Leapmotor B05
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Leapmotor B05 Test – Elektrische Kompaktklasse aus China

Der Leapmotor B05 hat keinen leichten Stand. Er tritt in einer Klasse an, in der sich Größen wie der VW ID.3, Cupra Born oder Kia EV3 längst etabliert haben und in der neue Herausforderer beweisen müssen, dass sie mehr können als nur mit einem attraktiven Preis zu locken. Genau das möchte der vollelektrische Chinese allerdings. Mit Heckantrieb, bis zu 218 PS, einer umfangreichen Serienausstattung und einem Einstiegspreis ab 27.990 Euro soll er zeigen, dass moderne Elektromobilität nicht zwangsläufig 40.000 Euro oder mehr kosten muss.

Doch Datenblätter gewinnen bekanntlich keine Vergleichstests. Entscheidend ist vielmehr, wie sich ein Auto im Alltag anfühlt. Fährt der B05 wirklich so souverän, wie es die technischen Eckdaten vermuten lassen? Kann er bei Komfort, Qualität und Effizienz mit den etablierten Wettbewerbern mithalten? Und wie gut funktioniert die konsequent digitalisierte Bedienung, wenn man sie nicht auf dem Messestand, sondern im täglichen Straßenverkehr nutzt?

Genau diesen Fragen gehen wir in unserem ersten ausführlichen Test nach. Dabei zeigt sich schnell: Der Leapmotor B05 macht vieles erstaunlich richtig, erlaubt sich aber auch Eigenheiten, die nicht jedem gefallen dürften. Manche davon lassen sich möglicherweise schon mit einem Softwareupdate beheben. Andere wirken dagegen wie bewusste Entscheidungen der Entwickler. Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen. Fest steht jedoch: Wer den B05 vorschnell als günstige Alternative abstempelt, macht es sich zu einfach. Doch der Reihe nach. Fahrbericht.


Der Look

Schon auf den ersten Blick wird klar: Der Leapmotor B05 möchte nicht einfach nur der nächste Elektro-Kompakte sein. Viele Hersteller versehen ihre Stromer inzwischen mit möglichst vielen Kanten, Leuchtbändern und futuristischen Details Der Chinese beleibt derweil angenehm zurückhaltend. Die Front wirkt flach und modern, die schmalen LED-Scheinwerfer verleihen ihm einen wachen Blick und die bündig integrierten Türgriffe gehören inzwischen zwar fast zum guten Ton der Elektromobilität, fügen sich hier aber harmonisch ins Gesamtbild ein.

Besonders gelungen sind die Proportionen. Mit 4,43 Metern Länge, kurzen Überhängen und einem Radstand von 2,74 Metern steht der B05 satt auf der Straße, ohne dabei unnötig wuchtig zu wirken. Das Heck mit dem durchgehenden Leuchtenband fügt sich stimmig ins Gesamtbild ein und verzichtet auf übertriebene Showeffekte. Man hat fast den Eindruck, dass die Designer an einigen Stellen bewusst den Radiergummi benutzt haben. Und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint.

Ein echtes Highlight ist allerdings die Außenfarbe Lightning Yellow. Während viele Hersteller ihre Pressefahrzeuge inzwischen bevorzugt in fünfzig Schattierungen von Grau präsentieren, entscheidet sich Leapmotor für ein kräftiges Gelb und verlangt dafür keinen Cent Aufpreis. Die 650 Euro teuren Alternativen Windy Grey oder Metallic Black wirken zwar zeitloser und dürften beim Wiederverkauf die vernünftigere Wahl sein. Wer jedoch auffallen möchte, dürfte mit dem Gelb genau ins Schwarze treffen. Oder besser gesagt: ins Gelbe.

Überhaupt wirkt der B05 deutlich jünger als seine größeren Markengeschwister B10 (Erster Test des Leapmotor B10) und C10 (Test des Leapmotor C10 REEV). Während diese eher den vernünftigen Familienmenschen geben, erscheint der B05 wie das Geschwisterkind, das spontan einen Wochenendtrip plant, dabei erstaunlich stilvoll aussieht und trotzdem behauptet, für das Hotel „bestimmt noch einen Gutschein“ zu haben. Ganz glaubt man ihm das zwar nicht, sympathisch ist er trotzdem.

Dass dabei auf unnötige Designspielereien verzichtet wurde, gefällt ebenfalls. Der B05 muss niemandem beweisen, dass er elektrisch fährt. Er trägt sein Antriebskonzept nicht wie ein Leuchtschild vor sich her, sondern setzt auf ein stimmiges Gesamtbild. Genau diese Zurückhaltung macht ihn letztlich moderner als so manches Fahrzeug, das mit aller Macht futuristisch wirken möchte.


Und innen?

Beim Einsteigen setzt sich der erste positive Eindruck zunächst fort. Das Interieur wirkt aufgeräumt, modern und hochwertiger, als es der Preis von 31.990 Euro zunächst vermuten lässt. Unser Testwagen in der Ausstattung Design kombiniert helle Sitze mit dunklen Kontrasten und schafft so eine angenehme Atmosphäre, die sich wohltuend von den inzwischen fast obligatorischen schwarzen Höhlen vieler Wettbewerber abhebt. Die kleine Ambientebeleuchtung setzt am Abend dezente Akzente, ohne gleich den Eindruck zu vermitteln, dass im Fußraum in wenigen Minuten die nächste Lasershow beginnt.

Die Sitze selbst überzeugen mit ordentlichem Langstreckenkomfort. Sie bieten ausreichend Seitenhalt und lassen sich elektrisch verstellen. An die Ergonomie eines AGR-Sitzes aus dem Opel Astra oder der ergoActive-Sitze aus dem Volkswagen ID.3 (Test des VW ID.3 Facelift) reichen sie allerdings nicht ganz heran. Das wäre bei diesem Preis allerdings auch eine kleine Sensation.

Interessant ist das verwendete Kunstleder. Leapmotor setzt hier auf ein synthetisches Material, das sich ähnlich anfühlt wie das bereits aus dem C10 bekannte Silikonleder. Es wirkt robust, hochwertig und dürfte im Alltag pflegeleicht sein. Gleichzeitig fühlt es sich eben nicht wie klassisches Leder an. Das muss man mögen, nach kurzer Eingewöhnung fällt es allerdings kaum noch auf. Als „haptischer Mensch“ – wie der Autor einer ist – fällt es allerdings doch ab und zu wieder auf.

Das Platzangebot fällt ordentlich aus. Dank der Elektroplattform entfällt der Kardantunnel, wodurch insbesondere im Fond ein angenehm luftiges Raumgefühl entsteht. Vier Erwachsene finden problemlos Platz, auch wenn der B05 eher für Singles oder junge Paare konzipiert wurde als für den klassischen Familienurlaub mit Dachbox, Kinderwagen und dem halben Hausstand im Gepäck.

Genau das zeigt auch der Blick in den Kofferraum. Mit 295 Litern bewegt sich der B05 eher auf Polo- als auf Golf-Niveau. Für den Wocheneinkauf, zwei Reisetaschen oder den spontanen Wochenendtrip reicht das völlig aus. Wer allerdings zu viert zwei Wochen an die Ostsee fahren möchte, sollte entweder sehr minimalistisch packen oder den besten Tetris-Spieler der Familie mitnehmen. Hinzu kommt, dass beim Umklappen der Rücksitzlehnen keine vollständig ebene Ladefläche entsteht. Das schmälert den Nutzwert zusätzlich. Im Auto übernachten? Möglich ist vieles. Spaß machen dürfte es hier allerdings nicht.

Weniger gelungen präsentiert sich dagegen die Bedienung. Leapmotor verlagert nahezu sämtliche Fahrzeugfunktionen auf den großen Zentralbildschirm. Klima, Spiegelverstellung, Sitzheizung oder Licht, fast alles läuft über Menüs. Das System selbst arbeitet erfreulich schnell und die Sprachsteuerung erledigt einfache Befehle zuverlässig. Dennoch zeigt sich hier ein Trend, von dem sich einige europäische Hersteller inzwischen langsam wieder verabschieden. Manchmal darf ein Knopf eben einfach ein Knopf sein. Gerade während der Fahrt ist das nicht nur komfortabler, sondern häufig auch die bessere Lösung.


Der Antrieb des Leapmotor B05 BEV

218 PS auf der Hinterachse, 240 Newtonmeter Drehmoment und der Sprint auf Tempo 100 in 6,7 Sekunden. Auf dem Papier liest sich das durchaus sportlich. Wer beim Tritt aufs Fahrpedal allerdings den brachialen Elektroschlag in den Rücken erwartet, den manche Hersteller inzwischen fast schon als Pflichtprogramm ansehen, wird überrascht sein. Der Leapmotor B05 bleibt angenehm gelassen.

Die Leistung steht zwar spontan zur Verfügung, baut sich aber erfreulich linear auf. Statt den Fahrer bei jeder Ampel mit maximalem Drehmoment zu überrumpeln, entwickelt der Hecktriebler seine Kraft kontrolliert und souverän. Genau das macht ihn im Alltag ausgesprochen angenehm. Er fährt zügig an, überholt sicher und besitzt selbst jenseits der 100 km/h noch genügend Reserven. Nicht spektakulär, aber jederzeit überzeugend.

Mindestens genauso gelungen präsentiert sich das Fahrwerk. Leapmotor hat hier eine Abstimmung gefunden, die den Spagat zwischen Komfort und Dynamik erstaunlich gut meistert. Der B05 federt Unebenheiten ordentlich weg, wirkt dabei aber niemals schwammig oder übermäßig weich. Gleichzeitig bleibt er in schnell gefahrenen Kurven angenehm neutral und vermittelt ausreichend Vertrauen, um auch auf kurvigen Landstraßen Freude zu bereiten. Der Heckantrieb spielt ihm dabei zusätzlich in die Karten und sorgt für ein angenehm ausgewogenes Fahrgefühl.

Ganz an die Klasse eines Volkswagen ID.3 reicht der B05 allerdings noch nicht heran. Der Wolfsburger fährt harmonischer und wirkt in seiner Gesamtabstimmung noch einen Tick ausgereifter. Ein Cupra Born geht wiederum den anderen Weg und legt den Fokus stärker auf Sportlichkeit. Der Leapmotor positioniert sich genau zwischen beiden Welten und fühlt sich dort erstaunlich wohl. Vielleicht ist genau das seine eigentlich Berufung. Er versucht gar nicht erst, der Sportler oder der Komfortkönig zu sein.

Auch die Lenkung fügt sich in dieses Bild ein. Sie arbeitet angenehm leichtgängig und präzise, könnte allerdings etwas mehr Rückmeldung liefern. Das schmälert den positiven Gesamteindruck jedoch kaum. Nach kurzer Eingewöhnung fährt sich der B05 völlig selbstverständlich und genau so, wie man es von einem modernen Elektroauto dieser Klasse erwartet.

Positiv fällt außerdem das Geräuschniveau auf. Natürlich erreicht der Leapmotor nicht die nahezu lautlose Gelassenheit einer Mercedes-Benz S-Klasse (Test des Mercedes-Benz S 580 4Matic). Das wäre bei diesem Preis auch ungefähr so realistisch wie ein serienmäßiger Champagnerkühler im Handschuhfach. Für einen Kompaktwagen ist die Dämmung jedoch gelungen. Wind- und Abrollgeräusche bleiben selbst bei höheren Geschwindigkeiten angenehm im Hintergrund und unterstreichen den insgesamt erwachsenen Fahreindruck.

Am Ende ist der B05 genau das, was viele Käufer vermutlich suchen: kein nervöser Sportler, kein schwebendes Sofa, sondern ein angenehm ausgewogener Begleiter für nahezu jede Alltagssituation. Und das ist bei weitem keine einfache Disziplin.


Alltag & Verbrauch

Im Alltag entscheiden oft die kleinen Dinge darüber, ob ein Auto begeistert oder nach wenigen Wochen nur noch Mittel zum Zweck ist. Wie unkompliziert lässt es sich bewegen? Wie viel Energie verschwindet tatsächlich aus dem Akku? Und wie gut passt das Gesamtpaket zum eigenen Leben? Genau hier sammelt der Leapmotor B05 überraschend viele Pluspunkte.

Am meisten beeindruckt hat uns dabei der Verbrauch. Während unseres Erstkontakts standen bei entspannter Fahrweise gerade einmal 9,9 kWh pro 100 Kilometer auf dem Bordcomputer. Selbst im ersten Drittelmix aus Stadt, Landstraße und Autobahn begnügte sich der B05 mit 13,3 kWh. Natürlich ersetzt ein erster Fahreindruck keinen ausführlichen Verbrauchstest über mehrere hundert Kilometer. Als erste Standortbestimmung sind diese Werte jedoch bemerkenswert und lassen auf einen insgesamt sehr effizienten Antrieb schließen.

Dabei bringt der B05 keineswegs nur das Nötigste mit. Bereits die Ausstattung fällt üppig aus und umfasst unter anderem eine Wärmepumpe, elektrisch verstellbare Sitze, eine Lenkradheizung sowie eine 360-Grad-Kamera. Umso erfreulicher ist es, dass sich der Energiebedarf davon offensichtlich kaum beeindrucken lässt.

Auch im täglichen Umgang hinterlässt der Kompaktwagen einen angenehmen Eindruck. Die Rundumsicht fällt ordentlich aus und spätestens die serienmäßige 360-Grad-Kamera nimmt selbst engen Parklücken ihren Schrecken. Das Bild ist scharf, die Darstellung übersichtlich und gerade in Parkhäusern dürfte sie so manche Felge vor einer ungewollten Begegnung mit dem Bordstein bewahren. Der B05 macht das Einparken nicht spektakulär, sondern einfach unkompliziert. Und genau das erwartet man von einem modernen Alltagsauto.


Laden & Reichweite

Beim Thema Laden müssen wir den Leapmotor B05 aktuell noch unter Vorbehalt bewerten. Unser erster Fahreindruck bot keine Gelegenheit, die Ladeperformance selbst zu überprüfen. Die offiziellen Daten lesen sich allerdings vielversprechend.

Je nach Ausstattung kombiniert Leapmotor den Hecktriebler mit einer 56,2 oder 67,1 kWh großen Batterie. Unser Testwagen war mit dem größeren Energiespeicher ausgestattet, der eine WLTP-Reichweite von bis zu 482 Kilometern ermöglichen soll. Im Alltag werden diese Werte naturgemäß von Außentemperatur, Fahrprofil und Geschwindigkeit beeinflusst. Der ausgesprochen niedrige Verbrauch während unseres Erstkontakts lässt jedoch vermuten, dass der B05 auch abseits des Prüfstands zu den effizienteren Vertretern seiner Klasse gehören dürfte.

An der Schnellladesäule verspricht Leapmotor eine maximale DC-Ladeleistung von 168 kW. Unter idealen Bedingungen soll sich der Akku so in rund 17 Minuten von 30 auf 80 Prozent laden lassen. Wechselstrom lädt der B05 serienmäßig mit bis zu 11 kW.

Spannend wird allerdings erst der ausführliche Einzeltest. Dort werden wir nicht nur die maximale Ladeleistung, sondern vor allem die Ladekurve, das Thermomanagement und die Batterievorkonditionierung genauer unter die Lupe nehmen. Denn wie bei nahezu jedem Elektroauto entscheidet am Ende nicht allein der Peak-Wert über die Alltagstauglichkeit, sondern vielmehr, wie lange die Ladeleistung tatsächlich gehalten wird. Genau hier trennen sich häufig die theoretisch guten von den praktisch sehr guten Elektroautos.


Assistenz, Technik & Ausstattung

Wer einen Blick in die Ausstattungsliste wirft, könnte schnell auf die Idee kommen, Leapmotor hätte das Häkchen bei nahezu jeder Option einfach vorsorglich gesetzt. Wärmepumpe, Lenkradheizung, elektrisch verstellbare Sitze, Panorama-Glasdach samt elektrischem Sonnenrollo, 360-Grad-Kamera oder Ambientebeleuchtung gehören bereits zum Serienumfang der Ausstattung Design. Das ist in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich und dürfte so manchen Wettbewerber beim Blick auf seine Aufpreisliste leicht ins Schwitzen bringen.

Auch technisch hinterlässt der B05 zunächst einen modernen Eindruck. Das Infotainment reagiert erfreulich schnell, Animationen laufen flüssig und die Menüstruktur wirkt insgesamt aufgeräumter als noch in den ersten Leapmotor-Modellen. Dass man trotzdem nahezu jede Funktion über den Touchscreen bedienen muss, hatten wir bereits angesprochen. Es bleibt schade, denn manchmal ist der direkte Griff zu einem Schalter eben schneller als die digitale Schnitzeljagd durch mehrere Menüs. Volkswagen hat diese Lektion inzwischen gelernt und bringt nach und nach wieder mehr echte Tasten zurück. Leapmotor darf sich davon gerne inspirieren lassen.

Lob verdient dagegen die 360-Grad-Kamera. Sie liefert ein scharfes Bild, reagiert schnell und macht das Rangieren angenehm stressfrei. Auch die kleine Ambientebeleuchtung erfüllt genau ihren Zweck. Sie setzt dezente Lichtakzente, ohne den Innenraum aussehen zu lassen, als hätte versehentlich ein Gaming-PC das Lichtkonzept übernommen.

Deutlich mehr Diskussionsbedarf liefern die Assistenzsysteme. Grundsätzlich funktionieren sie ordentlich, perfekt abgestimmt wirken sie allerdings noch nicht. Besonders der Spurhalteassistent griff während unseres Tests mehrfach unnötig energisch ein. Auf einer Fahrbahnverengung interpretierte das System selbst harmlose Teerfugen als Fahrbahnmarkierung und wollte das Fahrzeug mit überraschendem Nachdruck wieder auf eine Spur zurückführen, die es in diesem Moment praktisch gar nicht mehr gab. Gefährlich würden wir das nicht nennen. Vertrauensbildend ist allerdings etwas anderes.

Hinzu kommt das obligatorische Bimmeln, das inzwischen offenbar zur Grundausstattung moderner Fahrzeuge gehört. Der B05 hält sich dabei erfreulicherweise noch zurück. Manche Wettbewerber veranstalten bereits ein kleines Konzert, sobald man den Parkplatz verlässt. Leapmotor beschränkt sich eher auf ein Kammerorchester. Angenehm ist das zwar ebenfalls nicht, aber immerhin bleibt der Dirigent meistens erstaunlich gelassen.

Gerade bei den Assistenzsystemen zeigt sich allerdings auch, dass der B05 noch ein vergleichsweise junges Fahrzeug ist. Die Hardware wirkt durchaus leistungsfähig. Entscheidend wird sein, wie schnell Leapmotor die Software weiter verfeinert.


Die OTA des Leapmotor B05 BEV – Ein Auto, das mit der Zeit besser wird

Autos waren früher mit der Auslieferung fertig entwickelt. Heute beginnt ihre eigentliche Reise oft erst nach der Übergabe. Kaum ein Bereich verdeutlicht diesen Wandel so sehr wie die sogenannte Over-the-Air-Technologie, kurz OTA. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die Möglichkeit, Softwareupdates bequem über das Mobilfunknetz auf das Fahrzeug zu spielen. Ganz ähnlich wie beim Smartphone, nur dass anschließend nicht plötzlich neue Emojis verfügbar sind, sondern im Idealfall ein intelligenteres Auto.

Genau hier besitzt Leapmotor einen spannenden Vorteil. Das Unternehmen entwickelt große Teile seiner Hard- und Software selbst und ist dadurch deutlich unabhängiger von externen Zulieferern als viele klassische Hersteller. Das eröffnet Möglichkeiten, die weit über das Schließen kleiner Softwarefehler hinausgehen. Funktionen rund um das Thermomanagement, die Batterievorkonditionierung oder die Assistenzsysteme lassen sich kontinuierlich weiterentwickeln. Selbst neue Funktionen können theoretisch nachträglich ihren Weg ins Fahrzeug finden.

Gerade beim B05 ist das mehr als nur ein nettes Extra. Einige Kritikpunkte unseres Erstkontakts, allen voran der noch etwas übereifrige Spurhalteassistent, dürften sich zumindest teilweise softwareseitig verbessern lassen. Die technischen Voraussetzungen dafür bringt das Fahrzeug jedenfalls mit. Ob Leapmotor dieses Potenzial konsequent nutzt, wird die Zeit zeigen.

Für Käufer ist das eine durchaus beruhigende Aussicht. Während früher für jede Verbesserung ein Werkstatttermin nötig war, reicht heute oft eine stabile Internetverbindung und etwas Geduld. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder B05 über Nacht zum perfekten Auto wird. Es bedeutet aber, dass sich das Fahrzeug kontinuierlich weiterentwickeln kann. Und dieser Gedanke gefällt uns ausgesprochen gut.

Wie konsequent Leapmotor diesen Weg tatsächlich geht, werden wir im ausführlichen Einzel- und Langzeittest beobachten. Gerade bei Software, Ladeperformance und Assistenzsystemen könnten regelmäßige OTA-Updates von Leapmotor den Alltagseindruck des B05 in den kommenden Monaten noch einmal spürbar verändern. Und das wäre eine Entwicklung, über die sich vermutlich niemand beschweren würde. Außer vielleicht der Werkstattmeister, der dadurch etwas seltener Besuch bekommt.


Varianten & Preise des Leapmotor B05 BEV

Manche Konfiguratoren erinnern inzwischen an eine Steuererklärung. Man beginnt mit einem Auto für 30.000 Euro und beendet den Abend mit einem Fahrzeug, das plötzlich 15.000 Euro teurer geworden ist. Ganz so weit geht Leapmotor glücklicherweise nicht.

Die Modellpalette des B05 ist angenehm übersichtlich. Zur Wahl stehen lediglich zwei Varianten. Bereits das Einstiegsmodell Pro Life startet bei 27.990 Euro und kombiniert den 218 PS starken Heckantrieb mit einer 56,2-kWh-Batterie, die eine WLTP-Reichweite von bis zu 401 Kilometern ermöglichen soll. Schon hier gehören zahlreiche Assistenzsysteme sowie viele Komfortmerkmale zum Serienumfang.

Unser Testwagen trat als Design für 31.990 Euro an. Er kombiniert den größeren 67,1-kWh-Akku mit einer WLTP-Reichweite von bis zu 482 Kilometern und erweitert die Ausstattung unter anderem um elektrisch verstellbare Sitze, Lenkradheizung, elektrische anklappbare Außenspiegel, Panorama-Glasdach samt Rollo, Ambientebeleuchtung in 64 Farben, Privacy Verglasung sowie weitere Komfort- und Technikdetails. Viel mehr braucht ein modernes Elektroauto im Alltag eigentlich nicht.

Erfreulich fällt auch die Preisgestaltung bei den Lackierungen aus. Das auffällige Lightning Yellow unseres Testwagens kostet keinen Cent extra und dürfte gerade jüngere Käufer ansprechen. Wer es lieber etwas dezenter mag, kann zu Windy Grey oder Metallic Black greifen. Dafür werden allerdings jeweils 650 Euro fällig. Zum gleichen Preis gibt es dann noch Starry Night Blue und Galaxy Silver. Vernünftiger? Vielleicht. Langweiliger? Darüber lässt sich bekanntlich trefflich streiten.

Überhaupt verfolgt Leapmotor einen Ansatz, den man sich bei manchen Herstellern durchaus häufiger wünschen würde. Statt den Kunden durch endlose Paketlisten, Optionskreuze und versteckte Ausstattungsdetails zu schicken, ist der Bestellprozess angenehm übersichtlich. Das spart nicht nur Zeit, sondern verhindert auch den klassischen Moment, in dem man nach drei Stunden Konfiguration feststellt, dass für die Sitzheizung plötzlich noch ein Komfortpaket, ein Winterpaket und gefühlt die Zustimmung des Mondkalenders erforderlich sind.

Natürlich gibt es auch hier Grenzen. Wer sein Auto bis ins kleinste Detail individualisieren möchte, wird bei einigen deutschen Premiumherstellern deutlich mehr Möglichkeiten finden. Dafür bezahlt man dort allerdings häufig auch einen Preis, bei dem der Taschenrechner vorsorglich schon einmal den Energiesparmodus aktiviert.


Kundenfeedback

Der Leapmotor B05 ist erst seit kurzer Zeit auf dem europäischen Markt. Entsprechend gibt es derzeit noch keine ausreichende Zahl belastbarer Langzeiterfahrungen von Besitzern. Aus diesem Grund verzichten wir an dieser Stelle bewusst auf vereinzelte Stimmen aus sozialen Netzwerken oder erste Kurzzeitberichte. Ein aussagekräftiges Gesamtbild entsteht erst dann, wenn genügend Fahrzeuge über einen längeren Zeitraum im Alltag bewegt wurden.

Auch wir möchten den B05 nicht nach wenigen Stunden Fahrzeit abschließend bewerten. Unser erster Eindruck liefert bereits eine gute Grundlage, viele Fragen lassen sich jedoch erst im ausführlichen Einzeltest beantworten. Besonders gespannt sind wir darauf, wie sich Verbrauch, Ladeleistung, Software, OTA-Updates und Assistenzsysteme im Alltag entwickeln und ob Leapmotor die bereits heute vorhandenen Schwächen konsequent weiter verbessert.

Sobald ausreichend Besitzererfahrungen vorliegen und wir den Leapmotor B05 selbst ausführlich im Alltag getestet haben, veröffentlichen wir einen eigenständigen Einzel- und Langzeittest. Erst dann werden wir dieses Kapitel um fundierte Owner-Meinungen ergänzen und den B05 auch über den Zeitraum eines Erstkontakts hinaus bewerten. Denn manchmal braucht es eben mehr als einen ersten Eindruck, um ein Auto wirklich kennenzulernen.


Erstes Fazit zum Leapmotor B05 BEV

Der Leapmotor B05 macht vieles anders als seine etablierten Wettbewerber. Er versucht nicht, der sportlichste Kompaktwagen zu sein. Er möchte auch nicht den größten Kofferraum bieten oder mit einer endlosen Optionsliste beeindrucken. Stattdessen konzentriert er sich auf ein stimmiges Gesamtpaket. Und genau das gelingt ihm erstaunlich gut.

Besonders gefallen haben uns der effiziente Antrieb, das ausgewogene Fahrwerk und die umfangreiche Serienausstattung. Hinzu kommt ein eigenständiges Design, das frisch wirkt, ohne sich zwanghaft in den Vordergrund zu drängen. Gerade in Lightning Yellow besitzt der B05 einen sympathischen Auftritt und dürfte insbesondere jüngere Käufer ansprechen, die sich bewusst von der grauen Masse abheben möchten. Dass diese Farbe ausgerechnet kostenlos ist, darf man dabei durchaus als angenehme Überraschung bezeichnen.

Perfekt ist der B05 allerdings noch nicht. Die konsequente Touchscreen-Bedienung verlangt im Alltag mehr Aufmerksamkeit, als eigentlich nötig wäre, der Kofferraum fällt kleiner aus als erwartet und auch die Assistenzsysteme benötigen an einigen Stellen noch Feinschliff. Gerade der Spurhalteassistent meint es manchmal fast schon zu gut und erinnert gelegentlich an einen Beifahrer, der nach drei Minuten Fahrzeit glaubt, den Führerschein gleich mitgemacht zu haben.

Genau hier kommt allerdings die große Chance des B05 ins Spiel. Dank der konsequenten OTA-Strategie besitzt Leapmotor die Möglichkeit, viele dieser Punkte künftig per Softwareupdate weiter zu verbessern. Ob und wie schnell das gelingt, werden erst die kommenden Monate zeigen. Die technischen Voraussetzungen dafür sind jedenfalls vorhanden.

Bleibt die entscheidende Frage: Würden wir den Leapmotor B05 kaufen?

Wer möglichst viel Platz benötigt, auf klassische Schalter Wert legt oder bereits heute perfekt abgestimmte Assistenzsysteme erwartet, dürfte bei einem Volkswagen ID.3 oder Kia EV3 derzeit noch etwas glücklicher werden. Wer dagegen einen modernen, effizienten und angenehm fahrenden Elektro-Kompakten mit umfangreicher Ausstattung zu einem überraschend attraktiven Preis sucht, sollte den B05 unbedingt auf die Probefahrt-Liste setzen. Denn manchmal muss man gar nicht alles besser machen als die Konkurrenz. Es reicht völlig aus, vieles richtig zu machen.


Konkurrenz & Vergleich

Wer sich für den Leapmotor B05 interessiert, landet früher oder später zwangsläufig bei den bekannten Größen der elektrischen Kompaktklasse. Das ist auch gut so. Denn genau dort muss sich der Chinese beweisen. Die gute Nachricht vorweg: Er schlägt sich überraschend gut.

Der naheliegendste Gegner ist der VW ID.3 Neo, der derzeit ab 33.995 Euro erhältlich ist. Er fährt insgesamt harmonischer, bietet die ausgereifteren Assistenzsysteme und punktet mit einer durchdachten Ergonomie. Volkswagen hat zudem erkannt, dass nicht jede Funktion zwingend hinter drei Untermenüs versteckt werden muss und spendiert dem Facelift wieder mehr echte Tasten. Der Leapmotor kontert dafür mit einer umfangreicheren Serienausstattung, Heckantrieb und einem günstigeren Einstiegspreis.

Deutlich emotionaler präsentiert sich der Cupra Born (Test des Cupra Born), der ab 39.990 Euro startet. Er fährt sportlicher, die Lenkung arbeitet direkter und das gesamte Fahrzeug vermittelt etwas mehr Dynamik. Wer gerne ambitioniert unterwegs ist, dürfte hier glücklicher werden. Dafür verlangt Cupra allerdings auch einen spürbaren Aufpreis.

Mit dem Kia EV3 (ab 35.990 Euro) wartet einer der modernsten Konkurrenten. Er bietet mehr Platz, einen variableren Innenraum und richtet sich stärker an Familien. Der B05 hält dagegen mit seinem klassischen Kompaktformat, einem gelungenen Heckantrieb und einem Preisvorteil von rund 8.000 Euro gegenüber einer vergleichbar ausgestatteten Version.

Preislich spielt dagegen der MG4 Urban in einer eigenen Liga. Mit 24.990 Euro unterbietet er sogar den Leapmotor. Allerdings verfügt die Basisversion lediglich über eine 43-kWh-Batterie und richtet sich damit stärker an Pendler oder Stadtfahrer. Wer mehr Reichweite und Ausstattung wünscht, landet preislich schnell wieder in Regionen, in denen der B05 äußerst attraktiv wirkt.

Ebenfalls aus China stammt der BYD Dolphin, der ab 33.990 Euro angeboten wird. Er setzt stärker auf Komfort und Alltagstauglichkeit, wirkt im Innenraum allerdings weniger modern und kann beim Fahrverhalten aus unserer Sicht nicht ganz mit dem ausgewogenen Charakter des Leapmotor mithalten.

Wer statt eines klassischen Kompaktwagens lieber etwas höher sitzt, sollte außerdem einen Blick auf den Citroën ë-C4 werfen. Er startet bei 32.050 Euro und setzt mit seinem komfortbetonten Fahrwerk andere Schwerpunkte. Dynamik steht hier weniger im Vordergrund, stattdessen überzeugt der Franzose mit einem angenehm entspannten Fahrerlebnis.

Aus dem Stellantis-Konzern kommen außerdem der Opel Astra Electric ab 38.390 Euro sowie der Peugeot E-308 ab 42.635 Euro. Beide bieten eine hochwertige Verarbeitung und eine klassische Bedienphilosophie. Besonders der Astra überzeugt mit seinen hervorragenden AGR-Sitzen und zählt nach wie vor zu den ergonomischsten Fahrzeugen seiner Klasse. Dafür kosten beide Modelle allerdings deutlich mehr und bieten in der Serienausstattung nicht den Umfang des Leapmotor.

Am Ende macht genau das den B05 so interessant. Er gewinnt nicht jede einzelne Disziplin. Er bietet weder den größten Kofferraum noch das sportlichste Fahrwerk oder die ausgereifteste Software. Aber er schnürt ein Gesamtpaket, das angesichts des Preises erstaunlich schwer zu schlagen ist. Oder anders gesagt: Während manche Wettbewerber den Aufpreis lieber in die Optionsliste investieren, steckt Leapmotor einen erfreulich großen Teil davon direkt ins Auto.

Text / Fotos: NEU!

Kamera: Canon EOS 6D


Vorteile ✅

  • Sehr niedriger Verbrauch und effizienter Heckantrieb
  • Umfangreiche Serienausstattung zu einem attraktiven Preis
  • Gelungenes Fahrwerk mit ausgewogenem Kompromiss aus Komfort und Dynamik

Nachteile ❌

  • Nahezu alle Fahrzeugfunktionen werden über den Touchscreen bedient
  • Spurhalteassistent benötigt noch spürbaren Feinschliff
  • Kleiner Kofferraum mit Stufe nach dem Umklappen der Rückbank


Technische Daten des Leapmotor B05 BEV

ModellLeapmotor B05 BEV ProMax Design
Länge x Breite x Höhe (m)4,43 x 1,88 x 1,52
Radstand (mm)2.735
MotorElektromotor
Batteriekapazität (kWh)67,1
Leistung (kW / PS)160 / 218
Drehmoment (Nm)240
Getriebe1-Gang-Reduktionsgetriebe
AntriebHeck
KraftstoffartStrom
Durchschnittsverbrauch (WLTP in kWh)15,9
Durchschnittsverbrauch (NEU! in kWh)13,3
CO²-Ausstoß (nach WLTP in g/km)0
Ladeleistung (kW)DC: 168 / AC: 11
0 auf 100 km/h (in Sekunden)6,7
Höchstgeschwindigkeit (km/h)170
Leergewicht (kg)1.855
Kofferraumvolumen (l)295 – 1.205
FarbeLightning Yellow
Grundpreis (Euro)27.900
Testwagenpreis (Euro)31.900
Technische Daten: Leapmotor B05 BEV
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