Der KGM Actyon 4WD Test beginnt mit einer Frage, die uns erstaunlich häufig gestellt wurde: Ist das ein Range Rover? Nein, auch wenn die langgestreckte Seitenansicht und einige gestalterische Anleihen diesen Verdacht nicht völlig absurd erscheinen lassen. Hinter dem großen SUV-Coupé steht KGM – ausgeschrieben KG Mobility und früher unter dem Namen SsangYong bekannt. Eine Erklärung, die bei vielen Betrachtern zuverlässig den nächsten fragenden Blick auslöste.
Auch der Modellname ist nicht neu. Bereits in den 2000er-Jahren trug ein ausgesprochen eigenwillig gezeichnetes SUV die Bezeichnung Actyon. Die aktuelle Neuauflage übernimmt davon vor allem den Mut zur Individualität. Technisch basiert sie eng auf dem Torres, tritt mit 4,74 Metern Länge, flacherer Dachlinie und sichtbar eleganterem Anspruch jedoch wie dessen herausgeputzter großer Bruder auf. Zumindest so lange, bis beide nebeneinanderstehen und der Torres mit seinem markanteren Gesicht zurückstarrt.
Unser Testwagen wurde in der inzwischen nicht mehr angebotenen Ausstattung Apex überlassen. An Bord waren der 163 PS starke 1,5-Liter-Turbobenziner, eine Sechsstufenautomatik, Allradantrieb und ein elektrisches Panorama-Glasschiebedach. Hinzu kam die Metallic-Lackierung Latte Greige, die erheblich attraktiver aussieht, als ihr Name nach einem Kaffeeunfall im Baumarkt zunächst vermuten lässt. Nach heutiger Modellstruktur entspricht das Fahrzeug weitgehend einem Actyon Lux. In dieser Konfiguration kostet es aktuell 46.350 Euro zuzüglich Überführung.
Dafür verspricht der Koreaner sehr viel Auto: einen ausgesprochen geräumigen Innenraum, umfangreiche Komfortausstattung, 20-Zoll-Räder, eine 360-Grad-Kamera und ein Allradsystem, das nicht nur für eine dekorative Zeile im Konfigurator eingebaut wurde. Verarbeitung und Karosseriequalität zeigen zudem, dass die Zeiten, in denen man koreanische Außenseiter reflexartig mit schiefen Spaltmaßen begrüßte, endgültig vorbei sind.
Zwischen Anspruch und tatsächlichem Fahrerlebnis liegt dennoch eine gewisse Strecke. Während der Actyon optisch nach Premium, Reise und Abenteuer verlangt, stammt sein konventioneller Antrieb aus einer deutlich pragmatischeren Welt. Vor allem die Zusammenarbeit zwischen Turbobenziner, Automatik, Start-Stopp-System und Auto Hold verlangt bisweilen mehr Einfühlungsvermögen als eine schwierige Familienfeier. Ob der ungewöhnliche Auftritt und die starken Allradqualitäten diese Schwächen ausgleichen können, zeigt unser ausführlicher Praxistest. Fahrbericht.
Der Look
Latte Greige gehört zu jenen Lackierungen, deren Name zunächst mehr Fragen aufwirft, als ihre Farbe anschließend beantwortet. In natura zeigt sich ein warmes Grau mit leicht beigem Einschlag, das seinen Charakter unabhängig von den Lichtverhältnissen weitgehend beibehält. Böse Zungen mögen darin dezent vergilbten Fensterkitt erkennen. Wir halten dagegen: Unter den verfügbaren Farben dürfte Latte Greige die beste Wahl für den KGM Actyon sein. Weiß lässt das große SUV-Coupé vergleichsweise preiswert erscheinen, Schwarz verleiht ihm zwar eine gewisse Eleganz, verschluckt aber einen Teil seiner interessantesten Linien. Das warme Grau bringt seine Flächen und Kanten dagegen ausgezeichnet zur Geltung.
Mit der Front wurden wir dennoch nicht richtig warm. Die schmale, durchgehende Lichtleiste wirkt wie ein nachträglich eingefügtes Zugeständnis an das aktuelle Cyber-Design und verleiht dem Actyon etwas Spielzeughaftes. Auch die Lichtinszenierung beim Öffnen und Schließen erscheint eher bemüht als notwendig. Dieses Auto besitzt genügend Präsenz, um nicht bei jeder Gelegenheit eine kleine elektronische Varietévorstellung aufführen zu müssen. Vor allem im direkten Vergleich mit dem Torres fehlt dem Actyon ein klar definiertes Gesicht. Der Torres tritt mit seinen markanten Scheinwerfern mutiger und zugleich stimmiger auf.
Am anderen Ende der Karosserie gewinnt der Actyon deutlich an Charakter. Sein Heck wirkt breit, bullig und eigenständig. Die rechts und links aufgesetzten Leuchten erscheinen zunächst etwas merkwürdig, setzen aber einen dynamischen Kontrast zur wuchtigen Grundform. Der beste Blickwinkel bleibt dennoch die Seitenansicht. Hier entfaltet der Actyon seine volle optische Größe: lang, gestreckt und erheblich stattlicher, als man es von Korando oder Torres erwarten würde. Die serienmäßigen 20-Zoll-Räder füllen die Radhäuser angemessen aus. 21 oder 22 Zoll wären denkbar, notwendig sind sie nicht.
Auch die coupéhafte Dachlinie drängt sich nicht sofort auf. Der Actyon verlangt einen zweiten und mitunter dritten Blick. Zunächst hält man ihn für einen kantigen Geländewagen, dann für ein großes SUV-Coupé – und schließlich entdeckt man wieder jene robusten Details, die ihn optisch zurück ins Gelände ziehen. Eckige Türgriffe, kräftig modellierte Radkästen und die rein dekorativen Aufsätze auf der Motorhaube fördern diesen Eindruck. Funktion besitzen Letztere keine, optisch erfüllen sie ihren Auftrag jedoch überzeugend.
Gewisse Anleihen beim Range Rover Velar lassen sich kaum übersehen. Angesichts beinahe identischer Außenlängen ist diese Assoziation auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Eine Kopie ist der Actyon dennoch nicht, und spätestens bei der visuellen Wertigkeit bleibt die automobile Hierarchie unmissverständlich. Gleichwohl hielten ihn mehrere Betrachter zunächst tatsächlich für einen Range Rover. Die anschließende Erklärung, KGM sei das frühere SsangYong und stehe für KG Mobility, geriet regelmäßig zum kleinen markengeschichtlichen Seminar.
Überraschend wenig Gesprächsstoff lieferte dagegen die Karosserieverarbeitung. Lackbild, Spaltmaße und Montagequalität erwiesen sich als tadellos. Wer hier nach dem sprichwörtlich lose angeschraubten Argument gegen den koreanischen Außenseiter sucht, muss gründlicher suchen als wir.
Und innen?
Der Innenraum des KGM Actyon präsentiert sich auf den ersten Blick modern, aufgeräumt und weitgehend hochwertig. Das schwarze Interieur könnte angesichts der massiven Karosserie schnell etwas düster wirken, doch das große Panorama-Glasschiebedach bringt reichlich Licht in den Innenraum. Davon profitieren nicht nur Fahrer und Beifahrer: Auch im üppig bemessenen Fond haben die Passagiere viel vom gläsernen Dach und genießen ein angenehm luftiges Raumgefühl.
Einen ungewöhnlichen Akzent setzt das große, beinahe sechseckige Lenkrad. Seine Form und sein Format fallen in den ersten Kilometern deutlich auf und dürften nicht bei jedem sofort Zuneigung auslösen. Immerhin verzichtet KGM hier auf übertriebenen Bedienminimalismus: Die echten Lenkradtasten lassen sich gut ertasten und zuverlässig bedienen. Rätselhaft bleibt dagegen der separate Bediensatellit für die Auto-Hold-Funktion. Er sitzt an einer Stelle, an der man eher den Startknopf vermuten würde. Weshalb ausgerechnet Auto Hold dort einen kleinen Ehrenplatz erhalten hat, dürfte eines jener Geheimnisse bleiben, die koreanische Produktplaner nur unter Eid preisgeben.
Die beiden 12,3 Zoll großen Displays sind klar ablesbar und grundsätzlich logisch aufgebaut. Allerdings hat auch der Actyon eine gründliche Knopfentziehung hinter sich. Nahezu sämtliche Komfort- und Klimafunktionen wurden in den zentralen Touchscreen verlagert. Als kleinen Ausgleich bietet das System einen Splitscreen: Im rechten Viertel lassen sich dauerhaft virtuelle Schnellwahltasten für Klimatisierung, Sitzheizung und Sitzbelüftung einblenden.
Das klingt vernünftig, scheitert während der Fahrt jedoch mitunter an der Größe der Schaltflächen. Sie wollen zunächst gefunden und anschließend präzise getroffen werden. Nicht jeder Versuch endete deshalb mit dem gewünschten Ergebnis. Statt des kühlenden Luftstroms unter dem Fahrer aktivierte der Finger gelegentlich die Sitzheizung – oder kümmerte sich fürsorglich um das Klima des Beifahrers. Echte Tasten hätten diese Form der thermischen Überraschung zuverlässig verhindert.
Hat man die richtige Funktion getroffen, überzeugen sowohl Sitzheizung als auch Sitzbelüftung. Besonders die Belüftung arbeitet spürbar und gehört zu den angenehmen Komfortmerkmalen des Actyon. Auch die äußeren Fondplätze sind beheizbar.
In der Mittelkonsole übernimmt eine kleine Wippe die Gangwahl. Sie sitzt in einer Klavierlackfläche mit Carbonanmutung – eine Kombination, die gleichzeitig sportlich, glänzend und ein wenig amüsant wirkt. Weiterer Klavierlack findet sich an den Türverkleidungen. Frisch gereinigt sieht er durchaus edel aus, sammelt jedoch Fingerabdrücke und feine Kratzer mit jener Hingabe, die andere Hersteller ihren Historienabteilungen widmen.
Wie groß der Kontrast zwischen Anspruch und Detail ausfallen kann, demonstrieren die hinteren Fußmatten. Sie werden von einem offen sichtbaren, simplen Haken gehalten, der erschreckend billig aussieht. Dem ansonsten solide wirkenden Innenraum hätte eine elegantere Lösung gutgetan.
Apple CarPlay und Android Auto sind vorhanden, das Soundsystem liefert einen guten und alltagstauglichen Klang, erreicht aber kein echtes High-End-Niveau. Nach hinten begrenzt die massive C-Säule die Sicht deutlich. Beim Rangieren wird die Rückfahrkamera daher weniger zum netten Extra als zur ausgesprochen willkommenen Sehhilfe.
Der Antrieb des KGM Actyon 4WD
Unter der Motorhaube arbeitet derselbe 1,5-Liter-Turbobenziner, den wir bereits aus dem KGM Torres 4WD (Test des KGM Torres 4WD) kennen. Er leistet 163 PS und stellt zwischen 1.500 und 4.000 Umdrehungen maximal 280 Newtonmeter bereit. Im 1.670 Kilogramm schweren Actyon reicht das für ordentliche Fahrleistungen, von echter Fahrfreude bleibt die Kombination jedoch weit entfernt.
Besonders beim Anfahren wirkt der Vierzylinder zäh. Soll der Actyon aus dem Stand energisch beschleunigen, braucht der Motor Drehzahl und macht daraus akustisch kein Geheimnis. Die Sechsstufenautomatik hält die Gänge teilweise sehr lange, gelegentlich bis nahe an den Begrenzer. Ein kurzes Lupfen des Gaspedals überredet sie meist zum Hochschalten. Dass der Fahrer dem Getriebe auf diese Weise diskrete pädagogische Hinweise geben muss, war vermutlich nicht Teil des Entwicklungsziels.
Bei behutsamem Umgang kann die Automatik durchaus sanft arbeiten. Unter höherer Last wird sie dagegen hektisch, laut und unentschlossen. Die Schaltwippen ändern daran wenig und könnten ohne nennenswerten Verlust abgeschraubt werden. Der Sportmodus hält die Drehzahl noch konsequenter oben. In einem Porsche 911 kann das emotional bereichernd sein; im Actyon erinnert es eher an einen Dyson auf höchster Stufe.
Unnötig umständlich ist auch der kleine Wählhebel. Beim Wechsel zwischen D und R muss stets der Leerlauf N als eigene Station angewählt werden. Wird der Stummel nur einmal bewegt, bleibt das Getriebe in Neutralstellung und der Motor heult beim Gasgeben folgenlos auf. Das Auto bewegt sich keinen Zentimeter, klingt dabei aber immerhin sehr beschäftigt.
Ähnlich wenig harmonisch arbeitet die Start-Stopp-Automatik mit Auto Hold zusammen. Das System schaltet den Motor nicht bei jedem Halt ab. Tut es das, lässt sich der konventionelle Anlasser beim Neustart spürbar Zeit. Anschließend baut der Motor Leistung auf, während Auto Hold das Fahrzeug noch festhält, ehe sich die Bremse löst und der Actyon mit einem kurzen Satz nach vorn startet. Für Außenstehende sieht das aus, als habe der Fahrer seine erste Unterrichtsstunde überraschend im eigenen Auto begonnen.
Ist der Actyon einmal unterwegs, beruhigt sich das Geschehen deutlich. Auf Landstraße und Autobahn hält der Motor sein Tempo zuverlässig, Überholmanöver sind möglich und bei konstanter Drehzahl arbeitet der Antrieb unauffällig. Eine drehmomentstarke Zweiliter-Maschine mit moderner Achtstufenautomatik würde dem großen KGM dennoch wesentlich besser stehen.
Seine stärkste technische Eigenschaft ist der Allradantrieb. Auf nassem, losem oder grasigem Untergrund bleibt die Traktion beeindruckend stabil. Selbst gezielte Versuche, den Actyon zum Durchdrehen zu bewegen, blieben weitgehend erfolglos. Auch leichtes Gelände bewältigt er souveräner, als sein eleganter Auftritt vermuten lässt. Für einen echten Traktionsabriss müsste man vermutlich einen zugefrorenen See bemühen – und selbst dort zunächst eine Stelle ohne Streusalz finden.
So fährt der KGM Actyon 4WD
In der Stadt vermittelt das Fahrwerk zunächst einen eher straffen Eindruck. Kurze Unebenheiten, Kanaldeckel und harte Fahrbahnkanten reicht der Actyon allerdings deutlicher an seine Insassen weiter, als diese erste Wahrnehmung erwarten lässt. Von einer konsequent sportlichen Abstimmung kann dennoch keine Rede sein. Dafür bewegt sich die Karosserie bei schnellen Richtungswechseln zu ausgeprägt.
Deutlich wohler fühlt sich das SUV-Coupé auf der Autobahn. Längere Bodenwellen und sanfte Verwerfungen verarbeitet das konventionelle Fahrwerk erstaunlich souverän. Der Geradeauslauf ist sehr gut, und bei gleichmäßigem Tempo entwickelt der Actyon angenehme Langstreckenqualitäten. Einmal auf der A7 eingefädelt, könnte man von Hamburg bis Füssen durchfahren. Abgesehen von einem zwischenzeitlich notwendigen Tankstopp besteht wenig Anlass, daran etwas zu ändern.
Auch bei hohem Tempo bleibt das Sicherheitsgefühl erhalten. Reisegeschwindigkeiten um 160 km/h absolviert der Koreaner problemlos, selbst bei Tacho knapp 200 wirkt er nicht nervös. Seitenwind ist spürbar und verlangt gelegentliche Lenkkorrekturen, bringt den Actyon aber nicht ernsthaft aus der Ruhe. Wind- und Abrollgeräusche bleiben insgesamt akzeptabel. Akustisch störend wird vor allem der Vierzylinder, sobald die Automatik ihn unter Last in hohe Drehzahlregionen schickt.
Die Lenkung bietet erfreulicherweise genügend Widerstand und fühlt sich nicht künstlich leicht an. Präzision und Rückmeldung bleiben dagegen überschaubar. Informationen über den Fahrbahnzustand liefert sie eher in der kostenfreien Basisversion; für das vollständige Feedback-Paket wäre offenbar ein Abonnement nötig. Beim Rangieren wirkt der große KGM entsprechend wenig handlich, auch weil ihm technische Hilfen wie eine Hinterachslenkung naturgemäß fehlen.
Schnelle Kurven oder abrupte Spurwechsel beantwortet die Karosserie mit erkennbarem Nicken und Wanken. Kritisch wird das nicht, doch der Actyon kommuniziert deutlich, dass ihm eine gleichmäßige Reiseroute lieber ist als spontane sportliche Einfälle. Eine aktive Wankstabilisierung besitzt er ebenso wenig wie ein straff genug abgestimmtes Fahrwerk, um seine Masse vollständig zu kaschieren.
Die Bremsanlage verrichtet ihre Arbeit unauffällig. Pedalgefühl und Dosierbarkeit entsprechen solider Normalkost, mit dem Fahrzeuggewicht kommt die Anlage zuverlässig zurecht. Besondere Begeisterung löst sie nicht aus, Anlass zur Kritik liefert sie ebenso wenig. Der Actyon bremst, wenn er bremsen soll – in diesem Fahrzeug ist bereits diese unkomplizierte Zusammenarbeit keineswegs die selbstverständlichste aller Disziplinen.
Alltag & Verbrauch
Im Alltag zeigt der KGM Actyon 4WD jene Qualitäten, die man angesichts seiner stattlichen Abmessungen erwartet. Der Kofferraum fasst 668 Liter, ist vernünftig geschnitten und lässt sich ohne größere Verrenkungen beladen. Auch die Ladekante fällt nicht unangenehm hoch aus. Die Kofferraumabdeckung ist einfach zu handhaben und wirkt nicht wie ein Geduldsspiel, das man nach dem dritten Einkauf dauerhaft in der Garage lagert.
Werden die hinteren Rücksitzlehnen umgeklappt, entsteht allerdings eine Stufe im Ladeboden. Für Möbeltransporte mit Wasserwaage ist das nicht ideal, im normalen Alltag stört es jedoch kaum. Insgesamt lässt sich das Gepäckabteil sinnvoll nutzen und passt damit zum üppigen Platzangebot im restlichen Fahrzeug. Auch der Ein- und Ausstieg gelingt vorne wie hinten problemlos. Trotz der abfallenden Dachlinie müssen größere Mitfahrer keine vorbereitenden Dehnübungen absolvieren.
In Parkhäusern und engeren Straßen lässt sich der Actyon überraschend ordentlich handhaben. Seine Außenmaße verschwinden natürlich nicht durch positives Denken, doch die Karosserie bleibt ausreichend gut einschätzbar. Problematischer wird es beim Blick schräg nach hinten: Die massive C-Säule und das flach auslaufende Heck schränken die Sicht deutlich ein. Entsprechend dankbar waren wir für die Kameras – und insbesondere für die Rückfahrkamera, die im Alltag ohnehin zu den sinnvolleren Errungenschaften moderner Fahrzeugtechnik gehört.
Das elektrische Panorama-Glasschiebedach lässt sich öffnen, bringt viel Licht in den Innenraum und hielt sich akustisch erfreulich zurück. Klappern, Knarzen oder auffällige Windgeräusche waren kein Thema. Das sollte bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse selbstverständlich sein, ist es erfahrungsgemäß aber nicht immer.
Weniger zurückhaltend verhält sich der Turbobenziner an der Zapfsäule. Auf unserer Sparrunde waren 7,8 Liter pro 100 Kilometer möglich. Bei entspannter Fahrt stieg der Verbrauch auf 9,1 Liter, im normalen Alltagsbetrieb auf 10,5 Liter. Sportliche Fahrweise quittierte der Actyon mit 11,6 Litern, zügige Autobahnetappen mit 12,1 Litern. Bei sehr hohen Geschwindigkeiten liefen schließlich 13,6 Liter durch die Einspritzdüsen. Der offizielle WLTP-Wert von 9,0 Litern ist damit erreichbar, verlangt allerdings einen entsprechend entspannten Gasfuß.
Mit seinem 50-Liter-Tank zeigte der Actyon nach dem Volltanken meist rund 500 Kilometer Reichweite an. Im Alltag standen gewöhnlich nach 350 bis 400 Kilometern wieder Tankstellenbesuche an. Rund 400 Kilometer waren zuverlässig möglich, 500 Kilometer bildeten bei zurückhaltender Fahrweise eher die Obergrenze. Der Tank reicht grundsätzlich aus, großzügig bemessen ist er angesichts des Verbrauchs jedoch nicht.
Der vergleichsweise günstige Fahrzeugpreis lässt finanziellen Spielraum für Kraftstoff. Ein Teil des gesparten Kaufpreises wandert somit später portionsweise durch die Zapfpistole zurück. Längere Reisen würden wir dem Actyon dennoch ohne Bedenken zutrauen.
Assistenz, Technik & Ausstattung
Die beiden 12,3-Zoll-Displays des KGM Actyon wirken übersichtlich und sind unter normalen Bedingungen gut ablesbar. Auch nachts stimmt die Helligkeit, ohne dass die Anzeigen den Innenraum in ein mobiles Solarium verwandeln. Bei direkter Sonneneinstrahlung ändert sich das Bild jedoch deutlich. Fällt das Licht ungünstig auf die Oberflächen, sind Inhalte teilweise nur noch schwer zu erkennen. Ob die Ursache in einer schwachen Entspiegelung oder einer zu geringen maximalen Helligkeit liegt, ist für den Fahrer letztlich akademisch: Man sieht trotzdem wenig.
Das Infotainmentsystem ist logisch genug aufgebaut, arbeitet aber nicht sonderlich schnell. Hinzu kommt die bereits erwähnte Verlagerung zahlreicher Funktionen auf den Touchscreen. Das integrierte Navigationssystem erfüllte grundsätzlich seinen Zweck, schlug gelegentlich allerdings Umwege vor, die vermutlich eher dem Kennenlernen bislang unbeachteter Nebenstraßen dienten. Wir wechselten deshalb auf Google Maps. Apple CarPlay und Android Auto sind vorhanden, funktionieren jedoch nur per Kabel. Für ein neues Fahrzeug ist das etwas altmodisch, wobei ausreichend USB-C-Anschlüsse zur Verfügung stehen. Diese geben bis zu 27 Watt Ladeleistung ab. Auch eine induktive Ladeschale ist vorhanden, nur rutschte das Smartphone in Kurven gerne aus seiner vorgesehenen Position. Das Audiosystem klingt gut, erreicht aber keine Qualität, für die man nach Fahrtende noch freiwillig im Auto sitzen bleibt.
Der adaptive Tempomat arbeitet bei geringem Verkehrsaufkommen ordentlich. Muss er in dichterem Verkehr häufig beschleunigen und verzögern, gerät jedoch die Motor-Getriebe-Kombination in Unruhe. Die Automatik wechselt nervös zwischen den Stufen, der Motor dreht unnötig hoch und aus einer Komfortfunktion wird eine akustisch begleitete Fahrstunde. Offiziell umfasst das IACC-System auch eine kamerabasierte Spurzentrierung. Die Lenkunterstützung überzeugte in der Praxis jedoch nur bedingt. Besonders Baustellenmarkierungen brachten den Spurhalteassistenten durcheinander. Dann griff er bisweilen überraschend kräftig ins Lenkrad, weshalb wir ihn schließlich deaktivierten.
Zuverlässiger arbeiteten Totwinkelwarner, Querverkehrswarner und Verkehrszeichenerkennung. Auch der Aufmerksamkeitswarner blieb angenehm unauffällig. Der vorgeschriebene Geschwindigkeitswarner lässt sich abschalten, wenngleich der Weg dorthin zunächst etwas Sucharbeit verlangt. Hat man ihn einmal verinnerlicht, wird daraus eine kurze Routine statt einer morgendlichen Schnitzeljagd.
Sehr gut gefiel uns das 360-Grad-Kamerasystem. Auflösung, Perspektiven und Reaktionsgeschwindigkeit stimmen, nachts tritt lediglich ein leichtes Bildrauschen auf. Gerade die Bordsteinansicht schützt die attraktiven 20-Zoll-Räder. Wegen der massiven C-Säule liefert bereits die Rückfahrkamera einen echten Mehrwert; die Rundumsicht ist daher mehr als reines Technik-Lametta. Auch die Parksensoren arbeiteten zuverlässig.
Die LED-Scheinwerfer liefern ein ordentliches Lichtbild, bleiben aber hinter den überzeugenderen Leuchten des Torres zurück. Adaptives Licht gibt es nicht. Zudem reagiert der Fernlichtassistent eher gemächlich und erkannte die Positionsleuchten entgegenkommender Lastwagen nicht immer rechtzeitig – gelegentliche Lichtgrüße waren die Folge. Vollkommen zuverlässig funktionierten dagegen Keyless Go, die elektrische Heckklappe und das automatische Anklappen der Außenspiegel. Fehlermeldungen, Phantomwarnungen oder ein grundloses Warntonkonzert blieben während des Tests aus.
Varianten & Preise des KGM Actyon 4WD
Der KGM Actyon startet als Core bei 35.790 Euro zuzüglich Überführung. Dafür gibt es den 163 PS starken Turbobenziner, Frontantrieb und ein manuelles Sechsganggetriebe. Karg fällt der Einstieg dennoch nicht aus: 20-Zoll-Leichtmetallräder, LED-Scheinwerfer, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Ledersitze, Sitzheizung vorne und hinten, belüftete Vordersitze sowie die beiden 12,3-Zoll-Displays sind bereits serienmäßig. Andere Hersteller beginnen an dieser Stelle gerne erst mit dem Öffnen der Aufpreisliste.
Die Sechsstufenautomatik kostet beim Core 2.200 Euro. Weitere 2.200 Euro werden für den Allradantrieb fällig, der seinerseits nur zusammen mit der Automatik erhältlich ist. Ein Actyon Core 4WD kostet damit mindestens 40.190 Euro. Der intelligente adaptive Tempomat kann für 500 Euro ergänzt werden, setzt ebenfalls das Automatikgetriebe voraus.
Ab 39.450 Euro folgt der Actyon Bliss. Hier gehört die Automatik bereits zum Serienumfang. Zusätzlich gibt es unter anderem Keyless Go, vordere Parksensoren, einen automatisch abblendenden Innenspiegel, Totwinkelassistent und Querverkehrswarner. Mit Allradantrieb steigt der Preis auf 41.650 Euro. Eine elektrische Heckklappe kostet in dieser Ausstattung weitere 1.100 Euro, der adaptive Tempomat 500 Euro. Wer beide Extras bestellt, nähert sich preislich bereits dem Lux – vermutlich der höfliche Hinweis des Konfigurators, gleich eine Stufe weiterzugehen.
Das Topmodell Lux beginnt bei 42.250 Euro. Es bringt die elektrische Heckklappe, den adaptiven Tempomaten, das 360-Grad-Kamerasystem, den Querverkehrsassistenten mit Notbremsfunktion und den Ausstiegswarner serienmäßig mit. Der Allradantrieb erhöht den Preis auf 44.450 Euro. Metallic-Lackierungen kosten unabhängig von der Ausstattung 700 Euro.
Unser Testwagen wurde noch als Apex geführt, entspricht nach aktueller Modellstruktur jedoch weitgehend dem Lux. Mit Allradantrieb, der Metallic-Lackierung Latte Greige und dem 1.200 Euro teuren elektrischen Panorama-Glasschiebedach ergibt sich ein Gesamtpreis von 46.350 Euro zuzüglich Überführung. Damit ist der Actyon nicht billig, bietet angesichts seiner Größe und Ausstattung aber sichtbar mehr Auto als viele ähnlich teure Kompakt-SUVs.
Alternativ ist der Actyon inzwischen als Vollhybrid erhältlich. Dieser wird ausschließlich in der Ausstattung Lux angeboten und kostet mindestens 44.890 Euro. Sein Antrieb leistet 204 PS, überträgt die Kraft über ein DHT-Hybridgetriebe jedoch nur an die Vorderräder. Allradantrieb ist für den Hybrid nicht erhältlich. Dafür sinkt der offizielle Verbrauch von 9,0 Litern beim getesteten 4WD-Benziner auf 6,1 Liter. Das Panoramadach kann auch hier für 1.200 Euro bestellt werden.
Zur weiteren Individualisierung stehen eine zweifarbige Lackierung für 600 Euro und ein braun-beiges Interieur für 500 Euro bereit. Panoramadach und kontrastfarbiges Dach schließen sich allerdings gegenseitig aus. Offenbar möchte KGM verhindern, dass Käufer gleichzeitig nach oben hinausschauen und von außen besonders interessant aussehen. Ungeachtet der Variante, erhält jeder Actyon eine KGM-Garantie von fünf Jahren oder 100.000 Kilometer.
Kundenfeedback
Wer im Internet nach belastbaren Langzeiterfahrungen mit dem KGM Actyon 4WD sucht, benötigt derzeit vor allem Geduld. Das deutsche Actyon-Forum kommt bislang auf fünf Themen und sechs Beiträge, eine große Zufriedenheitsstudie gibt es ebenfalls noch nicht. Was sich finden lässt, ist deshalb eine Momentaufnahme und keine belastbare Zuverlässigkeitsstatistik. Immerhin ist die größte statistische Auffälligkeit damit bereits gefunden: die Abwesenheit einer Statistik.
Ergiebiger sind Rückmeldungen aus dem koreanischen Heimatmarkt. Eine Auswertung von 64 Besitzerbewertungen und mehreren ausführlichen Erfahrungsberichten nennt vor allem Design, Ausstattung und Raumangebot als wiederkehrende Stärken. Familien loben insbesondere die geräumige zweite Reihe und den großen Kofferraum. Ein Allradfahrer hebt ausdrücklich den Komfort der hinteren Plätze auf längeren Reisen hervor. Besitzer mit Kindern berichten außerdem, dass Kinderwagen, Reisegepäck und der übliche familiäre Kleinkram problemlos unterkommen. Das klingt banal, ist bei einem SUV-Coupé aber keineswegs selbstverständlich.
Deutlich stärker vom Einsatzprofil abhängig ist die Zufriedenheit mit dem Verbrauch. Auf gleichmäßig gefahrenen Langstrecken werden international Werte zwischen etwa sieben und acht Litern genannt. Im Stadtverkehr und auf kurzen Strecken landen Besitzer dagegen häufig im zweistelligen Bereich. Koreanische Fahrer berichten teilweise von umgerechnet zwölf Litern oder mehr und entsprechend häufigen Tankstopps. Der Actyon ist somit nicht unter allen Bedingungen hemmungslos durstig. Man muss ihm nur genau jene Bedingungen bieten, unter denen auch ein großer Turbobenziner ausnahmsweise gute Laune bekommt.
Interessanter als die bekannten Diskussionen über Touchscreen-Bedienung sind einzelne Berichte zum Infotainment. Genannt werden ein langsamer Systemstart, verzögerte Kameraumschaltungen und vereinzelt aussetzende beziehungsweise neu startende Displays. Ein Besitzer will innerhalb eines Jahres drei Bildschirm-Blackouts erlebt haben. Daraus lässt sich noch kein Serienfehler ableiten, bei der Probefahrt sollte man das System dennoch nicht nur zwei Minuten lang bewundern. Ein deutscher Actyon-Fahrer suchte zudem nach einer kabellosen CarPlay-Lösung, nachdem weder ein Adapter von Ottocast noch von Carlink funktionieren wollte. Manchmal verteidigt ein USB-Kabel seinen Arbeitsplatz erstaunlich entschlossen.
Regelmäßig auftretende schwere technische Defekte lassen sich beim europäischen Actyon bislang nicht erkennen. Dafür ist die Datenbasis allerdings viel zu klein. Im allgemeinen KGM-Besitzerumfeld wird eher über Händlerentfernungen und Ersatzteilversorgung diskutiert. Einige Fahrer müssen 70 Kilometer oder rund eine Stunde bis zum nächsten Vertragspartner zurücklegen und berichten von längeren Wartezeiten auf Teile. Andere loben dagegen ihre Werkstatt und schildern problemlos erledigte Reparaturen. KGM verfügt inzwischen nach eigenen Angaben über mehr als 150 Partnerbetriebe in Deutschland. Entscheidend ist jedoch nicht deren Gesamtzahl, sondern ob einer davon in sinnvoller Entfernung zum eigenen Wohnort liegt.
Für wen eignet sich der KGM Actyon 4WD?
Der KGM Actyon 4WD eignet sich zunächst für Menschen, denen ein gewöhnliches Mittelklasse-SUV schlicht zu gewöhnlich ist. Zwischen Tiguan, Sportage, Tucson und den zahlreichen weiteren Vertretern dieser Fahrzeugklasse fällt der Koreaner angenehm aus dem Raster. Seine gestreckte Seitenansicht, die kantigen Details und das ungewöhnliche Heck verleihen ihm einen eigenständigen Auftritt. Wer gerne gefragt wird, was er da eigentlich fährt, bekommt diese Sonderausstattung beim Actyon kostenlos dazu.
Besonders interessant ist er für Familien und andere Menschen mit regelmäßigem Platzbedarf. Im Fond herrschen großzügige Verhältnisse, der Kofferraum ist groß und gut nutzbar, der Ein- und Ausstieg gelingt problemlos. Sitzheizung hinten, Sitzbelüftung vorne, das große Panorama-Glasschiebedach und die umfangreiche Komfortausstattung machen ihn zu einem angenehmen Begleiter im Alltag. Wer Kinder, Gepäck oder beides gleichzeitig transportiert, muss im Actyon nicht erst ein dreidimensionales Tetris-Turnier veranstalten.
Seine eigentliche Besonderheit ist jedoch der Allradantrieb. Er empfiehlt sich für Käufer, die nicht nur eine dekorative 4WD-Plakette spazieren fahren wollen. Auf nassen Wiesen, losem Untergrund und leichten Geländepassagen arbeitet das System überzeugend und lässt sich kaum aus der Ruhe bringen. Damit passt der Actyon zu Menschen, die regelmäßig ländlich unterwegs sind, bei jedem Wetter mobil bleiben müssen oder am Wochenende tatsächlich einmal befestigte Straßen verlassen. Zum Extremkletterer wird er dadurch nicht, doch für Waldwege, verschneite Zufahrten und matschige Parkplätze besitzt er erheblich mehr Talent als viele modisch höhergelegte Konkurrenten.
Auch entspannte Langstreckenfahrer können mit ihm glücklich werden. Sobald der Actyon in Bewegung ist, überzeugt er mit stabilem Geradeauslauf, ordentlichem Geräuschkomfort und einem Fahrwerk, das lange Autobahnwellen sauber verarbeitet. Wer überwiegend gleichmäßig fährt, selten hektisch beschleunigt und die Automatik mit der nötigen Zuneigung behandelt, erlebt ein wesentlich harmonischeres Auto als im dichten Stadtverkehr.
Geeignet ist der Actyon außerdem für preisbewusste Käufer, die viel Ausstattung, viel Raum und eine gewisse optische Präsenz suchen, ohne direkt im Premiumregal einzukaufen. Verarbeitung und Karosseriequalität geben kaum Anlass zur Kritik. Voraussetzung ist allerdings die Bereitschaft, höhere Kraftstoffkosten zu akzeptieren und vor dem Kauf zu prüfen, ob ein KGM-Partner sinnvoll erreichbar ist. Wer diese Punkte abhaken kann, erhält einen auffälligen, praktischen und überraschend abenteuerlustigen Außenseiter.
Für wen eignet sich der KGM Actyon 4WD nicht?
Nicht geeignet ist der KGM Actyon 4WD für Menschen, die hinter seinem dynamischen SUV-Coupé-Auftritt ein entsprechend temperamentvolles Fahrerlebnis erwarten. Der 163 PS starke Turbobenziner bewegt das Fahrzeug zuverlässig, aber nicht mit besonderem Enthusiasmus. Gemeinsam mit der Sechsstufenautomatik entsteht ein Antrieb, der unter Last lieber Drehzahl als Souveränität produziert. Wer Beschleunigung als emotionale Erfahrung betrachtet, bekommt hier recht schnell den Wunsch nach einem anderen Getriebe.
Ebenso wenig passt der Actyon zu ausgesprochen sparsamen Fahrern. Auf entspannten Strecken lässt sich der Verbrauch in einen akzeptablen Bereich drücken, im normalen Alltag bewegt er sich jedoch schnell um zehn Liter. Bei sportlicher Fahrweise oder hohem Autobahntempo darf es noch deutlich mehr sein. Pendler mit vielen Stadt- und Kurzstrecken sollten deshalb entweder eine besonders innige Beziehung zu ihrer Tankstelle pflegen oder direkt den inzwischen erhältlichen Vollhybrid prüfen. Der Allradantrieb verbessert die Traktion, verwandelt Benzin aber leider weiterhin nicht in ein nachwachsendes Naturprodukt.
Auch Freunde agiler Fahrwerke und präziser Lenkungen werden nicht vollkommen glücklich. Der Actyon fährt stabil und sicher, zeigt bei schnellen Richtungswechseln jedoch deutliche Karosseriebewegungen. Die Lenkung besitzt genügend Widerstand, liefert aber nur begrenzte Rückmeldung. Enge Parkhäuser liegen ihm ebenfalls weniger als offene Autobahnen. Die Kameras verhindern zwar den unmittelbaren Felgentod, können die Abmessungen des Fahrzeugs aber nicht vollständig wegdigitalisieren.
Bedienpuristen sollten ebenfalls vorsichtig sein. Viele Klima- und Komfortfunktionen sitzen im Zentraldisplay, die virtuellen Schnellwahltasten sind während der Fahrt nicht immer treffsicher zu bedienen. Wer für Sitzheizung, Lüftung und Temperatur weiterhin echte Schalter erwartet, findet im aufgeräumten Cockpit vor allem viel Gelegenheit, seine Meinung zu moderner Fahrzeugbedienung zu festigen. Hinzu kommen kabelgebundenes Apple CarPlay und Android Auto sowie ein Infotainment, das zwar logisch aufgebaut, aber nicht besonders schnell ist.
Für schwere Anhänger ist der Actyon mit maximal 1.800 Kilogramm gebremster Anhängelast ebenfalls nur eingeschränkt geeignet. Wer regelmäßig große Wohnwagen, Pferdeanhänger oder schwere Arbeitsgeräte zieht, findet leistungsstärkere Alternativen. Das gilt ebenso für Käufer, denen ein dichtes Händlernetz, besonders kalkulierbare Restwerte und eine etablierte Modellhistorie wichtig sind. KGM wächst, bleibt in Deutschland aber eine kleine Marke. Wer seinen Vertragspartner erst nach einer längeren Autobahnfahrt erreicht, sollte diese Strecke besser vor dem Kauf kennenlernen.
Schließlich ist der Actyon nichts für Menschen, die eigentlich einen Range Rover Velar möchten und lediglich dessen Preis vermeiden wollen. Die optischen Anleihen sind erkennbar, bei Antrieb, Fahrwerk, Materialauswahl und technischer Raffinesse liegen jedoch mehrere Etagen dazwischen. Der KGM ist ein charaktervoller Gegenentwurf zum automobilen Mainstream – aber kein britisches Luxus-SUV mit koreanischem Rabattcode.
Fazit zum KGM Actyon 4WD
Der KGM Actyon 4WD ist ein Auto voller Gegensätze. Er sieht teurer aus, als er ist, bietet mehr Platz, als seine coupéhafte Dachlinie vermuten lässt, und kann abseits befestigter Straßen mehr, als die hübschen 20-Zoll-Räder zunächst erwarten lassen. Gleichzeitig kombiniert er seinen beinahe mondänen Auftritt mit einem Antrieb, dessen Entwicklungsziel offenbar weniger „Freude am Fahren“ als „Hauptsache ankommen“ lautete.
Dabei macht der Actyon vieles richtig. Verarbeitung, Raumangebot und Ausstattung überzeugen, das Panorama-Glasschiebedach schafft eine angenehme Atmosphäre und der Allradantrieb verdient seine Bezeichnung tatsächlich. Auch auf langen Autobahnetappen fühlt sich der Koreaner wohl. Ist er einmal in Bewegung, läuft er stabil, sicher und ausreichend komfortabel. Man sollte ihn dann nur möglichst nicht wieder anhalten, denn beim erneuten Losfahren müssen Start-Stopp-System, Auto Hold, Turbobenziner und Automatik erst eine kleine Teamsitzung abhalten.
Die größte Schwäche bleibt deshalb die Kombination aus 1,5-Liter-Benziner und Sechsstufenautomatik. Sie macht den Actyon weder schnell noch sparsam und reagiert auf entschlossene Gasbefehle gerne mit hoher Drehzahl und akustischer Verzweiflung. Auch das teilweise straffe Fahrwerk, die mäßig präzise Lenkung und die weitgehend digitalisierte Bedienung verhindern, dass aus dem interessanten Außenseiter ein rundum überzeugendes Gesamtpaket wird.
Trotzdem besitzt der Actyon einen entscheidenden Vorteil: Charakter. Er ist kein weiteres beliebig gezeichnetes SUV, das bereits auf dem Supermarktparkplatz vergessen wird. Seine ungewöhnliche Form, das bullige Heck und die hervorragende Seitenansicht bleiben im Gedächtnis. In Latte Greige funktioniert der Auftritt besonders gut – auch wenn böse Zungen wohl weiterhin von gealtertem Fensterkitt sprechen werden.
Für 46.350 Euro bietet unser nach heutiger Modellstruktur konfigurierter Actyon Lux 4WD sehr viel Auto und Ausstattung. Wer Platz, Individualität und überzeugende Traktion höher gewichtet als Verbrauch, Antriebsfeinschliff und Markenprestige, bekommt einen sympathischen Exoten mit echten Talenten. Einen Range Rover ersetzt er nicht. Dafür dürfte man beim KGM-Händler nach der Unterschrift noch genügend Geld besitzen, um auch wieder nach Hause zu fahren.
Konkurrenz & Vergleich
Wer den KGM Actyon 4WD nur nach seinen Eckdaten betrachtet, landet in einem erstaunlich gut gefüllten Haifischbecken: rund 4,74 Meter Länge, Allradantrieb, Automatik und eine Leistung irgendwo zwischen ausreichend und „bitte nicht drängeln“ – sprich: zwischen 150 und 200 PS. Der naheliegendste Gegner kommt dabei aus dem eigenen Haus.
Der KGM Torres 4WD (Test des KGM Torres 4WD) nutzt den gleichen 163-PS-Benziner samt Sechsstufen-Automatik, ist ähnlich groß und kostet als Lux 4WD ab 46.090 Euro beinahe dasselbe. Er bietet das kantigere, ehrlichere Geländewagen-Design und aus unserer Sicht auch das stimmigere Gesicht. Der Actyon wirkt seitlich eleganter und innen etwas moderner, der Torres dafür weniger bemüht, ein koreanischer Range Rover für Menschen mit gesundem Verhältnis zum Dispokredit zu sein.
Etwas kompakter, aber preislich und konzeptionell ausgesprochen interessant sind der ab 40.540 Euro erhältliche Kia Sportage 1.6 T-GDI AWD (Test des Kia Sportage AWD) und der mindestens 45.610 Euro teure Hyundai Tucson 1.6 T-GDI AWD (Test des Hyundai Tucson Hybrid) mit jeweils 180 PS. Beide sind rund 20 Zentimeter kürzer, fahren jedoch kultivierter und wirken beim Antrieb deutlich besser abgestimmt. Der ab 53.150 Euro angebotene VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion mit 193 PS (Test des VW Tiguan 2025) legt bei Langstreckenkomfort und Verbrauch nach. Der mindestens 49.980 Euro teure Cupra Terramar 2.0 TSI 4Drive (Test des Cupra Terramar VZ) überschreitet unseren Leistungskorridor mit 204 PS zwar um dramatische vier Pferdestärken, ist dafür aber der deutlich dynamischere und emotionalere Gegenentwurf.
In der Größenklasse des KGM Actyon 4WD warten der ab 49.500 Euro erhältliche Honda CR-V AWD mit 184 PS (Test des Honda CR-V PHEV) und der Toyota RAV4 AWD-i mit 194 PS, der bei 46.990 Euro startet. Letzteren gibt es auch als Suzuki Across. Beide setzen auf Hybridtechnik, fahren sparsamer und insbesondere beim Anfahren erheblich geschmeidiger. Der mindestens 46.390 Euro teure Nissan X-Trail e-4orce liegt mit 213 PS etwas über unserem Zielbereich, passt mit seinen Abmessungen, dem Allradantrieb und dem optionalen Siebensitzer-Konzept aber trotzdem gut in den Vergleich.
Mehr Platz und ausgewachsene Langstreckenqualitäten liefern der ab 51.900 Euro erhältliche Škoda Kodiaq 2.0 TDI 4×4 (Test des Skoda Kodiaq 4×4) und der mindestens 55.935 Euro teure VW Tayron 2.0 TDI 4Motion (Test des VW Tayron TDI) mit jeweils 193 PS. Beide sind teurer, wirken beim Antrieb jedoch mindestens eine Generation reifer. Der Mercedes GLB 200 4Matic mit 184 PS bietet ab 55.204 Euro dagegen das Premium-Emblem und die entsprechende Rechnung dazu.
Als preislicher Gegenpol empfiehlt sich der ab 30.690 Euro erhältliche Dacia Bigster Hybrid-G 150 4×4 (Test des Dacia Bigster 4×4). Er ist kürzer und einfacher gemacht, bietet aber 154 PS, Allrad und einen Einstiegspreis, der rund 15.660 Euro unter unserem Actyon liegt. Oberhalb des KGM stehen schließlich der mindestens 62.800 Euro teure BMW X3 20d xDrive und der ab 59.950 Euro angebotene Audi Q5 TDI quattro. Beide treffen Größe und Leistung ziemlich genau, spielen bei Verarbeitung, Antrieb und Preis allerdings eine andere Liga.
KGM Actyon 4WD versus Range Rover Velar
Der Range Rover Velar D200 besitzt Allrad, 204 PS und nahezu identische Abmessungen. Wer sich dagegen für den D300 (Test des Range Rover Velar D300) entscheidet, bekommt ab 88.400 Euro 300 PS aus sechs Zylindern und damit einen Antrieb, der Gasbefehle nicht erst als unverbindliche Gesprächsanfrage behandelt. Auch optisch lässt sich eine gewisse Familienähnlichkeit nicht wegdiskutieren – wenngleich Range Rover von dieser Familie vermutlich noch nichts weiß. Mit einem Grundpreis von 72.800 Euro kostet der Velar exakt 26.450 Euro mehr als unser nahezu vollausgestatteter Actyon. Dafür erhält man mehr Feinschliff, mehr Prestige und das beruhigende Privileg, die häufig gestellte Frage „Ist das ein Range Rover?“ endlich wahrheitsgemäß mit „Ja“ beantworten zu können.
Text / Fotos: NEU!
Kamera: Canon EOS 6D
Vorteile ✅
- Charakterstarkes Design
- Großzügiges Raumangebot für Passagiere und Gepäck
- Überzeugender Allradantrieb mit sehr guter Traktion
- Umfangreiche Komfortausstattung und gute Verarbeitung
- Sicheres, stabiles Fahrverhalten auf langen Autobahnetappen
Nachteile ❌
- Träge und wenig harmonische Motor-Getriebe-Kombination
- Hoher Verbrauch
- Zu viele Komfort- und Klimafunktionen im Zentraldisplay
- Unpräzise Lenkung und deutliche Karosseriebewegungen
Technische Daten des KGM Actyon 4WD
| Modell | KGM Actyon 4WD AT Apex |
| Länge x Breite x Höhe (m) | 4,74 x 1,91 (2,07 mit Außenspiegeln) x 1,67 |
| Radstand (mm) | 2.680 |
| Motor | Vierzylinder-Reihenmotor mit Turboaufladung |
| Hubraum (ccm) | 1.497 |
| Leistung (kW / PS) | 120 /163 |
| Drehmoment (Nm) | 280 |
| Getriebe | 6-Gang-Automatikgetriebe |
| Antrieb | Allrad |
| Kraftstoffart | Super E10 |
| Durchschnittsverbrauch (WLTP in Liter) | 9,0 |
| Durchschnittsverbrauch (NEU! in Liter) | 10,5 |
| CO²-Ausstoß (nach WLTP in g/km) | 205 |
| Abgasnorm | Euro 6e |
| 0 auf 100 km/h (in Sekunden) | 11,0 |
| Höchstgeschwindigkeit (km/h) | 191 |
| Leergewicht (kg) | 1.670 |
| Kofferraumvolumen (l) | 668 – 1.120 |
| Farbe | Latte Greige (Beige-Grau) |
| Grundpreis (Euro) | 35.790 |
| Testwagenpreis (Euro) | 46.350 |

































