 92 % in 45 Minuten
- 43 → 80 % in 14 Minuten
- 35 → 83 % in 24 Minuten
- 24 → 95 % in 32 Minuten
Auffällig ist vor allem die Bandbreite der Szenarien. Unterschiedliche Startwerte, unterschiedliche Zielbereiche. Und trotzdem bleiben die Zeiten in einem sehr engen, praxisnahen Korridor. Genau das unterscheidet ihn von vielen Wettbewerbern, die ihre Bestwerte eher unter Idealbedingungen abrufen.
Besonders stark: der Ladevorgang von 10 auf 100 Prozent in unter 40 Minuten. Das ist kein Laborwert, sondern im Alltag erreichbar und damit ein echter Vorteil für alle, die nicht permanent im 10–80-Prozent-Denken unterwegs sein wollen.
Im Umfeld zeigt sich, wie wertvoll diese Konstanz ist. Ein Tesla Model 3 kann auf dem Papier ähnlich schnell laden, lebt aber deutlich stärker von optimaler Vorkonditionierung und perfekten Rahmenbedingungen. Der Fire+Ice wirkt hier weniger sensibel – und genau das macht ihn im Alltag entspannter.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Beim Thema Technik hat der VW ID.3 GTX Fire+Ice etwas geschafft, das man Volkswagen vor ein paar Jahren noch nicht ohne Weiteres zugetraut hätte: Das System funktioniert einfach. Ohne Ausreden, ohne „kommt per Update“, ohne den subtilen Hinweis, dass man sich bitte einarbeiten soll.
Das Infotainment reagiert schnell, die Menüführung ist logisch aufgebaut und vor allem im Alltag brauchbar. Keine Designstudie für UX-Konferenzen, sondern ein System, das man versteht, ohne darüber nachzudenken. Genau so sollte es sein. Im direkten Vergleich wirkt ein BYD Dolphin zwar modern, aber nicht zwingend intuitiver. Der ID.3 spielt hier inzwischen auf Augenhöhe. Und das war lange nicht selbstverständlich.
Das optionale Head-up-Display gehört weiterhin zu den Highlights. Es projiziert Fahrdaten, Navigationshinweise und Assistenzinfos so ins Sichtfeld, dass man sich schnell daran gewöhnt und es danach nicht mehr missen möchte. Gerade auf langen Strecken ist das ein echter Komfortgewinn.
Auch bei den Assistenzsystemen zeigt sich der Fortschritt. Adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung – alles greift sauber ineinander und wirkt deutlich harmonischer als früher. Besonders im Autobahnalltag reduziert das spürbar Stress, ohne dass man ständig das Gefühl hat, gegen das System arbeiten zu müssen.
Das IQ.Light-Matrixlicht bleibt eine der stärksten Disziplinen. Die Ausleuchtung ist präzise, das Ausblenden anderer Verkehrsteilnehmer funktioniert zuverlässig und insgesamt fährt man nachts entspannter als in vielen Konkurrenten dieser Klasse.
Im Komfortkapitel liefert der Fire+Ice ebenfalls ab. Sitz- und Lenkradheizung, ein ordentlich abgestimmtes Soundsystem aus dem Hause Harman / Kardon und eine Klimaautomatik, die ihren Job unauffällig gut erledigt. Nichts davon ist revolutionär, aber alles funktioniert genau so, wie man es erwartet. Was im ersten Moment banal klingt, ist jedoch auch heutzutage ein echtes Qualitätsmerkmal.
Ganz ohne Einschränkung geht es aber nicht. Anhängerbetrieb? Fehlanzeige. Dachlast? Ebenfalls nicht vorgesehen. Immerhin gibt es eine Lösung für Fahrradträger (maximal 75 Kilogramm), aber wer hier mehr Flexibilität sucht, wird bei einem klassischen Kompakt-SUV schneller fündig.
Varianten & Preise des VW ID.3 GTX Fire+Ice
Der VW ID.3 GTX Fire+Ice ist kein eigenes Modell im klassischen Sinne, sondern ein bewusst positioniertes Sondermodell innerhalb der GTX-Welt. Bedeutet: Wer ihn fährt, hat sich nicht nur für Leistung entschieden, sondern auch für eine sehr spezifische Ausprägung davon.
Die Basis bildet der „normale“ GTX Fire+Ice, der bei 56.020 Euro startet und 286 PS offeriert. Schon das ist kein Schnäppchen für die Kompaktklasse, aber auch kein Ausreißer mehr in einer Zeit, in der gut ausgestattete Elektrofahrzeuge längst in diese Regionen vorgedrungen sind. Interessant wird es beim Performance-Modell: 57.520 Euro. Der Aufpreis von 1.500 Euro ist erstaunlich moderat, wenn man bedenkt, dass hier die stärkste Variante der Baureihe mit 326 PS steht.
In der Praxis landet man jedoch schnell darüber. Mit ein paar sinnvollen Optionen kratzt der Testwagen an der 61.000-Euro-Marke. Viel Luft nach oben gibt es allerdings nicht mehr, weil das Sondermodell bereits sehr umfangreich ausgestattet ist. Große Pakete, wie man sie aus anderen Konfigurationen kennt, spielen hier eine untergeordnete Rolle, vieles ist schlicht schon drin.
Genau hier liegt auch der strategische Ansatz. Volkswagen verkauft den Fire+Ice nicht über endlose Optionslisten, sondern über ein klares Gesamtbild. Design, Leistung und Ausstattung sind miteinander verzahnt. Wer sich für dieses Modell entscheidet, bekommt ein fertiges Konzept und nicht die Aufgabe, sich eines zusammenzustellen.
Im Wettbewerbsumfeld wird die Preispositionierung spannend. Der Konzernbruder Cupra Born VZ bewegt sich in dergleichen Leistungsregion, möchte aber mehr mit spanischem Temperament als mit Heritage überzeugen. Modelle wie der BMW iX1 xDrive30 liegen preislich teilweise darüber, bieten dafür mehr Raum und Allrad – allerdings auch ein komplett anderes Konzept.
Der Fire+Ice bleibt damit ein Angebot für eine sehr spezifische Zielgruppe: Käufer, die nicht einfach nur einen schnellen ID.3 wollen, sondern genau diese Kombination aus Historie, Design und Performance. Doch Interessenten müssen schnell sein, denn mittlerweile steht der ID.3 Neo (Premiere des VW ID.3 Neo 2026) als unmittelbarer Nachfolger in den Startlöchern. Und es ist davon auszugehen, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch hiervon wieder ein Sport-Derivat kommen wird.
Kundenfeedback
Ein Blick in reale Fahrermeinungen zeigt ein erstaunlich klares Bild: Der VW ID.3 GTX Fire+Ice profitiert massiv davon, dass er auf einer inzwischen gereiften ID.3-Basis steht. Viele der typischen Kinderkrankheiten früher Modelle spielen hier schlicht keine große Rolle mehr – und genau das fällt Besitzern sofort auf.
Gerade beim Thema Software und Bedienung wird der Fortschritt regelmäßig hervorgehoben. Viele Fahrer beschreiben die aktuelle Generation als deutlich stabiler, schneller und im Alltag wesentlich angenehmer zu bedienen. Übersetzt heißt das: Das Auto funktioniert endlich so, wie man es von Anfang an erwartet hat.
Auch Komfortdetails bekommen Lob. Dinge wie die Bedienlogik einzelner Funktionen oder die Ergonomie im Innenraum werden als durchdacht wahrgenommen. Das klingt unspektakulär, macht im Alltag aber genau den Unterschied zwischen „passt schon“ und „fühlt sich richtig gut an“.
Beim Antrieb gehen die Meinungen in eine interessante Richtung. Die Leistung wird durchweg als mehr als ausreichend beschrieben, aber nicht als übertrieben. Viele Fahrer sehen den GTX eher als souveränen Allrounder mit sportlicher Note und weniger als kompromisslosen Performance-Stromer. Genau diese Balance scheint im Alltag gut anzukommen.
Kritischer wird es bei Detailthemen. Immer wieder tauchen Hinweise auf kleinere Software-Macken, individuelle Einstellungsprobleme oder Eigenheiten im Systemverhalten auf. Nichts davon wirkt gravierend, zeigt aber, dass Volkswagen noch nicht in jeder Disziplin ganz vorne mitspielt.
Ein weiterer Punkt ist die Preisdiskussion. Gerade im direkten Vergleich mit einigen Wettbewerbern wird der Preis teilweise hinterfragt. Gleichzeitig betonen viele Nutzer, dass Ausstattung, Fahrleistungen und Gesamtpaket diesen zumindest teilweise rechtfertigen.
Das Gesamtbild ist klar: Der ID.3 GTX – und damit auch der Fire+Ice – wird nicht als perfektes Auto wahrgenommen, sondern als eines, das genau zum richtigen Zeitpunkt auf ein gutes Niveau gebracht wurde.
Fazit zum VW ID.3 GTX Fire+Ice
Der VW ID.3 GTX Fire+Ice ist kein Auto für Menschen, die einfach nur von A nach B wollen und dabei möglichst wenig auffallen möchten. Dieses Sondermodell verfolgt eine klare Idee: mehr Charakter, mehr Präsenz, weniger Durchschnitt. Und genau das zieht sich konsequent durch – vom Design bis zum Fahrerlebnis.
Technisch steht er auf einem mittlerweile sehr soliden Fundament. Der Antrieb liefert mit 326 PS mehr als genug Leistung für Alltag und Spaß, der Heckantrieb bringt eine willkommene Dynamik ins Spiel und das Gesamtpaket wirkt deutlich ausgereifter als bei den frühen ID.3-Modellen. Auch beim Laden zeigt sich, dass Volkswagen inzwischen verstanden hat, worauf es ankommt: stabile Ladeleistungen, kurze Standzeiten und eine gute Alltagstauglichkeit.
Im täglichen Einsatz überzeugt der Fire+Ice mit einer angenehmen Bandbreite. Effizient, wenn man ihn lässt, überraschend schnell, wenn man es darauf anlegt. Die reale Reichweite bewegt sich auf einem soliden Niveau, ohne dabei unrealistische Erwartungen zu wecken. Gleichzeitig funktioniert die Technik endlich so, wie man es erwartet – ohne größere Kompromisse.
Der Preis bleibt der größte Diskussionspunkt. Rund 60.000 Euro für einen Kompaktwagen sind selbst im aktuellen Marktumfeld kein Selbstläufer. Allerdings relativiert sich das durch die umfangreiche Ausstattung und den vergleichsweise moderaten Aufpreis (+ 1.500 Euro) zur Performance-Basis.
Am Ende ist der ID.3 GTX Fire+Ice keine rationale Entscheidung, sondern eine bewusste. Wer maximale Vernunft sucht, findet günstigere Alternativen. Wer ein Elektroauto mit eigenständigem Auftritt, solider Technik und einer klaren Haltung will, bekommt hier ein Paket, das sich wohltuend vom Einheitsbrei absetzt.
Konkurrenzmodelle
Im direkten Umfeld zeigt sich schnell, wie anspruchsvoll die Position des VW ID.3 GTX Fire+Ice geworden ist. Leistung allein reicht längst nicht mehr, weil der Markt in diesem Segment brutal aufgeholt hat.
Der logischste Vergleich bleibt der Cupra Born VZ (Test des Cupra Born VZ). Ebenfalls 326 PS, ähnliche Technikbasis, aber ein ganz anderer Auftritt. Preislich startet er bei 46.990 Euro – also gut 10.000 Euro unter dem Fire+Ice. Der Unterschied? Weniger Inszenierung, mehr Fokus auf das reine Fahren. Oder anders gesagt: weniger Show, mehr „ich brauch das wirklich“.
Mit Blick auf neue Modelle wird es noch spannender. Der Kia EV3 startet bei 35.990 Euro, wirkt damit zunächst wie das Schnäppchen der Runde. Doch in der relevanten GT-Line mit 265 PS, großer 81,4-kWh-Batterie und Allrad stehen bereits 51.190 Euro auf dem Zettel. Und eine echte GT-Version ist bereits angekündigt – die dürfte dem GTX dann nicht nur preislich, sondern auch fahrdynamisch näher rücken.
Der größere Kia EV4 beginnt bei 37.590 Euro und liegt als GT-Line mit großer Batterie bei 49.440 Euro. Weniger Leistung, aber viel Raum und moderne Plattform. Ein klassischer Fall von „andere Stärken, ähnliches Budget“.
Beim Volvo EX30 wird es besonders interessant. Einstieg ab 34.990 Euro, aber die relevante Twin Motor Ultra-Version mit 315 kW (428 PS) kostet 51.890 Euro. Bedeutet: mehr Leistung, Allrad und ein moderner Ansatz – für weniger Geld als der Volkswagen. Allerdings gibts hier auch weniger Interieur. Denn weder ein Tacho noch ein Head-up-Display gibts hier – das hatten wir schon im Test des Volvo EX30 2026 kritisiert.
Und dann kommt noch der Smart #1 Brabus ins Spiel. 428 PS, Allrad, 0–100 km/h in 3,9 Sekunden – für 52.490 Euro. Klingt fast zu gut, hat aber seine Grenzen: kleinere Batterie (66 kWh) und maximal 150 kW Ladeleistung. Trotzdem zeigt er ziemlich deutlich, wie aggressiv der Markt inzwischen kalkuliert.
Richtig unangenehm wird es beim BYD Seal (Test des BYD Seal AWD). 530 PS, Allrad und voll ausgestattet ab 53.990 Euro. Mit Herstellerbonus landet man bei rund 43.490 Euro, mit maximaler Förderung sogar bei 38.590 Euro. Volkswagen hält mit bis zu 5.000 Euro ID. Kaufprämie dagegen. Was im direkten Vergleich eher nach höflichem Versuch als nach echter Kampfansage wirkt.
Der Fire+Ice steht damit mitten in einem Umfeld, das brutal auf Preis-Leistung optimiert ist. Seine Antwort darauf ist kein Dumping, sondern Charakter. Ob das reicht, entscheidet am Ende nicht die Excel-Tabelle, sondern der Geschmack.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D
























