Der Leapmotor B10 Pro Max hat einen Namen, bei dem wir zunächst nach der Speicherkapazität fragen möchten. Seine Ausstattungsliste liest sich jedenfalls so, als hätte jemand ausgesprochen großzügig auf „Alles auswählen“ geklickt: 218 PS, großer Akku, Panoramaglasdach, belüftete Vordersitze und eine 360-Grad-Kamera. In der von uns gefahrenen Linie Design kommt reichlich zusammen, wofür bei manchem Wettbewerber erst einmal die nächste Aufpreisrunde eröffnet wird.
Dazu verspricht der B10 genau jene Eigenschaften, die beim täglichen Zusammenleben häufig wichtiger werden als ein prestigeträchtiges Emblem: viel Platz, bequeme Sitze und einen angenehm entspannten Charakter. Gerade wer bislang ein gut ausgestattetes kleines SUV mit Benzinmotor ins Auge gefasst hat, könnte bei diesem elektrischen Gegenangebot durchaus noch einmal ins Grübeln geraten.
Bei den Tasten hat allerdings offenbar jemand ebenso entschlossen auf „Abwählen“ gedrückt. Fast alles wandert auf den Bildschirm. Das sieht wunderbar aufgeräumt aus. Ein Lichtschalter gilt hier offenbar bereits als dekorativer Übermut. Ob das auch die Bedienung erleichtert, wollten wir genauer wissen.
Nach unserem ersten Fahrkontakt (Erster Test des Leapmotor B10) musste sich der Leapmotor B10 Pro Max deshalb im Test den üblichen Zumutungen stellen: dichtem Stadtverkehr, schlechtem Wetter, wechselnden Mitfahrern und längeren Autobahnetappen. Denn zwischen einer überzeugenden Ausstattungsliste und einem überzeugenden Auto liegen gelegentlich nur wenige Details. Manchmal genügt schon der Wunsch, die Außenspiegel zu verstellen. Fahrbericht.
Der Look
Der Leapmotor B10 Pro Max sieht aus, als hätte die Designabteilung großen Wert auf ein harmonisches Betriebsklima gelegt. Glatte Flächen, weiche Übergänge und wenig optische Aufregung prägen den Auftritt. Das Ergebnis ist ein gefälliges SUV, das seine Umgebung weitgehend von gestalterischen Grundsatzdebatten verschont.
Mit rund 4,52 Metern Länge und einem Radstand von knapp 2,74 Metern bringt der B10 ordentliche Proportionen mit. Die vergleichsweise kurzen Überhänge gefallen uns, die Karosserie wirkt angenehm kompakt gezeichnet. Insgesamt bleibt die Gestaltung allerdings sehr glatt. Wer ausgeprägte Kanten, extravagante Details oder einen besonders eigenständigen Auftritt sucht, wird hier wenig Beschäftigung finden.
Unsere Lackierung Starry Night Blue fügt sich bestens in diese Zurückhaltung ein. Hinter dem klangvollen Namen steckt ein leicht changierendes Taubenblau mit deutlichem Grauanteil. Die Bezeichnung hat jedenfalls etwas mehr Abendgarderobe angelegt als die Farbe. Innerhalb unserer Redaktion gehen die Meinungen auseinander: Ein Teil schätzt gerade diese dezente Mischung, der andere würde bei der Bestellung lieber eine andere Farbkachel bemühen. Ungewöhnlich oder besonders auffällig wirkt der B10 damit jedenfalls nicht.
Mehr Wiedererkennungswert liefert die Lichtsignatur. Einzelne LED-Striche sitzen leicht versetzt und brechen die ansonsten ruhige Zeichnung auf. Diese grafische Eigenheit kennen wir von Leapmotor – unter anderem vom B05 (Erster Test des Leapmotor B05) und vom B03X (Erster Test des Leapmotor B03X); sie verleiht auch dem B10 ein Stück Markenidentität. Vorne sitzen die eigentlichen Hauptscheinwerfer unterhalb der schmalen oberen Lichtsignatur.
Am Heck wird das Motiv der versetzten Leuchtelemente wieder aufgegriffen. Die übrige Gestaltung bleibt auch hier glatt und zurückhaltend. Mittig auf der Heckklappe steht der Leapmotor-Schriftzug – eine hilfreiche Orientierung für jene Betrachter, die bei dieser Marke gedanklich noch ihre Automobildatenbank aktualisieren.
Die 18-Zoll-Leichtmetallräder passen zum Gesamtbild. Ihr überschaubares Speichendesign wirkt ebenso wenig aufgesetzt wie ihre Größe. Dazu kommen bündig integrierte Türgriffe, die sich sauber in die Karosserieflächen einfügen. An der äußeren Verarbeitung haben wir nichts Wesentliches auszusetzen: Unser Testwagen wirkt ordentlich zusammengebaut und lässt beim genaueren Hinsehen keine störenden Nachlässigkeiten erkennen.
Und innen?
Im Innenraum des Leapmotor B10 Pro Max setzt sich die gestalterische Zurückhaltung fort. Unser graues Interieur wirkt ordentlich verarbeitet, solide anzufassen und ausgesprochen nüchtern eingerichtet. Die wenigen verbliebenen Tasten dürften sich inzwischen persönlich kennen. Fensterheber, Lenkradbedienung und die Schalter der elektrischen Sitzverstellung gehören noch zum analogen Inventar. Ein großer Teil der übrigen Funktionen hat seinen Wohnsitz auf dem Zentralbildschirm.
Der misst 14,6 Zoll und wird durch ein separates 8,8-Zoll-Display vor dem Fahrer ergänzt. Die Darstellung ist scharf, die Oberfläche reagiert flüssig. Rein optisch funktioniert diese Reduktion durchaus: Das Cockpit wirkt klar und übersichtlich. Beim Bedienen entsteht allerdings zusätzliche Arbeit. Selbst die Außenspiegel, das Außenlicht und verschiedene Komfortfunktionen verlangen den Weg über das Display. Die aufgeräumte Einrichtung bezahlt der Fahrer damit gelegentlich durch zusätzliche Blickabwendungen.
Die Vordersitze gefallen uns besser als manche dieser Bedienwege. Wir fanden schnell eine ordentliche Sitzposition, die Polsterung ist angenehm und auch für längere Strecken geeignet. Beim Seitenhalt bleiben die Sitze zurückhaltend; sie passen zum gelassenen Charakter des Autos. In der Ausstattung Design kommen elektrische Verstellung, Sitzheizung und Belüftung hinzu. Gerade Letztere ist in dieser Preisklasse ein erfreuliches Ausstattungsdetail.
Über uns erstreckt sich ein großes Panoramaglasdach, das dem Innenraum zusätzliche Luftigkeit verleiht. Die Glasfläche lässt sich nicht öffnen, ein elektrisches Rollo schützt bei Bedarf vor der Sonne. Am Abend ergänzt die Ambientebeleuchtung etwas Farbe. Ihre 64 Farbmöglichkeiten klingen umfangreicher, als die eigentliche Lichtinszenierung ausfällt. Wer die großzügig beleuchteten Flächen und Konturen entsprechender Mercedes- oder Audi-Modelle kennt, bekommt hier eine deutlich zurückhaltendere Vorstellung geboten.
Besonders überzeugend ist das Platzangebot. Für seine Außenmaße bietet der B10 erstaunlich viel Bewegungsfreiheit. Vier Erwachsene sitzen bequem, auch im Fond muss niemand seine Knie vorsorglich beim Vordermann anmelden. Selbst der mittlere Rücksitzplatz ist brauchbar. Er erreicht zwar nicht den Komfort der äußeren Plätze, lässt sich von normal großen Erwachsenen für überschaubare Strecken aber vernünftig nutzen. Drei Personen auf der Rückbank müssen hier noch keine Selbsthilfegruppe für unfreiwillige Nähe gründen.
Hinten stehen eine ausklappbare Mittelarmlehne mit zwei Getränkehaltern, Taschen an den Vordersitzlehnen und ein zusätzliches Fach an der Rückseite der Mittelkonsole zur Verfügung. Dazu kommen je ein USB-A- und USB-C-Anschluss, die nachts sogar beleuchtet sind. Vorne gibt es dieselbe Anschlusskombination sowie eine 12-Volt-Steckdose. Auch vorhandene Kabel und zusätzliche Adapter dürfen somit weiter am automobilen Leben teilnehmen.
Weniger solide wirken die vorderen Getränkehalter. Sie funktionieren, ihre ausklappbare Mechanik vermittelt allerdings wenig Vertrauen in eine besonders robuste Langzeitbeziehung. Wir greifen hier unwillkürlich etwas behutsamer zu. An solchen Details wird eher sichtbar, wo die Kalkulation Grenzen setzt, als an der grundsätzlichen Verarbeitung des Innenraums.
Der Kofferraum lässt sich dank seiner vergleichsweise niedrigen Ladekante bequem beladen. Unter dem Ladeboden liegt ein großes zusätzliches Fach, das Ladekabel, Adapter und anderes Zubehör aufnehmen kann. So bleibt der eigentliche Gepäckraum besser nutzbar. Die Abdeckung dieses Bereichs gehört allerdings ebenfalls zu den Bauteilen, deren Machart den günstigen Fahrzeugpreis etwas deutlicher erkennen lässt.
Wer die Rücksitzlehnen umlegen möchte, muss dazu an die Rückbank. Eine Entriegelung vom Kofferraum aus fehlt. Außerdem entsteht bei umgelegten Lehnen eine Stufe in der Ladefläche. Etwas versteckt sitzt auch der äußere Öffnungstaster der elektrischen Heckklappe. Beim ersten Kontakt suchen wir kurz danach; hat man ihn gefunden, ist das Thema weitgehend erledigt.
Für Dinge, die möglichst außerhalb des Innenraums bleiben sollen, bietet sich der kleine Frunk an. Mit seinen 25 Litern ist er überschaubar, aber gut nutzbar. Verschmutzte Schuhe, Kleidung oder Hundegeschirr lassen sich hier getrennt vom übrigen Gepäck unterbringen. Eine praktische Ergänzung, für die wir erheblich mehr Verwendung sehen als für manche besonders fantasievolle Bildschirmfunktion.
Der Antrieb des Leapmotor B10 Pro Max
Der Leapmotor B10 Pro Max bringt 160 kW beziehungsweise 218 PS und 240 Newtonmeter an die Hinterräder. Damit ist das SUV passend motorisiert: Der Antritt überzeugt, beim Überholen stehen genügend Reserven bereit und auch bei höherem Tempo wirkt die Leistungsentfaltung ordentlich. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Leapmotor mit 170 km/h an.
Besonders sinnvoll finden wir den separat einstellbaren Beschleunigungsmodus. Komfort, Standard und Sport verändern, wie unmittelbar der B10 auf das Fahrpedal reagiert. Das klingt zunächst nach einer jener Funktionen, die man einmal ausprobiert und anschließend unter den übrigen Menüeinträgen beerdigt. Hier lohnt sich die Beschäftigung allerdings tatsächlich.
In Komfort beschleunigt der B10 ausgesprochen sanft. Gerade beim Umstieg von einem Verbrenner auf den unmittelbarer ansprechenden Elektroantrieb kann das angenehm sein. Die Leistung lässt sich behutsam dosieren, das Anfahren wirkt gelassen. Die Mitfahrer müssen sich dabei auch nicht bei jeder Ampel erneut mit ihrer Kopfstütze bekannt machen.
Standard wäre unsere Wahl für den Alltag. Der B10 reagiert ausreichend spontan, bleibt dabei gut kontrollierbar und vermittelt eine stimmige Mischung aus Gelassenheit und Leistungsbereitschaft. In Sport wird die Ansprache deutlich direkter. Wer das spontane Vorpreschen eines Elektroautos schätzt, bekommt hier die passende Einstellung.
Unabhängig davon lässt sich das Lenkgefühl ebenfalls in Komfort, Standard und Sport anpassen. Bei der Lenkung bevorzugen wir die Sporteinstellung: Die höheren Bedienkräfte gefallen uns, das Lenken wirkt subjektiv verbindlicher und präziser. Besonders leichtgängige Unterstützung mag beim Rangieren angenehm sein, ist aber längst nicht für jeden Fahrer auch auf der Landstraße die beste Wahl. Unsere bevorzugte Kombination lautet deshalb Standard für die Beschleunigung und Sport für die Lenkung.
Diese Möglichkeiten sollte ein Verkäufer bei der Übergabe oder vor einer Probefahrt unbedingt erklären. Sie beeinflussen den Fahreindruck spürbar und helfen dabei, das Auto auf die eigenen Vorlieben abzustimmen. Bei einem Fahrzeug, das so vieles über Software organisiert, darf die Einweisung gerne etwas ausführlicher ausfallen als „Hier ist Ihre Schlüsselkarte“.
Auch beim Fahrwerk hat Leapmotor vernünftige Arbeit geleistet. Die Abstimmung kommt ohne Luftfederung und aufwendige adaptive Dämpfer aus, bietet aber einen angenehmen Alltagskomfort. Schlechte Straßen verarbeitet der B10 ordentlich. Bei sportlicherer Kurvenfahrt neigt sich die Karosserie etwas, die Bewegungen bleiben jedoch überschaubar. Eine besonders breite Spreizung zwischen betont weichem Reisekomfort und straffer Sportlichkeit bietet das Fahrwerk nicht.
Das Bremsgefühl passt ebenfalls. Den Übergang von der Rekuperation zur mechanischen Bremse nehmen wir wahr, er fällt aber wenig störend aus. Die Verzögerung lässt sich gut dosieren; im normalen Fahrbetrieb entsteht daraus kein wesentlicher Kritikpunkt.
Die Energierückgewinnung lässt sich übrigens auch in drei Stufen einstellen; in der höchsten Einstellung wird kräftig verzögert. Ergänzend steht ein separater One-Pedal-Modus zur Verfügung, der den B10 beim Loslassen des Fahrpedals bis zum Stillstand abbremst. Damit lässt sich ein großer Teil der üblichen Beschleunigungs- und Verzögerungsvorgänge allein über das Fahrpedal steuern.
Alltag & Verbrauch
Beim Leapmotor B10 Pro Max lohnt es sich, vor der Verbrauchsdiskussion zunächst über das Fahrprofil zu sprechen. Zwischen städtischem Alltag und schneller Autobahn liegen Unterschiede, die man vor der Kaufentscheidung kennen sollte. Dieselbe Karosserie, derselbe Antrieb – und eine bemerkenswert unterschiedliche Beziehung zum Stromzähler.
Im urbanen Einsatz kamen wir auf 11,3 kWh je 100 Kilometer. Für ein SUV mit diesem Platzangebot ist das ein sehr niedriger Wert. Auf unserer Sparrunde sank der Verbrauch sogar auf 9,8 kWh je 100 Kilometer. Der B10 kann mit seiner Energie also durchaus umgehen, als müsste er sie selbst bezahlen.
Bei unseren Fahrten mit geringem Autobahnanteil lagen wir bei 18,5 kWh je 100 Kilometer. Auch dieser Wert gehört zum Bild: Die sehr niedrigen Stadtergebnisse lassen sich nicht einfach auf jede Strecke außerhalb der Stadtgrenze übertragen. Wer überwiegend im näheren Umland unterwegs ist, bekommt hier eine andere Verbrauchsgröße als beim gezielt sparsamen Fahren.
Auf der Autobahn verändert sich die Rechnung erheblich. Mit Geschwindigkeiten von etwa 130 bis 140 km/h erreichten wir 29,6 kWh je 100 Kilometer. Bei schnellerer Fahrt stieg der Bedarf auf 32,4 bis 33,6 kWh bei Vollgas. Gerade auf anspruchsvolleren Abschnitten wie den Kasseler Bergen verschwindet die Energie entsprechend nachdrücklich aus dem Akku. Die Leistungsbereitschaft des Antriebs ist vorhanden; die Zurückhaltung beim Stromverbrauch reist dann offenbar separat an.
Für Interessenten ergibt sich daraus eine wichtige Unterscheidung. Wer hauptsächlich Stadtverkehr und regionale Strecken fährt, kann die genügsame Seite des B10 häufig nutzen. Wer dagegen regelmäßig zügige Autobahnetappen zurücklegt, sollte mit den dazu passenden Verbrauchswerten kalkulieren. Die 9,8 kWh unserer Sparrunde sind eine erfreuliche Möglichkeit, aber keine sinnvolle Planungsgrundlage für eine schnelle Dienstreise.
Akustisch bleibt der B10 dabei lange angenehm. Wind- und Abrollgeräusche halten sich bis ungefähr 140 km/h in einem vernünftigen Rahmen. Das passt zum entspannten Fahrcharakter und erleichtert längere Etappen. Erst nahe der Höchstgeschwindigkeit wird es deutlich lauter.
Ein wesentlich störenderes Alltagsdetail befindet sich am Heck unseres Testwagens: der fehlende Scheibenwischer. Bei schlechtem Wetter verschmutzt die Heckscheibe so stark, dass die Sicht durch den Innenspiegel deutlich eingeschränkt wird. Bei einem SUV mit diesem praktischen Anspruch ist das ein erheblicher Nachteil. Und hier hilft ausnahmsweise auch kein Wischen auf dem Bildschirm.
Gerade weil der B10 bei Raumangebot und Staumöglichkeiten viele sinnvolle Lösungen mitbringt, wirkt dieser Verzicht schwer nachvollziehbar. Die neueren EU-Versionen besitzen inzwischen einen serienmäßigen Heckscheibenwischer. Bei einem konkreten Fahrzeug lohnt deshalb der Blick auf den Modellstand; unserem Testwagen fehlte diese ausgesprochen bodenständige Form der Sichtverbesserung.
Laden & Reichweite
Der Leapmotor B10 Pro Max besitzt in unserer getesteten Ausführung eine LFP-Batterie mit 67,1 kWh. Dafür nennt Leapmotor bis zu 434 Kilometer kombinierte WLTP-Reichweite und maximal 168 kW Gleichstrom-Ladeleistung. Die Ladeleistung auf dem Datenblatt ist allerdings nur ein Teil der Reiseplanung. Entscheidend wird, wie lange wir tatsächlich stehen und wie weit die anschließend nachgeladene Energie reicht.
Bei vollständig geladenem Akku zeigte unser Fahrzeug eine Reichweitenprognose von 358 Kilometern an. Wie unterschiedlich sich diese Reserve nutzen lässt, zeigen bereits unsere Verbrauchswerte. Zwischen sparsamem Stadtverkehr und schneller Autobahnfahrt liegen beim B10 erhebliche Unterschiede.
Unsere Ladevorgänge erfolgten jeweils mit vorkonditionierter Batterie. Von 20 auf 80 Prozent benötigten wir 27 Minuten, von 10 auf 80 Prozent waren es 32 Minuten. Für die zusätzlichen zehn Prozentpunkte im unteren Ladebereich mussten wir damit fünf Minuten mehr einplanen. Das ist vertretbar, macht den B10 aber noch nicht zu einem ausgesprochenen Schnellreisenden. Maximal zeigte der B10 154 kW Ladeleistung an.
Oberhalb von 80 Prozent wird es deutlich gemütlicher. Hier beobachteten wir noch rund 32 kW Ladeleistung. Für das Laden bis 100 Prozent ist eine Standzeit in der Größenordnung von gut einer Stunde einzuplanen. Die letzten Prozent scheinen jedenfalls keinen dringenden Termin zu haben. Wer das Fahrzeug ohnehin länger abstellt, kann damit leben. Wer danebensteht und weiterfahren möchte, entwickelt ein anderes Verhältnis zu dieser Gelassenheit.
Wirklich relevant wird die Ladezeit zusammen mit dem hohen Verbrauch bei schneller Autobahnfahrt. Unter diesen Bedingungen legten wir zwischen den Ladestopps im genutzten Fenster von ungefähr 20 bis 80 Prozent teilweise nur rund 100 bis 120 Kilometer zurück. Auf eine überschaubare Fahretappe folgt dann eine knapp halbstündige Pause. Bei mehreren Stopps hintereinander wird daraus ein spürbarer Bestandteil der gesamten Reisezeit.
Das ist der Punkt, den Interessenten vor dem Kauf berücksichtigen sollten. Der kräftige Elektroantrieb ermöglicht zügiges Vorankommen, doch häufiges Nachladen kann den Zeitgewinn unterwegs wieder aufzehren. Wer regelmäßig mit höherem Tempo längere Strecken zurücklegt, dürfte sich größere Etappen und kürzere Aufenthalte an der Säule wünschen.
Für eine oder zwei längere Reisen im Jahr lässt sich dieser Kompromiss möglicherweise akzeptieren. Im regionalen Einsatz mit bequemer Lademöglichkeit am Wohnort oder Arbeitsplatz fällt er deutlich weniger ins Gewicht. Dort kann der B10 seine niedrigen Verbrauchswerte bei passender Nutzung ausspielen, während die Ladezeit in ohnehin vorhandene Standzeiten fällt.
An einer geeigneten Wechselstrom-Ladestation nimmt der B10 dreiphasig bis zu 11 kW auf. Für regelmäßiges Nachladen während längerer Standzeiten ist das eine brauchbare Voraussetzung. Die von uns beobachteten Ladezeiten von 27 beziehungsweise 32 Minuten beziehen sich dagegen auf das Schnellladen mit Gleichstrom.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Der Leapmotor B10 Pro Max bringt bereits in der Ausstattung Life einen beachtlichen Serienumfang mit. Dazu gehören 18-Zoll-Leichtmetallräder, LED-Scheinwerfer, das Panoramaglasdach samt elektrischem Sonnenschutz, eine 360-Grad-Kamera und Parksensoren hinten. Auch Klimaautomatik, beheizbare Außenspiegel, kabelloses Laden für das Smartphone und eine Wärmepumpe sind bereits enthalten. Die Basisversion verlangt ihren Käufern damit wenig demonstrative Bescheidenheit ab.
Beim Infotainment stehen schon im Life das 14,6-Zoll-Zentraldisplay, das 8,8-Zoll-Instrumentendisplay, Online-Navigation, DAB-Radio und ein Audiosystem mit sechs Lautsprechern bereit. Apple CarPlay, Android Auto und Softwareaktualisierungen aus der Ferne gehören ebenfalls zum Funktionsumfang. Hinzu kommen unter anderem Abstandstempomat, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung, Totwinkelüberwachung, Notbremsassistent und Querverkehrsassistent hinten. Dreiphasiges AC-Laden mit bis zu 11 kW und die Vehicle-to-Load-Funktion sind ebenfalls bereits vorgesehen.
Unser Design ergänzt vor allem Komfortausstattung: Die Vordersitze besitzen synthetische Lederbezüge, werden elektrisch verstellt und sind sowohl beheizbar als auch belüftet. Dazu kommen Lenkradheizung, elektrisch anklappbare Außenspiegel, ein Luftqualitätssensor samt Filter und ein Regensensor. Die Ambientebeleuchtung bietet 64 Farben, das Audiosystem wächst auf zwölf Lautsprecher. Getönte hintere Seitenscheiben, eine getönte Heckscheibe und die elektrische Heckklappe mit speicherbarer Öffnungshöhe vervollständigen die zusätzlichen Merkmale.
Bei diesem Umfang interessiert uns vor allem, wie gut sich die einzelnen Funktionen bedienen lassen und wie überzeugend sie tatsächlich arbeiten. Die grundsätzliche Menüstruktur ist nachvollziehbar, verlangt aber Beschäftigung. Wer sich einmal in Ruhe durch die Einstellungen arbeitet, entdeckt durchaus sinnvolle Möglichkeiten. Während der Fahrt möchten wir diese Entdeckungsreise allerdings ungern fortsetzen.
Die Bedienung des Leapmotor B10 Pro Max ist unnötig kompliziert
Der Leapmotor B10 Pro Max bietet zahlreiche Funktionen, mit denen sich das Fahrzeug an persönliche Vorlieben anpassen lässt. Die grundsätzliche Menüstruktur ist nachvollziehbar, verlangt aber Beschäftigung. Wer sich einmal in Ruhe durch die Einstellungen arbeitet, entdeckt durchaus sinnvolle Möglichkeiten. Während der Fahrt möchten wir diese Entdeckungsreise allerdings ungern fortsetzen.
Ein Wisch von oben öffnet die Schnellzugriffe. Hier erreichen wir beispielsweise Auto Hold, die Spiegelheizung, die Fenstersperre für die hinteren Scheiben oder die Nebelschlussleuchte. Auch das elektrische Rollo des Panoramadachs lässt sich darüber bedienen. Es heißt in der Übersetzung „Sonnenblende“, was sich nach einem wesentlich handlicheren Bauteil anhört. Praktisch sind zudem die Einstellungen für automatisch anklappende Außenspiegel und eine bei Regen automatisch aktivierte Spiegelheizung.
Solche Möglichkeiten gefallen uns. Die erforderlichen Bedienwege während der Fahrt deutlich weniger. Auch ein Schnellzugriff verlangt, dass wir zum Bildschirm schauen, wischen, die richtige Fläche finden und sie antippen. Gerade bei grundlegenden Funktionen wie der Lichtbedienung ist das umständlich. Muss bei schlechter Sicht das Abblendlicht manuell eingeschaltet werden, wünschen wir uns einen unmittelbar greifbaren Schalter. Unser Laptop besitzt mehr Tasten als dieses Auto. Beim Verfassen eines Textes ist das hilfreich, beim Verstellen eines Außenspiegels offenbar bereits überholte Technik.
Apple CarPlay und Android Auto funktionierten gut. Auch die Navigation erledigte ihre Aufgabe ordentlich. Die Sprachsteuerung besitzt dagegen Verbesserungsbedarf und konnte uns die Beschäftigung mit dem Bildschirm nicht ausreichend abnehmen.
Der Zugang zum Leapmotor B10 Pro Max
Schon vor der Fahrt verlangt der B10 gelegentlich mehr Aufmerksamkeit, als wir für angemessen halten. Zum Ver- und Entriegeln mussten wir unsere NFC-Karte an den linken Außenspiegel halten. Die Erkennung gelang nicht immer auf Anhieb; teilweise waren mehrere Versuche nötig. Anschließend musste die Karte im Innenraum an der vorgesehenen Stelle positioniert werden, um die Fahrbereitschaft herzustellen. Auch das funktionierte nicht jedes Mal sofort.
Als Alternative bietet Leapmotor einen Handyschlüssel an. Unsere Erfahrungen beziehen sich auf die tatsächlich verwendete NFC-Karte. Den Zugang per Smartphone haben wir nicht erprobt. Eine klassische Funkfernbedienung als zusätzliche Wahlmöglichkeit würden wir dennoch begrüßen, gerne auch als kostenpflichtige Option. Ein Knopf für auf, einer für zu und einer für die Heckklappe wären für viele Menschen bereits ausreichend Fortschritt.
Bei den Fahrassistenten fällt die Bewertung unterschiedlich aus. Der Abstandstempomat arbeitete angenehm und passte gut zum entspannten Fahrcharakter. Auch die Verkehrszeichenerkennung überzeugte. Die Spurführung griff dagegen wiederholt ein, obwohl wir keinen nachvollziehbaren Anlass dafür erkannten. Dazu kamen Vibrationen, spürbare Lenkkorrekturen und Aufforderungen, die Lenkung zu übernehmen oder zu korrigieren. Diese Form der Unterstützung empfanden wir häufig als störend.
Die Fahrerüberwachung verschärft dabei einen Widerspruch des Bedienkonzepts. Für das Verstellen der Spiegel oder das Ändern einer Komfortfunktion müssen wir auf den Bildschirm sehen. Anschließend warnt uns das Auto vor mangelnder Aufmerksamkeit. Selten hat ein Fahrzeug so gewissenhaft vor den Folgen seiner eigenen Bedienung gewarnt. Die Absicht des Systems ist verständlich; sein Zusammenspiel mit den erforderlichen Bedienschritten überzeugt uns deutlich weniger.
Viele Warnungen und Eingriffe lassen sich deaktivieren. Bei unserem Testwagen waren die entsprechenden Funktionen nach dem nächsten Start jedoch wieder aktiv. Wir schalteten die störenden Helfer deshalb regelmäßig erneut ab. Das relativiert ihren Einfluss während der Fahrt, macht aus dem Fahrtbeginn aber eine wiederkehrende kleine Einstellungsrunde.
Viel Ausstattung für wenig Geld
Sehr ordentlich präsentiert sich die 360-Grad-Kamera. Ihre Auflösung ist hoch, die für den Alltag wichtigen Ansichten sind klar und hilfreich. Dazu bietet das System Perspektiven, bei denen wir uns fragen, ob schon jemals jemand sein Auto genau aus diesem Winkel betrachten wollte. Falls doch: Der B10 hat vorgesorgt. Beim Rangieren gefällt uns das Kamerabild jedenfalls ausgesprochen gut, und die Parksensoren erledigen ihre Aufgabe ebenfalls zuverlässig.
Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer leuchten ordentlich aus. Ihre Wirkung bewegt sich für uns ungefähr auf dem Niveau solider Xenon-Systeme: ausreichend gute Sicht, ohne besondere Begeisterung auszulösen. Eine adaptive Lichtverteilung oder Matrix-Funktion besitzt unser Fahrzeug nicht.
Weniger zügig arbeitet die Klimatisierung. Sowohl beim Abkühlen als auch beim Aufheizen des Innenraums braucht der B10 vergleichsweise lange. Das haben wir in anderen Fahrzeugen bis hin zum Kia Stonic deutlich schneller erlebt. Eine technische Ursache können wir daraus nicht ableiten; die gemächliche Wirkung fiel uns im Alltag aber auf.
Umso erfreulicher funktionieren Sitzheizung, Sitzbelüftung und Lenkradheizung. Die Sitze werden schnell und gleichmäßig warm, die Belüftung arbeitet an Sitzfläche und Rücken ausgesprochen wirkungsvoll. Bei der Lenkradheizung fehlt zum englischen Frühstück eigentlich nur noch der Bacon. Die Funktionen selbst gefallen uns sehr gut. Bis wir sie über die jeweiligen Bedienflächen aktiviert oder verändert haben, ist allerdings gelegentlich schon ein Teil der Vorfreude verbraucht.
Das Soundsystem des Leapmotor B10 Pro Max ist guter Durchschnitt
Das im Design serienmäßige Audiosystem mit zwölf Lautsprechern liefert einen ordentlichen Klang für Radio, Podcasts und beiläufiges Musikhören. Die maximale Lautstärke bleibt begrenzt, und bei höheren Ansprüchen an Klangqualität und Dynamik werden die Unterschiede zu guten Markenanlagen hörbar. Wer beispielsweise von einem überzeugenden Bose- oder Harman-Kardon-System umsteigt, sollte beim Probehören genauer hinhören. Zwölf Lautsprecher sind zunächst eine Anzahl und noch kein Qualitätsurteil. Ein weitergehendes Werksupgrade auf ein höher positioniertes Soundsystem steht beim Design nicht zur Wahl.
Varianten & Preise des Leapmotor B10 Pro Max
Der Leapmotor B10 Pro Max kostete zum Zeitpunkt unseres Tests als Life mit 67,1-kWh-Batterie 32.400 Euro. Unser Design lag bei 33.900 Euro. Den damaligen Einstieg bildete der Life Pro mit kleinerem 56,2-kWh-Akku für 29.900 Euro. Damit standen drei Kombinationen aus Batteriegröße und Ausstattung zur Wahl.
Der Aufpreis vom Life Pro Max zum Design Pro Max betrug somit 1.500 Euro. Für die zusätzlichen Komfortmerkmale einschließlich elektrischer, beheizbarer und belüfteter Vordersitze, Lenkradheizung und elektrischer Heckklappe war das attraktiv kalkuliert. Unsere Lackierung Starry Night Blue kostete keinen Aufpreis, sodass sich für den Testwagen ein Listenpreis von 33.900 Euro zuzüglich Überführung ergibt.
Die Möglichkeiten zur Individualisierung bleiben überschaubar. Neben der Ausstattungslinie wählen Interessenten vor allem Außenfarbe und Innenraum. Eine umfangreiche Sammlung separat bestellbarer Komfort- und Technikpakete gibt es nicht. Wer Matrixlicht, ein höherwertiges Soundsystem oder eine aufwendigere Ambientebeleuchtung möchte, kann diese Wünsche auch gegen Aufpreis nicht einfach ergänzen. Die Konfiguration gehört damit zu den angenehm kurzen Menüs dieses Autos.
Inzwischen hat Leapmotor das Angebot umgestellt. Die Herstellerpreisliste vom 12. Oktober 2026 führt den elektrischen ProMax als EU-Life für 32.900 Euro und als EU-Design für 34.900 Euro. Beide besitzen nun einen 68,7-kWh-Akku. Der bisherige Pro mit kleiner Batterie ist darin nicht mehr aufgeführt. Zum neuen EU-Modellstand gehört außerdem der (sehnsüchtig erwartete) serienmäßige Heckscheibenwischer.
Gegenüber unseren damaligen Pro-Max-Preisen steigen die Beträge damit um 500 Euro beim Life und 1.000 Euro beim Design. Der Einstieg in die elektrische Baureihe liegt 3.000 Euro höher als beim früheren Life Pro, umfasst jetzt allerdings die größere Batterie.
Zusätzlich gibt es das von Irmscher gestaltete Sondermodell B10 Dynamic für 39.500 Euro. Der B10 Hybrid EV mit Range Extender startet als Life bei 32.900 Euro, als Design bei 34.400 Euro. Diesen Antrieb konnten wir bereits beim größeren C10 (Test des Leapmotor C10 REEV) kennenlernen.
Für den Leapmotor B10 Pro Max gibt es vier Jahre beziehungsweise 120.000 Kilometer Leapmotor-Neuwagengarantie sowie acht Jahre beziehungsweise 160.000 Kilometer Garantie auf die Antriebsbatterie, jeweils gemäß den Garantiebedingungen und bis zur zuerst erreichten Grenze.
Kundenfeedback
In den von uns gesichteten Besitzerberichten zum Leapmotor B10 Pro Max fällt die grundsätzliche Zufriedenheit auf. Mehrere Halter beschreiben viel Freude am elektrischen Fahren und schätzen den Gegenwert samt umfangreicher Ausstattung. Auch die komfortable Federung erhält Lob. Das schließt teilweise recht ausführliche Mängellisten keineswegs aus. Man kann sein Auto offenbar mögen und trotzdem gewisse Verbesserungsvorschläge für dessen Erziehung haben.
Beim Zugangssystem gehen die Erfahrungen auseinander. Einige Besitzer berichten von unzuverlässigem Entriegeln per Smartphone oder verzögerten Reaktionen. Andere kommen damit problemlos zurecht und führen die NFC-Karte lediglich als Reserve mit. Ein Halter nutzt wiederum bewusst die Karte, weil sein nahe am Haus geparktes Fahrzeug beim Vorbeigehen regelmäßig aufwacht. Auch ein Auto kann etwas zu anhänglich sein.
Unsere Kritik an der Klimatisierung findet ebenfalls eine Entsprechung: Ein Besitzer bemängelt ausdrücklich den Automatikbetrieb im Winter. Die Übersichtlichkeit der Radiooberfläche ist ein weiterer Kritikpunkt. Bei den Fahrassistenten gibt es dagegen auch andere Erfahrungen als unsere. Einzelne Halter loben ausdrücklich das Zusammenspiel von Abstandsregelung und Spurführung auf Autobahnen und im Stau.
Diese Rückmeldungen zeigen, wie unterschiedlich die gleichen Funktionen im persönlichen Alltag ankommen. Die herangezogenen Beiträge betreffen den ursprünglichen B10 und stammen wurden bis einschließlich März 2026 ausgewertet; spätere Softwareänderungen können einzelne Abläufe verändert haben. Eine Aussage über langfristige Zuverlässigkeit lässt sich daraus noch nicht ableiten.
Für wen eignet sich der Leapmotor B10 Pro Max?
Der Leapmotor B10 Pro Max passt vor allem zu Menschen, die viel Platz und eine umfangreiche Ausstattung zu einem überschaubaren Preis suchen. Familien profitieren vom großzügigen Fond und dem gut nutzbaren Stauraum; auch vier Erwachsene können hier bequem längere Strecken verbringen. Der mittlere Rücksitz ist für gelegentliche Fahrten zu fünft ebenfalls brauchbar. Dazu kommen ein angenehm abgestimmtes Fahrwerk und Sitze, auf denen wir uns auch über längere Etappen wohlfühlen.
Besonders schlüssig ist der B10 im Stadtverkehr und im Umland. Hier kann er seinen Elektroantrieb mit niedrigen Verbrauchswerten verbinden, während die hochauflösende Rundumkamera das Rangieren erleichtert. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz bequem laden kann, bringt eine gute Voraussetzung für diesen Einsatz mit. Auch für den Umstieg vom Verbrenner bietet der B10 eine sinnvolle Funktion: Im Komfort-Beschleunigungsmodus reagiert er angenehm sanft. Man muss den Einstieg in die Elektromobilität schließlich nicht mit einer unfreiwilligen Nackenübung verbinden.
Gut aufgehoben sind außerdem Käufer, die mit einem weitgehend festgelegten Ausstattungspaket zufrieden sind. Gerade die Design-Version bringt mit Sitzheizung, Sitzbelüftung, Lenkradheizung und elektrischer Heckklappe viel nützlichen Komfort mit. Wer sich mit der Bildschirmbedienung anfreundet und die Einstellungen einmal auf die eigenen Vorlieben abstimmt, kann den entspannten Charakter des Autos genießen. Gelegentliche längere Reisen passen ebenfalls dazu, wenn man die Ladepausen berücksichtigt und unterwegs keinen eng getakteten Zeitplan erfüllen muss.
Für wen eignet sich der Leapmotor B10 Pro Max nicht?
Wer häufig lange Autobahnstrecken mit hohem Tempo zurücklegt, sollte die Grenzen des Leapmotor B10 Pro Max ernst nehmen. Bereits bei 130 bis 140 km/h haben wir 29,6 kWh pro 100 Kilometer ermittelt; bei höherem Tempo steigt der Verbrauch weiter. Entsprechend schnell ist der nutzbare Ladebereich aufgebraucht. Treffen häufige Stopps auf unsere gemessenen 27 Minuten von 20 auf 80 Prozent, jeweils mit vorkonditionierter Batterie, beeinflusst das die Reisezeit spürbar. Wer regelmäßig unter Zeitdruck mehrere hundert Kilometer fährt, dürfte sich daran auf Dauer stören.
Ebenso wenig empfehlen wir den B10 Menschen, die grundlegende Funktionen unmittelbar über Tasten und Schalter bedienen möchten. Spiegelverstellung, Licht und zahlreiche Komfortfunktionen verlangen die Beschäftigung mit dem Zentraldisplay. Dessen flüssige Darstellung ändert nichts daran, dass man hinschauen und den passenden Bedienweg finden muss. Wer bereits bei der Probefahrt merkt, dass ihn das nervt, sollte diesen Eindruck ernst nehmen. Eine mehrjährige Beziehung zum Auto wird selten besser, wenn man schon beim Kennenlernen dessen gesamte Ausdrucksweise ändern möchte.
Auch Käufer mit ausgeprägten Ausstattungswünschen stoßen schnell an Grenzen. Matrixlicht, ein höherwertiges Soundsystem oder eine aufwendigere Ambientebeleuchtung lassen sich nicht hinzubestellen. Hinzu kommen die im Test störenden Assistenzeingriffe und der umständliche Umgang mit der NFC-Karte. Wer hier einen möglichst unkomplizierten Ablauf erwartet, sollte Zugang und Bedienung vor dem Kauf besonders gründlich ausprobieren. Das gilt ausdrücklich auch für den Zugang per Smartphone. Ein attraktiver Preis ist schließlich wenig tröstlich, wenn einen ausgerechnet die täglich benötigten Funktionen regelmäßig aufregen.
Fazit zum Leapmotor B10 Pro Max
Der Leapmotor B10 Pro Max überzeugt dort, wo ein bezahlbares Familienauto überzeugen sollte: beim Platzangebot, beim Fahrkomfort und beim Gegenwert. Die überwiegend solide Verarbeitung, die ausreichende Motorisierung und die umfangreiche Design-Ausstattung ergeben ein stimmiges Angebot. Besonders im urbanen Einsatz kommt der niedrige Stromverbrauch hinzu. Wir können deshalb gut nachvollziehen, warum sich Interessenten mit diesem Auto beschäftigen, die bislang eher ein konventionell angetriebenes SUV auf dem Zettel hatten.
Seine Schwächen betreffen allerdings häufig benutzte Funktionen. Der Zugang per Karte, die ablenkende Bildschirmbedienung und die übereifrigen Assistenten verlangen mehr Geduld, als wir uns wünschen. Auch die träge Klimatisierung bleibt hinter dem guten Eindruck von Sitzheizung, Sitzbelüftung und Lenkradheizung zurück. Auf schnellen Langstrecken schmälern hoher Verbrauch und häufige Ladepausen die Attraktivität. Den fehlenden Heckscheibenwischer unseres Testwagens hat Leapmotor beim neuen EU-Modellstand inzwischen ergänzt.
Unser Rat bleibt deshalb eine ausgedehnte Probefahrt, die auch die gewöhnlichen Handgriffe einschließt. Entscheidend ist, wie gut die eigenen Wege und Gewohnheiten zu diesem Auto passen. Wer seine Stärken regelmäßig nutzt und mit den Bedienwegen zurechtkommt, bekommt viel für sein Geld.
Für den passenden Alltag ist der B10 ein gutes Angebot – vorausgesetzt, die Vernunft darf gelegentlich auch eine Wischgeste verlangen.
Konkurrenz & Vergleich
Der Leapmotor B10 Pro Max trifft auf ein breites Feld elektrischer SUV und Kompaktmodelle. Unser Design kostete zum Testzeitpunkt 33.900 Euro; das aktuelle EU-Design liegt bei 34.900 Euro. Als Größenmaßstab dienen die 4,52 Meter Länge und die 160 kW beziehungsweise 218 PS unseres Testwagens. Die folgenden Grundpreise beziehen sich auf das aktuelle deutsche Angebot inklusive Mehrwertsteuer, zuzüglich Überführung und ohne abgezogene Förderungen oder Aktionsrabatte. Die jeweilige Einstiegsausstattung entspricht dabei nicht automatisch dem Umfang unseres Design-Testwagens.
Besonders nah kommt der Omoda 5 EV Exclusive. Für 36.900 Euro bietet er 155 kW beziehungsweise 211 PS und eine 61-kWh-Batterie. Mit 4,424 Metern ist er nur rund neun Zentimeter kürzer. Auch beim Komfort lässt sich sinnvoll vergleichen: Sitzheizung und Sitzbelüftung vorn, elektrische Heckklappe, Wärmepumpe und Rundumkamera sind bereits enthalten. Damit steht hier ein ebenfalls umfangreich ausgestattetes Elektroauto gegen unseren B10.
Der MG S5 EV liegt mit 4,48 Metern nahezu auf demselben Größenmaß. Sein Einstieg als Comfort Standard Range kostet 37.990 Euro, besitzt allerdings eine 49-kWh-Batterie und leistet 125 kW beziehungsweise 170 PS. Trotz des höheren Grundpreises fällt diese Version bei Batterie und Leistung also kleiner aus. Das ist beim Vergleich zu berücksichtigen; die ähnliche Fahrzeuggröße allein macht aus den beiden noch keine gleichwertigen Angebote.
Etwas größer fällt der Geely E5 aus. Er misst 4,62 Meter und startet als Pro mit 160 kW beziehungsweise rund 218 PS und 60,2-kWh-Batterie bei 37.990 Euro. Sitzheizung, Sitzbelüftung und 360-Grad-Kamera gehören bereits dazu. Der Pro+ mit größerer 68,4-kWh-Batterie kostet 39.990 Euro. Wer zusätzliche Komfortmerkmale wie Panorama-Glasdach, elektrische Heckklappe und das aufwendigere Soundsystem möchte, landet beim Max+ für 42.990 Euro. Die Rechnung wächst hier zuverlässig mit den Wünschen.
Der Changan Deepal S05 Pro RWD bringt für 38.990 Euro bereits 200 kW beziehungsweise 272 PS mit. Mit 4,60 Metern ist er etwas länger als der Leapmotor und bietet ebenfalls Heckantrieb. Der Max RWD kostet 41.990 Euro und ergänzt unter anderem beheizbare und belüftete Vordersitze, Lenkradheizung und elektrische Heckklappe. Hier bekommt der Mehrpreis gegenüber dem B10 immerhin einige zusätzliche Pferde zugeteilt.
Der Leapmotor B10 Pro Max hat auch hiesige Konkurrenz
Unter den europäischen SUV gehört der Skoda Elroq zu den unmittelbarsten Vergleichskandidaten. Seine 4,49 Meter Länge liegen praktisch auf B10-Niveau. Der aktuelle Elroq 60 Essence startet mit Heckantrieb und 140 kW beziehungsweise 190 PS bei 37.890 Euro. Für die umfangreichere Selection-Ausstattung werden bereits 42.390 Euro fällig. Der Einstiegspreis eignet sich deshalb als Orientierung; für den Ausstattungsvergleich mit unserem Design lohnt der genauere Blick in die Preisliste.
Auch der aktualisierte Renault Scenic E-Tech elektrisch passt sehr gut ins Feld. Als Techno Comfort Range steht er mit 160 kW beziehungsweise 218 PS und 67-kWh-Batterie für 37.590 Euro im aktuellen Herstellerangebot. Seine 4,47 Meter Länge unterscheiden sich nur wenig vom B10. Bei Format, Leistung und Batteriegröße ist das damit einer der engsten Gegner.
Wer eine flachere Karosserie bevorzugt, findet im VW ID.3 Neo eine preislich interessante Alternative. Der Trend startet mit 125 kW beziehungsweise 170 PS und 50-kWh-Batterie bei 33.995 Euro. Mit 4,27 Metern ist er allerdings rund 25 Zentimeter kürzer als der B10. Der nahezu identische Grundpreis unseres damaligen Testwagens steht hier also einer kleineren Batterie und geringeren Leistung gegenüber. Größere Batterien und höhere Ausstattungslinien verschieben den Vergleich entsprechend nach oben.
Der verwandte Cupra Born (Test des Cupra Born) setzt eine eigenständige Alternative daneben. Die aktuelle Basis mit 140 kW beziehungsweise 190 PS und 58-kWh-Batterie kostet 39.990 Euro. Bei 4,34 Metern Länge fällt auch er kürzer und flacher aus als der Leapmotor. Heckantrieb besitzen beide, beim Grundpreis liegt der Cupra jedoch deutlich höher. Für Interessenten gehört er vor allem dann in die Auswahl, wenn ihnen das kompaktere Format und sein Auftritt zusagen.
Besonders interessant ist der Renault Megane E-Tech elektrisch im neuen Modelljahr. Der Techno Comfort Range bietet für 34.990 Euro eine 67-kWh-LFP-Batterie und 160 kW beziehungsweise 218 PS. Damit liegen Leistung, Batteriegröße und Grundpreis sehr nah am aktuellen B10 EU-Design. Mit rund 4,20 Metern ist der Megane allerdings deutlich kürzer. Hier entscheidet deshalb vor allem, wie viel Raum tatsächlich benötigt wird und welches Karosserieformat besser zu den eigenen Anforderungen passt.
Kia und Nissan haben ebenfalls was in petto
Der Kia EV4 Air als Schrägheck ist mit 4,43 Metern ein weiterer passender Kandidat. Für 37.590 Euro bringt er 150 kW beziehungsweise 204 PS und eine 58,3-kWh-Batterie mit. Gegenüber dem B10 fehlen nur rund achteinhalb Zentimeter Außenlänge; die Leistung liegt ebenfalls nah beieinander. Wer eine flachere elektrische Familienlösung sucht, findet hier deshalb eine Alternative, die sich über Preis, Format und Motorisierung gut einordnen lässt.
Kias EV3 ist mit 4,30 Metern kompakter. Als Air mit 58,3-kWh-Batterie und ebenfalls 150 kW beziehungsweise 204 PS kostet er laut aktueller Preisliste 36.190 Euro. Er kommt für Käufer infrage, die mit etwas weniger Außenlänge auskommen möchten. Die Version mit großem 81,4-kWh-Akku startet als Air bei 41.590 Euro. Die Energiereserve wächst damit ebenso zuverlässig wie der Betrag auf der Bestellung.
Der neue Nissan Leaf beginnt als Engage mit der als 52-kWh-Version angebotenen Batterie und 130 kW beziehungsweise 176 PS bei 35.950 Euro. Seine 4,350 Meter Länge liegen unterhalb des B10, während der Einstiegspreis nah am aktuellen Design bleibt. Wer mehr Batteriekapazität und eine vergleichbare Motorleistung möchte, bekommt den Engage mit 75-kWh-Batterie und 160 kW beziehungsweise 217 PS ab 41.200 Euro. Diese Variante bewegt sich preislich dann bereits deutlich oberhalb des Leapmotor.
Der BYD Dolphin Comfort ergänzt das Feld mit 150 kW beziehungsweise 204 PS, 60,4-kWh-Batterie und einem Grundpreis von 33.990 Euro. Mit 4,29 Metern Länge und 1,77 Metern Breite fällt er kompakter und schmaler aus als der B10. Wer dessen großzügige Abmessungen nicht benötigt, findet hier eine preislich und technisch gut passende Alternative. Für den Vergleich ist der reguläre Dolphin gemeint.
Beim Citroën ë-C4 lohnt vor allem die Einordnung über den Preis. Die Baureihe startet mit 100 kW beziehungsweise 136 PS bei 32.050 Euro. Der Plus Extended-Range bietet für 34.250 Euro die größere 54-kWh-Batterie und 115 kW beziehungsweise 156 PS. Bei 4,35 Metern Länge ist er kompakter als unser B10 und bleibt in beiden Antriebsvarianten deutlich unter dessen Leistung. Er ergänzt die Auswahl für Käufer, denen eine geringere Motorisierung genügt und die ihren Schwerpunkt auf ein preislich erreichbares elektrisches Alltagsauto legen.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D
Vorteile ✅
- Viel Platz für Passagiere und Gepäck.
- Umfangreiche Komfortausstattung zum attraktiven Preis.
- Angenehmes Fahrwerk und anpassbare Beschleunigungs- und Lenkcharakteristik.
- Sehr niedriger Verbrauch im Stadtverkehr und auf der Sparrunde.
- Hochauflösende 360-Grad-Kamera sowie sehr gute Sitzheizung und Sitzbelüftung.
Nachteile ❌
- Ablenkende Bildschirmbedienung für zu viele grundlegende Funktionen.
- Umständlicher und nicht durchgehend zuverlässiger Zugang und Start per NFC-Karte im Test.
- Störende Assistenzeingriffe mit erneutem Abschaltaufwand nach dem Neustart.
- Hoher Autobahnverbrauch und häufige, lange Ladepausen bei zügiger Fahrt.
- Fehlender Heckscheibenwischer am getesteten Modellstand.
Technische Daten des Leapmotor B10 Pro Max
| Modell | Leapmotor B10 Pro Max Design |
| Länge x Breite x Höhe (m) | 4,52 x 1,89 (2,11 mit Außenspiegeln) x 1,66 |
| Radstand (mm) | 2.735 |
| Motor | Elektromotor |
| Batteriekapazität (kWh) | 67,1 |
| Leistung (kW / PS) | 160 / 218 |
| Drehmoment (Nm) | 240 |
| Getriebe | 1-Gang-Reduktionsgetriebe |
| Antrieb | Heck |
| Kraftstoffart | Strom |
| Durchschnittsverbrauch (WLTP in kWh) | 17,3 |
| Durchschnittsverbrauch (NEU! in kWh) | 18,5 |
| CO²-Ausstoß (nach WLTP in g/km) | 0 |
| Ladeleistung (kW) | DC: 168 / AC: 11 |
| 0 auf 100 km/h (in Sekunden) | 8,0 |
| Höchstgeschwindigkeit (km/h) | 170 |
| Leergewicht (kg) | 1.845 |
| Kofferraumvolumen (l) | 420 – 1.300 |
| Farbe | Starry Night Blue (Blaugrau) |
| Grundpreis (Euro) | 32.900 |
| Testwagenpreis (Euro) | 34.900 |










































