Unser Mercedes-Benz V 300d 4Matic Test liefert ein ziemlich brauchbares Alibi für teure Vorlieben. Viel Platz lässt sich schließlich hervorragend mit Vernunft begründen. Dass sämtliche sechs Einzelsitze unseres Testwagens beheizt und belüftet sind, fällt dann eben unter Fürsorge. Wir sind ja keine Unmenschen.
Die Idee, reichlich Raum mit gehobenen Ansprüchen zu verbinden, verfolgt Mercedes schon länger. Auf den 1995 eingeführten Vito folgte 1996 die erste V-Klasse als komfortorientierte Verwandte. Ab 2003 übernahm der Viano diese Rolle, ehe Mercedes 2014 mit der Baureihe 447 den Namen V-Klasse zurückholte. Die Nutzfahrzeugwurzeln sind also keine flüchtige Bekanntschaft. Sie gehören zur Familie.
Mit der im Juli 2023 vorgestellten und seit Januar 2024 bestellbaren Modellpflege hat Mercedes den Anspruch weiter nachgeschärft. Die Front wurde markanter gestaltet; im Innenraum zog ein neu gezeichnetes Cockpit mit zwei 12,3 Zoll großen Displays ein. Dazu kamen ein weiterentwickeltes MBUX und zusätzliche Assistenzfunktionen. Der große Reisewagen möchte erkennbar mehr Mercedes sein – bis hinein in jene Details, an denen man den Unterschied zur bloßen Personenbeförderung festmachen kann.
Unser Testwagen hilft der Versuchung mit Graphitgrau und großen Monoblockrädern nach. Letztere erinnern verdächtig an Maybach und haben uns tatsächlich entsprechende Nachfragen eingebracht. Ein bisschen Eitelkeit darf offenbar mitreisen. Sie beansprucht immerhin keinen eigenen Sitzplatz.
Wir haben den V 300d 4Matic in der langen Version umfangreich im Alltag und auf der Langstrecke getestet. Dabei ging es ebenso um den Reisekomfort wie um die Frage, wie gut sich der stattliche Sechssitzer im täglichen Umgang schlägt. Auch seine weniger charmanten Eigenheiten haben wir kennengelernt. Schließlich sollte man seine Laster gründlich prüfen, bevor man beschließt, sie zu pflegen. Fahrbericht.
Der Look
Graphitgrau metallic steht dem Mercedes-Benz V 300d 4Matic ausgesprochen gut. Der dunkle Ton gibt der langen Karosserie eine ruhige, gepflegte Wirkung. Unser 5,14 Meter langer Testwagen hat reichlich Fläche zu bieten, geht mit ihr gestalterisch aber angenehm zurückhaltend um. Das wirkt souverän und passt zum Charakter eines Reisebusses, den man ebenso gut als Geschäftsshuttle einsetzen könnte.
Den kleinen Flirt mit der Eitelkeit übernehmen die 19-Zoll-Monobloc-Räder. Ihr flächiges Design erinnert an Maybach und verändert die Wirkung der V-Klasse ziemlich deutlich. Wir wurden tatsächlich mehrfach gefragt, ob wir hier mit einer Maybach-V-Klasse unterwegs seien. Ein hübsches Kompliment für die Radwahl. Offenbar lässt sich auch im Großraum mit gutem Schuhwerk einiges anrichten.
Die überarbeitete Front setzt dazu einen etwas nüchterneren Akzent. Besonders die Scheinwerfer wirken auf uns sachlicher als beim Vorgänger. Das ist Geschmackssache; zum insgesamt aufgeräumten Auftritt passt es durchaus. Der große Stern im Kühlergrill lässt ohnehin wenig Zweifel an der Herkunft. Die Multibeam-LED-Scheinwerfer unseres Testwagens fügen sich stimmig ein.
In der Seitenansicht bleiben die kurze Front und der hohe, lange Aufbau prägend. Hier wird der Platzbedarf der Passagiere zur Form. Am Heck setzen die überarbeiteten LED-Leuchten und die Chromleiste mit Mercedes-Benz-Schriftzug die Modellpflege fort. Die große Heckklappe bleibt das bestimmende Element. Man kann sich schließlich auch in einen Bus vergucken. Wir hätten dafür inzwischen durchaus Verständnis.
Und innen?
Schwarzes Lugano-Leder und dunkles, gebürstetes Aluminium geben im Innenraum des Mercedes-Benz V 300d 4Matic den Ton an. Das wirkt gepflegt und vermittelt jenen Mercedes-Charakter, den wir uns von diesem Reiseauto wünschen.
Die Aufmachung des Cockpits verrät das Alter der V-Klasse allenfalls in Nuancen. Die beiden 12,3-Zoll-Displays bleiben überschaubar dimensioniert und bilden unter einer gemeinsamen Glasfläche eine klare Einheit. Die horizontal gegliederte Instrumententafel wirkt aufgeräumt; die Ambientebeleuchtung gibt ihr eine angenehm wohnliche Note.
Mercedes-typisch sitzen die Bedienelemente für die elektrische Vordersitzverstellung in den Türen. Auch Sitzheizung und Sitzbelüftung lassen sich dort direkt einstellen. Das ist gut erreichbar und angenehm vertraut. Die Touchflächen am Lenkrad und das Touchpad auf der Mittelkonsole gehören ebenfalls zur Einrichtung. Rund um das Touchpad bleiben erfreulich viele echte Tasten erhalten, auch die Klimabedienung hat ihr eigenes physisches Bedienfeld. Mit dieser Grundordnung finden wir uns schnell zurecht.
Die elektrisch verstellbaren Vordersitze sind ausgesprochen bequem. Ihre manuell ausziehbaren Oberschenkelauflagen machen sich auf längeren Strecken bezahlt. Weniger glücklich gerät die Abstützung der Arme: Bei bequem eingestellter innerer Armlehne liegt die feste Türarmauflage für uns zu niedrig. Gleichen wir die Höhen an, sitzen wir weniger entspannt. Eine zusätzliche äußere Sitzarmlehne wäre deshalb für Fahrer und Beifahrer wünschenswert, auch wenn sie etwas Platz beansprucht.
4 vollklimatisierte Einzelsitze im Fond
Im Fond warten vier Einzelsitze mit jeweils zwei Armlehnen. Bei sinnvoll gewählten Sitzpositionen finden sechs Erwachsene ausreichend Beinfreiheit; die Kopffreiheit fällt vorn wie hinten großzügig aus. Auch die Fondsitze werden beheizt und belüftet – beim Sitzklima gibt es keine billigen Plätze. Nur das Verschieben verlangt deutlich zu viel Kraft. Die nächste Sitzordnung wird unfreiwillig zur kleinen Trainingseinheit. Eine leichtgängigere Mechanik würde uns vollkommen genügen.
Beide elektrischen Schiebetüren öffnen und schließen ausgesprochen leise. Direkt an der Tür genügt außen ein leichter Zug am Griff; ein separater Taster fehlt dort. Innen gibt es Bedientasten. Ein separater Druckknopf außen wäre die bequemere Lösung.
Das zweiteilige Panoramadach verteilt seine Gunst eindeutig: Den direkten Blick durch die Glasflächen genießen die Fondpassagiere. Über Fahrer und Beifahrer bleibt der Dachhimmel geschlossen. Gerade im Familienbus hätten wir diese Aussicht gern gerechter verteilt gesehen.
Ausgesprochen sparsam fällt der gestalterische Aufwand bei den Verriegelungsstiften aus. Die kleinen Kunststoffriegel sitzen vorn ebenso wie an den Schiebetüren und wirken unangenehm billig. Natürlich zeigen sie zuverlässig an, ob abgeschlossen ist. Nur dürfte man diese Information in einem so ambitionierten Mercedes gern mit mehr Feinsinn überbringen. Hier meldet sich die Nutzfahrzeugverwandtschaft unverblümt zu Wort.
Der Antrieb des Mercedes-Benz V 300d 4Matic
Unter der kurzen Haube des Mercedes-Benz V 300d 4Matic arbeitet ein Vierzylinder-Diesel mit 1.950 Kubikzentimetern Hubraum. Er leistet 237 PS (174 kW) und stellt 500 Newtonmeter bereit. Die Kraft gelangt über eine Neungangautomatik an den permanenten Allradantrieb.
Im Umgang gefällt der Diesel durch seine gelassene Kraft. Anfahren und Beschleunigen erledigt er überzeugend, auch Überholvorgänge verlangen keine besonderen Vorbereitungen. Von außen macht er aus seiner Arbeitsweise kein Geheimnis. Innen kommt davon angenehm wenig an; erst bei kräftigem Beschleunigen meldet sich der Motor deutlicher. Der große Bus hält den Antrieb akustisch sehr ordentlich auf Abstand.
Die 9G-Tronic erledigt ihre Arbeit insgesamt hervorragend. Nur der neunte Gang pflegt gelegentlich eine gewisse Unnahbarkeit. Auf der Autobahn bleibt die Automatik nach unserem Eindruck zu lange in der achten Stufe oder wechselt zwischen den oberen Gängen, auch bei gleichmäßiger Fahrt mit Tempomat. Wir bitten den neunten deshalb gern über die rechte Schaltwippe persönlich hinzu. Die manuelle Eingriffsmöglichkeit bekommt damit einen ziemlich praktischen Sinn.
An ausreichender Leistung fehlt es uns nicht. Trotzdem wäre ein Dreiliter-Sechszylinder ein ausgesprochen reizvoller Gedanke für diesen Reisewagen. Sechs klimatisierte Sitzplätze und sechs Zylinder hätten zumindest eine gewisse formale Geschlossenheit. Man wird seine Wünsche schließlich noch kultivieren dürfen.
Die Airmatic passt gut zum großen Bus
Die Airmatic unseres Testwagens federt ausgesprochen gut. Sie lässt die V-Klasse dabei nicht vollständig von der Straße entrücken: Einzelne Schlaglöcher bleiben spürbar. Auf Kopfsteinpflaster zeigt sich die Luftfederung dafür von ihrer besonders angenehmen Seite. Gerade im Fond kommt von den Unebenheiten erfreulich wenig an.
Auf langen Bodenwellen hebt und senkt sich der Aufbau einmal, anschließend ist wieder Ruhe. Ein kurzer Gruß aus der Magengrube, dann geht die Reise gelassen weiter. Auch während dieser Bewegung bleibt der Mercedes sehr stabil. Nachschwingen oder ein schwammiges Fahrgefühl erleben wir nicht. Die Abstimmung verbindet viel Komfort mit einer überzeugenden Kontrolle des hohen Aufbaus.
Dazu passt die für einen Van angenehm präzise Lenkung. Die kurze Front lässt sich gut einschätzen; die lange Karosserie dahinter muss man gedanklich mitführen. Nach etwas Eingewöhnung kommen wir mit dem Format gut zurecht.
Der Sportmodus verändert den Charakter tatsächlich. Das Fahrwerk wird spürbar straffer, die Automatik lässt den Diesel höher ausdrehen. Die V-Klasse wirkt dadurch spontaner und lebendiger. Wer dieses Ansprechverhalten mag, findet hier eine nachvollziehbare Alternative. Wir kehren überwiegend zum Komfortprogramm zurück. Der Termin darf gern warten, solange wir so angenehm unterwegs sind.
Bis etwa 150 km/h bleibt es im Innenraum akustisch entspannt. Darüber nehmen Wind- und Abrollgeräusche merklich zu, bei höherer Drehzahl tritt auch der Motor stärker hervor. Bei sehr hohem Tempo spüren wir den Wind zudem etwas in der Lenkung.
4Matic – Ein Laster mit Bodenhaftung
Die V-Klasse bringt serienmäßig Heckantrieb mit; unser V 300d nutzt den optionalen permanenten Allradantrieb 4Matic. Die Antriebskraft verteilt sich im Grundverhältnis von 45 Prozent vorn und 55 Prozent hinten. Alle vier Räder werden also ständig angetrieben. Die reguläre Fahrzeughöhe wird durch 4Matic allein nicht erhöht.
Unterstützung liefert das elektronische Traktionssystem 4ETS. Dreht ein Rad auf rutschigem Untergrund durch, wird es gezielt abgebremst. Dadurch können die Räder mit besserer Haftung mehr Antriebsmoment übertragen. Das kann etwa beim Anfahren auf einer nassen Wiese oder auf verschneiten Zufahrten helfen. Für einen Reisewagen erweitert sich damit der Spielraum bei der Wahl seiner Ziele.
Zur Technik gehört außerdem die Bergabfahrhilfe DSR (Downhill Speed Regulation). Sie hält durch automatische Bremseingriffe eine vorgewählte niedrige Geschwindigkeit zwischen 4 und 18 km/h.
Für die veränderbare Bodenfreiheit sorgt in unserem Testwagen die zusätzlich bestellte Airmatic. Bei langsamer Fahrt lässt sich ein höheres Fahrzeugniveau wählen. Das schafft mehr Abstand zum Untergrund, beispielsweise auf einer ausgefahrenen Zufahrt. Abhängig von Fahrprogramm und Tempo kann sie das Fahrzeug außerdem automatisch absenken.
Die Luftfederung übernimmt außerdem den automatischen Beladungsausgleich. Steigen weitere Passagiere ein oder kommt Gepäck hinzu, regelt sie das Fahrzeugniveau nach. Ein gepflegter Laster darf schließlich auch Ziele haben, vor denen der Asphalt kapituliert.
Alltag & Verbrauch
Mercedes nennt für den Gepäckraum der langen V-Klasse 1.030 Liter. Wie viel Platz beim Reisen zur Verfügung steht, hängt auch von den Sitzpositionen ab. Rücken die hintersten Sitze vor, gewinnt das Gepäck. Sechs große Koffer würden wir trotzdem nicht ohne vorherige Anprobe einplanen. Etwas nachgiebigere Reisetaschen erleichtern das Arrangement. Unsere Konfiguration weist eine Nutzlast von 627 Kilogramm aus.
Die Laderaumunterteilung bringt eine zusätzliche Ebene samt nutzbaren Boxen mit. Besonders praktisch ist die separat öffnende Heckscheibe: Die nach dem Packen plötzlich wieder aufgetauchte Mütze lässt sich oben nachreichen, während die große Heckklappe geschlossen bleibt. Die gesamte Reisegesellschaft muss wegen eines vergessenen Kleidungsstücks also nicht erneut zur Ladebesprechung antreten.
Ablagen sind reichlich vorhanden, aufsteckbare Getränkehalter ergänzen die Fondsitze. Unter jedem Fondsitz warten außerdem zwei USB-C-Anschlüsse, insgesamt also acht. Das schafft gute Voraussetzungen, damit Smartphone, Tablet, Powerbank und was auch immer geladen werden muss unterwegs versorgt werden können.
In der Innenstadt und im Parkhaus verlangen Länge und Höhe etwas Geduld. Ein schönes Detail für enge Stellplätze sind die Außenspiegel: Nach dem Entriegeln bleiben sie angeklappt, solange wir nur die Schiebetüren oder die Heckklappe öffnen. Erst beim Öffnen einer vorderen Tür klappen sie aus.
Weniger Freude bereitet der fehlende schlüssellose Zugang. Die Türen bewegen sich elektrisch, zum Entriegeln bleibt der Griff zum Funkschlüssel. Bei der sonst so üppigen Komfortausstattung wirkt diese kleine Verpflichtung ziemlich aus der Zeit gefallen. Ausgerechnet diesen Handgriff hätten wir uns gern erspart.
Der Verbrauch des Mercedes-Benz V 300d 4Matic ist ansehnlich
Unser Gesamtdurchschnitt liegt bei 8,7 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Dabei haben wir den V 300d 4Matic keineswegs geschont. Angesichts seines Formats und des permanenten Allradantriebs finden wir das ausgesprochen ordentlich. Der WLTP-Wert unserer Konfiguration beträgt 8,0 Liter.
Ohne Autobahnanteil kamen wir auf 8,2 Liter. Wer entspannt unterwegs ist, kann sich nach unseren Erfahrungen meist zwischen sieben und acht Litern bewegen. Mit Autobahnanteil liegt der alltägliche Rahmen ungefähr zwischen sieben und neun Litern.
Auf der Sparrunde genügten sogar 5,5 Liter auf 100 Kilometer. Der große Mercedes kann beim Trinken also durchaus kleine Schlucke nehmen. Wird er kräftig gefordert, stehen dagegen etwa 10,7 bis 11,5 Liter im Raum. Rund elf Liter passen damit zu einer deutlich engagierteren Gangart.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Schon die serienmäßige Ausstattung der V-Klasse bringt einiges mit: MBUX samt digitalem Cockpit gehört ebenso dazu wie die 9G-Tronic und Schiebetüren auf beiden Fahrzeugseiten. Auch bei den Assistenten beginnt Mercedes erfreulicherweise auf einem vernünftigen Niveau. Der Abstandsregeltempomat Distronic ist bereits enthalten. Hinzu kommen unter anderem der aktive Bremsassistent mit Kreuzungsfunktion, der Totwinkelassistent und der aktive Spurhalteassistent. Ein Park-Paket mit Rückfahrkamera gehört ebenfalls zum Grundumfang.
Beim V 300d beginnt das Angebot bereits mit „Style“; die darunterliegende Basis-Linie lässt sich mit dem 300er-Diesel nicht kombinieren. Damit sind auch die Smartphone-Integration und das Spiegel-Paket enthalten. Hinzu kommen die halbautomatische Fondklimatisierung Tempmatic und der 70-Liter-Tank. Keyless-Start gehört ebenfalls zum Serienumfang. Den Schlüssel zum Motorstart in der Tasche lassen zu können, ersetzt allerdings keinen schlüssellosen Zugang. Auch „Style“ bleibt beim serienmäßigen H7-Halogenlicht.
Unsere Special Edition Avantgarde legt darauf kräftig nach. Zu ihrem Ausstattungsumfang zählen beispielsweise die Multibeam-LED-Scheinwerfer und das Burmester-Surround-Soundsystem. Der Testwagen ergänzt diese Basis um weitere Extras; darunter die Sitzklimatisierung auf sämtlichen sechs Plätzen. Was davon tatsächlich Freude macht, zeigt sich allerdings erst im Umgang damit. Ein langer Bestellzettel hat schließlich noch niemanden zuverlässig durch die Nacht geleuchtet.
Das MBUX im Mercedes-Benz V 300d 4Matic
Das MBUX arbeitet in unserem Mercedes-Benz V 300d 4Matic zuverlässig. Die Navigation funktioniert wie erwartet, die Sprachsteuerung gefällt uns ausgesprochen gut. Auch die Smartphone-Anbindung bleibt während unseres Tests durchgehend stabil. Weder das Display noch das System leisten sich einen Aussetzer. Dass es hier keinen „MBUX Superscreen“ – wie zum Beispiel in der E-Klasse (Test des Mercedes-Benz E 450d 4Matic T-Modell) – gibt, stört in diesem Fahrzeug weniger. Allerdings wäre ein bisschen Fond-Entertainment in Anbetracht der Nutzung nicht die schlechteste Idee.
Etwas weniger verbindlich geben sich die Touchflächen am Lenkrad. Meist reagieren sie ordentlich, gelegentlich bleibt eine Wischgeste jedoch ohne den gewünschten Effekt. Das fällt beispielsweise bei der Titelauswahl auf. Ein echter Knopf hätte hier bisweilen das überzeugendere Fingerspitzengefühl. Genau diese Problematik haben wir zuletzt in der A-Klasse (Test des Mercedes-Benz A 200) ebenfalls ausgemacht. Die Geschwindigkeitswarnung lässt sich über einen etwa zweisekündigen Druck auf die Leiser-Touchfläche deaktivieren.
Auf der Mittelkonsole ergänzt ein Touchpad den Touchscreen. Für unseren Geschmack wäre der Bildschirm allein ausreichend. An Möglichkeiten, etwas anzufassen, mangelt es diesem Mercedes wahrlich nicht. Sehr willkommen sind dagegen die physischen Direkttasten rund um das Touchpad und das kleine Rändelrad für die Lautstärke. Die Kameraansicht lässt sich ebenfalls direkt aufrufen. Das separate Bedienfeld für die Schiebetüren und die Bergabfahrhilfe sieht mit seiner Blindfläche bedeutender aus, als sein überschaubarer Aufgabenbereich vermuten lässt.
Assistenten und Kameras der V-Klasse
Der Abstandsregeltempomat Distronic erledigt seine Arbeit überzeugend. Nur die bereits beschriebene Gangwahl der Automatik stört gelegentlich die Gelassenheit. Auch der Spurhalteassistent gefällt uns: Wir würden ihn im oberen Drittel der bislang von uns getesteten Systeme einordnen.
Beim Rangieren wird die Rückfahrkamera für uns angesichts der langen Karosserie zur Pflichtausstattung. Die 360-Grad-Ansicht ergänzt sie sinnvoll und erleichtert das Einschätzen des unmittelbaren Umfelds. Gut nutzbar bleiben außerdem die ausreichend großen Außenspiegel. Gerade im engen Parkhaus sind wir für diesen Überblick dankbar.
Die Multibeam-LED im Mercedes-Benz V 300d 4Matic
Die Multibeam-LED-Scheinwerfer gehören zu den stärksten Argumenten dieser V-Klasse. Ihr Licht ist ausgesprochen hell und verteilt sich angenehm gleichmäßig auf der Fahrbahn. Dazu kommt eine ausgezeichnete Reichweite. Das adaptive Fernlicht mit Matrixfunktion ergänzt diesen überzeugenden Eindruck.
Für uns bewegt sich das System auf Augenhöhe mit dem ebenfalls hervorragenden IQ.Light des T7 Multivan. Beide gehören zu den besten Lichtanlagen, die wir in dieser Fahrzeugklasse bislang erlebt haben. Einen Sieger nach einzelnen Nuancen auszurufen, würden wir uns hier sparen.
Umso unverständlicher finden wir, dass die Basis-V-Klasse auch 2026 noch mit Halogenscheinwerfern ausgeliefert wird. H7-Leuchten passen für uns schlicht nicht zum Anspruch eines modernen Premium-Vans. Beim Stern wird auf Hochglanz poliert, beim serienmäßigen Licht offenbar der Rotstift gespitzt. Multibeam-LED gehört deshalb für uns auf die Pflichtliste; je nach Ausstattungslinie ist es ohnehin bereits enthalten.
Einen Kritikpunkt behält allerdings auch unser hervorragend leuchtender Testwagen: Eine Scheinwerferreinigungsanlage fehlt. Gerade bei winterlich verschmutzten Straßen hätten wir uns diese Möglichkeit gewünscht. Ein so guter Lichtkegel hätte saubere Scheinwerfer verdient.
Das Burmester-Surround-Soundsystem
In unserem Testwagen spielt das Burmester-Surround-Soundsystem. Es ist eine andere Anlage als beispielsweise das Burmester High-End 4D-Surround-Soundsystem der S-Klasse. Unsere Bewertung gilt ausdrücklich der hier verbauten Ausführung, die als einziges optionales Sound-Upgrade verfügbar ist.
Bei Christina Aguileras „Genie in a Bottle“ gefällt uns das Zusammenspiel aus rhythmischem Bassfundament und natürlicher Stimmwiedergabe. Der Bass bekommt ordentlich Gewicht, auch feine Details präsentiert die Anlage ausgesprochen präsent. Aguileras Stimme behält dabei ihren natürlichen Charakter. Der Titel wirkt dynamisch und füllt den großen Innenraum überzeugend.
Mario Winans’ „I Don’t Wanna Know“ setzt einen anderen Akzent. Die charakteristische, wortlose Gesangsschleife stammt aus Enyas „Boadicea“. Diese schwebende, nachhallende Stimme prägt die Atmosphäre des Stücks. Ihre feinen Schwingungen kommen im Mercedes schön zur Geltung. Gerade daran lässt sich nachvollziehen, wie gut die Anlage auch solche Details neben der eigentlichen Hauptstimme hörbar macht.
Wir haben auf allen Sitzplätzen gehört. In der mittleren Reihe werden wir besonders angenehm von der Musik umhüllt. Ganz hinten verorten wir das Klanggeschehen stärker in Richtung Fahrzeugfront; wie deutlich das auffällt, hängt auch vom Titel ab. Das Gesamtbild gefällt uns dennoch auf sämtlichen Plätzen.
Auch bei hoher Lautstärke bleibt der Klang angenehm. Hörbare Verzerrungen fallen uns nicht auf. Die maximale Lautstärke gerät weniger exzessiv, als man vielleicht erwartet, reicht uns aber vollkommen. Diese konkrete Anlage erreicht für uns kein audiophiles Referenzniveau. Sie beschallt den großen Reisewagen jedoch ausgesprochen überzeugend und macht auch längere Hörsessions zum Vergnügen.
Klimatisierung im V 300d 4Matic
Die Klimatisierung bewältigt den großen Innenraum überzeugend. Unter unseren Testbedingungen stellt sich nach gefühlt zwei bis drei Minuten ein angenehmes Temperaturniveau auf allen Plätzen ein. Sowohl beim Heizen als auch beim Kühlen funktioniert das erfreulich gut.
Dabei bleibt das Gebläse im normalen Betrieb angenehm im Hintergrund. Auch die Sitzheizung und die Sitzbelüftung arbeiten auf allen sechs Plätzen wirkungsvoll. Der Komfort endet erfreulicherweise an keiner der drei Sitzreihen.
Varianten & Preise der Mercedes-Benz V-Klasse 2026
Die V-Klasse lässt sich vom vernünftig ausgestatteten Reisebus bis zum üppig eingerichteten Sechssitzer aufrüsten. Entsprechend groß fällt die Preisspanne aus. Wir nennen die Preise auf volle Euro gerundet. Nur beim Paketvergleich schauen wir ausnahmsweise auch auf die Centbeträge – manches Ersparnis wäre sonst kaum zu erkennen.
Motorisierungen und Einstiegspreise der V-Klasse
Die V-Klasse beginnt nach den vorliegenden deutschen Preislisten bei 54.805 Euro für den V 220d mit 163 PS. Der V 250d mit 190 PS startet bei 56.732 Euro. Als einzige Benzinvariante tritt der V 300 mit 231 PS an; hier geht es bei 58.538 Euro los.
Unser 237 PS starker V 300d beginnt als Kompaktversion bei 62.147 Euro. Für die lange Ausführung werden mindestens 63.110 Euro aufgerufen, die extralange Variante startet bei 64.086 Euro. Diese Einstiegspreise beziehen sich auf den Heckantrieb. Der permanente Allradantrieb kostet beim V 300d zusätzlich 4.961 Euro. Damit liegt der Einstieg für den hier getesteten V 300d 4Matic lang bei 68.071 Euro.
Bereits enthalten ist die Ausstattungslinie „Style“. Anders als bei den schwächeren Dieseln lässt sich der V 300d nicht mit der darunterliegenden Basis-Linie kombinieren. Zum „Style“-Umfang gehören unter anderem die Smartphone-Integration und das Spiegel-Paket, das elektrisch anklappbare Außenspiegel und einen automatisch abblendenden Innenspiegel umfasst. Dazu kommen die Fondklimatisierung Tempmatic sowie der 70-Liter-Tank. Die erste Stufe der Komforttreppe hat der stärkste Diesel somit bereits genommen.
Die Ausstattungslinien des Mercedes-Benz V 300d 4Matic
Alle folgenden Grundpreise gelten für den V 300d 4Matic (lang) und enthalten die jeweils notwendigen Ausstattungskombinationen. Den Einstieg bildet „Style“ ab 68.071 Euro.
Die „Special Edition Style“ startet bei 74.530 Euro. Sie bündelt unter anderem das Style-Plus-Paket mit Multibeam-LED, das Winter-Paket und das Fahrassistenz-Paket. Eine 360-Grad-Kamera und eine Metallic-Lackierung sind ebenfalls enthalten. Gerade das gute Licht macht diese Ausführung für uns interessant.
„Avantgarde“ kostet ab 80.971 Euro und setzt stärker auf die Einrichtung: Lugano-Leder und die Klimatisierungsautomatik Thermotronic für vorn gehören dazu. Die Ambientebeleuchtung erstreckt sich hier auf Cockpit und Fond. Die für diese Linie erforderlichen Kombinationen sind im genannten Grundpreis berücksichtigt.
Die „Special Edition Avantgarde“ beginnt bei 85.507 Euro. Sie ergänzt unter anderem Burmester-Sound und die Navigation mit Augmented Reality. Das Easy-Pack-Paket bringt elektrische Schiebetüren auf beiden Seiten sowie die elektrische Heckklappe mit.
Die Top-Linie „Exclusive“ startet bei 96.367 Euro. Nappaleder und elektrisch verstellbare Vordersitze setzen hier den Akzent. Dazu kommen beispielsweise der digitale Innenspiegel und die Kühlerverkleidung mit LED-Lichtband. Die sechsstellige Versuchung steht damit bereits vor der Tür, bevor weitere persönliche Wünsche auf dem Bestellzettel landen.
Die Preisstruktur des Mercedes-Benz V 300d 4Matic
Einzeloptionen – Komfort hat seine Position
Wer seine V-Klasse gezielt zusammenstellt, sollte zunächst auf die bereits enthaltenen Umfänge schauen. Multibeam-LED kostet als Einzeloption 2.592 Euro, steckt je nach Linie oder Paket aber schon im Fahrzeugpreis. Ähnlich verhält es sich mit dem Burmester-Surround-Soundsystem für einzeln 1.316 Euro. Bei unserer „Special Edition Avantgarde“ wäre es falsch, diese Beträge nochmals auf den Gesamtpreis zu addieren.
Die von uns geschätzte Airmatic steht mit 2.395 Euro in der Aufpreisliste. Das Panoramadach kostet 3.946 Euro. Für den digitalen Innenspiegel werden einzeln 765 Euro aufgerufen. Solche Positionen erklären recht schnell, weshalb zwischen dem Einstiegspreis und unserem Testwagen eine stattliche Summe liegt.
Auch im Kleinen wird gerechnet: Eine Sitzheizung kostet einzeln 289 Euro pro Vordersitz. Für die Lordosenstütze des Beifahrers werden 83 Euro verlangt, sofern sie nicht bereits enthalten ist. Zwei zusätzliche Hauptschlüssel kosten 195 Euro. Damit erhält man insgesamt vier Schlüssel; für den regulären zweiten Schlüssel wird also kein Aufpreis verlangt.
Pakete – Bündeln heißt nicht automatisch sparen
Das Winter-Paket für 1.134 Euro kombiniert die Lenkradheizung mit beheizbaren Vordersitzen und beheizten Wet-Wiper-Wischblättern. Auf Basis der ungerundeten Einzelpreise liegt das Paket sogar 1,19 Euro über der Summe seiner Bestandteile. Einen Sparvorteil bietet es in dieser Gegenüberstellung somit nicht.
Ähnlich überschaubar fällt die Rechnung beim Easy-Pack-Paket aus. Es kombiniert beide elektrischen Schiebetüren mit der elektrischen Heckklappe und kostet 3.131 Euro. Gegenüber den ungerundeten Einzelpreisen spart es exakt 2,38 Euro. Der Nachlass ist damit deutlich leichter zu übersehen als der Bus.
Das Fahrassistenz-Paket für 221 Euro erweitert die bereits vorhandene Assistenz. Es ergänzt unter anderem den aktiven Lenkassistenten und die streckenbasierte Geschwindigkeitsanpassung. Distronic muss man sich mit diesem Betrag also nicht erst freikaufen.
Das Style-Plus-Paket kostet einzeln 5.531 Euro und bündelt unter anderem Multibeam-LED mit weiteren Komfort- und Designausstattungen. Hier lohnt sich der Vergleich mit der „Special Edition Style“, bevor weitere Einzeloptionen angekreuzt werden. Beim Wechsel von der „Special Edition Style“ zu „Avantgarde“ entfällt beispielsweise das Akustikpaket. Eine höhere Linie übernimmt also nicht automatisch jeden bisherigen Umfang.
Die „AMG Line“ für 5.132 Euro setzt auf sportlichere Gestaltung und Fahrwerksabstimmung. Mehr Motorleistung kauft man damit nicht. Das Night-Paket für 621 Euro ergänzt schwarze Akzente, deren Umfang von der übrigen Konfiguration abhängt. Wer den Nutzwert stärker gewichtet, findet beispielsweise ein Akustikpaket für 375 Euro. Das Diebstahlschutz-Paket für 749 Euro erweitert die einzelne Alarmanlage um Innenraumüberwachung und Abschleppschutz.
Unser Testwagen – Die sechsstellige Versuchung
Die vorliegende Konfiguration unseres Testwagens weist einen Fahrzeugpreis von 105.043 Euro inklusive Mehrwertsteuer aus. Darin ist bereits ein individueller Kundenvorteil berücksichtigt. Ohne diesen nennt das Dokument 111.588 Euro. Die Überführung kommt hinzu.
Zu den teuren Ergänzungen zählen neben der Airmatic und dem Panoramadach die klimatisierten Fondsitze. Allein die Sitzklimatisierung kostet für jede der beiden hinteren Reihen 1.629 Euro. Dazu kommen weitere Extras wie die elektrische Vordersitzverstellung. Unser Sechssitzer zeigt damit recht anschaulich, wie weit sich die Lust am Laster ausbauen lässt. Der Platz reicht schließlich auch für eine ausgesprochen lange Sonderausstattungsliste.
Garantie der Mercedes-Benz V-Klasse
Auf die V-Klasse gewährt der Hersteller eine zweijährige Mercedes-Nutzfahrzeuggarantie ohne Kilometerbegrenzung. Für eine längere Absicherung werden kostenpflichtige Garantieverlängerungen angeboten. Deren Laufzeit und Leistungsumfang sind beim jeweiligen Angebot gesondert zu prüfen.
Kundenfeedback
Für unseren Mercedes-Benz V 300d 4Matic Test haben wir auch Besitzererfahrungen zur seit 2024 angebotenen zweiten Modellpflege der V-Klasse ausgewertet. Die Rückmeldungen aus den Jahren 2024 bis 2026 zeichnen ein durchaus gemischtes Bild.
Konkrete Umsteiger finden sich durchaus: Ein ehemaliger Audi-Q5-Fahrer berichtet im Mai 2024 über seinen neuen V 300d 4Matic lang. Es ist sein erster Mercedes und zugleich sein erster Bus. Nach den ersten Tagen zeigt er sich positiv überrascht und empfindet den Verbrauch angesichts des Formats als erfreulich niedrig.
Ein anderer Besitzer kam vom Mercedes GLS 500. Den Bus und dessen Motor wollte er zunächst eigentlich nicht. Inzwischen fahre er entspannter, vermisse nichts und sei sehr zufrieden; auch seine Familie schätze den Wechsel. Seine späteren Beiträge enthalten allerdings ebenfalls Beanstandungen an der Elektronik.
Auch aus dem Multivan-Lager gibt es eine konkrete Kaufentscheidung: Nach 16 zufriedenen Jahren mit einem Fünfzylinder-Multivan bestellte ein Fahrer 2025 eine V-Klasse „Avantgarde“. Ausschlaggebend seien seine Transportanforderungen und der gewünschte Cockpitkomfort gewesen. Das belegt eine bewusste Modellwahl, liefert für sich genommen aber noch kein Langzeiturteil über den neuen Mercedes.
Bei bisherigen V-Klasse-Fahrern fällt das Gesamturteil ebenfalls teils ausdrücklich positiv aus. Ein Besitzer lobt die zweite Modellpflege ausdrücklich und möchte nach einer mehr als 4.000 Kilometer langen Urlaubsfahrt selbst den zunächst ungeliebten Spurassistenten nicht mehr missen. Ein anderer Besitzer eines V 300d berichtet nach rund 29.000 Kilometern innerhalb von 15 Monaten von geringerem Verbrauch gegenüber seiner vorherigen V-Klasse.
Mercedes-Benz V300d 4Matic: Was Besitzer kritisieren
Die Zustimmung fällt keineswegs bedingungslos aus. Ein Fahrer eines V 300d zieht nach 20.000 Kilometern ein gemischtes Urteil: sehr bequem und insgesamt kein schlechter Kauf, zugleich aber Probleme mit der Schiebetürautomatik und lose Verkleidungsteile. Angesichts seines Kaufpreises erwartet er mehr Sorgfalt.
Ein weiterer Besitzer schildert im Januar 2026 starke Knarzgeräusche bei Frost und kritisiert bekannte Funktionsprobleme. Trotzdem bezeichnet er die V-Klasse insgesamt weiterhin als tolles Auto. Solche Aussagen zeigen, dass ein positives Gesamturteil und ein gewisser Ärger nebeneinander bestehen können.
Wiederholt angesprochen werden aufdringliche Warnungen und aus Sicht der Betroffenen unnötige Bremseingriffe, insbesondere beim Rangieren. Daneben finden sich Berichte über zeitweise nicht funktionierende elektrische Schiebetüren sowie einzelne MBUX-Neustarts während der Fahrt.
Beim Multibeam-Licht stehen zufriedenen Nutzern Berichte über eine zu niedrige Einstellung gegenüber. Ein Besitzer schildert eine Verbesserung nach Werkstattjustage und Softwareupdate. Auch ein Fahrer eines V 300d mit Baujahr Juni 2025 berichtet im September desselben Jahres von behobenen Rangierproblemen nach einem Werkstattaufenthalt mit neuer Software.
Bei unserem Testwagen arbeitete das MBUX durchgehend stabil; die Multibeam-Scheinwerfer überzeugten ebenfalls. Aus den individuellen Besitzerberichten lässt sich keine belastbare Fehlerquote für das Facelift-Modell ableiten.
Für wen eignet sich der Mercedes-Benz V 300d 4Matic?
Die lange V-Klasse passt besonders gut zu Familien, die regelmäßig mit mehreren großen Kindern oder Erwachsenen unterwegs sind. In unserer Sechssitzer-Konfiguration haben alle ausreichend Bein- und Kopffreiheit. Über die verschiebbaren Fondsitze lässt sich der Raum zwischen Passagieren und Gepäck bedarfsgerecht verteilen. Gerade auf längeren Reisen zahlt sich aus, dass auch die hinterste Reihe vollwertigen Sitzkomfort bietet.
Wer häufig weite Strecken zurücklegt, dürfte außerdem die Kombination aus kräftigem Diesel und guter Geräuschdämmung schätzen. Mit der optionalen Airmatic federt der Mercedes ausgesprochen angenehm, ohne auf langen Bodenwellen unruhig zu werden. Der permanente Allradantrieb ist vor allem für Käufer interessant, die seine zusätzliche Traktion tatsächlich nutzen möchten.
Auch als Geschäftsshuttle ist diese Ausführung überzeugend. Der dezente Außenauftritt passt zu professionellen Einsätzen, die leisen elektrischen Schiebetüren erleichtern den Zugang. Die wirksame Klimatisierung kommt allen Mitreisenden zugute. Wer die Sitzheizung und Sitzbelüftung für sämtliche sechs Plätze mitbestellt, behandelt seine Fahrgäste ausgesprochen zuvorkommend. Dass wir selbst ebenfalls davon profitieren, lässt sich erfreulich diskret als Servicegedanke verbuchen.
Für wen eignet sich der Mercedes-Benz V 300d 4Matic nicht?
Wer überwiegend allein kurze Strecken durch die Innenstadt fährt, nutzt die Stärken dieser langen V-Klasse kaum aus. Ihre Abmessungen verlangen bei der Parkplatzsuche Aufmerksamkeit; in engen Parkhäusern braucht es Geduld. Der großzügige Innenraum ist dann vor allem Platz, den man täglich mit durch die Stadt trägt.
Auch wer die Sitzanordnung ständig verändern möchte und dafür eine besonders leichtgängige Bedienung erwartet, sollte genau hinsehen. Die Fondsitze lassen sich zwar variabel positionieren, verlangen beim Verschieben aber erheblich mehr Kraft, als wir uns wünschen. Familienfreundlichkeit dürfte an dieser Stelle gern mit weniger Körpereinsatz auskommen.
Bei regelmäßig sechs Personen samt großem Urlaubsgepäck verdient die konkrete Sitzstellung ebenfalls Aufmerksamkeit. Mehr Beinfreiheit geht zulasten des Gepäckraums. Sechs große Koffer sind deshalb etwas, das wir vor dem Kauf mit dem eigenen Gepäck ausprobieren würden. Im Zweifel schafft die extralange Version hier Abhilfe.
Für Käufer mit dem Anspruch, bei einem sechsstelligen Preis bis ins letzte Detail Luxuslimousinen-Niveau zu bekommen, bleiben zudem Reibungspunkte. Die einfachen Türpins und die Armlehnen-Ergonomie vorn passen nicht recht dazu. Wer schlüssellosen Zugang zwingend voraussetzt, findet ihn hier auch gegen Aufpreis nicht.
Und wer vor allem günstig viel Raum erwerben möchte, dürfte mit unserer üppigen Konfiguration kaum glücklich werden. Beheizte und belüftete Sitzplätze sind eine sehr angenehme Vorliebe. Eine besonders sparsame Form der Familienplanung sind sie nicht.
Fazit zum Mercedes-Benz V 300d 4Matic
Unser Mercedes-Benz V 300d 4Matic Test zeigt, wie leicht aus einem handfesten Platzbedarf eine teure Vorliebe wird. Sechs Erwachsene reisen hier ausgesprochen bequem. Mit der Airmatic bleibt der große Mercedes angenehm gefedert und jederzeit verbindlich auf der Straße. Dass unser Testwagen auf sämtlichen Plätzen auch noch heizt und belüftet, macht die familiäre Fürsorge verdächtig verlockend.
Der kräftige Diesel passt gut zu diesem Reisewagen. Er bleibt innen meist angenehm zurückhaltend und begnügte sich im Testdurchschnitt mit 8,7 Litern auf 100 Kilometer. Nur die gelegentliche Zurückhaltung der Automatik beim neunten Gang stört die sonst überzeugende Vorstellung. Das hervorragende Multibeam-Licht zählt für uns zu den besonders sinnvollen Ausstattungen.
Ganz abschütteln kann die V-Klasse ihre Nutzfahrzeugwurzeln allerdings nicht. Die schwergängigen Fondsitze verlangen unnötig viel Kraft, die einfachen Türpins wirken dem Preis nicht angemessen. Dass ein schlüsselloses Zugangssystem selbst gegen Aufpreis nicht erhältlich ist, bleibt angesichts der übrigen Komfortausstattung schwer nachvollziehbar. Auch die Armlehnen-Ergonomie vorn dürfte sorgfältiger gelöst sein.
Die Lust am Laster braucht deshalb einen aufmerksamen Blick auf die Bestellung. Unser üppig ausgestatteter Sechssitzer überschreitet die 100.000-Euro-Marke deutlich. Vieles davon macht das Reisen tatsächlich angenehmer; einen solchen Betrag würden wir trotzdem gern ohne diese kleinen Ärgernisse ausgeben.
Für Familien, die regelmäßig mehrere Erwachsene oder große Kinder mitnehmen, ist die lange V-Klasse eine überzeugende Wahl. Auch als komfortables Geschäftsshuttle passt sie sehr gut. Wer überwiegend allein durch enge Innenstädte fährt, sollte seinen tatsächlichen Platzbedarf genauer prüfen. Und wer für sechsstellige Summen bis ins letzte Detail die Feinheit einer Luxuslimousine erwartet, wird hier gelegentlich an die Herkunft des geräumigen Mercedes erinnert.
Manche Laster sollte man ablegen. Bei diesem würden wir lieber noch eine Reise dranhängen.
Konkurrenz & Vergleich
Im Mercedes-Benz V 300d 4Matic Test reicht das Konkurrenzfeld vom pragmatischen Personenbus bis zur luxuriösen Großraumlimousine. Wir unterscheiden deshalb zwischen Premium-Vans und den klassischen Familien- und Shuttlemodellen. Entscheidend bleibt die konkrete Ausführung: Ein attraktiver Einstiegspreis beschreibt selten jene Komfortausstattung, mit der unser Mercedes vorfährt.
Premium-Konkurrenz zum Mercedes-Benz V 300d 4Matic
Der Lexus LM 350h (Test des Lexus LM 350h) setzt stärker auf luxuriösen Fondkomfort. Als siebensitziger „Executive“ beginnt er bei 128.000 Euro; der von uns getestete viersitzige „Luxury“ kostet mindestens 153.850 Euro. Der Vollhybrid besitzt serienmäßig E-Four-Allrad. Die aktuelle deutsche Preisliste nennt 206 PS Systemleistung, während unser früherer Teststand noch 250 PS aufwies. Für sechs Mitreisende kommt entsprechend der Siebensitzer infrage.
Der elektrische XPeng X9 (Test des XPeng X9 FWD) verbindet sieben Plätze mit serienmäßiger Zweikammer-Luftfederung und Hinterachslenkung. Die aktuellen deutschen Frontantriebsvarianten leisten 320 PS und beginnen bei 77.600 Euro. Der „AWD Performance“ kombiniert 503 PS mit Allradantrieb und startet bei 86.600 Euro. Damit ist der X9 besonders für Käufer interessant, die umfangreiche Komforttechnik wünschen und ihre Reisen elektrisch absolvieren möchten.
Der Denza D9 DM-i ergänzt das Feld als siebensitziger Plug-in-Hybrid mit 353 PS Systemleistung und serienmäßigem Allradantrieb in der europäischen Ausführung. Sein Lounge-Konzept zielt ebenfalls auf gehobenen Reise- und Shuttlekomfort. Der deutsche Herstellerauftritt nennt bislang einen Vorbestell-Preisbereich von 80.000 bis 90.000 Euro; einen verbindlichen Grundpreis behandeln wir entsprechend noch nicht als gesichert.
Auch der Maxus Mifa 9 (Test des Maxus Mifa 9) passt mit seinen komfortorientierten Einzelsitzen in diese Gruppe. Der elektrische Siebensitzer besitzt 245 PS und Frontantrieb. Zuletzt begann er in Deutschland bei 68.990 Euro. Im aktuellen deutschen Modellprogramm wird er allerdings nicht mehr aufgeführt. Wir sehen ihn deshalb vor allem als Bestands- oder Gebrauchtalternative.
Der Multivan ist ein nahezu direkter „Nicht-Premium-Konkurrent“
Der VW Multivan ist der naheliegende klassische Gegenspieler und beginnt laut aktuellem Herstellerauftritt bei 57.465 Euro. Der Diesel leistet 150 PS, der Benziner 204 PS; beide besitzen Frontantrieb. Wer 4Motion möchte, bekommt den Allradantrieb beim 245 PS starken Plug-in-Hybrid. Ein Allrad-Diesel wie unser Mercedes steht beim aktuellen Multivan leider nicht mehr zur Wahl.
Beim Ford Tourneo Custom reicht das Dieselangebot von 110 bis 170 PS. Für entsprechende Automatikversionen ist Allrad erhältlich. Der Plug-in-Hybrid kombiniert dagegen 233 PS Systemleistung mit Frontantrieb. Für den „Trend“ mit 136-PS-Diesel nennt Ford derzeit eine unverbindliche Preisempfehlung von gerundet 50.992 Euro. Der E-Tourneo Custom erweitert die Auswahl um 136 PS mit Heckantrieb, 218 PS mit Heck- oder Allradantrieb sowie 285 PS mit Allrad. Als elektrischer „Titanium“ mit 218 PS und Heckantrieb wird er aktuell mit 64.439 Euro UPE geführt.
Die VW Caravelle beginnt bei 53.830 Euro und richtet sich besonders an klassische Shuttle- und Personenbeförderungsaufgaben. Ihre Diesel leisten 110, 150 oder 170 PS; die beiden stärkeren Varianten lassen sich mit Automatik und optionalem 4Motion kombinieren. Hinzu kommen ein 233 PS starker Plug-in-Hybrid mit Frontantrieb und die elektrische e-Caravelle mit bis zu 286 PS. Gerade bei häufigen Fahrten mit vielen Passagieren gehört sie auf die Vergleichsliste.
Auch die elektrischen Alternativen verdienen eine Erwähnung
Der Hyundai Staria verfolgt einen eigenständigen Ansatz. Als Vollhybrid leistet er 225 PS und besitzt Frontantrieb. Der Neunsitzer beginnt bei 49.500 Euro, der siebensitzige „Signature“ bei 58.950 Euro. Unser damaliger Test des Hyundai Staria beschreibt noch den früheren Diesel; dessen HTRAC-Allradangebot lässt sich leider nicht auf die heutigen Frontantriebsmodelle übertragen. Der inzwischen ebenfalls angebotene Staria Elektro leistet 218 PS. Als Neunsitzer startet er bei 57.450 Euro, als komfortbetonter siebensitziger „Calligraphy“ bei 66.950 Euro.
Der VW ID.Buzz (Test des VW ID. Buzz) beginnt bei 52.271 Euro. Die aktuelle Modellpalette reicht vom 190 PS starken „Pure“ über den „Pro“ mit 286 PS bis zu den 4Motion-Ausführungen mit 340 PS. Die einmotorigen Varianten fahren mit Heckantrieb; Allrad gibt es auch beim „Pro 4Motion“ und serienmäßig beim GTX (Test des ID. Buzz GTX). Besonders die Langversion ist als elektrischer Familienreisewagen interessant. Sein Bulli-Charme bleibt allerdings eine eigene Form kostspieliger Verführung.
Der Kia PV5 Passenger (Test des Kia PV5 Passenger) setzt preislich deutlich tiefer an: Der aktuelle Herstellerauftritt nennt einen Einstieg von 38.690 Euro. Zur Wahl stehen 122 oder 163 PS, jeweils mit Frontantrieb. Kia führt inzwischen auch Sechs- und Siebensitzer auf. Unser Test betrifft den Fünfsitzer. Der PV5 ist damit eine Alternative für Käufer, die viel Raum und elektrischen Antrieb wünschen, bei aufwendiger Komforttechnik aber geringere Ansprüche stellen.
Die große Bus-Verwandtschaft zum Mercedes-Benz V 300d 4Matic
Opel Zafira, Peugeot Traveller und Citroën SpaceTourer teilen sich wesentliche technische Grundlagen. Die hier relevanten regulären Ausführungen besitzen Frontantrieb. Als Diesel stehen 180 PS bereit, die elektrischen Versionen leisten 136 PS. Preislich beginnt der Zafira „Edition“ als Diesel bei 42.690 Euro, der Traveller „Active“ bei 41.630 Euro. Beim SpaceTourer nennt die vorliegende Preisliste 40.930 Euro für den Diesel und 46.430 Euro für den elektrischen Einstieg. Unser Test des Citroën e-Spacetourer liefert einen Eindruck vom elektrischen Vertreter dieser Familie.
Der Toyota Proace Verso gehört ebenfalls in diesen Kreis. Er bietet Diesel mit 150 oder 180 PS sowie einen Elektroantrieb mit 136 PS, jeweils mit Frontantrieb. Unterschiedliche Sitzkonfigurationen machen ihn insbesondere für Familien und Shuttlebetreiber interessant.
Auch der Fiat Ulysse ist ein naher Verwandter. Die aktuelle deutsche Preisliste führt ihn mit 180-PS-Diesel, Achtgangautomatik und Frontantrieb. Als „Icon“ beginnt er bei 44.590 Euro, als „La Prima“ bei 51.590 Euro. Bei dieser Gruppe würden wir vor allem die gewünschte Sitzanordnung und die konkrete Komfortausstattung vergleichen. Ein ähnlicher Grundriss allein garantiert noch kein vergleichbares Reisegefühl.
Weitere Shuttle-Alternativen: Trafic und Primastar
Der Renault Trafic Combi startet bei 40.329 Euro. Die Dieselpalette reicht je nach Ausführung von 110 bis 170 PS, der Antrieb erfolgt über die Vorderräder. Näher am komfortorientierten Einsatz unserer V-Klasse liegt der Trafic „Spaceclass“ ab 58.096 Euro. Hier sind die 150- und 170-PS-Versionen besonders relevant.
Der Nissan Primastar Kombi ergänzt diese stärker zweckorientierten Alternativen. Als „N-Connecta“ mit neun Sitzplätzen beginnt er bei gerundet 43.887 Euro. Seine Diesel leisten 110, 150 oder 170 PS und treiben ebenfalls die Vorderräder an. Wer vor allem viele Menschen befördern möchte, sollte diese Modelle berücksichtigen. Die Komfortausstattung unseres Mercedes muss dabei jeweils einzeln gegengeprüft werden, ist aber teilweise nicht mal im Ansatz vorhanden.
EQV & VLE als Konkurrenz zum Mercedes-Benz V 300d 4Matic
Innerhalb der Marke eröffnet der Mercedes-Benz VLE eine weitere vollelektrische Perspektive. Die aktuelle deutsche Modellübersicht nennt für den VLE 300 276 PS, für den VLE 400 4Matic 422 PS und Allradantrieb. Sein stärker auf Oberklasse-Komfort ausgerichtetes Konzept macht ihn vor allem für Käufer interessant, die ihren Reisewagen ohnehin elektrisch bewegen möchten.
Der Mercedes-Benz EQV bleibt mit 204 PS und Frontantrieb ebenfalls erwähnenswert. Mercedes führt ihn inzwischen allerdings unter den eingestellten Modellen. Er gehört damit in die Betrachtung von Bestands- und Gebrauchtwagen, während der VLE die aktuelle elektrische Alternative der Marke bildet.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D
Vorteile ✅
- Viel Bein- und Kopffreiheit für sechs Erwachsene.
- Sehr guter Federungskomfort mit optionaler Airmatic.
- Kräftiger Diesel bei angemessenen 8,7 Litern Testverbrauch.
- Hervorragende Ausleuchtung durch die Multibeam-LED-Scheinwerfer.
- Hoher Reisekomfort mit sechs beheizten und belüfteten Sitzen im Testwagen.
Nachteile ❌
- Hoher Preis bei umfangreicher Komfortausstattung.
- Schlüsselloser Zugang auch gegen Aufpreis nicht erhältlich.
- Fondsitze lassen sich nur mit erheblichem Kraftaufwand verschieben.
- Einfache Türpins und unausgewogene Armlehnen-Ergonomie vorn.
- Halogenlicht serienmäßig; auch Multibeam ohne Scheinwerferreinigungsanlage.
Technische Daten des Mercedes-Benz V 300d 4Matic
| Modell | Mercedes-Benz V 300d 4Matic |
| Länge x Breite x Höhe (m) | 5,14 x 1,93 (2,25 mit Außenspiegeln) x 1,90 |
| Radstand (mm) | 3.200 |
| Motor | Vierzylinder-Reihenmotor mit Biturbo-Aufladung |
| Hubraum (ccm) | 1.950 |
| Leistung (kW / PS) | 174 / 237 |
| Drehmoment (Nm) | 500 |
| Getriebe | 9-Gang-Automatikgetriebe (9G-Tronic) |
| Antrieb | Allrad |
| Kraftstoffart | Diesel |
| Durchschnittsverbrauch (WLTP in Liter) | 8,0 |
| Durchschnittsverbrauch (NEU! in Liter) | 8,7 |
| CO²-Ausstoß (nach WLTP in g/km) | 209 |
| Abgasnorm | Euro 6e |
| 0 auf 100 km/h (in Sekunden) | 7,4 |
| Höchstgeschwindigkeit (km/h) | 215 |
| Leergewicht (kg) | 2.284 |
| Kofferraumvolumen (l) | 1.030 – 4.630 |
| Farbe | Graphitgrau Metallic |
| Grundpreis (Euro) | 54.805 / 68.071 (V 300d 4Matic lang) |
| Testwagenpreis (Euro) | 111.587 |













































