Mazda 6e
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Mazda 6e EV Test – Der Japaner mit chinesischer Seele

Wer den Mazda6 kannte, wird den Mazda 6e EV zunächst für seinen Nachfolger halten. Schließlich handelt es sich erneut um eine Limousine der Mittelklasse, erneut trägt sie ein Mazda-Logo auf der Fronthaube und erneut soll sie Kunden ansprechen, die mit SUV-Einerlei wenig anfangen können. Doch schon nach wenigen Kilometern wird klar: Der Mazda 6e hat mit seinem Vorgänger deutlich weniger gemeinsam, als sein Name vermuten lässt. Statt klassischer Verbrennertechnik setzt er ausschließlich auf Elektroantrieb, statt auf die gewohnte Mazda-Architektur auf eine gemeinsam mit dem chinesischen Changan-Konzern entwickelte Plattform. Und statt möglichst viele Funktionen über Schalter und Drehregler zugänglich zu machen, wandern zahlreiche Einstellungen in einen 14,6 Zoll großen Zentralbildschirm.

Das klingt zunächst nach einem Kulturschock. Tatsächlich ist der Mazda 6e aber weit mehr als ein weiterer Versuch, irgendwie in der Elektrowelt Fuß zu fassen. Die Japaner haben es geschafft, erstaunlich viele ihrer bekannten Tugenden zu konservieren. Die Lenkung liefert Feedback, das Fahrwerk verbindet Komfort mit Agilität und der stets heckgetriebene Stromer vermittelt mehr Fahrfreude als viele Wettbewerber. Gleichzeitig zeigt der Mazda 6e aber auch, dass die Zusammenarbeit mit Changan nicht nur Vorteile mit sich bringt. Die Bedienung wirkt stellenweise unnötig kompliziert, einige Assistenzsysteme schießen über das Ziel hinaus und die Ladeperformance gehört nicht zu den Klassenbesten.

Genau deshalb ist der Mazda 6e eines der spannendsten Elektroautos des Jahres. Er versucht nicht, ein Tesla-Klon zu sein, kopiert nicht blind die Strategien anderer Hersteller und wirkt trotz seiner chinesischen Gene in vielen Bereichen unverkennbar wie ein Mazda. Im Test klären wir, wie gut diese ungewöhnliche Mischung im Alltag funktioniert, für wen sich die EV-Version tatsächlich lohnt und warum der Mazda 6e vielleicht der ungewöhnlichste Mazda der vergangenen Jahre geworden ist. Fahrbericht.


Der Look

Es gibt Autos, die fallen auf, weil sie laut sind. Der Mazda 6e gehört nicht dazu. Er zieht Blicke vielmehr durch seine Proportionen auf sich. Mit knapp 4,92 Metern Länge, einer flachen Dachlinie und kurzen Überhängen wirkt die elektrische Limousine gestreckt, elegant und erstaunlich dynamisch. Besonders in der Testwagenfarbe Melting Copper entfaltet das Design seine volle Wirkung. Je nach Lichteinfall changiert der Lack zwischen Kupfer, Bronze und einem warmen Orangeton. Wer es dezenter mag, findet mit Machine Grey oder Deep Crystal Blue ebenfalls interessante Alternativen. Die meisten Passanten dürften jedoch genau bei dieser Lackierung ein zweites Mal hinschauen.

Mazda selbst spricht seit Jahren von seiner Kodo-Designphilosophie. Beim 6e wirkt diese allerdings weniger wie eine Fortsetzung und eher wie eine Weiterentwicklung. Die Linien fallen glatter aus, die Flächen wirken reduzierter und insgesamt erinnert die Silhouette stellenweise eher an eine moderne Designstudie als an eine klassische Mittelklasse-Limousine. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die rahmenlosen Türen, die dem Japaner eine fast schon coupéhafte Erscheinung verleihen.

Besonders gelungen ist das Heck. Dort treffen die typischen vier Mazda-Leuchtelemente auf eine moderne Lichtsignatur mit doppelter LED-Leiste, von der eine durchgehend ausgeführt ist. Das wirkt eigenständig, hochwertig und sorgt auch nachts für einen hohen Wiedererkennungswert. Weniger begeistert zeigte sich die Redaktion vom ausfahrbaren Heckspoiler. Technisch mag das Bauteil seine Berechtigung haben, optisch wirkt es allerdings ein wenig so, als hätte kurz vor Feierabend noch jemand beschlossen, dass die Designabteilung unbedingt einen Spoiler unterbringen müsse. Sämtliche Redaktionsmitglieder waren sich jedenfalls erstaunlich einig: Ohne sieht der Mazda 6e schlicht besser aus.

Spannend sind auch die kleinen Details. In den Außenspiegeln sitzen Kameras, die beispielsweise in Baustellen den Abstand zu Leitplanken oder benachbarten Fahrzeugen erstaunlich präzise visualisieren. Solche Lösungen zeigen, dass Mazda und Changan beim 6e bewusst neue Wege gehen wollten. Das Ergebnis polarisiert zwar stellenweise, langweilig ist die elektrische Limousine aber definitiv nicht.


Und innen?

Wer nach dem Einsteigen einen typischen Mazda-Innenraum erwartet, erlebt zunächst einen kleinen Kulturschock. Nicht weil der Mazda 6e EV billig wirken würde. Ganz im Gegenteil. Die Materialqualität bewegt sich auf erstaunlich hohem Niveau und liegt teilweise sogar über dem, was man in dieser Preisklasse erwarten würde. Vielmehr ist es die Art, wie dieser Innenraum gedacht wurde. Statt klassischer Mazda-Logik mit Drehreglern, Tasten und einem klar strukturierten Bedienkonzept dominiert hier die moderne Bildschirmwelt.

Dabei beginnt alles ausgesprochen vielversprechend. Das hellbraune Interieur des Takumi Plus wirkt hochwertig, freundlich und angenehm exklusiv. Teil-Nappaleder trifft auf Veloursleder-Nachbildung, die Verarbeitung gibt sich keinerlei Blöße und selbst bei genauerer Betrachtung fanden sich kaum Kritikpunkte. Besonders gelungen sind die Sitze. Sie sehen nicht nur hochwertig aus, sondern besitzen rund um die integrierten Kopfstützen aufwendig gestaltete Designelemente mit Metallrahmen und Ambientebeleuchtung. Zusammen mit dem zweifarbigen Lenkrad in Schwarz und Hellbraun entsteht ein Ambiente, das deutlich teurer wirkt als es der Kaufpreis vermuten lässt.

Überhaupt hat Mazda beim Thema Atmosphäre überraschend tief in die Trickkiste gegriffen. Die Ambientebeleuchtung bietet 64 Farben und ist dabei alles andere als zurückhaltend. Während manche Mazda-Modelle ihre Lichtinszenierung bislang ungefähr so offensiv präsentierten wie ein Secret-Service-Agent auf einem Staatsbesuch, darf der 6e seine moderne Seite durchaus zeigen. Zusammen mit dem dunklen Dachhimmel, dem großen Panorama-Glasdach und den hochwertigen Materialien entsteht ein Innenraum, in dem man gerne Zeit verbringt.

Weniger überzeugend ist dagegen die Bedienung. Hier zeigt sich der Einfluss des Changan-Konzerns besonders deutlich. Zahlreiche Funktionen wandern in den 14,6 Zoll großen Zentralbildschirm, darunter ausgerechnet Dinge wie die Außenbeleuchtung oder bestimmte Scheibenwischer-Einstellungen. Warum man ausgerechnet solche Funktionen in Untermenüs versteckt hat, dürfte eines der größeren Rätsel dieses Fahrzeugs bleiben. Immerhin: Das Infotainment arbeitet insgesamt zuverlässig, Wireless Apple CarPlay und Android Auto funktionieren problemlos und nachdem man sich einige Tage durch die Menüs getoucht hat, findet man die meisten Funktionen auch wieder. Nach einigen Tagen Eingewöhnung funktioniert die Bedienung problemlos. Die eigentliche Herausforderung besteht eher darin, zu verstehen, warum manche Funktionen überhaupt erst auf eine digitale Schnitzeljagd geschickt wurden.


Der Antrieb des Mazda 6e

Der Mazda 6e EV ist eines dieser Autos, bei denen die technischen Daten nur einen Teil der Geschichte erzählen. 258 PS, 320 Newtonmeter Drehmoment und Heckantrieb lesen sich auf dem Papier durchaus ordentlich, wirken in Zeiten von 500-PS-Elektroautos aber fast schon zurückhaltend. Im Alltag zeigt sich jedoch schnell, dass Mazda hier offenbar nicht dem Leistungswettrüsten folgen wollte. Und das ist vielleicht sogar die richtige Entscheidung.

Die Leistung reicht vollkommen aus. Mehr noch: Sie wirkt erstaunlich passend zum Charakter des Fahrzeugs. Der Sprint auf Tempo 100 gelingt in 7,6 Sekunden, doch viel wichtiger ist die Art und Weise, wie der 6e seine Kraft auf die Hinterräder bringt. Das Ansprechverhalten fällt spontan aus, Überholmanöver werden souverän erledigt und selbst auf der Autobahn entsteht nie das Gefühl, untermotorisiert unterwegs zu sein. Wer ehrlich zu sich selbst ist, wird feststellen, dass die gebotenen 258 PS für nahezu jede Alltagssituation mehr als ausreichend sind. Weniger zeitgemäß erscheint die Begrenzung auf 175 km/h. Während zahlreiche Wettbewerber mittlerweile problemlos 180, 190 oder sogar über 200 km/h erreichen, zieht Mazda vergleichsweise früh den Stecker. Im Alltag fällt das selten ins Gewicht, auf längeren Autobahnetappen hätten wir uns dennoch etwas mehr Luft nach oben gewünscht.

Noch interessanter wird es allerdings auf kurvigen Landstraßen. Hier zeigt der Mazda 6e überraschend viele Gene seiner Marke. Die Lenkung liefert spürbares Feedback, spricht präzise an und animiert dazu, die nächste Kurve vielleicht doch etwas engagierter anzufahren als ursprünglich geplant. Gleichzeitig bleibt das Fahrwerk angenehm komfortabel und filtert Unebenheiten souverän heraus. Die legendäre Jinba-Ittai-Harmonie früherer Verbrenner-Mazdas erreicht der Stromer zwar nicht ganz, doch näher dran als viele andere Elektroautos seiner Klasse.

Besonders beeindruckend ist die Geräuschkulisse. Vom Elektromotor hört man praktisch nichts, Wind- und Abrollgeräusche bleiben selbst bei höheren Geschwindigkeiten erstaunlich zurückhaltend. Das sorgt nicht nur für Komfort, sondern lässt den Mazda 6e insgesamt erwachsener wirken. Er fährt nicht wie ein technisches Experiment, sondern wie ein fertig entwickeltes Automobil. Das mag selbstverständlich klingen, ist in der Welt moderner Elektroautos aber längst keine Selbstverständlichkeit mehr.


Alltag & Verbrauch

Wer Elektroautos ausschließlich nach WLTP-Reichweiten bewertet, dürfte beim Mazda 6e EV zunächst zufrieden nicken. Die getestete EV-Version verspricht bis zu 479 Kilometer Reichweite, die Long-Range-Variante sogar bis zu 552 Kilometer. Wie so oft entscheidet am Ende allerdings nicht das Datenblatt über die Alltagstauglichkeit, sondern die Realität.

Und genau dort schlägt sich der Mazda überraschend ordentlich. Während des Testzeitraums lag der Durchschnittsverbrauch bei 19,5 kWh pro 100 Kilometer. Wer überwiegend entspannt unterwegs ist, kann den Wert problemlos in Richtung 14 kWh drücken. Wer hingegen die linke Spur deutscher Autobahnen als persönliches Wohnzimmer betrachtet, wird auch Verbräuche jenseits der 30-kWh-Marke sehen. Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen.

Im Alltag erwies sich eine realistische Reichweite zwischen 300 und 320 Kilometern als gut erreichbar. Das liegt erfreulich nah an den Prognosen des Fahrzeugs selbst. Mazda bietet dabei die Möglichkeit, entweder die WLTP-Reichweite oder eine dynamisch berechnete Reichweitenanzeige einzublenden. Unsere Empfehlung fällt eindeutig zugunsten der zweiten Variante aus. Sie mag gelegentlich weniger schmeichelhaft sein, erzählt dafür aber deutlich weniger Märchen.

Auch abseits von Verbrauch und Reichweite sammelt der 6e Pluspunkte. Der Innenraum bietet vorne ausgezeichneten Komfort und auch auf der Rückbank sitzt man angenehm. Die Beinfreiheit fällt großzügig aus, lediglich die Kopffreiheit wird durch die elegante Dachlinie begrenzt. Erwachsene jenseits der 1,80 Meter sollten vor dem Kauf deshalb besser einmal Probe sitzen, sofern sie nicht ohnehin vorhaben, stets vorne Platz zu nehmen.

Praktisch zeigt sich die elektrische Limousine ebenfalls. Der Kofferraum fällt mit 466 Litern zwar nicht rekordverdächtig groß aus, bietet aber eine gut nutzbare Form. Durch Umklappen der Rücksitzlehnen werden bis zu 1.074 Liter frei. Hinzu kommt ein 72 Liter großer Frunk unter der Fronthaube, der problemlos Ladekabel, kleinere Taschen oder einen Weekender aufnimmt. Wärmepumpe, Luftreinigungssystem, kabelloses Smartphone-Laden inklusive Kühlfunktion sowie zahlreiche USB-Anschlüsse runden den Alltagseindruck sinnvoll ab. Nur der einzelne USB-C-Anschluss in der zweiten Reihe dürfte Familien mit mehreren technikaffinen Kindern gelegentlich vor diplomatische Herausforderungen stellen.


Laden & Reichweite

Beim Thema Laden zeigt der Mazda 6e EV Licht und Schatten. Die getestete EV-Version besitzt eine 68,8-kWh-Batterie und soll laut Hersteller mit bis zu 165 kW Gleichstrom laden. Im Test erreichte das Fahrzeug nach aktivierter Batterievorkonditionierung maximal 154 kW. Das klingt zunächst nach einem ordentlichen Ergebnis und ist es grundsätzlich auch. Das eigentliche Thema liegt allerdings nicht beim Peakwert, sondern bei der Ladekurve.

Denn die maximale Leistung steht nur vergleichsweise kurz zur Verfügung. Anschließend fällt die Ladeleistung spürbar ab. In der Praxis bedeutet das: Der Mazda 6e lädt keineswegs langsam, gehört aber auch nicht zu den Spitzenreitern seiner Klasse. Von 35 auf 83 Prozent vergingen 24 Minuten, von 43 auf 80 Prozent lediglich 14 Minuten. Die vollständige Ladung von 10 auf 100 Prozent war nach 38 Minuten abgeschlossen. Für den Alltag reicht das vollkommen aus, auf der Langstrecke existieren inzwischen jedoch Wettbewerber mit größerer Ausdauer an der Schnellladesäule.

Im Mazda 6e Test erwies sich die Batterievorkonditionierung als entscheidender Faktor für eine möglichst hohe Ladeleistung.Wer diese nicht rechtzeitig aktiviert, wird die maximale Ladeleistung kaum erreichen. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal des Mazda 6e, sollte vor längeren Reisen aber unbedingt berücksichtigt werden.


Mazda 6e EV oder Mazda 6e Long Range?

Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach. Die Long-Range-Version bietet einen größeren Akku mit 80 kWh Kapazität und verspricht bis zu 552 Kilometer WLTP-Reichweite. Die getestete EV-Version muss sich mit 68,8 kWh und 479 Kilometern begnügen.

Bei genauerem Hinsehen wird die Sache allerdings deutlich spannender. Denn während die EV-Version mit bis zu 165 kW laden kann, muss sich die Long-Range-Variante mit maximal 90 kW zufriedengeben. Dadurch verlängern sich die Ladestopps spürbar. Für ein modernes Elektroauto des Jahres 2026 ist das nur schwer zu ignorieren.

Genau deshalb würden wir aktuell eher zur kleineren EV-Version greifen. Sie bietet das ausgewogenere Gesamtpaket aus Preis, Ladeleistung und Alltagstauglichkeit. Die Long-Range-Variante empfiehlt sich vor allem für Fahrer, die möglichst selten laden möchten und längere Ladepausen dafür bewusst in Kauf nehmen.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Beim Blick auf die Ausstattungsliste wird schnell klar, dass Mazda den 6e nicht als Sparmodell positionieren möchte. Die getestete Takumi-Plus-Version bringt eine Ausstattung mit, für die man bei einigen Wettbewerbern zunächst den Konfigurator und anschließend den Taschenrechner bemühen muss. Das beginnt beim großen Panorama-Glasdach mit elektrischem Sonnenrollo, reicht über Sitzheizung, Sitzbelüftung und Lenkradheizung bis hin zu einem umfangreichen Infotainment- und Assistenzpaket.

Besonders positiv fiel dabei die Darstellung von Informationen auf. Während manche Hersteller inzwischen sämtliche Inhalte auf einen einzigen Bildschirm werfen und anschließend auf die Anpassungsfähigkeit ihrer Kunden vertrauen, geht Mazda erfreulicherweise einen anderen Weg. Neben dem 14,6 Zoll großen Zentraldisplay verfügt der 6e über ein eigenes 10,2-Zoll-Kombiinstrument sowie ein Head-up-Display. Das sorgt für Übersichtlichkeit und reduziert unnötige Ablenkungen während der Fahrt. Das HUD erwies sich im Test zudem als äußerst gelungen und entwickelte sich schnell zu einem jener Ausstattungsdetails, die man nach wenigen Tagen nicht mehr missen möchte.

Ebenfalls überzeugen konnten die Smartphone-Integration per Wireless Apple CarPlay und Android Auto, die induktive Ladeschale mit Kühlfunktion sowie die zahlreichen Konnektivitätsmöglichkeiten. USB-C, USB-A und sogar ein klassischer 12-Volt-Anschluss zeigen, dass Mazda trotz aller Digitalisierung nicht vergessen hat, wie Menschen ihre Geräte tatsächlich nutzen. OTA-Updates, App-Steuerung und intelligente Fahrzeugmodi runden den modernen Eindruck sinnvoll ab.

Beim Soundsystem setzt Mazda erstmals auf Sony statt auf Bose. Das Ergebnis fällt gut aus, wenn auch etwas anders als bisher gewohnt. Der Klang wirkt ausgewogen, sauber und angenehm räumlich, verzichtet jedoch auf die teilweise sehr bassbetonte Abstimmung früherer Bose-Anlagen. Von Klassik über Rock bis hin zu elektronischer Musik liefert das System eine überzeugende Vorstellung ab. Weniger überzeugend präsentierte sich dagegen der DAB-Empfang. Entweder stellt das System außergewöhnlich hohe Ansprüche an die Empfangsqualität oder deutsche Radiosender führen mittlerweile ein geheimes Eigenleben. Streaming erwies sich jedenfalls häufig als die stressfreiere Lösung.

Auch die Assistenzsysteme hinterließen einen gemischten Eindruck. Grundsätzlich funktioniert die umfangreiche Sicherheitsausstattung zuverlässig, gelegentlich neigen einzelne Systeme jedoch zu überdurchschnittlichem Engagement. Der Spurhalteassistent entdeckt mitunter Fahrspuren, die außerhalb seiner digitalen Vorstellungskraft gar nicht existieren dürften. Ähnliches gilt für den adaptiven Tempomaten, dessen Geschwindigkeitsübernahme nicht immer nachvollziehbar arbeitet. Das stellt kein ernsthaftes Sicherheitsproblem dar, zeigt aber, dass die Software noch etwas Feinarbeit vertragen könnte. Die Hardware liefert bereits Oberklasse-Niveau. Die Software ist stellenweise noch auf dem Weg dorthin.


Varianten & Preise des Mazda 6e

Mazda hält das Angebot des 6e erfreulich übersichtlich. Statt einer kaum noch überschaubaren Zahl von Motorisierungen, Akkugrößen und Ausstattungslinien besteht die Baureihe im Wesentlichen aus zwei Antriebsvarianten und zwei Ausstattungslinien. Das erleichtert die Konfiguration erheblich und verhindert, dass man nach drei Stunden im Online-Konfigurator plötzlich nicht mehr weiß, welches Fahrzeug man ursprünglich kaufen wollte.

Den Einstieg bildet der Mazda 6e EV Takumi für 44.900 Euro. Darüber rangiert der Mazda 6e EV Takumi Plus für 46.900 Euro. Wer mehr Reichweite bevorzugt, kann zur Long-Range-Version greifen. Diese startet als Takumi bei 46.500 Euro und als Takumi Plus bei 48.500 Euro.

Bereits die Takumi-Ausstattung fällt umfangreich aus. Wirklich interessant wird der Mazda 6e jedoch als Takumi Plus. Hier gehören unter anderem das große Panorama-Glasdach mit elektrischem Sonnenrollo – bei der Takumi-Variante fehlt ebendieses Rollo, die besonders hochwertige Innenausstattung, zusätzliche Komfortmerkmale sowie die nochmals exklusivere Anmutung zum Gesamtpaket. Gerade beim Glasdach lohnt sich der Aufpreis. Ohne das elektrische Sonnenrollo könnte der Sommerbetrieb je nach Außentemperatur nämlich schnell zur freiwilligen Teilnahme an einem Wärmespeicher-Experiment werden.

Auch bei den Lackierungen bietet Mazda mehrere interessante Optionen. Crystal White Pearl ist ohne Aufpreis erhältlich. Für die meisten Metallic-Lackierungen werden 850 Euro fällig. Machine Grey und Polymetal Grey kosten jeweils 1.050 Euro. Die teuerste Variante bleibt das markentypische Soul Red Crystal für 1.200 Euro. Unser Testwagen trat in Melting Copper an, das ebenfalls 850 Euro kostet und zu den spannendsten Farben im aktuellen Mazda-Programm zählt. Je nach Licht wirkt die Limousine mal elegant, mal auffällig und gelegentlich sogar ein wenig wie eine rollende Designstudie.

Die eigentliche Kaufentscheidung fällt aus unserer Sicht jedoch nicht zwischen den Ausstattungslinien, sondern zwischen EV und Long Range. Trotz des kleineren Akkus würden wir aktuell zur regulären EV-Version greifen. Die höhere Ladeleistung, das stimmige Preis-Leistungs-Verhältnis und die im Alltag vollkommen ausreichende Reichweite ergeben das rundere Gesamtpaket. Unsere Empfehlung lautet daher klar: Mazda 6e EV Takumi Plus. Genau hier bietet die elektrische Mittelklasse-Limousine die überzeugendste Mischung aus Komfort, Ausstattung und Alltagstauglichkeit.


Kundenfeedback

Beim Kundenfeedback zum Mazda 6e EV ist derzeit Zurückhaltung angebracht. Während es zu etablierten Elektroautos wie Tesla Model 3, Hyundai Ioniq 6 oder Polestar 2 längst zahlreiche Besitzerberichte gibt, steht der Mazda 6e in Europa noch am Anfang seiner Laufbahn. Entsprechend dünn fällt die belastbare Datenlage echter Owner-Meinungen aktuell aus. Wer hier schon von typischen Langzeiterfahrungen spricht, müsste vermutlich auch Kaffeesatz als belastbare Marktanalyse verkaufen.

Erste Rückmeldungen von Interessenten, frühen Fahrern und internationalen Diskussionen zeigen dennoch eine klare Richtung. Besonders stark wahrgenommen werden das Design, die hochwertige Innenraumgestaltung und der ungewöhnliche Charakter des Fahrzeugs. Der Mazda 6e wirkt nicht wie der nächste generische Elektro-Stromer, sondern wie ein Modell, das bewusst zwischen japanischer Markenidentität und chinesischer Elektro-Plattform vermittelt. Genau das macht ihn interessant.

Kritischer wird vor allem über die Bedienung, die starke Touchscreen-Orientierung und die Ladeeigenschaften diskutiert. Gerade frühere Mazda-Fahrer dürften sich umstellen müssen. Der alte Dreh-Drück-Regler ist weg, viele Funktionen sitzen im Zentraldisplay und manche Menüstruktur wirkt, als hätte jemand Digitalmoderne mit einem leichten Hang zur Versteckspielpädagogik verwechselt.

Ein endgültiges Owner-Urteil lässt sich daraus aber noch nicht ableiten. Dafür braucht es mehr Fahrzeuge auf europäischen Straßen, mehr Kilometer im Alltag und mehr Erfahrungen über mehrere Jahreszeiten hinweg. Bis dahin bleibt festzuhalten: Der Mazda 6e startet mit viel Aufmerksamkeit, starken ersten Eindrücken und einigen klar erkennbaren Kritikpunkten. Ob daraus langfristig echte Kundenzufriedenheit entsteht, wird erst die nächste Erfahrungswelle zeigen.


Fazit zum Mazda 6e

Der Mazda 6e EV fühlt sich an wie ein Auto zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite stehen die klassischen Mazda-Tugenden: gutes Fahrverhalten, hochwertige Materialien und ein spürbarer Fokus auf den Fahrer. Auf der anderen Seite stehen Touchscreens, Software-Menüs und die technische Basis aus der Zusammenarbeit mit Changan. Erstaunlicherweise funktioniert diese Mischung besser, als man zunächst vermuten würde.

Denn trotz seiner chinesischen Gene fährt sich der 6e in vielen Situationen unverkennbar wie ein Mazda. Die Lenkung liefert Feedback, das Fahrwerk verbindet Komfort mit Agilität und die Geräuschdämmung erreicht ein Niveau, das selbst deutlich teureren Fahrzeugen gut zu Gesicht stehen würde. Hinzu kommen ein hochwertig verarbeiteter Innenraum, eine umfangreiche Ausstattung und ein Design, das sich wohltuend vom mittlerweile allgegenwärtigen SUV-Einerlei absetzt.

Ganz ohne Kritik kommt der Japaner allerdings nicht davon. Die Bedienung verlangt eine gewisse Eingewöhnung, einige Assistenzsysteme zeigen gelegentlich mehr Eigeninitiative als notwendig und die Ladeperformance gehört nicht zur Spitzengruppe des Segments. Besonders die Long-Range-Version verschenkt mit ihrer vergleichsweise niedrigen Ladeleistung Potenzial, das sie auf dem Papier eigentlich besitzen müsste. Auch die auf 175 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit wirkt im direkten Wettbewerbsvergleich nicht mehr ganz zeitgemäß. Wir hoffen, dass dies bei künftigen Elektrofahrzeugen von Mazda verbessert wird.

Dennoch hinterlässt der Mazda 6e einen positiven Gesamteindruck. Er versucht nicht, ein Tesla Model 3 zu kopieren, verzichtet auf übertriebene digitale Effekthascherei und bleibt in vielen Bereichen seiner eigenen Philosophie treu. Genau das macht ihn interessant. Der Mazda 6e Test zeigt, dass die Marke den Übergang in die Elektromobilität deutlich besser gemeistert hat, als es der MX-30 einst vermuten ließ. Noch fehlt an einigen Stellen Feinschliff, das Fundament stimmt jedoch bereits heute.

Wer eine stilvolle Elektro-Limousine mit Charakter sucht und nicht jedem Trend blind folgen möchte, sollte den Mazda 6e unbedingt auf die persönliche Probefahrtliste setzen. Unsere Empfehlung gilt der EV-Version in der Takumi-Plus-Ausstattung. Hier überzeugen Reichweite, Ladeleistung, Ausstattung und Preis-Leistungs-Verhältnis am stärksten.


Konkurrenz & Vergleich

Der Markt elektrischer Limousinen wächst kontinuierlich, auch wenn SUVs weiterhin den Ton angeben. Für den Mazda 6e bedeutet das Konkurrenz aus nahezu allen Richtungen. Besonders interessant ist dabei, dass viele seiner direkten Wettbewerber völlig unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Am unteren Ende des Preisgefüges wartet das Tesla Model 3, das bereits ab 36.990 Euro erhältlich ist. Es bietet eine hohe Effizienz, ein engmaschiges Ladenetzwerk und eine mittlerweile ausgereifte Software. Gleichzeitig setzt Tesla konsequenter als fast jeder andere Hersteller auf Touchscreen-Bedienung. Wer sich bereits über die Menüstruktur des Mazda 6e gelegentlich wundert, dürfte beim Model 3 erst recht auf Entdeckungsreise gehen.

Ebenfalls attraktiv positioniert sich der BYD Seal (Test des BYD Seal AWD). Regulär startet die elektrische Limousine bei 47.990 Euro, durch aktuelle Herstelleraktionen sogar bereits ab 37.990 Euro. Der Chinese überzeugt mit viel Ausstattung, großzügigem Raumangebot und einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis. Beim Design und beim Fahrgefühl wirkt der Mazda allerdings individueller und fahrerorientierter.

Der neue Kia EV4 Fastback beginnt bei 41.490 Euro und verfolgt einen ähnlich modernen Ansatz. Dazu kommt der Hyundai Ioniq 6 ab 45.550 Euro, der insbesondere bei Effizienz und Ladeleistung zu den stärkeren Vertretern der Klasse zählt. Beide Koreaner präsentieren sich technisch ausgereift, erreichen jedoch nicht ganz die hochwertige Innenraumatmosphäre des Mazda.

Eine Klasse höher positioniert sich der Volkswagen ID.7 (Test des VW ID.7 Pro S). Mit einem Einstiegspreis von 54.505 Euro bietet er mehr Platz, höhere Reichweiten und einen ausgeprägten Langstreckencharakter. Dafür fällt der finanzielle Abstand zum Mazda 6e durchaus spürbar aus.

Spannend wird es außerdem bei den Premium-orientierten Alternativen. Der Polestar 2 startet bei 57.690 Euro, der deutlich größere Polestar 4 bei 61.900 Euro. Beide überzeugen mit Design, Verarbeitung und Fahrleistungen, verlangen dafür jedoch einen erheblichen Aufpreis. Ähnlich verhält es sich mit dem neuen XPeng P7+, der ab 46.600 Euro antritt und technologisch besonders ambitioniert wirkt.

Genau hier findet der Mazda 6e seine eigene Nische. Er ist günstiger als viele Premium-Konkurrenten, hochwertiger als manche Preisbrecher und fahraktiver als zahlreiche Elektro-Limousinen seiner Klasse. Wer weder den Tesla-Weg noch den klassischen Volkswagen-Ansatz gehen möchte, findet im Mazda 6e eine ungewöhnliche, aber durchaus überzeugende Alternative.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D



Technische Daten des Mazda 6e EV

ModellMazda 6e EV Takumi Plus
Länge x Breite x Höhe (m)4,92 x 1,89 x 1,49
Radstand (mm)2.895
MotorWechselstrom-Synchronmotor
Batteriekapazität (kWh)68,8 (brutto) / 66,0 (netto)
Leistung (kW / PS)190 / 258
Drehmoment (Nm)320
Getriebe1-Gang-Getriebe
AntriebHeck
KraftstoffartStrom
Durchschnittsverbrauch (WLTP in kWh/100 km)16,6
Durchschnittsverbrauch (NEU! in kWh/100 km)19,5
CO²-Ausstoß (nach WLTP in g/km)0
Ladeleistung (kW)165
0 auf 100 km/h (in Sekunden)7,6
Höchstgeschwindigkeit (km/h)175
Leergewicht (kg)2.037
Kofferraumvolumen (l)466 – 1.074 + 72 (Frunk)
FarbeMelting Copper (Metallic)
Grundpreis (Euro)44.900
Testwagenpreis (Euro)47.750
Technische Daten: Mazda 6e EV


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